Es herrschte tiefe Nacht.

Ein weißer Krankenwagen mit blau-rotem Blaulicht fuhr in rasantem Tempo die Straßen in Richtung des nächstgelegenen Krankenhauses entlang.

Wenige Sekunden nach der Ankunft im Krankenhaus wurden die beiden Türen des Wagens hektisch aufgestoßen und die Arzthelfer zogen eine schreiende Frau aus dem Inneren. Ihr blondes Haar war schweißnass, während ihre blauen Augen sich mit Tränen füllten, als die nächste Wehe ihren Körper durchzuckte. Ihre Hände hielten sich krampfhaft an ihrer Liege fest, ehe sie von einigen Ärzten eilig in einen Kreißsaal gebracht wurde.

Beryl Grace keuchte angestrengt und befolgte unter großer Mühe die Anweisungen der Hebammen, die zwischen ihren Schenkeln knieten und durch ein helles blaues Tuch verdeckt wurden. Die Frau begann durchgängiger zu atmen, während sie versuchte ihr Kind zur Welt zu bringen.

„Sie haben es fast geschafft, Mrs. Grace!" schrie einer der Hebammen und nahm ein weißes Handtuch zur Hand, als das Kind den Bauch der Mutter verließ. Mit rotem Kopf erhob sich die Hebamme und gab das Kind einigen Assistentinnen, die das Kind sogleich wogen und überprüften.

„Es ist ein gesundes Mädchen!" rief einer der Helferinnen und wickelte das Kind in ein rosafarbenes Tuch. Beryl Grace lächelte kurz gequält, als eine erneute Wehe durch ihren Unterleib zog und sie abermals anfing zu schreien. Die Augen der Hebammen weiteten sich kurz, ehe sie sich erneut zu der Mutter hinunter beugte.

„Anscheint erwarteten Sie noch ein Kind, Miss!" sagte sie und auch die Augen der Mutter weiteten sich kurz. Sie stieß kurz scharf die Luft aus und begann ebenso wie vor wenigen Minuten laut der Anweisungen der Hebamme zu pressen. Der Schrei eines Kindes ließ sie erschöpft, jedoch überglücklich in die Liege zurücksinken. Die Hebamme gab, das in ein ebenso weißes Tuch gehülltes Kind ihre Assistentin weiter und überprüfte anschließend den Zustand der Mutter.

„Wir verlegen sie nun auf eine andere Station, Mrs. Grace. Ihre Kinder werden zu Ihnen gebracht, wenn wir sie untersucht haben." sagte die Hebamme und Berly Grace nickte erschöpft, ehe sie einige Krankenschwestern durch die hellen Flure in einen benachbarten Raum schoben.

Wenige Minuten später kamen zwei Schwestern durch die Tür und lächelten der Mutter freundlich zu.

„Es sind zwei gesunde Mädchen, Miss." sagte einer der Schwestern und Beryl Grace lächelte sanft und streckte auffordernd ihre Hände nach ihren beiden Töchtern aus. Die erste Schwester reichte ihr ein rosafarbenes Bündel.

„Das ist Ihr Erstgeborenes." sagte sie und Beryl Grace schaute voller Glück auf das kleine Mädchen. Es hatte bereits einen leichten schwarzen Flaum auf ihrem Köpfchen und im nächsten Moment starrten sie elektrisierend blaue Augen an, ehe sie diese im nächsten Moment wieder schloss. Beryl Grace lächelte und eine kleine Träne kullerte ihre Wange hinunter.

„Thalia. Sie soll Thalia Grace heißen!" sagte sie und die Schwestern nickten. Die Krankenschwester notierte sich den Namen, ehe sie der zweiten zunickte, die der jungen Mutter das Zweitgeborene übergab. Dieses wurde leicht unruhig, als es seiner Mutter übergeben wurde und begann leicht in seine gelbe Decke zu strampeln.

Ebenso wie ihre ältere Schwester besaß das Mädchen einen leichten schwarzen Flaum auf ihrem Kopf, jedoch statt der blauen Augen helle graue. Beryl Graces Augen funkelten voller Freude und wiegte das Kleine in ihren Armen, das sich ein wenig beruhigte und die Augen schloss.

„Wie wollen Sie sie nennen, Mrs. Grace?" fragte die Schwester und deutete auf das Zweitgeborene, dass nun ebenso wie ihre Schwester in den Armen der Mutter schlief. Beryl Grace sah für einen kurzen Moment aus dem Fenster in die stille und wolkenlose Nacht hinaus, ehe sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht ausbreitete.

„Helena Rhea Grace. Nach ihren Großmüttern." sagte sie und die Krankenschwestern nickten. Sie nahmen der Mutter die beiden Säuglinge ab und legten sie nebeneinander in eine Wiege, die direkt neben dem Bett der Mutter aufgestellt worden war und somit immer in ihrer Nähe.

„Ich wünschen Ihnen eine erholsame Nacht, Mrs. Grace!" sagten die beiden Schwestern und löschten das Licht, als sie das Zimmer der Patientin verließen. Beryl Grace betrachtete noch eine Weile ihre beiden kleinen Mädchen und noch immer konnte sie nicht glauben, dass diese beiden Säuglinge die Nachfahrinnen von einem der mächtigsten Götter der griechischen Mythologie waren. Voller Sehnsucht ließ sie ihren Blick aus dem Fenster und in Richtung des Himmels gleiten.


