Charaktere: Sirius Black, Bellatrix Lestrange
Author's Note: Dem cennetversum entliehen, Fixsterne , 8. Kapitel, „die Ebene der schrägen Gefühle". Die Blutbande fordern, dass Sirius Bellatrix nach einem Crucio-Übergriff zu sich nach Hause holt, wo sie sich erholt und sich die beiden wohl von einer anderen Seite kennen lernen.
Es war am dritten Tag, nachdem ich sie zu mir geholt hatte. Sie war wach, aber noch nicht wieder wirklich auf den Beinen. Sie saß auf der Couch, die Beine angewinkelt und eine Wolldecke darüber gelegt.
Ich war auf der Arbeit gewesen, aber früh heimgekommen, weil ich Bellatrix trotz ihres Zustands nicht den ganzen Tag alleine lassen wollte. Sie war morgens aus dem Bett gekommen, doch sie war noch schwach gewesen. Ob ich sie wegen des Fortschritts, aus dem Bett aufzustehen oder der immer noch präsenten Schwäche nicht allein in meiner Wohnung lassen wollte, weiß ich nicht. Misstrauen oder Sorge?
Keine Ahnung, jedenfalls hatte ich mich frühzeitig verabschiedet, um in mein Zuhause zu kommen, das ich momentan mit meiner Cousine teilte und was ich irgendwie seltsam, aber auch nicht unangenehm fand.
Jetzt saß sie auf meiner Couch, schweigend und schön, mit noch blasserem Gesicht als üblich, umrahmt von ihrem Rabenfederhaar.
Ich stand in der Küche, die zugegebenermaßen nicht gerade geräumig war, aber mir reichte sie, und versuchte, etwas essbares und appetitliches für uns zu finden.
„Was willst du?", rief ich durch die Tür, während ich den Kühlschrank inspizierte.
"Spiegeleier? Nudeln mit Käse? Tut mir Leid, was besseres hab ich nicht da ..." Ich steckte den Kopf durch die Tür und sah sie fragend an.
"Ich möchte nichts", sagte sie und warf mir nur einen kurzen Blick zu.
"Hast du schon irgendwas gegessen heute?", wollte ich wissen.
Sie schüttelte den Kopf. „Ich habe keinen Hunger."
"Du musst etwas essen, du bist schon so schwach genug.", beharrte ich.
"Ich will wirklich nichts, Sirius." Bellatrix' Stimme war nicht eindringlich, aber bestimmt.
"Du musst es wissen", meinte ich und verschwand wieder in die Küche. Ich wusste, Bellatrix war stur, weil ich es war, und sie mir ähnlich war, das hatte ich über die Jahre irgendwie mitbekommen, auch wenn es mir nicht passte. Aber im Moment war sie auch schwach. Sie musste etwas zu sich nehmen und im Augenblick war ich dafür verantwortlich, dass sie es tat.
Ich schloss die Kühlschranktür und kehrte zurück ins Wohnzimmer, wo ich mich ihr gegenüber in einen Sessel fallen ließ. Ich beschloss, nicht weiter auf sie einzureden, und versuchte es auf eine andere Art. Ich nahm mir eine Zeitschrift vom Tisch und schlug sie auf. Es stand nichts interessantes drin, irgendwie ging es um Muggelpolitik und Naturschutz, glaube ich, aber ich las auch nicht besonders aufmerksam.
"Es schneit wieder heute", meldete sie sich plötzlich zu Wort. Ich sah auf und bemerkte ihren Blick aus dem kleinen Fenster. Die Flocken fielen bereits dick und zahlreich, und manche hatten sich bereits auf dem Glas niedergelassen.
"Die ganze Woche geht es schon so", bemerkte ich und legte bei ihrem Versuch, Konversation zu betreiben, die Zeitschrift weg. „Wenn du nicht aufpasst, findest du den Weg aus Muggellondon heraus nicht mehr unter der Schneeschicht, sobald du hier wieder weg bist", scherzte ich.
Sie lächelte nicht, sondern sah mich nur mit einem Blick an, den ich nicht richtig deuten konnte. Traurig, irgendwie, und auf eine seltsame Weise bedauernd, und einsam. Erschöpft.
