Hi, da bin ich wieder, mit einem neuen Kapitel im Schlepptau... doch vorher erst einmal ein riesiges Dankeschön an alle Reviewer und auch an die Schwarzleser!
Kapitel 1
Fast ein Jahr war seitdem vergangen und Hermine war froh, dass sie diese Entscheidung getroffen hatte. Mittlerweile war sie beinahe fertig mit ihrer Ausbildung und an ihrem siebzehnten Geburtstag würde sie es endlich geschafft haben.
Mit einem Lächeln sah sie zum Schloss hinauf, das über ihrem Kopf thronte. Heute würde sie ihr letztes Schuljahr beginnen. Irgendwie war es merkwürdig, gleichzeitig in die berühmteste Zaubererschule dieser Zeit zu gehen und nachts, wenn alle schliefen, eine Magierausbildung zu absolvieren.
Sie konnte sich ein amüsiertes Kopfschütteln nicht verkneifen.
„Was ist denn so witzig", fragte Ron, der neben ihr in der Kutsche saß.
„Nichts, nichts", winkte sie ab und blickte weiter aus dem Fenster.
„Du verhältst dich schon seit einem Jahr so komisch. Was ist los?", fragte nun auch Harry, der ihr direkt gegenüber saß.
„Ihr wollt es nicht verstehen, oder? Es ist nichts! Ich habe mich nun einmal etwas verändert. Warum macht ihr aus einer Mücke einen Elefanten?"
„Weil wir deine Freunde sind", beteuerte Ron und tätschelte ihr den Oberschenkel.
Hermine sah ihn freundlich an und schüttelte den Kopf. „Es ist wirklich nichts."
Sie lehnte sich zurück und betrachtete das dunkle Schlossgelände. Sie konnte ihren Freunden nicht sagen, was mit ihr war. Sie konnte ihnen nicht den Grund für ihre Veränderung sagen. Sie würden sie verraten, das wusste sie.
Als sie in der Großen Halle ankamen, wurde ihr zum ersten Mal wirklich bewusst, in welcher Gefahr sie sich befand. Erst vor kurzem war ein Magier von Zauberern einfach so getötet worden und er hatte sich nicht wehren können.
Mit einem mulmigen Gefühl im Magen blickte sie auf zu Dumbledore, der wie gewohnt auf seinem Stuhl saß. Würde er auch versuchen, sie umzubringen, wenn ihre Identität herauskäme? Sie wollte es ehrlich gesagt nicht herausfinden...
Als sie sich auf ihren Stuhl fallen ließ, musste sie automatisch an Melyns Worte denken, die sie zu ihr in der Nacht an ihrem sechzehnten Geburtstag gesagt hatte.
„Menschen haben Angst vor dem, was sie nicht kennen. Was sie kennen, fürchten sie. Doch was sie wissen, lieben sie."
Diese Worte hatten sich in ihre Gedächtnis eingebrannt, sodass sie sie nie vergessen würde.
Jemand stieß sie in die Rippen.
„Mia! Ich rede mit dir!", meckerte Ginny, die sich neben sie gesetzt hatte.
„Entschuldige, bitte, ich war mit meinen Gedanken auf Wanderschaft."
„Das habe ich bemerkt", erwiderte Ginny trocken und sah sie prüfend an. „Aber falls etwas sein sollte, sagst du es mir, nicht wahr?"
Hermine lächelte. Warum machte sich nur jeder Sorgen, wenn sie über etwas nachdachte? Das war doch nun wirklich ein Normalzustand. „Natürlich. Also, was ist jetzt?"
Doch bevor Ginny ihr eine Antwort geben konnte, wurde auch schon das Eingangstor geöffnet und die Erstklässler kamen hinein. So verängstigt war sie auch einmal gewesen...
Nur mit halben Ohr lauschte sie dem Lied des Hutes, das seit zwei Jahren eigentlich immer das gleiche sagte: „Haltet zusammen, egal, was auf euch zukommt!"
Doch dann geschah etwas, das überhaupt nicht dem alljährlichen Rhythmus entsprach und alle gewaltig aus der Bahn brachte.
Noch bevor McGonagall die Rolle mit den Namen der Erstklässler ausrollen konnte, öffnete sich der Schlitz über der Kreppe des Hutes erneut: „Bevor ich die neuen Schüler einteile, möchte ich einen Fehler korrigieren, den ich vor sechs Jahren begangen habe."
Ein Tumult brach in der Halle aus und nur Dumbledore war fähig, ihn zu bewältigen. „RUHE!", brüllte er, nachdem er seine Stimme magisch verstärkt hatte.
