Danke für die Reviews, hier kommt das zweite Kapitel! :)

Floh: *lol* Also, nach deutscher Zeit war schon Samstag, als ich gepostet habe...wie auch immer.^^ Freut mich, dass es dir gefallen hat. :)

larissaelena: Ich glaube, es waren nicht nur gefühlte, sondern tatsächlich Jahre...oder zumindest mehr als ein Jahr.^^ Freut mich, dass ich dich gleich fesseln konnte (mit zwei Updates pro Woche sieht's trotzdem schlecht aus).^^

Daniel Freund: Hey, danke für das Lob! :) Naja, Reg lässt Sirius nicht ganz links liegen; er glaubt bloß, dass es es die einzige Möglichkeit ist, Sirius auf den "richtigen Weg" zurückzubringen, und dass er seinem großen Bruder langfristig gesehen schaden würde, wenn er ihm hilft, deshalb hält er sich zurück.


DISCLAIMER: WELT UND PERSONEN GEHÖREN J. K. ROWLING.


Zurück in Hogwarts (1/2)

„Wo bleibt, Sirius?"

„Er wird schon auftauchen, James. Peter hat doch gesagt, er hat ihn vorhin auf dem Bahnsteig gesehen."

„Er hat gesagt, er hat geglaubt, er hat ihn gesehen. Er konnte nicht mal sagen, ob es ihm gut geht!"

„Ich habe nur gesagt, dass er so weit weg stand", verteidigte sich Peter. „Ich denke schon, dass er es war."

„Da hörst du es, James. Er wird schon gleich auftauchen."

„Er sollte besser. Der Hogwarts-Express fährt gleich ab."

„Er ist schon da", sagte Sirius laut und kam ins Abteil. Orion und Walburga Black hatten ihn erst in allerletzter Sekunde in den Zug steigen lassen. James zog den Kopf aus dem Fenster, vermutlich hatte er gerade den Bahnsteig nach Sirius abgesucht.

„Endlich, Sirius, wir dachten schon, du..." Die Worte blieben ihm im Halse stecken. „Was ist denn mit dir passiert?"

„Meine Eltern hatten noch was mit mir zu bereden."

Er ignorierte bewusst James' Frage und setzte sich vorsichtig auf einen freien Platz. Ihm taten alle Knochen weh und er war so verdammt müde. Wenn da die hämmernden Kopfschmerzen nicht gewesen wäre, hätte er auf der Stelle einschlafen können.

„Du siehst viel besser aus als letztes Jahr", sagte er zu Remus. Allerdings immer noch nicht gesund. Der Werwolf hatte zwar sogar eine leichte Sommerbräune (wenn sie auch nicht mit der von James zu vergleichen war, der vermutlich den ganzen Sommer auf dem Besen verbracht hatte), aber er wirkte müde und abgeschlagen und obwohl der letzte Vollmond schon über eine Woche her war, konnte Sirius immer noch Blessuren erkennen, wenn er genau hinsah.

„Ich wünschte, ich könnte das Gleiche über dich sagen", gab Remus ernst zurück. „Sirius, du siehst furchtbar aus. Was ist passiert?"

„Und jetzt sag ja nicht, dass du krank warst!", mischte sich James ein. „Die Ausrede hat schon letztes Jahr nicht funktioniert!"

Sirius fühlte sich erschöpft. Er hatte geahnt, dass seine Freunde so reagieren würden, deshalb war er auch nicht gleich ins Abteil gekommen,. Er hatte einfach keine Energie mehr, sich neue Ausreden zu überlegen, die ihm ohnehin keiner mehr glauben würde.

„Dann such dir eine andere aus", gab er gereizt zurück. „Wie war die Quidditch-Weltmeisterschaft? Polen hat gewonnen, habe ich gehört."

„Ich war nicht da, aber ich habe das Freundschaftsspiel der Wimbourner Wespen gegen die Prides gesehen", erklärte Peter eifrig. James ignorierte ihn.

„Jetzt versuch nicht, abzulenken!", knurrte er.

„Ich lenke nicht ab!", gab Sirius ärgerlich zurück. Das war sogar nur halb gelogen.

„Ich habe den ganzen Sommer im Grimmauldplatz festgesteckt ohne Briefe..."

„Du hast gesagt, wir sollen dir nicht schreiben!", warf James ein, aber Sirius ignorierte ihn.

„...ohne Quidditch, ohne...ohne alles! Ich habe nicht mal den Tagespropheten lesen können und gleichzeitig hat anscheinend eine der spannendsten Quidditch-Weltmeisterschaften überhaupt stattgefunden, ganz davon abgesehen, dass da draußen immer noch so ein schwarzmagischer Irrer samt Gefolgschaft rumläuft. Wenn also einer von euch bitte die Freundlichkeit besäße, mir mitzuteilen, was im Sommer los war, ich wäre demjenigen sehr verbunden."

Seine Freunde starrten ihn ungläubig an. Sirius hätte am liebsten seinen Kopf gegen die nächstbeste Wand gehämmert. Er hatte zu viel gesagt. Warum konnte er nicht einmal seine verdammte Klappe halten? Und konnte nicht vielleicht endlich jemand diese verdammten Vorhänge schließen? Das helle Sonnenlicht machte seine Kopfschmerzen noch schlimmer.

Remus war der erste, der sprach.

„Es tut uns leid, Sirius. Wir wussten nicht..."

