Kapitel 1
Dies hier war absolut nicht seine Definition eines ruhigen und gemütlichen Abends! Weit gefehlt!
In der Regel bat er seine Berater darum, nur informelle Treffen in die späten Abendstunden zu legen. Aber dieses Mal hatte irgendjemand nicht die Wichtigkeit dieses Meetings und die Tragweite der zu fällenden Entscheidungen erkannt. Die Thematik verlangte nach einem kühlen Kopf, zusätzlich zu einer fokussierten Ratio, und nicht nach einem überarbeiteten Gehirn, dass eigentlich nichts anderes mehr wollte, als nach nach einem Flug nach Hause zu verlangen!
Nun aber gab es keinen Ausweg mehr; er saß in seinem Büro fest und die Delegation wartete draußen bereits auf die Erlaubnis in sein Büro eintreten zu dürfen.
Dieses Meeting würde ihm mindestens eine weitere Stunde kosten, oder auch zwei, bevor er seine Arbeit für heute beenden durfte.
Heute würde gewiss kein Sithtechniktraining mehr in seinen Terminkalender passen, nahm er seufzend an. Er wünschte sich wirklich etwas freie Zeit, natürlich unbemerkt von seinem Büropersonal, dass nichts Besseres im Sinn hätte, diese wenige freie Zeit wieder minutiös zu verplanen. Etwas Zeit, um unbemerkt in Richtung Industriegebiet zu verschwinden, um dort mit seinem Lichtschwert zu trainieren, oder um zumindest etwas an seiner schwindenden Kondition zu arbeiten.
Sein letzter Besuch im Industrieviertel war anlässlich eines Treffens mit seinem Schüler gewesen, Count Dooku; aber zumindest hatte er gelegentlich einige Minuten in seinem Trainingsraum in Republica 500 zugebracht. Spät nachts, nach langen und sehr stressigen Tagen; dafür beschnitt er gerne seine sowieso schon recht kurze Nachtruhe!
Dieses immense Zerren an seiner Gesundheit, durch Stress und wenig Ruhephasen, hatten ihn morgens sehr müde und abgespannt, fast schon krank aussehen lassen. Das Gesicht weiß, der Körper übermäßig schlank; fast schon fragil. Seine zunehmende Frustration, die sich in schlechter Laune äußerte, blieb unbeachtet und unterdrückt.
Niemals zeigte er seine wahren Gefühle der Öffentlichkeit. Wenn er Gefühle zeigte, so waren diese in der Regel geplant und dienten entsprechenden Zwecken.
Er war stets vorbereitet auf öffentliche Auftritte und konnte die Massen spielend in seinen Bann ziehen.
Cos Palpatine hätte gewiss einen vortrefflichen Schauspieler abgegeben, hätte er nicht bereits in jungen Jahren beschlossen Politiker zu werden.
Es gab Situationen, da war er über seine getroffenen Entscheidungen frustriert, doch er tat, was von einem Sithlord erwartet und verlangt wurde, um sein Schicksal zu erfüllen.
Die Vernichtung des Jediordens war sein Schicksal. Die Sith hatten Jahrhundert um Jahrhundert auf diesen Moment gewartet, der von Tag zu Tag näher rückte. Tatsächlich war der Tag recht nah,....von all den Jahrhunderten des Wartens aus betrachtet.
Pestage, sein Berater, Gehilfe und Freund, führte die Delegation hinein, blickte ihn fragend an, zog sich dann aber zurück, als er keine Reaktion Palpatines erkennen konnte.
Zu seiner großen Überraschung bestand das Aufgebot der Delegation lediglich aus den Senatoren Bail Organa von Alderaan und der neu gewählten Mon Mothma von Chandrila.
Er erhob sich von seinem Sessel, um sie freundlich zu begrüßen. Trotz der späten Stunde galt es, höflich und zuvorkommend zu erscheinen. Auch Mon und Bail achteten auf Höflichkeit. Sie verbeugten sich grüßend und nahmen nach Aufforderung auf den Sesseln vor seinem Schreibtisch platz.
Der Senator von Alderaan ergriff auch sogleich das Wort.
"Ich muss meine Mitsenatoren für ihr Fernbleiben entschuldigen, Kanzler, aber ich versichere Euch, wir sind dazu berechtigt, für sie zu sprechen."
"Nun gut,...ich habe mich bereits durch eure Texte und Notizen gelesen, die ihr mir im Vorfeld geschickt habt, bezüglich eurer Angelegenheit, und ich stimme euch zu, dass..."