"Ich mag den Schnee", meinte sie mit ausdrucksloser Stimme. „Er dämpft die Welt."
Ich wusste nicht, was ich antworten sollte. Ich war nicht auf den Mund gefallen, das war allgemein bekannt, doch diese Situation mutete mir merkwürdig an. Ich war gut darin, mich mit Bellatrix anzufeinden, sie auf hochgestochene und ganz und gar black'sche Weise zu beschimpfen, zu verdächten, ihr zu misstrauen. Doch auf diese neutrale, doch „tiefere" Art von Gespräch, so fern es eines war, war ich nicht eingestellt. Sie wirkte zu verletzlich auf mich, das verwirrte mich.
"Ich dachte immer, du wärst eine Herbsthexe", meinte ich schließlich und dachte an Nehergeb. „Aber der Winter steht dir auch." Es war wahr, sie war die blasse, dunkle Schönheit, die im Winter noch blasser und dunkler wirkte, und es stand ihr. Und ihre Seele, soweit ich sie lesen konnte, schien mir im Moment kalt und eisig, auch wenn ihr Herz es nicht sein mochte.Jetzt lächelte sie schwach, so schwach, wie sie aussah, und in dem Moment stand ihr die Erschöpfung ins Gesicht geschrieben. Sie war schön wie je, doch sie wirkte auf eine traurige Art älter, kraftloser und erschöpfter denn je. Erschöpft vom Leben, vom Töten, was auch immer.
"Du warst immer der Sommer", antwortete sie. „Fröhlich und unbeschwert und strahlend." Sie sah mich mit ihrem seltsamen Blick an und in dem Moment, fiel mir etwas ein, das mir Remus einmal erzählt hatte.
Kalter Orangenblütentee im Sommer. Kalt zum Abkühlen und Orangenblüten gegen Nervosität. Und Schlaflosigkeit. Mag bei manch einem ja vorkommen vor den Prüfungen. Bei dir natürlich nicht, Padfoot. Hilft auch in anderen Stresssituationen, ist klar.
„Eigentlich mag ich jede Jahreszeit", sagte ich und versuchte, nicht an buntes Herbstlaub vor Grimmauldplace zu denken.
"Sehr black-untypisch. Wir lieben den Winter, oder nicht? Besser zum Sternschauen. Man sieht Orion am Winterhimmel, dich, mich ... Aber wen wundert es schon, wenn du mal wieder aus der black'schen Reihe fällst", meinte sie und zog leicht spöttisch die Mundwinkel hoch. Offensichtlich war ihr das Gespräch zu tiefgründig geworden und sie fiel in unsere übliche zynische Art, miteinander zu reden, zurück.
„Klar, Bella, und mich wundert es rein gar nicht, dass du perfekt ins Muster passt. Winterkind, nicht wahr? Kalt, aber mitreißend, passt haargenau", stieg ich auf ihre Stichelei ein.
Heißer Früchtetee im Winter. Mit Apfel, Kirsche, Zimt vielleicht, Honig. Gegen Winterdepression und Weihnachtsstress. Baut auf und entstresst. Perfekt für den Advent in Godric's Hollow.
"Kalt, aber mitreißend? So sieht man mich heutzutage? Es gab mal eine Zeit, da war ich noch das lästige Slytherin-Miststück, das du leider als deine Cousine bezeichnen musstest." Ihr Ton soll wohl herablassend klingen, aber er wirkt hauptsächlich müde und erschöpft.
"Oh, das bist du immer noch, mach dir keine Sorgen", antworte ich, und man weiß wohl nicht, ob ich diese Aussage ironisch meine oder nicht, „aber irgendwann muss man anfangen, sich niveauvoller auszudrücken. Dem Alter entsprechend. Du weißt schon, aus den alten Angewohnheiten herauswachsen", meine ich reif und einem gerade-über-zwanzig-jährigem nicht angemessen.
Schwarzer Tee hilft immer gegen Müdigkeit. Hat die gleiche Wirkung wie Kaffee, aber ist gesünder. Haut echt rein und hält dich wach für Stunden. Immer gut bei Übermüdung und stundenlangem nächtlichem Wachbleiben, oder Durchmachen aus anderem Grund. Probier's mal aus.
