Als sie wieder auf der Destiny ankamen, wartete Young bereits auf das Team.

"Colonel", grüßte Scott ihn und blieb vor ihm stehen. Beide blickten Rush an, der sich wortlos an ihnen vorbeischob und sofort Richtung Brücke verschwand, gefolgt von Eli und Melody.

"Haben Sie noch etwas gefunden, Lt.?", fragte der CO ihn, als das Trio weg war.

Scott schüttelte den Kopf. "Leider nicht. Das Schiff war technisch ungefähr so weit entwickelt wie das fliegende Stratospähren Observatorium auf der Erde. Von den Waffen rede ich erst gar nicht. Weit hinter unseren eigenen."

"Ich verstehe. Hat Dr. Rush eine mögliche Erklärung für diesen gravierenden Unterschied der Technik gefunden?"

"Nein, Sir. Er ist genauso ratlos wie wir, aber er hofft wohl in den übertragenden Dateien eine Antwort zu finden."

"Dann lassen wir ihm seinen Spaß. Wir sehen uns inzwischen am Besten die Waffen an, die wir gefunden haben."

"Haben Sie sie schon getestet?", fragte Matt, der bereits ziemlich neugierig war.

"Nein, das machen wir besser, wenn wir das nächste Mal an einem Gate Halt machen. Wir wollen doch nicht die Außenhülle wegschießen. Wer weiß, was die Dinger drauf haben."

"Was sollen wir sonst mit den Waffen machen, wenn wir sie nicht ausprobieren können im Moment?", fragte der Lt. nun etwas enttäuscht.

"Versuchen herauszufinden, welcher Knopf für was zuständig ist, Lt.", erwiderte der CO mit einem leichten Lächeln.

Scott sah darin nicht wirklich viel Sinn, doch er folgte Young widerspruchslos.

Tatsächlich sah auch Young nach einer Stunde ein, dass es besser war die Waffen zu testen anstatt zu raten, was passieren könnte. Außerdem hatte er schon seit dem Besuch auf dem Planeten diese stetigen Kopfschmerzen, die ihn seit ein paar Wochen plagten.

"Lt., machen wir Schluss für heute. Machen Sie sich einen schönen Abend", sagte Young und war darauf bedacht, nicht sein Gesicht zu verziehen.

Scott kam dieser Aufforderung nur zu gern nach, denn er wollte mit Chloe gemeinsam zu Abend essen und hatte schon befürchtet, es verschieben zu müssen.

"Danke Sir. Gute Nacht."

Young wartete bis er weg war, dann ließ er sich stöhnend auf einer Kiste nieder und massierte sich die Stirn. Es war ihm in der letzten Stunde schwer gefallen, sich auf die Waffen zu konzentrieren und er ertappte sich dabei, wir seine Gedanken zu Brodys Destille und dem Selbstgebrannten abglitten. Er sagte sich dabei selber, dass er heute lieber nichts trinken sollte, aber das kleine Teufelchen in ihm flüsterte ihm ins Ohr, dass ein Gläschen doch nicht schaden würde. Eines war keines. Und Young nahm es als Ausrede her um sein schlechtes Gewissen zu beruhigen.

Vor dem ganzen Ärger mit der KI hatte er abends öfter ein oder zwei Gläser getrunken, aber nach diesem Horrorszenario war er jede Nacht an der Bar gewesen, saß dort entweder allein und kippte sich zu oder er nahm eine Flasche mit um diese dann abends in seinem Quartier zu leeren. Wenigstens war er so immer in seinem Bett aufgewacht und nicht wie einige Male, in irgendwelchen Sektionen des Schiffes, die er teilweise noch gar nicht gesehen hatte.

Er wusste nicht, ob der Crew etwas auffiel, doch eigentlich war ihm das auch egal. Was konnte ihm schon groß jemand anhaben. Sie brauchten ihn und jegliches Kriegsgericht war Milliarden Lichtjahre weit weg.

