Kapitel 2

Castle sah seine Mutter auf seinem alten Stuhl neben Becketts ehemaligen Schreibtisch sitzen, als er und Marnie den Fahrstuhl verließen. Sie hatte die Türen beobachtet, zweifellos ihre Ankunft erwartet, und stand sofort auf um sie zu begrüßen.

„Marnie, Liebes", murmelte Martha, als sie die Frau umarmte und Marnie sie ebenfalls fest drückte. „Wie geht es dir? Wo ist dein Vater?"

„Sie sollten ihn jede Sekunde herbringen. Danke fürs Kommen, Martha. Und dir auch, Richard. Nachdem, was mein Vater dir angetan hat, Martha, nun… lass uns ehrlich sein. Keiner von euch schuldet mir irgendwas. Ich war überrascht, dass du überhaupt meinen Anruf angenommen hast." Marnie schaute beschämt auf ihre Schuhe, aber Martha wollte heute nichts davon hören.

„Marnie, du bist in keiner Weise dafür verantwortlich, was dein Vater mir angetan hat. Wir haben dir nie irgendwas Schlechtes gewünscht."

Castle trat vor, als Marnie endlich ihre Augen hob um sie wieder anzusehen. „Sie hat recht, Marnie. Wir wissen, dass du die Taten deines Vaters nie gutgeheißen hast. Das hast du damals sehr deutlich gemacht."

Und das hatte sie. Sie war sehr laut gewesen, als ihr Vater Martha verlassen hatte, und noch lauter, als sie rausgefunden hatte, dass er Marthas Geld mitgenommen hatte. Aber ihr Vater hatte dies schon unzählige Male mit unzähligen Frauen abgezogen und Marnies Worte trafen auf taube Ohren, bis sie endlich aufgegeben hatte ihn zu disziplinieren. Sie und Martha waren in Kontakt geblieben, lange nachdem die Tinte auf der Scheidungsurkunde getrocknet war, aber sie hatten sich auseinandergelebt und irgendwann den Kontakt verloren. Dennoch nahmen sie sich nichts übel.

„Nun, ich weiß das zu schätzen. Und ich bin wirklich dankbar, dass ihr beide gekommen seid. Ich weiß, keiner von euch hat die beste Meinung von meinem Vater und das zu Recht. Er hat euch in der Vergangenheit keinen Grund gegeben ihm zu glauben, aber bitte glaubt mir, wenn ich sage, dass er unschuldig ist. Ich sage euch, mein Vater ist zu so etwas nicht fähig. Und er würde Danica mit Sicherheit nichts antun!"

Castle wollte Marnie glauben, aber er hatte mit Beckett genug Fälle bearbeitet, in denen die Person, die am unwahrscheinlichsten schien einen Mord zu begehen, am Ende schuldig war. Peter war bewiesenermaßen ein Ekel, ein Dieb, der Frauen mit schweren Konten und zerbrechlichen Egos jagte. Martha hatte Peter geliebt, und er hatte sie wie eine Königin behandelt… zumindest, bis er damit fertig war, ihr Vermögen in seinem Namen zu verwalten und auf Konten zu überweisen, die sie unmöglich auffinden konnte. Und dann war er geflüchtet, während Martha auf einer Theatertour außerhalb der Stadt war und ließ ihr die Scheidungspapiere zukommen. Sie war am Boden zerstört und auch wenn das alles vor einem Jahrzehnt passiert war, hegte Castle noch immer etwas Missgunst dem Mann gegenüber. Bei näherem Nachdenken: vielleicht wollte Marnie ihn doch nicht hier haben. Er war definitiv voreingenommen.

„Marnie, du scheinst wirklich sicher zu sein, dass Peter Danica nichts antun würde", fragte Castle sanft und schüttelte zweifelnd den Kopf. „Warum?"

Sie runzelte die Stirn und atmete aus. „Es ist schwer zu erklären. Ich kann nur sagen, dass mein Vater ein anderer Mann ist, seit es Danica gibt."

Castle tauschte einen Blick mit seiner Mutter. „Wie anders, Marnie?"

