Secrets Are Walls That Keep Us Alone

Kapitel zwei

Das Rattern der Gepäckwägen und die Rufe nach lang vermissten Freunden hallten an den Wänden des Bahnsteigs 9¾ wieder. Die Luft vibrierte vor Aufregung.

Peter schob seinen Gepäckwagen zu einem Platz in der Nähe des Zuges und lehnte sich gegen seinen Schulkoffer um auf seine Freunde zu warten, die ihm helfen würden all seine Sachen in ein Abteil zu bringen.

Er fühlte sich auffallend allein in der Menge von aufgeregten Teenagern, die allen die sie seit dem letzten Jahr nicht mehr gesehen hatten, lautstark Begrüßungen zuriefen. Er hatte James und Remus nicht mehr gesehen, seit sie sich vor zwei Wochen in der Winkelgasse getroffen hatten; und Sirius schon seit Juni. Er hatte seinen Sommer allein verbracht, und jetzt wartete er wieder allein.

Peter hoffte, keiner würde ihn sehen und einen Streit anfangen, nicht jetzt. Nicht wenn seine Freunde nicht da waren um ihm zu helfen. Er hielt aufmerksam ausschau nach irgendjemandem den er kannte und wurde nur ein paar Minuten später belohnt, als einer von ihnen auftauchte.

Remus bahnte sich langsam einen Weg durch die Menge, in der er durch sein unscheinbares braunes Haar nicht groß auffiel. Das einzige, was ihn von den anderen unterschied, war die Blässe seiner Haut; sie sah aus, als hätte er seit Monaten kein Tageslicht gesehen. Sein Gesichtsausdruck war ernst, aber geduldig, als er sich höflich einen Weg durch die Menge bahnte. Als er Peter sah, breitete sich ein glückliches Lächeln auf seinem Gesicht aus und er beschleunigte seine Schritte, bis er vor seinem Freund stand.

„Hallo, Peter," sagte Remus.

„Hey, Remus," antwortete Peter und versuchte seine Erleichterung darüber zu verbergen endlich Gesellschaft zu haben. „Weißt du wo James und Sirius sind?"

„Hab sie noch nicht gesehen. Sirius hab ich den ganzen Sommer nicht gesehn, und er hat kaum geschrieben," sagte Remus und runzelte die Stirn.

„Bestimmt war er nur sehr beschäftigt," sagte Peter und begann schon wieder die Menge abzusuchen.

Seine Augen begannen zu leuchten beim Anblick eines weiteren bekannten Gesichtes: James schritt durch die Menge auf sie zu. Im Gegensatz zu Remus, musste James jedoch nicht fragen um vorbeigelassen zu werden. Die Menge schien sich zu teilen um ihrem Quidditch-Helden das Durchkommen zu erleichtern. Einige klatschten sogar seine Hand ab als er vorbei kam. James grinste fröhlich und genoß die Aufmerksamkeit ganz offensichtlich.

James' Gesichtszüge waren stark und bestimmt, von der perfekt geformten Nase, zu seinen haselnussbraunen Augen hinter der Brille, bis zu den graden, weißen Zähnen, die sich zeigten wenn er grinste. Er strahlte eine Selbstsicherheit aus, die jeder wahrnahm und für die ihn jeder respektierte.

James fuhr sich mit einer Hand durch die zerstrubbelten Haare und Peter schaute mit einer Mischung aus Faszination und Ehrfurcht zu. Jeder andere Junge würde mit zerstrubbelten Haaren lächerlich aussehen. Aber zu James passte es. Er sah nicht nur aus, als ob er grade von seinem Besen gestiegen wäre; nein, er sah aus, als wär er von seinem Besen gestiegen, nachdem er mit Höchstgeschwindigkeit hundert Meter auf den Boden zugerast, den Schnatz direkt vor der Nase seines Gegners gefangen und Gryffindor so schon wieder den Quidditchpokal gesichert hätte. Und alle anderen benahmen sich, als hätte er genau das getan.

James kam, immer noch grinsend, bei Remus und Peter an. „Hey."

Sie nickten ihm zu.

„Wo ist Sirius?" fragte James als er plötzlich merkte, dass sein Freund noch nicht da war.

„Da drüben," zeigte Peter, der ihn grade entdeckt hatte.

So wie sie es für James getan hatte, teilte sich die Menge auch für Sirius. Aber anders als James, schien Sirius die Aufmerksamkeit nicht zu genießen. Er lief geradeaus, die Augen eher auf sein Ziel gerichtet, als auf das, was um ihn her geschah.

Obwohl beide dunkelhaarig und gutaussehend, würde niemand Sirius mit James verwechseln. Sirius hatte die Art von Gesichtszügen, die ihn gleichzeitig stark und zerbrechlich wirken ließen. Er hatte über den Sommer ganz deutlich an Gewicht verloren, was in den Schulferien immer der Fall zu sein schien. Aber sogar das betonte seine Züge nur noch mehr und ließ ihn noch besser aussehen.

Seine blasse Haut war ein Kontrast zu seinem glatten, schwarzen Haar, das bis auf seine Schultern reichte, wobei die Strähnen um sein Gesicht grade so die Wangenknochen streiften.

Die Leute nickten ihm zu und begrüßten ihn, aber sie jubelten nicht für ihn, wie sie es für James getan hatten. Etwas in seinem Gesicht sagte ihnen, das dies nicht der richtige Zeitpunkt war.

Peter sah zu und wünschte, er könnte mehr so sein wie Sirius und James. Er wünschte sich, genauso beliebt, genauso gutaussehend zu sein wie sie. Doch stattdessen war er klein und dicklich, mit stumpfem, braunem Haar. Sein Gesicht war spitz mit kleinen, wässrigen Augen. Der einzige Grund warum er nicht ständig gehänselt wurde, war der, dass Sirius und James es einfach nicht zuließen. Er war ihnen natürlich dankbar dafür, doch trotz allem wäre er lieber sebst wie sie, anstatt sich immer auf ihre Hilfe zu verlassen.

Als er bei seinen Freunden ankam, wandelte sich Sirius' hochkonzentrierter Gesichtsausdruck zu einem glücklichen. Er hielt vor ihnen an und lächelte.

„Hey. Fühlt sich an als hätte ich euch ewig nicht gesehn."

„Das war auch so Tatze," sagte James, und tat als ob er schmollte. „Versuchst du etwa Peter hängenzulassen, oder was?"

Sirius lachte. „Nein Krone, eigentlich wollte ich dich loswerden. Zu blöd, dass du zu dumm bist um das zu bemerken."

James und Sirius klatschten sich ab und gaben sich die Hand.

„Sollten wir nicht einsteigen?", unterbrach Peter sie ängstlich, als er auf die Uhr sah und merkte, dass ihnen nur noch wenige Minuten blieben.

„Ja, das sollten wir," meinte Remus und begann seinen Koffer zur nächsten Tür zu schleifen.

Innerhalb von zehn Minuten hatten sie es sich in einem Abteil gemütlich gemacht, zusammen mit den tausend Sachen, die sie für die Schule brauchten. Der Zug setzte sich langsam in Bewegung und so begannen sie den langen Weg nach Hogwarts.