Bevor Remus weitersprechen konnte, ging plötzlich die Tür auf und Lily Evans kam herein. Augenblicklich fuhr sich James mit der Hand durch die Haare und setzte sein breitestes Grinsen auf.

„He, Evans! Schöne Ferien gehabt?"

Lily ignorierte ihn. Stattdessen wandte sie sich an Remus.

„Endlich habe ich dich gefunden, Lupin! Wir müssen los, es warten bestimmt schon alle!"

Remus stand auf.

„Tut mir leid, ich musste noch..."

„Ist schon gut", winkte Lily ab, „heb dir die Erklärungen für später auf und beeil dich lieber." Ihr Blick ging an Remus vorbei und blieb an Sirius hängen. „Was hast du denn gemacht, Black? Du siehst furchtbar aus."

Sirius setzte sein dümmstes Grinsen auf.

„Tja, weißt du, Evans, das londoner Nachtleben verlangt einem einiges ab..."

Wie erwartet verdrehte Lily genervt die Augen.

„Was immer du sagst, Black. Bist du endlich fertig, Lupin?"

„Ja, ja, wir können gehen."

„Moment mal!" James schien seinen Schock, dass Lily ihn völlig ignorierte, endlich überwunden zu haben. „Wo wollt ihr beiden hin? Und was hast du", er funkelte Remus wütend an, „mit Evans zu tun?"

Jetzt war Lily wirklich genervt.

„Potter, selbst ein Idiot wie du sollte wissen, dass die Vertrauensschüler durch die Gänge patrouillieren müssen und im Vertrauensschülerabteil sitzen."

James stand der Mund offen. Peter merkte nicht, dass ein Schokofrosch in seiner Hand schmolz und Sirius vergaß für einen Augenblick seine Kopfschmerzen.

Lily warf Remus einen ungläubigen Blick zu.

„Du hast es ihnen nicht erzählt?"

„Nun ja, ich...also..."

Remus nestelte unbehaglich an seinem Umhang.

„Du bist Vertrauensschüler?", brach es schließlich fassungslos aus James heraus. „Dumbledore muss verrückt geworden sein!"

Das brachte Remus anscheinend auf den Boden zurück.

„Danke für dein übergroßes Vertrauen, James", gab er sarkastisch zurück. „Ich werde mich bemühen, dich nicht zu enttäuschen."

Sirius grinste.

„Gratuliere, Remus, du hast James Potter überrumpelt. Das schaffen nicht viele." Automatisch wollte er aufspringen und Remus scherzhaft auf die Schulter klopfen, aber als ein jäher Schmerz durch sein Bein schoss, ließ er es doch lieber bleiben. „Ich hoffe, wir dürfen trotzdem noch unsere Hausaufgaben bei dir abschreiben."

„Das dürft ihr ganz sicher nicht!", mischte sich Lily Evans mit schneidender Stimme ein. „Und wenn ich einen von euch dabei erwische, dann lasse ich euch Sätze schreiben!"

„Ah, Evans, das war doch nur ein Scherz..."

„Ha, ha, Potter, unglaublich komisch. Wenn man über meine Scherze so selten lachen würde wie über deine, würde ich anfangen, mir Sorgen zu machen. Lupin, ich warte auf dem Gang."

Sie riss die Abteiltür auf und marschierte nach draußen.

„Warte, Lily, ich komme mit!"

Remus eilte ihr nach.

„Ich fass es nicht, Remus ist Vertrauensschüler!", rief James, als sie alleine waren. „Was uns das für Möglichkeiten gibt! Wir werden nie wieder Sätze schreiben müssen!"

Sirius war nicht ganz so optimistisch wie James.

„Irgendwas sagt mir, dass Remus diesen Posten ernst nehmen wird..."

James schüttelte den Kopf.

„Ausgeschlossen. Ich meine, er hat uns letztes Jahr zu dem Halloweenstreich überredet. Er hatte die legendäre Idee mit den Springenden Knollen. Er kann doch nicht einfach die Seiten wechseln...oder?"

Sirius rieb sich die Stirn. Die Kopfschmerzen, die eben noch in den Hintergrund gerückt waren, kamen mit voller Wucht zurück. Er zwang sich zu einem Grinsen.

„Schätze, das werden wir sehen."

Niemand sagte etwas darauf. Sirius spürte, wie James ihn anstarrte. Verdammt noch mal, konnte er ihn nicht für eine Sekunde in Ruhe lassen?

„Was?", faucht er. James öffnete den Mund, als wolle er etwas sagen, schien es sich dann jedoch anders zu überlegen.

„Nichts."

„Dann ist ja gut!"

Wieder herrschte Schweigen. Sirius wandte sich von den anderen ab und lehnte sich mit dem Kopf an die kühle Scheibe. Die Kälte tat gut und wenn er die Augen schloss, störte das grelle Tageslicht auch nicht so sehr. Er hätte gerne geschlafen, aber er konnte es nicht. Er fühlte sich erschöpft und ausgelaugt, aber es war keine angenehme Erschöpfung wie nach einem harten Quidditch-Training. Diese Erschöpfung war ein fast schmerzhaftes, übelkeiterregendes Schwächegefühl und seine Nerven trotz der Müdigkeit zum Zerreißen gespannt.

„Haben eigentlich die Prides oder Wespen gewonnen?", nahm James das Gespräch von vorhin wieder auf, als sei nichts geschehen.

„Die Wimbourner Wespen", kam es von Peter zurück, „aber das weißt..."