„Er hat sich auf so viele Arten verändert. Auf jeden Fall ist er ein besserer Vater, viel öfter da. Und auch ein besserer Ehemann, denke ich. Einfach… eine bessere Person im Ganzen. Weniger auf Vermögen und Lifestyle bedacht und mehr auf seine Familie konzentriert. Endlich mal." Sie schaute errötend weg, ihre Wangen verrieten, wie gut sie die Wahrheit des letzten Teils ihrer Aussage kannte. Ihr Vater hatte ihre frühen Jahre damit verbracht sie entweder zu ignorieren oder zu benutzen, um Frauen anzulocken, wenn er den bescheidenen Single-Dad einer liebenswerten Tochter spielte, deren Mutter tragisch jung verstorben war. Marnie hatte ihre Rolle in ihrer Jungend gespielt, ihm geholfen vermögende, verletzliche Frauen zu verführen, und auch wenn sie sich von seinen Taten vor Jahren distanziert hatte, schien es, als dächte sie noch immer, dass sie ihre Strafe dafür zu zahlen hatte.

Marnie schüttelte ihren Kopf. „Ich weiß, man kann nicht aus seiner Haut heraus. Und glaubt mir, ich kenne meinen Vater um einiges länger als ihr, also habe ich schon viel mehr seiner Faxen mitbekommen. Vor ein paar Jahren hätte nicht einmal ich geglaubt, dass er sich ändern könnte." Sie schaute für einen Moment weg, aber als ihre Blicke sich trafen, war dort etwas Unbeugsames, ein unfehlbares Glimmen von Sicherheit. „Aber ich sage es euch. Er hat das nicht getan."

In diesem Moment öffneten sich die Fahrstuhltüren mit einem scharfen Ding und Peter kam aus der Kabine, gefolgt von einem Beamten und dann Espo und Ryan. Peters Kopf schnellte hoch, sein Blick fiel von seiner Tochter zu Castle, seine Augen wurden größer und traten quasi aus den Höhlen hervor, als sie Martha erblickten. Wie auch im Penthouse, wo er Castle zuerst gesehen hatte, blieb Peter abrupt stehen.

„Oh mein Gott, Martha. Was tust du hier?" Seine Augen wanderten zurück zu Marnie. „Marnie? Was geht hier vor? Was auf Erden hast du getan?"

Marnie spannte ihren Kiefer an und streckte trotzig ihre Brust vor, bevor sie ihrem Vater antwortete und Castle konnte sich eine Teenager-Version von ihr vorstellen, die das gleiche tat. Sein Herz flatterte für eine Sekunde gegen seine Rippen, als er sich eine jugendliche Lily vorstellte, das Ebenbild ihrer Mutter mit ihren Händen an ihren Hüften und bereit dazu darüber zu streiten, dass sie bis Mitternacht draußen bleiben durfte und er wurde überwältigt von dem plötzlichen Bedürfnis zu Hause bei seiner Frau zu sein, die Höhle zu bauen und mit ihr darin rumzuknutschen. Aber nein, er hatte seiner Mutter versprochen hier zu sein. Er unterdrückte seine Vision der Zukunft widerwillig und wandte seine Aufmerksamkeit wieder zu Marnie.

„Ich habe sie angerufen, also wage es nicht unhöflich zu sein. Sie kennen hier Leute. Das ist das Revier auf dem Richards Ehefrau arbeitet. Ich habe dir mehrmals von ihr erzählt. Sie ist die, auf der seine momentane Buchreihe basiert."

Castle fühlte eine Welle von Zuneigung gegenüber Marnie; sie hatte ihn über die Jahre wirklich im Auge behalten. Er war etwas beschämt zu sagen, dass er das nicht getan hatte.

„Sie sind vielleicht in der Lage dir zu helfen, Dad, also… arbeite einfach mit ihnen zusammen, okay? Ich weiß, du hast das nicht getan."

Peter öffnete seinen Mund um etwas zu sagen, aber besann sich scheinbar eines Besseren. Sein Mund schloss sich und er nickte zustimmend. Er warf Castle einen weiteren Blick zu, aber als er zu Martha schaute, schrumpfte er unter ihrem Blick zusammen und war nicht in der Lage ihr in die Augen zu sehen. Seine Füße setzten sich wieder in Bewegung. Der uniformierte Beamte führte ihn fort, als Espo ihn aufforderte Jacobs in den Verhörraum 1 zu bringen.

