Disclaimer: Twilight von Stephenie Meyer. Pirates of the Carribbean von Disney.

Anmerkung: Long time – no update. Aber ich habe eine gute Ausrede: Ich war im Urlaub (Bella Roma!) und auch nicht ganz untätig. Viele neue Ideen, die noch in digitale Form gebracht werden wollen.

Der Commodore

Mit einem zufriedenen Lächeln begutachtete Jasper Whitlock seinen neuen Waffenrock im Spiegelbild. Die Abzeichen eines Commodore standen ihm ausgezeichnet zu Gesicht. In wenigen Minuten würde er auch die Beförderungsurkunde sein Eigen nennen. Und nach der Feier, besser gesagt, nach einem Spaziergang nach der Feier, würde ihm auch Isabella Swans Hand gehören.

„Der Ring, Peter.", verlange Whitlock und sein Adjutant reichte ihm die Schmuckschatulle. Zum hundertsten Mal seit heute Morgen warf Whitlock einen nervösen Blick auf den Verlobungsring in der mit rotem Samt ausgeschlagenen Schachtel. Der goldene Ring und der fingernagelgroße Diamant waren teuerer als das Jahressalaire eines Captains der Royal Marine. Isabella war jeden Penny davon wert und noch so vieles mehr.

Manchmal glaubte Jasper, dass er Isabella schon geliebt habe, als er sie als neunjähriges Mädchen zum ersten Mal erblickt hatte, nicht erst, als er sie in den vergangenen sieben Jahren zu einer liebreizenden Dame heranwachsen und ihren Charakter reifen sah.

Isabella war das Kostbarste, was ihr Vater hatte – Jasper würde sie noch wertvoller behandeln als sein Freund Charles. Er hatte einst ungläubig den Kopf geschüttelt, als seine Mutter ihn unter Tränen anflehte, sich aus der Royal Marine zurückzuziehen – für Isabella würde er ohne zu zögern seinen Abschied nehmen und nie wieder ein Schiff betreten, wenn sie ihn darum bat.

Während der Parade im Hafen hatte Whitlock nur Augen für Isabella, die in ihrem silbernen Kleid schon jetzt aussah wie eine Braut. Sie fächelte sich eifrig Luft zu, während eine winzige Schweißperle ihren zarten Hals hinab rann und sich in ihrem duftenden Haar verfing. Wie gern würde er zu ihr gehen, ihr die Locken aus dem Nacken streichen und den vorwitzigen Tropfen von ihrer Hals wegküssen.

Peinlich berührt nahm Whitlock von Gouverneur Swan seinen Seebrief als Commodore entgegen und von den Schaulustigen Port Royals den Applaus. Seine Männer warfen ihre Dreispitze in die Luft und bejubelten ihn.

Beim Souper im Gartenpavillon des Gouverneurs bekam Whitlock kaum einen Bissen hinunter. Teils vor Nervosität, teils, weil es ihn verärgerte, dass einer der Schaulustigen eingeladen worden war: Edward Masen saß unter den Gästen und ihm schmeckte es ausgezeichnet, denn Isabella hatte ihn vor seiner Schmiede auf der Bank sitzen sehen und ihn zu sich gewunken. Weder ihr Vater noch Whitlock hatten ihr den Wunsch abschlagen können, Masen in der Kutsche mitzunehmen.

Jasper sagte sich, dass seine Zukünftige eben ein sehr großes Herz für die sozial Schwachen besaß. Dafür liebte er Isabella doch, nicht wahr?

An den meisten Tagen in der Woche hielt er Masen schließlich auch für einen anständigen Kerl und ehrlichen Handwerker. Und warum sollte der Mann, der die neueste Waffe in Jaspers Sammlung angefertigt hatte, nicht auch anwesend sein, wenn der Gouverneur sie seinem zukünftigen Schwiegersohn überreichte?

In Jamaika war eben alles etwas anders als in London; nicht zuletzt deshalb fand die Feier im Garten und nicht im Salon des Anwesens des Gouverneurs statt.

Das durchlittene Souper wurde von Masens säuerlichem Gesichtsausdruck, als Isabella Jasper ihre Hand reichte und er sie auf den Spaziergang entführte, wieder hundertfach aufgewogen.

„Wollen wir hinauf zur Kapelle an der Klippe gehen, Isabella?", erkundigte Whitlock sich, als er sie, an seinem Arm eingehakt, durch den Garten geleitete.

„Oh, wie Ihr meint, Commodore." Isabella lehnte sich ein wenig an Jasper und bewegte ihren Fächer rascher.

