Kapitel 2 – Ironie

Danke an alle Leser, Favo-maker und Kommischreiber

Freu mich immer über alle Kommentare, Mails, Morddrohungen oder sonstiges.

INFO: Das hier spielt ab den Ferien nach 5. Schuljahr. Ich versuche, die Ereignisse alle Büchergetreu beizubehalten, aber ich habe keine Lust, nachzuschauen XP. Also falls euch Fehler auffallen: Sagen und ich korrigiere, falls möglich.

Legende:

„normales Gespräch"

/Gedanken/

#Parsel#


Der Mond sendete sein fahles Licht durch das Kellerfenster.

Auf dem Boden konnte man die Schatten der Gitterstäbe davor erkennen.

/Gesiebtes Licht./

Ein Grinsen schlich sich auf das ausgemerkelte Gesicht Harrys. Solche Gedanken waren in der letzten Zeit nicht selten gewesen.

Andere würden behaupten, er wäre verrückt.

Wahnsinnig.

Aber konnte man es ihm verübeln, wenn er in seinem verkorksten Leben wenigstens etwas Heiterkeit suchte?

Erfahrungen prägten.

Die Menschen da draußen wahrscheinlich nicht. Sie waren mit ihrem Alltag beschäftigt und mussten nicht die Welt retten – laut einer Prophezeiung.

Wobei er langsam an der Echtheit jener zweifelte. Mal ehrlich. Er konnte nicht wirklich einer Person glauben, die ihm ununterbrochen den Tod in naher Zukunft vorhersagte. Und er lebte ja schließlich noch.

Was man eben so unter ‚leben' verstand.

Aber vielleicht war er ja tatsächlich langsam geisteskrank geworden.

Man sollte sich eigentlich wundern, dass er bis jetzt immer einen halbwegs klaren Verstand bewahrt hatte. Jahrelanges Drangsalieren, Demütigen, Hungern lassen und Verprügeln, hätten jeden Menschen – und sei er noch so stark – nach und nach zu einem Psychopathen gemacht, der alles und jeden morden wollte und am besten noch sich selbst.

Nun gut...

Noch richtete sich sein Groll nur gegen ein paar ganz bestimmte Personen und sich selber mochte er zwar nicht wirklich, aber etwas Stolz war ihm geblieben, als dass er sich selber die Kugel geben wollte.

Ein dumpfer Laut gepaart mit einem Zischeln riss ihn aus seinen Gedanken.

#Verdammt. Was dieses Riesen nur immer für Fallen aufstellen. Ist ja nicht zum Aushalten. Da will man sich ganz gemütlichen Schlafplatz suchen und dann so was. Als ob wir nicht genug Probleme hätten. Nein, da stellt man natürlich tückische Fallen für wehrlose Schlangen auf. So eine Unverschämtheit. Verboten werden sollte das. Jawohl! Und- Oh, wer ist das denn? Sieht mit etwas mitgenommen aus, der Gute. Ich wette, er ist Schuld an dem Ganzen. Er soll mich gefälligst wieder da hochheben-#

Harry starrte das fluchende Tier an.

Soeben war eine etwa zwei Meter lange Schlange aus dem vergitterten Fenster in den Keller gefallen.

Die Dursleys hatte sich nicht die Mühe gemacht, es zu schließen. Er konnte von Glück sprechen, dass es noch Sommer war. Da war es wenigstens nicht zu kalt... Obwohl es doch recht kühl in der Nacht wurde. Ohne irgendeine Möglichkeit sich zu wärmen, die kalte feuchte Wand im Rücken – obwohl das seinen Wunden auf seiner Rückseite wenigstens etwas Linderung verschaffte – und sein angeschlagener Zustand. Es war eigentliche ein Ding der Unmöglichkeit, dass er sich noch keine Erkältung oder schlimmeres eingefangen hatte. Wahrscheinlich war sein Körper aber einfach zu sehr damit beschäftigt, seine Wunden zu heilen, als dass er sich die Mühe machte, krank zu werden.

Klang irgendwie logisch.

Oder auch nicht.

Lebten Schlangen eigentlich an Wasserfällen?

Die quatschte ja immer noch...

Das Reptil schlängelte sich zischend auf ihn zu.