Marnies Handy vibrierte lautstark in ihrer Handtasche und als sie es herausfischte und sah wer anrief, schaute sie zu Espo und Ryan hoch und fragte: „Entschuldigung, gibt es hier einen Ort, wo ich das unbeobachtet annehmen kann?"

Espo leitete sie mit ausgestreckter Hand zum leeren Konferenzraum, schloss die Tür hinter ihr und kam zurück zu Ryan, der bei Castle und Martha stand.

„Also, Mrs. R.", begann Espo und schaute verstohlen umher, um sicherzugehen, dass niemand lauschte. „Castle hat uns bereits informiert, wer Jacobs für Sie ist. Also, äh… wie grob sollen wir mit ihm umgehen? Sollen wir ihm wehtun?"

„Ernsthaft Martha, sagen Sie nur ein Wort. Wir bringen den Kerl zum Schwitzen", fügte Ryan hinzu und unterstrich es mit einem ernsten Nicken.

Martha lächelte sie nachsichtig an. „Seid ihr nicht liebenswert. Euer Beschützerinstinkt ist bemerkenswert. Allerdings müsst ihr meine Kämpfe nicht für mich austragen, Jungs. Peter und ich sind Geschichte. Hätte er mir nicht all mein Geld genommen, hätte ich den Weg, auf dem ich mich befinde, nie eingeschlagen und wäre das nicht mein Verlust?", sinnierte sie mit einem gleichgültigen Schulterzucken.

Die Aussage brachte ein Lächeln auf Castles Gesicht. Seine Mutter war absolut unverwüstlich und während sie ihn gelegentlich endlos aufbrachte, konnte er zugeben, dass ihre scheinbar endlose Quelle innerer Stärke, einer ihrer besseren Qualitäten war, die sie ihm vererbt hatte. Er war auch niemand, der leicht aufgab, noch war er jemand, der ständig auf der Vergangenheit herumritt.

„Ich erwarte, dass ihr zwei da rein geht und euren Job macht. Sucht die Wahrheit über Danica Fentons Mord und sonst nichts." Martha scheuchte Espo und Ryan mit einem Händewedeln fort und sie gingen zum Verhörraum.

„Ihr könnt zuschauen. Wir werden es nicht verraten", rief Espo über seine Schulter.

Martha wandte sich an Castle. „Ich will lieber nicht. Ein bisschen Peter ist schon genug für mich. Ich werde bei Marnie bleiben, aber ich würde mir wünschen, dass du zuschaust. Du hast bewiesen, dass du einen scharfen Blick hast, mein Junge. Sogar deine brillante Frau sagt das."

Den letzten Teil sprach sie aus ihrem Mundwinkel heraus, während sie zusahen, wie Marnie den Konferenzraum verließ, ihr Handy noch immer in ihrer Hand. Als sie aufsah und ihre Blicke auf sich sah, hielt sie ihr Handy hoch und wedelte es hin und her.

„Dads Anwalt. Er dreht durch, weil Dad zugestimmt hat ohne seine Anwesenheit verhört zu werden. Er kommt her, aber Dad besteht darauf, dass er ihn nicht hier haben will. Dass er ihn nicht braucht. Er…", sie verstummte, während sie überdachte, was sie sagen wollte, aber beendete den Satz dennoch, wenn auch etwas leiser. „Er ist unschuldig. Ich weiß, dass er es ist."

Castle und Martha tauschten erneut Blicke aus, verständigten sich stillschweigend darüber, nicht mit Marnie darüber zu streiten.

Er wollte Peters Verhör unbedingt sehen, also bat Castle seine Mutter, bei Marnie zu bleiben, bis sie wussten, was als nächstes geschah, und Martha nahm das Stichwort ohne Zögern, wie jede Schauspielerin ihres Kalibers es tun würde, nahm Marnie sanft an ihrem Ellbogen und führte sie in das stille, ungenutzte Büro ihrer Schwiegertochter.