„Und wie haben sie genau gewonnen?", unterbrach James ihn.

„Na, Bagman hat den Klatscher...aber das weißt du..."

„Wenn ich von dir wissen will, was ich weiß, dann frage ich dich danach, Peter", schnitt ihm James genervt das Wort ab. „Jetzt erzähl endlich!"

„Naja, es war ziemlich knapp. Die Wespen und die Prides lagen die ganze Zeit nicht mehr als 20 Punkte auseinander. Die meiste Zeit haben die Prides geführt und dann hat ihr Sucher den Schnatz gesehen. Es war so gut wie entschieden, da kam Bagman plötzlich zack! – wie aus dem Nichts und hat ihm die Klatscher nur so um die Ohren gehauen! Der Sucher hat völlig die Orientierung verloren und dann haben die Wespen den Schnatz gefangen, obwohl ihr Sucher auf der anderen Seite des Feldes war. McCormack war so wütend, dass sie ihre Handschuhe über das ganze Feld geworfen hat."

James lachte.

„Das hätte ich gerne gesehen! Sieht so aus, als wenn die Prides wieder im Kommen wären, wenn sie die ganze Zeit geführt haben. Ihre beste Zeit hatten sie nämlich vor etwa zehn Jahren."

„Ich hätte lieber die Weltmeisterschaft gesehen. Aber Mum und Dad wollten nicht extra nach Deutschland reisen..."

„Es war großartig! Im polnischen Bereich war alles rotweiß und hundert Meter wurde es dann überall blauweißrot. Und dazwischen lag ein schmaler Streifen schwarzrotgold, weil die Leute nämlich teilweise schon mehrere Wochen vorher angereist sind und einfach niemand damit gerechnet hat, dass die Goblins im Halbfinale gegen die Heidelberger Vandalen gewinnen. Und die Zelte! Die Muggleschutz-Zauberer vom deutschen Zaubereiministerium sind fast durchgedreht! Ein paar von ihnen haben ständig die Nationalhymne gesungen und dabei versucht, die gegnerischen Zelte zu übertönen. Eine Gruppe von Anti-Magiegeheimhaltungsleuten hat ein Quidditch-Feld aufgebaut und die Muggle aus der Umgebung zu einem Spiel eingeladen."

„Hast du mitgespielt?", wollte Peter atemlos wissen.

„Ich wollte. Aber Dad hat mich erwischt... Und Mum wollte nicht, dass ich 50 Galleonen auf die Goblins setze, dabei waren die Quoten so gut!"

„Vielleicht ist es gut, dass sie dich daran gehindert hat", warf Peter weise ein. „Beim Freundschaftsturnier gab es auch Wetten und Mike Mishepp hat sein ganzes Gringotts-Verlies auf die Prides gesetzt und die Hobgoblins müssen jetzt ein Konzert mit Celestina Warbeck geben."

„Urgh", James machte ein würgendes Geräusch, „Celestina Warbeck ist furchtbar."

Sirius wusste, dass James und Peter das Gespräch nur für ihn führten. Er hörte zu, wie James von den Mannschaftsmaskottchen erzählte (Feen und dressierten Jarveys; die Jarveys hatten die gegnerische Mannschaft auf das Übelste beschimpft) und von den beiden Quidditch-Spielern, die Polen den Sieg in erster Linie eingetragen hatten: Igor Blowowski, Jäger, genannt Doppelkopf, weil er angeblich seine Angriffe so schnell flog, dass man ihn doppelt sah, und Roman Farinowski, der dem gegnerischen Sucher mit einer eigentlich unmöglichen Kombination aus Faultierrolle und abgewandeltem Ikarus-Bluff den goldenen Schnatz vor der Nase weggeschnappt hatte (und danach aus sieben Metern Höhe abgestürzt war).

„Aber als die Goblins den Pokal überreicht bekommen haben, war er schon wieder auf den Beinen", schloss James seine Erzählung ab. „Entweder haben die Medi-Magier ganze Arbeit geleistet oder er hatte einfach Riesenglück."

„Ich wäre auch gerne zur Weltmeisterschaft gefahren..."

Peter klang etwas neidisch.

„Vielleicht das nächste Mal. Immerhin hast du Ludo Bagman in Aktion gesehen, das ist auch nicht so schlecht."

„Jaa..."

Kurz herrschte Schweigen. Dann fragte James: „Und was ist sonst noch so den Sommer über passiert?"

„Ein Tag vor dem Finale beim Freundschaftsturnier haben sich Leute als Todesser verkleidet, aber glücklicherweise hat die magische Strafverfolgungspatrouille sie gleich festgenommen. Mum hätte mich danach beinahe nicht mehr zum Finale gelassen", berichtete Peter.

„Idioten", urteilte James verächtlich. „Longbottom und seine Freundin sind von echten Todessern angegriffen worden."

Obwohl er sich eigentlich vorgenommen hatte, sich nicht in das Gespräch einzumischen, platzte es aus Sirius heraus: „Frank Longbottom ist angegriffen worden? Warum? Was ist passiert?"

„Sie haben sich beide für die Aurorenausbildung beworben, das ist passiert", erklärte James grimmig. „Erst haben sie Drohbriefe erhalten und dann hat jemand ihr Haus angezündet. Sie sind jetzt bei Franks Mutter untergekommen."

„Scheiße...", murmelte Sirius bestürzt. Er hatte nichts von alldem mitbekommen.

