Ein jähes, von Lust und Qual verursachtes Zucken durchlief Chase, das sich seine Hüften gegen House drücken ließ, als er sich leicht aufbäumte und begierig in seinen Mund stöhnte. Kräftige Arme umschlangen seine Schultern, bevor der Jüngere sich daran festhielt und die Finger in seinen Bizeps bohrte, ohne die Nägel einzusetzen.
Es gefiel ihm. Ermutigt wagte sich House ein wenig tiefer, nahm den zweiten Finger und führte mal kreisende, mal leicht drängende Bewegungen aus. Die sensible kleine Rundheit, die er nach ein paar Zentimetern erspürte, war vollkommen wie das äußere Erscheinungsbild ihres Besitzers. Unter Druck gab sie ein wenig nach, was ihn dazu verführte, sie energischer zu massieren. Falls er kam, musste es noch nicht das Ende bedeuten. Er kannte niemanden außer ihm, der die zuvor seiner Ansicht nach sagenumwobenen multiplen Orgasmen zu empfinden imstande war, und er hatte schon einiges erlebt. Es war etwas, das ihn jedes Mal aufs Höchste erregte und ihm schmeichelte, da er allein sie auslöste.
„Uuuh..."
Chase keuchte und riss die Augen auf, in denen sich die Pupillen sichtbar weiteten. Allmählich begann er zu schwitzen; Schweißtropfen ringten sich wie eine durchbrochene Perlenkette um die Schlüsselbeinregion und sammelten sich in der Grube zwischen Hals und Brustbein. Zunächst wich er ein wenig ängstlich aus, während House ihm die Beine weiter auseinander nahm. Aus den Augenwinkeln bemerkte er das Zittern und Fließen der Sehnen unter der wie goldene Seide schimmernden Haut. Der Anblick erregte ihn ungemein, und er streifte sich die Shorts über die Hüften, um ihn spüren zu lassen, was er plante.
„Bereit für etwas Großes?" fragte er atemlos an seinem Hals. Erste tropfende Feuchtigkeit, die seine sexuelle Hitze offenbarte, benetzte seinen Unterleib, und er wusste, dass Chase ihn ungeduldig erwartete, ihn wollte. Dennoch warnte er ihn noch einmal. „Ich meine, wirklich groß."
Als Chase ihn anfasste und keck das Frenulum massierte, glaubte er, zu explodieren.
„Vorsicht. Ich bin kostbar. Das wissen Sie, oder?"
Halb lachend und halb stöhnend bedeckte Chase das Gesicht mit den Händen. Sein Becken wölbte sich, so dass House die schlanken, angespannten, pfirsichsamtigen Muskeln der Pobacken streicheln durfte und schier verging vor Entzücken.
„Mmm … Greg... nicht länger …"
Er schob sich ein wenig abwärts, drehte ihn auf die Seite und nahm seine Hände an den Handgelenken hinunter, um sein Gesicht zu beobachten, in dem sich eine Mischung aus Bangigkeit und Beglückung spiegelte.
„Ich passe auf", versprach er. „Haben Sie keine Angst."
Bevor er ihn nahm, strich er ihn abermals großzügig ein, und er schlang das Bein um ihn, presste ihn an sich. Er gab ihm Zeit, gewöhnte ihn an sich und bedauerte, dass er ihn nicht anders lieben konnte. Schmerzlos. Andererseits wusste er, dass er auf etwas zusteuerte, dass er mit keiner Frau so intensiv erlebt hatte wie mit Chase. Vermutlich würde er es nicht einmal mit einem anderen Mann. Nicht dass er daran dachte, es je zu probieren. Dafür war sein Australier viel zu gut. Und selbst wenn er ihn gelegentlich hingehalten, ihn enttäuscht hätte, war es viel mehr als rein körperliche Attraktivität, die sie zueinander hinzog.
Er war einmalig eng und frisch, hitzig und wild, sein ihn stets überraschender Geliebter und Freund, neugieriges Kind und erfahrener Erwachsener in einer Person, aber er würde ihm nicht wehtun, ihn nicht unangenehm verblüffen. Es war eine Herausforderung, ihn so zu nehmen, dass es für sie beide schön war. Sachte und auf seine Reaktion achtend stieß er vorwärts, spürte seine liebevolle und sehnsüchtige Umklammerung, als er zwischen seinen kräftigen Schenkeln lag.