Für einen Moment stand Castle vor Becketts Tür um zu Atmen und den Fluss des Großraumbüros um sich herum zu beobachten, Detectives und Beamte und administratives Personal, die sich alle im Raum bewegten. Ohne seine Frau fühlte es sich hier immer merkwürdig an, aber das Geschäft der Gesetzvollstreckung stoppte für niemandes Mutterschaftsurlaub. Er hatte Kate Beckett immer für eines der wichtigsten Zahnräder in der Maschinerie des 12. Reviers gehalten, aber hier waren sie, funktionierend, untersuchend, Fälle lösend, ohne sie. Es kitzelte etwas in seinem Hinterkopf, der Gedanke, dass sie vielleicht wirklich eine andere Karriere einschlagen konnte, wenn sie wollte, aber er unterdrückte es für diesen Moment, und ging um die Ecke.

Er hatte ein Verhör zu beobachten.


„Peter Jacobs."

Castle sah, wie Peters Kopf von seinen geschlossenen Händen vor ihm schmerzhaft schnell hochschnellte. Er sah schrecklich aus. Seine Augen waren rot, er hatte lila Augenringe, und Castle konnte nicht anders, als darüber nachzudenken, wie sehr er sich verändert hatte. Das war nicht der großspurige, charismatische Mann, der vor all den Jahren im Leben seiner Mutter auftauchte und ihr Herz im Sturm eroberte. Dieser Mann war älter. Er wirkte rau. Gebrochen. So, als hätte Danicas Tod ihn wirklich mitgenommen, und es brachte Castle zum Nachdenken über Marnies Beteuerung seiner Unschuld.

Er musste zuhören. Unvoreingenommen sein. Außerhalb der Box denken. War das nicht der Grund, warum er und Beckett so gut mit einander auskamen? Das war, worin er gut war.

„Ja", krächzte Peter, räusperte sich sofort und begann erneut. „Ja, ich bin Peter Jacobs."

„Sie haben Ihr Recht auf einen Anwalt nicht wahrgenommen, ist das korrekt, Mr. Jacobs?", begann Espo.

„Ja ist es", antwortete Peter mit fester Stimme.

„Und Sie verstehen, warum wir Sie heute hier haben?", fuhr Ryan fort.

Peter machte eine kleine Pause, bevor er antwortete. „Weil man mich gefunden hat, wie ich über die Leiche meiner Frau gebeugt war, die ein Messer im Rücken stecken hatte."

Castle blinzelte. Es war kein Schuldgeständnis, aber er hielt nichts zurück.

Er konnte sehen, wie Espo und Ryan sich einen Blick zuwarfen, bevor Espo sich wieder zu Wort meldete.

„Und wie kamen Sie in diese Situation, Mr. Jacobs?"

Peter schüttelte seinen Kopf und blinzelte langsam. „Sie werden mir nicht glauben."

„Wetten, dass", flüsterte Castle hinter dem Glas.

„Wetten, dass", warf Ryan ein und Castle machte sich eine mentale Notiz mit Castle Junior später dafür einzuschlagen.

Peter schluckte schwer, bevor er antwortete. „Ich habe sie so gefunden, nur Sekunden, bevor Claudia reinkam."

Castle war sich sicher, sein Augenrollen hätte seine Frau stolz gemacht. Espo und Ryans Reaktionen spiegelten seine. Beide Männer machten abschätzende Geräusche und Gesten.

„Sie erwarten wirklich, dass wir das glauben, Peter? Sie erwarten, dass wir glauben, dass Sie sie einfach so gefunden haben, wenn Sie sie betrogen hat? Wenn es Scheidungspapiere gab, die direkt auf ihrem Schreibtisch lagen? Sie erwarten wirklich, dass wir Ihnen abkaufen, dass Sie nichts damit zu tun hatten?"

Peters Gesicht wurde für eine Sekunde leer, bevor seine Gesichtszüge sich verzerrten und er fast… verletzt aussah. Es war nicht, was Castle erwartet hatte.

„Sie…" Peters Stimme brach erneut und dieses Mal brauchte er ein paar Sekunden um sich wieder zu fassen. „Ich wusste von der Affäre. Aber sie hatte wirklich Scheidungspapiere? Wir hatten… ich meine, sie hat mir gesagt. Sie hat es versprochen. Sie hat versprochen, dass wir es versuchen."

Castle lehnte sich gegen den Einwegspiegel, als würde das dazu führen, dass Peter seine Geschichte schneller erzählte.

