„James, wann wollten die Beiden kommen?"

„Keine Ahnung, ich weiß nur, dass diesen Sommer die beiden schärfsten Mädchen in meinem Haus übernachten werden!"

James grinste bis über beide Ohren.

Er und Remus waren gerade dabei, dass karg eingerichtete Zimmer für Lily und Tonks herzurichten. Wenn man sich so umschaute, kam man eher auf den Gedanken eine Horde Hippogreife hätte hier gewütet. Außer einem kleinen Nachttisch, der kaum noch zu sehen war, weil ein Dutzend Briefe auf ihm lagen und zwei klapprigen Feldbetten, waren Hefte, Bücher, Papierfetzen und eine Reihe anderer unbrauchbarer Sachen durcheinander wie Kraut und Rüben im ganzen Zimmer verteilt.

Remus überhörte die Antwort von James einfach.

„Wie wollen wir das...", er deutete auf das Kaos um ihn „in einer halben Stunde beseitigen?"

„Du bist doch der Schlaukopf!"

„Nimm das zurück!" „Nö." „Nimm's zurück!"

„Nö." „Nimmst du es zurück."

Remus hatte sich mit dem Mugglebesen lachend vor James aufgebaut.

„Aber warum denn? Mein kleiner Schlaukopf."

James klimperte heftig mit den Wimpern.

Mit einem Kampfschrei stürzte sich Remus auf ihn. Sekunden später waren die Zwei nur noch als ein großes Knäuel zu sehen. Nach einiger Zeit ließen sie sich erschöpft auf das klapprige Feldbett fallen, dass prompt zusammenkrachte.

Lauthals lachend setzten sie sich vorsichtig auf das andere, noch heile, Bett. James brüllte vor lachen und ahmte einen alten Mann mit Krückstock nach, der sich steif wie ein Brett auf das Bett niederließ.

„Was ist denn hier los?"

Mrs. Potter steckte ihren Kopf durch den Türspalt. Reingehen konnte sie nicht, weil das eingekrachten Bett die Tür versperrte. Aber egal wie viel sie von dem Durcheinander sah, es reicht ihr offensichtlich.

„Ihr räumt das auf und kommt dann runter. Sirius ist schon ganz verzweifelt. Putzen auf Muggleart liegt ihm irgendwie nicht."

Dies sagte sie so ernst, dass James schon wieder anfing zu prusten. Wie auf ihr Stichwort hörte man von unten ein lautes Scheppern. Mrs. Potter zog eilig ihren Kopf zurück und ging wieder nach unten. Mit einem leisen Klicken schloss sich die Tür.

James, der sich wieder gefangen hatte, schnappte sich einen Mullsack und sammelte wütend die Papierfetzen ein.

„Was für ein Scheiß."

Stieß er sauer hervor. Mit hoher äffender Stimme sagte er: „Ich möchte sie nochmals daran erinnern, dass in den Ferien nicht gezaubert werden darf!" Und normal: „Als ob mir das was ausmachen würde! Wenn meine Mutter nicht wäre, wäre das Zimmer blitzblank." Entrüstet sah er zu Remus.

Doch der saß immer noch wie festgewachsen auf dem ganzen Feldbett. Seelenruhig betrachtete er den Stapel Briefe auf dem kleinen Nachtisch. Sie waren an den Ecken teils verknickt aber ihre leuchtend bunten Farben von Pink bis Mitternachtsblau ließen sie kaum übersehen.

Neugierig griff Remus nach dem obersten, scharlachroten Brief. Er war von Lily. Er schaute sich auch den Zweiten und den Tritten an, aber auch diese waren von ihr.

„Hast du auch keine Briefe von Tonks bekommen?"

„Wieso auch? Hat sie dir den auch nicht geschrieben?"

„Nee, hab den ganzen Sommer über nichts von ihr gehört."

Stutzend sahen die Freunde sich an. Es war gar nicht Tonks Art den Mund zu halten und nichts von sich hören zu lassen.

„Na der werd ich was erzählen, uns, den ehrewerten Moony und Krone nicht zu schreiben. Zezeze!"

Gepielt beleidigt schüttelte James den Kopf. Ohne ein weiteres Wort darüber zu verlieren, sammelten sie rasch den Müll ein und gingen nach unten.

Mrs. Potter kam sofort angerauscht.

„Und ist das Zimmer ordentlich? Alles sauber?"

„Ja Mum."

James sah gelangweilt aus. Doch als er Sirius sah, konnte er sich ein Grinsen nicht verkneifen. Sirius, in einem weißen Kittel, mit gelben Plastikhandschuhen und einem Berg von dreckigen Tellern neben ihm, spülte. Etwas ungelenk, aber er spülte.

Als er Remus und James grinsende Gesichter sah, lief er rot an.

Er murmelte etwas wie: „Deine Mutter... gezwungen."

Dann zog er blitzschnell den Kittel und die Handschuhe aus.

„JUNGS, dass muss noch fertig werden! Gleich kommen Lily und Nymphadora. Was sollen sie den von uns halten?"

„Mum, dass, was sie schon seit drei Jahren von uns halten! Ordentlich, ordentlicher, Potter."

Genervt sah James seine Mutter an. Diese seufzte leise und nahm nach kurzem zögern dann doch ihren Zauberstab um das Geschirr zu beseitigen.

„Die armen Mädels, müssen es mit so einem Pack unordentlicher Raubtiere aushalten!" Sie grinste in sich hinein.