Everett seufzte. Was ist nur aus mir geworden?, dachte er dann und schüttelte den Kopf. Er hatte sich doch noch nie so gehen lassen, es war ihm nie egal gewesen, was aus ihm wurde.

Das ist alles nur wegen dieser verdammten KI. Irgendwie mussten sie sie doch wieder loswerden können!

Frustriert stand der Col. auf und machte sich auf den Weg zur Bar. Er brauchte dringend einen Drink um diese finsteren Gedanken loszuwerden. Und ebenso seine Kopfschmerzen.

Wirklich nur einen, Everett, sagte er sich selber.

Er hatte gerade hinter dem Tresen eine Flasche und ein Glas hervorgeholt, als er in ein ihm wohlbekanntes, hellgrünes Paar Augen blickte.

"Ein kleiner Schluck vor dem Schlafengehen, Everett?", fragte Tamara leise und blickte ihn dabei traurig an.

"Ich wollte nur… nachsehen, ob hier alles in Ordnung ist", erfand er eine völlig unglaubwürdige Ausrede und stellte schnell die Flasche und das Glas wieder zurück an ihre Plätze. Verlegen sah er zur Seite.

"Möchtest Du reden?", bot die junge Frau ihm unverbindlich an, wobei sie absichtlich kein Thema nannte.

Young überlegte einen Moment ernsthaft, ob er sich ihr anvertrauen sollte. Schließlich war sie auch der medizinische Offizier an Bord. Doch als er TJ wieder anblickte kamen in ihm sofort die falschen Erinnerungen wieder hoch an das, was er ihr in dem Szenario angetan hatte und er wusste, dass er es niemals jemandem sagen konnte. Schon gar nicht ihr.

"Ich glaube, ich gehe besser schlafen, TJ. Ich bin ziemlich müde und habe ein wenig Kopfschmerzen."

Tamara nickte nur. "Falls Sie morgen noch nicht weg sind, Du weißt, wo ich zu finden bin", machte sie eine weitere doppeldeutige Bemerkung, die Young eher verwirrte. Ahnte sie nur etwas? Oder wusste sie bereits über sein kleines Laster Bescheid?

"Gute Nacht, Tamara", sagte er unverfänglich und eilte davon.

Die junge Frau sah ihm hinterher und seufzte dann leise. Seit dem Gasleck in dem Shuttle und der zu hohen Dosis der psychotropen Substanzen, die die Pflanzen abgegeben hatten, hatte sich sein Gesamtzustand eher verschlechtert. Ihrem geübten Blick als Sanitäterin war nicht entgangen, dass er seit ein paar Monaten morgens manchmal einen verkaterten Eindruck machte, doch seit eben diesem Zwischenfall schien er jeden Abend dem Alkohol mehr zu frönen, als ihm gut tat. Allerdings hatte sie keine Ahnung, warum das so war. Gut, er, sie selbst und Dr. Rush hatten auf dem Rückflug mit ihren Halluzinationen zu kämpfen gehabt und Everett hatte mehr abbekommen als Rush und sie, doch TJ und sogar ein SGC Arzt hatten ihn noch einmal gründlich untersucht, Blutproben entnommen und nichts deutete darauf hin, dass etwas von der Substanz noch in seinem Körper war. Es ging ihm physisch sogar ausgezeichnet.

Aufgefallen war ihr sein merkwürdiges Verhalten zuerst, als er sie und vor allem Dr. Rush, sowie den Rest der Crew zu meiden schien. Er erschien nur noch selten in der Messe zu den Mahlzeiten, kam erst, wenn der Großteil schon fertig war und saß dann meist allein an einem Tisch und tat so, als ob er irgendetwas las. Doch da er nie umblätterte wusste TJ, dass er mit seinen Gedanken weit weg war.

Dann war sie ihm mehrmals morgens begegnet, als er auf dem Weg zum Waschraum war und hatte seine Fahne riechen können. Auch war ihr nicht entgangen, dass auf seinen Wangen einige leichte Rötungen zu sehen waren, die von erweiterten Blutgefäßen kamen.