„Ich liebe Sie", sagte er. „Jetzt gleich."
„Ja-…"
Am ganzen Körper bebend, neigte Chase den Kopf, um das spitze Kinn auf seinen zu betten. Streichende Finger kosten dabei in langsamen Kreisen, aus denen abgerissen fahrige Linien wurden, seine Schultern, verursachten wohlige Schauer auf seiner Haut.
Stück um Stück drang er in ihn, zog sich etwas zurück, sobald er sein beunruhigtes Fiepen hörte, und kam wieder, wenn er ihn dazu anhielt und verlangende Töne aus den halbgeöffneten Lippen brachen.
Unbeschreibliche, über sein Inneres ausstrahlende Gefühle wallten in ihm auf, sowie er in ihm war, ihn fand und traumverloren, ohne Übereifer reizte, indem er Bewegungen ausführte, die er zunächst nicht unter Kontrolle hatte und die doch schön waren für sie beide, als es ihm gelang, sich zu mäßigen. Seine mühsam beherrschte Ruhe übertrug sich auf seinen jungen Liebhaber; er presste kurz und unvermittelt, ließ ihn dadurch mit einem Ruck tiefer gleiten bis er auf inneren Widerstand traf, indem sich der Schließmuskel aus Selbstschutz unweigerlich verengte.
In der Absicht, ihn zu lockern, wanderten seine Hände über den schweißfeuchten Rücken, an dem er die Muskeln ertastete und bis hinunter zum Kreuzbein ausstrich, was schließlich dazu beitrug, ihn einzulassen. Manchmal erstaunte es ihn, wie gut er inzwischen seinen eigenen Körper kontrollieren konnte. Unaufhörlich streifte sein schöner, sinnlicher Mund über ihn, und er traf seine Lippen, bis sie beinahe wund waren.
Endlich hatte er ihn, bedeutete ihre Intimität weder Arbeit noch Kampf. Er lauschte dem tiefen, erregten Atemrhythmus, unterbrochen von unartikulierten Lauten, die ihm sagten, dass es gut war, er keinen Schmerz mehr empfand, den er mutig ertragen und hinter sich gelassen hatte, um entschädigt zu werden.
Seine Lust und die folgende Befriedigung hatten ihm stets mehr bedeutet als seine eigene, denn nur dann fühlte er dasselbe, war imstande, sich gehen zu lassen, eins mit ihm zu werden.
Er konzentrierte sich auf ihn, weil es niemals etwas Schöneres gab als ihn, wenn er heiß und voller Freude bei ihm war. Beinahe roh befreite er das glühende, junge Gesicht von jetzt feuchten Ponyfransen, während seine Erregung in seinen aufnahmebereiten Unterleib stieß, begehrend und bestimmt gegen sein Bauchfell pochte, da er es so beabsichtigte, ihn tiefer trieb und sich unter der Anstrengung, nicht aufzubrüllen, auf die Lippe biss. Er hätte ihn gerne gehört, doch es lag ihm fern, ihn zu etwas zu zwingen. Außerdem war er ohnedies nicht mehr Herr seiner Sinne. Chase' seidige Glätte verschlang ihn regelrecht, ließ ihn nicht mehr gehen. Dankbar stöhnte er auf, passte sich ihm an, gab ihm das, wonach er seufzend verlangte, und es war immer wieder aufregend und erstaunlich, wie perfekt sie sich nach anfänglichen Unsicherheiten koordinierten, wie jeder instinktiv wusste, wo ihre Reizbarkeiten saßen. Als er siegesgewiss und rauh auflachte, kapitulierte er. Völlig reglos und überwältigt sank er in ihn, in seine anregend pochenden Muskeln, die er nicht willentlich steuerte, sondern naturgemäß das machte, was sie beide zum Empfinden höchster Lust führte, indem er die Hüfte hob, die er sachte wieder herunterdrückte und fixierte, um seinen Ungestüm zu bremsen. Er war noch nicht soweit, wollte ihn länger haben.
