Kapitel 1 - Das erste Zusammentreffen
Noch eine Straße, ein Netzschwung und ich wäre endlich da. Eigentlich hatte ich gehofft heute mal ohne Kampf Manhattan genießen zu können. Einfach oben auf einer Häuserecke hocken, den Menschen auf der Straße unter mir beim Schimpfen zu hören und irgendwann, wenn es Zeit wäre weiter zum Time Square zu schwingen um dort die neusten Schimpftriaden von meinem Lieblings-New-Yorker JJJ an zu hören. Wenn ich so darüber nachdenke, wäre das wohl auch nicht so entspannend gewesen. Dann lieber den Trapster vermöbeln und hoffen, dass morgen wenigstens ein kleiner gutgemeinter Satz im Daily Bugle über mich steht.
Ah, und schon bin ich da. Da ist er ja. Trapster war großer glatzköpfiger Mann, dessen Gehirn genauso wie seine Munition aus einer klebrigen, gelben Masse bestand. Genau wegen dieser klebrigen, gelben Masse hatte er sich Trapster genannt, da jeder der die Masse berührte festhängen blieb. Im Grunde so ähnlich wie bei meinen Netzen. Allerdings schoß ich wie gesagt Netze oder dünne Fäden und nicht ein Klumpen ungenießbarem Wackelpudding. Ich glaube, Trapster hatte sogar einen Namen für den gelben Wackelpudding, allerdings ist dieser mir gerade entfallen. Na ja, wird wohl nicht so wichtig sein. Was man aber noch über den Trapster wissen sollte war, dass er einer Gruppe von Superschurken angehörte. Den Frightfull Four, bestehend aus dem Wizard,der die Gravität beeinflussen kann, Thundra, einer blutrünstigen Kriegerin aus einer anderen Dimension und Klaw, der aus lebendigen Sound besteht. Alle machten aber, wie gerade zu sehen, auch ab und zu Alleingänge. Trapster war von allen jedoch der Schwächste, daher würde das hier für mich kein Problem werden. Leichtfüßig landete ich hinter ihm, während er seine Beute aus der Bank, die er ausgeraubt hatte, gerade in einen Kleintransporter packte. Ich nahm die verängstigten Blicke der Bankinsassen war. Trapster hatte vermutlich ein paar von ihnen mit seinem Wackelpudding festgeklebt. Aber darum müsste ich mich später kümmern.
„Jo, Trapster, lang nicht mehr gesehen!", sagte ich schließlich laut und mein Gegenüber drehte erschrocken um 180 Grad. „Hey, willst du kein Hallo sagen? Das ist aber sehr unhöflich."
Jetzt erst schien er zu realisieren, wer von ihm stand, denn er zog seine Wackelpudding-Kanonen und richtete sie auf mein Gesicht. Anstatt mir nun endlich „Guten Tag" zu sagen, drückte er ab und zwei Wackelpudding-Geschosse flogen auf mich zu. Ich duckte mich schnell und sah über meine Schulter als es hinter mir Klong machte, da der Wackelpudding ein großes, leeres Auto erwischt hatten. Der Besitzer würde sich über den überdimensional großen Kaugummi auf dem blauen Lack bestimmt nicht freuen.
„Dafür solltest dich bei dem Besitzer entschuldigen, Trapster", meinte ich und deutete mit dem Daumen auf das Auto.
„Was machst du hier, Spinne?", fragte mich Trapster und lud seine Waffen.
„Dumme Frage, Trappi. Ich bin hier um böse, kleine Jungs, wie dich einzufangen, damit sie bevor sie mit Wackelpudding um sich schießen, erst das Gemüse, was die liebe Mama gekocht hat, aufessen."
Ich sah, wie eine Ader an Trapsters Schläfe pulsierte und machte mich innerlich bereit seinen Angriffen auszuweichen. Eine Sekunde später folgten auch schon die Wackelpudding-Bomben. Ich machte einen Salto und sprang über den Trapster auf die Ladefläche des Kleintransporters. Kaum hatte mein Gegner sich umgedreht, schoss ich zwei Netze auf seine zwei Wackelpudding-Kanonen um die Läufe zu stopfen. Dies funktionierte sogar sehr gut, denn nun konnte der Trapster keine Schüsse mal abfeuern. Trotzdem versuchte er es natürlich und das hätte er nicht tun sollen, denn auf einmal machte sein großer Rucksack, indem er seinen Wackelpudding aufbewahrte, komische Geräusche. Ich spürte wie mein Spinnensinn klingelte und nahm eine der großen Transportertüren, und versteckte mich hinter dieser in dem Transporter. Ein lauter Knall ertönte und als ich dann auf der anderen Seite wieder hinaus guckte, sah ich den Trapster in seinem eigenen Wackelpudding festsitzen.
