Date: 27.07.2007

Disclaimer: Paramount/Viacom

Author's Note: Das ist er nun, Teil 2 der Story! Ich halte mich bei meiner Fanfiction grob an die Storyline von Deep Space Nine, jedoch sollte man einige kleine Veränderungen beachten. Erstens, Ezri Dax kommt erst sehr viel später an Bord von DS9 und zweitens habe ich die Ereignisse der Deep Space Nine Folgen Tränen der Propheten und Im Angesicht des Bösen dichter zusammengelegt. Des Weiteren kommen in dieser Geschichte zwei Texte hinzu, die ich nicht selbst geschrieben habe. Urheber und Originale stehen auf folgenden Seiten:

Gedicht: http://www.urbia.de/forum/index.html?areathread&bid18&id404060

Song: auf Memory Alpha zu finden ("The Best is Yet to Come"), sorry, der Link wird hier nicht angezeigt

Kategorie: Angst, Character Death, Drama, Romance

Characters&Pairings: P/T; P/f; T/m; Voyager Crew; DS9 Crew

Rating: PG-13

Summary: Nach der Ankunft auf Deep Space Nine wird die neue Freundschaft zwischen Tom und B'Elanna auf eine harte Probe gestellt, da sie plötzlich einen Freund hat. Auch andere, weniger erfreuliche, Ereignisse bringen das Leben der beiden Sternenflottenoffiziere ganz schön durcheinander…

This day I will marry my best friend

von K'Leena

Part 2/3

Deep Space Nine

Computer Logbucheintrag der Evolution, Captain Chakotay, Sternzeit 51247.5:

Es ist unfassbar, dass die Evolution es als einziges Schiff neben der Defiant nach Deep Space Nine geschafft hat. Die Sternenflotte hatte nach unserer Ankunft auf der Station viele Verluste zu melden, mehr als die Hälfte der geschickten Kriegsschiffe sind zerstört worden, nach den neusten Angaben gibt es über 400 Tote. Deshalb erscheint es wie ein Wunder, dass meine Crew mit 'nur' ein paar Verletzten zurückgekommen ist; diese werden auf der Krankenstation von DS9 gerade behandelt. Im Briefing werde ich mit Captain Sisko gleich über weitere strategische Maßnahmen sprechen."


„Das Dominion hat sich zwar nun erstmal zurückgezogen, aber wir wissen nicht, ob und wann es wieder zuschlagen wird. Beide Seiten, sowohl die Sternenflotte als auch der Dominion-Verband, haben schwere Verluste erlitten und ich bedauere, verkünden zu müssen, dass die offizielle Todeszahl der Flotte heute auf ca. 500 gestiegen ist." Benjamin Sisko machte eine kleine Pause und die schreckliche Mitteilung sank bei allen Briefing-Teilnehemern ein.

Dann wandte sich Sisko Captain Chakotay und dessen Führungsoffizieren zu. „Captain, Sie und Ihre Crew werden weiterhin auf DS9 stationiert sein. Sie alle werden zu Schichten auf der Station eingeteilt, werden aber im Notfall wieder die USS Evolution besetzen. Außerdem sollten Sie wissen, dass die Sternenflotte und ganz besonders ich selbst sehr stolz auf Ihre Crew sind. Wir freuen uns, Sie in unserer Besatzung aufnehmen zu dürfen."

„Vielen Dank, Sir", antwortete Chakotay.

„Also gut", fing Sisko an, „Sie wissen nun alle, was zu tun ist. Die Station gehört wieder uns. Wegtreten."


Da B'Elanna nun als Ingenieurin zusammen mit dem Chief Miles O'Brien gemeinsam die Aufsicht über den Maschinenraum haben sollte, machte sie sich auf zu ihrer Arbeitsstation.

„Guten Morgen, Chief", begrüßte sie ihren neuen Kollegen und reichte O'Brien die Hand.

„Willkommen, Commander", sagte dieser mit freundlicher Stimme und schüttelte der Halbklingonin die Hand.

Tom hingegen war nun als Lieutenant im Bereich der strategischen Operationen auf DS9 tätig, ebenso wie sein Vorgesetzter Captain Chakotay. Hinzu kam auch noch Paris' neuer Kollege Lieutenant Commander Worf.


Die folgenden Arbeitstage waren sehr lang und anstrengend, sowohl für die alte DS9 Crew, als auch für die neuen Besatzungsmitglieder. Viele Stunden wurden damit verbracht, die Station wieder gemäß der Sternenflotte aufzurichten und unzählige Diagnose-Tests über die Verteidigungssysteme und die technische Versorgung durchzuführen. Durch die Besatzungszeit waren viele solcher Routinearbeiten nicht ausgeführt worden.

„Ich kann nicht mehr", stöhnte B'Elanna müde, als sie sich an den Tresen im Quark's setzte.

„Was darf ich Ihnen bringen, schöne Frau?", fragte der Ferengi Quark in seiner gewohnt schleimigen Art.

„Am besten irgendwas mit viel Alkohol, damit ich diese Nacht mal richtig durchschlafen kann", erwiderte sie schlicht.

„Ich glaub', da hab ich was für Sie", meinte der kleine Außerirdische nur und brachte kurz darauf ein hohes, gläsernes Gefäß, das mit einer dunkelgrünen Flüssigkeit gefüllt war und lila aufschäumte. Skeptisch nahm Torres das Getränk an. „Das könnte auch aus Neelix' Küche stammen", dachte sie voller Ironie. Sollte sie das etwa wirklich trinken? B'Elanna wollte den grinsenden Barkeeper gerade fragen, was dieses Zeug denn genau sei, beschloss dann aber, dass sie das gar nicht wirklich wissen wollte. Mutig nahm sie einen Schluck von dem Gebräu; es schmeckte gar nicht mal so schlecht.

„Sieht wirklich lecker aus", meinte plötzlich eine Stimme hinter ihr. Torres stellte ihr Glas ab und drehte sich um. Tom lächelte sie an: „Für mich nur einen Raktajino, Quark." Der Ferengi eilte abermals los, während sich Paris zu der jungen Frau setzte.

„Harter Tag im Maschinenraum?"

„Sie sagen es. Cardassianer sind einfach unfähig, Ordnung zu halten. Wie kann man nur Deuteriumkristalle und siliziumshaltige Substanzen zusammen aufbewahren? Die hatten wirklich Glück, sich nicht selbst in die Luft gejagt zu haben."

Einen kurzen Moment herrschte Stille. Quark kam mit Toms Bestellung zurück.

„Was ist mit Ihnen, Paris?"

„Die Arbeit ist ganz erträglich, aber ich vermisse es an der CONN zu sitzen."

„Ist das das Einzige, was Sie vermissen?", fragte B'Elanna ein wenig zu offensichtlich.

„Wenn Sie meinen, ob ich meine Freundin vermisse – ja, das tue." Paris nahm einen Schluck, „Sehr sogar."

Irgendwie klang seine Aussage nicht sehr überzeugend, aber B'Elanna beschloss, es dabei zu belassen. Das Einzige, was sie jetzt wollte, war einfach ins Bett zu kommen.

„Wir sehen uns morgen beim Briefing, Paris", verabschiedete sie sich von ihm.

„Ja, gute Nacht."

Als er sicher war, dass Commander Torres gegangen war, kam Quark aus dem hinteren Teil der Bar nach vorn. Mit seinem besonderen Kennerblick beugte sich der Ferengi zu Tom herüber und fragte ihn verschmitzt:

„Sind Sie etwa in die Kleine verknallt?"

Tom starrte sein Gegenüber kurze Zeit an, stand dann auf und ging.

Selbst Paris wusste in diesem Moment noch nicht, wie richtig Quark mit dieser Vermutung lag.


Als B'Elanna am nächsten Morgen erwachte, fühlte sie sich noch schlechter als am Abend zuvor. „Du hättest dieses Zeug nicht trinken sollen, Torres", tadelte sie sich selbst und machte sich auf den Weg zur Arbeit.

„Commander?", fragte ein junger, dunkelhaariger Mann sie plötzlich, als sie an ihre Station im Maschinenraum trat.

„Ja?"

„Wissen Sie, wo Chief O'Brien ist? Ich soll ihn für die Zeremonie der Kal'Hyah abholen. Das ist eine klingonische Tradtition für den Bräutigam vor der Hochzeit, die…", plötzlich stoppte er, da ihm nun bewusst wurde, dass er gerade mit einer Halbklingonin sprach.

B'Elanna bemerkte die plötzliche Verlegenheit des Mannes und antwortete ihm lächelnd: „Jadzia erzählte mir schon von der Hochzeit, ich freu' mich drauf. Miles ist an der oberen Station des Maschinenraumes, gehen Sie einfach hoch."

„Ähm, ja, danke." Er wollte gerade weitergehen, als ihm einfiel, dass er sich noch gar nicht vorgestellt hatte. „Ich bin übrigens Bashir, Julian Bashir. Chefarzt der Krankenstation."

„B'Elanna Torres, Chefingenieurin, also neben O'Brien. Freut mich, Sie kennen zu lernen."

„Julian, da sind Sie ja", ertönte O'Briens Stimme plötzlich, dann wandte er sich B'Elanna zu: „Die Diagnosen sind fertig gestellt, es sollte, während ich die nächsten vier Tage weg bin, keine Schwierigkeiten geben. Und wenn doch, Sie wissen ja, wo Sie mich finden können."

„Ich schaff' das schon", meinte Torres versichernd, schließlich war es nicht das erste Mal, dass sie in einem Maschinenraum arbeitete.

„Ich weiß", erwiderte Miles, „Sie sind eine wirklich gute Ingenieurin…es ist nur, dass ich sonst nie so lange von hier fort bin", erklärte er schon fast ein wenig wehmütig.

„Ach, kommen Sie, Miles", warf Bashir ein, „Freuen Sie sich doch: Während die Ärmste hier Ihre Arbeit übernehmen muss, können wir es uns vier Tage auf Worfs Junggesellenparty gut gehen lassen." Aufmunternd klopfte er seinem Freund auf die Schulter. „Also, los geht's."

„Viel Spaß - oder sollte ich lieber sagen - Glück, denn das werden Sie brauchen", erklärte B'Elanna grinsend und widmete sich wieder ihrer Arbeit zu.

Angesichts dieses Kommentars schauten O'Brien und Bashir zwar etwas verdutzt rein, machten sich dann aber auf den Weg zum Holodeck.

Torres' Laune hatte sich schlagartig verbessert. Nicht nur, weil sie soeben den charmanten Julian Bashir kennen gelernt hatte, sondern auch, weil sie als Halbklingonin natürlich wusste, was den beiden und auch Benjamin Sisko, General Martok und Worfs Sohn Alexander auf der so genannten Junggesellenparty erwarten würde. Ihre Mutter hatte ihr einst erklärt, was es mit dem Ritual Kal'Hyah auf sich hatte: Die Teilnehmer müssen zusammen mit dem Bräutigam vier Tage lang fasten und dabei sechs Prüfungen in Sachen Entbehrung, Blut, Schmerz, Opferung, Qual und Tod bestehen. Obwohl B'Elanna eigentlich nicht sehr stolz auf die Zeremonien ihrer klingonischen Herkunft war, fand sie diese ganz annehmbar, da sie nur für die Männer galt.

Plötzlich fiel ihr ein, dass auch Tom am Ritual teilnehmen würde. Worf hatte ihn heute Morgen nach dem Briefing dazu eingeladen und er hatte genauso begeistert wie die anderen zugestimmt. Ein wenig schadenfreudig lächelte Torres bei dem Gedanken an ihn und die anderen Männer.

