Was für eine Nacht :
Gleich nachdem Harley dem Joker den Vorschlag vermittelt hatte, von nun an ihm lediglich mit freundschaftlichen Diensten entgegen zu kommen, war es als ob sie fortan nicht mehr die nötige Würde erwies, um seiner ohnehin vermeintlich eingeschränkten Wahrnehmung genügend aufzufallen.
Es war als würde ihr in den letzten Wochen mühsam zusammengeflicktes Herz abermals in all' seine brüchigen Einzelteile zerspringen, als sie entsetzter Miene mitansah wie er vollkommen nüchterner Haltung sich von ihr bewegt hatte, an ihrem Antlitz vorbei, vermutlich in sein eigen errichtetes Arbeitszimmer, um jegliche Eingebungen der Romantik mit dem Wahn nach dem perfekten Plan zu überspielen, um die Stadt in komplettes Chaos versinken zu lassen und/ oder den selbsternannten Gesetzeshüter in der Form einer Fledermaus zum endgültigen Sturz zu bringen – Batman.
Für eine kurze Weile verblieb das Clownsmädchen an ihrem Standort, allein und in den Scherben ihrer zuvor noch mit Stolz geflochtenen Selbstachtung.
Dabei war jene Reaktion des völligen Desinteresse bezüglich ihrer Person mindestens zu erwarten gewesen, dementsprechend konnte sie vom äußerstem Glück reden, dass ihre Knochen sich noch eines heilen Zustandes erfreuen konnten, ihr Körper sich am nächsten Tag wohl nicht über blaue Flecken beschweren zu hatte und auch nicht die Sorge des Verbluten bestand, wie des öfteren Konflikte im Liebesnest als Konsequenz mit sich trugen.
Dennoch vermochte Harley nicht über das zuvor gelieferte Bild von einem glücklichen Zufall reden zu wollen, hatte sie doch eine Antwort egal welcher Natur auf ihre einmalige selbstsichere Haltung und dem sensationellen Phänomen des Widerstehen verlangt, am liebsten die des Respekts, dir ihr ausnahmsweise den Zuspruch schenkte, den sie sich seit Jahren im Geschäft der Clownverbrechen so sehr wünschte, wobei sie natürlich auch nichts dagegen hätte, wenn sie genau in diesem Moment wohl möglich damit beschäftigt wäre, zu versuchen jeden erdenklichen Knochen in des Jokers Körper zu brechen, obwohl deren letztes Aufeinandertreffen auf jenes Treiben basiert hatte, nachdem das heimlich verabreichte Giftserum angeschlagen hatte und so es sich mehr als leicht hatte einrichten lassen, ihre Wenigkeit in den Keller zu verfrachten, womit jenes erdachte Szenario wohl möglich mit gehöriger Langeweile verbunden war, denn brauchte die Clownin immerhin stets einen geregelten Ablauf im Leben, der keine Wiederholungen in absehbarer Zeit duldete.
Nur das Ignorieren ihrer Selbst war wahrlich keine akzeptable Option.
Ein müdes Seufzen entwich den schwungvoll gezeichneten Lippen natürlichem Tones, als nach der besagten Weile die Realität allmählich die Oberhand in ihrer Denkstube übernahm, ehe sie noch einmal zusah, tief durchzuatmen, um keine Träne mehr zu lockern, die sich wieder einmal angestaut hatten und über deren Existenz sie sich nun auch durchaus bewusst war, wie auch über deren Auslöser, dem deftigen Gefühl der Trauer und Enttäuschung, wenn nicht noch der Wut, welche sie dieses Mal problemlos in ihrem Innern ausmachen konnte, mit viel zu schwerem Gewicht lagen sie nämlich auf der schmerzhaften Stelle ihres Herzen.
Schließlich führte ihr Weg sie zu der spärlichen Couch im Wohnzimmer, auf der sie kurz vor des Jokers Eintreten, ein gemütliches Lager errichtet hatte, bereit sich bei Liebesfilmen stümperhaften Szenen und Dialoge aus zu heulen, nicht unbedingt weil sie sich eine Beziehung kitschiger Maßen wünschte, wohl eher weil sie niemals in der Lage wahrscheinlich wäre die gewünschten Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, zu halten, ohne dass irgendwelche buchstäblich herzzerreißende Szenarien auftraten.
Angekommen sehnte sich Harley natürlich nach der Zuflucht in der Decke weicher Bestattung, sich in dieser einhüllend, bloß um dem Glück der Wärme menschlicher Nähe nahe zu kommen, war ihr doch jegliche Lust nach Medien oder dem Eisbecher, den sie sich vorbereitet hatte ( dessen Inhalt ohnehin bereits völlig zerschmolzen war), nun völlig vergangen.