„Achso, Peter kann nicht kommen. Seine Mutter hat mir einen Brief geschickt, scheinbar traut der Kleine sich nicht, selbst abzusagen. Die Familie hat eine Reise nach Griechenland geschenkt bekommen!", fügte sie hinzu.

„Uuuuh, der Kleine traut sich wohl nicht, uhuuuu.", ahmte James seine Mutter nach.

Plötzlich klingelte es an der Tür. Sirius machte auf und herein kam: Lily Potter... mit einem großen Koffer.

„Hi!"

Alle antworteten, außer Sirius. Der stand wortlos auf, ging aus der Haustür, drehte den Kopf nach links, nach rechts, schüttelte ihn und kam wieder rein. Alle sahen ihn verdutzt an.

„Sie ist nicht da!", meinte er dann.

„Wer?", fragte James.

„Na wer wohl, du Idiot! Tonks!"

Jetzt fiel es auch den anderen auf. Lily wollte gerade etwas sagen, als eine hübsche Schleiereule durch die offene Tür flog.

„Das ist Tonks Eule!", rief Lily.

Vorsichtig machte sie einen zerknitterten Umschlag vom Bein der Eule ab. Mit ungeschickten Fingern zog sie einen durchnässtes, blutbeschmiertes Blatt Papier heraus. Aufmerksam begann sie zu lesen. Ihre Augen weiteten sich. Als sie zu Ende gelesen hatte, drückte sie James den Brief in die Hand. Sirius beugte sich über ihn um besser lesen zu können:

Hi Lily!

Tut mir leid, dass ich nicht da war, als du mich abholen wolltest. Ich kann gar nicht kommen. Meine Eltern sind auf ne Hochzeit zu Freunden. Muss mit.

Tschau

Tonks

Verdutzt sah James den Brief an. Ungläubig drehte er ihn um, um nach dem Rest des Briefes zu suchen. Doch das war nichts. Außer drei Sätzen, war der Brief leer. Mit Ausnahme von großen roten Flecken, die hie und da auf dem Blatt zu sehen waren.

„Nie und nimmer sind ihre Eltern auf ne Hochzeit eingeladen. Ich bin ihr Cousin. Das wüsste ich doch!", meinte Sirius aufgebracht.

„Seit wann schmiert Tonks so? Sie war zwar nie besonders ordentlich aber das... Da is was faul!", sagte Lily schlicht.

„Sie lügt."

„Zeig mal her, bitte!"

Das war Mrs. Potter. Interessiert nahm sie den Brief, den Lily ihr reichte. Während sie las, erschien eine Sorgefalte auf ihrer Stirn.

„Kommt mit!" Mrs. Potter voran, gingen die Fünf ins Wohnzimmer.

„Was machen sie jetzt?", fragte Lily.

„Das ist doch nur ein Scherz von ihr. Was wollen sie jetzt tun?" Ängstlich sah sie Mrs. Potter an.

„Lily, Schatz, du kennst Tonks. Sie macht Scherze, aber nicht solche. Du als ihre beste Freundin weißt das doch."

Lily sah jetzt beunruhigt zu den Jungs. James und Sirius schienen immer noch nicht recht überzeugt, dass das alles nur ein dummer Scherz war. James fuhr sich immer wieder durch sein strubbeliges Haar und zerzauste es noch mehr. Sirius wippte die ganze Zeit nach vorn und nach hinten, nicht vor Aufregung, sondern weil er endlich was tun wollte. Remus jedoch hatte Mrs. Potter die ganze Zeit stumm zugehört. Als diese jetzt ihren Zauberstab zog, war er keinesfalls überrascht.

„Ich versuche herauszufinden, was Tonks hat bzw. was mit ihr los ist.", sagte sie bevor Lily was einwenden konnte. Diese sah sie empört an.

„Das können sie nicht tun!"

„Doch, Süße, du willst doch auch wissen, was mit ihr los ist, oder?"

Mrs. Potter sah ihr in die Augen. Gegen dieses Argument konnte Lily nichts erwidern.

„Findeus!"

Nachdem Mrs. Potter diese Worte laut ausgesprochen hatte, kam augenblicklich eine Reaktion.

Das Blatt begann eine Handbreit über dem kleinen Wohnzimmertisch zu schweben. Spätestens jetzt hatte der Brief vollste Aufmerksamkeit von allen. Als er anfing rot zu glühen, rief James leise:

„Es klappt!"

Es sah schon komisch aus. Fünf Menschen, keiner wagte auch nur den Mund aufzumachen, standen um einen kleine Couchtisch herum und betrachteten gespannt ein schwebendes, verdrecktes Stück Papier. Doch als Mrs. Potter mit einem Ruck von den Beinen gerissen wurde, verpuffte die magischen Atmosphäre, die in der Luft gelegen hatte, sofort und die Stille war gebrochen.

Lily schrie.

Der Brief hatte einen leuchtend grünen Strahl auf Mrs. Potter abgeschickt, der sie genau am Bauch traf und zerfetzte sich nun selbst in der Luft.

Sirius half James seine Mutter auf die Beine zu ziehen. Sie hatte sich nichts getan und zum Erstaunen der Vier lächelte sie schwach.

„Das hätte ich mir denken können!", sagte sie mehr zu sich selbst und laut:

„Tonks ist eine sehr begabte junge Hexe!"

„Aber dann-" , begann Sirius aufgewühlt, doch Mrs. Potter unterbrach ihn.

„Sie hat offensichtlich ein Geheimnis!"