Frühlingserwachen

Fanfiction von Slytherene

Disclaimer: Remus Lupin, Sirius Black & Co. courtesy of J.K.Rowling, Siegfried Farnham courtesy of James Herriot

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Guten Morgen, meine lieben Remus-Fangirls! Vielen Dank, dass Ihr mich so schön mit Euren Reviews verwöhnt habt. Deshalb soll es auch ganz flott weitergehen mit den „Sirius' Tales". Heute gehen wir auf alle Viere und sehen uns die Szene in Harriets Küche aus Kapitel 28 des „Hintertreppenwolfes" mal aus dem Blickwinkels des bezauberndsten aller bekannten Streuner an.

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Soundtrack: „What can I do?" von den Corrs

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2. Stiefel und Stöckchen

Mit dem neuen Stab sind meine Apparitionen noch immer härter als mit meinem alten. Es muss ziemlich geknallt haben, als ich im Flur appariert bin, denn Moony sieht mich an wie einen Geist und auch Harriet hat sich offenbar erschreckt. Bevor ich auch nur „hi" sagen kann, hat Moony seinen Stab in der Hand. Reflexe eines Ordensmitglieds, ich kenne das von mir selbst. Aber Moonys Reflexe sind immer noch die schnellsten, ungezähmt tierisch eben, und seine Verteidigungszauber heftig und zudem so kurz nach dem Mond unkalkulierbar.

Ich entscheide mich für eine Besänftigungstaktik.

„Hallo, Moony!" sage ich und setze ein verbindliches Lächeln auf. „Hi, bezaubernde Harriet." Ich wende mich an Moony, der mich ansieht, als hätte er in ein Stück Seife gebissen. „Dumbledore hat gesagt, dass ich dich hier finden würde, und ich soll dich zurück apparieren. Du sollst so kurz nach dem Mond nicht durch die Gegend beamen, wir hatten schon bedenken, dass du dich splinterst."

Die beiden sehen aus, als hätten sie gerade etwas ausgefressen, oder ein bisschen wie vom Donner gerührt, und dann entdecke ich die eine leere und eine angebrochene Tafel Schokolade auf dem Tisch – hier wird gerade heimliches Schokoholikertum betrieben, erwischt habe ich sie, deswegen die betretenen Mienen!

„Ich werde dich gleich splintern" sagt Moony, und seine Stimme klingt seltsam gepresst.

‚Huh', denke ich, ‚welch ein Anfall von Aggression'. Drohungen stößt er ja sonst nicht aus. So schlimm ist das mit dem Schokoholismus ja nun auch nicht. Ich frage mich, was ihm über die Wolfsleber gelaufen ist – muss eine verdammt große Laus gewesen sein.

„Hey, hey, so begrüßt man aber keinen Freund" sage ich und verbreite gute Laune. „Ihr steht hier doch sowieso nur rum. Mhmm, Halbbitter, darf ich?" Ich frage lieber vorsichtshalber, während ich mir schon ein Stück Schokolade in den Mund stecke. Sie kann ja schlecht nein sagen, ohne unhöflich zu werden, die gute Harriet.

Aber Moony sieht aus irgendeinem Grund echt merkwürdig aus. Wusste gar nicht, dass ihm seine Schokosucht so peinlich ist. Er macht den Eindruck, als wolle er mich gleich hexen. Merlin sei Dank bin ich ein großzügiger Typ und von Haus aus nicht nachtragend. Ich verzeihe ihm, denn so kurz nach dem Mond ist er immer etwas gestresst.

In diesem Moment klingelt es Sturm an der Tür.

„Scheint dringend zu sein" sage ich (Mit vollem Mund, so schnell kann ich nicht schlucken. Remus' Blick ist tödlich und entbehrt jeder pädagogischen Milde).

Harriet sieht auffordernd mich an.

Was denn, bin ich ein Hauself?

Es klingelt noch mal.

Ich sage: „Willst du nicht aufmachen, Harriet?" Dieser Dreiklang ist echt nervig, wenn er ungefähr achtmal mindestens nacheinander erklingt.

Harriet zuckt die Schulter, sieht Moony komisch an und geht endlich zur Tür.

Ich kaue immer noch an der Schokolade. Halbbitter –meine Lieblingssorte. Ich stecke noch ein Stück in den Mund, bevor Moony es mir streitig machen kann. Dann erkläre ich ihm, was für Sorgen wir uns um ihn gemacht haben.

Leider muss ich feststellen, dass seine Laune wirklich die eines Mannes einen Tag nach dem Vollmond ist.

Wir hören fremde Stimmen vom Flur her.

„In den Hund" knurrt Remus und es klingt zwingend. Ich spüre, dass er wirklich sauer ist, und obwohl ich es mir nicht erklären kann, beschließe ich, der Aufforderung Folge zu leisten.