Im Gegensatz zu den Männern würden B'Elanna, Kira, Leeta und weitere Gäste heute Abend zu Jadzias Junggesellinnen Party kommen, die ganz und gar nicht klingonisch stattfinden würde.


Nach den vier Tagen und einigen kleinen Zwischenfällen fand die Trauung von Jadzia Dax und Worf wie geplant statt, es war eine wunderschöne Hochzeit, abgehalten nach klingonischer Tradition. Nach der Zeremonie kamen Julian Bashir, Miles O'Brien und Tom Paris zu Kira und Torres an den Tisch.

„Sie hätten uns wenigstens warnen können", meinte Bashir, als er sich setzte.

„Was meinen Sie?", fragte B'Elanna mit unschuldigem Blick.

„Das waren die schlimmsten vier Tage meines Lebens", stimmte O'Brien zu. Nerys Kira und B'Elanna mussten lachen.

„Ist wohl nicht ganz die Party geworden, die Sie sich erhofft haben, Chief?", sagte der Major amüsiert und erntete damit einen bösen Blick von den drei Männern.

Ein wenig später waren Kira, Paris und O'Brien gegangen. Das war Bashirs Chance der jungen und faszinierenden Frau näher zu kommen. Bashir war als Frauenheld bekannt, aber dieses Mal war es nicht der Fall, dass er einfach nur flirten wollte. B'Elanna war keine gewöhnliche Frau und ihm ging es vor allem darum, Freundschaft mit dem interessanten Neuzugang zu schließen.

„Wie war die Arbeit, während Miles weg war?", fragte er sie schließlich.

„Ganz erträglich. Zumindest erträglicher als Ihre Party."

„Ja, da könnten Sie Recht haben", stellte er lachend fest.

Nachdem die beiden sich eine ganze Weile über ihre Arbeit und DS9 unterhalten hatten, wollte Bashir B'Elanna schließlich etwas fragen, was er schon seit der ersten Begegnung mit ihr wissen wollte. Natürlich hätte er nie so vorschnell eine Frau danach gefragt, aber die Tatsache, dass er schon ein wenig angetrunken war, schien die Sache zu erleichtern.

„B'Elanna, sind Sie und Paris eigentlich…Sie wissen schon…zusammen oder so was?", rutschte es ihm plötzlich heraus.

„Oh, nein", Torres schüttelte energisch den Kopf. Sie hatte nicht mit einer solchen Frage gerechnet und doch war sie zufrieden damit, dass gleich die Fronten geklärt wurden.

„Gut", sagte er mit einem Lächeln, „Ich auch nicht. Ähm, ich meine…"

„Ich weiß schon, was Sie meinen", antwortete sie ihm lachend.

Dann stießen die beiden abermals auf Jadzias und Worfs Hochzeit an.


„Guten Morgen, Lieutenant", tönte plötzlich eine Frauenstimme hinter Tom.

Reflexartig drehte er sich um und erblickte eine breitgrinsende B'Elanna Torres.

„Ah, guten Morgen, Miss Torres", fragte er, „Was kann ich für Sie tun?"

„Eigentlich wollte ich Sie zu einem Kaffee einladen", antwortete sie ihm schlicht.

„Ohh…okay", erwiderte Tom, immer noch etwas verwundert. Warum war B'Elanna hier? Und warum hatte sie so gute Laune? „Ich wollte sowieso gerade Pause machen. Was ist mit Ihnen? Müssten Sie nicht im Maschinenraum sein?"

„Zum Glück heute nicht, ich hab frei", antwortete sie ihm lächelnd. „Also, was ist jetzt? Kommen Sie?"


„…und dann mussten wir an einer Stange stundenlang über einem Feuer hängen, um Visionen der Zukunft zu empfangen. Also, unsere einzige Vision war, Worf zu töten. Gemeinsam."

B'Elanna brach in schadenfrohes Gelächter aus. In Toms Ohren klang es wunderschön. Endlich lachte sie wieder. „War es wirklich so schlimm?"

„Schlimmer. Wieso haben Sie uns nicht gewarnt?"

„Ich wollte Ihre Vorstellung von einer netten Junggesellenparty doch nicht zerstören."

„Und wie war Jadzias Party so?"

„Wirklich wunderbar. Wir hatten eine Menge Spaß."

Lächelnd, aber schweigsam, tranken die beiden ihren Kaffee aus.

„Tom", begann Torres dann zögerlich, „ich wollte mich noch mal entschuldigen, dass ich in den letzten Wochen so gemein zu Ihnen war."

„Schon vergessen. Es scheint Ihnen wieder besser zu gehen?"

„Ja. Ja, die Hochzeit hat mich wieder aufgemuntert. Es war wirklich toll gestern Abend", sagte sie begeistert.

„Und ein gewisser Julian Bashir hat wohl auch dazu beigetragen", meinte Tom amüsiert.

„Was?", fragte die Halbklingonin ihn verdutzt, „Wieso glauben Sie…?"

Doch Paris kam ihr zuvor. „Ach, kommen Sie, Torres, Sie beide haben gestern Abend ziemlich auffällig miteinander geflirtet."

„Und wenn schon. Was geht Sie das an?"

„B'Elanna, so meinte ich das doch gar nicht. Ich finde es gut, dass Sie jemanden gefunden haben, den Sie mögen." Hatte er das gerade wirklich gesagt? Er liebte sie doch selber, sie konnte doch keinen anderen haben? Vielleicht ist es aber besser so, redete Tom sich ein.

„Okay, Sie haben Recht. Ich mag Julian sehr." „Da sehen Sie, ich kann auch ohne Sie klarkommen", sprach eine Stimme in B'Elannas Kopf. Doch kurz darauf bereute sie diesen Gedanken schon wieder. Tom freute sich für sie und sie selbst sah dies als ihren persönlichen Rachezug an. Das war nicht fair.

„Haben Sie heute Abend Zeit? Wir könnten doch zusammen essen", erklärte Tom schließlich.

„Ich dachte, wir hätten uns auf Freundschaft geeinigt?", fragte sie ihm mit einem verschmitzten Lächeln und verschränkte ihre Arme.

„Ja, ich meine ja auch ein gemeinsames Essen unter Freunden", redete sich der blonde Mann heraus.

„Tut mir leid, Paris. Aber ich bin leider schon verabredet."

Was? B'Elanna war verabredet? „Mit wem?"

„Julian Bashir", lächelte B'Elanna und stand auf.

„Sie lassen auch wirklich nichts anbrennen, Torres?", lachte Tom, obwohl B'Elannas Antwort ihm einen eigenartigen Stich versetzte hatte.

Die Ingenieurin verdrehte ihre Augen: „Ich muss zu Arbeit. Bis später."

Als sie gegangen war, saß Tom immer noch im Quarks. Zu hören, dass Torres nun offenbar einen anderen Mann attraktiv fand, hatte ihm zwar anfangs nicht sonderlich gefallen, doch je mehr er sich mit dem Gedanken beschäftigte, desto einfacher erschien ihm diese Lösung. Fortan brauchte er nicht mehr über seine Zuneigung für die junge Halbklingonin nachdenken, sie konnte jetzt ihren eigenen Weg gehen.

Paris seufzte. Glaubte er das wirklich? Nur, weil sein Kopf ihm einredete, dass nun alles besser sei, wollte sein Herz nicht auf diese Entscheidung hören. Doch ihm würde ab jetzt wohl nichts anderes mehr übrig bleiben. Durch seine eigene Dummheit hatte er B'Elanna für immer verloren.


„B'Elanna, Sie sehen einfach umwerfend aus!", rief der junge Doktor Bashir, als B'Elanna die Holosuite betrat. Sie trug ein nachtblaues Kleid; es war schulterfrei und fiel an den Knien zu einem bauschigen Tüllrock hinunter. Ihr war selbst nicht ganz klar gewesen, warum sie sich so schön angezogen hatte. Doch sie hatte sich vorgenommen, diesen Abend, dieses Date, mit ihrer neuen Bekanntschaft wunderbar werden zu lassen.

„Danke", antwortete sie dem Mann leicht errötend, der sich ebenfalls für dieses Dinner schön herausgeputzt hatte. Höflich führte Bashir B'Elanna an einen der Tische im Restaurant. Das Restaurant war im Stil der 1930er gestaltet: Kleine, runde Tische waren überall im großen Saal verteilt, auf ihnen standen leuchtende Kerzen. Eine Big Band spielte im Hintergrund.

„Julian, es ist wirklich wunderschön hier", sagte Torres, als sie sich setzte.

„Schön, dass es Ihnen gefällt", lächelte Bashir. „Also, worauf haben Sie Hunger?"

Nach dem Essen forderte Julian B'Elanna zum Tanzen auf. Zunächst wollte sie ablehnen, doch dann stimmte sie zu. Als sie zu zweit über das Parkett schwebten, kamen Erinnerungen in Torres auf. Vor nicht allzu langer Zeit hatte sie mit Tom getanzt. Plötzlich fühlte sie sich unwohl. Noch bevor die Musiker das Lied zu Ende gespielt haben, zog sie sich von Bashir weg. Dieser sah sie besorgt an: „Stimmt etwas nicht, B'Elanna?"

„Nein", stotterte sie, „es ist nur…"

„Paris", antwortete er auf einmal, „Sie denken an Paris, nicht wahr?"

Torres schwieg und mied seinen durchdringlichen Blick. Eine wütende Reaktion erwartend, machte sie vorsichtig einen Schritt zurück.

Doch Bashir ging auf sie mit einem kleinen Lächeln zu. „Ist schon okay, B'Elanna. Ich bin Ihnen nicht böse." Dann plötzlich tat er noch etwas, was sie nicht erwartete hätte: Julian nahm B'Elanna in den Arm. Und überraschenderweise störte Torres dies gar nicht. Im Gegenteil, ein warmes Gefühl stieg in ihr auf und sie schlang ihre Arme ebenfalls um den jungen Mann.

Irgendwann lösten sich die beiden wieder aus der Umarmung und standen sich gegenüber.

„B'Elanna, ich weiß, dass Sie offenbar etwas für Paris empfinden, aber wieso sagen Sie ihm das denn nicht einfach?"

„Das ist es nicht. Ich meine, okay, ich … ich war, in Tom verliebt. Aber das hat sich sowieso alles verändert, schließlich … schließlich hat er eine Freundin."

„Oh", erwiderte Bashir. Er schluckte. „B'Elanna, hören Sie. Ich weiß nicht, was zwischen Ihnen und Paris war oder ob Sie noch Gefühle für ihn haben. Aber ich weiß, dass Sie mich seitdem Sie an Bord von DS9 gekommen sind, mich einfach nur fasziniert haben und ich Sie wirklich sehr gerne mag. Und außerdem hat mir dieser Abend mit Ihnen trotz", er stoppte kurz, um die passenden Worte zu finden, „trotz dieses kleinen Zwischenfalls sehr gefallen. Also, wenn Sie wollen, könnten wir das gern noch einmal wiederholen.", erklärte er ihr aufmunternd.