Peter lehnte sich in seinem Stuhl zurück, sein Blick wieder auf seine Hände gerichtet. „Sie kennen Richard und Martha, also wissen Sie offensichtlich, wer ich bin. Ich werde das nicht abstreiten. Offensichtlich habe ich eine Vergangenheit mit Martha. Ich bin sicher, Sie haben nicht die beste Meinung von mir und für das, was ich ihr angetan habe, habe ich das definitiv verdient."

„Was ist mit all dem, was du den Frauen vor und nach ihr angetan hast?", höhnte Castle leise.

„Aber Danica… Danica war anders. Ich habe sie geliebt. Alles hat sich geändert, als ich sie kennengelernt habe. Ich habe mich verändert, als ich sie kennengelernt habe. Sie hat mich zu einem besseren Mann gemacht."

Etwas in Castles Brust zog sich zusammen; er hatte die gleichen Worte über Beckett gesagt. Er wusste, was es bedeutete, eine Frau auf diese Art zu lieben, es zuzulassen und zu erlauben, dass es einen zu seinem besten Selbst formt. Er kannte die transformative Macht dieser Art von Liebe und er lehnte sich noch weiter gegen das Glas, wollte mehr von Peters Story hören.

„Lassen Sie mich Ihnen etwas Zeit sparen und erzählen, was Sie ohne viel Aufwand über mich rausfinden können. Ja, meine Frau hatte eine Affäre. Sie hatte einige davon während unserer Beziehung und so lange sie diskret war, war es mir egal. Aber dieses Mal… ich wusste, sie hat darüber nachgedacht mich dieses Mal zu verlassen. Sie hat mich sogar gefragt, was es sie kosten würde sich von mir Scheiden zu lassen, als würde das Geld mir irgendwas bedeuten." Peter schüttelte seinen Kopf, als würde er versuchen, die richtigen Worte zu finden, bevor er leiser als vorher fortfuhr. „Sie kennen offensichtlich meine Vergangenheit. Sie wissen, ich habe Frauen für ihr Geld ins Visier genommen. Aber mit Danica…" Peter verstummte und warf seinen Kopf zurück, schaute an die Decke und blinzelte schnell… waren das Tränen?

„Es ging nie darum. Ich habe Danica verehrt. Ich hätte alles für sie getan. Ich habe ihr gesagt, wie ich fühle und gefleht, dass sie mich nicht verlässt. Sie hat angeboten mir eine großzügige Scheidungsvereinbarung zu geben und ich habe ihr gesagt, ich will das Geld nicht, dass ich nur sie will." Der gleiche verletzte Ausdruck huschte wieder über Peters Gesicht. „Ich hatte keine Ahnung, dass sie die Unterlagen tatsächlich angefordert hat."

„Warum sind Sie so überrascht, dass sie es tat? Es klingt, als wüssten Sie, dass es eine Möglichkeit war?", versuchte Ryan mehr aus ihm herauszukriegen.

„Weil wir erst letzte Nacht geredet haben und sie mir versichert hat, dass wir an unserer Ehe arbeiten würden. Ich weiß nicht, ich denke, ich war einfach… hoffnungsvoll? Sie hat mir gesagt, wir würden es versuchen, dass sie nicht gehen würde." Castle fragte sich, ob Peter Schauspielunterricht bei seiner Mutter genommen hatte, während sie zusammen waren, denn er kaufte dem Mann die Rolle des trauernden Ehemanns fast ab.

„Erinnern Sie sich daran, wann Sie letzte Nacht mit ihr geredet haben, Mr. Jacobs?"

„Es war spät. Oder früh, sollte ich sagen. Kurz nach 2 Uhr glaube ich. Sie war am Leben, als ich sie in ihrem Arbeitszimmer verlassen habe. Da waren viele Leute, die um die Zeit die Party verlassen haben und sie hat mir gesagt, sie muss sich um etwas kümmern. Also bin ich für eine Weile hoch und habe sie verabschiedet, bis ich wieder runter in die Küche kam um eine besondere Flasche Champagner zu holen. Ich wollte sie kaltstellen und mit Danica trinken. Da habe ich sie gefunden. Daliegend."

Peter schniefte und wischte sich schnell über seine Augen. Castle konnte keine Tränen sehen, aber er hatte nicht das Gefühl, das zu müssen. Er konnte nicht glauben, was er dachte. Konnte dieser Mann unschuldig sein?