„Geht es ihnen gut?"

James nickte.

„Bis auf ein paar Brandblasen haben sie nichts abbekommen. Ich habe Longbottom zufällig in der Winkelgasse getroffen und er hat mir alles erzählt."

„Wenigstens etwas." Unbewusst massierte sich Sirius die Schläfen, die im pochenden Rhythmus seiner Kopfschmerzen zu pulsieren schienen. „Was habe ich noch verpasst?"

„Es gab noch ein paar Angriffe und Einschüchterungsversuche gegen Mugglestämmige, aber so weit nichts Ernstes, wenn du Morddrohungen, Heuler und Schockzauber als 'nichts Ernstes' bezeichnen willst."

„Verdammte Reinblutfanatiker!", fluchte Sirius. „Irgendjemand, den wir kennen?"

„Benjy Fenwick, falls du dich noch an ihn erinnerst."

„Ja, tue ich. Noch jemand?"

James schüttelte den Kopf.

„Nein. Aber im Grunde spielt das ja auch gar keine Rolle. Niemand hat das Recht, andere wegen ihrer Herkunft anzugreifen oder zu bedrohen."

Sirius nickte zustimmend.

„Noch etwas?"

„Im Zaubergamot wurde ein Antrag zur Beschränkung der Rechte und Freiheiten nichtmenschlicher Wesen gestellt", warf Peter ein. „Die Kobolde sind furchtbar wütend geworden."

„Und?"

„Der Antrag ist vorerst ausgesetzt worden, nachdem sich ein paar wichtige Ministeriumsmitarbeiter und Geschäftsmänner dagegen ausgesprochen haben", erklärte James.

„Verstehe."

„Tja und dann ist noch etwas richtig Gutes passiert", sagte James mit einem breiten Grinsen. „Es gab noch einen Angriff."

Sirius runzelte die Stirn.

„Was soll an einem Angriff gut sein?"

James' Grinsen wurde noch breiter.

„Malfoy ist angegriffen worden!", platzte es aus ihm heraus. „Wette, das hat ihm gar nicht gepasst, mal auf der anderen Seite zu stehen."

„Ach so." Sirius ließ sich wieder gegen die kühle Fensterscheibe sinken. „Ja, ich weiß. Ich war dabei."

„Waaas?!" James starrte ihn fassungslos an. „Und das sagst du erst jetzt? Ich dachte, du bist den ganzen Sommer nicht aus dem Grimmauldplatz rausgekommen! Wer hat Malfoy angegriffen? Ich will ihm eine Glückwunschkarte schicken. Hat Malfoy wenigstens ordentlich was abbekommen?"

Sirius schnaubte verächtlich.

„Das war nur ein armer Irrer, der sich vorher Mut antrinken musste. Er hat Malfoys Salon in die Luft gejagt und dann das Weite gesucht."

„So schlecht kann er nicht gewesen sein, wenn er es nach Malfoy Manor reingeschafft hat", gab James zu bedenken. Sirius schüttelte den Kopf.

„Pures Glück. Lucius und Narzissa haben mitten in den Hochzeitsvorbereitungen gesteckt. Der Hauself hat gedacht, der Angreifer wäre einer von den vielen Lieferanten und hat ihn reingelassen."

„Ach so." James klang enttäuscht. „Naja, immerhin etwas."

Bevor sich wieder Schweigen ausbreiten konnte, ging die Abteiltür auf.

„Lust auf ein paar Süßigkeiten, ihr Lieben?"

James sprang auf.

„Klar!"

Sirius wandte den Blick ab. Er hatte furchtbaren Hunger, aber gleichzeitig wurde ihm beim süßlichen Geruch der Schokofrösche, Lakritzzauberstäbe und Kürbispasteten schlecht.

Als die Süßigkeitenhexe wieder weg war, hatte James vermutlich den halben Wagen leer gekauft. Entschieden schob er Sirius einen großen Anteil zu. Sirius ignorierte ihn. Aber bevor James etwas sagen konnte, ging die Abteiltür wieder auf und Remus kam herein. James grinste breit.

„Uuuhh, das ist ja unser braver Vertrauensschüler..."

Remus verdrehte genervt die Augen, ließ sich neben Sirius auf seinen Platz fallen und nahm sich einen Schokofrosch.

„Ich vermute, ich sollte euch vorwarnen", sagte er nüchtern, während er das Papier aufriss, „Lily will euch im Auge behalten. Sie hat gesagt, sie würde es nicht zulassen, dass ihr Unschuldige terrorisiert und die Leute bei den Vorbereitungen auf ihre ZAGs stört."

James grinste.

„Wann haben wir jemals Unschuldige terrorisiert? Glaubt mir, selbst Erstklässler haben es faustdick hinter den Ohren."

Remus biss dem Schokofrosch den Kopf ab.

„Ich glaube, sie meint Sn...Schniefelus."

James' Miene wurde finster.

„Schniefelus? Ich verstehe einfach nicht, was sie an diesem Mistkerl so toll findet! Und er ist garantiert alles andere als unschuldig! Ich meine, er steckt bist zum Hals in den dunklen Künsten. Das muss ihr doch aufgefallen sein!"

Remus zuckte mit den Schultern und sah sich nach weiteren Schokofröschen um. Sirius schob ihm seinen Anteil zu, was ihm einen finsteren Blick von James einbrachte.

