Kapitel 2

Es fiel niemandem auf, wie merkwürdig sich Hermine verhielt. Sonst unterhielt sie sich immer mit den anderen Ordensmitgliedern, meistens waren es Diskussionen über soziale und politische Themen.

Doch heute saß sie still und leise auf ihrem Platz, hatte einen vollbeladenen Frühstücksteller vor sich stehen, ohne wirklich etwas zu essen und versuchte so unauffällig wie möglich auszusehen.

Vorsichtig schaute sie sich in der Küche nach Harry und Tonks um. Harry saß Ron gegenüber, war voll und ganz auf sein Frühstück fixiert und achtete nicht auf sie.

Tonks unterhielt sich gerade angeregt mit Remus. Der Werwolf verspeiste sein letztes Würstchen, griff sich seinen Umhang und verabschiedete sich. Als Tonks bemerkte, dass Hermine sie ansah, lächelte sie ihr zu und leckte sich verführerisch mit der Zungenspitze über die Lippen.

Sofort schoss alles Blut in Hermines Kopf und sie beeilte sich so gut wie möglich den Eindruck zu erwecken, als frühstücke sie. Aber schon der erste Bissen genügte. Sie hatte keinen Hunger.

„Hermine, ist alles in Ordnung?" fragte Mrs. Weasley.

Hermine zuckte zusammen, bemühte sich jedoch um einen möglichst unverfänglichen Gesichtsausdruck. Einen Gesichtsausdruck, der nicht wie ein offenes Buch verraten würde, woran Hermine gerade dachte.

„Ja, Mrs. Weasley, es geht mir gut." Antwortete sie.

Mrs. Weasley legte ihr eine Hand auf die Stirn. „Bist du dir sicher, Kind."

„Ja, ja. Ich hab letzte Nacht nur nicht gut geschlafen. Das wird es sein."

„Möchtest du dich noch ein wenig hinlegen? Schlaf ist die beste Medizin."

Hermine nickte, stand schnell auf und floh aus der Küche die Treppe hinauf in das Zimmer, das sie sich mit Ginny teilte. Erschöpft ließ sie sich auf ihr Bett fallen. Sie war wirklich müde.

Aber war das nach so einer Nacht auch ein Wunder?

Hermine schluckte schwer und schloss die Augen.

Das war es also. Ihr erstes Mal.

Sofort kehrten Hermines Gedanken an die letzte Nacht zurück. Mit dem ihr eigenen scharfsinnigen Verstand baute sie die Bruchstücke, der Erinnerungen zusammen, um jene Ereignisse zu rekonstruieren.

Sie war durch das Haus gegangen. Sie hatte Geräusche gehört. Sie war den Geräuschen nachgegangen. Sie war vor einer Tür, aus der die Geräusche kamen, stehengeblieben. Sie hatte die Tür geöffnet.

Und sie hatte Harry und Tonks beim Sex gesehen.

Hermine verlor sich in ihren Erinnerungen. Verlor sich in den Bildern, in den Gedanken und Empfindungen, die sie gedacht und gespürt hatte. Die Aufregung, die Angst, die Neugier.

Das Verlangen.

Unbewusst befeuchtete Hermine ihre Lippen mit der Zungenspitze.

Das Bild von Harrys nacktem Körper kam ihr in den Sinn und schickte warme Schauer durch ihren Körper. Noch zu gut hatte sie den kleinen, dünnen Jungen mit den viel zu großen Klamotten vor Augen, den sie damals im Hogwarts Express kennengelernt hatte. Für Hermine war es so gut wie unmöglich zu begreifen, dass beide ein und dieselbe Person sein sollten. Es war fast unvorstellbar, dass dieser starke und vitale, junge Mann, mit dem sie letzte Nacht das Bett - und noch einiges mehr – geteilt hatte, einmal jener kleine Junge gewesen sein sollte.

Hermine kam aus einer gutbürgerlichen Familie. Und wie viele Mädchen hatte sie die Idealvorstellung gehabt, dass sie eines Tages ihren Traumprinzen treffen und ihn heiraten würde, ohne zu wissen wie dieser Traumprinz eigentlich aussah oder was für einen Charakter er hatte. Auch jetzt hatte sie keine wirkliche Vorstellung.

Sollte Harry ihr Traumprinz sein? Der Gedanke erschreckte Hermine. Nein! Harry war ihr bester Freund. Der Bruder, den sie sich immer gewünscht, aber nie bekommen hatte. Er war ein Teil ihres Lebens. Obwohl…

Hermine dachte an letzte Nacht.