Remus verschwindet in Richtung Flur.

Dann kann ich ja endlich den kleinen Labrador begrüßen, der schon die ganze Zeit völlig verunsichert in der Terrassentür steht.

Wir beschnüffeln uns, er wedelt freundlich und keine Frage, ich bin der Chef.

Wir gehen eine Runde toben in Harriets etwas verwildertem Garten, und als wir wieder zur Tür rein kommen, sitzt Harriet in der Küche mit einem zweifelsohne bezaubernden weiblichen Wesen.

Aus meiner Position sehe ich vornehmlich Beine, und diese sind lang und schlank und bestiefelt, italienisches Leder, ich nehme den Geruch nach weichem Nappa und Pflegecreme auf. Er ist irgendwie vertraut –halleluja - es ist die gleiche Marke, mit der ich früher den Sattel meines Motorrades eingerieben habe.

Die bestiefelte duftende Schönheit fragt etwas, ich glaube, ob Harriet zwei Hunde hat. Ihre Stimme ist hell und klar, wie ein Glockenspiel im Wind, und ich trotte näher, da sie keine Angst vor Hunden zu haben scheint und nehme den Rest von ihr in Augenschein und unter die Nase.

Ich höre, dass Harriet sagt, ich sei Remus' Hund (er hat schon einen Wolf, immer dabei, da braucht er kaum noch zusätzlich einen Hund, oder?) und lege meine Schnauze auf das bestrumpfte Knie der Schönheit, gleich dort, wo das edle italienische Schuhwerk (Dolce & Gabbana) das Fleisch preis gibt. Mmmmh, auch ihre Strümpfe (Seide) riechen gut und ich riskiere einen schwarz-weißen Hundeblick, und tatsächlich, es ist keine Strumpfhose, sondern es sind halterlose.

„Der Dunkle ist schön" sagte die Bezaubernde und streichelt mir über den Rücken und die Brust. Das fühlt sich so toll an, dass ich sehr brav „sitz" mache und sie anschmachte. Sie greift nach ihrem Tee und hört auf zu streicheln.

Ich beschließe, die Initiative zu ergreifen. Vielleicht kann ich mit der Pfote...?

Ich lege sanft meine Pranke auf ihr zartes Knie.

„Oh, du bist ein Schmuser" sagt sie, und lässt ihre langen Fingernägel durch mein Fell gleiten.

‚Mmmh' denke ich, ‚das machst du gut, Zauberhafte, tu das noch etwas länger, und ich liege dir zu Füßen – auf dem Rücken, alle viere in den Himmel gestreckt und lasse locker meine lange rosa Zunge aus dem Maul hängen'.

Sie tut es länger, und ich verliere spontan mein Hundeherz an sie. Nun gut, Padfoot verliert des Öfteren spontan sein Hundeherz an schöne Streichlerinnen, Ausflüge als Hund nach Muggel-London sind das einzige, was ich ihm und mir gelegentlich an Freiheit genehmige, und auch das sehr zu Dumbledores Verdruss.

Während ich noch im animalischen Wohlfühlzustand schwebe, höre ich Moonys leisen Schritt in die Küche kommen.

„Padfoot wickelt Frauen um die Kralle" sagte er von der Tür her. „Sandy, schau' mal, der schöne schwarze Hund, der wird mit dir in den Garten gehen und spielen, wenn du ihm dieses Stöckchen wirfst."

Ich öffne ein Auge und sehe ihn hoch über mir. Ist das mein Zauberstab, den er da…?

Merlin, Moony, wie kannst du nur! Er hat doch tatsächlich dem Mädchen meinen Stab gegeben.

Ich reiße die Augen auf und drehe mich auf dem Bauch. Die Kuschelstunde ist ganz definitiv beendet.

Das Mädchen kniet sich vor mich und sieht mich ernst mit ihren blauen Kulleraugen an.

Dann sagt sie: „Padfoot, spielen."

Noch bevor ich sie daran hindern kann, wirft sie meinen Stab durch die Hintertür nach draußen.

Ich jage bellend meinem Zauberstab durch den Garten hinterher. Da liegt er! Ich darf nicht zu fest mit den Zähnen zupacken, denn ich habe Angst, das gute Stück zu beschädigen. Es ist mir mehr als kostbar.

Da ich schlecht bei Ollivander herein platzen konnte am helllichten Tag musste ich diesen Stab (er ist unregistriert!) third hand in Nucturn Alley besorgen. Es war großes Glück, dass er tatsächlich relativ gut zu mir passt, die Auswahl an unregistrierten Stäben ist ziemlich begrenzt.

Da ich nicht richtig zubeißen darf, zieht mir die kleine Sandy den Stab immer wieder aus dem Maul und schleudert ihn mit wachsender Begeisterung nicht nur durch den Garten, sondern auch über den Zaun ins Feld.