Viel eher machte sich nun die Sorge in ihr breit, was ihren Schlafplatz anging, welcher bestimmt aus dem momentanen Möbelstück zu bestehen hatte, wenn nicht schon wieder das Glück an ihrer Seite war, nämlich für den Fall, dass der Clown an seinem Schreibtisch den Schlaf finden würde, wie immer, wenn er, wie sie vermutete, kein Essen zum Abend zu sich geführt hatte und dann noch zu lange an irgendwelchen Plänen saß.
Für jeden anderen Fall bezweifelte die Dame, dass er sich nicht ihres Bettes bediente, mit viel zu viel Stolz und Liebe für sich selber war er versehen, als dass er sich das Sofa zur Genugtuung tun würde, entsprechend war sie mit einer viel zu hohen Dosis an Unsicherheit gefüllt, als dass sie noch an seiner Seite schlafen könnte, außerdem war sie sich sicher, dass er sie vorher von der Matratze kickte, bevor sie auch nur auf die Idee kommen könnte, es sich dort gemütlich zu machen.
Und das obwohl es ihr Bett war.
Mit einem weiteren Seufzen entschloss Harley, sich schließlich hinzulegen, da der stetige Schmerz in der Brust ihr tatsächlich die nötige Müdigkeit verschaffte, die sie brauchte, um auch nur einen Gedanken an Schlaf zu verschwenden, so war es wahrscheinlich auch besser, bevor es galt zu unüberlegte Aktionen jeglicher Art zu greifen, die sie bitter bereuen könnte, inklusive der Sensation des sich in den Schlaf zu weinen.
Entsprechend vermochte das Clownsmädchen auch recht schnell in den Schlaf zu finden, ihr Kopf, in welchem so viele Fragen und Sorgen schwirren könnten, ungewöhnlich leer, das Wohlbefinden von einem überraschendem Gefühl des Tauben geprägt, sodass der Körper wahrlich nichts Besseres fand als sich dem Energie-Sparmodus zu widmen.
Überraschend hielt jene Müdigkeit wohl die gesamte Nacht an und das obwohl die Wolken sich mal wieder für etliche Stunden über Gotham zu leeren wagten in der Gefolgschaft eines kräftigen Windes, welcher stetig gegen die Scheiben im Raum peitschte und durch die Spalte der Türschwelle versuchte ins Heim vorzudringen, einen eigentlich ohrenbetäubenden Lärm erzeugend, der nicht minder von einer haarsträubenden Atmosphäre zeugte und dennoch von der Clownin wohl völlig überhört wurde.
Anders als das plötzliche Scheppern, das von der Küche ausging, welche zur Hälfte in das Wohnzimmer mündete und sich entsprechend nahe ihres Schlafplatzes befand, begleitet von einem nicht endendem Plaudern, in welchem jedoch der Klang einer zweiten Stimme fehlte und ihre Wenigkeit natürlich gehörig ins Wundern geraten ließ, sodass sie zu nichts anderem gezwungen war, als sich aus dem Traum zu erheben und langsam in die Realität zu werfen.
Mit der allmählichen Rückkehr des Bewusstseins und des nicht aufhörenden Gesprächs im nächsten Raum schwoll ihre Neugierde natürlich um bedeutsame Einheiten an, erst recht wo sie erkannte, dass die einseitig verlaufende Stimme ihrem einstigen Liebhaber angehörte, den sie, anhand dessen Tonlage, noch dazu einen recht heiteren Gemütszustand zusprechen konnte.
Vorsichtig, um ja nicht auf ihre Gestalt aufmerksam zu machen, zog Harley die Decke von sich, ließ sich heimlich auf dem Boden nieder, von wo aus sie mit angehaltenem Atemvorgang die Quelle der Interessensphäre mittels lautlosem Krabbeln anzusteuern wusste, was zunächst die gesamte Konzentration dermaßen beanspruchte, dass sie den genaueren Worten, die aus der Küche zu entfleuchen vermochten, nicht sonderlich viel Aufmerksamkeit schenken konnte, womit ihr der Inhalt jener natürlich nicht ganz genau vermittelt werden konnte.
Zum Glück hatte sie dermaßen gut geschlafen, dass ihr Gemüt sich von dem emotionalen Desaster ausgesprochen fabelhaft erholt hatte. Natürlich nicht gut genug, um erfolgreich einen Eimer voll Wasser über die Flamme, die ihre alte Liebe darstellte, zu kippen, gut genug, um sich nicht völlig unwohl bei dem Gedanken zu fühlen, sich mit dem Joker in einer Räumlichkeit aufzuhalten, weshalb es ihr auch mit solch' einer Leichtigkeit gelang, ihr Ziel zu erreichen.
Schließlich drohte der Fixpunkt ihrer Aufmerksamkeit sich zu ändern, als sie angekommen war und sich galanter Bewegung an der Sicht versperrenden Theke, welche mitten im Zimmer stationiert gewesen war, hoch arbeitete, um ihren Sinnen endlich das zu kommen zu lassen, wonach sie seit dem Aufwachen so sehr am Lechzen waren.
