Kapitel 2
Mein Sohn regte sich und stöhnte leicht. Ich beugte mich nah zu ihm und strengte meine Ohren an, irgendwelche Worte zu vernehmen, die seine vom Fieber ausgedörrten Lippen verlassen haben könnten, aber ich hörte nichts.
"Faramir … bitte, antworte mir, mein Sohn …" Die Worte waren in meinem Hals gefangen; meine eigene Stimme klang, als gehörte sie zu jemand anderem, so wacklig und flehend, wie sie war. Es erschütterte mich, dass ich vor langer Zeit meine Frau auf die gleiche Art angefleht hatte, mich zu hören, aber sie war nur devongeglitten und verließ mich so schrecklich einsam, dass ich es tagelang verweigerte, auf irgendjemanden Acht zu geben, meine eigenen Kinder darunter.
So waren es vier Tage, nachdem meine Frau fortgegangen und zur Ruhe gelegt worden war. Ich war beinahe von ihrem Tod erdrückt; ziemlich sicher, dass ich mich nie wieder erholen könnte. Es war damals, als meine Aufgaben als Statthalter weniger lästig wurden: sie halfen mir, meinen Geist von den Dingen fernzuhalten, die immerzu in meinem Kopf kreisten, düstere Gedanken, die drohten, mich in ein bodenloses Loch der Hoffnungslosigkeit zu werfen. Ich wollte mich in der Papierarbeit eingraben, um mein Büro nie zu verlassen und jeden Eintretenden wütend anzugiften, in der Angst, er könne Tränen auf meinem Gesicht erblicken. Wie hart ich es auch versuchte, mich mit staatlichen Angelegenheiten zu beschäftigen, gelegentlich lag zwischen den Papieren ein besticktes Taschentuch, oder eine Haarnadel, oder eine lustige Zeichnung einer gestreiften Katze, die fette Mäuse jagte – diese hatte sie zusammen mit Faramir gemacht, und ich erinnere mich, wie sie kicherten, gleich einem Paar von Verschwörern – Boromir stand ein wenig abseits und gab vor, an einem solch kindischen Spiel nicht teilzuhaben, und dann wies er darauf hin, dass die Mäuse auf dem Bild die gleiche Größe wie die Katze hatten, und dass es also völlig unnotwendig für sie war, zu fliehen ...
Solch nette und kleine Dinge und dennoch jede davon waren ein weiterer Dolch in meinem bereits blutendem Herz. Außerdem brachten sie mich dazu, eine andere Aufgabe zu realisieren, die Kinder.
In Finduilas' letzen Monaten hatten sie ein Kindermädchen erhalten, da ihre Mutter andauernde Schmerzen gehabt und Ich versucht hatte, so viel bei ihr zu sein, wie ich konnte, und ich gab mein Bestes, die beiden davor zu schützen, ihre Qualen mitansehen zu müssen. Sie selbst hatte das Mädchen dafür vorgeschlagen, sich um unsere Jungen zu kümmern. Der Name der Letzteren war Linwen, und ich muss zugeben, dass die Wahl gut war. Linwen war sehr jung, aber unglaublich talentiert mit ihren kleinen Mündeln, und sie liebten sie beinahe sofort. Sie war unnatürlich klein für jemanden mit Númenorischer Abstammung, aber sie hatte eine wirklich feurige Persönlichkeit und einen unbezähmbaren Geist, und sie entzündete jeden durch das Glitzern in ihren große, grauen Augen, die immer grün wurden, wenn sie unter starker Emotion stand. Ich war ihr (und bin es bis jetzt) enorm dankbar für das Lüften des Vorhangs der Trauer, der uns alle für die meiste Zeit bedecken zu schien.
Sie hätte die Tür aufgeschlagen und stolz verkündet, ohne das entrüstete Zischen der Heiler zu beachten: „Meine Herrin, ich bedauere es zutiefst, Euch zu stören, aber Eure beiden Bengel machen es mir so schwer, bei Verstand zu bleiben! Wie können solch edle Eltern diesem Paar von Orks das Leben gegeben haben, frage ich mich. Als nächstes hätte sie die besagten Bengel vorgeführt, die normalerweise von Schmutz ,Staub oder Spinnennetzen bedeckt und auch zeitweise zerschrammt waren, und wäre in eine lange Beschreibung davon versunken, wie unsere lieben Kleinen diese Zeichen der Ehre erlangt hatten.
