Träume sind Schäume?!

In der Bibliothek stellte sie zuerst die Liste für Jeremy zusammen und machte sich dann daran, die wichtigsten Themen des siebten Schuljahrs zu recherchieren und nachzuschlagen, wie häufig welches Thema bei den Prüfungen abgefragt wurde. Dann stellte sie für sich und ihre beiden besten Freunde einen Wiederholungsplan auf und machte sich daran, sinnvolle Übungen zusammenzustellen.

Gerade rechtzeitig zum Abendessen war sie fertig und brachte die Wiederholungspläne und die Liste für Jeremy mit in die Große Halle. Zuerst ging sie zum Tisch der Ravenclaw und drückte Jeremy das Blatt in die Hand.

Er erspähte natürlich die Pläne: "Oh, Hermine, Du hast ja schon die Widerholungspläne fertig! Aber warum denn drei Stück?!"

"Naja, einen für Harry, einen für Ron und natürlich einen für mich"

Sein Gesicht fiel ein bisschen ein: "Und keiner für mich?"

"Jeremy, ich weiß, dass Du Deine Arbeit auch so schaffst, ohne dass ich hinter Dir her sein muss, also brauche ich Dir auch keinen Plan zu erstellen!"

Damit ließ sie ihn stehen und war an ihren eigenen Tisch verschwunden, wo Harry und Ron nicht ganz so begeistert von den Wiederholungsplänen waren, aber trotzdem wussten, dass sie ohne ihre Hermine nicht solch gute Ergebnisse erzielen würden.

Während dem Abendessen war Hermine wieder einmal sehr schweigsam. Sie hatte ein großes Buch über Runen gegen den Krug mit Kürbissaft gelehnt und studierte es aufmerksam.

Snape, der vom Lehrertisch herüberblickte, bemerkte es und gestattete sich ein kleines Lächeln; Miss Granger war in manchen Dingen so leicht zu beeinflussen, aber vermutlich war er nicht anders gewesen, als er so alt wie sie gewesen war.

Auch im Gemeinschaftsraum hatte Hermine sich in ihren Wälzer vergraben, während die Jungs Quidditch-Themen diskutierten und im Bett schaffte Hermine noch ein paar Seiten, bevor ihr die Augen zufielen.

Am nächsten Morgen wachte sie auf und fühlte sich wie gerädert - sie hatte irgendeinen Blödsinn von Ron geträumt. Sie dachte nach und langsam kam die Erinnerung, dass auch Jeremy in ihrem Traum vorgekommen war - die beiden hatten sich gestritten - und es war noch eine dritte Person dabei gewesen, aber sie konnte sich nicht recht erinnern, wer es gewesen sein sollte...

Hermine schüttelte den Kopf und schwang die Füße aus dem Bett - Träume zu deuten war nicht ihr Metier, sondern das der Wahrsagetante und was das so mit sich brachte, sah man ja...

Am Frühstückstisch traf sie die Jungs, die erstaunlich munter waren und ihre Quidditch-Debatte von gestern Abend weiterführten, die anscheinend langsam hitziger wurde.

"Ähm, Jungs... könnt ihr ein bisschen leiser sein… ich bin am Lesen und wenn ihr mir von beiden Seiten in die Ohren brüllt, bin ich bald wirklich taub..."

Gerade diesen Moment suchte sich Jeremy aus, um aufzutauchen und sie zu fragen, ob sie sich zusammen auf den Weg zu Kräuterkunde machen wollten.

Er griff gleich beherzt ins Gespräch ein, um sich auf ihre Seite zu schlagen:

"Ich weiß ohnehin nicht, wie man sich im Abschlussjahr noch über solch kindische Themen wie Quidditch unterhalten kann. Besonders wenn ihr eigentlich genau wie Hermine lernen solltet..."

Ron fuhr zuerst auf: "Nur weil Du selbst eben nicht spielst, heißt das nicht, dass das für jeden in Deinem Alter unter seiner Würde sein muss"

"Aber ihr stört Hermine..."

"Jeremy, ich...", versuchte Hermine vorsichtig einzugreifen, aber er hörte sie gar nicht mehr.

"Sie kann schon für sich alleine sprechen!"

"Ich versteh sowieso nicht, warum sie sich mit euch abgibt..."

Ron war vor Ärger mittlerweile dunkelrot angelaufen und dieser letzte Satz genügte und er stürzte sich auf den noch hämisch grinsenden Jeremy.

Hermine stand da wie angewurzelt und fragte sich, was eigentlich in Ron gefahren war, als neben ihr Snape auftauchte, der immer sehr schnell witterte, wenn es am Gryffindortisch Ärger gab. Mit einem lautlosen Zauberspruch trennte er die beiden Streithähne, die sich sofort gegenseitig beschuldigten.