Gemeinsam schritten sie die steinernen Stufen zu der Kapelle hinauf, in der Jasper Isabella bald schon zu seiner Gemahlin nehmen würde.

Zügle dich, du Narr. Zuerst muss sie Ja sagen. Aber das wird sie bestimmt. Wie heftig sie atmet und sich dabei an meinem Arm festhält!

Oben bei der Kapelle angelangt, sank Isabella schwer auf die Umfassungsmauer des Kapellenhofes, die zugleich einen Unvorsichtigen davor bewahren sollte, über die Klippe ins rauschende Meer zu fallen. Von hier oben konnte Whitlock ganz Port Royal überblicken, die Stadt und den Hafen. Es gab keinen romantischeren Ort auf ganz Jamaika.

Atemlos

Isabellas Beine gaben mehr nach, als dass sie sich elegant auf der niederen Brüstungsmauer niedergelassen hätte. Dieses verdammte Korsett! Es schnürte ihr jedes bisschen Luft ab, das sie nach den vielen Treppenstufen zur Kapelle hinauf so dringend benötigte. Unter dem Reifrock klebte ihr Unterkleid schweißdurchnässt an ihren Beinen und sie fühlte sich, als versickerten ganze Stürzbäche in ihren Strümpfen.

Für das kühle London mochte ihr Kleid angemessen sein, doch hier in der drückenden, schwülen karibischen Sonne geriet es zum Folterinstrument.

Atme, Isabella, atme!

„Liebste Isabella."

„Oh Gott!" Isabella bewegte den Fächer schneller, um sich irgendwie Kühlung zu verschaffen. Sie bekam kaum mit, wie Whitlock vor ihr auf ein Knie sank – und als sie es realisierte, war ihr Schock umso größer.

Es war ja nicht so, als wäre sie unvorbereitet in diese Situation hineingeraten – aber wohl fühlte sie sich deshalb noch lange nicht. Die nächsten Minuten würden ihr Schicksal für den Rest ihres Lebens unwiderruflich besiegeln.

Wenn sie wenigstens atmen könnte!

Ihr Herzschlag rauschte so laut in ihren Ohren, dass sie Whitlocks Worte kaum hören konnte.

„Seit dem Tag unserer ersten Begegnung… zu einer liebreizenden, wunderschönen Dame herangewachsen…"

„Commodore!" Isabella streckte Whitlock ihre Hand entgegen, tastete nach ihm, um ihm zu signalisieren, dass sie Hilfe brauchte.

Er ergriff ihre Hand voller Inbrunst und drückte seine Lippen auf ihre zarten Knöchel; deutete ihre Geste als Zeichen der Zustimmung, noch ehe er seine Frage überhaupt gestellt hatte.

„Isabella, ich gelobe, Euch ein treuer, fürsorglicher Ehemann… liebevoller Vater für unsere Kinder…"

Der Fächer entglitt Isabellas Hand. Schwarze Punkte tanzten durch ihr Blickfeld und sie verlor den Fokus. Ihre Augen schweiften von Jaspers Gesicht aufs grell funkelnde Meer ab. So blendend hell. So drückend heiß.

Kann nicht atmen.

„… wollt Ihr meine Frau werden?"

Isabellas Hand fand Whitlocks Uniformärmel, krallte sich im Stoff fest. Mühsam zog sie sich auf die Beine, während der Commodore unter ihre Arme griff und sie überrascht ansah.

„Isabella, wollt Ihr?", fragte er nochmals. Seine Stimme war samtweich und zärtlich.

Isabella wollte ihn anschreien, ihr bitte, bitte zu helfen, doch sie konnte nicht. Mit dem letzten Atemhauch in ihren Lungen presste sie hervor: „Kann…nicht… atmen!"

„Isabella, vielleicht… solltet Ihr Euch wieder hinsetzten?", schlug Whitlock vor, überwältigt von ihrer heftigen Reaktion.

Sah er denn nicht, dass sie erstickte und nicht, dass sie das zögerliche, nichts ahnende Mädchen spielte?

Warum hilft er mir denn nicht?

Die schwarzen Punkte verschmolzen zu finsterer Nacht und Isabella hatte das Gefühl zu fallen, fallen fallen.

Aus der Ferne schrie jemand ihren Namen.

Närrisches Mädchen!

Captain Caius Volture ließ Isabella keinen Moment lang aus den Augen, als sie sich von ihrem Galan von der Feiergesellschaft wegführen ließ. Es war nicht besonders schwer, den beiden die Klippe hinauf zur Kirche zu folgen.

