Nick hätte nicht erwartet, dass Saras neues Heim ein Haus war. Sie hatte nie etwas dafür übrig gehabt.
Nick klingelte und wartete ungeduldig. Er wusste nicht, was er zu ihr sagen sollte. Doch irgendetwas würde ihm schon noch einfallen.
„Kann ich Ihnen helfen?", fragte ein großer gut aussehender Mann, als die Tür geöffnet wurde.
Nick war verwirrt. „Oh, ich glaube, ich habe mich in der Tür geirrt.", sagte er und drehte wieder um.
„Zu wem wollen sie denn?", fragte der Mann.
Nick blieb stehen und antwortete: „Zu Sara Sidle."
Der Mann bekam ein Lächeln. „Dann sind sie hier richtig. Sie müsste auch gleich kommen. Wenn sie wollen, können sie drinnen warten."
Nick nickte. Er wusste nicht, wer dieser Typ war, aber anscheinend war er nett. Er betrat das Haus und guckte sich neugierig um. Es war gemütlich.
„Ich bin Alex MacKenzie.", stellte sich der Mann vor.
Nick ergriff seine Hand. „Nick Stokes."
Alex nickte und bedeutete Nick sich ins Wohnzimmer zu setzen. Nick setzte sich auf eine Couch, die viel zu bequem war. Er fühlte sich nicht wohl.
Alex setzte sich ihm gegenüber und lächelte ihn an. „Also, woher kennen sie Sara?", fragte er neugierig.
„Ich bin ein alter Freund. Wir haben zusammen gearbeitet." Nick wollte ihm nicht die ganze Wahrheit erzählen, er kannte ihn nicht einmal.
„Oh, aus San Fransisco?", fragte Alex.
Nick runzelte die Stirn. „Nein, aus Las Vegas."
Alex guckte verwirrt. „Da muss ein Irrtum vorliegen. Sara hat nie in Las Vegas gearbeitet."
Nick war überrascht. Anscheinend erzählte Sara jetzt noch weniger von sich als vorher. „Wir haben uns auf einem Seminar kennen gelernt." Er wusste nicht warum er log, aber er wollte Sara auch nicht in Schwierigkeiten bringen.
Alex nickte. Er wollte etwas sagen, aber er wurde von einem Schlüssel in der Tür unterbrochen. „Das muss Sara sein."
Nick stand auf. Er traute sich jedoch nicht mehr zu tun, da er nicht wusste, wie sie reagieren würde.
Alex ging in den Flur und begrüßte Sara. „Hallo Schatz, du hast Besuch." Nick konnte sehen, wie er Sara einen Kuss gab.
Sara brachte keinen Ton raus. Sie starrte Nick nur an und dieser tat es ihr gleich. Alex räusperte sich und holte Sara so aus ihrer Erstarrung.
„Soll ich euch beide alleine lassen, dann könnt ihr alte Geschichten austauschen.", schlug Alex vor.
Sara erwiderte: „Schon gut, wir gehen auf die Veranda." Alex begriff, dass er hier nichts mehr zu suchen hatte.
Er schaute wortlos dabei zu, wie Sara mit Nick auf die Veranda ging.
Sara setzte sich auf eine Hollywoodschaukel. Nick blieb stehen. Er wusste nicht, was passieren würde, wenn er in Saras Nähe war.
„Nick, du kannst dich setzen. Es ist schon okay.", sagte Sara.
Nick nickte und setzte sich neben sie. „Wer ist Alex?", fragte Nick.
Sara mied es in seine Augen zu gucken. „Er ist mein Verlobter. Wir heiraten am Wochenende."
Nick hätte nie gedacht, dass ihm eine Aussage so wehtun würde. Er konnte nicht glauben, dass Sara das gesagt hatte.
„Bist du dir sicher?", fragte er verzweifelt.
Sara nickte. „Ja, ich bin mir sicher, sonst würde ich es nicht tun."
Nick starrte geradeaus. Er konnte nicht richtig erkennen, was vor ihm war. In diesem Moment begrub er den letzten Funken Hoffnung, den er all die Jahren sorgfältig in seinem Herzen getragen hatte.
„Ich vermisse dich.", sagte er und war gleichzeitig von seinem Ausspruch überrascht. Aber es war die Wahrheit und er hatte nichts mehr zu verlieren.
„Nick, warum bist du hier?" Sara hatte Angst vor der Antwort.
Nick rieb sich nervös die Hände. „Ich wollte wissen, warum du gegangen bist."
Sara überlegte. Eigentlich wusste sie die Antwort auf diese Frage selbst nicht. „Es war alles zu viel. Es hat mich kaputt gemacht und ich wusste, dass ich sterben würde, wenn ich dort bleibe."
Sie bekam Tränen in den Augen. Ihre Stimme brach. Nick wusste, dass sie nicht anfangen würde zu weinen. Das hatte sie in den vergangenen Jahren zu oft getan.
„Sara… meinst du, wir haben noch eine Chance?", fragte Nick. Es war eine dumme Frage, die er niemals hätte stellen sollen.
Sara dachte darüber nach und blickte Nick ins Gesicht, als sie sagte: „Ja, das haben wir."
Nick konnte nicht glauben, was er da hörte. Der Funke Hoffnung fing wieder an zu glühen. Doch Saras nächste Worte löschten ihn wieder.
„Aber nicht zusammen."
Nick wusste nicht, wie er darauf reagieren sollte, also stand er auf und ging. Er blickte sich nicht noch einmal um, denn dann wäre er gestorben.
Sara schloss die Tür hinter sich. Sie wischte sich die Tränen aus den Augen und überprüfte ihr Spiegelbild, bevor sie in die Küche ging.
Alex stand an der Küchentheke und trank eine Tasse Kaffee. Er lächelte sie an, als sie hereinkam.
Ohne ein Wort zu sagen, gab er ihr einen Kaffee. „Wie war dein Tag?", fragte Sara. Sie erwähnte mit keinem Wort das, was draußen vorgefallen war.
Alex guckte sie an. Er stellte seinen Becher auf den Tisch und ging zu ihr. „Er ist mehr als nur ein alter Freund oder?"
Sara blickte ihm nicht ins Gesicht. Sie hätte nicht ertragen ihn so offen anzulügen. „Nur ein Freund, ich kenne ihn aus San Fransisco."
Hätte Nick vorhin nicht gesagt, dass er Sara aus Las Vegas kannte, wüsste Alex auch so, dass Sara log.
„Können wir das einfach vergessen und ins Bett gehen? Heute war ein harter Tag und ich bin todmüde."
Alex nickte. Er nahm Sara an der Hand und sie gingen schlafen. Allerdings lag Sara die ganze Nacht wach, denn Nick ging ihr nicht aus dem Kopf.