Die ganze Sache würde in eine langatmige Diskussion ausarten, gegen deren Ende Finduilas blass und ermüdet aussah, aber auf ihrem Lippen lag ein Lächeln, als sie die Jungen sachte dafür ausschimpfte, dass sie Linwen soviel Sorgen machten, und noch lange nach dem Besuch würde sie viel lebhafter sein als davor. Ich vermutete, dass es genau das war, was Linwen bezwecken wollte, überdies schirmte es die Jungen für noch einen weiteren Tag sehr effektiv von der schrecklichen Wahrheit ab.
Und dennoch kam der Tag, an dem Linwens heitere Art schwand. Ich hatte sie an der Beerdigung aus dem Augenwinkel gesehen, wie sie Faramir auf einem Arm hielt, sein Gesicht war an ihrer Schulter vergraben, der andere Arm umfasste Boromir fest, der die Totenbahre mit einem Ausdruck der Ungläubigkeit vermischt mit Wut anstarrte: Tod war etwas, das er bis zu diesem Moment, aus der Ferne gekannt hatte, etwas, das normalerweise „irgendjemand anderem" passierte und sicher nicht seiner eigenen Mutter widerfahren hätte widerfahren sollen. Nur als Finduilas' Körper in der Gruft verschwand, fielen Tränen sein blasses Gesicht hinunter, er drückte sich enger an Linwen und zitterte wegen all dem, während er heftig schluchzte.
Sie versuchte, ihn zu trösten, ihn fester zu umarmen, aber das war keine einfache Aufgabe mit Faramir immer noch in ihren Armen, er war fünf Jahre alt damals und ziemlich schwer für ein Mädchen von ihrem Körperbau. Den Schein vergessend, ging ich zu ihnen hinüber und versuchte, Faramir von ihr zu nehmen, aber mein Sohn hielt seine kleinen Arme fest um ihren Hals und weigerte sich, mir gegeben zu werden. Zurückblickend verstehe ich, dass dieser arme Junge sich an ihr festhielt, weil sie eine Frau war und deshalb etwas seiner Mutter in sich hatte, und es gab keinen bedeutenderen Grund, und trotzdem hatte es mich so sehr verletzt, mein Kind zu sehen, das sich von mir abwandte. Seufzend ging ich zu Boromir.
Ich verbrachte den Rest des Tages mit meinem älteren Sohn, erst hielt ich ihn einfach nur und ließ ihn weinen, dann trug ich den Dienern auf, uns etwas Essen zu bringen und brachte ihn (und mich selbst) dazu, ein wenig zu essen, und schließlich, legte ich ihn in mein eigenes Bett, als er in meinen Armen eingeschlafen war und ich ihn nicht aufwecken wollte. So tat ich es in den folgenden Tagen auch, er schien so ungewillt zu sein, mich zu verlassen und ich fürchtete den Moment so, an dem ich allein in meinem Zimmer verbleiben sollte, das ich gewohnt war, mit meiner Frau zu teilen, dass ich nicht das Herz dazu hatte, ihn zurück ins Kinderzimmer zu schicken.
Eines Nachts hörte ich ein leises Klopfen an der Tür.
„Herein", sagte ich.
Es war Linwen. Eine Veränderung hatte Finduilas' Verscheiden sicherlich mit sich gebracht: unser Kindermädchen lernte, zu klopfen, bevor sie eintrat.
"Mein Herr Denethor", sagte sie. Ich nickte und deutete auf einen Sessel. Sie schüttelte den Kopf und ging zum Bett hinüber, um Boromir anzusehen. „Ich wollte nur sehen, wie es ihm geht.", erklärte sie. „Ich habe das Gefühl, dass ich ihn etwas vernachlässige zu Gunsten seines Bruders.", fügte sie entschuldigend hinzu.
"Ihr müsst Euch darüber keine Sorgen machen.", sagte ich. „Natürlich braucht Faramir mehr Aufmerksamkeit, da er so jung ist."
Sie warf mir einen schneidenden Blick zu. „Er braucht mehr von Eurer Aufmerksamkeit, mein Herr."
Ich zuckte mit den Achseln. „Er scheint sich mit Euch ziemlich wohlzufühlen, Linwen. Er sagt kaum ein Wort, wenn ich versuche, mit ihm zu sprechen."
"Das arme Kind hat einen furchtbaren Schock!", rief sie, während sie auf ihre Füße sprang und begann, rastlos im Zimmer auf und abzuschreiten. „Alles, was er weiß, ist, dass seine Mutter plötzlich fort ist, sein Bruder und engster Freund nicht mit ihm spielen oder reden will, und dass sein Vater zu beschäftigt ist!"
