-Kapitel 2-

-Die Juniorpartner-

Croft Manor, Surrey, England

Am nächsten Morgen…

Lara erwachte mit einem mulmigen Gefühl im Magen. Ihr Wecker stand, wie jeden Morgen, schon auf kurz nach sechs, da sie sich sonst immer vor dem Frühstück noch dem Frühsport widmete. An diesem Morgen würde Lara allerdings nicht dazu kommen.

Die Juniorpartner von Thompson & Simmons waren interessiert daran mit Lara Croft Geschäfte zu machen und sie war sehr neugierig zu erfahren, was eine Anwaltskanzlei ihr zu bieten hatte. In den letzten Monaten hatte Lara sich einige Angebote angehört und immer ziemlich deutlich gemacht, dass Geld sie nicht interessierte.

So deutlich, dass sogar die London Times darüber berichtet hatte, dass Lara Croft gedenke aus dem Archäologiebusiness auszusteigen. Diesen Artikel würden die Juniorpartner einer Kanzlei sicher gelesen haben. Also hatten sie etwas, dass für Lara Croft vermutlich einen höheren Wert hatte, als Geld.

Nach einer kurzen Abkühlung unter der Dusche und einem blitzschnellen Styling vor dem Spiegel –Lara Croft trug nicht zu viel von allem- begab sie sich zu ihrem Kleiderschrank, um das passende Outfit auszuwählen.

Schließlich entschied sie sich für eine weiße Bluse und eine dunkelblaue Jeanshose, sowie Kniehohe Stiefel mit leichtem Absatz. Ihr Haar band sie zu einem lockeren Zopf und nach einem kurzen Blick in den Spiegel, entschied sie, dass sie so vor die Leute treten konnte. Nicht das sich Lara viel auf die Meinung gewisser Leute achtete, aber es war immerhin geschäftlich und da sollte man ja ein gewisses Auftreten haben. Eine Kanzlei war ja kein Dschungel, obwohl es oft Ähnlichkeiten hatte.

Als sie die Eingangshalle erreichte, warf sie wie automatisch einen Blick in die Richtung von Zips Konsole, die dort allerdings seit der Renovierung nicht mehr stand. Ohne es bewusst zu bemerken, verdüsterte sich ihre Miene ein wenig. Bis vor einiger Zeit war das Croft Manor optisch vielleicht kühl erschienen, dafür war es gefüllt mit herzensguten Menschen. Aber Zip und Alister waren weiter gegangen.

Alister hatte endlich promoviert –nachdem Lara sie beide rausgeworfen hatte, hatte er die Doktorarbeit innerhalb von zwei Monaten fertig geschrieben und sofort den Titel anerkannt bekommen- und unterrichtete jetzt sogar in Oxford Kulturgeschichte. Zip hingegen hatte bei einer Software Firma angefangen und arbeitete an einem neuen Betriebssystem, wenn er nicht gerade mal wieder für das MI-6 Leute ausspionierte.

Ja, sie waren beide weitergegangen, nur Lara hatte keinen Schritt nach vorne getan. In der Angst ein erneutes Auftauchen Quills nicht verhindern zu können, hatte sie sich im Manor eingepfercht, wie in einem Kokon. Jetzt, wo sie so darüber nachdachte, merkte sie erst, dass es gar nicht der Preis war, der Laras Neugier auf den neuen Auftrag geweckt hatte, sondern viel mehr die Tatsache, dieses selbsternannte Gefängnis noch mal verlassen zu können.

„Schönen, guten Morgen Lady Croft.", grüßte Winston, der ebenfalls schon auf war, seine Arbeitgeberin und deutete auf den gedeckten Tisch in der Küche. Lara besaß zwar eine große Tafel im Speisesaal, aber seit sie nur noch alleine speiste, trug Winston in der Küche auf, weil er dort in der Regel beschäftigt war und Lara somit wenigstens Gesellschaft hatte.

„Sie sind heute früher auf als sonst, stimmt etwas nicht?", wunderte sich Winston. Lara, die damit beschäftigt war sich das Brot mit Aufschnitt zu belegen, blickte kurz auf: „Nein, ist alles in Ordnung. Danke der Nachfrage. Ich habe heute Morgen nur einen wichtigen Termin."