Hinter ein kleines Mausoleum geduckt verfolgte er die einseitige Unterhaltung zwischen dem frischgebackenen Commodore und dem Mädchen, dessen Schmuck und Blut Caius gleichermaßen begehrte.

Caius konnte Aro von hier aus sehen, der gefräßig alles hinter seine Kiemen brachte, was die Gäste ihm anboten oder nicht schnell genug aus der Reichweite seines scharfen Schnabels brachten. Dieser dreimal verfluchte Papagei war gefräßiger als eine siebenköpfige Raupe!

Volture wandte seine Aufmerksamkeit wieder dem Paar auf dem Kirchenhof zu.

Ein Heiratsantrag.

Bei allen Göttern! Blieb ihm denn gar nichts erspart?

Whitlock brachte seine Worte klar und deutlich vor, doch Isabella schien Probleme zu haben, ihre Antwort zu artikulieren. Dafür atmete sie umso heftiger.

Klang fast schon, als ob die beiden gleich zum Vollzug der Ehe übergegangen wären.

Caius riskierte einen Blick um die Ecke des Mausoleums.

Und sah gerade noch, wie Isabella hinterrücks über die niedere Mauer und die Klippe hinabstürzte.

Whitlock fiel beinahe hinterher in dem vergeblichen Versuch, seine Zukünftige noch fassen zu können. „Isabellaaa!", brüllte er.

So ein Stümper!

Hier muss ich mich auch um alles selber kümmern!

Caius nahm Anlauf, sprang über die Mauer und tauchte Isabella hinterher.

Mehrere Sekunden verstrichen, ehe er ins Meer schlug.

Ich muss sie retten!

„Isabellaaa!", gellte Whitlocks entsetzter Schrei über die Bucht von Port Royal.

Aro kreischte und stob von der Obstpyramide auf, deren fruchtige Bausteine sich über die Kleider der anwesenden Damen ergossen. Noch mehr dumme Hühner, die kreischten.

Edward, der seinen Kummer gerade noch in Sherry ertränkt hatte, war schlagartig nüchtern.

Er und drei Dutzend andere Menschen im Garten der Gouverneurs-Villa erlebten das Ende von Isabellas Sturz mit und wie sie im Wasser aufschlug. Doch unter den Gästen war Edward der Einzige, der Voltures Hechtsprung nicht mehr sah, da er bereits aus Leibeskräften den schnellsten Weg zum Strand hinab rannte.

Er musste Isabella retten!

Ihr Kleid würde sie, sobald es sich voll Wasser gesogen hatte, erbarmungslos nach unten ziehen. Sie würde nicht an die Wasseroberfläche schwimmen können, selbst, wenn sie vom Aufprall nicht ohnmächtig geworden war.

Edward wusste nur zu genau, wie es sich anfühlte zu ertrinken.

„Isabella, ich komme!", brüllte er, während er seinen Hut und seine Jacke im Rennen von sich warf. „Ich rette dich!"

Er war endlich am Strand angekommen, watete durch das Wasser, bis es hüfthoch war und er sich nicht mehr anders als schwimmend fortbewegen konnte.

Edward holte Luft und tauchte unter den hohen Wellen hindurch, die drohten, ihn wieder an Land zu spülen.

Er sah eine andere schwimmende Person im Meer, dachte zuerst, es wäre Isabella, weil ihm ausgerechnet jetzt Salzwasser in die Augen spritzte. Dann sah er die Konturen klarer: Ein blonder Mann, nicht mehr wie vorhin mit Perücke, sondern mit verfilzten Zotteln.

Volture!

Edward hatte nicht bemerkt, dass noch jemand zum Strand gerannt war, um Isabella zu helfen. Er tauchte und erspähte bald schon im klaren hellblauen Wasser das silberne Kleid.

Närrischer Junge!

Caius tauschte einen erbitterten Blick mit Edward, ehe dieser nach seiner heimlichen Liebe zu tauchen begann.

Caius selbst hatte gerade mal einen Tauchversuch unternommen. Seit er verflucht war, konnte er wesentlich länger als ein Mensch ohne Luft auskommen, aber eben auch nicht ewig. Bei seinem Sprung von der Klippe hatte er Isabella unter Wasser bereits gesehen und war dann an die Oberfläche zurückgekehrt, um ihr nach zu schwimmen. Der unterirdische Sog an den Klippen zog in eine andere Richtung als die Wellen darüber, also holte Caius Luft und tauchte wieder ab.

Das Mädchen war ihm egal, ihm ging es nur um die Goldmünze. Er brauchte die Münze unbedingt! Wenn sie hier im Wasser verloren ging, würde er sie nie wieder finden, egal wie viele tausend Male er danach tauchte.