Sie sieht mich an als hätte sie genau dasselbe gedacht, amüsiert und ungläubig, aber irgendwie erreicht das Schmunzeln ihrer Lippen ihre Augen nicht, die immer noch kalt und müde und traurig aussehen, und grau wie immer. „Die alten Streitereien hinter sich lassen, meinst du?", fragt sie zweifelnd und ich kann es ihr nicht verübeln. Nach ihrer momentanen Lage zu urteilen, tut sie ganz recht daran, über Dinge nachzudenken, wie alte Streitereien, die eine Familie dazu bringen, in einem Krieg auf verschiedenen Seiten zu stehen. Aber nichtsdestotrotz, das wissen wir beide, ist die Familie Black stolz, und würde wohl niemals „alte Streitereien" hinter sich lassen wegen einer banalen, nebensächlichen Sache wie Krieg.
Fencheltee soll gut sein gegen schlechte Stimmung. Vertreibt die bösen Geister, heißt es im Aberglauben. Kann man übertragen auf die schlechte Laune. Liebeskummer, der sich langsam in Wut und Aggression verwandelt. Schlechte Noten. Familienstreit. Kann man's immer mit versuchen.
"Niemals, natürlich nicht. Nur – drüber stehen, weißt du. Man muss sich ja nicht selbst verrückt machen wegen Dingen, die man nicht ändern kann", meine ich zu meiner eigenen Überraschung, weil ich irgendwie gar nicht richtig glauben kann, was ich da sage, ich, der sich immer über alles aufregt, was in Verbindung mit der eigenen Familie steht.
Ihr Blick verrät zu offensichtlich, dass ihr dieser Gedanke zwar absurd und nicht umsetzbar, aber auch erstrebenswert erscheint. „Würde vieles erleichtern, meinst du nicht? Wenn wir uns alle einfach mal in Frieden lassen würden ...", sagt sie und denkt an irgendetwas, von dem ich nichts weiß.
"Das sagt mal die Richtige", erwidere ich ungerührt. So schlecht ihr Zustand auch im Moment ist, sie war immer diejenige, die die black'sche Tradition, sich in anderer Leute Leben einzumischen, mit Bravour fortführte.
Unter dichten Wimpern trifft mich ein harter Blick ohne Worte. Falscher Kommentar, aha. Offenbar ist ihre Schwäche echt, die Änderung in ihrem Verhalten, die Verletzlichkeit. Und wieder springt mir diese Erschöpfung ins Gesicht ... diese Müdigkeit ... Ausgebranntheit.
Aber Pfefferminztee, ja, Pfefferminztee, das ist etwas für die richtig harten Fälle. Schwere Depression, Übermüdung am Rande des Zusammenbruchs. Schweres Herz – und Seelenleiden. Du weißt, nicht die kleinen Wehwehchen, a la James, Oh, Lily, warum willst du nicht mit mir ausgehen?, sondern die wirklich ernsten Fälle. Tod eines Geliebten. Trauer. Schmerz. Und Erschöpfung, weißt du, richtige Erschöpfung am Leben."
Ich kann nicht, Tut mir Leid, sagen, das ist ein ungeschriebenes Gesetz, Sirius Black wird sich niemals bei Bellatrix Black, Verzeihung, Lestrange, für irgendetwas entschuldigen und erst recht nicht, wenn es wahr ist.
Aber jetzt, Remus' Worte im Kopf, die mir so unglaublich auf diese Frau, die mir dort gegenübersitzt, zutreffen – müde, traurig, bedauernd, vom Leben gezeichnet und – erschöpft, kann ich sie fragen:
"Möchtest du vielleicht einen Pfefferminztee, Bellatrix?"
Sie zögert, wirft mir einen überraschten Blick zu, doch dann zeichnet sich ein leises Lächeln auf ihren Lippen an.
"Vielleicht eine kleine Tasse ... Ja, danke, Sirius, ich denke, ich möchte ein wenig Pfefferminztee."
Ein Anfang, denke ich und erhebe mich langsam auf dem Weg in die Küche, ihren Blick im Rücken.