Natürlich kann ich über den Zaun springen, aber mit Ende dreißig und ohne Training geht das auf die Knie, insbesondere, wenn man einen dreiviertelwüchsigen Labrador am Schwanz hängen hat. Ich werde morgen vermutlich einen fetten Muskelkater haben, und ich weiß auch schon, wer dafür büßen wird. Komm Du mir nach Hause, Moony!

Draußen auf der Straße höre ich ihn mit der Zauberhaften sprechen, mittlerweile ist mir klar, sie ist May, die Mutter des missbrauchten Kindes, die Frau, mit der er zusammen ist, oder eher war, denn er scheint ihr gerade in seiner ruhigen, höflichen Moony-Art zu erklären, dass er sich von ihr trennt.

Während ich meinen Stab vor dem Labrador rette, höre ich ihn etwas von Vertrauen sagen, und dass er sich geirrt habe und dann – Merlin, er entschuldigt sich mal wieder. Es scheint, als ob er selbst nicht immer ganz die Wahrheit gesagt hätte. Er spricht von einer Stelle in Deutschland, die es nie gab und sagt, dass es ihm Leid tut.

Moony tut immer irgendwas Leid, für die meisten Dinge kann er nichts (und oft entschuldigt er sich für andere), doch in diesem Fall scheint er nicht schuldlos zu sein, so zerknirscht habe ich ihn selten gesehen. Sein Kopf hängt herunter, er traut sich ja kaum sie anzusehen, und seine Schultern sind vornüber gebeugt. Das personifizierte schlechte Gewissen.

Oh ja, Moony, wenn man ein Mädchen schlecht behandelt und sich dann entschuldigen muss, das ist nicht leicht, ich kenne das Gefühl nur zu gut, denn das war immer meine Nummer – früher (allerdings hielten Zerknirschung und schlechtes Gewissen bei mir bestenfalls bis zum nächsten Pub oder bis zum nächsten Lächeln einer schönen Unbekannten).

Ich umrunde diesmal den Zaun und laufe zum Gehweg, wo er neben May an ihrem Auto steht.

Sie fährt so einen coolen Jeep wie Harriet, nur das ihrer ein Landrover ist. Ihr Gesicht ist blass, aber gefasst.

Ich warte, dass sie ihm Vorwürfe macht, aber auch sie scheint ein großzügiger Typ und von Haus aus nicht nachtragend zu sein.

Moony fragt sie, wie es Sandy geht, und sie sieht hinüber zu der Kleinen, die mir schon wieder an den Stab will und ich rücke das gute Stück nicht raus, sondern tänzle vor ihr davon.

‚Lass das mal eine Minute' denke ich, ‚ich will hören, was sie sagen.'

May sagt, dass Sandy tagsüber zu Recht käme, aber sie spreche nur noch mit den Tieren „so wie damals, bevor du kamst", und nachts schreie sie im Traum und weine und schlage um sich. Dann sei sie oft schwer zu beruhigen und hielte sich krampfhaft wach, weil sie Angst habe, wieder einzuschlafen.

In Moonys Gesicht stehen Wut und Resignation. Ich habe eine Idee. Es ist ein Zauber, der mir durch den Kopf schwirrt, ich habe ihn erst heute Morgen an diesem Ekelpaket von Johann praktiziert, so dass er zumindest den Schlangentanz schon mal vergessen hat. Um die Feinarbeit und das Gewühle in der ferneren Vergangenheit soll sich Snivellus kümmern, wenn er seine Nase gekühlt hat.

Aber ein einmaliges Ereignis löschen, wie es dieser Überfall auf das Mädchen war, das kann ich ohne Probleme.

Leider bin ich derzeit nicht in der Lage, eben das Moony mitzuteilen. Zumindest nicht verbal.

Ich versuche es nonverbal.

„Nein, Padfoot, ich will jetzt nicht Stöckchen werfen mit dir" herrscht er mich an, an ich vor ihm sitze.

Ich stelle meine Tatzen auf seine Schuhe, aber er tritt einen Schritt zurück.

„Geh' in den Garten!" befielt er, und nur ich höre das tiefe Knurren, dass für May unhörbar tief in seiner Kehle unter den Worten grollt.

Er begreift es nicht. Ich lege den Zauberstab auf seinen Schuhen ab und blicke ihm tief in die Augen.

Obliviate!" versuche ich zu senden.

Merlin, zum ersten Mal überhaupt wünsche ich mir Snivellus wäre hier. Der könnte jetzt übersetzen.

