2.Kapitel
Lucius letzte ChanceHarry lief ein kalter Schauer über den Rücken. Er starrte Ron an, unfähig irgendetwas zu sagen.
Langsam erhob Harry sich und stolperte aus der Großen Halle. Er ging durch das Schlossportal in Richtung des nunmehr verlassenen Schlachtfelds. Er würde nicht eher wieder zu den anderen gehen, bis er Ginny gefunden hatte.
Es war stockfinster, ein eisiger Wind ließ Harry frösteln. Er zog seinen Umhang enger um seinen Körper. Immer wieder stolperte Harry; doch er sah sich nicht um, er wollte nicht wissen, worüber er stolperte.
Es schien eine Ewigkeit vergangen zu sein, seit er die warme Große Halle und die schützenden Wände des Schlosses verlassen hatte. Von Ginny fehlte jede Spur.
In seinen gedankenleeren Kopf drang plötzlich eine Melodie, so schön und sanft, so voller Trost, dass Harry stehen blieb, bevor er Ihr folgte. Diese Melodie erfüllte seinen ganzen Körper, sie wärmte ihn und führte ihn auf seiner Suche.
Er wusste, dass es Fawkes der Phönix war, Professor Dumbledors treuer Gefährte.
Harry näherte sich wieder dem Schloss. Er trat durch das Schlossportal und folgte den Gängen. Harry wusste nicht, in welchem Teil des Schlosses er sich grad befand und so ging er immer weiter.
Plötzlich stand er vor einer großen, eichenen Tür. Sie öffnete sich lautlos.
Hinter dieser Tür befand sich ein großer, dunkler Raum, an den Wänden hingen Kerzenhalter die ein dämmriges Licht erzeugten. Ein langer Tisch stand in der Mitte des Raumes.
Am Ende des Tisches stand Ginny. Als sie Harry sah machte sie den Mund auf, um etwas zu sagen. Sie wollte ihn warnen, dies war eine Falle. Harry wusste es, noch bevor Ginny ihn anschaute. Fawkes Gesang hatte sich verändert und Harry wusste, dass er und Ginny in diesem Raum nicht allein waren.
Er hatte seinen Zauberstab unter seinem Umhang fest umschlossen, als er hinter sich einen leisen Luftzug spürte.
„Da ist ja der Potterjunge.", sagte eine schmierige Stimme.
Höhnisches Lachen erfüllte den Raum. Harry drehte sich um und stand Auge in Auge mit Lucius Malfoy.
„So Potter, jetzt ist niemand mehr hier, um dir zu Hilfe zu eilen. Nun werde ich vollbringen, was der dunkle Lord begonnen hat. IMPERIO!"
Harry fühlte sich wunderbar leicht. Die Gedanken und Erinnerungen die ihn schon seit Jahren quälten waren ihm gleichgültig.
„Nun, Potter, ich möchte, dass du zu der Blutsverräterin dort gehst und sie mit dem Cruciatus-Fluch belegst."
Harry setzte sich in Bewegung. Er hatte schon mehrfach erfolgreich gegen den Imperius-Fluch angekämpft, aber durch die lange Schlacht und den Nachwirkungen einiger Flüche, die Ihn erwischt hatten, fehlte ihm jetzt die Kraft.
Als er vor Ginny stand rief er „CRUCIO!" Ginny fiel zu Boden und schrie.
Als Harry diesen Schrei hörte unterbrach er den Zauber.
„Du sollst sie quälen, Potter, niemand hat gesagt, dass du aufhören sollst."
Harry beugte sich vor und hob den Zauberstab erneut.
Ginny kniete vor ihm. „Harry!" Tränen liefen über ihr Gesicht, „Harry, ich bin es, Ginny. Tu es nicht. Wehr dich dagegen. Du musst es nicht machen."
In Harrys Kopf arbeitete es, sein Zauberstab zitterte in seiner Hand und Ginny krümmte sich. Harry hatte einen halbherzigen Fluch auf Ginny gejagt, der weniger Schmerzhaft, als der vorangegangene war.
Doch da hörte Harry wieder Fawkes singen, roch Ginnys blumigen Duft und hörte Ihre leise Stimme. Er hatte es geschafft, er war wieder er selbst.
Blitzschnell drehte er sich um, „Expelliarmus!" donnerte Harry dem verdutzten Malfoy entgegen und ihm flogen sowohl der Zauberstab Malfoys, als auch der Ginnys entgegen.
Mit gezückten Zauberstäben gingen Harry und Ginny auf Malfoy zu und drängten ihn in eine Ecke.
„Malfoy, Du dreckiger kleiner Aasfresser," Harrys Zorn kannte keine Grenzen mehr, „ Hast Du Ihr etwas angetan? Hast Du sie angefasst?", Harry war rasend vor Wut. Er hatte das Gefühl, Malfoy mit bloßen Händen töten zu können. „Hat er dir was getan, Ginny?" Harrys Gesicht glühte vor Wut und Haß.
„Potter, du dummer Bengel. Was hast Du jetzt mit mir vor? Wirst Du versuchen mir den Avada Kedavra anzuhexen? Oder lieber etwas quälen, mit einem ordentlichen Cruciatus? Das wirst Du nicht schaffen, Potter!"
Harry drückte die Spitze seines Zauberstabs an Malfoys Kehle.