Genervt wandte sich Snape an Hermine: "Miss Granger, das ist schon das zweite Mal, dass Weasley wegen Ihnen den Helden spielen muss - wollen Sie ihn nicht endlich aus seinen hormonellen Schwankungen erlösen?"

Hermines Gesichtsfarbe machte Rons innerhalb von Sekundenbruchteilen Konkurrenz und sie war so verlegen, dass es ihr ausnahmsweise mal die Sprache verschlug.

Wie kam es bloß, dass sie nicht gemerkt hatte, warum Ron sich immer für sie einsetzte? Sie hatte das hingenommen, weil sie davon ausging, dass sie eben Freunde waren, dann machte man das schließlich so, aber jetzt fiel ihr auf, dass sich Harry nie so verhielt. Natürlich war er auch ihr Freund, aber er war irgendwie anders...

Und ausgerechnet Snape musste sie darauf stoßen, dass Ron in sie verliebt war. Bei dem Gedanken schüttelte sie sich ein bisschen und ihr entging das Grinsen, das sich auf Snapes Gesicht breit machte, denn er hatte wieder einmal einen Blick in ihre Gedanken geworfen. Die zwei Jungs allerdings missverstanden diese Mimik - sie interpretierten sie im Bezug auf ihre Strafe und das brachte Snape wieder ins Hier und Jetzt zurück:

"Miss Granger, anstatt - wie es ganz gegen Ihre Gewohnheit ist - dort stumm wie ein Fisch zu stehen, wäre ich Ihnen ausgesprochen dankbar, wenn Sie Ihr hübsches Mäulchen aufmachen und schildern würden, wie es zu diesem Zwischenfall kam"

Jeremy und Ron waren viel zu beschäftigt mit ihrem Elend, um zu bemerken, was Snape genau gesagt hatte. aber Harry und Hermine starrten ihn einen Moment sprachlos an, bevor Hermine sich entschied, die Szene lieber zu übergehen. Also tat sie das, was sie ziemlich gut konnte: losreden (Snape hätte es als drauflosplappern bezeichnet).

Sowohl Ron als auch Jeremy starrten sie an, als hinge ihr Leben von ihr ab, aber Hermine hatte nicht vor, sich wegen einem von den beiden in eine Lüge zu flüchten und so berichtete sie einfach, was geschehen war.

Snape sah sie einen Moment nachdenklich an und drehte sich dann zu den Delinquenten um: "Das sind 15 Punkte Abzug pro Nase und Sie beide werden zusammen Madam Pince helfen, die Bibliothek auf Fordermann zu bringen - Sie wissen ja, keine Magie"

Damit war Snape auch schon verschwunden und Harry erhob sich auch vom Frühstückstisch und fragte Hermine: "Wir haben noch eine viertel Stunde bis zum Unterricht - kann ich Dich kurz unter vier Augen sprechen?"

"Sicher, Harry" - Hermine war klar, worüber er reden wollte, aber sie fühlte sich deshalb nicht sonderlich wohl. Nervös machte sie sich mit ihm auf den Weg zu den Gewächshäusern.

"Hermine, sag mir, was mit Snape los ist?!"

"Sag Du mir, woher ich das wissen soll! Ich habe keine Ahnung, was dieser Kommentar sollte..."

"Und Dir ist auch nie aufgefallen, dass Ron auf Dich steht?"

"Nein, ich dachte, wir sind Freunde so wie Du und ich..."

"Er ist eifersüchtig auf Jeremy"

"Das ist sogar mir aufgefallen" Hermines Ton war mittlerweile so ätzend, dass Harry sie verwirrt ansah.

"Hör zu, Harry, ich kann nichts dafür, dass Ron auf mich steht und ich kann auch nichts dafür, dass er auf Jeremy eifersüchtig ist und was in Snape gefahren ist, weiß ich auch nicht. Ich bin selbst schon verwirrt genug."

Kleinlaut nickte Harry, wagte aber noch zu fragen: "Und was willst Du machen?"

"Am liebsten würde ich Snape zur Rede stellen, aber ich gehe mal davon aus, dass meine Überlebenschancen nicht so sonderlich hoch sind"

Harry klopfte ihr schwach lächelnd auf die Schulter: "Egal was Du tust, Du weißt, dass Du einen Freund hast, oder Hermine?"

Sie nickte dankbar und damit betraten die beiden das Gewächshaus.