#...Wieso macht er nicht das, was ich ihm gesagt habe? Benehmen sollte man ihm einprügeln. Rechtschaffene Schlangen einfach so zu ignorieren und- Oh.

Ach, stimmt ja. Die Riesen können uns ja nicht verstehen. Auch wieder so eine Unmöglichkeit. Aber vielleicht sind sie ja einfach nur zu dumm unsere Sprache zu lernen. Wie soll ich ihm denn nun begreiflich machen, was ich will? Vielleicht sollte ich versuchen ihm mit Gesten verständlich zu machen, dass er mich jetzt sofort da wieder hoch heben soll...#

Harry stellte sich ungewollt ein Bild vor, wie die Schlange verzweifelt versuchte einem normalem Menschen begreiflich zu machen, etwas zu tun, während jener in Panik, kreischen davonlief.

Er kicherte leicht.

#Was findet er denn jetzt so lustig? Unmöglich, diese Riesen heutzutage! Schon wieder so eine Eigenart von denen. Einfach so zu lachen-#

#Sag mal quatschst du immer so viel?# Das war ja nicht zum Aushalten. Musste die auch mal atmen?

Die Schlange stutzte kurz, fing sich aber recht schnell wieder und fing wieder an drauflos zu schnattern – pardon - zischeln.

#Du verstehst mich? Sag das doch gleich! Also hast du mich doch ignoriert. Ich wusste es doch. Würdest du die zweifelhafte Güte besitzen, mich endlich da wieder hoch zu heben?# Abwartend starrte sie Harry mit ihren mitternachtsblauen Augen an.

Sie hielt die Klappe?

#Ich versteh dich, weil ich Parsel kann. # Gott, wie lange hatte er schon nicht mehr gesprochen? Auch wenn es Parsel war... Seine Kehle fühlte sich an, wie eine Wüste, in der alle Oasen ausgetrocknet waren. #Du wirst auf der ganzen Welt aber wahrscheinlich nur zwei Menschen –wenn man das so sagen kann- begegnen, die dich verstehen...Also, würde es nicht viel bringen andere Leute anzuquatschen. Nur mal so nebenbei.

Und das mit dem Hochheben könnte schwierig werden.#

Er bewegte einer seiner Arme kurz, sodass die Ketten rasselten, nur um es gleich wieder zu bereuen. Die Bewegung jagte einen stechenden Schmerz quer über seine gesamte rechte Seite.

Das Reptil würdigte die Kette mit einem kurzen interessierten Blick, wandte sich dann aber dem Daranhängenden zu.

#Das passt mir jetzt aber überhaupt nicht. Wieso hast du dich denn um Himmels Willen anketten lassen? Das bringt doch nichts. Bist du vielleicht besonders gefährlich? Oder ist das hier ein Gefängnis? Obwohl es hier ja eigentlich keine Gefängnisse gibt. Nur Fenster, die sich als verkappte Fallen herausstellen. Und wie komm ich jetzt da hoch?#

Sie richtete ihren Kopf zu der Luke und verfiel in grübelndem Schweigen.

Einige Minuten herrschte Stille.

Das Vieh musste schizophren sein. Erst quatschen, dann schweigen...

#Wie heißt du denn?# Wenn die Schlange schon mal da war, stand ihm ja nichts im Weg ein Gespräch anzufangen, oder?

#Shari. Und selbst?#

#Harry Potter.#

#Angenehm.#

Wieder Schweigen.

War es denn wirklich so schwer, ein Gespräch anzufangen? Anscheinend schon...

Er ließ seinen Blick schweifen.

Der Keller war eher schlicht eingerichtet – wobei schlicht mit fast nichts gleichzusetzen war. Außer einem- ja, was eigentlich? Kommode? Schrank?...Bretter? Er hatte wirklich keine Ahnung, was dieser Haufen von faulendem Holz darstellen sollte. Vielleicht auch gar nichts.

Vernon bewahrte dort seine ‚Spielzeuge' auf. Harry wunderte sich immer noch, wieso es noch nicht zusammengebrochen war, denn es hatte sich doch eine beachtliche Anzahl von Foltergeräten versammelt.

Sonst gab es im Raum nur noch ein Fenster im Raum. Das, durch welches vorhin Shari gekommen war.

Ach.

Und der Schlüssel.