Er musste den Zauberstab mit der linken Hand führen, da seine verletzte rechte Schulter ihm schwer zu schaffen machte. Harry trat einen Schritt zurück, neben Ginny, die ebenfalls ihren Zauberstab auf Lucius Malfoy richtete.
„Ginny, mir fehlt allein die Kraft, aber zusammen schaffen wir es ich zähle bis drei und dann erledigen wir Ihn. Eins..."
Doch Ginny ließ den Zauberstab sinken. Für eine Sekunde glaubte Harry, dass auch Ginny mit dem Imperius-Fluch belegt wurde. Aber ein Blick in Ihre Augen brachte ihm die Sicherheit, dass sie ganz sie selbst war.
Doch dieser Moment der Unachtsamkeit genügte. Lucius Malfoy schloß seine Hand um Harrys verletzte Schulter, während er mit der anderen Harry einen kräftigen Schlag in den Magen verpasste.
Harry schrie auf, ihm wurde schwarz vor Augen und er sank auf die Knie. Der Zauberstab rutschte aus seiner Hand. Sein Körper schien zu bersten. Er hörte eine Stimme energisch STUPOR rufen. Danach wurde es still.
Harry machte sich nun darauf gefasst, dass man ihn erneut angreifen würde. Schritte näherten sich ihm und als ihn jemand an seinem unverletztem Arm berührte, zuckte er zusammen. Doch er entspannte sich wieder, es schien ihm, als wäre er auf einer Blumenwiese, ein Vogel sang eine wunderschöne Melodie und eine liebevolle Stimme sprach zu ihm.
Langsam versuchte er die Augen zu öffnen, er sah alles verschwommen.
„Harry," sagte die liebevolle Stimme, „Harry schau mich an. Komm zu Dir. Wir müssen von hier verschwinden."
Ein Gewicht lastete auf seiner Brust, aber nicht unangenehm, sondern warm und weich. Tröstend viel mehr. Er griff danach und spürte ein weiches Gefieder zwischen seinen Fingern. Harry kam wieder zu sich und sah Ginny neben ihm knien, ihren Zauberstab fest in der Hand. Das Gewicht auf seiner Brust verschwand und Harry richtete sich auf. Ginny reichte ihm seine Brille und er erkannte Fawks, der neben ihm saß und Harry unverwandt aus seinen schimmernden Augen ansah.
„Malfoy...", Harrys Stimme war nicht mehr als ein leises Murmeln.
„Es scheint heut einfach nicht Malfoys Tag zu sein," Ginny lächelte, „ Fawkes war plötzlich da und griff Malfoy an. Das war meine Chance, ihm den Schockzauber aufzuhalsen. Aber, Harry, meine Magie ist nicht stark genug. Er kann zwar nicht aufstehen, aber er bewegt sich schon wieder. Wir müssen es zusammen versuchen."
Harry rappelte sich langsam auf und schob seine Brille zurück auf die Nase.
„In Ordnung, Ginny. Erst gemeinsam die Ganzkörperklammerund dann werden wir ihn fesseln. Auf drei. Eins...zwei...drei.. PETRIFICUS TOTALUS"
Harry beugte sich prüfend über den Körper Malfoys, die Ganzkörperklammer wirkte. Harry schaute zu Ginny und versuchte ihr ein zuversichtliches Grinsen zuschenken,
„Noch einmal gemeinsam. Eins...zwei...drei.. INCARCERUS" Helle Seile schossen aus den, auf Malfoy gerichteten Zauberstäben und schnürten seinen Leib fest zusammen. „Ich denke das wärs, Ginny.", Harry ließ sich zu Boden sinken und schloss für einen Moment die Augen. „Harry, wir müssen Malfoy zu Professor McGonagall bringen. Du musst verarztet werden, du bist verletzt."
Harry seufzte: „Ginny, wie viel hast du von der Schlacht mitbekommen?"
Ginny sah Harry angstvoll an. „Ich weiß nicht, mir schien es, als hätte ich schon eine Ewigkeit an Rons Seite gekämpft. Aber es war wohl erst früher Nachmittag als Malfoy mich hierher verschleppte. Irgendetwas hatte sich verändert als er mit mir hierher lief. Wüsste ich es nicht besser, so würde ich behaupten er wäre vor etwas geflohen."
Harry nickte langsam. „Ja, das ist er wohl. Ich werde dir alles erzählen, jedenfalls soweit ich es kann. Wir sollten gehen, obwohl ich nicht weiß, wer diesen Kampf überlebt hat. Ob wir Professor McGonagall finden werden, steht in den Sternen." Er stand auf und richtete seinen Zauberstab wieder auf Malfoy und belegte ihn mit einem Schwebezauber.
„Harry, heißt das Professor McGonagall könnte tot sein?"
Harry nickte nur und wandte sich auf dem dunklen Gang in Richtung Große Halle.
„Ginny, mach uns doch etwas Licht. Es ist stockfinster."
Seine linke Hand, die wieder den Zauberstab führte zitterte stark. Wie es schien entzog dieser Bann ihm jegliche, noch übergebliebenen Kräfte.
Er blieb stehen und ließ Malfoy unsanft auf den Boden fallen. Er brauchte mehrere Pausen, bis sie endlich die Große Halle erreicht hatten.