Zögernd sah B'Elanna Bashir an. Wie konnte jemand, der sie kaum kannte, schon so von ihr schwärmen? Wie konnte Julian, obwohl er wusste, dass sie immer noch Gefühle für einen anderen Mann hegte, sie so sehr mögen? Ihre Gedanken kreisten. Bashir tat ihr fast schon leid. Andererseits wusste sie von den anderen Frauen an Bord, dass Julian schon immer ein Frauenheld gewesen sei. Und doch, Julian war süß, er mochte sie, sie mochte ihn. Wenigstens konnte sie so endlich diesen Idioten Paris vergessen. Als ihr immer noch nicht die passenden Worten eingefallen waren, um Bashir zu antworten, fasste sie schließlich einen Entschluss.

Sie ging einen Schritt auf den dunkelhaarigen Doktor zu und stellte sich auf die Zehenspitzen, während sie ihre Hände auf seine Schultern legte. Vorsichtig zog sie ihn zu sich heran und langsam brachte sie ihre Lippen zu seinen. Zuerst küsste sie ihn nur ganz zärtlich, fast fragend, ob dies für ihn in Ordnung sei. Doch dann erwiderte Julian den Kuss.

Als sie sich endlich wieder voneinander lösten, war er es, der als Erster wieder zu Wort kam: „Also, das könnten wir auch gern noch einmal wiederholen."

B'Elanna lachte.

Der Abend würde also doch noch wunderbar werden.


Eine glückliche B'Elanna Torres machte sich auf den Weg zur Mittagspause. Der gestrige Abend war einfach unglaublich gewesen. In Bashirs Nähe fühlte sie sich einfach geborgen, dass war für sie als Halbklingonin schon etwas sehr Ungewöhnliches. Paris – den hat sie schon längst wieder vergessen. Zumindest fast. Julian war ihre Zukunft, warum sollte sie dann noch über den blonden Piloten nachdenken?

„Guten Tag, Commander", begrüßte sie der Barbesitzer Quark wie immer. „Dasselbe wie jeden Mittag, nehme ich an?"

„Natürlich", antwortete sie ihm und setzte sich. Kurz darauf brachte er ihr die gewünschten Bananen-Pfannekuchen, die sie schon als Kind über alles geliebt hatte.

„B'Elanna, darf ich mich zu Ihnen setzen?"

„Natürlich, Jadzia", und schon saß die frisch verheiratete Frau neben ihr. „Wie waren die Flitterwochen?"

„Es war wunderbar, Worf und ich kommen gerade von der Krankenstation", erklärte sie der Ingenieurin mit einem Augenzwinkern.

B'Elanna schaffte es, sich ein Grinsen zu verkneifen. „Wo ist ihr Mann denn?"

„Wahrscheinlich bei Sisko, berufliche Angelegenheiten", erklärte sie kurz. „Was ist mit Ihnen? Wie lief das Date mit Julian?"

„Woher wissen Sie…?", begann Torres verdutzt.

„Die Station mag groß sein, aber wichtige Dinge sprechen sich immer schnell herum", erwiderte Dax mit einem Lächeln. „Also, wie ist es gelaufen?"

„Gut…denke ich", wich Torres ihr aus.

„Ach kommen Sie, Sie können schon ein bisschen genauer werden." Jadzia lehnte sich über den Tisch: „Also, was ist passiert?"

„Nun ja, wir...wir haben uns geküsst", strahlte B'Elanna. Dann begann sie, ihrer neuen Freundin vom gestrigen Abend zu berichten.


„Guten Tag, Commander", begrüßte Tom Torres, als er ihre Station betrat, „hier ist der CONN-Report, den Sie wünschten."

„Danke", antwortete B'Elanna kurzatmig, schnappte sich das PADD und widmete sich wieder ihrer Arbeit.

„Und?", fragte er ganz unauffällig und lehnte sich näher zu ihr herunter.

„Was denn?"

„Scheint ganz gut mit Ihnen und Bashir gelaufen zu sein."

„Und wenn schon", wich sie aus, „Was geht Sie das an?"

„Ach, kommen Sie, Torres", erklärte er ihr, „die ganze Station weiß bereits jedes kleinstes Detail über Ihr Date."

Endlich drehte B'Elanna sich um und sah in das Gesicht eines amüsiert grinsenden Paris. „Was? Woher?"

„Hier weiß offenbar jeder über jeden bescheid. Es ist eben eine kleine Station."

„Es ist eine riesige Station."

Einen Moment war Stille.

„Wie auch immer, ich muss wieder an die Arbeit", entschuldigte sich Tom und ging.

B'Elanna sah ihm hinterher. Eigentlich war es ihr auch egal, was die Station von ihr dachte. Sie hatte ja kein Verbrechen begangen. Nur warum war Paris jetzt so komisch drauf? Irgendwie kaufte sie ihm seine lockere Masche nicht ganz ab. Wieso löcherte er sie so mit Fragen? War Tom etwa eifersüchtig?

„So ein Blödsinn", redete sie sich gedanklich ein, „Tom versucht bloß, nett zu sein. Außerdem hatte ich mir doch vorgenommen, nicht mehr so viel über ihn nachzudenken. Da fällt mir ein, ich bin mit Julian ja noch zum Essen verabredet."

Durch diesen Gedanken verbesserte sich ihre Laune ungemein und voller Vorfreude beendete sie ihre heutige Schicht.


Nach einigen Wochen voller Dates und gemeinsamer Abendessen wusste bereits die gesamte Besatzung von Deep Space Nine, dass es zwischen der neuen Ingenieurin und dem Stationsarzt offenbar gefunkt hatte. Die beiden waren jetzt ein Paar und zeigten diese Tatsache auch wann immer sie zusammen ihre Freizeit verbrachten. Entweder sah man sie zusammen in die Holosuite gehen oder sie hielten verliebt Händchen im Quarks. An diesem Abend war mal wieder einer dieser Tage, die Bashir und Torres gemeinsam in der Bar der Station verbrachten.

„Ich vermisse dich jetzt schon", sagte B'Elanna fast sehnsüchtig und lehnte sich an ihren Freund.

„Es ist doch nur eine kleine Routine-Mission", erklärte Julian ihr zuversichtlich, „Wir führen den Test auf der USS Rubicon einmal durch und danach kommen wir schon wieder zurück."

„Zum Glück", lächelte die Halbklingonin und gab dem jungen Mann einen zärtlichen Kuss auf die Wange.

„Hey, mach' dir keine Sorgen, es wird schon alles gut gehen. Außerdem sollten wir darüber jetzt nicht nachdenken, wir haben schließlich noch die ganze Nacht", antwortete er B'Elanna grinsend und küsst sie zurück, diesmal auf den Mund.

::Sisko an Bashir::

Widerwillig zog sich Julian von Torres zurück: „Bashir hier."

::Ich möchte mit Ihnen noch ein paar Einzelheiten zur morgigen Mission besprechen. Kommen Sie bitte in meinen Bereitschaftsraum.::

Julian sah B'Elanna an, die sich inzwischen wieder aufrecht hingesetzt hatte. „Geh' schon", flüsterte sie ihm zu, nachdem sie anfangs erst die Augen verdreht hatte.

„Okay, ich bin auf dem Weg. Bashir Ende."

Dann wandte er sich wieder seiner Freundin zu: „B'Elanna, es tut mir so leid…"

Doch Torres legte vorsichtig ihren Zeigefinger auf seine Lippen. „Pssst, ist schon okay, Arbeit ist Arbeit. Aber wenn du nach der Besprechung noch Zeit und Lust hast, kannst du gerne noch bei meinem Quartier vorbeischauen." Verschmitzt blickte sie in seine Augen, ein kleines Lächeln erschien auf ihrem Gesicht.

„Okay, dann bis nachher, Süße", verabschiedete er sich und gab ihr einen weiteren langen Kuss, bevor er sich schließlich losriss und das Quarks verließ.

Genau in diesem Moment kam Paris auf B'Elanna zu, der die beiden Turteltäubchen schon etwas länger beobachtet hatte. Die eben gesehenen Handlungen zwischen dem neuen Liebespaar hatten ihn auf irgendeine - ihm unerklärliche – Weise verletzt. B'Elanna in dem Armen eines anderen Mannes - eine unangenehme Vorstellung für den Piloten.

„Sagen Sie mal, Torres, machen Sie das eigentlich absichtlich?", fragte er die Ingenieurin plötzlich.

„Was meinen Sie, Tom?", meinte diese verwirrt.

„Dieses alberne Rumgeknutsche mitten in der Öffentlichkeit."

„Julian und ich lieben uns, wir sind ein Paar. Und wir haben kein Problem damit, das zu zeigen", verteidigte sich B'Elanna. Was war mit Paris denn los? So hatte sie ihn noch nie erlebt. Er war doch nicht etwa…

„Paris, was ist los? Sind Sie etwa eifersüchtig?", wollte sie wissen.

„Nein, natürlich nicht", gab der blonde Mann klein bei. Mist, sie hatte ihn ertappt! Wieso musste er auch so einen unnötigen Aufstand machen?

„Was ist dann Ihr Problem?"

„Gar keins. Mich nervt nur dieses kindliche Rumturteln", versuchte Paris sich herauszureden.

„Was? Sie waren es doch, der mich vor einigen Wochen geradezu ermuntert hat, neue Beziehungen einzugehen. Und jetzt machen Sie mir deswegen Vorwürfe? Was wollen Sie eigentlich?", rief B'Elanna erbost.

Dich war die stille Antwort von Toms Herzen. Doch er riss sich zusammen. „Schon gut, B'Elanna. Ich wollte Sie nicht verärgern. Offenbar sind Sie ja jetzt nun glücklich. Gute Nacht." Auf einmal stand er auf und ging ohne ein weiteres Wort zu sagen. Völlig überwältigt schaute sie ihm hinterher.

Was zur Hölle war das gerade eben gewesen? Fragen kreisten in Torres' Kopf umher. Wieso war Paris so wütend? Oder so eifersüchtig? Und was sollte diese Kommentar, dass sie jetzt glücklich sei? Sonst hatte es ihn doch auch nicht großartig gestört, wenn sie etwas mit Julian unternahm. Aufgewühlt und voller Fragen verließ auch B'Elanna die Bar.


::Ding-Dong::

„Herein."

„Hey, B'Elanna", erklang eine ihr vertraute Stimme, „hast du etwa schon geschlafen?"

„Hallo, Julian", B'Elanna, die auf ihrem Bett gelegen hatte, setzte sich auf, „Nein, nur nachgedacht."

„Worüber?", fragte er neugierig und setzte sich zu ihr aufs Bett.

„Über Toms komisches Verhalten im Quarks vorhin." Als sie Bashir verwirrten Gesichtsausdruck sah, begann sie ihm von dem Vorfall mit Paris zu berichten…

„Ich verstehe ihn einfach nicht. Es hat ihn doch sonst auch nicht gestört, dass wir beide zusammen sind."

„Aber vielleicht hast du ja wirklich Recht und er ist eifersüchtig. Als ich bei der Besprechung mit Sisko war, kam Paris plötzlich rein und hat Urlaub beantragt."

„Was? Aber wieso?"

„Ich habe keine Ahnung, 'Lanna." Die beiden sahen sich kurz an, schwiegen aber.

Dann rückte Torres etwas zur Seite und bat Bashir, sich neben ihr zu legen. „Bleib heute Nacht hier, Julian. Ich will mir nicht den Kopf über Paris zerbrechen…Ich liebe dich", erklärte sie ihm mit einem leichten Lächeln. Dieser Aufforderung konnte Bashir nicht widerstehen.