„Die Schokolade würde dir auch gut tun, Black. Und die Lakritzzauberstäbe mag Remus eh nicht."

Zu Sirius' Überraschung kam ihm Remus zu Hilfe.

„Lass ihn, James." Er holte ein zerfleddertes Kartenspiel aus der Tasche. „Wer ist bei einer Partie Zauberschnippschnapp dabei?"


Es war schon dunkel, als der Hogwarts-Express endlich anhielt. Nachdem er so lange gesessen hatte, fiel es Sirius schwer, aufzustehen. Seine Muskeln waren steif, ihm tat jeder einzelne Knochen weh und seine Kopfschmerzen pulsierten immer noch im rhythmischen Rattern des Zuges. Der kurze Weg vom Bahnsteig zu den Kutschen erschien ihm endlos. Sie stiegen in eine der letzten Kutschen und Sirius war sich bewusst, dass das nur daran lag, dass er so langsam ging, aber mittlerweile war er zu erschöpft, um sich noch darüber zu ärgern.

Die Große Halle sah wie immer fantastisch aus, aber Sirius hatte keinen Blick dafür. Als die Erstklässler hereinkamen, erhob sich plötzlich Gemurmel und Gezischel. James stieß Sirius den Ellenbogen in die Seite. Er sah auf. Zwischen den Erstklässlern ragte ein großer dunkelhäutiger Junge auf. Sirius schätzte, dass er ein Sechst- oder Siebtklässler sein musste.

„Wer ist das?", wollte Davey Gudgeon wissen. „Wenn das ein Erstklässler ist, bin ich der Papst."

Sirius und James tauschten verwirrte Blicke aus. Was zur Hölle war ein Papst?

„Das ist kein Papst", erklärte Kingsley Shacklebolt stolz, „das ist mein Bruder. Er ist bisher in Beauxbatons zur Schule gegangen."

„Boba...was?", wiederholte Davey Gudgeon.

„Beauxbatons", erklärte Lily Evans. „Eine Schule für Hexerei und Zauberei in Frankreich."

Gudgeon starrte sie mit offenem Mund an.

„Es gibt noch andere Zaubererschulen?"

Bevor jemand antworten konnte, öffnete sich der Riss an der Krempe des Sprechenden Huts und er begann zu singen.

Das Lied und die Auswahl zogen sich endlos hin. Mittlerweile bereute Sirius, dass er Remus seine ganzen Süßigkeiten gegeben hatte. Seine Übelkeit war vergangen, der Hunger war geblieben. Dumpf registrierte er, dass Shacklebolt, Rex ein Gryffindor wurde, sehr zu Freude seines kleinen Bruders. Kaum hatte Dumbledore das Festmahl mit einem nach Sirius' Geschmack viel zu fröhlichen „Haut rein!" eröffnet, lud er sich den Teller voll und begann zu essen.

„Merlin, Black, bist du über die Ferien verhungert?", wollte Davey Gudgeon scherzhaft wissen. „Man könnte denken, du hättest wochenlang nichts mehr gegessen!"

Sirius zwang sich, langsamer zu essen und in aller Ruhe einen Schluck Kürbissaft zu trinken.

„Unser Hauself mag mich nicht", erklärte er gelassen. „Er versalzt ständig mein Essen."

Gudgeon starrte ihn an.

„Ihr habt einen Hauselfen?"

Natürlich hat Black einen Hauselfen", mischte sich Jackson Finley mit überlegener Stimme ein. „Du hast doch nicht ernsthaft geglaubt, dass die alten reinblütigen Familien ihr Essen selber kochen, oder?"

Davey Gudgeon zuckte mit den Schultern.

„Ich wünschte, ich hätte einen Hauselfen", sagte er mit träumerischer Stimme. „Er könnte mein Zimmer aufräumen und den Müll für mich runterbringen und den Rasen mähen..."

Jackson Finley schnaubte verächtlich.

„Träum weiter."

„Hört nicht auf ihn", mischte sich Marcia Finley ein. Mit gesenkter Stimme fuhr sie fort: „Wir leben jetzt bei unseren Großeltern und Jackson dürfte die ganzen Ferien über nicht einmal zaubern. Ich habe zwar den Tagespropheten abonniert, aber Oma und Opa haben uns nicht zur Quidditch-Weltmeisterschaft oder dem Freundschaftsturnier gelassen. Das hat ihn ziemlich frustriert. Sie haben sogar überlegt, ob sie uns überhaupt nach Hogwarts fahren lassen sollen."

James starrte sie ungläubig an.

„Aber warum das denn? Hogwarts ist der sicherste Ort der Welt! Jeder weiß das!"

„Unsere Großeltern sind Muggle", erklärte Marcia Finley. „Sie kennen sich in der magischen Welt nicht so aus."

„Sie kapieren einfach überhaupt nichts!", stellte Jackson Finley klar und begann, wütend sein Gemüse zu zerhacken.

„Jackson!"

Und Marcia Finley begann, mit gesenkter Stimme auf ihren Bruder einzureden.

Sirius wandte sich nachdenklich wieder seinem Essen zu. Offensichtlich war er nicht der einzige, dessen Ferien nicht optimal verlaufen waren. Glück für sie, dass Muggle keine unverzeihlichen Flüche beherrschen.