Sie machte sich ernsthaft Sorgen um ihn, wusste aber auch, dass er dicht machen würde, wenn sie ihn direkt mit ihren Beobachtungen und Vermutungen konfrontieren würde. Andererseits musste sie etwas tun, sonst würde er immer weiter abrutschen. Heute hatte sie den ersten Versuch gewagt indem sie hier auf ihn wartete. Sie wußte, dass er irgendwann auftauchen würde, obwohl sie tief in ihrem Inneren gehofft hatte, dass sie sich irren würde. Leider war es nicht so.

Vielleicht war auch wieder mal eine Routineuntersuchung des gesamten Personals nötig. Dabei konnte sie unauffällig testen, wie es wirklich um Everett stand. Es war eine Menge Arbeit, aber es war sowieso wieder einmal an der Zeit. Und da im Moment nichts außergewöhnliches los war, beschloss sie, schon morgen damit anzufangen.

Nachdem Everett wieder in seinem Quartier angekommen war, schaute er in seinem kleinen Geheimversteck hinter dem Lüftungsschachtgitter nach, ob er dort vielleicht noch etwas Fusel fand. Seit 2 Wochen ungefähr hatte er dort immer eine kleine Notration zu stehen, nachdem es ihm eines Nachts nicht vergönnt war, unbemerkt an den Alkohol zu kommen, weil zwei Soldaten scheinbar etwas zu feiern hatten und die ganze Nacht durch blieben. In der nächsten Nacht hatte er dann diesen kleinen Vorrat mitgenommen und ihn versteckt.

Jetzt holte er ihn hervor, setzte sich damit auf sein Bett und nahm den ersten Schluck.

Er wartete einen Moment und spürte dann, wie es ihm scheinbar besser ging. Seine Kopfschmerzen ließen ein wenig nach und er nahm noch einen zweiten Schluck.

Am nächsten Morgen wurde er durch ein hämmerndes Geräusch aus dem Schlaf gerissen. Erst dachte er, sein Nachbar würde mit einem Hammer wieder einmal das Garagentor bearbeiten weil er den Schlüssel nicht finden konnte, doch dann wurde ihm bewusst, dass er gar nicht zu Hause war sondern auf einem Schiff irgendwo im Weltraum.

In einer Hand fühlte er etwas massives. Die leere Flasche lag in seiner Hand und dann sah er, dass er einfach in seiner Uniform eingeschlafen war. Auf seiner Bettdecke sogar.

"Colonel?", hörte er jetzt eine Stimme vor seiner Tür und so schnell es ihm möglich war rollte er sich mit einem schmerzhaften Stöhnen zur Seite und ließ die Flasche unter dem Bett verschwinden.

Dann rappelte er sich mühevoll auf (sein Rücken fühlte sich an wie ein steifes Brett) und fuhr sich, als er endlich auf der Bettkante saß, einmal fahrig durch die Haare.

Das Aufstehen verlangte die größte Anstrengung von ihm, doch kaum hatte er diese Aufgabe bewältigt, stolperte er zur Tür und drückte auf den Öffner.

"Sir, ist alles in Ordnung?", fragte ein besorgt dreinblickender Sergeant Greer.

Young zog die Augenbrauen zusammen und bemerkte dann, dass der Msgt. nicht allein gekommen war. Lt. Johansen stand hinter ihm und sah noch besorgter aus als Greer.

"Ja… ja, Sgt., alles in Ordnung. Ich habe Sie nicht gehört." Er bemühte sich, seine Stimme kontrolliert und stetig klingen zu lassen. "Ist irgendetwas passiert?", fragte er dann und blickte beide nun an.

"Sie haben unsere morgendliche Besprechung verpasst und wir wollten nachsehen, ob alles in Ordnung ist, zumal Sie auf Ihr Funkgerät nicht reagiert haben", erklärte Tamara schnell.

"Ich bin erst sehr spät eingeschlafen", versuchte der Col. eine Ausrede zu finden.