Gähnend verließ B'Elanna ihr Quartier, um zum Promenadendeck zu gehen. Sie war dort mit Julian zum Frühstück verabredet. Zwei Wochen war Paris nun schon weg und langsam fragte sie sich, ob er je wieder zurückkommen würde. Hatte sie es etwa verursacht, ihn von DS9 zu vertreiben? Die ganzen letzten Tage hatte Torres damit verbracht, sich das vorzuwerfen. Doch immer wieder kam sie zu dem Schluss, dass sie im Grunde doch gar nichts falsch gemacht hatte. Und trotzdem, sie vermisste Tom schon ziemlich, auch wenn er manchmal echt nerven konnte und im Moment bei ihr nur für Verwirrung sorgte. Nachdenklich öffnete sie die Tür zum Turbolift. Sie erschrak plötzlich, als sie sah, wer dort vor ihr stand: „Tom!"

Verwundernd schaute er die junge Frau an: „Hallo, B'Elanna"

Während sie leicht errötete, betrat sie den Turbolift. „Promenadendeck."

Ein paar Sekunden schwiegen sich die beiden Offiziere nur an, dann beschloss Torres, das Schweigen zu brechen.

„Schön, dass Sie wieder da sind", sagte sie mit freundlicher Stimme.

„Finden Sie?"

„Nun ja, es war ein wenig still hier ohne Sie."

„Ist irgendetwas Interessantes passiert, während ich weg war?"

„Nein, nicht wirklich. Nur das Übliche. Und was war bei Ihnen so los?"

„Nun ja, Nataly und ich haben uns verlobt." Demonstrativ hielt er seine linke Hand hoch und deutete auf den mit Brillianten besetzten, silbernen Ring.

B'Elanna zog scharf die Luft ein, irgendwie hatte sie das Gefühl, dass ihr im Moment der Sauerstoff zum Atmen fehle. Hatte er das gerade wirklich gesagt? Was wollte Tom nur damit ausdrücken? Und wie zum Teufel sollte sie ihm jetzt antworten? B'Elanna sammelte so schnell wie möglich ihre Gedanken und versuchte ihre Stimme möglichst ruhig zu halten, als sie sich Paris zuwandte.

„Freut mich für Sie beide", brachte sie schließlich heraus, „Nataly ist wirklich eine sehr nette Frau." Moment, hatte sie das gerade gesagt? Wollte sie wirklich, dass ihr Tom diese Frau heiratete? Doch schon tadelte sie sich für diese Gedanken. Es war Paris' Leben, er konnte doch machen, was er wollte. Immerhin tat Torres das ja auch, indem sie mit Julian Bashir liiert war.

Der Turbolift stoppte bei Deck 2, dort lag nämlich Toms Zielort, der Bereitschaftsraum Captain Siskos.

„Wir sehen uns beim Briefing", erklärte Tom und ging. Und damit ließ eine sprachlose Halbklingonin zurück.

Seit diesem Gespräch hatten die beiden sich nichts mehr zu sagen. Eine eisige Stille war zwischen Torres und Paris entstanden, die noch einige Wochen anhalten sollte.


Computer Logbucheintrag Deep Space Nine, Captain Benjamin Sisko, Sternzeit 51952.7:

Lieutenant Commander Jadzia Dax verstarb am heutigen Tag um 21:39 Uhr. Wir haben heute nicht nur eine ausgezeichnete Offizierin verloren, sondern auch ein sehr wichtiges Familienmitglied, Frau und Freund. Sie wurde laut Bashirs Untersuchungen von einer Art Energiestrahl erfasst, der schließlich ihre Vital-Funktionen aussetzen ließ. Der Angreifer war kein geringerer als Gul Dukat."

Sisko hielt kurz inne, nachdenkend darüber, ob er nun wirklich sagen sollte, was ihn beschäftige. Er atmete tief durch.

Im Grunde ist alles meine Schuld. Ich habe versagt – als Abgesandter und auch als Freund. Während ich eine Tapferkeits-Medaille verliehen bekommen habe, stirbt meine beste Freundin, mein alter Mann. Eigentlich habe ich diesen Orden nicht verdient. Und auch nicht die Annerkennung der Bajoraner. Dieser schreckliche Krieg hat nur Schlechtes bewirkt. Und keiner kann sagen, was noch kommen wird. Selbst wenn wir diesen Horror-Kampf gewinnen werden, was nützt das schon denjenigen, die sich für den Sieg geopfert haben?"


::Ding-Dong::

Bereits zum dritten Mal betätigte Torres den Türmelder an Bashirs Tür. „Julian", fragte sie zögernd, „kann ich reinkommen? Ich weiß, dass du da bist."

Endlich öffnete sich die Tür. Das Quartier war dunkel, Bashir stand am Fenster und starrte in das Weltall hinaus. Leise stellte sich B'Elanna neben ihn.

„Ich weiß von…von Jadzia. Und es tut mir leid", sagte sie fast flüsternd.

Der dunkelhaarige Mann schwieg und beachtete seine Freundin nicht.

„Es war nicht deine Schuld, Julian."

Bashir schluckte, dann drehte er sich langsam zu Torres.

„Ich weiß und trotzdem…", seine Stimme verschwand. Er räusperte sich. „Weißt du, dass ich den beiden, Worf und Jadzia heute Morgen noch erzählt habe, dass sie ein Kind bekommen können? Jadzia war so glücklich und ist daraufhin in den bajoranischen Tempel gegangen. Und dort war dann Dukat…" Weiter sprach Julian zwar nicht, aber B'Elanna wusste, was ihm durch den Kopf ging.

„Du konntest nicht wissen, dass Dukat da war oder was er tun würde."

„Ja, aber hätte ich ihnen noch nicht von meinen Studien erzählt, dann wäre Jadzia nicht in den Tempel gegangen und dann wäre sie jetzt auch nicht tot." Tränen standen in Bashirs Augen. Traurig blickten er und seine sich Freundin an. Dann legte B'Elanna vorsichtig ihre Arme um ihn und zog ihn an sich heran.

„Julian", tröstete sie ihn leise, „was passiert ist, ist passiert. Und du hast keine Schuld daran. Wenn man jemanden die Schuld zuweisen kann, dann Dukat." Sie drückte den jungen Doktor fester an ihren Körper, das plötzliche Zittern verriet ihr, dass er nun weinte. Daraufhin fügte sie bitter hinzu: „Oder diesem furchtbaren Krieg."

Dann fing auch sie an zu weinen.


Jadzias Tod war ein harter Schicksalsschlag für alle Führungsoffiziere. Es sollte nicht bei diesem einen Todesfall bleiben. Immer häufiger starben Offiziere bei Missionen und Auseinandersetzungen mit dem Dominion. Und einige Wochen später sollte eine weitere Schreckensnachricht eintreffen, die das Leben aller für immer verändern würde…

„Ich hatte viele Freunde in diesen Gebäuden. Die Sternenflotte konnte den größten Teil der Angriffsstreitkräfte der Breen zerstören, aber bis dahin war der meiste Schaden schon angerichtet", erzählte Captain Sisko mit gesenkter Stimme der Briefing-Crew. Auf dem Bildschirm war ein verwüstetes San Francisco zu sehen. Kaum ein Gebäude war noch intakt, selbst die Golden Gate Bridge war zerbrochen. Schockiert schwiegen alle Anwesenden. Auch der klinonische General Martok saß dieser kurzfristig einberufenen Besprechung bei.

Sich erhebend, begann er zu sprechen: „Wir müssen dem Feind Respekt zollen. Einen Angriff auf das Hauptquartier der Sternenflotte zu starten – sogar mein Volk hat das nie versucht. Wir haben heute etwas sehr wichtiges über die Breen gelernt, Captain: Sie", er deutete auf den kleinen Computerbildschirm, „sind eine Rasse von Kriegern."

„Das ist aber auch schon alles, was wir wissen.", bemängelte Benjamin, „Unsere Geheimdienstberichte sind bestenfalls skizzenhaft."

„Captain, jeder Spezies hat ihre Schwächen. Sie stellen keine Ausnahme dar", antwortete Martok ihm.

Lange sah Sisko den Klingonen an. „Ich hoffe, Sie haben Recht." Dann wendete er sich an die Crew. „Aber welche Schwäche das auch ist - wir sollten sie besser bald finden."

Plötzlich herrschte Stille in dem kleinen Raum. Die Nachricht hatte ihre Wirkung nicht verfehlt.

„Gibt es Tote?", fragte B'Elanna auf einmal mit erstickter Stimme. Diese Frage brannte ihr auf der Zunge wie nichts anderes, denn sie wusste, dass Harry und Libby in einem Apartment nahe der Golden Gate Bridge wohnten. Sie musste einfach sichergehen, dass es ihrem Kumpel Sternenflotte gut ging.

Sisko wich ihrem Blick aus. „Die Sternenflotte hat noch keine genauen Angaben bekannt gegeben. Aber die Todeszahl wird auf mehrere hundert Personen geschätzt."

Torres spürte, wie der Kloß in ihrem Hals ihr immer mehr die Kehle zuschnürte. Auch Tom erging es nicht anders. Besorgt sah er seine Kollegin an. Dann, ohne Vorwarnung, stand er auf.

„Captain", begann er, „ich erbitte hiermit die Erlaubnis, zusammen mit Commander Torres für kurze Zeit, die Erde zu besuchen."

„Schon wieder, Lieutenant?", sagte Benjamin verwundert.

Bevor Paris antworten konnte, griff Torres ein. „Es geht nicht um uns, Sir", meinte sie mit leicht zitternder Stimme, „sondern um einen Freund."

Sisko musterte die beiden Offiziere, daraufhin sah er Captain Chakotay an, der ihm zustimmend zunickte. „Also gut, ich gewähre Ihnen eine Woche."

„Danke, Captain", antworteten Torres und Paris fast synchron.

B'Elanna gab Julian einen flüchtigen Kuss auf die Wange und flüsterte ihm zu: „Ich bin bald wieder da. Mach dir keine Sorgen."

Dann verließen sie und Tom den Raum, um mit dem nächsten Shuttle zur Erde zu fliegen.


Während des Fluges war sowohl Tom als auch B'Elanna sehr still gewesen. Beide hatten ein unangenehmes Gefühl. Als sie durch San Francisco gegangen waren, kamen sie sich vor wie in einem von Toms Horrorfilmen, die er sich manchmal auf einem Kasten namens Fernseher angeschaut hatte. Alles lag in Trümmern und die sonst so belebte Stadt war wie ausgestorben. Es waren kaum Leute unterwegs. Nun standen Sie vor dem Apartment, in dem Libby und Harry Kim wohnten. Oder besser gesagt, sie standen vor dem Ort, wo sich einst das Apartment befunden hatte. Denn alles, was davon übrig geblieben war, waren ein paar Steine, Holz- und Glassplitter. Verzweifelt drehte sich B'Elanna zu Tom, am liebsten hätte sie angefangen zu weinen. Aber das wollte sie garantiert nicht vor Paris' Augen tun.

„Hey", sagte er leise, „lassen Sie uns zu Harrys Eltern gehen. Vielleicht sind die beiden ja dort." Obwohl er selbst seinen eigenen Worten nicht glaubte, versuchte er, Torres Mut zu machen. Also machten sie sich zu Harrys Elternhaus auf.


Mrs. Kim öffnete Tür und brach unmittelbar in Tränen aus, als sie Torres und Paris erblickte. Das konnte nichts Gutes bedeuten. Die beiden gingen hinein und bemerkten, dass bereits die gesamte Familie Kim sich hier versammelt hatte. Mr. Kim kam auf sie zu, seine Miene war finster: „Mein Sohn und meine Schwiegertochter sind beim Angriff der Breen ums Leben gekommen."