Ich kann ihn geradezu schnarren hören: „Lupin, dein verflohter Köter will dir offensichtlich etwas mitteilen…"

„Ich glaube, Padfoot möchte dir etwas sagen, Remus" sagt ihre Glockenspielstimme. Merlin, sie ist ein Legiliment! Aber nein, sie ist nur sensibel und so bezaubernd. Sie beugt sich zu mir herunter, streichelt meinen Kopf und hebt den Stab von Moonys Schuhen auf.

Ich sehe an ihr hoch. Bei allen Hundekeksen der Welt, sie ist hinreißend. Diese Beine, diese Augen, diese Haare, rotes Gold. Und wie sie duftet…

„Der Stock ist völlig voll gesabbert" sagt die Glockenstimme jetzt, und ich lege eine schwarz gelockte Pfote quer über meine Schnauze, zum Zeichen, dass ich mich schäme.

Es klappt, sie lacht!

„Das ist ja, als würde er uns verstehen" sagt sie zu Moony, immer noch lachend.

„Padfoot versteht jedes einzelne Wort" sagt Moony und er sieht immer noch ärgerlich aus, aber es zeichnet sich ein neues Mienenspiel in seinem Gesicht ab, er denkt nach. Na endlich! Tut er doch sonst auch dauernd.

„Der Stock sieht aber merkwürdig aus" meint May jetzt und wischt ihn mit einem Taschentuch ab. „Ganz glatt, fast wie poliert.

‚Häschen, er ist poliert' würde ich ihr am liebsten sagen – nun ja, er war es zumindest mal. Ebenholz mit einem Haar von einer Veela – osteuropäische Produktion. Jetzt zieren ihn ein paar dezente Zahnabdrücke, das lässt sich nicht verhindern, wenn man ein Hundeanimagus ist.

Moony nimmt ihn aus ihrer Hand und starrt ihn an, und dann sucht er endlich Blickkontakt zu mir. Das hat ja gedauert. Und so einer nennt sich Doktor einer magischen Grundlagenwissenschaft.

„Weißt du, May" sagt er jetzt mit seiner leisen Moony-Stimme, „ich kenne da einen Spezialisten für Kinderpsychologie. Seine Methoden sind etwas … unkonventionell, aber ich könnte mir vorstellen, dass er Sandy helfen könnte."

Sie schaut ihn unsicher an. Ich kann sehen, dass sie ihm nicht mehr vertraut, und ich sehe auch, wie sehr es ihn trifft. Nun, er muss sich nicht wundern. Aber Moony ist keiner, der schnell aufgibt, wenn ihm etwas wirklich wichtig ist, und Sandy scheint wichtig zu sein.

„Er ist wirklich gut. Seine Methoden sind schnell und effizient, er arbeitet mit Hypnose und Homöopathie (Hey, Moony, womit arbeite ich? Ich habe keine Ahnung, was Homoparty ist, und ich hoffe nicht, dass es das ist, woran ich spontan denken muss, aber da das hier Moony ist, der das Wort benutzt hat, kommt eine Party kaum in Frage und ich vermute etwas Seriöses aus der Muggelwelt)."

Moony kämpft.

„Ich bin sicher, dass ich eine oder zwei Probesitzungen organisieren kann, ich würde auch dabei bleiben. Sandy vertraut mir, das weißt du. Wenn du es dann nicht willst, kannst du jederzeit abbrechen."

Sie sieht nicht wirklich überzeugt aus. Ich stupse sie mit der Schnauze an und drücke meinen Kopf an ihr Bein. Sie ist eine Frau, die auf Tiere reagiert, so wie ihre kleine Tochter.

„Es wäre gut für Sandy. Ich würde niemals etwas empfehlen, was ihr schaden könnte." Er hält ihrem Blick jetzt stand. Tapfer, Moony!

„Also gut" seufzt sie und streichelt abwesend durch mein Fell. „Gib mir die Nummer, Remus."

„Ich rufe ihn an und mache den Kontakt für dich" sagt Remus. „Er ist … ziemlich beschäftigt."

‚Ja, und zwar damit, sich den Kopf kraulen zu lassen. Mehr bei den Ohren, mmmmhm.'

Hinter mir kläfft es dumpf, und mein Labradorkumpel kommt mit einem Riesenstock im Maul an, weshalb auch sein Bellen so gedämpft ist.

Ich folge seiner Aufforderung zum Spielen, damit Moony eine Gelegenheit hat, sich ungestört von der Schönen zu verabschieden.

Morgen werde ich Sandy den bösen Mann aus dem Hirn und der kleinen Seele ziehen und dann sehen wir mal weiter, ob die hübsche Mama dem umwerfenden Dr. Sirius Black nicht noch das eine oder andere Lächeln schenkt – ‚und eine Runde Öhrchenkraulen', verlangt der Teil in mir, der ganz Padfoot ist.

Huff, ich werde mein Bestes tun.


TBC