Dieser verfluchte Schlüssel.

Er hing genau in der Entfernung an er Wand, dass Harry sich bis aufs Äußerste strecken konnte und nur noch mickrige 10 cm fehlten.

Vernon hatte sich einen Spaß daraus gemacht, ihn immer wieder mit seiner Größe aufzuziehen.

Wie sollte man denn bitteschön auch in einem Wandschrank vernünftig wachsen können?

Das war wahrscheinlich wieder Dursley-Logik.

Oder eher die nicht-existente Dursley-Logik.

Dumbledore hatte dieses Haus magiedicht isoliert, sodass keine Magie herein, aber leider auch nicht hinauskonnte. Besser ausgedrückt: Es konnte keine Magie von außen hier wirken, aber auch nicht innen gewirkt werden – was einerseits wahrscheinlich wirklich effektiv gegen Todesserangriffe war, aber im Falle eines Falles einfach nur dämlich.

Ohne dieses verdammte Barriere wäre das Leben bei seinen ‚Verwandten' um Meilen angenehmer.

Der Schlüsselbund glitzerte spottend im Mondlicht. Er hing nicht hoch. Nur etwa einen anderthalben Meter über dem Boden.

Warte mal...

Konnte es sein...

War er wirklich so doof oder hatte die Behandlung Vernons schon Früchte getragen?

#Shari?#

#Hm?#

#Würdest du mir einen Gefallen tun?#

#Wieso sollte ich?#

Wieso musste dieses Schlange nur so stur sein?

#Weil ich dir dann helfen könnte, hier raus zu kommen.#

#Was muss ich tun?#

Harry grinste. Nicht umsonst waren Slytherins immer auf ihren Vorteil bedacht und hatten eine Schlange als Wappentier.

#Du müsstest mir nur diese Schlüssel da neben der Tür hierher bringen und mir in die Hand geben.#

Es war wirklich zu simpel.

#Oh. Und woher weiß ich, dass du mich nicht belügst und dann abhaust?#

Sie war nicht dumm.

#Dafür garantieren deine garantiert sehr giftigen Zähne, die du mir dann wahrscheinlich sehr schmerzhaft ins Bein rammen würdest.#

#Klingt logisch.#

Überzeugt schlängelte sich Shari zu den unscheinbaren Lebensretter und richtete sich auf. Da sie sonst umgekippt wäre, lehnte sie sich an die Wand.

Ihre Schuppen waren sehr dunkel. Man konnte sie kaum erkennen in der Dunkelheit. Und doch schimmerten sie in einem seltsamen rötlichen Licht. Wie, als hätte man sie einmal mit Blut übergossen und die Flüssigkeit antrocknen lassen. Wobei die Farbe wahrscheinlich eingezogen war und die Kruste angefallen war, denn die Schuppen waren glatt.

Ihre weinrot leuchtenden Augen stachen aus der Finsternis hervor. Sie erinnerten Harry an jemanden ganz bestimmten und doch gab es feine Unterschiede. Dieses Rot hier war sanft - nicht so aggressiv – und von einer dunkleren Färbung.

Es war eigentlich reine Ironie.

Die Fähigkeit, die ihm infolge einer Prophezeiung zuteil wurde, wobei zeitgleich seine Eltern ermordet wurden, und die ihm schon so manches Mal zum Verhängnis wurde - ihm sozusagen das Leben ruiniert hatte - war das Hilfsmittel seiner Flucht, um ihm das Leben zu retten.

Reine Ironie.

Vorsichtig nahm sie die Schlüssel mit ihrem Maul und bewegte sich wieder zurück zu ihm.

Sie hatte allerdings ein paar Probleme damit, die Schlüssel auch im Mund zu behalten, denn ihre Giftzähne machten es nicht unbedingt einfacher.

Schlangenflüche murmelnd – soweit eine Schlange murmeln konnte – brauchte sie etwa 10 Minuten, um den Schlüssel zu ihm zu bringen.

#Hier.# zischte sie etwas angenervt. #Hätte ich gewusst, dass das so anstrengend ist, hätte ich abgelehnt.#

Harry kicherte nur – was gleich wieder in ein krächzendes Husten überging. Er brauchte etwas zu trinken, sonst würde er noch ersticken.