„Ich will Sie …" flüsterte der Jüngere ungeduldig. „ … auf mir. Tiefer. Bitte. Mehr von Ihnen ... oh…"
Aufgewühlt schnaufend schloss er die Augen und hob die zarten, geraden Brauen, unfähig, sich weiter zu artikulieren. Aber er hatte verstanden. Soweit er sich erinnerte, war es das erste Mal, dass er in dieser Richtung einen Wunsch äußerte, eine andere Position bevorzugte, und so griff er nach seiner Schulter, um ihn vorsichtig in die Rückenlage zu bringen, wobei er darauf achtete, ihm zur selben Zeit nachzukommen, um sich ohne für ihn entstehende Schmerzen auf ihn zu ziehen. Die unerhört straffen Bauchmuskeln unter ihm zuckten in einer anregenden Konvulsion, ließen ihn ein wenig schwingen und kurzzeitig die Balance verlieren, und er genoss die neue, vertraute Stellung, die für sie beide angenehm war, während er die Hände über die schlanke Silhouette seiner Flanken streifen ließ, um anschließend sein Becken ein wenig anzuheben.
Ächzend suchte Chase ein weiteres Mal seine Hand. Seit ihrem ersten Rendezvous hatten sie es so gehalten; es war eine Art Ritual, das Unterstreichen ihrer Zusammengehörigkeit. Als sich die Finger zuversichtlich mit seinen verschränkten, fühlte er eine weitere warme, flutende Welle von Endorphinen durch sich ziehen, qualvoll fast in ihrer Intensität. Obwohl er es nicht für möglich hielt, ging es weiter, holte ihn das atemberaubend pulsende Gefühl in den Lenden ein.
Grunzend drückte er das Gesicht an sein Brustbein, spürte Chase' kräftige, sensible Finger durch sein Haar gleiten, ehe er sie hinein krallte und der Druck der rechten Hand plötzlich stärker wurde. Die stille, sich wie von selbst einstellende Eintracht, in der sie sich befanden und bis zur Neige auskosteten, steigerte sich zur Euphorie, ließ ihn sich zu Unbesonnenheit hinreißen, da es ihm nun möglich wäre, ihn ganz zu nehmen, wenn er es erlaubte. Und er tat es, drängte ihn in sich und hatte keine Angst mehr. Einladend und schön war er, wie er schnaufte und sogar ein bisschen geiferte. Unwiderstehlich. Wundersam und anbetungswürdig in seiner lüsternen, unerbittlichen Furchtlosigkeit, die sich dann und wann in Unterwerfung verwandelte, ohne devot zu sein. Es regte ihn auf, wenn er so war. Willig, mit sich tun zu lassen, was er ihn tun sehen wollte. Wie geschmeidiger Ton, der unter seinen Händen jede Gestalt annahm, in die er ihn formte. Und blieb sich dennoch treu.
Er liebte ihn mit sanfter, rücksichtsvoller Leidenschaft, genauso, wie es sein grenzenloses Vertrauen verdiente. Seine von hellem, schweißglattem Flaum bedeckten Beine pressten sich Besitz ergreifend um ihn, und er ging tiefer, fühlte die unglaublich eng bemuskelte Biegung zur Bauchdecke hin und konnte nicht länger sagen, was in ihm vorging, als Chase den Nacken streckte und ihn nicht mehr in sein Gesicht sehen ließ, das ihn in einem Ausdruck des Entzückens ermutigt hatte.
Ein wild aus ihm hervorbrechendes Schluchzen ließ ihn aufhorchen, sich zügeln, als er alarmiert den Kopf hob und der Druck der Beine um seine Mitte seinen Brustkorb einschnürte. Chase weinte. Nicht dass er es zuvor nicht bereits gelegentlich im Überschwang der Gefühle getan hätte, doch das unaufhörliche Schluchzen war neu. Er weinte nicht der Freude wegen. Fügte er ihm ohne sein Wissen Schmerzen zu? Dagegen sprach, dass er sich beinahe selbstquälerisch an ihm festhielt, ihn tiefer verlangte, als er Anstalten machte, sich von ihm zu lösen, was er nicht geschehen ließ. Er wünschte, er hätte noch die Kraft, zu fragen, was ihn verstörte, weshalb er so verzweifelt heulte. Alles, was ihm blieb, war die Reduzierung seiner Bewegung, sie zum Stillstand zu bringen. Hilflos, mit pulsierenden Adern, verharrte er abwartend. Er würde herausfinden, was ihn plagte. Aber erst musste er zu Atem kommen. Unter ihm bewegte sich der Australier inständig, trieb ihn fieberhaft in die Bewegung seiner Hüften, und er hatte keine Chance gegen ihn. Sein Stursinn imponierte ihm, doch bei Gelegenheiten wie dieser hätte er ihn gerne weniger konsequent gehabt.