„Wie schön.", Winston schien sichtlich erfreut zu sein: „Das wird Ihnen gut tun, Lady Croft. Da bin ich mir sicher."

„Das hoff ich auch.", murmelte sie kaum hörbar.

„Wenn Sie mich entschuldigen, ich fahre dann schon mal Ihren Wagen vor. Welcher darf es denn sein?", fragte er.

„Der silberne Lamborghini, Winston. Vielen Dank.", dann verschwand ihr Butler durch die Tür und einige Minuten später hörte sie den Motor des Sportwagens im Vorhof. Der Wagen war ein Lamborghini Gallardo, ein wirklich schönes Model und seit einiger Zeit Laras Lieblingsfahrzeug.

Schnell aß sie ihr Brot auf, trank ihren Tee aus und legte das Besteck ordentlich auf das Frühstücksbrett, damit Winston wenigstens ein wenig Arbeit erspart blieb, immerhin war er nicht mehr der Jüngste. Im gehen aß sie noch schnell den letzten Bissen, schnappte sich en braunen Mantel –immerhin war es Herbst- und schon wenige Sekunden später befand sie sich mit vollem Tempo auf dem Weg nach London, denn dorthin führte die von Adrian Doyle angegebene Adresse sie hin.

Royal Albert Hall, Kensington, London

Etwas später…

Mit dem Lamborghini dauerte die Fahrt kaum dreißig Minuten, als sich Lara Croft vor der genannten Adresse einfand. Etwas verwirrt blickte sie die Royal Albert Hall, einer der schönsten Konzertsäle der Welt, an. Hatte Adrian Doyle nicht etwas von einem privaten Treffen gesagt? Etwas das nicht ganz so formell war, wie der Besuch bei einer Anwaltskanzlei. Immerhin hatte er damit Recht behalten, dass es sich nicht um ein Treffen in der Kanzlei handelte.

Da Lara ein wenig an dem Treffpunkt zweifelte, fuhr sie noch eine Runde um das Theater, als ihr Blick auf eines der Häuser neben dem Theater fiel. Wenn man vor dem Haupteingang stand, lag es links davon. Es war eines der typischen Großstadthäuser, wie man sie überall auf der Welt sah. Nichts wirklich Bemerkenswertes. Was Lara stutzig machte, war die Tatsache, dass vor dem Haus dasselbe Fahrzeug parkte, wie Doyle es gestern gefahren hatte. Ein schwarzer BMW, desselben Typs.

„Ist ja fast wie bei der Mafia.", murmelte sie, während sie ihren Wagen hinter den BMW setzte und schließlich ausstieg. An der Tür wurde sie bereits erwartet und ein kurzer Blick auf die Hausnummer zeigte ihr, dass sie sich geirrt hatte und nicht Doyle. Anscheinend hatte sie sich verzählt.

An der Tür stand eine ältere Dame in Dienstmädchenkleidung und lächelte sie freundlich an. Es schien sich wirklich um ein Privathaus zu handeln.

„Guten Morgen, Sie werden bereits erwartet.", sagte die Frau freundlich und nahm Laras Mantel entgegen. Als sie ihn an den Haken gehangen hatte, begleitete sie Lara zu einer Tür, von wo aus eine Treppe hinab führte: „Da entlang bitte."

Lara hätte sich liebend gern das Haus angesehen, aber außer dem kleinen Flur und einem Teil des Wohnzimmers hatte sie nicht sehen können. So weit sie es erkannt hatte, besaß der Besitzer dieses Hauses allerdings einen sehr exquisiten Geschmack was Einrichtungsgegenstände anging.

Er oder sie hatte genau Laras Geschmack, wobei sie schon ein wenig skeptisch wurde, als die Dame sie aufforderte in den Keller zu gehen.

Nachher haut sie hinter mir noch die Tür zu und nimmt mich als Geisel, dachte sie, ging aber trotzdem die Stufen hinab. Was Lara auf den ersten Blick auffiel war, dass die Stufen nicht einfach nur simple Holz- oder Betonstufen waren, sondern dass sogar hier ein weicher Teppich verlegt worden war. Also handelte es sich beim Keller um einen oft genutzten Raum und nicht um eine einfache Abladefläche.