Sofort waren die Schüler wieder ruhig und lauschten gespannt dem Hut, der nun wieder zum Reden ansetzte. „Dieser Fehler ist so schwerwiegend, wie er nur sein könnte und muss deshalb korrigiert werden... Miss Hermine Granger, kommen sie bitte hierher."
Geschockt stand Hermine langsam auf und ging zum Hut. Hatte er sie etwa in das falsche Haus eingeteilt? Sie hatte doch nur zwischen Gryffindor und Ravenclaw wählen können. Dieser Unterschied war doch nicht gravierend... Oder etwa doch? Sie wusste es nicht...
Endlich, nach einer schieren Ewigkeit, kam sie am Lehrertisch an und setzte sich auf den Stuhl, bevor sie sich den Hut auf den Kopf aufsetzte.
„Ich lag also doch richtig mit meiner Vermutung", piepste das Stimmchen. „Du begibst dich in große Gefahr, meine Liebe, indem du hierher kommst. Keine Sorge, ich werde ihnen nichts sagen und auch keine Andeutungen machen. Ich möchte dir helfen. Deshalb kommst du nun auch in das Haus ein, das für dich seit deiner Geburt vorbestimmt ist..."
Hermine runzelte die Stirn. Sie verstand immer weniger.
Der Hut setzte erneut an und Hermine wusste instinktiv, dass er nun zur Halle sprach. „Ich teile Miss Hermine Halliwell nach Slytherin ein." Er wandte sich noch einmal an Hermine. „Viel Glück mit deiner wahren Identität."
Mit zitternden Händen nahm Hermine den Hut ab und starrte auf die vier Haustische, die sich vor ihr erstreckten. Woher hatte der Hut gewusst, dass sie eine Halliwell war? Das hatte sie selbst doch erst vor kurzem erfahren! Und wieso ausgerechnet Slytherin?
Sie sah alles wie durch einen Schleier, als sie zum Slytherintisch ging und sich auf einen freien Platz gleiten ließ. Das war doch nicht möglich! Sie konnte unmöglich nach Slytherin gehören! Nicht sie!
So in Gedanken versunken, bemerkte sie nicht, wie die restlichen Erstklässler eingeteilt wurden. Sie bekam auch nicht mit, wie sie von allen anderen in der Halle angestarrt wurde.
Erst das Erscheinen der Speisen riss sie aus ihren Gedanken, doch wirklich Hunger hatte sie keinen mehr.
Wie werden wohl Harry und Ron darauf reagieren? Und Ginny? Die anderen Gryffindors? Überhaupt alle?
Sie fühlte sich wie ein Stück Treibholz, das allein und verlassen auf dem endlosen Ozean umhertrieb, dort, wo es nirgendwo einen Platz hatte, an dem es stranden konnte.
Wie hatte es überhaupt dazu kommen können? War es überhaupt möglich, dass man einfach so einem anderen Haus eingeteilt wurde?
Nur mit Mühe konnte sie ihre Aufmerksamkeit auf den Direktor lenken, der seine übliche Willkommen-zurück-Rede hielt.
Sie bekam nur auf halben Ohr mit, dass Remus Lupin wieder Verteidigung gegen die dunklen Künste unterrichten würde. Sie freute sich, doch als sie an ihrem neuen Haustisch entlang blickte, entschied sie sich dazu, doch lieber nicht zu klatschen.
Als er das Festessen endlich beendet hatte, wollte sie aufstehen und ihren neuen Hauskameraden folgen, doch Snape hielt sie zurück.
„Der Direktor erwartet Sie in seinem Büro, Miss... Halliwell", sagte er mit eisiger Stimme und bedeutete ihr, ihm zu folgen.
Zum ersten Mal wurde sie der Blicke gewahr, die auf sie gerichtet waren. Verwirrte. Wütende. Verachtende. Hermine erschauderte bei all den negativen Gefühlen. Was konnte sie denn dafür, dass der Hut sie nach Slytherin gesteckt hatte?
Endlich waren sie am Wasserspeier angekommen, der ihnen den Weg zum Büro des Direktors versperrte.
„Lakritzfledermäuse", zischte Snape und sofort sprang die Statue beiseite.
Wortlos folgte sie ihrem Professor die Treppe hinauf. Wäre es McGonagall gewesen, hätte sie es vielleicht drauf ankommen lassen und hätte Fragen gestellt, aber bei Snape... sah das Ganze entschieden anders aus.
Als sie in dem Büro angekommen waren, wies er auf den Stuhl vor dem Schreibtisch. „Setzen Sie sich. Der Direktor wird bald eintreffen!"