Palpatines Comlink gab einen warnenden Piepser von sich und störte damit das Treffen der Senatoren mit dem Kanzler. Mit einem entschuldigenden Lächeln auf den Lippen, griff Palpatine nach dem Comlink und beantwortete die eingehende Nachricht sofort.
Die Senatoren konnten nicht hören oder gar verstehen, was das Individuum auf der anderen Seite der Verbindung sagte, doch dass es keine guten Nachrichten waren, konnten sie leicht an der erstarrenden Mimik des Kanzlers ablesen. Er wurde blass, die Lippen presste er aufeinander.
Und in der Tat war der Grund der Unterbrechung etwas, worum sich der Kanzler sofort zu kümmern hatte.
"Unglücklicherweise muss ich um eine Verschiebung unserer Unterredung bitten, meine lieben Freunde, aber ich erhielt gerade die Nachricht, dass sich zwei Welten von der Republik losgesagt und den Separatisten angeschlossen haben."
"Welche Welten?", fragte Mon Mothma alarmiert. Ihre sonst ruhige Stimme zeigte eine Spur von Beunruhigung.
"Die Nachricht wurde noch nicht bestätigt, so dass ich euch lediglich diese dürftigen Informationen mitteilen darf. Ich bitte um euer Verständnis. Sobald ich näheres weiß, werde ich sofort eine Senatssitzung zusammenrufen."
Palpatine seufzte innerlich nachdem Mothma und Organa den Raum verlassen hatten. Sicherlich würden seine werten Mitsenatoren nun rasch in Richtung ihrer Heime aufbrechen, während er gezwungen war, noch weiter in seinem Büro zu verbleiben, um sich der Dinge anzunehmen, die da kamen.
"Ein Stim-Tee kann deine Laune vielleicht etwas heben, eh?", Pestage trat mit einem Tablett zu ihm, stellte es auf dem Schreibtisch ab und goss dem Kanzler eine Tasse der dampfenden Flüssigkeit ein. Stim-Tee war bekannt dafür, bei Einnahme die Gehirnwindungen zu stimulieren. Palpatine weigerte sich, auch nur einen Schluck zu sich zu nehmen. Er mochte gelegentlich eines Tasse diesen Tees, wenngleich er niemals explizit danach verlangt hätte. Es war stets Pestage gewesen, der ihm dieses Gebräu empfohlen hatte. Bitterer Geschmack; aufputschend.
"Aller Wahrscheinlichkeit nicht!"
"Ich könnte dir etwas...Gesellschaft...für die Nacht arrangieren."
Erneut brachte Palpatine nur ein Seufzen über die schmalen, blutleeren Lippen. Pestage war immer um ihn besorgt und umsorgte ihn, aber diese Angelegenheit war selbst für Pestage als engster Freund und Berater zu intim. Sein Freund hatte ihm schon oft angeboten, eine Prostituierte aus einem diskreten Bordell zu besorgen. Palpatine hatte dieses immer Angebot abgelehnt, bis auf ein einziges Mal. Die Angelegenheit hatte in einem Desaster geendet. Das arme Ding von Hure war nun ein Teil des Industriegebietes. Trauriger weise.
"Nein, ich brauche keine Gesellschaft jeglicher Art heute Nacht. Ich schätze, ich werde nicht einmal das Gebäude verlassen; es gibt dringendere Angelegenheiten, die meiner bedürfen."
"Ich richte dir dann dein Schlafzimmer her."
"Danach kannst du dich zurückziehen, Sate. Ich brauche deine Dienste heute nicht mehr. Gute Nacht."
"Gute Nacht, Kanzler."
Pestage verbeugte sich und verließ das Büro, um das Schlafzimmer in der kleinen angrenzenden Suite für eine Übernachtung Palpatines herzurichten. Danach würde er sich selbst auf den Weg nach hause zu machen. Vielleicht würde Palpatine auch tatsächlich die eine oder andere Stunde Schlaf finden können; in der Morgendämmerung.
Der Kanzler hatte wichtige Aufgaben, um die er sich zu kümmern hatte, dennoch bewegte er sich nicht in seinem Sessel. Er liebte die Stille in seinem Büro, wenn alle außer ihm...und seinen Leibgardisten das Gebäude verlassen hatten. Es war dann so friedlich.
Dieser Friede aber war eine Lüge.
Er war eine Lüge.
