Disclaimer: Docter Who gehört mir nicht. Aber glaubt, ich wünschte, er gehöre mir. LOL
alles in kursiv: Gedanken, Traumsequenzen
Rose' POV
Kapitel 1
Mit einem Stöhnen stellte ich genervt fest, dass irgendjemand versuchte mich durch Sturmklingeln in den Wahnsinn zu treiben. Und als ich dann auch noch feststellen musste, dass es erst sieben Uhr war, entfuhr mir ein weiteres Stöhnen. Gott, wer hatte den Nerv mich an meinem freien Tag so früh aus dem Bett zu holen? Müde setzte ich mich auf, schlüpfte unter meiner Decke hervor und stapfte Richtung Tür.
„Moment! Bin gleich da", rief ich der Person zu und murmelte einige Flüche vor mich hin, „ich schwöre, wenn die Welt nicht gerade beim Untergehen ist, bring ich denjenigen um."
Kaum drückte ich die Klinke hinunter, sprang mir die Tür auch schon von selbst entgegen und ein bis über beide Ohren grinsender Mickey zwang mir die Luft mit einer Knochen brechenden Umarmung aus meinen Lungen.
„Alles Gute zum Dreißigsten. Langsam wirst du alt", zwitscherte er mir vergnügt ins Ohr und tänzelte beschwingt in Richtung Couch, während ich immer noch verdattert und verschlafen bei der noch offenen Eingangstür stand. Mein Geburtstag?
Ein Blick auf den Kalender genügte, um mir zu beweisen, dass mein Ex recht hatte. Ein drittes Mal an diesem Morgen stöhnte ich auf. Meine Mum hatte sicher irgendeine lustige Überraschung für mich parat. Sie liebte Partys und meine beiden Geschwister, Anne und Tony, ebenfalls.
„Komm her, ich hab was für dich", ungeduldig winkte er mich zu sich und klopfte sanft mit einer Hand auf die Polster.
„Sag mir bitte, dass ihr keine Feier geplant habt", kopfschüttelnd schloss ich die Tür und ließ mich neben Mickey nieder.
„Nachdem du mich das letzte Mal fast erschlagen hättest, blieb ich diesmal bei der Planung außen vor. Nun hör auf zu fragen und öffne dein Geschenk."
Argwöhnisch betrachtete ich sein breiter werdendes Grinsen und das kleine mit rotem Geschenkpapier umwickelte Päckchen. Ich öffnete es langsam und kam aus dem Staunen nicht mehr raus. Es war ein Schlüsselanhänger aus Metall. In der Form der TARDIS.
„Oh, mein Gott, Mickey, dass ist...das ist einfach wunderschön", ein wirkliches, echtes Lächeln schlich sich auf mein Gesicht, „das kann von nichts getoppt werden. Glaub mir, ich liebe es."
„Das dachte ich mir."
„Woher hast du es? Selbst gemacht?"
„Mein Kumpel hatte noch was bei mir schuldig und zack hatte ich mein Geschenk für dich."
„Danke, danke, danke."
Sofort schloss ich ihn in die Arme und pushte somit sein Ego in andere Sphären.
„Komm, Rose, lass uns frühstücken gehen. Ich zahle."
„Wenn du mir eine Viertelstunde gibst, um mein Haar zu bändigen und mir etwas anderes anzuziehen, dann nehm ich dein Angebot mit Freuden an."
„Rose, bitte, hör auf von der Arbeit zu reden. Du hast Urlaub. Entspann dich."
Unsicher und entschuldigend sah ich Mickey an, nagte an meinem Muffin und ließ die Zeitung auf den Tisch fallen. Sah er die Zeichen nicht? Oder sah ich nur das, das ich sehen wollte? Ich konnte mir nicht über den Weg trauen, denn ich wusste, dass ich besessen von meinem alten Leben war. Jeder wusste, dass ich ohne mit der Wimper zu zucken alles stehen und liegen lassen würde, wenn mir die Möglichkeit zustand wieder bei meinem Doctor sein zu können.