Vorsichtig bewegte er seine Hand in Richtung Schlüssel. Es schmerzte so schon genug, aber es war erträglich geworden. Wahrscheinlich hatte er sich daran gewöhnt. Unmöglich war es nicht.

Ein Glück hatte er keine Handschellen an, sondern nur jeweils eine Kette, die mit der Wand befestigt war. Sonst wäre es alleine schon ein Abenteuer gewesen, den Schlüssel ins Schloss zu stecken. Nach einigen gescheiterten Versuchen, die Ketten auf zu schließen – die mussten verrostet sein – war er endlich frei. Zumindest von den Ketten. Das größte Problem bestand jetzt darin, ungesehen zu verschwinden.

Das ‚Ungesehen' war nicht allzu schlimm und machte nur einen kleinen Teil der Problematik aus. Das ‚Verschwinden' machte ihm Sorgen.

Die Dursleys schliefen um diese Uhrzeit zwar schon – auch wenn er nicht den geringsten Schimmer hatte, wie spät es war. Dem Mond nach zu urteilen, aber ziemlich spät in der Nacht – aber er bezweifelte, dass er sich in seiner Verfassung lautlos bewegen konnte.

Vorausgesetzt, er würde es schaffen, die Kellertür aufzubekommen. Die Prozedur, das Schloss aufzubekommen, selbst wenn man den Schlüssel dazu hatte – was er nicht tat – hörte sich bei Vernon ziemlich lange an.

Und apparieren war aus zweierlei Gründen nicht in Betracht zu ziehen – wobei er sich bei dem ersten nicht so sicher war.

Erstens hatte er keinen Zauberstab mehr. Man könnte ihn natürlich auch holen gehen. Aber dazu müsste man erst mal die Kellertür aufbekommen und zweitens nützte ihm ein Zauberstab in zwei Teilen wenig. Oder mehreren. Je nachdem, ob Vernon ihn nun verbrannt hatte oder nicht. Hatte er aber wahrscheinlich. Die Prügel am zweiten Tag war etwas heftiger gewesen, also war das Verbrennen wahrscheinlich nicht so abgelaufen, wie sie es sich vorgestellt hatten.

Tja. Zauberstäbe waren nun mal magisch und ließen sich nicht einfach so wie ein normales Stück Holz verbrennen.

Wahrscheinlich war der Kamin in die Luft gegangen – halt, nein. Konnte nicht sein, sonst hätte er etwas gehört. Dann vermutlich nur eine Stichflamme oder ein paar mehr Funken.

Die Gesichter mussten einmalig gewesen sein.

Harry kicherte schon wieder.

Er sollte vielleicht damit aufhören, einfach so mitten in Überlegungen anfangen zu kichern. Shari sah ihn schon so komisch an.

Und das zweite etwas größere Problem war, dass Dumbledore mal wieder eine seiner genialen Ideen gehabt hatte.

Wer spielt eine Runde 'Bauen wir eine Appariersperre um das Haus der Dursleys auf' mit? Völlig gratis und eine Runde ‚Harry in Probleme befördern und foltern' dazu! Das Spezialangebot für Hexen und Zauberer.

Herrlich.

Einfach nur herrlich.

Aber eins musste man ihnen lassen: Sie hatten Erfolg. Zwar nicht den Erfolg, den sie sich gewünscht hätten, aber sie hatten Erfolg.

Ihn zu nerven.

Und zwar in erschreckend großem Ausmaß. Er war – um es mal vulgär auszudrücken – angepisst. Die Gründe musste er jetzt nicht erklären, oder?

Was blieben ihm aber dann für Fluchtmöglichkeiten?

Mit den Gerätschaften in diesem ‚Raum' konnte man nicht durch Beton graben, wie es in diesen schlechten Filmen immer gezeigt wurde. Das einzigste was es hier gab, waren eine Tür und ein Fenster.

Ein Fenster.

Er war so doof.

Das war so typisch.

Die einfachsten und offensichtlichsten Sachen übersah er.

Passte er da durch? Die Gitterstäbe waren ziemlich weit auseinander... Wieder einer dieser genialen Ideen von Vernon.

Ein normaler Teenager seines Alters wäre wahrscheinlich stecken geblieben, aber er war nicht normal.

Zumindest was die Körperfülle anging.