„So und da wir nun alle gefüttert und gewässert sind", erhob sich Dumbledores Stimme über die allgemeinen Gespräche, „ist es Zeit für ein paar Ankündigungen. Ich möchte alle Schüler daran erinnern, dass das Betreten des Verbotenen Waldes strengstens verboten ist. Von der Peitschenden Weide sind mindestens 15 Meter Abstand zu halten. Einige von euch haben schon die Erfahrung gemacht, dass dieser Baum äußerst reizbar und schlagfertig ist, und ich würde keinem raten, diese Erfahrung zu wiederholen." Er machte eine Pause, um seine Worte wirken zu lassen. „Mr. Filch lässt daran erinnern, dass Zaubern und ganz besonders Duelle auf den Gängen nicht gestattet sind. Die Quidditch-Auwahlspiele finden in der zweiten Woche hat. Wer Interesse hat, möge sich bitte an Madam Hooch wenden. Und zum Schluss möchte ich noch eine Änderung im Kollegium bekannt geben: Prof. Tofty hat sich bereit erklärt, dieses Jahr Verteidigung gegen die dunklen Künste zu unterrichten!"

Ein älterer, kahlköpfiger Herr erhob sich und lächelte freundlich. Es folgte eher verhaltener Applaus.

„Hoffentlich steht er überhaupt seine erste Unterrichtsstunde durch...", hörte Sirius James murmeln.

„Nun denn, dann würde ich vorschlagen, dass ihr jetzt alle in die Schlafsäle geht", fuhr Prof. Dumbledore fröhlich fort. „Die Vertrauensschüler zeigen den Erstklässlern bitte den Weg."

Kaum hatte er zu Ende gesprochen, gingen die Gespräche wieder los. Sirius fühlte sich unglaublich müde. Als er aufstand, musste er sich am Tisch festhalten, weil ihm für eine Sekunde schwarz vor Augen wurde. Sein Kopf dröhnte, die Welt schwankte um ihn herum, ihm tat alles weh und er fragte sich ernsthaft, wie er es in den Gryffindor-Turm schaffen sollte.

Einen Augenblick später war schon wieder alles vorbei, er konnte wieder klar sehen und der Boden unter seinen Füßen fühlte sich wieder stabil an. Aber er fühlte sich immer noch müde und zerschlagen und die Kopfschmerzen waren schlimmer denn je.

„Also, dann lasst uns mal gehen", murmelte und erschrak selbst, wie müde seine Stimme klang.

„Ich muss die Erstklässler in die Schlafsäle bringen", sagte Remus fast entschuldigend. „Ja, ich komme schon, Lily!"

Er eilte davon. Automatisch wanderte Sirius' Blick zu James.

„Geht schon mal vor", meinte dieser, „ich...habe noch etwas zu erledigen. Ich komme nach."

Und dann war auch er verschwunden. Sirius starrte ihm hinterher und fragte sich, warum ihm das eigentlich so viel ausmachte. Schließlich ging es nur um den Weg von der Großen Halle in den Gryffindor-Turm.

„Also, gehen wir?", fragte Peter. Ein Hauch von Ungeduld schwang in seiner Stimme mit. Sirius nickte wortlos.

Der Weg in den Gryffindor-Turm schien endlos zu sein. Er war Sirius noch nie so lang vorgekommen und ihm war noch nie bewusst gewesen, wie viele Treppen bis nach oben zu bewältigen waren. Sie hatten noch nicht mal die Hälfte hinter sich, da ging sein Atem schon stoßweise und ihm standen die Schweißperlen auf der Stirn. Und dann wurde ihm auch noch schlecht.

„Muss kurz aufs Klo", konnte er gerade noch murmeln, bevor er die Tür aufstieß und sich in das nächste Waschbecken übergab. Als er so gut wie alles, was er heute Abend gegessen hatte, von sich gegeben hatte, blieb Sirius noch einen Moment schwer atmend stehen. Die Arme schwer auf das Waschbecken gestützt, starrte er den Spiegel. Eine fremde Person starrte zurück. Er sah bleich und ausgemergelt aus. Unter seinen Augen lagen dunkle Schatten und ihm standen Schweißperlen auf der Stirn. Wenn man genau hinsah, konnte man noch die Reste eines alten Blutergusses erkennen. Ich bin ein verdammtes Wrack.

Peter wartete draußen vor der Tür auf ihn.

„Verdammt, Pettigrew, ich bin kein Invalide!", fauchte er, als Peter ihm seine Tasche abnahm. Peter ignorierte ihn und Sirius protestierte kein zweites Mal.

Im Schlafsaal wurden sie bereits von James erwartet. Peter verschwand schnurstracks hinter den Vorhängen seines Himmelbetts. Sirius schlug den gleichen Kurs ein, aber James setzte sich zu ihm auf sein Bett, bevor Sirius die Vorhänge zuziehen konnte. Er hielt eine bauchige Flasche in der Hand

„Was ist das?", wollte Sirius misstrauisch wissen.

„Ein Trank gegen Schmerzen."

Sirius spürte, wie Wut in ihm aufstieg, ohne dass er genau sagen konnte weshalb.

„Ich brauche deinen Trank nicht, Potter!", knurrte er. „Gib ihn Lupin, der hat's nötig!"

James schüttelte den Kopf.

„Ich werde dich ganz bestimmt nicht zwingen, den Trank zu trinken, Sirius. Mach damit, was du willst, aber nimm ihn. Bitte", fügte er hinzu. Sirius zögerte. Wenn er den Trank nahm, würde er schlafen können und am nächsten Tag würde es ihm schon besser gehen. Wenn er den Trank jedoch nicht nahm, würden ihn seine Schmerzen nicht schlafen lassen. Es war verlockend. Er machte schon Anstalten, die Hand nach der Flasche auszustrecken, als ein schrecklicher Verdacht in ihm aufstieg.

