Hier findet ihr dann auch schon das zweite und letzte Kapitel! Viel Spaß dabei :)
Kapitel 2 – Verabschiede dich von deinen Fantasien
Sich im hinteren Teil der Limousine mit einem schlafenden Chuck, der sie fest an sich gezogen hatte, umzuziehen, war fast zur unmöglichen Aufgabe geworden. Aber Blair hatte Herausforderungen schon immer geliebt.
Sie glitt aus der Limo, die wie gewöhnlich vor dem Palace geparkt war, und rief sich ein Taxi.
In ihrem Aufzug die Aufmerksamkeit eines Taxifahrers auf sich zu ziehen, war nicht sonderlich schwer.
Sie beschloss kurzerhand, öfter nur so knapp bekleidet auf die Straße zu gehen.
Glücklicherweise war ihre Mutter immer noch in Paris. Blair bezweifelte, dass sie es billigen würde, wenn ihre Tochter in den frühen Morgenstunden nur in Unterwäsche bekleidet nach Hause kommen würde.
Sie war erstaunt über ihren Mut. Sie war in einem Striplokal aufgetreten... Burlesque Club... hatte Chuck geküsst und hatte ihn praktisch angefleht, mit ihr zu schlafen. Und das alles in einer Nacht.
Sie wünschte, dass sie ihr Verhalten auf den Alkohol schieben könnte, aber sie konnte sich nicht selbst betrügen. Sie hatte höchstens zwei Gläser Champagner getrunken, und für die Upper East Siders, die schon gelernt hatten zu trinken, bevor sie überhaupt sprechen konnten, war es keinesfalls genug, ihr lüsternes Verhalten mit zwei Gläsern Champagner zu entschuldigen.
Als Blair in ihrem Zimmer war, schmiss sie sich auf ihr Bett und seufzte tief. Sie wusste nicht, was sie überkam.
Blair Waldorf war überkorrekt, anständig und unschuldig; nicht wie die wagemutige, lustgetriebene Kreatur von letzter Nacht. Das war nicht das Benehmen, das von ihr erwartet wurde. Sie wagte es nicht, daran zu denken, was passieren würde, wenn jemand herausfand, was letzte Nacht passiert war. Sie war nicht wie Serena; sie konnte nicht mit dem schlafen, mit dem sie schlafen wollte. Die Leute hatten Erwartungen an die Blair Waldorfs der Welt und sie hatte diese zunichte gemacht.
Blair konnte nicht glauben, dass sie vor einigen Stunden noch Jungfrau und Nates Freundin gewesen war. Es kam ihr vor, als sei es ewig her.
Und jetzt war sie nicht nur keine Jungfrau mehr, sondern hatte ihre Tugend auch noch an Chuck Bass verloren, der nicht nur Nates bester Freund war, sondern auch mit so ziemlich allem, was sich bewegte, schlief. Sie sollte geschockt sein, sie sollte wütend sein. Blair hatte viel Zeit damit verbracht, es zu planen, damit es etwas Besonderes war, doch das war niemals in Erfüllung gegangen.
Aber das war nicht ganz die Wahrheit. Irgendwie war ihr erstes Mal außergewöhnlicher gewesen, als sie es je hätte planen können. Es war vielleicht nicht mit Nate oder in einer Luxussuite, aber es war unvergesslich gewesen.
Chuck war einfühlsam gewesen - überraschenderweise. Sie konnte mit Sicherheit sagen, dass er gewollt hatte, dass sie es genau so genoss wie er es genossen hatte.
Ihr Körper war jedes Mal in Flammen aufgegangen, wenn er mit seinen Händen ihre Haut berührt hatte. Sie war bei jedem Kuss dahingeschmolzen.
Die Röte schoss ihr in die Wangen, als sie sich an einige Dinge erinnerte, die sie getan hatte. Sie brauchte unbedingt eine kalte Dusche, während sie die letzte Nacht noch einmal Revue passieren ließ.
Haut an Haut. Seine Lippen berührten ihre mit einer Leidenschaft, die sie sich niemals hätte erträumen können. Seine Lippen in ihrem Nacken, ihre Finger fest in sein dunkles Haar gekrallt.
Ihr Atem kam in kurzen, scharfen Keuchen. Gelegentlich entfuhr ihr ein Stöhnen. Ihre Körper bewegten sich als wären sie eins. In einem Rhythmus, den nur Liebende kannten. Jeder steigerte das Verlangen des anderen in solche Tiefen, wie sie noch nie erlebt hatten.
Blair hatte niemals gedacht, dass die Dinge so verlaufen würde, aber sie konnte das Geschehene einfach nicht bereuen. Ehrlich gesagt, war die Nacht mehr als wunderbar gewesen. Nun wusste sie, warum die Mädchen vor Chucks Bett Schlange standen.
Sie schmunzelte wegen ihren ziemlich versauten Gedanken; Chuck färbte definitiv auf sie ab.
Im Geheimen hoffte sie immer noch, ihr Handeln auf die Trunkenheit zu schieben, aber sie wusste, dass Alkohol nichts damit zu tun hatte. Chuck war für sie da gewesen, als Nate sie zerbrochen hinterlassen hatte. Sie hatte das sehr geschätzt.
Und als er ihr gesagt hatte, dass sie wundervoll gewesen war, konnte sie nur dahinschmelzen. Seine Augen waren so voll von Bewunderung und Verlangen gewesen, dass ihre Lippen in Sekundenschnelle seine berührt hatten.
Nate hatte sie niemals so gesehen. Er hatte sie nie so angesehen, als wollte er so sehr mit ihr schlafen, wie sie es wollte; hatte sie nie so gesehen, als wäre sie das wundervollste, faszinierendste Mädchen, dem er je begegnet war.
Sie hatte immer mit Serena um Nates Aufmerksamkeit kämpfen müssen und die Blondine hatte dabei immer gewonnen.
Chuck sah sie an, als wäre sie die Einzige für ihn. Was sollte sie tun?
Als er sie gefragt hatte, ob sie sich sicher war, war sie das erste Mal in ihrem Leben ehrlich gewesen. Sie war sich sicher. Sie wollte ihn. Sie brauchte ihn. Sie brauchte jemanden, bei dem es sich anfühlte, als wäre sie besonders, wunderbar... erwünscht.
All das hatte sie bekommen, sogar noch mehr.
Sie wusste, dass Chuck weit entfernt von dem Prinzen war, der Nate war. Aber das störte sie nicht. In diesem Moment hatte Chuck Nate in allem übertroffen.
Er hatte sie zu der Einsicht gebracht, dass sie Nate nicht wollte... jedenfalls nicht wirklich. Sie mochte die Idee Nates Prinzessin zu sein, aber das war auch alles. Chuck hatte diesen Traum zerbrochen.
Prinzessinnen verloren ihre Jungfräulichkeit nicht in einer Limousine und brachten sich garantiert nicht dazu, sich zu übergeben, nachdem sie den halben Inhalt des Kühlschranks aufgegessen hatten. Und erst recht planten Prinzessinnen keine soziale Vernichtung, nur weil es Spaß machte.
Sie war keine Prinzessin, also brauchte sie auch keinen Prinz. Sie wusste, dass sie Chuck niemals haben konnte; er war nicht der Typ Mann, der nur eine Frau hatte, aber sie wollte mehr als nur Nate.
Ob nun zum Guten oder zum Schlechten – Chuck hatte sie verändert.