„Weiter… nicht aufhören."
„Ich tue Ihnen weh."
Es klang wie eine Frage. Es wäre schwer, jetzt abzubrechen, ihn zu verlassen in seinem erregten Zustand, doch er würde es tun. Über der physischen Vereinigung stand die Liebe zu einem Menschen, den er glücklich sehen wollte.
„Nein. Nie… oh… oh bitte. Halten Sie mich. Lieben Sie mich. Hart. Ich will… Sie spüren… mit allem, was Sie haben."
„Es könnte mehr sein als das, was Sie erhoffen."
„Alles", beharrte Chase unerbittlich und drängte sich stöhnend und unterdrückt aufschreiend tiefer.
Behutsam zog er sich höher, schob die Hände unter ihn, seinen wundervoll mitarbeitenden Muskeln von Rücken und Lenden und half ihm, sich auf seinem Schoß niederzulassen, wobei er ihn bremste, ihn zurückhielt, wenn er Schmerz auf den feinen, schweißüberströmten Zügen feststellte. Die verlangende Reibung feuchter Haut an ihm machte ihn ganz verrückt, und er sog den fast schon animalischen Geruch ein, der ihm den Atem nahm und der gar nicht zu Chase passen wollte. Irgendetwas war anders.
Was ist los mit dir? Was gibt es zu beweisen?
Eine außerordentlich heftige Woge, die sein Inneres überschwemmte, erfasste ihn, als er ihn bis zur Grenze spürte und ihr stürmisch klopfender Herzschlag zu einem wurde.
Chase ging mit; eifrig und weinend kreuzte er die Beine hinter seinem Rücken, deren starke, angespannte Muskeln er direkt an sich fühlte. Sein Schrei trieb ihn an, mehr zu tun. Wenn sie sich so nahe waren, dass nichts mehr sonst von Bedeutung war, er in ihm verging, fühlte er sich frei und gefangen in Leidenschaft und wusste, dass er Erfüllung genießen und haben durfte wie jeder andere, körperlich gesunde Mensch. Weil Chase ihn vervollständigte, physisch und sogar geistig. Unwirklich wie im Traum bewegte er sich, und dabei so ungeheuer körperhaft, dass er am liebsten selbst in Tränen ausgebrochen wäre.
Demütig umarmte er ihn, barg den Kopf an seiner Schulter und flüsterte beschwichtigend auf ihn ein, ehe er seinem Wunsch entsprach und ihn fest umschlungen hielt und registrierte, wie er an ihn hindrängend zu schaukeln begann. Für seine mäßigenden Worte zeigte er sich unempfänglich.
„Fester", verlangte er, und er wusste nicht, wohin er ihn trieb, hatte jedoch kein reines Gewissen dabei. Es war gut, aber viel zu wild, nicht das, was er beabsichtigt hatte. Zu seinem Entsetzen fing Chase zu schreien an. Leise, fast stumme Schreie, die sich zu einer unregelmäßigen Tonabfolge verschärften, die ihn erregte und erschreckte. Er hatte ihn noch nie so qualvolle, beinahe unerträgliche Laute von sich geben hören. Als hätte er gerade erfahren, dass alles, was er hatte, nicht mehr war oder dass er am nächsten Tag sterben würde.