Espo und Ryan fuhren mit dem Verhör fort, ließen Peter die Story vorwärts und rückwärts erzählen, aber sie änderte sich nie, wackelte niemals. Er liebte Danica und er hatte sie tot in der Küche gefunden. Er hatte nichts damit zu tun. Ende der Geschichte. Castle wusste nicht mehr, was er glauben sollte.


Sie verbrachten weitere zwanzig Minuten damit, Peter auszufragen, erfolglos. Er konnte ihnen nicht mal sagen, wer Danicas Liebhaber war. Sie hatte viel auf sich genommen um seine Identität vor ihm geheim zu halten.

Castle verließ den Beobachtungsraum zur gleichen Zeit wie Espo und Ryan den Verhörraum und bevor Castle sich zu Wort melden konnte um zu fragen, was sie jetzt mit Peter tun würden, klingelte Espos Handy in seiner Tasche.

„Esposito", sagte er als Begrüßung, während er die Tür hinter sich zuzog. „Oh, ja, Hey Meyers. Ja. Uh huh." Er wartete, hörte gebannt zu, bis er die Augenbrauen runzelte und seine Augen verengte. „Warte… was? Okay, was bedeutet das? Ist das überhaupt möglich? Ich meine, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass das passiert? Ja. Okay, ja, nein, sehe ich auch so. Nein, danke für den Anruf. Ich schätze das."

Espo legte mit einem Seufzen auf. „Das war Meyers von der Spurensicherung. Außer den normalen Abdrücken und Zeugs, das man erwartet in einer Wohnung zu finden, gibt es nicht ein einziges physisches Beweisstück, das Jacobs mit dem Tatort in Verbindung bringt. Nada."

„Wie kann das sein?" Ryan sah aus, als würde er das nicht glauben.

„Es gab keine Bluttropfen an ihm, keine Fingerabdrücke am Messergriff und keine Fasern oder Spuren von irgendwas, das man nicht dazu zurückführen kann, dass er die Szene gefunden hat, wie er es gesagt hat. Ihre Uhr ist zerbrochen, als sie gefallen ist, weißt du noch? Also wissen wir, dass sie den Boden um 2:48 Uhr berührt hat. Und bisher haben alle Leute auf der Party, die wir befragt haben, gesagt, dass Jacobs bis dann auf dem Dach bei der Party war. Also ist er entweder ein wirklich guter Lügner und unglaublich glücklich, dass es keine forensischen Beweise gibt, die ihn mit dem Tatort verbinden, oder…" Espo verstummte.

„Oder er sagt die Wahrheit und hat sie wirklich so gefunden." Castle konnte nicht glauben, dass er glaubte, dass Peter unschuldig war, aber er konnte auch nicht gutheißen einen Mann zu verurteilen, der diese Tat nicht begangen hat. Ungeachtet seiner persönlichen Gefühle glaubte er, dass jeder eine faire Chance auf Gerechtigkeit verdiente.

„Ich meine, nachdem was er Mrs. R angetan hat, muss ich zugeben, dass ich gehofft habe, dass es eine todsichere Sache ist. Aber nicht ein Tropfen Blut an ihm? Keine DNS?" Selbst Espo klang zweifelnd. „Es ist unglaublich unwahrscheinlich, dass jemand, der eine Gewalttat mit einem Messer verübt, keine Beweise an sich hat."

„Ihr wisst, wir haben nicht wirklich genug um ihn festzuhalten, richtig?", fügte Ryan hinzu. „Ich meine, er besteht darauf, dass er nichts von den Scheidungspapieren wusste, aber selbst wenn er es tat, hätte sie ihm eine wirklich große Abfindung gegeben. Geld war hier kein Motivator. Und wir haben absolut keinen Beweis, der ihn mit Sicherheit an den Tatort bindet."

„Also könnte er heute noch hier rausmarschieren", schloss Castle.

„Das wirkt wahrscheinlich."

Castle wusste wirklich nicht, wie er sich dabei fühlen sollte. Peter war so ein Ekel, aber er könnte auch ein unschuldiges Ekel sein.

„Hat die Spurensicherung irgendetwas anderes Interessantes im Penthouse gefunden?"

„Sie suchen noch weiter, aber Meyers sagte, dass sie Danicas Tagesplaner gefunden haben. Sie meinten, dass sie in den letzten zwei Wochen mindestens ein Dutzend Termine mit ihrem Anwalt hatte."