„Wo hast du den Trank her, Potter?", wollte er wissen. „Du warst bei Pomfrey!"

Falls James vorgehabt hatte, ihn anzulügen, besann er sich eines Besseren.

„Ja", gab er nach kurzem Zögern zu.

„Du hast..."

Sirius war so fassungslos, dass ihm die Worte im Halse stecken blieben. Du hast ihr alles erzählt? Du hast ihr alles verraten? Die Fluchnarbe auf seiner Brust...das dünne Narbengeflecht auf seinem Rücken...die Nachwirkungen des Cruciatusfluchs...

„Beruhige dich, Sirius!"

Sirius bemerkte erst, dass er nach seinem Zauberstab gegriffen hatte, als James seinen Zauberstabhand packte und eisern festhielt.

„Ich habe ihr gar nichts verraten, okay? Ich habe ihr gesagt, dass einer von uns Kopfschmerzen hat, obwohl du eindeutig in den Krankenflügel gehörst!" Er atmete einmal tief durch und fuhr mit ruhigerer Stimme fort: „Bitte, Sirius. Nimm den Trank einfach. Du musst ihn nicht trinken, du kannst ihn auch aufheben oder später Remus geben. Aber nimm ihn."

Sirius reagierte nicht. Er wusste nicht wie. Er wollte den Trank unbedingt haben und gleichzeitig konnte er ihn einfach nicht nehmen. James wartete noch einen Augenblick, dann stellte er den Trank heftiger als nötig auf Sirius' Nachttisch.

„Gute Nacht, Sirius."

Hinter den zugezogenen Vorhängen seines Himmelbetts drehte Sirius die bauchige Flasche nachdenklich in den Händen. Wenn er sie austrank, hatte er verloren. Dann gab er zu, dass sie alle Recht gehabt hatten mit ihren Vermutungen und ihrem Misstrauen. Dann wussten sie mit Sicherheit, dass es ihm nicht gut ging und jemand im Grimmauldplatz dafür verantwortlich war. Und wenn du sie nicht trinkst? Glaubst du, dann nimmt dir jemand ab, dass es dir gut geht und du kein verdammtes menschliches Wrack bist?

Entschlossen zog Sirius den Korken aus der Flasche. Er hatte das Versteckspiel in dem Augenblick verloren gehabt, als Walburga Black ihm die Fluchnarbe auf seiner Brust verpasst hatte. Er täuschte niemanden mehr. Und er hatte auch keine Kraft mehr dafür. Er wollte einfach nur noch schlafen und falls der Schlaf für immer sein sollte, störte ihn das auch nicht mehr.


Als Sirius erwachte, war es dunkel um ihn herum und irgendetwas stimmte nicht. Wo war er? Und wie spät war es eigentlich? Er konnte seine Uhr nirgends finden. Hatte er das Frühstück verpasst? Warum hatte Kreacher ihn nicht geweckt? Oder Regulus? Vater würde...aber darüber konnte er sich später Gedanken machen, wenn er aufgestanden war. Wo war bloß seine verdammte Uhr? Wenn er nur wüsste, wie spät es war, könnte er abschätzen...

Erst als Sirius die Vorhänge seines Himmelbettes aufriss und der Gryffindor-Schlafsaal im hellen Tageslicht vor ihm lag, fiel ihm ein, dass er nicht mehr im Grimmauldplatz, sondern in Hogwarts war. Und das Schlimmste, was ihn hier erwartete, war eine lächerliche Strafarbeit. Trotzdem beruhigte sich sein Puls erst, als er seine Uhr gefunden hatte und endlich die Uhrzeit wusste. Es war drei Uhr nachmittags – noch drei Stunden bis zum Abendessen, noch vier Stunden bis...Schluss damit! Du bist nicht mehr im Grimmauldplatz! – und die anderen würden bald von ihrer letzten Stunde zurückkommen.

Auf seinem Nachttisch entdeckte Sirius belegte Brote und Süßigkeiten, Remus' feinsäuberliche Notizen aus Zauberkunst und Geschichte der Zauberei und seinen Stundenplan. Zu seiner Überraschung stellte er fest, dass er Hunger hatte. Trotzdem zögerte er, sich ein Brot zu nehmen.

Er war zurück in Hogwarts, er hatte die Sommerferien im Grimmauldplatz überstanden. Er hätte Freude empfinden sollen, aber er tat es nicht. Alles, was er spürte, war eine dumpfe Leere und eine bleierne Müdigkeit, obwohl er gerade den halben Tag verschlafen hatte.

Er hätte sich freuen sollen, seine Freunde wiederzusehen, stattdessen verspürte er den Wunsch, die Vorhänge seines Himmelbetts wieder zuzuziehen und sich schlafend zu stellen, wenn die anderen kamen.

Schließlich gewann sein Hunger die Oberhand und er nahm sich ein Brot. Diesmal aß er langsamer und vorsichtiger als am Abend zuvor in der Großen Halle. Überraschenderweise fühlte er sich danach besser.

Kurze Zeit später kamen die anderen.