„Alles ist gut", flüsterte er rauh, während er ihn umklammert hielt und die aufsteigenden Wehlaute in Chase' Kehle zu winselnden, sehnsüchtigen Geräuschen abflauten, die ihm in ihrer Mutlosigkeit und Verzweiflung ins Herz schnitten. Seine Hände legten sich beruhigend auf die sich wie Samt anfühlenden Schulterblätter, stützten ihn, als er das Becken enger an ihn drängte und brennender Schmerz blitzartig seinen versehrten Schenkel durchfuhr, sowie Chase mit dem vollen Gewicht darauf saß. Doch gegen den Schmerz, den der Junge gerade durchmachte, schien ihm sein eigener wie eine Bagatelle, denn der entsprang nicht ausschließlich körperlichem Ursprung. Vermutlich brauchte er ihn, um den seelischen auszulöschen, was immer es war, das ihn so verzweifelt agieren ließ.
Trotzdem zügelte er sich, darauf hoffend, dass Chase begriff, wie sehr er selbst darunter litt, wenn er den Pfad der Selbstzerstörung einschlug.
„House …" Er konnte ihn kaum verstehen, so tränenerstickt und klein war seine Stimme. „Sind Sie da?"
Mehr als je zuvor.
Für Scherze war die Lage zu ernst. Mit seinen Stimmungsschwankungen hatte er nicht wirklich umzugehen gelernt, war lieber davongelaufen anstatt sich mit ihnen auseinanderzusetzen, seine Nöte zu hinterfragen. Jetzt war der Fluchtweg verbaut. Aber er war beinahe froh darum.
„Ja. Lassen Sie mich Sie lieben. Nicht Sie verletzen."
Er öffnete die Lider; flatternd und unkonzentriert schweifte sein Blick über ihn, bis er sein Gesicht einrahmte und seinen Nacken bog, ihn zwang, Augenkontakt zu halten, was ihm sichtlich schwer fiel.
Geh nicht fort, Robert.
Sein schöner, gewölbter Mund war schmerzverzerrt, aber nach dem flüchtigen Zurückziehen seiner Lippen, bei dem er die Zähne bleckte, versuchte er tapfer ein Lächeln und wand sich gierig in seiner Umarmung, um ihn abermals hektisch, fast besinnungslos zu führen.
Es war verrückt, aber er fing an, unter wollüstigem Beben für ihn zu summen. Auf den Text kam es nicht an, er improvisierte, während er auf den schluchzenden Atem lauschte, die Wange an sein Brustbein bettete und sein Rückgrat streichelte, über das in unablässigen Rinnsälen sein milder Schweiß lief. Die Methode zeigte Erfolg; Chase kehrte zurück zu ihm.
House bewegte sich nicht mehr, war nur in ihm, und langsam wurde der Jüngere ruhiger, ließ sie ihren Rhythmus wieder finden, indem er leicht mit den Hüften kreiste, die House jetzt umfasste, um ihn zu besänftigen. Sicherer werdend schob er sich ihm entgegen und stemmte ein Bein am Kopfende des Bettes ab. Vibrierend sah er seine Sehnen unter der warmen Haut fließen, hörte ihn leise stöhnen, als er den Winkel verlagerte, um ihn von seinem Elend abzulenken, doch er weinte immer noch vernehmbar in abgehackten, schluchzenden Lauten. Er versank in ihm, wollte ihn trösten, doch seine Worte wurden mit einer neuerlich heranrollenden Woge seines nahenden Orgasmus hinweggefegt.
Bald versiegten die bitteren Tränen, die in der Tat keiner überwältigenden Freude entsprungen waren. Allmählich strahlte sie wieder in seinen Augen, seine Begeisterung, als er übermütig und wohlig den schlanken Körper streckte und auf House heruntersah, voller Unglauben darüber, was er in ihm entfachte. „Sie tun Wunder", raunte er ihm völlig außer Atem zu.
Deine Wunder lassen sich mit meinen nicht messen. Ohne dich wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin. Und ich will nie mehr woanders sein. Du hast mich viel mehr gelehrt, als ich dir je beibringen konnte.
