BTW: Das hier ist ein Songfic. Der Song ist von Shakira und heißt "Underneath Your Clothes". Es wäre vielleicht sinnvoll ihn sich anzuhören bevor/während man die Geschichte liest.

lg, Minca


Kapitel 1: Der letzte Tanz der Rosen.

Es dauerte noch eine Weile, ehe sich die junge Frau wieder beruhigt hatte und gefasst auf die Jukebox blickte. Sie las die Songlist durch, aber sie kannte nicht viele der 872 Songs. Nur den einen einzigen konnte sie mitsingen. Also drückte sie wahllos irgendeinen Knopf und schon ertönten die ersten sanften Gitarrenklänge. Es schien ein ruhiger Song zu sein. Aufmerksam hörte sie den ersten Zeilen zu.

You're a song
Written by the hands of God
Don't get me wrong cause
This might sound to you a bit odd

Die sanfte Stimme der Frau brachte Gedankenbilder mit sich. Sofort, ohne dass Evey es gewollt hätte, musste sie an V denken. Dabei war doch gerade das, was sie verhindern wollte. Allerdings regte der Song nicht ihre Trauer an. Nur ihre Fantasie.

Sie glaubte schon nach den Worten der Sängerin, dass ihr der Song aus der Seele sprach. Bei ihrer ersten Begegnung hatte er so etwas ähnliches gesagt: "Wissen Sie, in gewisser Weise bin ich Musiker", erklärte er ihr damals in der dunklen Gasse, woraufhin er das Gerichtsgebäude sprengte und sie aus nächster Nähe zusah.

Das Spektakel war schon ein ganzes Jahr her. Ja, er war wie ein Lied. Ein Ohrwurm vielleicht. Es war eine Nachricht die hinter einem jeden Song stand. So viel hatte er ihr beigebracht ...

Dennoch hielt er sich für ein Monster. Doch auch das wollte Evey einfach nicht glauben. Die zweite Zeile versetzte ihr somit einen Stich, mitten ins Herz. Sie mochte diesen Song jetzt schon und begann sich langsam in der Melodie zu wiegen, während sie immer noch an die Jukebox gelehnt dastand.

Und ja, das alles hörte sich verrückt an. Er war verrückt. Sie war verrückt. Die ganze Menschheit war verrückt. Dennoch glaubte sie in diesem Moment, tief in ihrem Herzen, dass sie all diese Aufgaben und Schwierigkeiten irgendwie bewältigen konnten. Sie würden mit vereinten Kräften danach streben, ein besseres Großbritannien zu erschaffen.

Tief in Gedanken versunken lauschte sie weiterhin dem Song.

But you own the place
Where all my thoughts go hiding
Right under your clothes
Is where I find them

Sie begann ohne es zu beabsichtigen, zu tanzen. Erst nur langsam und vorsichtig, als hätte sie Angst entdeckt zu werden, als sie glaubte, V's Duft wahrzunehmen. Er roch nach Rosen. Sie schlang ihre Arme um die Gestalt, die sie wahrnahm und tanzte mit ihr im wiegenden Takt der Musik.

"Oh, eine Revolution ohne Tanzen ist eine Revolution, die sich nicht lohnt", flüsterte er ihr die Worte ins Ohr. Er war ihr so nahe, dass sie seinen warmen Atem spürte. Sie lächelte leicht und war sich sicher, dass er es spürte. Glück durchströmte ihren gesamten Körper, so real schien ihr ihr Tanzpartner.

"Es ist schön, noch einmal mit dir zu tanzen", murmelte sie als Antwort und genoss das leichte Vibriren seines Lachens an ihrem Hals. Und doch spürte sie die klare Linie, die sie von ihm trennte. Seine Verkleidung und seine Maske wirkten starr und leblos. Doch sie entsinnte sich einer Redensart.

"Kleider machen Leute", besagte es. Doch sie glaubte nicht daran. Sie wusste, dass in V noch mehr steckte, als nur Guy Fawkes. Er war ein Mensch aus Fleisch und Blut, keine Erinnerung an das Britannien im Mittelalter.

