Prolog – Endlich zurück

Auf dem Flughafen herrschte reges Treiben. Lächelnd schaute ich mich um. Wie lange ist es her, dass ich das letzte mal hier war?

„Ich bin echt froh wieder in Japan zu sein", seufzte ich, holte noch schnell mein Gepäck und rief dann ein Taxi. Ich war so glücklich, nach so vielen Jahren endlich wieder zu Hause zu sein.

„Wohin soll es gehen, junge Dame?", fragte der Fahrer höflich. Ich dachte nach. Eigentlich konnte ich es kaum erwarten meine Freunde zu treffen, aber ich musste erst einmal mein Gepäck loswerden. Also nannte ich die Adresse des Hotels, in dem ich wohnte.

Dort angekommen stieg ich aus, stellte mein Gepäck auf den Gehweg und bat den Taxifahrer kurz zu warten. Gerade wollte ich ins Hotel gehen, als mir ein blonder Junge ins Auge fiel. Schnell rannte ich zu ihm und rief: „Hey TK, warte!" Der Junge drehte sich um und ich blieb stehen. Ich musterte ihn. Er war nicht mehr der kleine Junge von vor zwei Jahren. Er war größer, seine Haare waren etwas dunkler als ich sie in Erinnerung hatte und auch sonst hatte er sich verändert. Dennoch war ich mir sicher, dass es TK war, immerhin hatte er sich umgedreht, als ich seinen Namen gerufen hatte.

„Wer bist du?", fragte der Blonde plötzlich.

Bitte was!? Entsetzt starrte ich ihn an. Hab ich mich gerade verhört, oder hatte er wirklich gefragt, wer ich bin?

„Woher kennst du meinen Namen?"

Mir hatte es doch tatsächlich die Sprache verschlagen, was bei mir ja eigentlich eher selten vorkommt. Aber, hatte ich mich wirklich so sehr verändert, dass er mich nicht wieder erkannte? TK und ich waren zwar nie wirklich befreundet, aber nach all den Abenteuern in der Digiwelt konnte ich nicht glauben, dass er mich wirklich vergessen hat.

„Ich bin's, Mimi Tachikawa", half ich ihm auf die Sprünge.

Er schien nachzudenken. Schließlich schüttelte er den Kopf. „Tut mir Leid, aber ich kenne keine Mimi Tachikawa." Er wollte schon wieder weitergehen, als ich ihn an der Schulter fasste und zurück hielt.

„Warte noch", bat ich und er drehte sich zu mir. „Du bist doch Takeru Takaishi, richtig?"

Er nickte. „Ja, aber woher kennst du meinen Namen?", wiederholte er.

Ich seufzte und antwortete: „Wir haben uns damals in der Digiwelt kennen gelernt. Dein Bruder Matt war damals mit mir und den anderen im Sommercamp und du wolltest ihn besuchen, als wir in die Digiwelt kamen." TK jedoch schaute mich irritiert an.

„Was bitte schön ist diese ‚Digiwelt'?", erkundigte er sich. Anscheinend konnte er sich nicht daran erinnern. Aber warum? Was war nur passiert, während ich in Amerika war? „Wenn du mich jetzt entschuldigst, ich muss weg und bin schon spät dran." Als ich nicht reagierte, zuckte er einfach mit den Achseln und ging. Gedankenverloren schaute ich ihm nach. Was war bloß passiert? Warum konnte sich TK weder an mich noch an die Digiwelt erinnern?

Erst der Ruf des Taxifahrers holte mich aus meinen Gedanken: „Hey, beeil dich, oder ich fahr wieder. Ich hab nicht den ganzen Tag Zeit." Also ging ich schnell ins Hotel, holte meinen Schlüssel an der Rezeption und holte den Aufzug.

Auch während ich hoch fuhr ging mir die Begegnung mit TK nicht aus dem Kopf. Auf einmal kam mir etwas in den Sinn. Was war mit den anderen? Was, wenn TK nicht der einzige ist, der sich nicht mehr erinnern konnte? Ich musste dringend zu den anderen.

Der Augzug blieb stehen und ich stieg aus. Nach kurzer Zeit fand ich auch schon mein Zimmer. Ich stellte mein Gepäck rein und wollte schon wieder gehen, als ich neben dem Telefon ein Telefonbuch sah. Ich schlug es schnell auf und suchte die Adressen der Anderen, da ich sie leider bereits vergessen hatte. Kurzerhand hatte ich alles raus geschrieben und ging wieder nach unten, wo der Taxifahrer bereits wartete.