In anderen Dingen zwar auch, aber egal.

Schon wieder musste er kichern - wenn auch etwas selbstironisch.

Die Magerkur, die er immer wieder verflucht hatte, half ihm bei der Flucht.

Man konnte es so sehen, dass die Dursleys ihn auf sein Verschwinden vorbereitet hatten.

Das würde er ihnen so gerne unter die Nase reiben...

#Kleine, ich hätte einen Vorschlag.#

Neugierig wurde er beäugt. #Ich höre.#

#Ich heb dich jetzt da hoch-# Er zeigte auf das Fenster. #-und du beist mich nicht, erwürgst mich nicht und schaust, ob die Luft rein ist. Danach kannst du von mir aus verschwinden. Deal?#

Sie schwieg erst ein paar Sekunden, offensichtlich, um irgendwelche größeren Nachteile für sie zu finden. Schließlich nickte sie. #Abgemacht.#

Wackelig und mit einem kleinen Schmerzenszischeln versuchte Harry sich aufzustellen.

War gar nicht mal so einfach.

Nie wieder.

Nie wieder würde er den Fehler machen, Sachen zu machen, die ihm überhaupt nicht gefielen, wie zum Bleistift zu den Dursleys in den Ferien zu gehen und auch zu bleiben. Das nächste Mal würde er sich schlicht und ergreifend weigern.

Irgendwie schaffte er es sich auf den Beinen zu halten und nicht gleich wieder umzufallen. Aber auch nur, weil die Wand gerade in ‚greifbarer' Nähe gewesen war.

Shari wand sich an seinem Bein hoch und wurde von Harry auf die Hände genommen. Vorsichtig hob er sie hoch und schob sie durch das Fenster nach draußen.

Dankend zischelte sie außer Sichtweite.

Nach einigen Momenten war ein #Niemand da.# zu hören.

Jetzt hieß es, trotz erschwerten Bedingungen, eine sportliche Leistung zu erbringen.

Klimmziehen.

Ganz spontan kroch in ihm die Frage hoch, warum es an der Schule keinen Sportunterricht gab...

Damit würde er sich später beschäftigen.

Er wusste nicht wie.

Er wolle es eigentlich auch gar nicht wissen.

In irgendeiner verqueren Art und Weise hatte er es geschafft, sich durch dieses verdammt kleine Fenster zu zwängen – ohne sich eine weitere schwere Verletzung zuzuziehen(1) oder eine Ältere aufzureißen.

Eigentlich ein Wunder an sich, aber er war - wie schon gesagt - nicht normal, was einige Dinge anging.

Die Nacht war ruhig, fast friedlich.

Am Himmel hing der Mond rund und fast voll. Es fehlte nicht mehr viel zum Vollmond. Er musste an Remus denken und was dieser wohl sagen würde, wenn er wüsste, dass sein Welpe gerade begann sich seiner erzwungenen Verantwortung zu entziehen.

Vielleicht würde er versuchen, ihn aufzuhalten.

Vielleicht würde er gar nichts tun.

Vielleicht würde er mitkommen.

Vielleicht würde er aber auch stolz auf ihn sein, weil er endlich das Laufen lernte.

Er wusste es nicht. Wahrscheinlich wollte er das auch gar nicht.

Am Ende verlor er nur wieder das Vertrauen in einen Menschen.

Tief sog er die frischen Luft ein.

Die Nacht überdeckte alle Dinge mit einem sanften schwarzen Schleier. Die schrecklichen Erinnerungen an die Gartenarbeit in seinen ersten elf Jahren bei seinen ‚Verwandten' drangen nur dumpf an die Oberfläche seines Bewusstseins.

Für einen Moment konnte er vergessen.

Wo er war.

Wer er war.

Was er war.

Seinen Zustand.

Die Schmerzen.

Sein Ziel.

Die Welt an sich.

Nur der Himmel in seiner unendlichen Schwärze, die alles zu verschlucken schien, der Mond mit seinem hellen Licht – nicht so grell, wie das der Sonne – und die reine Luft, die nur in der Nacht so schön kühl und nicht so stickig war.

Fühlte sich so Freiheit an?


Das war's fürs erste.

Wie fandet ihr's?

(1) Findet ihr dieses Wort nicht auch so geil? XD