Tom hatte das Gefühl, man hätte ihm den Boden unter den Füßen weggezogen. Sein bester Freund war für immer weg. Harry war tot. Plötzlich standen ihm Tränen in den Augen. Traurig sah er seine Kollegin an.

B'Elanna wirkte wie versteinert, offenbar stand sie unter Schock. Harry war tot, ihr bester Freund, der immer wie ein kleiner Bruder für sie gewesen war, ihre Sternenflotte. Und dann war da auch noch Libby. Eine, der nettesten Personen, die B'Elanna je kennen gelernt hatte. Das Ehepaar Kim war so voller Lebensfreude gewesen, voller Liebe und Wärme. Wie konnte das Schicksal so etwas tun? Zwei so wunderbare Menschen das Leben nehmen?

B'Elanna spürte noch nicht einmal, wie Tom sanft seine Arme um sie legte und sie tröstend an sich heranzog.


„Solange ihr uns liebt, leben wir weiter.
Bewahrt uns in euren Herzen.
Und wenn unser Bild in euch verblasst,
auf Dauer, jetzt noch nicht,
selbst dann wird unsere Liebe uns verbinden."

Eine Gruppe von ungefähr 30 schwarz gekleideten Leuten hatte sich auf einem kleinen Friedhof in San Francisco versammelt. Ihre Gesichter waren alle blass und voller Trauer. Passend zur Stimmung hatte sich der Himmel dunkel verfärbt, während es in Strömen regnete. Heute, zwei Tage nach dem Geschehen, wurden Harry und Libby Kim beerdigt. Viele ihrer Freunde und ehemaligen Kollegen waren gekommen sowie natürlich auch ihre Familien. Unter ihnen waren auch Tom Paris und B'Elanna Torres. Die Ereignisse der letzten Tage hatten die beiden schwer getroffen.

„Solange ihr uns liebt, tief in euren Herzen,
leben wir weiter, sind wir da, wo immer ihr auch seid.
Abwesend, anwesend,
auch wenn ihr es nicht spürt,
oder nur ab und zu vielleicht."

Nachdem die zwei Särge in das ausgehobene Grab heruntergelassen worden waren, kam ein Pastor und segnete die letzte Ruhestätte der Verstorbenen. Dann hatten die Anwesenden Zeit, sich von ihren Freunden zu verabschieden. Als Torres und Paris an das Grab herantraten, ergriff Tom B'Elannas Hand. Mit Tränen in den Augen blickte sie ihn kurz an, ihm erging es nicht anders. Libby und Harry Kim, zwei ihrer besten Freunde, waren tot. Bisher hatte also so unfassbar erschienen, dass sie jetzt erst den Ernst der Situation wirklich wahrnehmen konnten. Mit zitternder Hand warf B'Elanna eine weiße Rose auf die beiden Särge.

„Wenn ihr traurig seid, dass wir so nicht mehr sind,
so wisst, dass es auch uns nicht leicht fiel,
euch allein zu lassen.
Weint ruhig, aber lasst danach
auch wieder Licht in eure Herzen scheinen."

Nun wurde das Grab wieder mit Sand zugeschüttet. Jeder Schaufelschlag stach bei B'Elanna und Tom tiefer ins Herz. Ihre Gedanken kreisten nur um ihre zwei toten Freunde. Unter all den Gedanken der Trauer waren auch Schuldgefühle. Die beiden machten sich Vorwürfe, nicht für die Leute, die sie wirklich liebten, da gewesen zu sein, als sie sie brauchten. Immerzu waren Torres und Paris auf Deep Space Nine beschäftigt, dass sie gar nicht mehr an ihre Freunde gedacht hatten. Während sie ein paar lächerliche Streitereien auszutragen hatten, waren ihre besten Freunde so grausam ums Leben gekommen.

Plötzlich zog sich B'Elanna näher an Tom und vergrub ihr gesucht in seiner Schulter. Er konnte spüren, wie sie anfing zu zittern und zu weinen. Der ganze Druck, der sich in den letzten Wochen zwischen den beiden aufgebaut hatte, war nun unwichtig geworden. Als auch Toms Wangen von Tränen überflutet wurden, drückte er B'Elanna fest an sich, um auch seinen Kummer irgendwie freizusetzen.

„Wir werden da sein, einst, wenn ihr uns braucht
und selbst über die Schwelle tretet,
über die wir jetzt gegangen sind.
Bis dahin lebt, so viel ihr könnt,
habt lieb so viel ihr könnt,
geht euren Weg mit Kraft zu Ende."

Auch nachdem alle gegangen waren, blieben Torres und Paris einander umarmend am Grab stehen. B'Elanna schluchzte immer noch unkontrollierbar. Tom hatte sich inzwischen wieder etwas beruhigt und legte sanft seine Hand auf B'Elannas Kopf. „B'Elanna", sagte er sanft, „kommen Sie. Lassen Sie uns nach Hause gehen." Aneinander gelehnt verließen sie gemeinsam den Friedhof.


„Kommen Sie herein", erklärte Paris, als er seine Wohnungstür öffnete. B'Elanna betrat das kleine Apartment. Es war hell und freundlich eingerichtet, doch trotzdem erinnerte es sie irgendwie an ein Studentenzimmer. Überall lagen ein paar Sachen herum, eben typisch Tom. Er führte sie ins Wohnzimmer, auf dessen Couch Torres Platz nahm.

„Geht es Ihnen wieder etwas besser?", fragte er zaghaft.

„Ja", antwortete sie mit heiserer Stimme. „Tom, wegen vorhin…danke, dass Sie da waren."

„Kein Problem. Sie können heute Nacht hier übernachten, dann brauchen Sie nicht schon wieder ins Hotel. Wenn Sie wollen, kann ich Ihnen ein paar trockenen Klamotten und eine Decke besorgen."

„Ja, danke. Das wäre nett", antwortete sie mit einem kleinen Lächeln, das Toms Herz wieder aufleuchten ließ.

„Okay, ich bin gleich wieder da."


Als B'Elanna plötzlich aufwachte, war sie für einen Augenblick desorientiert. Sie sah sich um und erkannte, dass sie immer noch mit einer Decke auf Toms Couch lag. Dabei konnte sie sich gar nicht mehr daran erinnern, dass er ihr die Decke gebracht hatte. Vermutlich war sie bereits vorher eingeschlafen. Spät konnte es noch nicht sein, sie hörte Stimmen aus der Küche. Wahrscheinlich war sie auch deswegen aufgewacht. Immer noch etwas verschwommen im Kopf versuchte sie, sich auf diese Stimmen zu konzentrieren.

„…was ist eigentlich dein Problem, Nataly?", fragte Tom.

„Mein Problem ist diese fremde Frau, die da auf unserem Sofa liegt", antwortete eine wütend klingende Frau.

„B'Elanna ist keine Fremde, sondern meine Freundin", erklärte er ruhig.

„Das macht die Sache nur noch schlimmer. Ich dachte, wir wären verlobt und jetzt komm' ich nach Hause und da liegt diese andere Frau!"

„Nataly, beruhige dich, erstens ist es eine Ausnahme, dass ich B'Elanna mit hierher gebracht habe. Und zweitens geht es ihr im Moment wirklich schlecht."

„Dann soll die woanders hingehen", meinte Nataly mürrisch.

„Nein, B'Elanna bleibt jetzt die Nacht über hier."

„Na, toll!", schrie die blonde Frau plötzlich, „Dann gehe ich eben!"

Daraufhin hörte B'Elanna das Knallen der Haustür. Langsam setzte sie sich auf und legte ihre Arme um die angewinkelten Beine. Klasse, jetzt ruinierte sie auch noch Toms Beziehung! Im Moment wurde ihr einfach alles zu viel. Harrys und Libbys Tod, die Beerdigung der beiden, die ewige Streiterei mit Tom und nun auch noch das Zerstören seiner Beziehung – wieso musste eigentlich so vieles im Leben schief gehen? In dieser Nacht weinte sie sich selbst in den Schlaf.


„Guten Morgen, B'Elanna", begrüßte Tom sie am nächsten Morgen, als sie sich zu ihm an den Küchentisch setzte.

Sie gab ihm ein schläfriges „Guten Morgen" zurück. Ihre Stimme klang immer noch ein wenig heiser, was insbesondere daran lag, dass sie gestern so viel geweint hatte. Gemeinsam aßen sie Frühstück.

„Tom, ich werde heute wieder nach DS9 gehen", meinte sie schließlich.

„So früh schon?", fragte er verwundert, „wir haben doch noch einige Tage frei. Wollen Sie wirklich schon gehen?"

B'Elanna sah ihm kurz in die Augen, antwortete aber nicht. Tom verstand auf einmal.

„Sie haben Nataly und mich wohl gestern Abend gehört."

Wieder sagte Torres nichts, stattdessen senkte sie ihren Blick.

„Hören Sie, B'Elanna, Sie haben keine Schuld daran, was gestern passiert ist und dass ich mich mit Nat gestritten habe."

„Ich will Ihnen und Nataly aber nicht im Weg stehen", sagte sie endlich und erhob sich, „und genau das tue ich, wenn ich hier bleibe."

„Aber, B'Elanna…", begann Tom, als sie aufstand. Ein Teil von ihm wollte einfach, dass sie blieb.

„Kein aber, Tom", sagte sie mit überraschend fester Stimme. „Genießen Sie noch Ihre restlichen freien Tage. Wir sehen uns dann bald."

Mit diesen Worten schnappte sie sich ihre Jacke und ging zur Tür. Doch bevor sie hinausging, drehte sie sich noch einmal um.

„Danke, Tom. Für alles."


Zwei Wochen waren nun bereits vergangen, nachdem B'Elanna auf die Station zurückgekehrt war. Tom war nur wenige Tage nach ihr wieder auf DS9. Doch die Funkstille zwischen den beiden war abermals entstanden. Die Zwei hatten schwer zu kämpfen mit dem Verlust von ihren Freunden. Während B'Elanna häufig in Bashirs Armen zu sehen war, schlich Tom ganz alleine und nachdenklich über das Promenadendeck von Deep Space Nine. Am heutigen Abend hatte Vic Fontaine, die Hauptperson des Holoprogramms, das gewöhnlich in der Holosuite lief, zu einem Tanzabend eingeladen, um die Rettung seines Programms zu feiern. Eigentlich war weder Torres noch Paris danach zumute, doch sie wollten die anderen nicht enttäuschen…

„Ach, Julian", seufzte B'Elanna, „wenn du heute Abend nicht gehst, dann gehe ich auch nicht."

„Doch, das tust du, Süße", erwiderte Bashir und legte seine Hände auf ihre Schultern.

„Willst du mich etwa zwingen?", fragte sie mürrisch, die Arme verschränkend.

„Natürlich nicht, aber du musst endlich wieder unter die Leute kommen. Außerdem ist es doch nur ein Abend."

„Wieso kannst du dir denn nicht frei nehmen?"

„Ich habe die Notdienst-Schicht auf der Krankenstation, 'Lanna. Sonst würde ich gerne mitkommen", entschuldigte er sich und gab ihr einen sanften Kuss auf die Stirn. Vorsichtig legte er einen Zeigefinger unter ihr Kinn und hob ihr Gesicht. „Versprich mir, dass du wenigstens heute Abend mal in der Holosuite vorbeischaust." Er schenkte ihr ein aufmunterndes Lächeln.