Hermine war während der Doppelstunde Kräuterkunde derart unaufmerksam, dass sie sich kein einziges Mal meldete und mehrmals musste Harry sie aus den Umklammerungen der Schlingpflanzen retten.

Während Hermine am unpassenden Ort ihren Gedanken nachhing, erging es Snape nicht sonderlich besser:

Normalerweise war bei ihm die Kessel-Schmelz-Rate immer ziemlich hoch, aber diesmal stieg sie im wahrsten Sinne des Wortes explosionsartig an, denn er dachte natürlich an Hermine und das, was er in ihrer Gegenwart so von sich gab.

Er musste sein Verhalten ihr gegenüber ganz schnell ändern, bevor er sich um seinen Job redete. Bei diesem Gedanken ging der nächste Kessel - diesmal zischend und pfeifend - in die Luft und schließlich blieb ihm nichts anderes übrig, als den Unterricht vorzeitig zu beenden und drei verängstigte Erstklässler in den Krankenflügel zu begleiten.

Aber auch Madam Pomfreys Geschimpfe ging ihm nicht sonderlich nah, denn er versuchte immer noch die Ursache zu erforschen, warum er so auf Hermine reagierte und warum er seine Gedanken einfach nicht für sich behalten konnte.

Sein erster Ausrutscher war, dass er ihr erklärt hatte, dass er parteiisch war - und zwar für sie. Das durfte kein Lehrer sagen und das sagte er erst recht nicht.

Vielleicht hätte er es zu einem Slytherin gesagt, aber doch nicht zu einer besserwisserischen Gryffindor, aber aus irgendeinem Grund war es sogar die Wahrheit.

Er gönnte es ihr einfach, dass sie Jahresbeste wurde; er hatte nie jemanden so hart arbeiten sehen und er wollte nicht, dass dieser Michelson ihr ihren perfekten Abschluss mit seinem dummen Geschwafel versaute.

Und dass er eine seiner Schülerinnen für hübsch hielt, sollte eigentlich sein bestgehütetes Geheimnis sein, aber ihm fiel ja nichts Besseres ein, als es beim Frühstück in Gegenwart von Potter, Michelson, Weasley und Granger selbst durch die Gegend zu posaunen... Wundervoll... Er hatte sich doch normalerweise um einiges besser unter Kontrolle, also warum gerade in den letzten Tagen nicht? Wenn er so weitermachte, war es bald ein offenes Geheimnis, dass er seine Privatangelegenheiten nicht für sich behalten konnte und er wollte über die Konsequenzen lieber nicht nachdenken.

Plötzlich ging ein Ruck durch ihn und er tat das, was eigentlich für Hermine sehr typisch war; er murmelte entschlossen "Bibliothek" und sauste davon. Madam Pomfrey sah ihm nach, schüttelte den Kopf und grummelte ein fast unhörbares "Männer!"

In den angenehm stillen Räumen der Bibliothek strich er suchend durch die Gänge, denn er wusste, dass Madam Pince ihm bestimmt helfen konnte, aber er hatte keine Lust, sich ihrem fragenden Geierblick auszusetzen.

Schließlich hatte er das Buch gefunden, in dem er den Spruch gegen die Wahrheit vermutete. Snape wusste, dass er das einzige Gegenmittel zu Veritaserum war und nicht ganz einfach anzuwenden.

Tief in Gedanken versunken stand er da und studierte die Anleitung - das würde ganz und gar nicht einfach werden. Er musste den Spruch so modifizieren, dass er keine persönlichen Aussagen mehr über Schüler machen konnte, aber gleichzeitig trotzdem im Stande blieb, ihre Aufgaben zu bewerten.

Er hatte die Glocke nicht gehört, die die halbstündige Pause ankündigte und so war er mehr als erschrocken, als er plötzlich den Grund seiner Sorgen leibhaftig vor sich sah.

Hermine war zu genau dem gleichen Schluss gelangt wie ihr Professor - die Lösung für ihr Snape-Problem musste in der Bibliothek liegen. Sie wusste, dass sie sich selbst nicht zu einem Legilmentiker ausbilden könnte, dafür war das Schuljahr zu kurz und sie hatte auch so noch genug zu tun, aber es musste eine andere Methode geben, herauszufinden, was in Snape vorging.

Snape stand ungünstig genau im Gang und schien nicht zu bemerken, dass er den Zugang zu den Zauberbänden über die Psyche komplett blockierte.

Vorsichtig sprach sie ihn an: "Ähm, Professor Snape, würden Sie ein Stückchen zur Seite gehen, dann kann ich an Ihnen vorbei"

Snape macht einen Satz und er schien regelrecht entsetzt, sie hier zu sehen. Sie war auch weniger begeistert, weil sie Angst hatte, dass er herausfinden könnte, was sie im Schilde führte, aber sie versetzte sein Anblick zumindest nicht in einen Schockzustand.