Ein zuckendes Lächeln hob seine Mundwinkel, auf denen die salzige Würze von Chase' Haut verweilte, bevor er hoch schaute und sich danach verzehrte, die wundervoll geschwungenen Lippen zu erreichen, die sich in einer jähen Andeutung von Ekstase öffneten, um ein stummes Oh! auszurufen. Die hechelnden Atemzüge, die er ihn hören ließ, suchte er ihm deutlicher zu entlocken, indem er ihn ein wenig anhob, um ihn intensiver zu reizen und sich selbst zu bändigen, und er dankte es ihm mit stöhnenden und lustvollen, dunklen Lauten, die ihn in ihrer Ausdauer unaufhaltsam, aber nicht unerwartet dem Ende entgegen trieben. Die aufbrandende Erregung spürte er wie einen Stromstoß oder reißenden Fluss durch sich ziehen, als Chase seine Muskeln entspannte, um sich dann in ihn zu drängen, bereit, seinen Samen aufzufangen. Er bemühte sich um Zurückhaltung, doch als er ihn in einer letzten Kontraktion erreichte und sich in ihm ergoss, stieß Chase ein orgiastisches, sensationelles Brüllen aus, das ihre Glieder erzittern ließ und in seinen Ohren dröhnte. Er machte nicht den Versuch, ihn zu halten, warf sich mit hinein in seine Rückwärtsbewegung, bereit seinen Orgasmus mitzuerleben. Keuchend folgte er ihm, und als Chase erschöpft und schmiegsam wie eine Katze an ihn hinsank, untermalte er die kleinen Seufzer der absoluten und satten Gelöstheit mit seinem schweren Atem.
oOo
„Warum haben Sie geweint? Sie tun es oft, wenn die Leidenschaft Sie überwältigt, aber nicht so bitterlich. Es lag hoffentlich nicht an mir?"
Langsam und selbstvergessen kraulte er seinen Nacken, strich über die rasierten, sich fellähnlichen anfühlenden Ausläufer seines Haares, während Chase die Wange an seiner Brust ruhen ließ und den Arm und das Bein über ihn gelegt hatte, als wollte er ihn daran hindern, aufzustehen. Nicht dass er ernsthaft darüber nachdachte, und wahrscheinlich wäre er hingesunken vor wohliger Schwäche.
Die schwülwarme, herbstlich duftende Feuchtigkeit ihrer Zusammenkunft und das Nachwirken der ausgeschütteten Hormone hüllten sie in abgrundtiefes Wohlbehagen und machten sie schläfrig, aber er hätte keine Ruhe vor einem klärenden Gespräch.
Im Grunde sprachen sie viel zu selten über ihre Beziehung, über das, was Chase empfand. Selbst jetzt musste er sich überwinden. Seltsam, dass Reden mit Wilson einfacher war, den er nicht auf so intime Weise kannte und nie kennen lernen würde. Der einzige Mann, dem er sich in physischer Hinsicht je würde öffnen können, sprach mit einem für amerikanische Ohren ärgerlich breiten Akzent und besaß blondes, dichtes Haar, eine Figur wie ein Dressman, und war zwanzig Jahre jünger als er. Es war beinahe schon grotesk. Aber er liebte grotesk. Freaks und Außenseiter, wie Chase einer war. In seinem Fall war es nicht nur das.
„Nein." Er winkelte das Knie bis zu seinem Schritt an, bewegte es vorsichtig und doch forsch hin und her, wie um sich bei dem Körperteil zu bedanken, das ihm zunächst Respekt und danach unvergessliches Vergnügen einflößte. So kurz nach ihrer Intimität war er nicht mehr empfänglich, stöhnte aber trotzdem zufrieden auf. Er wusste, dass er gut war. Gut mit Chase, weil der ihm alles gab, um es zu sein.
Sein Nacken blieb gesenkt, beugte sich sogar ein wenig tiefer, als er Muster auf seine Brust zeichnete. Er schämte sich, ihm in die Augen zu sehen. Das war kein gutes Zeichen. „Oder vielleicht doch. Ich weiß es nicht."
„Seien Sie ehrlich." Vorsatzlos nahm seine Stimme einen scharfen Unterton an, der seine Unsicherheit nicht bemäntelte. „Eher lasse ich Sie nicht in Morpheus' Reich eintreten. Wenn es mit mir zu tun hat, sollten wir darüber reden. Ich will nicht, dass meinetwegen Ihre schönen Augen den leidenschaftlichen Glanz verlieren."