„Aber -"
„Nein, lass es. Heute nicht. Für heute bist du Rose Tyler, die ihren dreißigsten Geburtstag feiert, und nicht Rose Tyler, die Superagentin, die Aliens die Hölle heiß macht. Du siehst grandios aus. Immer noch wie zwanzig. Dein Outfit hätte zwar besser sein können, aber so lange du dich wohl fühlst."
Verwundert blickte ich an mir herunter. Was hatte er gegen meinen Stil? Ich trug eine dunkelblaue Jeans, ein schwarzes, enganliegendes Tanktop, eine schwarze Lederjacke und schwarze Converse.
„Dir wäre es lieber, wenn ich einen Minirock und ein bauchfreies Top trage, damit du was zu gucken hast."
„Du weißt ganz genau, dass ich eine Freundin habe", gab er stirnrunzelnd von sich und schob sich das restliche halbe Laugengebäck in den Mund.
„Ja, genau, deine imaginäre Freundin, denn hättest du eine Reale, dann hätte sie dir schon längst deine unguten Tischmanieren abgewöhnt", grinste ich ihn an und strich mir eine dunkelrote Strähne aus dem Gesicht.
Ohne Vorwarnung überkam mich ein Zittern und Kälte kroch mir unter die Haut. Die Klimaanlage musste defekt sein.
„Hey, nur weil ich dir Martha noch nicht vorgestellt habe, heißt das nicht, dass ich sie mir einbilde."
Mein Grinsen verschwand von meinem Gesicht, denn ich kannte den Grund dafür, warum er sie mir nicht vorstellen wollte. Er hatte Angst, dass ich sie vertreiben könnte mit meiner Art.
„Und warum stellst du sie mir nicht vor?"
Meine Frage war nur ein Flüstern. Zerfressen von Selbstzweifeln und Kummer. Da er mir nicht in die Augen sehen konnte, wusste ich, dass seine Antwort ihm unangenehm war, aber wahrscheinlich der Wahrheit entsprach.
„Martha ist ein Normalo. Sie glaubt weder an Aliens noch an Raumschiffe. Sie sieht die Sterne anders als du oder ich und so soll es auch bleiben. Sie ist mein Hafen in der normalen, ruhigen Gesellschaft und durch sie kann ich den ganzen grausigen und schrecklichen Details in meinem Leben entkommen. Aber du, meine Liebe, ziehst solche Dinge magisch an. Ob du willst oder nicht."
Oh ja, da hatte er definitiv recht und ich war froh, dass er nicht auch noch mein anti-soziales Verhalten ansprach. Seitdem ich hier war, hatte ich schon etliche Invasionen und Kriege vereitelt. Entweder mit geschickter Wort- oder Waffenwahl. Ich hatte Torchwood mehr Verbündete eingebracht, als sie in den letzten 30 Jahren vor meiner Ankunft allein geschafft hatten. Bei mir hatte jeder nur eine Chance, und wenn er sie nicht ergriff, hatte er sein Schicksal schon besiegelt. Pete und Mickey meinten, dass es, bevor ich hierher kam, friedlich war. Kaum aber war ich auf der Bildfläche erschienen, kamen auch schon die verrückten Ereignisse.
Unsicher und nervös blickte ich mich in dem kleinen Familienbetrieb um und versuchte nach irgendetwas zu greifen, dass die Stimmung zwischen ihm und mir wieder hob. Das Café hatte eine beruhigende und heimelige Atmosphäre. Die Leute hier waren freundlich und kannten sich anscheinend schon seit langem. Ich fühlte mich so fehl am Platz und so einsam wie noch nie.
Gab man mir eine Bombe, ein Raumschiff und feindseelige Aliens, dann war ich in meinem Element. Gab man mir einen leckeren Muffin, ein nettes Lokal und freundliche Menschen und schon war ich aufgeschmissen.
