Ankunft

„Eragon, du weißt wo du hingehen wirst, nicht wahr?", fragte Oromis ruhig. „Ja", antwortete ich kurz angebunden. Oromis hob die Augenbrauen. „Es ist zu deinem Schutz!"

„Das ist mir bewusst Oromis-Elda! Ich frage mich nur, wie mich das schützen soll und vor allem, wie die Varden ohne mich Stand halten sollen."

„Wir haben das mit Nasuada besprochen. Sie wird nur leicht besiegbare Städte angreifen, soweit es ihr möglich ist, und falls es einmal eine größere sein sollte, so wird sie dich rufen lassen. Früh genug versteht sich. Und was deinen Schutz angeht, so wird niemand vermuten, dass du in einer anderen Welt bist."

Ich seufzte. Ich würde niemanden davon überzeugen können, dass ich hierher gehörte und woanders einfach nichts zu suchen hatte. „Lass uns jetzt bitte mit der Vorbereitung anfangen", bat Oromis schließlich, als ich zu erneutem Widerspruch ansetzte.

Ich antwortete nicht, was der Elf offensichtlich als Akzeptanz deutete. „Natürlich wirst du nicht als Eragon Dalia auf die Erde gehen. Wir haben uns einen Namen ausgedacht, der deinem nicht ähnelt und in diese andere Welt passt. Isabella Marie Swan." Genau, Erde, so hieß diese andere Welt. Ja, die Leute dort waren wirklich sehr einfallsreich. Sie nannte diesen – wie war das noch? Ach ja! – Planet, der nebenbei erwähnt außen aus Erde besteht, ERDE.

„In deinem Alter wirst du dort als Jugendliche gelten, also solltest du dich auch so benehmen." Mit diesen Worten schob Oromis mir ein Wörterbuch zu. Wow, die hatten ja tatsächlich dieselben Buchstaben wie die Zwerge. Ich las den Einband. Die alte Sprache – Jugendsprache; Jugendsprache – Die alte Sprache.

„Du wirst in die Schule gehen und dort wird über Alltägliches geredet. Zumindest unter den Schülern! Ich werde dich jetzt in die Grundlagen einführen."

Und damit begann er einen dieser tollen Vorträge, von denen ich in nächster Zeit mehr hören würde. Verdrießlich lehnte ich mich in meinem Sitz zurück und hörte zu.

„Nein, ich hab es dir erklärt BELLA und zwar hundert, nein tausend Mal", sagte Arya mit der Betonung auf Bella. „Aber Saphira-", setzte ich an, doch ich wurde sofort wieder unterbrochen. Mit Arya war auch nicht zu reden. Verdammt!

„Eragon Dalia wir fahren jetzt zum Flughafen und du setzt dich bitte in den Flieger ohne Probleme zu machen. Wenn es sein muss beobachte uns doch mit der Traumsicht. Zur Sicherheit habe ich auch dieses Handy besorgt, so dass du uns anrufen kannst."

Da gab es keine Widerrede. Ich starrte auf das kleine etwas in meinen Händen, das mir irgendetwas anzeigte, ich achtete nicht darauf. Ich konnte es immer noch nicht glauben. Wochenlang war ich auf dieses Versteckspiel vorbereitet worden, damit ich mich nicht verriet. Flugzeug, Auto, Handy und all diese anderen Begriffe, alles kompletter und unlogischer Schwachsinn!

Knappe zehn Minuten später waren wir am Flughafen – ich erwähnte ja bereits, dass die hier bescheuert sind: ein fliegender Hafen? – angekommen und eine weitere halbe Stunde später saß ich in dem Flieger.

Lustlos blätterte ich durch das Jugendsprachewörterbuch und wartete darauf anzukommen. „Geil, man!", murmelte ich, doch es hörte sich nicht besonders enthusiastisch an. Ich blickte zur Seite und sah einen Mann von schätzungsweise siebzehn (ja in meiner Welt ist man dann tatsächlich schon ein Mann) interessiert zu mir rüber schauen.

Ich suchte nach dem Hallo in diesem Buch. „Hey Alter!", begrüßte ich ihn überschwänglich. Dann hielt ich inne. Was für ein Schwachsinn, einen siebzehnjährigen als alt zu bezeichnen. Ich wartete darauf angefahren zu werden. Doch stattdessen lächelte der Kerl und blickte anerkennend auf meinen Körperbau. Na klar, solche Typen gab es natürlich überall. „Was geht, Schnecke?"