„Wenn dich das glücklich macht."

„Allerdings, das tut es. Also, dann viel Spaß", er küsste sie zum Abschied noch einmal auf den Mund, „Bis morgen."

Als sich Bashir zum Gehen wandte, rief sie seinen Namen.

„Ja, 'Lanna?"

Jetzt lächelte auch Torres ein wenig. „Holst du mich morgen früh zum Frühstück ab?"

„Auf jeden Fall. Viel Spaß nachher!"

Ein wenig traurig, dass sie alleine gehen musst, bereitete sich B'Elanna auf den Abend vor. Zur gleichen Zeit hatte Paris ein ähnliches Problem. Seine Verlobte Nataly, die ihn eigentlich hatte heute besuchen wollen, hatte abgesagt. Über eine Bild – zu – Bild Transmission versuchte er, Nat dazu zu überreden, doch noch zu kommen.

„Ach, Tom", klagte sie, „ich hab dir doch schon gesagt, dass ich hier Unmengen an Arbeit zu erledigen habe."

„Nataly, ich hatte mich so auf den Abend mit dir gefreut", sagte Tom mit enttäuschter Stimme. „Jetzt kann ich nicht hingehen."

„Natürlich kannst du das. Nur weil ich nicht dabei bin, kannst du doch mitmachen."

„Aber ohne dich?"

„So schlimm wird's schon nicht. Jetzt hau' schon ab", lächelte sie ihm vom Bildschirm aus an, „sonst werde ich niemals mit meiner Arbeit fertig und du verpasst die Feier."

„Okay, okay", ergab sich Paris schließlich, „ich geh' ja schon. Und du, überarbeite dich nicht!"

„Werd' ich nicht. Und Tom, ich liebe dich." Sie warf ihm eine Kusshand zu.

„Ich dich auch. Bis bald."

Und so machte sich Paris sowie Torres alleine auf zur Holosuite.


Es war 21:00 Uhr, alle geladenen Gäste hatten sich bereits in der Holosuite versammelt, in der zurzeit das Programm von Vic Fontaine lief. Dieses Programm zeigte einen typischen Nachtclub der 1960er Jahre in Las Vegas. Für den heutigen Abend war die Lounge besonders geschmückt. Blumensträuße standen überall, ein großer Scheinwerfer leuchtete auf den noch geschlossenen Vorhang der Bühne. Da kam auch schon Vic Fontaine hinter dem Vorhang hervor und begrüßte die Anwesenden.

„Guten Abend, meine lieben Freunde! Vielen Dank, dass Sie alle gekommen sind! Ich hoffe, Ihnen wird der Abend gefallen. Und nun…" Er blickte kurz zu seiner Band und nickte, woraufhin sie zu spielen begann. „…dürfte ich sie alle auf die Tanzfläche bitten?"

Amüsiertes Lachen ertönte, doch schnell hatten sich fast alle Paare im Raum verteilt. Darunter sogar Benjamin Sisko und seine frisch angetraute Frau Kasidy.

Out of the tree of life, I just picked me a plum
You came along and everything started to hum
Still it's a real good bet, the best is yet to come"

Währenddessen blieb Torres jedoch an der Bar sitzen. Kurze Zeit später kam Paris auf sie zu und gesellte sich zu ihr. Sie sah einfach umwerfend in ihrem schwarzen Minikleid aus. B'Elanna sah ihn kurz an, blickte dann aber schnell weg. Nervös nippte sie an ihrem Gin Tonic.

„Sie sind alleine hier?", fragte Tom schließlich und bestellte sich ebenfalls ein alkoholisches Getränk.

„Ja", erklärte B'Elanna knapp. „Julian hat Notdienst auf der Krankenstation." Als Paris nichts erwiderte, musterte sie ihn neugierig. „Was ist mit Nataly? Ich dachte, sie wollte heute Abend kommen."

„Sie muss arbeiten."

Torres nickte stumm und nahm einen weiteren Schluck. Tom tat es ihr gleich. Eine unangenehme Stille folgte.

Endlich brach B'Elanna das Schweigen, länger hätte sie das nicht mehr ausgehalten. „Übrigens wollte ich mich noch bei Ihnen bedanken, dass Sie nach Harry und Libbys Tod für mich da waren", druckste sie herum, „das war wirklich nett von Ihnen."

Plötzlich erhellte sich Paris' Gesicht. „Nicht der Rede wert, es war für uns beide schließlich eine harte Zeit." Er lächelte ein wenig.

Überraschenderweise erwiderte B'Elanna sein Lächeln und nach so vielen Tagen der Trauer konnte er endlich wieder einmal Freude in ihren Augen aufblitzen sehen.

Während sich die Zwei einander tief in die Augen schauten, spielte im Hintergrund Fontaines Song „The Best is yet to come".

The best is yet to come, and babe won't that be fine
You think you've seen the sun, but you ain't seen it shine"

Herausfordernd sah Paris sein Gegenüber an, dann hob er seine Hand und ergriff ihre. Mit einem funkelnden Blick sagte er: „Darf ich bitten?"

B'Elanna lachte, es fühlte sich schön an, so unbeschwert mit Tom den Abend zu verbringen. Alle Sorgen, alle schweren Gedanken waren auf einmal wie weggeblasen. Fröhlich nahm sie seine Forderung an und die beiden betraten die Tanzfläche.

"Wait till the warm-up is underway
Wait till our lips have met
Wait till you see that sunshine day
You ain't seen nothin' yet"

Während sich die Beiden durch den Raum bewegten, kamen Erinnerungen in ihnen hoch. Das letzte Mal gemeinsam getanzt hatten sie auf Harrys Hochzeit. Es war damals so ein wunderschöner Tag gewesen, es gab in dem Leben der Offiziere weder den Dominion – Krieg, noch irgendwelche Beziehungen zu anderen Personen. An dem besagten Abend war eine Hoffnung gewachsen, die jedoch in den darauf folgenden Tagen und Wochen wieder zunichte gemacht worden war. Tom Paris war verlobt, B'Elanna Torres liiert – aber trotzdem schien es zwischen ihnen noch zu funken. Hatten sie ihre Chancen wirklich verspielt?

The best is yet to come, babe and won't that be fine
The best is yet to come, come the day that your mine

Come the day that your mine
I'm gonna teach you to fly
We've only tasted the wine
We're gonna drain that cup dry"

Aber all diese Gedanken an die schwierigen Umstände der Situation hatten Torres und Paris in diesem Moment verdrängt. Gemeinsam schwebten sie über das Parkett, während ihre Augen funkelten. Der Schmerz über Harrys und Libbys Tod vergessen, die Angst vor dem Krieg nicht anwesend. Das Tanzpaar rückte noch ein wenig enger aneinander, im Hintergrund ertönte weiche, sanfte Musik.

Wait till your charms are right, for the arms to surround
You think you've flown before, but you ain't left the ground"

Immer noch durch Blickkontakt verbunden, stoppten die Zwei plötzlich. Ihre Herzen schlugen einen in einem synchronen, ununterbrochen schnellen Rhythmus. Beide waren außer Atem, nicht, weil sie getanzt hatten, sondern weil ihnen der gemeinsame Augenblick die Luft wegnahm. Angespannt brachte Tom seine Hand an B'Elannas Wange, die daraufhin ihre Augen schloss. Sanft strich er über ihr Gesicht – über ihre Wangenknochen, ihre Stirnwülste und über ihre vollen, roten Lippen. B'Elannas Augen öffneten sich wieder und sahen in ein von Leidenschaft gezeichnetes Gesicht. Paris lehnte sich herunter zu ihr, so dass sein Mund genau neben ihrem Ohr war. Mit dunkler, verführerischer Stimme sagte er: „Wollen wir woanders hingehen?"

Überrascht von seinem Vorschlag, aber dennoch voller Freude nickte sie zustimmend. Dann nahm sie seine Hand und die beiden Freunde verließen zusammen die Holosuite. Nur wenige Minuten später betraten sie B'Elannas Quartier, beide wissend, wohin diese Nacht führen würde.

Wait till you're locked in my embrace
Wait till I hold you near
Wait till you see that sunshine place
There ain't nothin' like it here

The best is yet to come, and won't that be fine
The best is yet to come, come the day that your mine"


B'Elanna erwachte langsam. Sie lag ausgestreckt und auf der Seite in ihrem Bett, das Gesicht halb unter der Bettdecke verborgen. Ihr Mund war trocken und in ihrem Kopf pochte es. Irgendwie fühlte sie sich benommen, als hätte sie die letzte Nacht durchgemacht. Vorsichtig streckte sie den rechten Arm in die Luft und gähnte dabei leise. Kahless, ihre Schulter tat vielleicht weh! Was hatte sie nur gemacht? Daraufhin zog sie ein Knie an ihren Oberkörper, sodass ihr Oberschenkel ihren Brustkorb berührte. Das Bein war fast taub und zog schmerzvoll, als Torres es dehnte. Während ihr Gehirn immer noch gegen die immer noch anwesende Müdigkeit ankämpfte, spürte sie einen warmen Körper an ihrem Rücken. Sanft stupste sie ihn mit dem Ellbogen an, um sich ein wenig Platz zu verschaffen. Schläfrig murmelte sie: „Julian, was machst du hier? Ich will schlafen." Der Körper antwortete ihr, indem er einen haarigen Arm über ihren nackten Bauch legte und sie dichter an sich zog. Warmer Atem hauchte in ihr Ohr. „Warte mal", kam ihr zufällig der Gedanke, „hat Julian nicht Notdienst? Wenn ja, wer liegt dann hier in meinem Bett?"

Plötzlich war B'Elanna bei vollem Bewusstsein, voller Panik riss sie die Augen auf und sie erinnerte sich – an alles.

Am gestrigen Abend war der Festball in der Holosuite gewesen, anlässlich der Rettung von Vic Fontaines Holoprogramm. Sie war allein hingegangen, weil Bashir zur Arbeit auf die Krankenstation musste. Auf der Feier hatte sie sich dann an die Bar gesetzt und offenbar einige Drinks gehabt, wie ihr brummender Kopf vermerken ließ. Und dann war Tom auf sie zugekommen und die Zwei hatten endlich Frieden geschlossen. Doch danach wurde alles verschwommen, er hatte sie zum Tanzen aufgefordert, woraufhin sie seltsamerweise eingewilligt hatte. Genau wie auf seinen späteren Vorschlag, woanders hinzugehen. Und nun lag sie hier neben ihm in ihrem eigenen Bett.

Sie hatten Sex gehabt, oh ja, und was für welchen! Es war für sie schon immer klar gewesen, dass gerade Womanizer Tom Paris ein ziemlich guter Liebhaber sein muss. Aber so…er war nicht nur gut gewesen, sondern geradezu wunderbar. Sie beide zusammen waren wunderbar gewesen. Und alles, was sie verlangt hatte, hatte er ihr gegeben. Und sie hatte viel verlangt. Niemals war sie so mit einem Mann umgegangen, niemals so hartnäckig mit ihrer Vorstellung von Genuss, niemals so offen und ehrlich mit ihren geheimsten Fantasien. Sie hatte ihn geführt – in den seltenen Fällen, in denen er ihre Führung gebraucht hatte – jedes Mal hatte er ihre Bedürfnisse nur allzu wollend erfüllt. Währenddessen hatte sie ihn ebenso ungezügelt verwöhnt. Sie war so wild dabei gewesen, so grob, so…klingonisch.