„Tja, da ist wohl der Trapster in seine eigene Falle geraten", sagte ich und hörte noch die wüsten Beleidigungen, die er mir an den Kopf schmiss, ehe ich im Innenraum der Bank angelangt war und die Gefangenen von ihrer klebrigen Last befreite. Draußen hörte ich auch schon die viel zu vielen Polizeiwagen die Straße hinauf fahren um meine Arbeit einzusammeln. Um keine Fragen beantworten zu müssen, schwang ich mich, kaum das ich wieder draußen war, auf das nächste Hausdach und war nach kurzer Zeit außer Sichtweite der Polizisten und Schaulustigen. Ich blieb aber noch in Hörweite, sodass ich sicher sein konnte, dass beim Verladen des Trapsters alles glatt gelaufen war. Wäre ja schön blöd, wenn ich ihn einfange, er aber dank den Polizisten eine Sekunde später schon wieder auf freiem Fußr laufen würde.
Nun war es mittlerweile schon recht spät, Tante May sollte heute früher von der Arbeit kommen und da ich ihr versprochen hatte, schon etwas zum Essen zu kochen, machte ich mich langsam auf den Heimweg. Ich freute mich, endlich mal mehr als nur eine Kleinigkeit einkaufen zu gehen, für meine liebste Person auf der Welt, tun zu können. Seit Onkel Bens Tod hatten wir beide, und besonders sie es nicht gerade leicht, daher war es mir umso wichtiger, dass wir zusammen hielten und uns gegenseitig halfen. Und wenn ich etwas mehr half, da May mehr im Krankenhaus arbeitete, machte das auch nichts. Ich schwang mich also von Hausecke zu Hausecke, flog immer mal wieder etwas höher und genoss den Anblick der großen Stadt. Ich kannte Manhattan, sogar sehr gut, aber sie konnte mich immer wieder in ihren Bann ziehen, mit ihren großen, teils unförmigen Wolkenkratzern und den vielen bunten Lichtern, und das egal bei welcher Tageszeit. New York City hatte etwas Magisches ansich, durch das einem nie langweilig wurde die Stadt zu erkunden oder einfach nur ihre Vielfalt zu genießen.
Gerade als ich mich an einem großen Hochhaus vorbeischwang, spürte ich meinen Spinnensinn leise anklopfen und hörte eine Sekunde später ein schepperndes Geräusch. Alarmiert blieb ich an einer Hauswand sitzen und ordnete die Richtung ein, aus der die Geräusche kamen. Neugierig schwang ich mich daraufhin auf die andere Seite des Hauses in eine nicht vielbefahrende Straße und kletterte dort weiter nach oben, bis ich fast am Dach angekommen war. Dann sah ich auf die andere Straßenseite, besser gesagt auf die etwas niedrigergelegenden Häuserdächer, die ich von meiner Position gut überblicken konnte. Es waren insgesamt vier Häuser, die alle etwas kleiner waren und die in einem großen Viereck standen, gesäumt wurden diese dann von größeren Hochhäusern und Wolkenkratzern, so wie meines. Die Geräusche, dich mich aufmerksam gemacht hatten, kamen von Dächern der vier Häuser auf den reges Treiben war. Auf dem vorderen linken und von mir aus weiter wegliegenden Hausdach befanden sich mehrere Personen. Fünf von denen konnte ich mehr oder weniger ins Gesicht blicken, ausnahmslos alle befanden sich jedoch im Angriffsmodus. Einer von ihnen hielt einen silbernen Koffer in der Hand. Die restlichen Personen standen mit dem Rücken zu mir, allerdings erkannte ich ein paar von ihnen dennoch. Der vorderste von ihnen hatte einen blau, rot, weißen Anzug an und einen großen, runden Schild in der Hand. Ein weiterer trug eine rot, goldene ganzkörper Rüstung. Dann gab es noch zwei ganz in schwarz, der Mann hatte zudem einen gespannten Bogen zwischen den Fingern, die Rothaarige kämpfte anscheinend ohne Waffen. Was zur Hölle machten die Avengers hier? Zumindest ein Teil. Allerdings gab es noch zwei weitere Männer, die mir aber nicht bekannt vorkamen. Vielleicht neue Rekruten?
Zwei Sekunden später nachdem ich realisiert hatte, dass dort ein paar der größten Helden der Geschichte Amerikas standen, stürzten die beiden feindlichgesonnenen Gruppen schon wieder aufeinander los. Captain Amerika stürmte zusammen mit einem der beiden mir unbekannten Männer vorwärts und wehrten die beiden Hände eines Gegners ab. Der andere Unbekannte war jedoch viel interessanter, da er aus seinen Augen Laserstrahlen zu schießen schien. Allerdings verfehlte er sein Ziel, das anschließend von Iron Man in der Luft abgefangen wurde. Mit einem geziehlten Schlag landete der Gegner mit dem Kopf voran auf dem massiven Dach des Hauses. Der Bogenschütze, den ich als Hawkeye identifizierte, und die rothaarige Black Widow kämpften währendessen gegen die anderen beiden Gegner. Der Kofferheini stand immer noch an Ort und Stelle und schien auch nicht recht zu wissen, was er nun tun sollte.