Weil sie manchmal ohnehin nahe davor sind und ich Angst habe, sie nicht mehr zum Leuchten zu bringen.
„Es ist nur…" begann er und kämpfte mit einem Schluchzen, das er an House' Oberarm abschwächte. „Ich glaube, ich kann Ihnen nie wirklich sagen, was es mir bedeutet, bei Ihnen zu sein. Ich bin nicht sehr gut mit Worten, und vielleicht war ich auf keinem Gebiet wirklich besonders gut…"
„Sie sind gut", unterbrach er ihn, während er selbstvergessen die Finger über seine Wirbelsäule gleiten ließ und Chase leise aufseufzte, sich auf den Ellenbogen stemmte und nach seinem Mund schnappte. Es lag nichts Verspieltes darin wie sonst, und er tat ihm den Gefallen und küsste ihn. Seine samtweichen Lippen hielten ihn fest, saugten ihn an sich und ließen ihn nur widerwillig gehen. Etwas außer Atem sprach er weiter. „Und das meine ich nicht in Bezug auf den Sex. Na schön, nicht ausschließlich. Sie wurden viel herum gestoßen und hatten nie Gelegenheit oder genug Selbstwertgefühl, eigene Entscheidungen zu treffen. Sonst wären wir uns vermutlich nie begegnet."
„An mein Leben ohne Sie kann ich mich nicht erinnern, aber es ist auch nicht wichtig. Ich war anscheinend immer der Dumme, der sich hat ausnutzen lassen. Von meinen Eltern, von Cameron … nicht einmal meine Tante meldet sich. Vielleicht ist es das Beste so. Aber Sie sind da, und Sie verlangen nichts von mir. Und Sie geben mir das Gefühl, jemand zu sein. Ohne dass ich etwas leisten muss. Ich war … traurig und froh, dass Sie mich nicht wegstoßen, obwohl ich jetzt nicht nur der Dumme, sondern ein debiler Idiot bin. Ich weiß, was man in der Klinik über Sie sagt, dass Sie egoistisch und kalt seien, und es hat mich verunsichert, aber es stimmt nicht. Es ist nur hohles Gerede. Bitte gehen Sie niemals fort."
Gerührt von dem für seine Verhältnisse theaterreifen Monolog streichelte er seine Schulter. Seine Haut war wieder blasser geworden. Vornehm britisch, aber fein und glatt hatte sie ihn in ihrer natürlichen Bräune nicht minder betört. Im Dämmerlicht mutete sie an wie Alabaster mit einem Hauch Bronze vermengt. Oder Milchkaffee. Mit einem Extraschuss Milch. Und auch das hatte seinen Reiz.
„Niemals", beteuerte er und steckte die Nase in sein Haar, das nach ihnen beiden roch. Mehr nach ihm als nach Chase, der schwitzend in so anreizender Erschöpfung an seinen Lippen hing, dass er ihn am liebsten noch einmal genommen hätte, um ihm zu zeigen, dass seine Befürchtungen sich als grundlos erwiesen. „Und lügen Sie sich nicht selbst an. Sie sind nicht debil. Nur ein bisschen naiv, und es steht Ihnen. Wenn Sie je mit dem Gedanken spielen, mich zu verlassen, erschieße ich Sie. Und das ist egoistisch."
Ganz und gar nicht schockiert, dafür mit einem befriedigten Grunzen, lehnte er sich erneut an ihn.
„Dann sollen Sie so bleiben."
„Sie würden mich nie ändern. Weil Sie mich verehren, egal ob ich das Ekel oder den Held markiere. Das war schon immer so, und es ist bis heute dabei geblieben. Glauben Sie nicht, dass ich Sie anderenfalls neben mir in Ihrer süßen geraubten Unschuld liegen hätte."
Eine Weile schwiegen sie, und er glaubte, Chase sei eingeschlafen, als er sich unruhig und gedämpft ächzend bewegte.
„Haben Sie Schmerzen?"
Sein Zögern und das Niederschlagen des Blicks straften seiner Antwort Lügen. „Nein."
Er stand auf und hinkte ins Badezimmer, um einen Tiegel Vaseline zu holen.
