Viele Wege führen zum Mord

Kapitel II

Sein letzter Wille

Harry hatte die Nacht durchgearbeitet, die Sonne ist schon über den Horizont gestiegen. Er knipste die Schreibtischlampe aus und gähnte herzhaft. Sich in seinen Stuhl zurücklehnend, schaute er sich seine Arbeit an.

Sein Schreibtisch war mit Pergamenten übersät. Mehrere von ihnen sind auf den Boden gefallen, da der Platz auf dem Tisch nicht ausreichte. Harry beobachte sein wirres Durcheinander aus Papieren. Einige waren mit keilschriftartigen Zeichen gefüllt, andere enthielten normale Schrift. Er sortierte die Pergamente mit den fremdlichen Buchstaben auf einen Stapel, die Pergamente mit lateinischen Buchstaben auf den anderen. Harry war immer noch stolz auf seine Entdeckung, dass er in der Parselsprache nicht nur sprechen, sondern auch schreiben konnte. Auch wenn er eine gewisse Abneigung gegenüber Schlangen und Slytherin hegte, zur Geheimhaltung war die Parselsprache allemal nützlich.

"Junge, komm runter" bellte eine Stimme von unten. Es war die von Onkel Vernon. "Jemand von deiner Art ist unten." Man merkte das Zittern in Vernons Stimme sehr deutlich.

"Ich komm ja schon." antwortete Harry wenig enthusiastisch. Hastig räumte er die Pergamte zusammen und versteckte sie. Die, die mit normaler Sprache beschriftet waren, würde er später verbrennen müssen, dachte Harry. Auch wenn auf ihnen kaum etwas wichtiges stand, Verdacht erregen wollte er nicht. Er überblickte das Zimmer ein letztes Mal, alles ist weggeräumt. Laut polternd rannte er die Treppe herunter.

In der Tür stand Remus Lupin. Er sah krank und übermüdet aus. Harry wusste, dass der nächste Vollmond erst in zwei Wochen eintreten würde. "Hallo Harry." begrüßte Remus ihn mit einem müden Lächeln. Beim Nähertreten bemerkte Harry die grauen Strähnen, die sich seit dem Vorfall im Ministeriumsabteil vermehrt haben. Remus' Schultern hingen schlaff herunter. Sein Blick zeigte, dass er längst aufgegeben hatte. Der letzte Rumtreiber war nun endgültig alleine.

Und es war Harrys Schuld. So dachte Harry jedenfalls. "Komm rein, ich mach uns einen Tee." lud er ein. Er bemühte sich gar nicht erst, Fröhlichkeit vorzutäuschen.

"Nein, nein," entgegnete Remus "Ich bin hier, um dich abzuholen." Er holte tief Luft, um sich zu besinnen. "Es ist wegen Sirius' Testament - "

Harrys Gesicht wurde blass. Seine Erbschaft ist ihn noch nicht in den Sinn gekommen. "Ich komme nicht mit" sagte Harry mit zittriger Stimme.

Remus sah ihn fragend an. Und schwieg. An seinen Blick konnte Harry erkennen, das er nachdachte. Nach einer Weile wurde Remus die Stille unangenehm. "Harry, du musst leider kommen. Sirius hat dir Grimmauld Place hinterlassen und du weißt wie wichtig das Haus für den Orden ist." Remus legte Harry beschwichtigend eine Hand auf die Schulter. "Du musst nur um die Ecke. Dumbledore ist bei Mrs. Figg. Er wird dir Sirius' Brief geben."

Einen Brief? Harry überlegte, sein Kopf schwirrte. Wenn Sirius einen Brief an ihn geschrieben hatte, wollte er sicher auch, dass Harry ihn lesen würde. Das wäre Harry ihm schuldig. 'Nun gut' dachte er und nickte. "Lasst uns gehen." sagte Remus. Seinen Arm vorsichtig um Harrys Schulter legend, führte er ihn hinaus.

Mrs. Figg begrüßte sie erfreut. "Schön, dass du uns heute beehrst, Harry" Sie wischte sich eine Träne weg, sie wusste, warum er sie besuchte. Harry grüßte freundlich zurück und Mrs. Figg führte Remus und Harry in das Wohnzimmer.

Dort saß Dumbledore zufrieden einen Zitronenbonbon kauend in einem gemütlichen Sessel. Als er Harry erblickte, setzte er ein trauerndes Gesicht auf. "Ich habe dich erwartet, Harry"

Harry wich seinem Blick geschickt aus, und blickte konzentriert auf einen Punkt über Dumbledores Schulter.

Dumbledore schien Harrys Anspannung zu merken. Er reichte ihm eine Pergamentrolle. Sie war mit einem Siegel verschlossen bemerkte Harry. Er nahm sie mit zitternden Händen.

"Öffne es noch nicht, Harry. Erst wenn du Zeit hast und bereit bist. Das ist sein persönlicher Brief an dich." sagte Dumbledore mit schleppender Stimme. Harry nickte.

Mrs. Figg stürmte herein, "Ein Überfall," Sie war völlig außer Atem. "Snape hat einen Überfall auf die Winkelgasse gemeldet, Anzahl der Todesser noch unbekannt."

Dumbledore wirkte alarmiert, "Wann werden sie angreifen?"

"Das weiß Snape noch nicht, seines Wissens könnten sie jede Minute einfallen." antwortete sie, gar nicht wie die alte katzenbesessene Dame wirkend. "Madeye hat eine Notfallversammlung einberufen." Sie reichte beiden, Dumbledore und Remus, ein Papier.

Remus bedankte sich, und wandte sich zum Kamin "Wir sehen uns bald wieder, Harry." Harry winkte ihm zu. Remus nahm etwas Pulver, warf es ins Feuer, und war mit einem "Grimmauld Place, Nummer 12" verschwunden.

Harry schaute nachdenklich in die Flammen des Kamins, die sich langsam vom Grün ins natürliche rot zurückfärbten. Seine Hand hielt verkrampft die Pergamentrolle. Seine Gedanken schweiften zu Sirius und Was-wäre-gewesen-wenn-Fragen. Auch wenn Harry nicht direkt an Sirius' Tod schuld war, er hätte ihn verhindern können.

In seinem Dahinsinnen bemerkte Harry nicht, wie Dumbledore und Mrs. Figg das Zimmer verließen.

Sein letzter Wille

Ende

Reviews:

ina pichler: Das nächste Kap ist schon begonnen, gute Chancen, dass ich es schnell zuende schaffe.

Lily13: Danke, ich weiß dein Lob zu schätzen. Dieses Kapitel ist auch schon viel länger.

jdsmile: In diesem Kapitel gibt es weniger Handlung, es ist aber für die Geschichte insgesamt wichtig. Ich verspreche, dass im nächsten die Spannung aufkommt.

Adieu

Frodo