Als sie die letzte Stufe erreicht hatte und sich nun in dem neuen Raum befand, stockte ihr für einen Moment der Atem, als sie sah, welches Ausmaß dieser Raum hatte. Er war so groß, dass er vermutlich das gesamte, untere Stockwerk einnahm und die Wände waren mit dunklem Holz verkleidet. Bemerkenswerter war allerdings die Tatsache, dass die Wände links, rechts und ihr gegenüber ein einziges, großes Aquarium waren. Es hatte in etwa dieselben Ausmaße, wie Laras Aquarium im Keller, allerdings nutzte Lara diesen eher dazu ihre Wertgegenstände unzugänglich zu machen, während in dem Aquarium hier eine wunderbare Unterwasserwelt präsentiert wurde.

Sie sah alle erdenklichen Arten von Meereslebewesen und sogar eine –vermutlich künstliche- kleine Korallenlandschaft. Fische, Tintenfische, Seeigel, Haie und sogar eine Schildkröte zogen in diesem gigantischen Becken ihre Kreise. Ein wahrhaftig fesselnder Anblick, so fesselnd, dass Lara für einen Augenblick vergaß, weswegen sie wirklich hier war.

Erst ein unauffälliges, tiefes Räuspern riss sie aus ihrem Erstaunen heraus und brachte sie in die Realität zurück.

Im bläulichen Licht des Aquariums sah Lara zwei Menschen. Einen Mann und eine Frau, der Mann saß hinter einem großen Schreibtisch aus Mahagoni und lehnte sich amüsiert in seinem Chefsessel zurück, während die Frau –Lara den Rücken zuwendend- über ihre Schulter blickte und den Gast neugierig beäugte.

„Entschuldigung. Ich war für einen Moment wie gebannt.", Lara war es ein wenig unangenehm, dass sie sich so leicht hatte ablenken lassen.

„Stimmt.", sprach der Mann. Er hatte eine angenehme, tiefe Stimme, die auf viele Klienten wahrscheinlich sehr beruhigend wirkte: „Eignet sich hervorragend für Gespräche mit Klienten, um für uns den größten Profit herauszuholen."

Als er merkte, dass sein Witz bei Lara nicht die gewünschte Wirkung erzielte, lachte er etwas nervös und meinte dann: „Aber kommen wir doch zum Geschäft."

Mit der rechten Hand deutete er auf den freien Stuhl auf der anderen Seite des Tisches. Als Lara sich gesetzt hatte, begann er zu sprechen: „Mein Name ist Charles Viktor Thornton, bevor Sie fragen, meine Mutter war Russin, und das ist meine bezaubernde Partnerin Samantha Stewarts, wir sind Juniorpartner bei Thompson & Simmons, aber das wissen Sie sicher bereits."

Lara nickte und Mister Thornton –was für ein merkwürdiger Name- fuhr fort: „Schön das Sie so schnell Zeit für uns hatten. Wir hatten bereits befürchtet, Sie würden unser Angebot ausschlagen."

„Wie kann ich etwas ausschlagen, von dem ich nicht mal weiß was es ist.", erwiderte Lara: „Ihr Mitarbeiter hat sich da ja nicht besonders präzise gefasst."

Thornton ließ die Andeutung eines Lächelns auf seinem Gesicht erscheinen und beugte sich vor, um eine flache, schwarze Mappe vom Tisch zu heben: „Sie sind sicher neugierig, weshalb wir zwei Sie hier haben wollen, oder?"

Lara nickte wieder als Antwort.

„Okay. Also dann, kommen wir zum spannenden Teil.", sagte Thornton und schlug die Mappe auf: „Sagt Ihnen das Datum 31. Juli 1715 etwas?"

Was soll das denn? Sind wir hier wieder in der Schule, oder was, dachte Lara. Laut sagte sie aber: „Auf die Schnelle fällt mir da nichts spezielles ein, worauf wollen Sie hinaus?"