„Was würdet ihr dann sagen, was ich tun soll?" Mein Temperament begann, zu steigen. „Wann immer ich versuche, mit ihm zu reden oder ihn zu umarmen, versteift er sich nur und murmelt irgendetwas, und dann rollt er sich zu einem Ball auf dem Bett zusammen und wird still."
Sie schien sich langsam zu beruhigen. „Männer sind so ... ", sie schluckte ihr nächstes Wort hinunter. „Mein Herr, Faramir ist ein Kind, mit dem zu reden, schwer ist, aber nicht unmöglich. Wenn er älter wird, könnte das sogar eine Stärke werden – ich meine, sein Sturheit und Verschwiegenheit – aber bis dahin wird er eine Menge Unterstützung brauchen. Wisst Ihr, warum er so mit Euch umgeht? Er hat tödliche Angst davor, dass"
Sie wurde vom Getrappel kleiner nackter Füße unterbrochen und augenblicklich erschien das Thema unserer Unterhaltung in der Kammer.
Faramir stürzte in das Zimmer, und hielt dann außer Atmen auf dem halben Weg zwischen der Tür und uns inne. Ich brauchte nur einen Moment, um zu erkennen, wie bestürzt das Kind war, seine Wangen waren errötet, und Tränen strömten sein Gesicht hinab.
„Mutter ...?", schluckte er.
Einmal war ich schneller als Linwen, als ich ihn in meine Arme zog und ihn beruhigen wollte, aber plötzlich wurden seine kleinen Hände harte Fäuste, die gegen meine Brust schlugen.
„Nein … will dich nicht, will Mutter! Nein, nein, nein! Lass mich gehen! Ich hasse dich!"
Ich war so bestürzt, dass ich ihn fast fallen ließ. Seine Schreie wurden unverständlich, aber mit einem gelegentlichem „hasse dich" begannen seine Füße mich zu treten, er röchelte nach Luft und er schien unfähig, zu atmen. Es benötigte große Stärke, dieses verkrampft tretende Bündel zu halten, das mein fünf Jahre alter Sohn war, der nur ein paar Stunden zuvor so still und ruhig gewesen war.
Linwen setzte dem ein Ende.. Sie ging zu Faramir, damit er sie ansah, während ich ihn noch immer hielt, und schlug ihn ziemlich hart ins Gesicht.
„Was tut ihr!", brüllte ich außer mir vor Wut.
"Nur, was hier gebraucht wird", antwortete sie ruhig, während sie zum Tisch neben dem Bett ging und ein Glass mit kaltem Wasser aus einem Krug einschenkte. „Hier, Faramir, trink. Langsam ... du bist jetzt ein guter Junge, jetzt komm, ich bin hier, und dein Vater ... es ist alles in Ordnung." Sie nahm ihn mir behutsam ab and setzte ihn auf das Bett, wo sich ein erschreckter, die Augen weit geöffneter Boromir befand, dessen Augen noch nebelig vom Schlaf waren. Erfreulicherweise begriff er sofort, was von ihm benötigt wurde. Er legte die Arme um seinen kleinen Bruder und wisperte in sein Ohr, und allmählich beruhigte Faramir sich, obwohl sein Atem immer noch ziemlich ungleichmäßig war.
Ich packte Linwen am Arm, nicht zu behutsam und zog sie soweit vom Bett weg, wie es möglich war. „Was glaubtet Ihr, würdet Ihr tun?", fauchte ich. „Ihr habt mein Kind geschlagen!"
Sie befreite ihren Arm und seufzte. „Der Junge war hysterisch, mein Herr. Das war der effektivste Weg, um ihn zu seinen Sinnen zurückzubringen. Ich hasse, es zu tun, aber es hätte in einem Krampf enden können."
„Oh ... dann tut es mir Leid. Habt Ihr es schon einmal passieren sehen?"
„Nicht mit ihm."
„Aber warum ... warum hat er das alles gesagt? Darüber, dass er mich hasst, meine ich?" Es hatte mich so sehr geschmerzt, zu versuchen, mein Kind etwas zu trösten und darauf solch schreckliche Worte zu hören."
"Definitiv nicht, weil er es so gefühlt hat. Der Junge musste seine Gefühle rauslassen und Ihr wart die erste Person, der er begegnete. Hätte ich ihn als Erste hochgenommen, hätten diese Worte mich getroffen. Ich gehe jetzt zurück ins Bett und es ist eure Aufgabe, herauszufinden, warum euer Sohn so verzweifelt war."
Erschrocken fasste ich sie wieder beim Arm. „Sicherlich würde er es euch bereitwilliger erzählen?"