Schweigend folgte Hermine der Aufforderung und setzte sich auf den ihr zugewiesenen Platz, während sie sich im Büro neugierig umsah. Sie war in den ganzen sieben Jahren noch nie hier gewesen und dem entsprechend neu war das Alles für sie.
Kurze Zeit später kam dann auch tatsächlich Dumbledore mit einem gütigem Lächeln auf den Lippen und setzte sich hinter den Schreibtisch.
„Nun... Miss... Halliwell" – die Art, wie er ihren Nachnamen betonte, gefiel ihr überhaupt nicht – „Sie haben mich, nein, uns alle in eine ziemlich verkorkste Lage gebracht, indem sie nun das Haus gewechselt haben."
Er stand von seinem Stuhl auf und schritt in seinem Büro auf und ab. Auf einmal war Hermine froh, dass Snape direkt hinter ihr stand. Sie wusste nicht warum, aber der Direktor machte ihr Angst.
„Uns wird nichts Anderes übrig bleiben, als die Entscheidung des Hutes anzunehmen. Da Sie dieses Jahr Schulsprecherin sind, werden Sie nicht mit den anderen Mädchen im Schlafraum wohnen, sondern sich mit Mr Malfoy die Räume der Schulsprecher teilen. Sie befinden sich im zweiten Stock hinter dem Bild mit dem See."
Er setzte sich wieder an den Schreibtisch und die Art, wie er die Fingerspitzen aneinander legte, ließ Hermine vermuten, dass er nun zu dem eigentlichen Punkt kam, den er besprechen wollte.
„Haben Sie eine Ahnung oder auch nur eine Vermutung, warum der Hut Sie auf einmal nach Slytherin geschickt hat?", fragte er und beobachtete genauestens jede ihrer Bewegungen.
„Nein, Sir, ich bin völlig überrascht. Der Hut hat mir gegenüber auch nichts erwähnt, was damit zu tun hat. Er meinte nur die ganze Zeit, er hätte einen Fehler begangen, den es zu korrigieren gelte, aber das kennen Sie ja schon."
Einen Moment lang glaubte Hermine, Wut in den Augen des Direktors aufblitzen zu sehen, doch dieser Moment war so schnell wieder vorbei, dass sie an ihrer Wahrnehmung zweifelte.
„Wenn das so ist, war das alles. Professor Snape wird Sie zu ihren neuen Räumen begleiten."
Der Direktor wartete nicht, bis sie aus dem Büro verschwunden war, sondern ging gleich aus der Hintertür, die er etwas zu heftig zuzog, sodass Hermine erschrocken zusammenfuhr.
Als der Wasserspeier sich hinter ihnen verschlossen hatte, konnte Hermine nicht anders und atmete erleichtert auf.
„Sie haben also bemerkt, was der Direktor wirklich wollte."
Hermine sah ihren neuen Hauslehrer verständnislos an. „Ich habe lediglich bemerkt, dass er es hasst, über etwas nicht im Bilde zu sein", erwiderte sie und hätte sich im nächsten Moment am liebsten selbst geohrfeigt. Sie hatte sich doch vorgenommen, ihre Zunge im Zaum zu halten.
Doch zu ihrer Überraschung nickte Snape. „Das ist es, was ich meine. Sie werden auf der Hut sein müssen, vor allem, da sie zu einer der reinblütigsten Familien der Erde gehören. Er wird sie nicht mehr aus den Augen lassen. Und bevor sie die Frage stellen: Ja, ich weiß, wer die Halliwells waren."
Hermine sah ihn überrascht an. „Wie kommt das? Ich dachte..."
Snape unterbrach sie. „Ich weiß es, weil Sie eine angeheiratete Nichte von mir sind. Reicht das als Erklärung?"
Hermine nickte schnell und folgte ihm schweigend.
„Hier sind Ihre Räume. Das Passwort lautet: Schlafende Schlange. Mr Malfoy wird wahrscheinlich schon sein Zimmer bezogen haben." Er nickte ihr noch einmal zu, dann verschwand er in der Dunkelheit der Gänge.
Hermine sah ihm schweigend hinterher. Ihr Onkel... zwar angeheiratet, aber das war ihr egal. Immerhin hatte sie so noch einen Verwandten...
Leise murmelte sie das Passwort und kletterte durch das Portraitloch, während sie sich innerlich auf die Begegnung mit Malfoy vorbereitete.
Ich hoffe, es hat euch gefallen... würd mich jedenfalls freuen... bis bald