„Und wie steht es mit dem Namen Grifon?", das war das erste Mal, seit Lara den Raum betreten hatte, dass sie Samantha Stewarts reden hörte. Sowieso konnte Lara jetzt, da sie saß, die beiden Anwälte etwas genauer unter die Lupe nehmen.

Samantha trug einen dunkelroten Blazer und einen dazu passenden, knielangen Rock und schwarze Lackschuhe. Sie hatte schwarzes, schulterlanges Haar, was sie nach hinten gekämmt hatte, so dass keine einzige Haarsträhne ins Gesicht hing. Ihre Wangenknochen standen leicht hervor, was aber keineswegs unattraktiv wirkte. Wenn nicht das Aquarium die Klienten ablenkte, dann wenigstens die Anwältin.

Charles V. Thornton war das genaue Gegenteil von Stewarts. Wo sie grob und kühl wirkte, war er freundlich, aufgeschlossen und heiter. In der Schule musste er früher der Schwarm aller Cheerleader gewesen sein, jedenfalls würde Sara das behaupten.

Sara…

Der Name löste ungewollt, ein merkwürdiges Gefühl in Lara aus. Irgendwie, als würde das was fehlen, als würde ein großes Loch dort klaffen, wo sonst alles gut war. Lara versuchte den Gedanken abzuschütteln und konzentrierte sich darauf, Thornton noch etwas genauer zu betrachten.

Er hatte hellbraunes, kurzes Haar, markante Gesichtszüge und die hellblausten Augen die Lara jemals gesehen hatte. Sein Gesicht war zwar rasiert, aber kleine schwarze Punkte deuteten bereits wieder an, wo ihm demnächst ein drei Tage Bart wachsen würde.

„Lady Croft?!", Thorntons Stimme riss sie aus den Gedanken. In letzter Zeit neigte sie schnell dazu, sich von ihren Gedanken ablenken zu lassen. Ein gutes Zeichen dafür, dass es ihr ganz und gar nicht gut ging.

„Was?", Lara schreckte regelrecht auf: „Oh…Verzeihung…wo waren wir stehen geblieben?"

„Die Grifon, Lady Croft.", half ihr Samantha Stewarts auf die Sprünge.

„Das Schiff?", das war das erste, was Lara spontan einfiel. Vor einigen Jahren war sie auf Artikel gestoßen, als sie die Tauchtour mit Chase organisiert hatte. Damals hatte sie der Grifon keinerlei Aufmerksamkeit geschenkt, denn sie war nicht untergegangen und danach zu tauchen hätte wenig Sinn gehabt.

„Was ist damit?", wollte Lara wissen, aber dann hatte sie sich ihre Frage bereits selbst beantwortet, als sie sich das Datum in Erinnerung rief.

31. Juli 1715…

„Es geht hier gar nicht um die Grifon, oder?", hakte Lara nach.

„In gewisser Weise schon.", Thornton reichte Lara die Mappe rüber, die er eben gehalten hatte: „Das sind Kopien aus einem lange verschollen geglaubten Tagebuch. Dort werden die Ereignisse des Abends geschildert."

Lara erinnerte sich daran das es in der offiziellen Stellungnahme hieß, dass die Flotte –in deren Begleitung die Grifon, ein französisches Schiff, damals gewesen war- bei der Überfahrt von Havanna nach Spanien in einem Hurrikane bei den Florida Keys zerschellt war.

„Das ist völlig uninteressant.", erklärte Lara: „Jeder Laie kennt den genauen Aufenthaltsort der Flotte, die Schätze die transportiert worden waren, sind schon längst geborgen worden."

„Lesen Sie weiter.", Lara war zwar nicht besonders begeistert von dem Vorschlag, aber sie lass weiter.

Bei den Worten: …die Strafe Gottes bricht über uns herein…wurde sie aufmerksam. Seemänner waren als abergläubischer Verein bekannt, aber in der Hurrikansaison in der Nähe von Florida zu fahren durfte eigentlich nicht als Gottes Strafe bezeichnet werden.

das ist bestimmt wegen des Käpt'n. Er hat dieses Ding ab Board geholt. Niemand war wohl dabei…

Danach schilderte der Autor noch kurz, wie die einzelnen Schiffe an den Klippen zerschellten, während die kleinere und dadurch wendigere Grifon die Route schaffte und dann endete die Seite.