„Oh, sicherlich? Und ist das natürlich, einem Fremden mehr zu vertrauen als seinem eigenen Vater? Nein, mein Herr, vergebt mir meine Freimütigkeit, aber er ist Euer Kind und ich werde Euch weniger als einen Feigling ansehen, wenn ihr Eure Verantwortung als Vater erkennt, sogar wenn ich zuerst Euren Kopf gegen die Wand knallen müsste."
Ungewollt lachte ich über das Bild vor meinem inneren Auge, wie dieses Mädchen, die leicht meine Tochter sein könnte, meinen Kopf gegen die Wand neben dem Kamin schlug ... Ich musste in die Hocke gehen, damit sie diese Aufgabe erfolgreich bewältigen könnte. „Ihr seid liebenswürdig, Linwen. Wie macht Ihr das? Ich meine, dass die Leute sich in Euerer Gegenwart so unbelastet fühlen?"
"Keine Ahnung", antwortete sie feierlich, als sie ihren Rock wie ein braves Schulmädchen glattstrich. „Manche Dinge machen mich einfach wahnsinnig verrückt, wie wenn die meisten Männer gerne davon absehen, ihre Kinder zu erziehen und dann ihren Frauen und Kindermädchen und den Kindern selbst vorwerfen, dass sie nicht fähig sind, das zu sein und zu tun, was ihre Väter erwarten, zu ... Nein, ich meine nicht Euch, mein Herr Denethor, noch nicht, in Eurem Fall gibt es noch etwas Hoffnung." Sie lächelte mich traurig an, das erregte Grün in ihren Augen klang ab und gab den Weg für ihr übliches, ruhiges Grau frei. „Aber kommt, lasst uns diese Unterhaltung zu einer anderen Zeit führen. Geht zu Euren Söhnen, sie brauchen Euch mehr denn je."
"Danke, Linwen.", sagte ich, als sie dabei war, die Tür zu schließen.
„Wofür?" Sie hob die Augenbrauen.
„Dafür, dass ihr euch so um meine Kinder kümmert. Ich bin sicher, ihr werdet eine gute Mutter abgeben, wenn die Zeit kommt."
Sie lachte ihr übliches, lässiges Lachen. „Ich bezweifle das nicht. Und, dass ich mich um die Jungen kümmere ... werde ich dafür nicht bezahlt?"
Mit einem weiteren Lachen war sie fort.
Faramir beobachtete mich immer noch mit weit geöffneten, unglücklichen Augen, erschöpft nach seinem Ausbruch. Sein Bruder schlief tief, also griff ich nach meinem Kleinen, zog ihn aus Boromirs Armen und ging hinüber, um in einen gepolsterten Sessel am Feuer zu sinken, und setzte das Kind auf meinen Schoß.
Er seufzte und vergrub sein Gesicht an meiner Brust, und so saßen wir da, eng aneinander gedrückt, bis ich schließlich dachte, er würde schlafen und aufstand, um ihn zurück aufs Bett zu legen. Aber Faramir rührte sich und sah mich an, und ich war erschüttert, sein Gesicht von Tränen glitzern zu sehen.
"Was ist, mein Sohn? Bist du krank? Bitte, sag es mir."
Er senkte den Blick und wisperte dann: „Ich bin ein böses Kind."
Ich ging ein Stück zurück und griff nach seinen Schultern. „Was für dumme Dinge sagst du, Faramir. Du bist ein sehr, sehr, sehr gutes Kind, und wir lieben dich alle so sehr. Willst du mir nicht erzählen, was passiert ist?"
Er schnüffelte kläglich. „Ich hatte einen schlimmen Traum. Ich hatte so Angst und ich wollte Mutter, und sie war nicht da ..." Er verlor sich und versuchte, seinen Atem zu halten.
„Worum ging es in dem Traum, Faramir?"
Er schüttelte seinen Kopf so heftig, dass sein Haar mir in die Augen flog. „Nein, nein ... ich kann nicht. Es war schlimm, schaurig ... dunkel, so dunkel ... Oh Vater, ich habe Angst, ich habe so, so viel Angst!"
Ich hielt in wieder fest, und spürte, wie der kleine Junge unter meinen Händen erschauderte. Ich wurde beunruhigt, als ich mich an etwas erinnert, was Linwen begonnen hatte, mir zu erzählen, bevor Faramir in das Zimmer gerannt war, etwas über Angst und sein seltsames Verhalten gegenüber mir. Ich musste es aus ihm herauskriegen, wenn nur, um ihn zu beruhigen.