Diesmal erreichte Caius Isabella, deren Kleid sie bereits einige Meter in die Tiefe gezogen hatte. Die Nähte des Kleides rissen spielend unter seinen Fingern. Er pellte ihr die Stoffschichten bis auf die unterste vom Leib und konnte das bewusstlose Mädchen wieder ein Stück an die Oberfläche ziehen. Die Kette hatte sich in ihrem Haar und den Ösen ihres Korsetts verfangen. Wenn er jetzt die Kette zerriss, würde die Münze davon treiben.

So eine Scheiße! Er musste das Mädchen samt Kette an Land bringen!

Und dann kam ihm Edward in die Quere.

Warum mussten Menschen aus Liebe nur immer wieder so unglaublich dumme Dinge tun wie zum Beispiel die Angebetete vor dem Ertrinken retten?

Beim zweiten Tauchen sah Caius, wie Edward dem silbernen Kleid nachtauchte.

Falsche Richtung, Dumpfbacke!

Edwards Kopf ruckte unter Wasser zu ihm, als hätte er Voltures Gedanken gehört. Bronzenes Haar wallte wie eine Feuerqualle um sein Gesicht, als er auf den Captain und Isabella zu schwamm.

Caius packte Isabella unter der Wasseroberfläche fester am Unterkleid und um die Taille, schwamm dann mit ihr gegen die Strömung an. Sein Vorsprung würde sich vergrößern, sobald ihn die Wellen Richtung Strand drängten.

Wenn er vor Edward das Land erreichte, könnte er der Gouverneurstochter noch unbemerkt die Goldmünze abnehmen. Er musste sich beeilen!

Schwimm schneller! Er ist doch nur ein Mensch!

Sie atmet nicht

Caius und Edward stritten sich darum, wer von ihnen Isabella die letzten Meter aus dem Wasser tragen durfte. Beide rissen an ihrem leblosen Körper und versuchten, dem anderen das Mädchen abzunehmen, während sie ans Ufer wateten. Mit einem scharfen Reißen gab der Stoff ihres hauchdünnen Leibchens nach und entblößte ihren linken Fußknöchel.

Sie hat ihre Schuhe verloren, ging es Edward durch den Sinn. Dann: Ich kann ihre nackte Wade sehen! Ihre zarten, nackten Knöchel! Seine Schritte stockten.

Ehe er es sich versah, war Volture mit Isabella auf dem Arm am Strand angekommen und Edward musste rennen, um den Kerl einzuholen, der auf sich gerade auf höchst unziemliche Weise an Isabellas Kleidung zu schaffen machte.

Isabella lag wie eine unbeseelte Porzellanpuppe auf dem nassen, grauen Sand. Ihr Gesicht war aschfahl und ihre Lippen blau verfärbt. Edward sank neben ihr auf die Knie, hielt eine Hand vor ihren Mund.

„Sie atmet nicht." Nie gekannte Angst – Angst, für die er im Wasser keine Zeit gehabt hatte – ergriff ihn.

Caius zog sein Messer aus der Scheide am Gürtel und wollte damit beginnen, ihr Korsett aufzuschneiden, doch Edward fiel ihm in die Bewegung, schlug seine Hand beiseite.

„Seid Ihr wahnsinnig? Was wollt Ihr mit dem Messer?"

„Sie atmet nicht, und das wird sie wohl auch nicht, so lange sie in das Korsett eingeschnürt ist!", sagte Caius eindringlich. Die Wahrheit war, dass er nur einen Tropfen von Isabellas Blut benötigte, um damit die Münze zu benetzen. Die Kette samt ihres Anhängers hätte er ihr in der gleichen Bewegung mit Leichtigkeit vom Hals reißen können. Hätte sein Plan funktioniert, hätte er die mit dem Blut beschmierte Münze nur noch innerhalb des nächsten Vollmonds in die Schatzhöhle bringen müssen, um den Fluch zu brechen.

Die Schatzhöhle auf der sagenumwobenen Isla de Muerta, wo eine Truhe mit Aztekengold inmitten anderer unermesslicher Reichtümer auf die Letzte der Münzen wartete…

„Wollt Ihr, dass sie stirbt?", fragte Volture fast schon gelangweilt nach. Da sein unmittelbarer Plan vereitelt war, konnte er auch darauf warten, die Münze aus Isabellas Grab auszubuddeln und sich anschließend ein neues Menschenopfer suchen. Ich habe alle Zeit der Welt, Bursche.

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