Da stand der alte Kerl in seinem Wesen von einem Clown, in seinen Schlafsachen gekleidet, obwohl es, der 'Sonneneinstrahlung' ( Die Sonne wagte es niemals wirklich in Gotham, nicht einmal im Sommer, sich zur Schau zu stellen, weshalb die sonnigen Tage daraus bestanden, dass sie an manchen Tagen stärkerer Intensität durch die dichten Wolken natürlicher Art und von der Stadt selber produzierter hindurch schien) nach zu urteilen, bereits weit in den Morgenstunden war, viel zu spät für den Joker, welcher sich immer wieder gerne als sonderbarer Frühaufsteher entpuppte, der sich zudem gleich nach dem Aufstehen entsprechend um sein Aussehen kümmerte, sodass kein Problem damit entstand, gleich nachdem kurzweiligen Frühstück sofort mit seiner Arbeit loszulegen.
Auf dem Boden erstreckten sich die Überreste ihrer geliebten Dose für Kekse, womit das Mysterium um das sagenhafte Geräusch, das sie aus dem Schlaf gerüttelt hatte, gelöst war, deren Inhalt wohl seinen Weg in den Mann suchte, während dieser, und Harley traute ihren Augen kaum, sich die Gesellschaft ihres liebsten Wesen angeeignet hatte.
„Bernie?", fiepte sie mehr als überrascht, die Augen blauer Pracht weit geöffnet und die Kinnlade im Nachhinein vollster Überraschung zum Fallen gelassen habend, während sie sich langsamen Schritten von ihrem Platz bewegte, die Figur des Jokers ansteuernd, welcher in seiner Mahlzeit urplötzlich verharrte und mit dem gleichen Ausdruck der Verblüffung die unerwartete Gegenwart seiner Partnerin betrachtete.
„Ist das da Bernie? Du hast mir Bernie geklaut?...Oh mein Gott, du hast mir Bernie geklaut! Warum hast du mir Bernie genommen? Er ist mein bester Freund!" In der plötzlichen Wut, die Harley empfand bezüglich der mehr als unerwarteten Anwesenheit ihres ausgestopften Biber, der auf der Küchenplatte neben dem Clown verweilte, war sie in Windeseile an dessen Seite geeilt, sodass sie ihn nun geschwind an ihre Brust drücken konnte, den Joker mit erhobenen Zeigefinger der Warnung ermahnend, während sie ihn in ihrem brodelndem Ärger mit feinster Feindseligkeit und funkelnden Augen ansah, das Lippenpaar stark aufeinander gepresst, die erröteten Wangen vor Zorn geblasen und anschaulich darüber nachdenkend, welche Worte demnächst aus ihrem Mundwerk fliehen sollten.
So seltsam es auch klang, Bernie, der weniger lebendige Biber, war tatsächlich (neben Poison Ivy, die jedoch nicht immer in der Lage war, jeden einzelnen Moment mit ihr zu teilen) ihr bester und einziger Freund, war er immerhin der beste Zuhörer, den sie kannte, und hatte zudem, in ihrer Fantasie, die besten Antworten für sie übrig.
Besitzen tat sie ihn seit ihrer Jugend ( natürlich hatte sie erst vor ein paar Jahren angefangen, ausführliche Gespräche mit ihm zu führen), stammte das Tier aus dem Hause der Eltern ihrer ersten großen Liebe, denen sie ihnen klug abhanden hat kommen lassen, nachdem ihr klar wurde, dass sie den Jungen nie wieder sehen würde und dringend eine Erinnerung an diesen brauchte.
Der Anblick des Biber hatte ihr sofort angetan, weshalb dessen Namen auch der ihres Ex-Freundes gebührte – Bernie.
„Du nichtsnutziges Nagetier! Hast mich verraten!Und isst mit ihm noch meine Kekse! Schämst du dich denn gar nicht?" Grimmig hielt die Clownin das Objekt von sich, um auch jenes mit ihrem Blick voller Wut entgegnen zu können, und glaubte in den leblosen Knopfaugen jenem Tieres einen Funken an Reue zu erkennen, was zunächst reichte, um ihm soweit zu verzeihen, dass die Aufmerksamkeit wieder dem Clown vor sich galt, welcher sich nicht im geringsten zu jener Situation irgendeinem Gefühl der Unwohle hingegeben hatte und sich stattdessen lieber fröhlichem Summen den restlichen Keksen gewidmet hatte.
„Ihm war nach einem Männerabend.", gluckste der Joker in seinem stetigen Kauen, in völligem Vergnügen aufgehend den Kopf schüttelnd, wohl wissend dass er den Harlekin somit unmöglich in seinen Bann der Amüsanz mit sich ziehen konnte.
„Obwohl er ja eigentlich nur einen Abend mit 'Freunden' verbringen wollte. Nur bist du einfach nicht aufgetaucht. Gehen 'Freunde' wirklich so miteinander um?"