„Am Samstagabend lade ich dich und deine Freundin zum Abendessen ein und schmeiß dann noch eine Runde in unserm Pub. Ich verspreche dir, dass ich mich wie ein zivilisierter Mensch verhalten, keinen Ärger anzetteln und kein Wort über die Arbeit verlieren werde", sanft lächelte ich ihn an und attackierte ihn mit meinem besten Hundeblick, „Du darfst mir auch Karteikarten mit Gesprächsthemen in die Hand drücken."
Geschockt blickte er mir in die Augen und ich schwor, dass ich seine Rädchen im Kopf klicken und klackern hören konnte. Er malte sich diverse Gefahrensituationen aus und kalkulierte den Schaden, den ich anrichten könnte.
„Oder hast du Angst, dass sich deine Ex und deine Jetzige gegen dich verbünden könnten?", keck grinste ich ihn an und beobachtete weiterhin seine köstlichen Gesichtsausdrücke.
Rose.
Überrascht blickte ich mich um und hielt nach der Person Ausschau, die meinen Namen genannt hatte. Aber da war niemand, der es gewesen war. Niemand schien mich überhaupt wahrzunehmen.
„Hey, Rose, was ist los? Willst du gehen? Geht es dir gut? Du siehst ein wenig blass aus."
„Hmm? Ach, nichts ist los. Ich dachte nur, dass mich jemand angesprochen hätte", als ich den Blick sah, den er mir zuwarf, schloss ich sofort wieder den Mund und stand auf, „Muss ich mir wohl eingebildet haben. Ich warte derweil draußen, okay?"
Ohne auf seine Antwort zu warten zog ich die Jacke enger um mich und begab mich vor die Tür.
Ich wurde das Gefühl nicht los, dass ich mir diese Stimme nicht eingebildet hatte, aber Gott behüte, dass ich das Mickey unter die Nase rieb. Er würde mich zu Hause ans Bett fesseln und sagen, dass ich mich endlich entspannen sollte. Bei dem Bild musste ich kurz auflachen. Als würde er mich überwältigen können. Er war unser leitender Tecknik-Freak und ich der amtierende Kampfsportchampion in Torchwood.
Vor dem Eingang des Cafes ging ich auf und ab und überlegte. Ich kannte die Stimme irgendwoher. Sie war aber so undefinierbar, dass ich bald daraufhin Kopfschmerzen bekam. Sie war alt und doch jung, weise und naiv, weder männlich noch weiblich. Kurz gesagt, war sie nicht auffällig oder besonders, was sie wiederum so interessant für mich machte.
Mit einem Knurren verlieh ich meiner Frustration Ausdruck und blieb stehen. Hier draußen war es genauso kalt wie drinnen. Anscheinend war mit der Klimaanlage doch alles in Ordnung, nur mit mir nicht. Langsam drehte ich mich um die eigene Achse und betrachtete die anderen Leute. Alle waren dem Juni entsprechend gekleidet: kurze Hosen oder Röcke und kurzärmlige T-Shirts. Vielleicht wurde ich krank? Typisch, einmal hatte ich Urlaub und durfte die Zeit wahrscheinlich mit Niesen, Schnupfen und Husten verbringen.
Abrupt blieb ich wie angewurzelt stehen, als mir das Schild des Cafés ins Auge sprang.
„Das darf doch nicht wahr sein", murmelte ich und wartete ungeduldig auf meinen Begleiter. Hatte er DAS überlesen können oder hatte er sich nichts dabei gedacht?
„Hey, was hast du? Weitere Stimmen gehört?", witzelte Mickey, als er vor mich sprang und mich mit einem weiteren intensiven Blick musterte.
Mit meinem Kopf deutete ich auf das Schild und wartete seine Reaktion ab.
„Na und? Die haben halt Sinn fürs Außergewöhnliche."
In den letzten Jahren hatte ich etwas sehr Wichtiges gelernt und zwar, wenn ich auch nur einmal den Doctor oder irgendwelche Theorien über mein Wiedersehen erwähnte, wollte mich jeder wieder beim Psychologen absetzen und mich am liebsten dort über Wochen zurücklassen. Ergo, behielt ich alles für mich, grinste Mickey an und nahm seine Hand, während mein Verstand raste. Meine Gefühle konnte ich mittlerweile so gut verstellen, dass es nicht einmal Mickey mitbekam, wenn ich ihm mitten ins Gesicht log.
