1. Kapitel- Jealous?...Jealous.
Am nächsten Morgen wartete Fred auf seinen Bruder am Frühstückstisch in der Großen Halle. Gerade als er überlegte, ob George überhaupt noch auftauchen würde, und sich lustlos ein Brötchen schmierte, schwangen zwei lange Beine neben ihm über die Bank.
"He, hier ist be-", er brach ab, als er diese als die seines Bruders erkannte. "Wurde aber auch Zeit."
"Dir auch einen wunderschönen guten Morgen, Bruderherz!" George grinste und ließ sich neben Fred nieder.
"Scheint gestern ja noch ziemlich spät geworden zu sein", bemerkte Fred mit so viel Beiläufigkeit, wie er aufbringen konnte. Er versuchte sich an einem lässigen Grinsen, merkte aber, wie seine Gesichtszüge entgleisten und widmete sich schnell wieder seinem Brötchen.
"Ja, wir...ähm...haben noch im Astronomieturm die...ähm...Sterne beobachtet." George grinste frech. "Du weißt schon, Uranus und so."
"So, so, die Sterne beobachtet also. Und der Schneesturm hat euch dabei nicht gestört?" Fred wollte den Scherz weiterführen, doch seine Stimme klang eher so vorwurfsvoll wie die einer Mutter, die ihre 14jährige Tochter dabei ertappt hat, wie diese sich in den frühen Morgenstunden nach einer wilden Partynacht durch den Hintereingang auf ihr Zimmer schleichen wollte.
George hob belustigt eine Augenbraue. "Eifersüchtig?", fragte er.
"Das hättest du wohl gerne."
"Wie du meinst." George begann nun, sich sein eigenes Brötchen zu belegen.
Nach einigen Augenblicken nahm Fred seinen Mut zusammen- seit wann brauchte er Mut, um seinen Zwillingsbruder anzusprechen?- und fragte: "Und? Schon irgendwelche Pläne für heute?"
"Umpf!" George versuchte, den Bissen möglichst schnell runterzuschlucken. "Gut, dass du fragst! Ich möchte mit Katie runter nach Hogsmeade, schließlich haben wir zur Weihnachtszeit keine regulären Besuche dorthin und das wäre sicherlich sooo romantisch, George!"- er versuchte Katies hohe Mädchenstimme nachzuahmen und grinste dabei machomäßig. Könntest du mir nachher also bitte die Karte des Rumtreibers geben?"
Scheinbar war Freds Gesichtsausdruck nicht der, den er erwartet hatte und so fügte er hinzu: "Was ist los? Du hast sie doch nicht etwa wieder verloren? Ich warne dich, das war schon mehr als knapp, als wir sie letztes Mal aus Filchs Büro holen mussten, und ich persönlich bin ja der Meinung, dass die angeblichen Folteranlagen im Kerker gar keine Hirngespinste sind."
Fred blieb immer noch stumm.
George seufzte. "Gib mir Bescheid, sobald du die Gabe zu sprechen wiedererlangt hast. Ich muss jetzt los und noch ein paar Vorbereitungen treffen."
Er klopfte Fred brüderlich auf die Schulter und verschwand munter summend aus der Großen Halle. Freds Blick, verletzt und doch voller grimmiger Entschlossenheit, bekam er nicht mehr mit.
Fröhlich hüpfte George wenig später die Stufen zum Schlafzimmer hinauf. "Hey, mein Lieblings-Zwillingsbruder!", rief er, als er die Tür aufschlug. Das nächste, was er mitbekam, war, dass ihn ein Paar Hände am Kragen packten und gegen die Wand drückten.
"Du hattest Recht." Fred sah ihn durchdringlich an. "Ich bin eifersüchtig."
Und bevor George etwas erwidern konnte, zog Fred ihn zu sich heran und küsste ihn sanft auf die Lippen.
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blub, blub...blu blub.