Wie spät es wohl war? Und was machte sie überhaupt noch im Bett? Immer noch geschockt über ihr nächtliches Handeln, schob sie die Decke zurück und versuchte sich aus dem Griff des Armes zu befreien. Dabei wurde Tom wach, der auf einmal sein Augen leicht öffnete und ein verschlucktes „Morgen" hören ließ. Offensichtlich hatte Paris gar nicht realisiert, was passiert war und jetzt lag es an Torres, das klarzustellen. Sie seufzte schwer.

„Tom!"

Das Vernehmen von B'Elannas Stimme ließ ihn vor Schreck die Augen aufreißen. Verwirrt streifte sein Blick Torres' nackten Körper. „B'Elanna? Was machst du hier?" Als er erkannte, dass sie beide keine Kleidung mehr trugen, formulierte er seine Frage um: „Was machen wir hier?"

„Gute Frage", warf B'Elanna panisch zurück, „dreimal darfst du raten!"

„Wir haben doch nicht…", begann er und obwohl sie ihm nicht antwortete, wusste er: „Wir haben."

Einige Sekunden herrschte Stille. Es dauerte einige Zeit bis diese öffentliche Aussprache der Tatsachen die beiden erreicht hatte. Tom war der Erste, der wieder zur Besinnung kam. „Oh mein Gott", schrie er auf, „was hab ich getan? Ich hab meine Verlobte schon vor der Heirat betrogen!" Völlig aufgebracht lief er durch den Raum, nachdem er eine Decke um seine Hüften gebunden hatte. In dieser Zeit saß B'Elanna immer noch im Bett, die gleichen Schuldgedanken umgaben sie. „Oh nein, nein, nein! Was habe ich Julian damit nur angetan?", schrie sie aus.

Kahless – Julian!!

Er wollte sie heute Morgen zum Frühstück abholen. Er könnte jeden Augenblick hereinspazieren. Hastig sprang sie auf und fing an, ihre Klamotten vom Boden aufzusammeln. Paris blickte sie fragend an. „Julian", brachte Torres nur hervor und drückte ihm seine Sachen in die Arme.

Genau im selben Moment ertönte der Türmelder. „Schnell, geh' ins Bad!", flüsterte sie Paris zu und streifte sich das Nötigste an Kleidung über.

Da vernahm sie auch schon eine Stimme auf der anderen Seite der Tür. „B'Elanna? Kann ich reinkommen?" Eindeutig Julian.

B'Elanna öffnete ihren Mund, um etwas zu erwidern, aber brachte zunächst keinen Ton heraus. Sie atmete einmal tief durch, um sich zu beruhigen, und sagte dann mit leicht zitternder, nervöser Stimme, die sie krampfhaft versucht, normal zu halten: „Ich komme sofort, Schatz." Sobald die Halbklingonin sich sicher war, dass Tom im Badezimmer verschwunden war, öffnete sie die Tür. Ein lächelnder Julian Bashir stand in im Türrahmen.

Mit einem flüchtigen Kuss auf die Wange begrüßte er sie: „Guten Morgen, B'Elanna."

„Morgen", gab sie leise zurück. Allein der Kuss hatte ihrem Gewissen mächtig zugesetzt. Was, wenn Julian davon erführe, was letzte Nacht geschehen ist? Wie konnte sie nur so dumm sein? Warum…

Doch dann riss Bashir sie aus den Gedanken. „Hast du etwa noch geschlafen?"

„Ja", sagte sie und biss sich kurz auf die Lippe, „wie spät ist es denn?"

„Bereits 9 Uhr", war die knappe Antwort, als er sah, wie aufgewühlt seine Freundin da vor ihm stand. Liebevoll legte er einen Arm um ihre Schultern. „Ist alles in Ordnung, B'Elanna?"

„Ich…", ihre Stimme verlor sich, aber sie zwang sich weiter zu sprechen, „ich habe nur schlecht geschlafen, das ist alles."

„Okay, wollen wir los ins Kasino?"

B'Elanna sah an sich herunter. „Geh' schon mal vor, ich dusche, ziehe mich an und komme dann hinterher", meinte sie mit einem zaghaften Lächeln.

„Gut. Bis gleich, Süße", Bashir küsste sie noch einmal – diesmal auf die Lippen – und ging dann.

Seufzend ließ sich Torres aufs Bett fallen, als Paris wieder, jetzt vollständig angezogen, aus dem Bad kam.

Schlecht geschlafen, huh?", fragte er sarkastisch.

„Sei still! Es ist sowieso besser, wenn du jetzt gehst."

„B'Elanna, wir müssen darüber reden, was zwischen uns passiert ist, sonst…"

Wütend unterbrach Torres ihn: „Sonst was? Sonst wird es noch einmal passieren? Das glaube ich kaum. Ich will mit dem Geschehen von letzter Nacht nichts zu tun haben…"

„Was? Das kannst du doch nicht einfach tun. Wieso…"

„Natürlich kann ich das. Wir werden so tun, als wäre das alles nie passiert. Haben Sie mich verstanden, Lieutenant?"

„Ja", knurrte er zurück und öffnete die Tür. Er wollte gerade gehen, als B'Elanna seinen Namen sagte.

„Was ist denn noch?"

„Glauben Sie mir, Paris, so ist es das Beste. Für alle Beteiligten", dabei dachte sie nicht nur an Bashir, sondern auch an Toms Verlobte Nataly.

„Wie Sie meinen, Commander. Wir sehen uns beim Briefing."


Beim gemeinsamen Frühstück mit Julian war B'Elanna ebenso still gewesen, wie nun beim Briefing. Tom erging es nicht anders. Immer noch mit den nächtlichen Ereignissen beschäftigt, sahen sie sich ab und zu in die Augen, um dann fast ängstlich wieder wegzuscheuen. Benjamin Siskos Worte holten die beiden Offiziere zurück in die Realität: „Haben Sie mich verstanden, Commander Torres?"

„Was?", stieß sie aus und zuckte beim Anblick Siskos zusammen.

„Scheint so, als hätte da jemand zu wenig Schlaf gehabt, hm?", bermerkte der Captain ämusiert.

B'Elanna schwieg. Ben wusste doch nicht etwas? Unsicher sah sie zu Bashir, der sie anlächelte. Okay, es bestand also kein Grund zur Panik.

„Ich sagte soeben", erklärte Sisko jetzt mit ernster Stimme, „dass die Evolution heute in den cardassianischen Raum eindringen wird, um einige Kriegsgefangene der Cardassianer zu retten. Diese hatten sich selbst aus dem Gefängnis befreien können und es bis auf einen unbewohnten M – Klasse Planten nahe der Grenze geschafft. Ihre Aufgabe ist es also, dort hinzu fliegen, die Leute an Bord zu beamen und sie sicher nach Deep Space Nine zu bringen. Captain Chakotay übernimmt die Leitung dieses Projekts, aber ich will nicht, dass alle Besatzungsmitglieder mitgehen, ich brauche auch noch einige hier. Obwohl ich überlegt habe, Bashir mit ihnen zu schicken, habe ich mich dafür entschieden, dass wir ihn hier brauchen. Gerade im Betracht dessen, dass wir immer noch ein Gegenmittel gegen die Krankheit der Formwandler finden müssen."

„Ja, Sir", nickte Bashir.

„Also gut", meinte Sisko und wandte sich zu Chakotays Offizieren, Torres und Paris, „Sie wissen, was zu tun ist. Wegtreten." Sie antworteten mit einem stummen Nicken. Dann, ohne Tom auch nur eines Blickes zu würdigen, stand B'Elanna auf und verließ zusammen mit Chakotay den Raum. Sehnsüchtig sah Paris ihr nach bis Kira ihm ein PADD in die Hand drückte und ihn ebenfalls aus dem Zimmer schob.


Angespannt betrat Paris den Maschinenraum der Evolution. Vor gerade mal zwei Stunden waren sie von Deep Space Nine aufgebrochen und nun auf den Weg zur cardassianischen Grenze. B'Elanna hatte ihn über die COMM zu sich gerufen, da es plötzlich einige Probleme zwischen den Maschinen und der Steuerung gegeben hatte. Aus diesem Grund konnte das Schiff jetzt erstmal nur mit Impuls weiter vorankommen.

„Sie haben mich gerufen, Commander?", fragte Tom, sich ganz professionell verhaltend.

„Ja, Lieutenant", antwortete die Chefingenieurin kühl. „Der Warpkern hatte einige Fluktuationen, die meine Crew aber bereits kompensiert hat. Trotzdem möchte ich die Steuerung erst einmal in den Maschinenraum verlegen, um den Verlauf auch weiterhin zu überwachen."

„Wie Sie meinen, Commander", erwiderte er nicht minder kühl und trat an die Station. Nachdem er die Steuerung an diesen Ort übertragen hatte, wartete er auf seinen nächsten Befehl.

„Also gut, Paris", rief B'Elanna ihm zu, „bringen Sie uns auf Warp 6."

Als das Schiff sich ohne Probleme den Ausführungen fügte, beschloss Tom endlich das schwierige Thema zwischen ihm und der Halbklingonin anzusprechen.

„B'Elanna", begann er und lief langsam herüber zu ihrer Station, „wir müssen über letzte Nacht reden."

Mit funkelnden Augen starrte sie ihn an, schüttelte dann bestimmt den Kopf. „Nein, Tom, da gibt es nichts mehr zu reden und selbst wenn, würde ich das garantiert nicht jetzt tun" meinte sie und deutete auf den von Offizieren gefüllten Maschinenraum. Die Blicken der Beiden trafen sich noch einmal, doch Torres wich ihm schnell aus und begab sich wieder an die Arbeit.

Dass sie alles, was zwischen ihnen vorgefallen war, nicht akzeptieren wollte und sogar ignorierte, machte Paris noch wütender und verzweifelter. Mit einem Ruck ging er auf sie zu und zog sie ein wenig an den Armen, damit sie sich umdrehte. „Nein, B'Elanna", erklärte er mit sich erhebender Stimme, „wir müssen das klären und zwar jetzt."

So schnell sie konnte, befreite sich Torres aus seinem Griff, einige neugierige Offiziere hatten bereits das Geschehen beobachtete. Doch als B'Elanna auch sie böse anschaute, wandten sie sich wieder ihrem Dienst zu – schließlich hingen die Besatzungsmitglieder der Evolution an ihren Leben.

„Seien Sie gefälligst leise, Paris", zischte sie und drängte ihn in eine ruhigere Ecke des Raumes. Als sie bemerkte, dass es wohl keinen anderen Ausweg geben würde, als ein klärendes Gespräch mit ihm zu führen, um ihn endlich aus dem Maschinenraum zu treiben, stimmte sie zu.

„Also gut, Tom", fing sie an, „Wir werden reden, aber nicht jetzt. Kommen Sie in der Mittagspause in die Schiffskantine."

„Wollen Sie es schon wieder verschieben? Wir könnten auch jetzt reden, zum Beispiel in ihrem Büro."

„Das ist keine gute Idee, Lieutenant."

„Oder wie wär's in ihrem Quartier?", bohrte der Pilot weiter nach. Allein der Gedanke daran ließ ein mulmiges Gefühl in ihr aufsteigen. In ihrem Quartier? Mit Tom Paris? Alleine? Oh nein, wahrscheinlich würde sie nur wieder irgendeine Dummheit begehen und am nächsten Morgen erneut neben einem nackten Paris aufwachen. Dieses Risiko wollte sie auf keinen Fall eingehen.