„Wohin jetzt?"
Beruhigt zog er mich in eine Richtung und murmelte etwas von Frauen und Wahnsinn.
„Hey Mum, wann steigt die Party?", genervt ging ich in meiner Wohnung auf und ab. Ich hasste Partys. Schon bevor ich hierher kam. Aber wollte ich meiner Mutter, die 18 Stunden in den Wehen lag um mich auf qualvollste Art und Weise zur Welt zu bringen, diese Überraschung vermasseln? Die Antwort lautete nein. Ein NEIN mit 4 Großbuchstaben. Wegen mir musste sie so oft leiden und weinen, dass ich es einfach nicht länger ertrug sie weiterhin zu enttäuschen.
„Hat Mickey geplaudert? Ich schwöre, der Bengel kann kein Geheimnis für sich behalten."
„Er hatte Angst, dass ich ihn wieder schlagen würde", lachte ich ins Telefon und setzte mich aufs Sofa.
Meine Wohnküche war schlicht eingerichtet. Eine alte schwarze Couch, ein Glastisch und einige Bücherregale mit den verschiedensten Physik- und Mathematikbüchern. Die Küche war nicht gerade modern, um ehrlich zu sein, war sie aus dem Jahre Schnee, aber sie gefiel mir. Kein Fernseher. Keine Spielkonsole. Nur ein Laptop auf dem Esstisch und ein Radio auf einem Schrank.
„Du solltest netter zu dem Jungen sein. Er kann einem schon leid tun, dich als Freundin zu haben."
Laut und dramatisch seufzte ich und hielt sie damit auf noch weiter diese Diskussion auszuführen.
„Mum, wann und wo steigt die Fete?"
„Oh, bei uns um acht. Zieh dir etwas Hübsches und Elegantes an. Und kein High-Tech!"
„Oje, sag mir jetzt bitte nicht, dass du die ganzen Snobs eingeladen hast."
„Ach, Schatz, das sind keine Snobs, sondern meine Freunde. Sei pünktlich und wehe du kommst nicht."
„Würde mir im Traum nicht einfallen", der Drang mit den Augen zu rollen wurde von mir kurzerhand in die Realität umgesetzt.
„Tony, Anne! Lasst den Blödsinn. Ihr bringt mich noch in ein frühes Grab. Rose, ich muss auflegen. Hab dich lieb. Bis später."
„Bis später."
Sobald ich mein Handy auf den Tisch gelegt hatte, stand ich auch schon wieder. Der Name des Cafes ging mir einfach nicht mehr aus den Kopf. Das konnte kein Zufall sein. Böser Wolf. Der Begriff kam mir immer häufiger unter die Augen und es stimmte mich fröhlich. Oh ja, ich liebte die Gefahr und das Adrenalin, denn der Böse Wolf brachte meistens Chaos und Zerstörung. Und den Doctor!
Mein TARDIS-Schlüssel, den ich als Talisman immer um meinen Hals trug, wog auf einmal schwerer und ein Schauer lief mir über den Rücken. Trotz meinem dicken Pullover, den flauschigen Socken, der warmen Trainingshose und der heißen Dusche war mir immer noch zu kalt. Meine Temperatur hatte ich schon gemessen, aber sie war normal, sogar ein wenig drunter. Hinzu kam auch noch ein Migräneanfall, was mich überraschte, denn ich hatte in meinem Leben nur immer leichte Kopfschmerzen, aber nie eine so heftige Explosion in meinem Gehirn. Eins stand fest: Mit mir stimmte etwas nicht.
Müde blickte ich auf die Uhr und stellte fest, dass ich noch drei Stunden totzuschlagen hatte.
Eine Schmerztablette später kuschelte ich mich in meine Steppdecke, stellte den Wecker und lauschte den zarten Tönen meiner Lieblingsband.
'Rose.'