Harry war durchaus attraktiv, auf eine gewisse Art und Weise. Er entsprach nicht dem typischen Schönheitsideal und er besaß auch nicht die dazugehörenden Charakterzüge. Sein Körper war von den Narben, die ihm das Leben verpasst hatte gezeichnet. Er war launisch, hatte einen leichten Hang zur Depression und verfügte über wenig Selbstvertrauen, was zweifellos den Jahren der Grausamkeit unter seinen Verwandten geschuldet war. Aber gleichzeitig war er loyal, leidenschaftlich, und wer ihn zum Freund hatte konnte sicher sein, dass Harry alles tun würde, um zu helfen.

Gut genug erinnerte sich Hermine an die Gespräche im Mädchenschlafsaal. Meistens war es um das Thema „Jungs" gegangen. Und wenn sie an letztes Jahr dachte, fielen ihr auch einige äußerst anerkennende Kommentare über Harry ein.

Hermine hatte sich nie an den Schwärmarien beteiligt. Sicher, sie hatte den Mädchen zugestimmt und Harrys Vorzüge betont, ohne dabei zu sehr ins Detail zu gehen.

Aber – anders als ihre Mitschülerinnen – hatte Hermine nie daran gedacht mit Harry zu schlafen. Natürlich hatte sie festgestellt, dass er sich seit dem ersten Schuljahr sehr zum positivem verändert hatte, nicht nur rein äußerlich.

Und jetzt wusste sie auch, dass er sehr genau wusste, wie er mit einem Mädchen umgehen musste. Zumindest, was das Schlafzimmer anging.

Offenbar war Tonks eine gute Lehrerin gewesen.

Tonks.

Nun waren es keine warmen Schauer mehr, die durch ihren Körper geschickt wurden. Es waren Blitze, die sie genau dort trafen. Kurz warf sie einen Blick zur Tür und lauschte, ob jemand in der Nähe war. Als sie nichts hörte, zog sich Hermine hastig das T-Shirt und die Hose aus und wickelte sich in die Decke.

Sie begann sich zu berühren. Fuhr sich sanft mit den Fingerspitzen über das Gesicht und die Schultern. Dann wanderten ihre Hände tiefer. Berührten ihre Brüste. Streichelten ihren Bauch. Der BH störte. Ohne nachzudenken öffnete Hermine den Verschluss, zog sich den BH und das Höschen aus und warf beides neben ihr Bett. Der Stoff des Deckenbezugs und des Lakens fühlte sich kalt an. Hermine spürte wie ihre Brustwarzen steif wurden. Als sie sie mit den Fingerspitzen berührte, konnte sie ein Stöhnen nicht mehr unterdrücken.

Bilder von Tonks kamen ihr in den Sinn. Tonks, die sie in die Arme nahm. Ihr sanft über das Gesicht streichelte.

Tonks, die sie küsste.

Hermine versuchte sich an den Geschmack von Tonks Lippen zu erinnern. Die Erinnerung war vage. Sie hätte es nicht beschreiben können. Aber der Gedanke an das, was Tonks mit ihren Lippen auf ihrem Körper angestellt hatte, heizte Hermine nur noch weiter an. Sie erinnerte sich an den schlanken, athletischen Körper. Die kleinen, runden Brüste, die wie für diesen Körper gemacht schienen. Der Geschmack von Tonks Haut auf ihren Lippen. Tonks Brustwarzen in ihrem Mund.

Hermines rechte Hand fand den Weg dorthin, wo sie am meiste gebraucht wurde. Hitze empfing sie dort. Hermine fuhr sich einmal über die gesamte Länge und stöhnte laut auf. Sie zog ihre Finger hervor und betrachtete sie. Sie schimmerten feucht.

Einen Moment zögerte sie, dann führte Hermine die Finger an ihre Lippen und leckte sich mit der Zunge über die feuchten Fingerspitzen.

Der Geschmack brachte eine neue Flut an Erinnerungen und stürzte sie in einen Strudel aus Lust und Verlangen, aus dem es keinen Ausweg gab. Keuchend, stöhnend, manchmal sogar schreiend wälzte sich Hermine in ihrem Bett herum, warf ihren Kopf von einer Seite zur anderen, schnappte nach Luft.

Dann endlich kam die Erlösung. Brach über sie herein wie das Gewitter nach einem langen und heißen Sommertag und ließ Hermine erschöpft auf dem Bett zurück.

Mit der Decke über ihren nackten Körper drapiert, starrte sie mit halbgeschlossenen Augen an die Decke. Noch immer spürte sie das Pochen in ihrer Mitte.

Geistesabwesend wischte Hermine ihre Hand an der Decke ab und wickelte sich ein, während sie sich den Fantasien hingab.