„Ich sagte, in der Kantine", meinte sie trotzig und wandte sich zum Gehen, um endlich mit der Arbeit fortzufahren.

„Aber…", sagte Tom darauf, doch sein Kommunikator piepste.

::Chakotay an Paris::

„Paris hier."

::Was treiben Sie so lange im Maschinenraum, Paris? Der Warpantrieb ist längst wieder einsatzfähig, das soll heißen, ich brauche meinen Piloten hier, auf der Brücke::

Die Stimme des Captain klang wütend, also gab Tom sich geschlagen: „Ich bin auf dem Weg, Sir. Paris Ende."

Flüchtig sah er in Torres' Augen, sie zeigten eine Art Erleichterung. „Also gut, Torres. Wir sehen uns in der Kantine."


„Also?", fragte B'Elanna betont, als sie sich in ihrer Mittagspause zu Tom in die Kantine setzte. Außer den Zweien war keiner anwesend. Die meisten Besatzungsmitglieder waren auf Grund des hohen Sicherheitsrisikos noch an ihren Stationen, die anderen aßen in ihren Quartieren zu Mittag. Denn, wie auf jedem normalen Schiff, wusste hier jeder, dass Replikator-Essen eindeutig besser schmeckte als dieses Kantinenzeugs.

„Also was?"

Torres verdrehte genervt die Augen, sah ihn dann aber direkt an. „Sie wollten doch reden, Paris."

„Ja." Paris schluckte. Er wollte mit ihr reden. Dringend. Doch nun, wo sie hier vor ihm saß, was sollte er da zu B'Elanna sagen? „Ja, wegen letzter Nacht…nun ja…ich meine…" Es fielen dem blonden Mann einfach keine passenden Worte ein. Was sollte er nur tun? Erzählen, dass er nur sie wollte, aber er trotzdem bei Nataly bleiben würde, allein aus Anstand?

Die Halbklingonin schien seine Sprachlosigkeit nur noch mehr zu stören. Tom wollte Klarheit schaffen. Und jetzt, wo er die Möglichkeit dazu hatte, bekam er nicht den Mund auf. „Spucken Sie's schon aus", warf sie ihm entgegen.

Ihre Worte klangen so hart in Toms Ohren. Die Person, die er so sehr mochte, hasste ihn offenbar. Wieso hatte er nur mit ihr geschlafen? Die Sache zwischen ihnen beiden war ohnehin schon schwierig genug gewesen.

B'Elanna ertrug diese drückende Stille nicht mehr. Deshalb stand sie auf und wandte sich zum Gehen. Diese Regung schien Toms Verstand wieder aufzuwecken. Er erhob sich ebenfalls und ergriff ihre Hand, um sie daran zu hindern, wegzulaufen. Reflexartig drehte sie sich um.

„Warte…", kam es Paris schließlich über die Lippen. Aber dann verebbte seine Stimme, als er in B'Elannas wunderschönen, schokoladenbraunen Augen sah. Er hätte in den unendlichen Tiefen darin versinken können.

„Was?", sagte sie. Sie hatte es mit einem zynischen Unterton aussprechen wollen, stattdessen verwandelte sich der Ausspruch in eine eher schüchterne Frage. Wie in Trance trafen sich wieder einmal ihre Blicke und blieben aneinander hängen.

Paris musste ihr jetzt einfach die Wahrheit sagen. Wenn er es jetzt nicht tun würde, hätte er womöglich nie wieder eine Chance dazu. Außerdem schrieen Torres' Augen geradezu nach einer Antwort. Ein letztes Mal schluckte er.

„B'Elanna, ich…ich liebe dich."

Es dauerte ein Sekunde bis bei B'Elanna die Nachricht ankam. Vor Erstaunen öffnete sie den Mund. Diese Reaktion hatte Tom nicht erwartet. Er hatte damit gerechnet, dass sie wütend sein würde, doch nun stand sie sprachlos vor ihm.

Endlich wusste er, was er jetzt tun musste. Wie in Zeitlupe brachte Tom seine Lippen an ihre und die Zwei versanken in einem tiefen Kuss. Alles war auf einmal vergessen. B'Elannas Beziehung mit Julian, Toms Verlobung mit Nataly. Sogar die Tatsache, dass sie sich mitten im Krieg auf einer gefährlichen Mission befanden, nahmen sie nicht wahr.

Als sie sich schließlich wieder voneinander lösten, waren sie beide immer noch außer Atem. B'Elanna öffnete den Mund, bereits um auf sein Liebesgeständnis zu antworten. „Tom, ich…"

Genau in diesem Moment ertönte der rote Alarm. Überall verfärbten sich die Lichter und Warnsignale hallten durch die Evolution. Daraufhin erklang eine Ansprache von Captain Chakotay.

::An alle Besatzungsmitglieder. Die Führungsoffiziere müssen sofort an ihre Stationen kommen. Wir werden von drei cardassianischen Kreuzern angegriffen::

Der Augenblick zwischen Paris und Torres war zerstört. Hastig rannten sie aus der Kantine, während Erschütterungen durch das Schiff fuhren.


„Paris", schrie Chakotay, als Tom die Brücke betrat, „schnell, übernehmen Sie die Steuerung." Ein weiterer Schlag traf die Evolution. Die Brückencrew wurde heftig herumgewirbelt. Paris schaffte es schließlich, an seiner CONN-Konsole anzukommen.

„Die Schilde sind runter auf 40 Prozent", rief Fähnrich Menosky. Ein anderer Offizier fügte hinzu: „Die strukturelle Integrität sinkt, auch die Energiezufuhr ist behindert. Der Maschinenraum vermeldet soeben, dass der Warpkern beschädigt wurde."

„Lieutenant Stuart, zielen Sie auf die Antriebsvorrichtungen der Kreuzer", befahl der Captain.

„Ja, Sir."

„Und Feuer!" Einige Phaser-Strahlen trafen die angreifenden Schiffe, doch der Schaden an der Evolution war zu groß, um etwas anrichten zu können.

„Noch mal!"

„Sir", warf Menosky ein, „die Schild sind nur noch bei 10 Prozent."

Chakotay stand nun vor einer schwierigen Entscheidung. Er wusste genau, dass die Evolution diesen Kampf nicht gewinnen konnte. Sie waren nicht nur eins zu drei unterlegen, sondern auch noch stark beschädigt. Der Warpantrieb war bereits ausgefallen, die Krankenstation vermeldete zahlreiche Tote und Verletzte. Schweren Herzens hatte Chakotay seine Entscheidung getroffen.

„Alle Crewmitglieder sofort in die Rettungskapseln! Ich wiederhole, alle Crewmitglieder sofort in die Rettungskapseln!", ließ er verkünden.

Geschockt reagierten die Anwesenden auf seine Aussage. Schnell verließen alle die Brücke. Alle, bis auf Paris und Chakotay.

„Worauf warten Sie, Paris?", rief der Captain laut.

„Der Maschinenraum ist komplett von der Kommunikation abgeschnitten, auch die Türen dorthin lassen sich nicht mehr öffnen", antwortete der Pilot panisch, „Wir müssen etwas tun! Wir können die Leute da unten nicht einfach sterben lassen!" Ich kann B'Elanna nicht einfach sterben lassen war eigentlich der wahre Gedanke, der in Toms Kopf vorging.

Ernst blickte Chakotay den anderen Mann an. „Ich werde gehen", sagte er dann bestimmt, „und Sie sorgen dafür, dass Sie hier verschwinden."

„Aber…", stotterte Tom los.

„Kein aber, Lieutenant. Das war ein Befehl!"

„Ja, Sir."


Zwei Wochen.

Seit zwei Wochen hatte Tom B'Elanna nun nicht mehr gesehen. Der Großteil der Rettungskapseln hatte es innerhalb von vier Tagen geschafft bis zu einer nahe gelegenen Sternenbasis zu kommen. Von dort aus waren die Überlebenden der Evolution mit einem Transporter nach Deep Space Nine gebracht worden. Keiner wusste, was mit den Übriggebliebenen auf der Evolution passiert war. Die Maschinenraumbesatzung, Captain Chakotay und B'Elanna waren noch drüben gewesen.

B'Elanna.

Was wäre, wenn sie tot ist? Die Frau, die Paris über alles liebte, einfach nicht mehr am Leben. Nein, das konnte nicht sein. B'Elanna konnte nicht tot sein. Schnell versuchte Tom, diese dunklen Gedanken zu verdrängen. Mit wenig Erfolg. Immer wieder musste er an den Kuss in der Kantine denken. Vielleicht hätten sie endlich eine Chance gehabt. Doch nun war jegliche Vorstellung davon zerbrochen.

Was sollte Paris jetzt tun? Die Liebe seines Lebens war verschwunden, wahrscheinlich sogar tot.

Er musste hier weg. Weg von Deep Space Nine. Weg von den Erinnerungen. Doch wo sollte er hin? Auf die Erde? Dort wartete Nataly auf ihn. Und Nataly war eigentlich die letzte Person, die ihm jetzt helfen konnte. Trotzdem hielt er es nicht mehr hier auf der Station aus. Er würde zurück auf die Erde gehen, zumindest, um die schmerzhaften Gedanken an B'Elanna zu verdrängen.


Schweigend packte Paris in seinem Quartier seine Sachen zusammen. Captain Sisko hatte ihm die Versetzung zur Sternenflottenzentrale auf der Erde gewährt. Während Tom in Erinnerungen schwelgte, bemerkte er nicht, dass Julian Bashir durch die offen stehende Tür hereinkam. Auch Bashir hatte in den letzten Tagen sehr gelitten. Beim Gedanken an B'Elanna ging es ihm genau wie Paris. Vorsichtig räusperte er sich.

Tom drehte sich um. „Hallo."

„Hi." Stille herrschte zwischen den beiden Männern. Auf eine tragische Weise erfuhren sie beide das gleiche Leid. Zudem fühlte sich Paris auch noch schuldig, immerhin hatte er mit Julians Freundin geschlafen.

Bashir brach das Schweigen. „Sie wollen also DS9 verlassen?"

„Ja", antwortete Tom mit trockenem Hals. Er fühlte sich plötzlich noch unwohler als zuvor. Es beschlich ihm das dringende Verlangen, dem Arzt die Wahrheit zu sagen. Das würde wahrscheinlich auch in Torres' Interesse liegen. „Julian", begann er, „es gibt da etwas, dass Sie über B'Elanna und mich wissen sollten."

„Ich weiß", unterbrach Bashir ihn. Als er Toms fragenden Blick sah, sprach er weiter: „Ich weiß zwar nicht alles, aber einiges. Es war nicht gerade einfach, nicht zu bemerken, was zwischen Ihnen beiden lief. Aber das ist schon okay. Es zählt jetzt auch nicht mehr, was war, sondern nur noch, dass wir B'Elanna eines Tages wieder finden."

Tom erkannte die Ehrlichkeit in seinen Worten und nickte. Dann nahm er seine Tasche und wandte sich zum Gehen.

„Viel Glück, Paris."

„Danke."

„Und Tom, noch etwas", erklärte Julian und sah den blonden Mann dabei direkt an. „Ich habe immer gewusst, dass Sie sie lieben."

Ende von Part 2/3

Ich hoffe, es hat euch gefallen. Ein Part kommt noch!

Feedback an meine E-Mail Adresse, oder einfach hier reviewen!