„Wenn mir noch einer erzählt, dass wir die ZAGs ernst nehmen sollen, dann lasse ich Kesselbrands Billywig-Schwarm in der Großen Halle frei", murrte James. „Merlin, bis zu unseren ZAGs ist es noch ewig! Die sollen sich mal nicht so anstellen..."

„Genau genommen sind es noch neun Monate bis zu den ZAGs", erklärte Remus. „Das ist alles andere als ewig."

„Ich habe gehört, sie sollen furchtbar schwer sein", murmelte Peter und fummelte besorgt an seinem Stundenplan herum. Remus nickte zustimmend.

„Peter hat Recht. Das ganze fünfte Schuljahr dient vor allem als Vorbereitung auf die ZAGs. Dieses Jahr werdet selbst du und Sirius lernen müssen, ob ihr wollt oder nicht. Und glaubt ja nicht, dass ich euch dieses Jahr in Geschichte der Zauberei abschreiben lasse!"

„Ach was, das sagst du nur so und dann lässt du uns doch abschreiben", gab James großspurig zurück. Ein klein wenig Besorgnis schwang allerdings in seiner Stimme mit.

„Sonst machen wir dir nämlich deine Patrouillengänge zur Hölle", ergänzte Sirius.

„Sirius!" James war sofort an seinem Bett. „Du bist wach! Geht es dir besser?"

„Mir geht es gut."

Bis auf die Kopfschmerzen. Und die Gliederschmerzen. Und Aufstehen war vermutlich auch keine gute Idee.

„Du solltest auch etwas Schokolade essen", mahnte Remus. „Das hilft, glaub mir."

„Ich sagte doch schon, es geht mir gut, Lupin!"

Sirius wusste selbst nicht genau, warum er so gereizt reagierte. Verdammt, er hatte Remus vorhin einfach nur etwas aufziehen wollen! Warum mussten sich gleich alle auf ihn stürzen, als ob er schwerkrank wäre? Konnten sie ihn nicht einfach...normal behandeln?

„Wie war Verteidigung gegen die dunklen Künste?", fragte er, um ein anderes Thema zu kommen. „Hat Tofty die Stunde überlebt?"

„Überlebt?", wiederholte James. „Ich sag dir, wir haben ihn überlebt! Er hat von nichts anderem als den ZAGs gesprochen! Und Slughorn und Binns hatten auch nichts anderes im Kopf! Man könnte meinen, unser Leben hängt davon ab!"

„Naja, das tut es ja in gewisser Weise auch", warf Remus ein. „Die ZAGs entscheiden darüber, was wir später machen können."

Bei einigen tun sie das vielleicht. Sirius wusste, dass es völlig egal war, wie viele ZAGs er bekam und welche Noten er hatte. Natürlich wurden von ihm nur Bestleistungen erwartet, aber seine Zukunft war in dem Augenblick besiegelt gewesen, in dem er als der Erbe der Blacks auf die Welt gekommen war.

„Ja, ja." James machte eine wegwerfende Handbewegung. „Du bist Vertrauensschüler, Remus, du musst das sagen."

Remus verdrehte genervt die Augen.

„Dass ich Vertrauensschüler bin, hat damit rein gar nichts zu tun."

Aber James hörte schon längst nicht mehr zu.

„Hast du schon den Tagespropheten gelesen?", fragte er und warf Sirius eine zerfledderte Ausgabe zu. Reflexartig fing Sirius die Zeitung auf. Die plötzliche Bewegung ließ seine Kopfschmerzen von einem dumpfen Pochen zu einem Hämmern anschwellen, Schmerz schoss durch seinen Arm, aber er ließ sich nichts anmerken.

„Bagman ist zum Quidditch-Spieler des Jahres gewählt worden", fuhr James unbekümmert fort. Remus verdrehte die Augen.

„Geht das schon wieder los..."

Aber Sirius war froh, dass James über Quidditch sprach. Es lenkte ihn von seinen Schmerzen ab. Und die anderen von ihm.

„Er ist wirklich der beste Treiber, den die Wimbourner Wespen je hatten. In nur einem Jahr hat er die Wespen zu einer der Topmannschaften in Großbritannien gemacht! Es ist gleich auf der ersten Seite die Titelstory!"

Sirius schlug die Zeitung auf. Der menschliche Klatscher – Bagman wird Quidditch-Spieler des Jahres,titelte der Tagesprophet. Darunter war ein Foto von Ludo Bagman neben einem muskulösen Mann mit Sommersprossen, der einen Schal in den Farben der Wimbourner Wespen um den Hals hängen hatte.

„Sein Freund, Mike Mishepp", erklärte James. „Die beiden haben zusammen als Treiber gespielt, aber am Ende hat es nur Bagman geschafft. Aber Mishepp kommt immer noch zu jedem seiner Spiele. Mann", er ließ sich auf Sirius' Bett fallen, „ich wünschte fast, ich wäre nicht zur Weltmeisterschaft gefahren. Ich hätte Bagman zu gern in Aktion gesehen. Peter, erzähl noch mal, wie Bagman die Prides am Ende in die Tasche gesteckt hat..."

Sirius war sich nicht sicher, ob James es absichtlich getan hatte oder ob es Zufall war, dass er ihm den Tagespropheten gezeigt hatte, aber er war dankbar für die Ablenkung. Und Peter tat natürlich nichts lieber als das Spiel zwischen den Wespen und den Prides in allen Einzelheiten zu beschreiben und das, nach Remus' Reaktion zu urteilen, nicht zum ersten Mal.