Ich verfolgte das Kampfgeschehen mit großen Interesse. Vielleicht ließ sich ja, die eine oder andere Technik umwandeln, sodass es für eine Spinne gerecht wurde. Dann jedoch machte Black Widow einen fatalen Fehler, den ihr Gegner, der seine Gliedmaßen verlängern oder ausdehen konnte, um diese dann als gefährliche Peitschen einzusetzen, auch sofort ausnutzte. Mit einem geziehlten Hieb mit der linken Peitsche gegen ihre Brust beförderte er sie an den anderen Kämpfenden vorbei über den Rand des Daches. Aus den Augenwinkeln sah ich wie Hawkeye ihr wie in Zeitlupe nach sah, aber von seinem Gegner gestoppt wurde, während ich schon auf den Weg war, die schwarze Witwe vor einem unschönen Aufprall zu retten. Die Häuser waren zwar nicht so hoch wie die anderen darum, aber so ein Sturz konnte durchaus das Leben kosten. Wusste ich aus Erfahrung. Schnell packte ich die Rothaarige und warf sie mir über die Schulter, während ich einen großen Bogen machte und auf dem rechten Dach landete. Dort legte ich sie vorsichtig hin und bemerkte, dass sie durch den kräftigen Schlag ihr Bewusstsein verloren hatte. Ein bisschen Blut lief ihre Stirn herunter, doch schien dies nicht weiter schlimm zu sein, denn sie atmete.
Ich warf einen Blick zur Seite, wo es immer noch hieß Avengers gegen die unbekannten mit Koffer. Erst jetzt realisierte ich, was das für ein silberner Koffer war. Auf der Seite des Koffers prangte unverkennbar das große Oscorp-Symbol. Innerlich verfluchte ich mich, dass ich mich damals mit Oscorp eingelassen habe. Was war wohl dieses Mal in dem geschützten Koffer? Ein Serum gegen das Altwerden, das einen in sprechende Briefkästen verwandelt? Oder doch nur die wohl geheimsten geheimen Unterlagen von einen wahnsinnig gewordenen Wissenschaftler, der demnächst die ganze Weltbevölkerung durch eine ins All geschickte Sonde, die ein bestimmtes Signal ausruft, in willenlose Zombies mutieren lassen will? Ich würde solche Projekte dieser Gottverdammten Firma durchaus zu trauen. Plötzlich erhielt der Typ mit dem Koffer einen Anruf. Seine Freunde kämpften weiter, bis er sie zu sich winkte.
„Spielzeit ist vorbei! Wir müssen uns jetzt leider verabschieden", grinste er in Richtung der Avengers und der zwei anderen. „Aber man sieht sich sicherlich nochmal wieder! Und Logan, Cyclops! Grüßt mir unseren lieben Professor!"
Daraufhin versammelten sich alle um einen Typen, der wie ein Spross des Teufels aussah, und in der nächsten Sekunde hatten sie sich auch schon in Luft aufgelöst. Alle sahen noch einige Augenblicke in die Richtung in der sie verschwunden waren, bis Hawkeye sich anscheinend wieder an Black Widow erinnerte.
„Natasha!", rief er und drehte sich suchend um, bis er mich fand. Ich hockte immer noch bei der bewusstlosen Rothaarigen, zog mich aber zurück als die Avengers und ihre zwei Begleiter näher kamen. Ich kletterte auf die Ecke eines der üblichen Wassertanks, der hier oben stand, und sagte nichts. Nachdem sie sich versichert hatten, dass ihre Freundin noch am Leben war, drehte sich schließlich Captain America zu mir um.
„Danke, dass du sie gerettet hast", meinte er und nickte mir lächelnd zu.
„Kein Problem", antwortete ich und kletterte auf die andere Seite des Wassertanks, als mir einfiel, womit man Black Widow wieder wach bekäme.
„Wo willst du hin? Warte!", hörte ich noch den ersten Avengers rufen, doch ich hatte schon längst die gesuchte, leere Bierflasche gefunden. Ich ging zurück und spühlte die Flasche zweimal mit dem Wasser aus dem Tank aus, bevor ich sie mit ebendiesem Wasser befüllte. Danach sprang ich zu der Rothaarigen und ließ vorsichtig etwas von dem kühlen Wasser auf ihre Gesicht tropfen. Der gewünschte Effekt trat auf und schon bald hustete Black Widow kurz auf, ehe sie sich, den Kopf haltend, langsam auf setzte.