'Wer bist du?', verzweifelt versuchte ich zu sehen, konnte aber nicht. Um mich herum war es schwarz. In der Dunkelheit war ich gefangen und doch fühlte ich mich weder bedroht oder verängstigt. Ich spürte Aufregung in mir und Freude durchfloss meinen ganzen Körper. Es fühlte sich nach Leben an. Etwas das ich schon seit neun langen Jahren nicht mehr gefühlt hatte.
'Es wird bald Zeit.'
'Wofür?'
'Hab Geduld.'
Das Piepsen meines Weckers riss mich aus dem Traum heraus und ich brauchte einige Minuten um zu begreifen, wo ich mich befand.
„Na, toll, kryptische Botschaften und noch immer diese verdammten Kopfschmerzen."
Zornig stapfte ich in mein Schlafzimmer und riss einige Kleider aus meinem Schrank. Alles Geschenke von meiner Mutter und Pete. Alle noch ungetragen. Ich fühlte mich am wohlsten in Hosen, meinen Converse und meiner Lederjacke. Ab und zu trug ich einen Rock, aber nie ein Kleid.
Seufzend begutachtete ich die Kleidungsstücke und wählte ein schlichtes bis zu den Knien gehendes Kleid mit Neckholder aus. Der Stoff war exquisit und aus reiner Seide. Schnell zog ich es an und schaute in den Spiegel. Meine schulterlangen Haare ließ ich offen. Ein wenig Schminke auf den Augen, silberne Ohrstecker und schwarze Highheels rundeten mein Outfit ab. Ich sah wirklich nicht schlecht aus für dreißig, stellte ich nüchtern fest und griff nach meinem Ledermantel.
Kaum betrat ich das riesige Anwesen meiner Eltern, wollte ich auch schon wieder abhauen. Nur eine Hand voll der anwesenden Leuten kannte ich vom Sehen und nur sechs kannte ich wirklich. Da waren meine Mum, Pete, Anne, Tony, Jake und Mickey. Die Musik war nicht nur nicht mein Geschmack, sondern ich fand sie grauenvoll. Das Essen bestand zu neunzig Prozent aus sündhaft teuren Zutaten, wie Kavier, Hummer oder Trüffel. Alles natürlich in Fingerfood-Form. Wie konnte man von dem Bisschen nur satt werden? Früher hätte ich alles gegeben um an solche Köstlichkeiten zu kommen, aber nach den zehnten Mal schmeckten sie mir nicht mehr allzu sehr.
„Ich bin in der Hölle gelandet", hauchte ich, als mir ein Kellner mit einem Tablett entgegen kam.
„Ma'am, darf ich Ihnen Ihren Mantel abnehmen?"
„Nein, danke, aber lass das Tablett hier. Ich glaube, heute kann ich alles Alkoholische gebrauchen um den Abend zu überstehen", mürrisch nahm ich dem Mann das einzige Glas Sekt, das er mir anbot, ab, trank es mit einem Schluck leer und ging in Richtung Garderobe.
Dort angekommen überlegte ich es mir zweimal, meinen Mantel abzunehmen. Mein Schüttelfrost hatte noch immer nicht nachgelassen, im Gegenteil, er war stärker geworden. Unschlüssig sah ich mich um und entschied mich schlussendlich dafür, doch voll bekleidet an der Party teilzunehmen.
Mein erster Impuls war meine Mutter zu suchen, ihr Danke für die Fete zu sagen, einige Gläser Wein zu trinken und dann nach Hause zu gehen. Alles in allem, eine Stunde pure Zeitverschwendung. Das klang doch mal nach einem richtigen Plan.
Langsamen Schrittes ging ich auf die Suche nach einem vertrauten Gesicht, doch nach etwa einer halben Stunde gab ich es schließlich auf und ließ mich an der Bar nieder. Gerade als ich meinen zweiten Whiskey Sour in Empfang nahm, begann ein Mann mich auf sehr charmante Art anzusprechen. Er war nett und gutaussehend, aber nichts im Vergleich zu dem Doctor. Trotzdem genoss ich die Aufmerksamkeit und flirtete ein wenig zurück, aber nur halbherzig. Es war ein einfaches, oberflächliches Geschwätz, was auch der Grund war, warum ich mich nach nur zehn Minuten in die Küche schlich.