Harry wartete, bis Rons atmen in ein gleichmäßiges Schnarchen übergegangen war. Dann stand er vorsichtig auf, holte den Tarnumhang unter dem Kissen hervor und zog ihn über. Er öffnete die Tür einen Spalt breit, linste hinaus auf den Gang und verließ das Zimmer.

Er musste nicht weit gehen. Trotzdem achtete Harry auf jedes Geräusch, das er hörte. Dem Hauselfen Kreacher wollte er auf keinen Fall über den Weg laufen.

Vor der Tür blieb er stehen, wartete noch einen Moment und klopfte dann in vereinbarten Abständen, mal kurz, mal lang. Kurz darauf wurde die Tür geöffnet und Harry schlüpfte hinein. Er zog den Tarnumhang aus und warf ihn beiseite.

„Endlich." Sagte Tonks und nahm in die Arme.

Harry erwiderte Tonks Umarmung und drückte sein Gesicht in ihre Halsbeuge. Mit geschlossenen Augen atmete er ihren Geruch ein. Sie roch nach dem Apfelshampoo, das sie immer benutzte. Harry löste sich von ihr und wollte sie küssen, doch Tonks legte ihm einen Finger auf die Lippen. Sie trat einen Schritt zurück, ging mit federnden Schritten und schwingenden Hüften an ihm vorbei zum Bett. Im Gehen öffnete sie den Gürtel ihres Morgenmantels und ließ ihn von ihren Schultern gleiten. Harrys Blick wanderte von ihren Schultern, über ihren Rücken, zu ihrem Hintern.

Tonks drehte sich um. Das Licht von draußen beleuchtete ihren schönen und schlanken Körper.

Für Harry sah sie aus wie eine Göttin.

Tonks lächelte Harry an und legte sich ins Bett. „Kommst du?" fragte sie.

Harry zog sich den Pyjama aus, bis er genauso nackt war wie Tonks. Dann kam er langsam auf das Bett zu. Wie ein Wolf auf seine Beute.

Als er direkt vor dem Bett stand, wurde er von Tonks gepackt und ins Bett gezogen. Nach einem kurzen Ringkampf fand er sich unter Tonks wieder, die auf seinen Hüften saß und seine Arme mit den Händen auf das Bett drückte.

„Tonks." Stöhnte Harry. Er konnte ihre Hitze und ihre Feuchtigkeit spüren.

„Schscht, Harry." Hauchte Tonks und küsste ihn. Sanft und zärtlich. Ohne Leidenschaft und Verlangen. Harry berührte ihre Oberschenkel, ihre Hüften, streichelte ihren Rücken.

Tonks richtete sich auf. Noch immer lächelte sie ihn an. Sie hob die Hüften an und nahm ihn in sich auf. Harry stöhnte laut auf. Tonks ließ mit geschlossenen Augen den Kopf in den Nacken fallen.

Für einen langen Augenblick genossen beide das Gefühl der Verbundenheit, das Gefühl einander nahe zu sein.

Schwer atmend schaute Tonks in Harrys Gesicht. Seine Augen waren aufgerissen und seine Muskeln angespannt. Kurz hatte sie wieder den Harry vor Augen, den sie vor ein paar Tagen kennengelernt hatte. Diesen verletzten und wütenden Jungen. Nichts war mehr davon übrig.

Tonks begann sich zu bewegen, hob ihre Hüften und ließ sie wieder sinken. Das Gefühl Harry ganz tief in sich zu spüren gab ihr ein Gefühl der Vollkommenheit, das sie so bei ihren vorherigen Freunden nicht gehabt hatte.

Sie spürte, wie Harry begann ihr entgegenzukommen. Wie er ihre Bewegungen mit seinen eigenen Stößen beantwortete. Sie spürte seine Hände auf ihrem Körper, packte sie und drückte sie auf ihre Brüste.

„Hrrm, hrrm."

Tonks und Harry rissen die Augen auf und schauten zur Seite.

Hermine stand vor dem Bett, nur bekleidet in einem Morgenmantel, mit leicht geöffnetem Mund. Selbst in dem spärlichen Licht, das von draußen hereinfiel, konnten beide sehen, wie gerötet Hermines Gesicht war.

Einen Moment starrten sie sich nur gegenseitig an, bis Tonks etwas sagte. „Guten Abend, Hermine. Können wir etwas für dich tun?"

Hermine biss sich auf die Lippen, so als müsste sie sich zu einer Entscheidung drängen. Dann öffnete sie entschlossen den Gürtel ihres Mantels und ließ ihn zu Boden fallen. Darunter war sie vollkommen nackt.

„Darf ich mitmachen?"