„Wir müssen auf jeden Fall mit dem Anwalt reden um rauszufinden, was da vor sich ging", sinnierte Ryan laut.

„Mit Sicherheit. Er sagte auch, dass da Dokumente im Schredder waren, aber es ist einer dieser Micro-Zerschneider, bei denen es unmöglich ist, die Schnipsel wieder zusammenzusetzen. Jacobs Fingerabdrücke sind auch nicht auf den Scheidungspapieren, also ist es möglich, dass er nichts davon wusste. Sie befragen noch die Mitarbeiter, aber da ist noch nichts rausgekommen. Die Angestellte, die sie gefunden hat, Claudia, hat die Affäre bestätigt, aber sie weiß nicht, wer der Typ ist. Sie sagte, wir sollten Danicas Sohn Niles, fragen, was wir tun werden, wenn er seinen Kopf aus der Toilette bekommt, in die er sich gerade übergibt. Offenbar hatte er gestern Nacht zu viel zu trinken."

Die drei Männer standen da, versuchten einen guten Grund zu finden Peter Jacobs in Haft zu nehmen, aber sie hatten keinen.

Castle sprach als erster. „Lasst mich mit meiner Mutter und Marnie reden und ihnen sagen, was los ist. Und dann bringe ich meine Mutter heim, wenn sie das will."

Espo nickte ihm zu. „Ryan, du findest Danicas Anwalt und ich fertige Jacobs ab."

Und damit gingen die drei Männer getrennte Wege.


Castle sah Kate in der Küche werkeln, als er durch die Tür trat, wurde sofort von dem Duft nach frisch gebackenen Keksen umgeben, und er war verzaubert, erstaunt über ihre Anmut in diesem Stadium ihrer Schwangerschaft. Sie leuchtete geradezu im Nachmittagssonnenlicht, ihr Lächeln erhellte sie wie den hellsten Stern am Himmel und er wurde sofort in ihre Richtung gezogen, machtlos gegen ihre Anziehungskraft.

„Hallo, wunderschöne Frau", murmelte er, bevor er seine Lippen ein, zwei, dreimal auf ihre drückte, bevor er sich mit einem Summen zurückzog. Er musste sich nicht weit beugen um einen Kuss auf ihren Bauch zu drücken und zu flüstern: „Hallo, ungeborenes Kind."

Ihr Bauch wackelte mit ihrem Lachen und plötzlich war er erleichtert, dass sie es hingenommen hatte und zu Hause geblieben war. Sie sah wirklich ausgeruht und erfrischt aus. Er selbst war ziemlich erschöpft, verkrampft und angespannt mit gemischten Gefühlen wegen der Situation mit seiner Mutter und ihrem intriganten Ex, und mit seiner Frau zu Hause zu sein war Balsam für sein Herz.

„Was für entspannende Dinge hast du getan, während ich weg war?"

Kate deutete mit ihrem Kopf über ihre Schulter zu den Chocolate-Chunk-Cookies auf der Anrichte hinter ihr. „Wie dir deine Nase sagen kann, bin ich gerade mit backen fertig." Sie hielt ihre Hände hoch um ihn aufzuhalten, als er versuchte um sie herum zu gehen und sich einen Keks zu nehmen. „Du kannst einen haben, wenn du mir erzählst, was heute passiert ist. Halt mich nicht hin! Was ist los? Hat dieser Peter-Typ es getan?"

Castle seufzte. Dieses Thema war den ganzen Nachmittag in seinem Kopf rotiert und selbst er hatte seine Zweifel an Peters Schuld.

„Ich weiß es ehrlich gesagt nicht."

„Okay. Also leg mir den Fall dar."

Castle berichtete ausführlich von Marnies Behauptung, ihr Vater hätte sich geändert, Peters Behauptung seiner Unschuld und dem Fehlen von belastenden Beweisen. Kate hörte aufmerksam zu, nickte und stellte hier und da Fragen. Als er fertig war, schüttelte sie ihren Kopf.

„Nur weil er ein Arsch ist, heißt das nicht, dass er eine Straftat begangen hat, Castle." Sie streckte sich nach einem warmen Keks, hob ihn zu seinem Mund und ließ ihn abbeißen. Mmmm, er würde vielleicht allem, was sie sagte zustimmen, wenn sie ihm mehr davon gab.