Underneath your clothes
There's an endless story
There's the man I chose
There's my territory
And all the things I deserve
For being such a good girl honey

Sofort wurde ihr klar, was diese Worte bedeuteten. Sie hatte diesen Mann gewählt und nicht nur wegen dem, was er trug. V war ein Mann, ein liebenswürdiger, intelligenter und rechtschaffener Mann, der dennoch bis zu guter Letzt auf Rache aus war.

Doch durch seine Rachsucht hatte er sich auf alle Ewigkeit einen Namen gemacht. Er hat die Revolution angeführt. Die Erinnerung an seine Taten würde niemals aufhören zu existieren und solange sie lebte, würde auch der Mann, der dahinter stand, nicht vergessen werden. Sie würde ihn immer lieben.

Fest drückte sie sich an die Gestalt, die sie immer noch mit ihr wiegte und sie schaukelte. Hin und wieder strich er ihr sanft über den kahlen Kopf, dann hob er ihr Kinn an, um ihr in die Augen zu sehen. Sie sah in die Maske, versuchte dahinter Augen auszumachen, doch vergeblich. Und dennoch vergaß sie bei seinem Anblick die Welt um sich herum. Nur sie beide und die Musik existierten noch. Nur der Tanz allein und dieser Moment zählten.

Because of you
I forgot the smart ways to lie
Because of you
I'm running out of reasons to cry

Beinahe hätte sie geweint, als er sie küssen wollte. Sie kam ihm entgegen und spürte die kalten, starren Lippen auf ihren. So gerne wollte sie seine Lippen aus Fleisch küssen. Sie stellte sich vor, die Maske würde lebendig werden, doch sie vermochte es nicht, diese Illusion aufrecht zu erhalten.

V bemerkte dies. Immerhin konnte Evey weder ihn noch sich selbst belügen. Sie hatte durch ihn verlernt zu lügen. Er hielt sie ein wenig auf Abstand, sodass er sie ansehen konnte und wischte ihre Tränen weg.

"Weine nicht, Evey. Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende", drang seine sanfte Stimme an ihre Ohren. Doch sie weinte nur noch mehr. Wie sollte alles gut werden? Dies war ihr letzter Tanz. Sie war nicht bereit ihn los zu lassen!

Er schlang wieder den Arm um ihre Taille und drückte ihren Kopf fest gegen seine Brust. Er spürte, wie ihr Körper erbebte und von ihrem unregelmäßigen Atem zu zittern begann. Ihr Schluchzen stimmte auch ihn traurig und er streichelte ihren Kopf. Sie waren stehen geblieben und nun lauschte auch er der Musik.

Nach einer Weile begann er wieder, sie in seinen Armen zu wiegen und sang leise und andächtig die nächsten Zeilen mit.

When the friends are gone
When the party's over
We will still belong to each other

Sie vernahm seine Stimme dicht an ihrem Ohr und war sofort von seinem Gesang verzaubert. Seine tiefe Stimme harmonierte mit der der jungen Sängerin aus der Jukebox. Davon abgesehen versprach er ihr gerade, immer bei ihr zu bleiben. Er würde bleiben.

Sie sog seinen Duft ein und genoss die leichten Bewegungen, die er auf sie übertrug. Ihre Tränen versiegten und eine unendliche Wärme erfüllte zuerst ihr Herz, dann ihren ganzen Körper. Sie wollte ihm noch näher sein und ergriff sacht seine Hände. Er zuckte kurz zurück, doch streckte sie ihr entschuldigend sogleich wieder entgegen.

Er ließ es zu, dass sie die ledernen Handschuhe erst über seinen Ballen schob und anschließend auch seine Finger befreite. Endlich spürte sie seine warme, vernarbte Haut auf ihrer. Ein Seufzen entfuhr ihr, als sie ihre Finger mit den seinen verwebte.