„Woher haben Sie das?", war Laras erste Frage.

„Erstanden. Ein Abenteurer hatte es mir verkauft, vor einigen Wochen.", erklärte Thornton: „Sie werden sicher verstehen, dass ich keine Einzelheiten herausgeben darf."

„Ich nehme an, das was sie interessiert, ist dieses Ding von dem der Matrose hier schreibt.", Lara deutete mit dem rechten Zeigefinger auf die Kopie, die sie in den Händen hielt: „Haben Sie eine gewisse Vorstellung was es sein kann?"

Thornton und auch Stewarts verneinten beide mit einem kurzen Kopfschütteln.

„Nehmen wir mal an, es stimmt und die Strafe Gottes hat tatsächlich diese Flotte heimgesucht und nicht einfach nur ein Hurrikan und es ist wirklich die Schuld dieses Dings…dann ist es wirklich ein ganz und gar nicht vertretbarer Plan das Objekt zu bergen.", versuchte Lara ihren Standpunkt klar zu machen.

Sie mochte solche Verhandlungsgespräche nicht, bei denen offensichtlich war, dass dieses Objekt große Macht besaß, oder zu großer Macht führte. Sie hatte sich schon zu oft auf Artefakte eingelassen, die nachher nur böses vollbracht hatten. Dieses Mal würde Lara ganz sicher nicht darauf eingehen.

Dafür hatte sie zu viel erlebt und das war schlimm genug. Das sie Thornton und seiner Partnerin nicht traute, war da noch der zweite Punkt auf einer langen Liste von Gründen, die sie sich innerhalb von wenigen Sekunden erstellt hatte.

„Sie sagten doch selbst, dass es ein Hurrikan gewesen sein konnte. Ich persönlich, glaube an keine Macht außer der irdischen.", Lara verkniff sich nur schwer ein: „Ihr Fehler", und ließ ihn weitererzählen: „Er war ein Seemann und man sagt doch oft, dass die See einem den Kopf verdreht. Das einzige was mich an diesem Ding interessiert ist der Sammlerwert. Stellen Sie sich mal vor welchen Wert ein solches, bislang unentdecktes Objekt hat."

Das kann ich nur zu gut, dachte sich Lara, während sie laut: „Und was bieten Sie mir für diese Dienste an?", sagte.

„Wir wissen von ihrer kleinen Auseinandersetzung mit Mister Quill.", sagte Stewarts und als sie diese Worte sprach, gefror Lara sprichwörtlich das Blut in den Adern. Woher konnten sie das wissen? Steckte er wieder dahinter?

„Bevor Sie hier noch einen Herzanfall bekommen.", Thornton lachte kurz über seinen miserablen und unpassenden Scherz: „Wir von Thompson & Simmons vertreten Mister Quill und haben vor wenigen Tagen noch mit dem werten Herren telefoniert.", er legte eine Pause ein: „Aber keine Sorge, wir leiten kein Verfahren ein, wegen der Ermordung von Mister Quills Partnerin, oder der Verwüstung seines Anwesens."

„Wollen Sie mir etwa drohen?!", Lara wurde vorsichtig, die Anspannung in ihrem Körper stieg. Das Gespräch begann wirklich unangenehm zu werden.

„Aber nein.", wehrte Thornton freundlich ab: „Keineswegs. Wir haben nicht die Absicht Sie so für unsere Dienste zu werben.", Lara entspannte sich sichtlich: „Wir bieten Ihnen etwas viel besseres an: Wir wissen von Mister Quills kleinem Vorhaben und nebenbei kennen wir seinen aktuellen Aufenthaltsort.", er lehnte sich zurück, genoss sichtlich Laras Verwirrung: „Wir bieten Ihnen vielmehr die Möglichkeit Ihren Ängsten und Sorgen ein Ende zu bereiten."

„Sie wollen einen Ihrer wertvollsten Klienten ausliefern im Tausch gegen ein Objekt von dem Sie nicht mal wissen, was es ist?"