„Und wer weiß, vielleicht hat seine Tochter recht. Vielleicht ist er jetzt ein anderer Mann", sagte sie schulterzuckend und ließ ihn nochmal abbeißen. „Bist du noch der gleiche Mann, der du warst, bevor wir uns getroffen haben?"

Castles Kauen verlangsamte sich und er schluckte. Er dachte einen Moment über die Frage nach bevor er antwortete, sich vollkommen bewusst, dass er sich die gleiche Frage selbst schon gestellt hatte. „Nein, ich denke nicht." Er nahm den restlichen Keks aus ihrer Hand und steckte ihn in seinen Mund. „Ich war irgendwie ein Idiot, als wir uns getroffen haben."

„Irgendwie?", zog sie ihn auf, kniff in seine Seite und er quietschte, drückte seine Lippen erneut auf ihre und lenkte sie lang genug ab, dass er um sie herum nach einem weiteren Keks greifen konnte.

„Aber ernsthaft, wie geht es deiner Mom?"

Castle senkte den Keks, der auf halben Weg zu seinem Mund war, lehnte sich gegen die Anrichte und atmete tief aus. „Okay, denke ich. Es ist schwer zu sagen. Sie hat nicht viel gezeigt, weißt du?" Er schüttelte seinen Kopf, als wäre die Vorstellung von einer Martha, die alles andere als schusssicher war, beleidigend. „Sie war ziemlich still auf dem Heimweg. Ich weiß, sie ist darüber hinweg, aber es war schwer für sie. Sie wird es jetzt nie zugeben, aber sie war am Boden zerstört, als Peter gegangen ist. Ich glaube wirklich, sie hat ihn ehrlich geliebt. Er hat ihr das Herz gebrochen und ihr Konto leergeräumt."

„Urgh. Schrecklich, Richard Castle." Sie warf ihm einen finsteren Blick zu, schüttelte ihren Kopf und streckte ihre Hand nach dem Keks aus, den er ihr hinhielt.

„Vielleicht ein bisschen." Er wurde wieder ernst, nahm einen weiteren Bissen Keks und kaute nachdenklich, sah zu, wie sie das gleiche tat. „Ich weiß noch, dass ich mich gefühlt habe, als müsste ich sie beschützen, was schon lange nicht mehr vorkam. Ich weiß, es ist schwer sich meine Mutter anders als 3 Meter groß vorzustellen, aber er hat sie wirklich gebrochen."

Kate trat vor und legte ihre Arme um seinen Hals, seine legten sich auf ihre Seiten, Handflächen flach auf ihrer Haut, in der Hoffnung die Bewegung ihrer Tochter zu spüren. Sie schaute mit so viel Liebe zu ihm auf, es ließ sein Herz tanzen.

„Du bist ein guter Sohn, weißt du das?"

Er schüttelte seinen Kopf in Selbstironie, denn wirklich, er war so oft ein schrecklicher Plagegeist für seine Mutter gewesen, während sie bei ihm wohnte. Hatte sie immer damit aufgezogen ein Schnorrer zu sein, und auch wenn sie es als Scherz verstanden hatte, wusste er, dass sie sich schrecklich gefühlt hatte bei ihm einziehen zu müssen.

Kate griff sanft nach seinem Kinn um die Bewegung seines Kopfes zu stoppen, bevor sie ihre Hand an seine Wange legte. „Hey, ich meine das ernst. Ich weiß, du und deine Mutter zieht euch gnadenlos auf, weil es einfach das ist, was ihr tut. Aber ich weiß auch, du würdest alles für sie tun und andersherum auch. Du hast sie aufgenommen und das musstest du nicht. Und du und Alexis habt für sie gesorgt und ihr geholfen ihr Herz zu flicken, als sie es am meisten brauchte. Das ist, was Familie ausmacht."

Sie stellte sich auf Zehenspitzen und zur gleichen Zeit drückte ihre Tochter gegen seine rechte Hand. Der Geschmack von Schokolade war noch warm auf ihrer Zunge, als sie ihn küsste und er fragte sich erneut, wie er so viel Glück in seinem Leben haben konnte.