Tamara sah Greer an. "Vielen Dank für Ihre Hilfe, Sgt. Sie können wieder auf Ihren Posten gehen. Ich werde noch kurz mit dem Col. sprechen."

Greer runzelte kurz die Stirn, sagte aber: "Ja, Ma'am", und ließ die beiden allein.

Als er außer Hörweite war wandte sich Tamara wieder dem Col. zu. "Everett, was ist los mit Dir?", fragte sie dann frei heraus.

"Gar nichts!", sagte er recht unwirsch. "Ich bin spät eingeschlafen und habe einfach verschlafen. Das kann doch mal passieren!"

TJ musterte ihn kritisch. Young fuhr sich erneut durch die Haare und atmete einmal tief durch um sich etwas zu beruhigen. Das fehlte ihm jetzt noch, dass TJ peinliche Fragen stellte.

"Ich möchte Sie auf der Krankenstation sehen, Col.", sagte sie dann mit einer Autorität in der Stimme, von der Young wusste, dass sie sie nur dann benutzte, wenn sie in ihrer Eigenschaft als Medizinerin einem aufmüpfigen, höherrangigen Offizier einen Befehl erteilte.

Young versuchte, sich aus der Affäre zu ziehen in dem er einmal tief seufzte und dann mit einem kleinen Lächeln meinte: "Entschuldige, TJ. Ich wollte Dich nicht so anfahren. Ich hatte nur einen Albtraum und bin immer noch ziemlich durcheinander. Es ist nicht nötig mich deswegen auf die Krankenstation zu bitten. Lass mir 10 Minuten Zeit zum Duschen und anziehen, dann bin ich ein neuer Mensch, okay?"

Aber Tamara ließ sich nicht von ihm einwickeln. "Sie bekommen die 10 Minuten, Col.", sagte sie und Young wollte ihr schon danken, doch dann fügte sie hinzu: "Und danach möchte ich Sie sofort auf der Krankenstation sehen."

Everett wurde unruhig und versuchte noch einmal, sie zu beschwichtigen. "Tamara, bitte, Du weißt, dass ich dieses kleine Problem mit Krankenstationen habe… ist das wirklich nötig?" Er blickte sie mit Hundeaugen an.

TJ seufzte einmal. "Dann sag mir endlich, was mit Dir los ist. Du bist nicht nur spät eingeschlafen. Du hast getrunken. Mal wieder."

Young wurde blass. Eigentlich hatte er nicht erwartet es vor ihr verbergen zu können, doch er war noch nicht bereit jetzt mit ihr zu reden. Nicht, bevor er sich eine Geschichte hatte einfallen lassen können.

"Können wir das nicht heute Abend besprechen?", bat er sie inbrünstig.

"Entweder jetzt, oder in 10 Minuten auf der Krankenstation", antwortete Tamara fest. "Und bitte lass mich nicht Scott und Greer rufen müssen, dass sie Dich dorthin schleifen", fügte sie leise hinzu.

Young seufzte resigniert und blickte nach unten. Dann trat er zur Seite.

"Komm rein", meinte er nur und schloss die Türen, als Tamara eingetreten war.

Als sie eintrat bemerkte sie fast sofort, dass unter seinem Bett eine leere Flasche lag. TJ war eigentlich hergekommen, um behutsam mit dem Thema anzufangen, aber jetzt würde es vielleicht besser sein, einen Frontalangriff zu starten.

Sie griff nach der Flasche, drehte sich zu ihm um und sah ihn fragend an, während sie ihm das Corpus Delicti vor die Nase hielt.

Young wirkte verlegen und nahm ihr die Flasche rasch aus der Hand, stellte sie irgendwo ab.

Ein unangenehmer Moment des Schweigens erfüllte den Raum bevor Everett, der wieder nach unten blickte weil er es nicht ertragen konnte Tamara anzusehen, plötzlich ihre Hand auf seinem Arm spürte.