Ich starrte ihn an. Was redete er da? Hielt er mich für langsam? Weil ich so lange für die Begrüßung gebraucht hatte? Da ich keine Lust hatte das Ganze im Wörterbuch nachzuschauen, entschied ich mich einfach in seine Gedankenwelt einzutauchen.

Ich versuchte es und – nichts. Verwirrt versuchte ich es noch mal, mit demselben Ergebnis. Ein böser Verdacht kam mir. Ich entschied mich ihn zu überprüfen. Ich blickte zu einem schnarchenden und sabbernden Opa, zu einem sich streitendem Paar, einem kleinen in der Nase bohrenden Jungen und selbst bei der Stewardess versuchte ich es. Überall war nichts zu hören.

„Mist, Mist, gottverdammter Mist!", fluchte ich leise ohne mich darum zu kümmern, dass der Kerl neben mir mich komisch anschaute. Ich konnte hier nichts spüren, was mir schon früher aufgefallen war. Super! Sollte ich jetzt angegriffen werden, hatte ich eine Waffe weniger.

„Reisa", murmelte ich, diesmal etwas leiser und blickte nach oben. Mit Erleichterung sah ich, dass wenigstens das funktionierte. Der Rucksack der dort oben lag schwebte ein paar Zentimeter über der Halterung. Schnell lies ich ihn wieder sinken.

„ERAGON DALIA BROMSTOCHTER!", brüllte es plötzlich durch meinen Kopf. Ich zuckte zusammen. Der Kerl neben mir starrte erneut misstrauisch zu mir rüber. Der musste mich ja für vollkommen verblödet halten, oder?

„Saphira?", fragte ich vorsichtig in Gedanken.

„Ja", schnaubte sie. „Scheint als müsstest du in dieser Welt etwas besser zuhören, um mitzubekommen, dass ich mit dir rede. Ich wollte das nur mal testen." Mit diesen Worten verschwand sie aus meinem Kopf.

Na das konnte ja super werden. Keine Gedanken lesen, möglicherweise begrenzte magische Kräfte, ich konnte Saphira nicht gut hören und eine Person auf der Erde hielt mich bereits für verrückt. Ich seufzte – und erntete einen irritierten Blick meines Nachbarn.

„Sind sie Eragon?", fragte ein Mann neben einem Polizei-Auto. Wie war meine Mutter eigentlich auf die Idee gekommen mir einen Jungennamen als Erstnamen zu geben und den Mädchennamen erst als ZWEITE Wahl?

Der Mann mir gegenüber hatte angefangen meine Koffer in den Wagen zu packen, nachdem ich ruckartig genickt hatte. „Era", verbesserte ich genervt. Charlie, so hieß er doch, oder? Die Elfen hatten ihn organisiert, damit ich einen Grund hatte hierher zu kommen. Woher kannten sie den nun wieder?

„Steigen sie bitte ein? Wir müssen bald in Forks sein." Ich blickte auf und seufzte bevor ich einstieg. Auf dem Weg nach Forks kamen wir an sehr viel Wald und ähnlichem vorbei.

Nach einer Weile fing Charlie an mich einiges zu fragen und ich merkte, dass wir uns eigentlich ziemlich gut verstanden. Das Zusammenleben dürfte also nicht allzu schwierig werden. Dann versuchte ich mich eine Weile auszuruhen.

Plötzlich stupste mich jemand an der Schulter. Ich bekam zwar alles in meiner Umgebung mit wenn ich mich ausruhte, aber ich hatte mein neues Zuhause noch nie vorher gesehen und so hatte ich es nicht realisiert, dass wir angekommen waren.

Charlie führte mich kurz im Haus herum und zeigte mir alles wichtige, dann saß ich allein in meinem Zimmer und konnte auf den nächsten Tag warten, wo ich auf die Forks High School gehen würde.

Ich stöhnte bei dem Gedanken an die ganzen Teenager dort, die alle nichts vom Leben wussten. Ich zog ergeben mein Wörterbuch aus der Tasche und begann Vokabeln zu lernen.