Im Krankenzimmer war es still. Beryl Grace schlief an der Seite ihrer beiden neugeborenen Töchter, während einer der Krankenschwestern geräuschlos die Tür öffnete. Sie blickte mit einem zufriedenen Lächeln auf die schlafende Mutter und wandte sich den beiden Töchtern zu. Thalia schien zu schlafen, denn ihre kleinen Augen waren geschlossenen, während ihre kleine Schwester sich unruhig hin und her wiegte. Mit einem kleinen Schmunzeln wandte sich die Schwester ab und öffnete eines der Fenster im Zimmer. Das kleine Mädchen begann kleine Quiek-Geräusche zu machen und die Schwester konnte nur vermuten, dass es dem kleinen Mädchen gefiel. Sie beobachtete noch eine kleine Weile die beiden Neugeborenen, ehe sie schließlich das Zimmer verließ und ihre Runde fortsetzte.

Ein leichter Wind schwang sich durch das geöffnete Fenster und ließ die weißen Vorhänge schweben. Wenige Sekunden später bildete sich auf dem Boden des Zimmers ein kleiner Wirbelwind, welcher zu wachsen schien und eine großgewachsene Gestalt bildete. Ein Mann mit schwarzen schulterlangen Haaren und einem ebenso gestutzten Bart näherte sich vorsichtig der Frau und ihren beiden Kindern. Er trug einen dunkelblauen Nadelstreifenanzug und seine grauen Augen schienen selbst in der Dunkelheit leicht zu leuchten. Sein Blick wanderte zu der schlafenden Frau über ihre beiden Kinder und ein leichtes Lächeln erschien auf seinen Lippen, als er sich ihnen vorsichtig näherte. Seine grauen Augen huschten über die beiden schlafenden Kinder, wobei das Jüngste die Anwesenheit des Mannes zu spüren schien, denn sie öffnete einen Moment später ihre kleinen Augen.

Neugierig beobachtete sie den Mann, welcher sie von oben herab musterte und strampelte mit ihren kleinen Beinchen. Die grauen Augen des Mannes leuchteten kurz auf, ehe er seine kräftigen Arme um den Körper des Mädchens legte und sie aus ihrer Wiege nahm. Das Mädchen begann freudig zu quietschen und blickte den Mann mit ihren hellen Augen fast schon unschuldig an. Ihre kleinen Finger lösten sich aus dem Tuch und ertasteten den schwarz-grauen Bart.

„Ich habe sie nach unseren Müttern benannt." erklang plötzlich die Stimme von Beryl Grace, welche sich aufgesetzt hatte und den Mann und ihre Tochter beobachtete. Lächelnd beobachtete sie, wie ihre kleinste Tochter an den Barthaaren ihres Vaters zog, sodass dieser ab und an kurz das Gesicht verzog. Er löste vorsichtig die kleinen Finger seiner Tochter von seinem Bart, jedoch schien Helena diese nun interessanter zu finden und widmete sich nun seinen Fingern, indem sie sie mit ihren kleinen Händen umfasste und leise zu quietschen anfing.

Beryl Grace lachte leise und deutete mit einem Augenwink auf die Wiege, in welchem nun ebenfalls Thalia die Augen geöffnet hatte und leise anfing zu weinen. Sie strampelte mit ihren Beinchen und Ärmchen, sodass Beryl Grace aufsprang und Helena zurück zu ihrer Schwester legte. Im nächsten Moment wurden die Schluchzer leiser, bis sie schließlich komplett aufhörten und Thalia an der Seite ihrer Schwester wieder einschlief.

„Helena kommt sehr nach dir, Zeus. Es würde mich nicht wundern, wenn sie dir in ein paar Jahren wie aus dem Gesicht geschnitten ist." sagte Beryl Grace und einer ihrer Finger glitt über die Wange von Helena. Auch Zeus wandte den Blick nicht ein einziges Mal von seinen beiden Töchtern ab. Plötzlich leuchteten seine Augen hell auf, ehe sein Blick von seinen Kindern aus dem Fenster glitt. Donner glitt über den Himmel und für einen Moment schien das gesamte Krankenhaus zu beben. Zeus verkrampfte sich für einen kurzen Moment und sein schönes Gesicht nahm einen grimmigen Ausdruck an, als würde jeden Moment ein Gewitter losbrechen. Beryl Grace musterte ihren ehemaligen Geliebten besorgt, wagte jedoch nicht ihn darauf anzusprechen.

Das Beben ließ nach und auch der Donner am Himmel besänftigte sich nach einer Weile. Zeus hatte seinen Augen geschlossen, während seine Muskeln im Körper angespannt waren.

„Ist alles in Ordnung?" fragte Beryl Grace vorsichtig und Zeus öffnete seine Augen. Das Leuchten in ihnen verschwand und er blickte auf seine Töchter herab.

„Ich muss gehen." sagte er leise und blickte Beryl Grace an. Ihre blauen Augen waren geweitet und sie blickte den Gott fast schon fassungslos an, als könne sie nicht glauben, dass er diese Worte zu ihr gesprochen hatte. Der Himmel verdunkelte sich abermals und Zeus wandte den Blick von ihr ab.

Er blickte seine Töchter voller Stolz an und strich beiden für einen kurzen Moment über die Wangen, ehe Beryl Grace einen letzten Blick zu warf und sich langsam in Luft auflöste und vom Wind aus dem Fenster und in den Himmel gezogen wurde.