"Setzen wir uns", meinte sie und gab ihm mit einem leichten Druck Richtung Couch zu verstehen, dass er dort Platz nehmen sollte.

TJ setzte sich ihm gegenüber und sagte dann: "Wann hast Du das letzte Mal geschlafen ohne vorher etwas zu trinken?"

Ihr Gegenüber seufzte und schaute sie endlich doch an. Er musste recht lange überlegen bevor er zugab: "Ganz ehrlich TJ? Ich weiß es nicht genau. Ein paar Wochen…"

Sie nickte leicht, als hätte sie diese Antwort erwartet. "Seit der Shuttlemission und den Vorkommnissen mit den halluzinogenen Pflanzen nicht mehr, oder?"

Nach einem Moment nickte er.

"In den drei Tagen, in denen Du geschlafen hast, hattest Du da irgendwelche Albträume?", fragte TJ nun direkter.

"Ich kann mich nicht erinnern etwas geträumt zu haben", log er zögerlich, sodass es für die Sanitäterin hoffentlich glaubwürdig klingen würde.

Sie warf ihm einen prüfenden Blick zu und hakte weiter nach: "Warum brauchst Du dann den Alkohol, Everett? Ich möchte Dir helfen, aber ich muss wissen, was Dir so zu schaffen macht."

Der Col. stand auf und fing an, vor der Couch auf und ab zu laufen.

"Ich weiß auch nicht, im Moment läuft einfach alles aus dem Ruder. Die Stimmung geht immer weiter den Bach hinunter, das Schiff weist mehr Defekte denn je auf und diese verdammte KI…"

Er brach abrupt ab und blieb stehen, sodass Tamara, die immer noch hinter ihm auf der Couch saß, sein Gesicht nicht sehen konnte. Das hatte er eigentlich nicht sagen wollen.

"Was ist mit der KI?", fragte Tamara sofort nach. "Ist irgendetwas passiert?"

"Nein", beruhigte Everett sie sofort. Was sollte er nun sagen? Er musste schnell eine Ausrede finden.

"Ich habe einfach das Gefühl, dass sie uns noch Ärger machen könnte."

Er seufzte, fuhr sich dabei mit der Hand einmal über das Gesicht und drehte sich zu ihr um. "Es war ein Fehler, dass Dr. Rush sie in die Destiny geladen hat", murmelte er.

"Und das bereitet Dir so große Sorgen, dass Du zum Alkohol greifst?", fragte sie jetzt doch eher skeptisch.

Young zuckte die Achseln. "Die ganze Situation auf dem Schiff wird langsam immer erdrückender. Ständig werden wir angegriffen, immer müssen wir zusehen, dass wir Nahrung beschaffen und hoffen, sie ist wirklich verträglich. Das Wasser, sofern wir welches finden, könnte ebenfalls verseucht sein, wir verlieren Leute, uns fehlen Medikamente… Herrgott, TJ! Wir gehören einfach nicht hierher!"

Beim letzten Satz hatte er sie wütend angeblickt. Natürlich bezog sich seine Wut nicht auf sie, sondern auf die Situation und das wusste sie auch. Etwas zögerlich stand sie auf, trat dann zu ihm heran und legte ihre Hand auf seinen Arm.

"Ich weiß", sagte sie schlicht. "Aber irgendwie müssen wir damit umgehen. Das ist jetzt unser neues Leben. Aber vielleicht finden wir irgendwann doch einen Weg zurück. Du darfst nicht aufgeben, die Crew braucht Dich. Sie orientieren sich an Dir. Wenn Du aufgibst, dann tun sie das auch. Bitte Everett, lass uns das zusammen durchstehen."

Ihre ruhige und einfühlsame Stimme gab ihm tatsächlich für einen Moment wieder Zuversicht, doch im nächsten Augenblick musste er wieder an das Szenario denken. Hastig zog er seinen Arm von ihr weg und entfernte sich ein paar Schritte.

"Was soll ich tun?", fragte er dann leise.

