2. Es wird brenzlig

Mihawk fläzte sich in den Sessel unter dem Mast, um die Soldaten zu erwarten, die den Kai entlang gestürmt kamen.

Unter dem Mantel zappelte es. "Lieg still!", zischte Mihawk.
"Aber es ist heiß und es kratzt...", protestierte es aus den Mantelfalten heraus.
"Halt die Klappe. Sie kommen."

Mihawk setzte sich wieder Positur - lässig, gelangweilt und von einer Coolheit, die Drachenfeuer zum Gefrieren gebracht hätte. Oben auf dem Kai machte der Trupp Soldaten vor seinem kleinen, schwarzen Schiffchen halt.

"Alle Mann ausschwärmen! Das Schiff dort durchsuchen!", bellte der diensthabende Offizier.

"Ich fürchte, nein", sagte Mihawk höflich, ohne sich aus seinem Sessel zu rühren. Er hatte seine Stimme nicht über Zimmerlautstärke erhoben, aber es reichte, dass die Soldaten oben auf dem Kai ein nervöses Gedrängel bildeten, anstatt sein Schiffchen zu stürmen.

"Wie, nein?!", brüllte der Offizier. "Da gibt's kein Nein! Wir suchen einen gefährlichen Piraten..."

"Suchen Sie ihn!", erwiderte Mihawk gelangweilt. "Tun Sie ihre Pflicht. Gründlich und methodisch. Aber nicht auf meinem Schiff."

"Die Bevölkerung ist verpflichtet, militärische Operationen zu unterstützen!", schnarrte der Offizier.

"Ich bin nicht die Bevölkerung", erwiderte Mihawk knapp und arrogant.

Er hörte ein leises, beifälliges Kichern aus Richtung seines Mantels und stöhnte innerlich auf. Das konnte jeden Moment schief gehen. Zum Glück hatte er den Offizier so zur Weißglut gebracht, dass der für nichts anderes mehr Augen oder Ohren hatte.

"SONDERN?", brüllte der Offizier, kurz vor dem Explodieren.

Mihawk lehnte sich zurück und schenkte dem wutschnaubenden Offizier ein unendlich herablassendes Lächeln. 'Das habe ich nicht nötig', sagte das Lächeln. 'Wer das nicht weiß, der ist falsch in seinem Job.'

Es wirkte. Obwohl der Offizier einen guten halben Meter höher stand als Mihawk, zog er den Kopf ein und sah sich nervös um. Die Soldaten tuschelten aufgeregt. 'Shichibukai', zischelte es hinter dem Offizier 'Taka no Me ... tausend Schiffe... das schwarze Schwert...'

"ähm... ja...", stotterte der Offizier.

"Dann haben wir uns verstanden" konstatierte Mihawk zufrieden. "Mein Schiff ist extraterritoriales Gebiet."

"Selbstverständlich, Sir!", säuselte der Offizier.

"Durchsuchen Sie was Sie wollen, aber nicht mein Schiff!"

Die Mantelfalten zuckten und Mihawk bemühte sich, nicht hinzusehen. Wie lange konnte er einen Trupp Soldaten nur mit blanker Arroganz aufhalten? Aber noch wirkte sein überwältigendes Charisma.

"ähm... dürften wir Sie um Unterstützung der Ermittlungen bitten? Sir?", flötete der Offizier unterwürfig. "Ein ungemein gefährlicher Pirat treibt hier sein Unwesen."

Mihawk musste weiterspielen. Die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, und weg von dem Gezappel unter seinem Mantel.

"Dann verhaften Sie ihn!", sagte er im Befehlston. "Machen Sie ihren Job, Sie werden aus Steuergeldern bezahlt."

Der Offizier versuchte noch einen Anlauf "Haben Sie vielleicht verdächtige Personen oder Aktivitäten beobachtet? So in der letzten halben Stunde?"

"Verdächtige Personen?" Mihawk machte eine wohlkalkulierte Kunstpause. "Ach ja... "

Der Offizier sah ihn bittend an. Mihawk ignorierte das leise Schnaufen und die raschelnden Stofffalten am Rande seiner Wahrnehmung.

"... da drüben lang... Richtung Nordstrand...", sagte er mit einer vagen Handbewegung, "Das sah SEHR verdächtig aus..."

Der Offizier schlug die Hacken zusammen.
"Danke für den sachdienlichen Hinweis!" rief er zackig und salutierte. "Entschuldigen Sie die Störung, Sir!"

Mihawk winkte ab. "Kein Problem", sagte er zuvorkommend. "Tun Sie ihre Pflicht, meine Herren!"

"Jawoll!", brüllte der Offizier, der jetzt wieder in seinem Element war. "Alle Mann kehrt! Ausschwärmen Richtung Nordstrand!"

Die Soldaten entfernten sich im Laufschritt, der Offizier an der Spitze. Mihawk stand auf, um ihnen nachzusehen - und um dem zappelnden Stoffbündel auf seinem Deck einen warnenden Tritt zu verpassen.

"Noch nicht!", zischte er durch die Zähne und stellte seinen Fuß fest auf die sich windende Gestalt.

"Aua!", protestierte es aus den Mantelfalten, aber er ließ seinen Fuъ, wo er war, bis die Soldaten außer Sicht waren. Erst als der letzte Soldat hinter den Felsen und Fischerhütten verschwunden war, lieъ er sich in seinen Sessel fallen.

Ruffy strampelte sich aus den Mantelfalten.

"Du warst super!", strahlte er. "So was von cool!"

"Und du hast mich eine Menge Nerven gekostet.", erwiderte Mihawk. Eigentlich hatte er seinen ungebetenen Gast ordentlich zusammenstauchen wollen, aber Ruffys glücklichem Lachen und seinen großen, runden Kinderaugen konnte er einfach nicht böse sein.

"Die Soldaten waren SO doof... die haben gar nichts gemerkt...", kicherte Ruffy begeistert.

"... was weiß Gott nicht an dir gelegen hat", erwiderte Mihawk streng und fühlte sich im gleichen Moment wie eine kleinkarierte Spaßbremse. Warum sich nicht einfach über ein gelungenes Abenteuer freuen?

"Und jetzt?", fragte er freundlicher. "Wo sind deine Freunde? Soll ich dich zu ihnen bringen?"

Ruffy nickte freudig. "Das wär gut. Wir haben auf der anderen Seite der Insel geankert, weil Nami gleich gesagt hat, dass..."

"Auf der anderen Seite...", überlegte Mihawk. "dann fahren wir um das Südkap, durch die Felsen. Da kommen Marineschiffe sowieso nicht hin, die haben zuviel Tiefgang. Und bei Flut müssten wir in zwei, drei Stunden da sein.

"Voll nett von dir!", erwiderte Ruffy.

Mihawk freute sich fast auf diesen Segelausflug durch die winzigen Inselchen und Riffe vor der Küste. Mit diesem drolligen, kleinen Piratenkapitän würde es wie ein Ferientag am Meer sein.

Er setzte sein schwarzes Segel und steuerte aus dem Hafen.