„Mister Quill ist für unsere Kanzlei schon lange ein Klotz am Bein, seine ewigen…Eskapaden.", Thornton verzog angewidert das Gesicht: „So wie ich das sehe, können wir alle hier nur gewinnen.", irgendwie traute Lara seinen Worten nicht. Er war so freundlich und das entpuppte sich oft als Fehler.

„Woher weiß ich, dass sie mir nicht einen Bären aufbinden?", fragte Lara skeptisch.

„Das alles finden Sie in dem Ordner in Ihrer Hand.", sagte Stewarts und Lara schlug eine Seite weiter. Dahinter fand sie Fotos und das Gesicht, dass sie dort sehen konnte, weckte unangenehme Erinnerungen.

Es war Samuel Quill, mit einer dunklen Sonnenbrille auf der Nase, wie er gerade durch das Fenster eines kleinen Hauses auf die Straße blickte. Das verwirrte Lara. Quill hatte sein gesamtes Vermögen in die Rakete investiert und sein Zeitsprungvorhaben. Wieso sollte er jetzt auf ein Mal Geld genug haben für ein kleines Haus.

„Die Versicherung.", erklärte Thornton, der offenbar ihre Gedanken lesen konnte: „Nachdem sein Haus vernichtet worden war, hat die Versicherung den Schaden beglichen. Mister Quill hat zwar bei weitem nicht mehr die Mittel, wie vor seiner Auseinandersetzung mit Ihnen, aber…er lebt ein ordentliches Leben. Viele Menschen haben weniger."

Das war unfair, fand Lara. Quill kam mit einem Verbrechen davon und lebte jetzt auch noch besser als viele Unschuldige. Nicht wenige davon hatte Quill zu verschulden, als er Washington DC vernichtet hatte. Die USA hatten sich bis heute nicht davon erholt und suchte fieberhaft nach dem Schuldigen.

„Also!", brachte Thornton sie wieder auf die richtige Spur: „Sind wir im Geschäft?"

Lara brauchte nicht wirklich lange zu überlegen: „Wir sind im Geschäft.", und doch hinterließen diese Worte einen bitteren Nachgeschmack auf ihrer Zunge, den sie nicht wirklich erläutern konnte.

„Wunderbar.", Thornton war sichtlich erfreut: „Die Mappe können Sie mitnehmen. Als Andenken.", dann folgte nur noch das übliche Geplänkel. Ich rufe Sie an, sobald ich das Objekt geborgen habe…wir freuen uns mit Ihnen Geschäfte zu machen und vergleichbares. Als Lara schließlich gegangen war, blieben die beiden Anwälte in dem Raum alleine zurück. Samantha seufzte: „Glaubst du wirklich, sie wird es hier abliefern, wenn sie erst mal weiß, wofür das Ding gut ist?", sie kicherte: „Nett übrigens diese Idee mit dem Tagebuch, sah wirklich echt aus."

Thorntons Miene verdüsterte sich: „Das Tagebuch existiert. Aber alles was ich bekommen habe, sind Kopien. Weil ich weiß das Lara Croft nicht wiederkommt, habe ich mir ja auch eine Absicherung geholt."

„Du sicherst dich mit demselben Typen ab, der dir auch das Tagebuch verweigert hat?", Samantha lachte und kassierte daraufhin eine schallende Ohrfeige. Als sie zu Boden ging, strich sich Thornton den Anzug glatt und blickte finster auf sie herab: „Ich werde ihr jetzt davon berichten.", und mit diesen Worten wand er sich zum Aquarium, was sich in diesem Augenblick in der Mitte teilte und auseinanderschob und somit einen geheimen Pfad frei machte.

Fortsetzung folgt:

Wow…Kapitel 2 und schon hab ich euch so viel verraten. Aber ich wäre ja nicht ich, wenn es alles zu einfach wäre. ^^ (ein wenig Werbung in eigener Sache…oh yeah!) Was kann dieses Ding das Lara für Thornton bergen soll und ist er wirklich der Böse, oder steckt da noch mehr dahinter? Das werden wir wohl im Verlauf dieser Geschichte erfahren. Ich hoffe euch hat diese Einstimmung auf jeden Fall gefallen.