"Vorerst könnten Dir ein paar Kräuter helfen. Außerdem wäre es gut, wenn jemand bei Dir bleibt, bis sie wirken und Du schlafen kannst. Am besten mache ich das sogar." Sie lächelte nun und Young sah etwas gequält aus, fing sich aber wieder. "Meinst Du, das ist wirklich eine gute Idee?", fragte er zweifelnd.

"Everett, bitte", sagte sie schmunzelnd. "Wir beide haben schon mal einige Nächte zusammen verbracht. Außerdem werde ich nur die Couch für mich beanspruchen. Keine Sorge, Dein Bett ist Dein Bett."

Ihr Angebot hätte ihn normalerweise erfreut, doch unter diesen Umständen war es wie die Ankündigung der nächsten Katastrophe.

"TJ…", begann er möglichst neutral, "ich weiß nicht so recht. "

"Falls Du Dir wegen Varro Gedanken machst, wir sind nur gute Freunde", meinte sie, da sie annahm, er zögerte wegen ihrer aufkeimenden Beziehung zu dem ehemaligen Invasor.

Zumindest noch, gestand sie sich allerdings selber ein. Es stimmte, sie empfand mehr für Varro, als sie bisher zugeben wollte. Doch sie wollte nichts überstürzen. Und sie sorgte sich wirklich um Everett.

Der Col. seufzte. Er hatte eigentlich gar keine große Wahl. Da die Katze aus dem Sack war bezüglich seines Alkoholkonsums, hatte er nicht einmal mehr die Möglichkeit es zu verleugnen. Wenn er sich jetzt auf stur stellte, dann würde sie ihn mit Sicherheit in ihrer Funktion als ranghöchster medizinischer Offizier einfach seines Kommandos entbinden und ihn auf der Krankenstation festhalten. Dessen war er sich sicher. Was blieb ihm also anderes übrig als zuzustimmen? Oder vielleicht konnte er wenigstens dafür sorgen, dass nicht TJ bei ihm blieb.

"Könnte nicht Lt. Scott oder Sgt. Greer einfach den Job übernehmen?", fragte er. Begeistert von seinem Vorschlag war er selber nicht, das würde heißen, einer der beiden würde ebenfalls eingeweiht werden müssen, aber es war trotzdem immer noch besser als zu wissen, dass TJ die Nacht in seinem Quartier verbringen würde. Was, wenn er wieder diesen Albtraum hatte? Sie würde es sicher mitbekommen. Diese verdammte KI, dachte er wütend und ballte seine Hände zu Fäusten.

"Everett, es ist wirklich die beste Lösung, wenn ich auf Dich aufpasse", sagte TJ sanft, mit einem leichten Stirnrunzeln. Was hatte er denn nur? Hatte er vielleicht Angst davor, dass doch wieder zwischen ihnen etwas passieren würde? War es das?

"Ich werde rein in meiner Eigenschaft als medizinischer Offizier bei Dir bleiben, falls es das ist, was Dich bedrückt. Und als eine Freundin, die Dir nur helfen möchte. Mehr nicht, okay? Ich kann weder Matt noch Ronald erklären, wie sie die Dosen vielleicht erhöhen müssen und was sie zu tun haben, wenn die Kräuter nicht wirken sollten. Ich würde Dir ja anbieten mit einem SGC Arzt zu tauschen, wenn Du Dich so unwohl fühlst mit mir in Deiner Nähe, doch leider haben wir diese Option momentan nicht. Zumindest nicht, bis wir endlich wieder eine Verbinung zur Erde herstellen können." Tamara klang betrübt als sie das vorschlug und diese Traurigkeit in ihrer Stimme weckte Youngs Beschützerinstinkte.

"Nein, so war das nicht gemeint, Tamara. Es… es ist mir nur einfach so unangenehm, diese ganze Sache…", versuchte er zu erklären.

"Hey, wir schaffen das gemeinsam. Und niemand braucht davon etwas mitzukriegen", sagte sie mitfühlend.

Nach einem Moment nickte Everett. Was sollte er auch anderes tun?