"Ah, Miss Granger, ich glaube, ich muss mich bei Ihnen für meinen unqualifizierten Kommentar beim Frühstück entschuldigen"

Hermine starrte ihn an, als wäre er von allen guten Geistern verlassen - entschuldigte sich Snape gerade bei ihr für einen Kommentar, den man durchaus als Kompliment auslegen konnte?!

"Das geht schon in Ordnung, Professor, ich habe keinen Grund, Ihnen irgendetwas übel zu nehmen"

Gequält stöhnte er auf - wenn er weiter erklärte, was genau er falsch gemacht hatte, redete er sich um Kopf und Kragen, aber andererseits konnte er ja froh sein, dass sie die Sache so gelassen sah.

Aber... misstrauisch betrachtete er sie - Hermine Granger war einfach keine Hexe, die man

unterschätzen sollte...

"Was genau tun Sie hier eigentlich, Miss Granger?"

Ihre Lüge kam so glatt und unverfänglich, dass er ihr glaubte, als sie sagte: "Ich schlage ein paar Dinge über den Vielsafttrank nach"

Er dachte noch nicht einmal daran, in ihre Gedanken zu schauen, was er ja ansonsten sehr freimütig tat und so kam Hermine ungeschoren davon, auch wenn sie ihr Vorhaben, nach einer Methode zu suchen, die ihr Zutritt zu Snapes Gedanken verschaffte, vorerst aufgeben musste.

Als sie in den Gang mit den Büchern über Zaubertränke einbog, warf sie einen Blick zurück und erhaschte den Titel des Buchs, das Snape so zu fesseln schien: "Wahrheit und Unterbewusstsein - Manipulation und Ausschaltung" - Hermine gestattete sich ein winziges Grinsen; anscheinend bearbeiteten sie und ihr Lehrer das gleiche Problem, nur von unterschiedlichen Seiten...

Zum Mittagessen traf sie wieder mit Harry und Ron zusammen. Harry hatte sie ihren Plan erzählt, in der Bibliothek nach einem Weg zu suchen, Snapes Gedanken zu knacken und er wartete eigentlich auf eine Erfolgsmeldung von seiner begabten besten Freundin, während Ron mit säuerlicher Miene nur zuhörte.

"Nein, Harry, ich habe nichts gefunden, weil ich nicht suchen konnte..."

"Was soll das denn heißen?!"

Hermine erzählte Harry schnell von ihrer Begegnung mit Snape, während Ron aufmerksam zuhörte und so tat, als wäre zwischen ihr und ihm nichts passiert.

"Mensch, Mine, ihm fällt auf, was er sagt und er versucht, es zu unterbinden!"

"Ich weiß, Harry, aber das bringt mich nicht wirklich weiter..."

"Naja, wenn er versucht, es zu unterbinden, muss das heißen, dass er noch nicht alles ausgeplaudert hat..."

Hermine wurde blass und murmelte ein für sie untypisches "Scheiße"

Ron allerdings fand die Situation plötzlich unglaublich lustig: "Stell Dir vor, er sagt Dir irgendwann, dass Du tolle Augen hast und ihm Deine Haare gefallen"

Bei dem Gedanken fiel Ron vor Lachen fast von der Bank, während Harry sich ein stummes Grinsen genehmigte.

"Das ist nicht lustig, Ronald", fauchte Hermine, aber es half nichts - auch sie lächelte - ein Snape, der zwar ein bisschen schwierig, aber nett war, war wirklich eine angenehme Vorstellung.

Allerdings war das strikt gegen die Schulregeln - es durfte kein Schüler aus welchem Grund auch immer bevorzugt werden und persönliche Kommentare waren tabu. Hermine hatte genug Bücher gelesen, um zu wissen, dass Snape sich damit in ernste Schwierigkeiten begab, denn es existierten alte Zauber, die dem Schulleiter Verstöße gegen diese Regeln anzeigten und Hermine hatte wirklich keine Lust, vor Dumbledore erklären zu müssen, was Snape denn genau zu ihr in welchem Zusammenhang gesagt hatte.

Aber das hinderte sie nicht, neugierig zu sein, was Snape so von ihr dachte - und nicht nur von ihrer Arbeit. Also nahm sie sich vor, trotzdem nach einem Weg zu suchen, ihre Neugierde zu befriedigen. Dabei musste sie allerdings darauf achten, dass sie nicht ständig ihrem Professor über den Weg lief...