„Mein Sohn, du musst es mir erzählen. Es wird dir gut tun, der Traum wird nicht mehr so furchterregend sein, wenn ich ihn kenne. Bitte, Faramir."
Er nickte und erzählte es mir endlich.
"Ich habe dich gesehen, in einem dunklen Raum … es war so dunkel, aber ich wusste einfach, dass du da warst. Ich hatte Angst und ich rief nach dir, und du hast angefangen, zu mir zu gehen, und dann war da ein Ball, und ... und ...", er schluchzte und klammerte sich an meine Tunika.
„Was für ein Ball, Kind, fragte ich verwirrt.
"Ich weiß nicht … er war schwarz … und er hat dich genommen, und ich schrie und schrie, aber du bist nicht zurückgekommen ... wie Mutter...", er bracht jetzt völlig zusammen, Tränen strömten über sein Gesicht und auf meine Hand, die er in seinem Griff hatte. „Du ... du ... hast ... hast mich verlassen … und Boromir war nicht da und es war so dunkel …"
Ich streichelte seinen Kopf mit meiner anderen Hand, als ich ihm irgendeinen leichten Unsinn zuwisperte, den man einem jungen, erschüttertem Kind erzählen würde, und ich fühlte Tränen hinter meinen Augen brennen. Wie konnte ich so blind sein? Natürlich, das war es, was Linwen gemeint hatte! Das arme Kind hatte gerade seine Mutter verloren, Verlust und Kummer solchen Grades tauchten zum erstenmal in seinem Leben auf, sicher würde er bei dem Gedanken, seinen anderen Elternteil auch zu verlieren, bestürzt sein! Und auch ein bedächtiges und ruhiges Kind wie mein Faramir.
Aber worum ging es bei der Geschichte mit dem Ball? Eine seltsame Vorstellung. Ich würde nicht überrascht sein, wenn ich in dem Traum meines Sohnes von einem Ork davongetragen würde, aber das...
Glücklicherweise beruhigte sich Faramir. Ich drehte ihn, so dass er mich ansah, während er rittlings auf meinem Schoß saß und nahm sein Gesicht in meine Hände.
"Jetzt hör mir zu, Faramir.", sagte ich ernst. „Kein verfluchter Ball oder was auch immer es war, das du in diesem Traum gesehen hast, kann mich von dir wegbringen. Ich bin dein Vater, und jetzt, da deine Mutter fort ist, werde ich immer bei dir sein. Hörst du das, mein Sohn? Immer, sogar, wenn ich zu beschäftigt bin in meinem Arbeitszimmer, werde ich an euch beide denken und euch von ganzem Herzen lieben, weil ich jetzt nur noch euch habe. Sogar, wenn ich wütend oder müde bin oder schlechte Laune habe, zweifelt nie daran, dass ich euch liebe."
Er sah mir in die Augen, immer noch aufgewühlt. „Aber ich bin ein böses Kind. Ich habe gesagt, ich würde dich hassen. Ich hätte das nicht tun sollen."
„Du warst durcheinander, das ist alles. Du hasst mich nicht wirklich, oder?"
„Nein!", er wurde schreckensblass.
"Erinnerst du dich, einmal habe ich dir erklärt, dass die Leute, wenn sie wütend oder traurig sind, Dinge sagen, die sie nicht wirklich meinen?" Er nickte. „Das ist dir auch passiert, und das ist keine große Schande. Du hast nur deine Mutter vermisst."
"Tust du es, Vater? Vermisst du sie?" Er legte seine heiße, kleine Handfläche auf meine Wange, und diese ungeschickte Geste war genug, um meine Selbstkontrolle zu zerstören. Ich versuchte, mich von Faramir wegzudrehen, aber er warf seine Arme um meinen Hals und erwürgte mich dabei fast, als er mir heiß ins Ohr flüsterte: „Linwen hat gesagt, dass es gut ist, zu weinen, weil man sonst sehr lange innen drin verletzt ist. Ich will nicht, dass du verletzt bist, Vater, ich will nicht."
So saßen wir da, bis ich nicht mehr Tränen übrig hatte, mein kleiner Sohn hielt mich fest und tröstete mich, so gut er konnte.
"Vater?", rief er mich, nachdem ich ihn schließlich neben seinen Bruder gelegt hatte. „Mutter würde wütend auf dich sein, wenn sie hier wäre."
„Oh? Und warum wäre das so?" Ich lächelte müde.
„Du hast verfluchter Ball gesagt!"
Ich bemerkte, dass ich lächelte, als ich mich am Krankenbett meines erwachsenen Sohnes an diesen Moment erinnerte