„Bitte, versteckt mich und zwingt mich nie wieder dort hinaus zu gehen."
Mein einziger Wunsch bestand darin, mich ins Bett zu legen, bis zum morgigen Tag zu schlafen und mich dann mit ein paar Büchern gemütlich auf eine Bank im Park zu setzen. Ich war erschöpft, mein Kopf schien zu platzen und ich hatte einen Bärenhunger.
Der Koch lachte herzhaft, deutete auf einen Tisch in einer Ecke und winkte eine junge Frau zu sich. Als ich mich setzte, stand plötzlich ein Teller mit wunderbar duftendem, normalem Essen vor meiner Nase.
„Danke", ich lächelte das schwarzhaarige Mädchen an und streckte ihr meine Hand entgegen, „mein Name ist Rose."
„Ich bin Lily. Du siehst müde aus."
„Ich seh nicht nur so aus, ich bin es auch."
Lily nahm mir gegenüber Platz, stellte einen Ellbogen auf die Platte und legte ihren Kopf in ihre Handfläche.
„Du siehst auch nicht gerade danach aus, als hättest du Spass."
„Stimmt wieder. Aber wenn ich jetzt gehe, dann würde mich meine Mutter wahrscheinlich umbringen. Happy Birthday to me", sang ich leise vor mich hin und prostete ihr zu.
„DAS ist DEINE Party und trotzdem sitzt du hier in der Küche um dich zu verstecken?", verwundert betrachtete sie mich von oben bis unten und gab einen leisen Pfiff von sich.
„Ich Glückliche, oder?", gab ich sarkastisch zurück.
„Als Kind träumte ich oft in einem solchen Anwesen zu wohnen und solche Feiern zu veranstalten. Mit allem drum und dran. Musik, Kellnern und schönen Kleidern", ihre nussbraunen Augen begannen zu leuchten, als sie an all die wunderbaren Dinge des Wohlstandes dachte.
„Glaub mir, als ich noch auf Reisen war, musste ich alle erdenklichen Jobs machen. Unter anderem auch Bedienstete in einem solchen Anwesen, Aushilfe in einer Schulcafeteria, etc. Ah, die guten alten Zeiten. Leider sind sie vorbei."
Verblüffte starrte sie mich an und wollte auch schon die nächste Frage stellen, als sie von dem Koch unterbrochen wurde.
„Ich wünschte, ich könnte noch ein wenig mit dir plaudern, aber ich muss jetzt wieder Geld verdienen gehen. Sehen wir uns vielleicht später?"
Diesmal war ich an der Reihe verblüfft auszusehen. Das Mädel gefiel mir. Sie erinnerte mich an mich selbst, als ich in ihrem Alter war, also nickte ich ihr lächelnd zu.
„Hier in London sieht man sich immer ein zweites Mal, ob man will oder nicht."
'Rose.'
'Ja?'
'Es ist Zeit.'
'Für?'
'Unsere Rückkehr.'
'Unsere?'
'Ja, ich bin der Teil in dir, der dich nie verlassen hat. Ich bin diejenige, die dich hierher geschickt hat. Wir müssen es zu Ende bringen, um vorwärts gehen zu können.'
'Es gibt einen Grund, warum ich hier bin?'
'Oh ja. Einen, der das ganze Universum betrifft, wenn du es nicht tust. Wir mussten nur auf den richtigen Augenblick abwarten.'
'Dann heiße ich dich willkommen zurück, böse Wölfin. Aber ich hoffe doch, dass ich weiterhin nur ein Bewusstsein habe.'
'Keine Sorge, Rose. Ich bin ein Teil von dir. Nur bis zu unserer Rückkehr habe ich ein eigenes Bewusstsein. Sobald du erwachst, verschmelzen wir zu einem Verstand.'
'Klingt ja fantastisch.'