Als ich endlich in Taxi saß, sagte ich dem Fahrer die Adresse von Tai und Kari. Ich weiß nicht wieso, aber ich wollte unbedingt Tai sehen. (Na, wieso wohl? ^^ *unschuldig pfeif*)

Ich schaute gelangweit aus dem Fenster. Japan hatte sich in den zwei Jahren nicht verändert. So vieles kam mir bekannt vor und doch wusste ich, dass etwas nicht stimmte. Nur was? Ich schaute mir die Gegend an, konnte aber nichts bemerken.

Das Taxi hielt. „Wir sind da Madam. Soll ich wieder warten?" Ich nickte und stieg aus. Nun stand ich hier, vor dem riesigen Wohnhaus, in dem Tai und Kari wohnten. Ich ging rein und holte den Aufzug. Oben suchte ich nach dem Namensschild ‚Yagami'. Als ich es fand, drückte ich auf die Klingel, dabei merkte ich, dass meine Hände zitterten. Ich hatte fast schon Angst. Was würde mich erwarten? Kennen Tai und Kari mich noch, oder haben auch sie alles vergessen? Am liebsten hätte ich mich ungedreht und wäre wieder abgehauen, aber ich wollte endlich wissen, was hier los war. Doch dazu war es zu spät, denn ich hörte Schritte und kurz darauf wurde die Tür geöffnet.

Vor mir stand Tai. Ungläubig starrte er mich an. „Hey Mimi, ich … du … was machst du hier?", brachte er schließlich heraus. „Ich dachte, du wärst in Amerika."

Mir fiel ein riesiger Stein von Herzen. Tai kannte mich also noch! Voller Freude fiel ich ihm um den Hals. Völlig überrumpelt ließ er es geschehen.

„Mensch Mimi, ich wusste nicht, dass du uns so vermisst hast", lachte er und erwiderte die Umarmung.

„Das ist es nicht." Vor Erleichterung kamen mir die Tränen.

Verwundert schaute er mich an. „Was meinst du damit?"

„Ich erklär es dir drinnen." Ich grinste, nahm ihn an der Hand und zog ihn ins Haus. Wir setzten uns auf die Couch. Tai hob die Hand und wischte meine Tränen weg. Kurz hielt er inne. Als seine Hand meine Wange berührte, wurde mir plötzlich ganz warm.

„Ich wusste doch, ich hab was gehört!", ertönte plötzlich eine Stimme hinter uns. Erschrocken fuhren wie auseinander. Hinter uns stand Kari und grinste mich an. „Mimi, schön dich zu sehen Was machst du denn hier?" Einerseits fand ich es toll, sie mal wieder zu sehen, aber andererseits nervte es mich, dass sie uns gestört hatte. Schließlich lächelte ich schwach.

„Ich verbringe meine Ferien hier", erklärte ich und bat Kari, sich zu setzen. „Ihr glaubt gar nicht, was mir vorhin passiert ist." Beide warteten gespannt auf meine nächsten Worte. „Vorhin bin ich TK begegnet, aber er hat mich nicht erkannt. Er weiß auch nichts von der Digiwelt und unseren Abenteuern dort."

„Wer ist TK?", fragte Tai verwundert. All meine Hoffnung, als Tai mich erkannt hatte, war verflogen. Wieso konnte er sich nicht an TK erinnern? Er kannte mich noch, also warum TK nicht? Ich verstand das nicht.

Hilfe suchend schaute ich zu Kari, aber auch die machte ein fragendes Gesicht. „Was ist diese ‚Digiwelt'?" Verzweifelt vergrub ich mein Gesicht in meinen Händen. Das konnte doch nicht wahr sein!

Auf einmal fiel Kari etwas ein. „Hatte dieser TK vielleicht blonde Haare?" Als ich nickte, fuhr sie fort: „Dann ist es vielleicht der aus meiner Klasse, aber so gut kenn ich ihn nicht. Aber sag mal Mimi, woher kennst du ihn?"

„Ihr beide kennt TK auch sehr gut. Er war zusammen mit uns in der Digiwelt." Und ich erzählte alles Mögliche aus unserer Zeit in der Digiwelt, von unseren Digimonpartnern über unsere Wappen bis hin zu unseren Gegnern. „TK ist übrigens der kleine Bruder von Matt, welcher ebenfalls dabei war."

„Er ist der Bruder von Yamato?", unterbrach mich Tai. „Dann bezweifle ich, dass ich ihn kenne, ich gebe mich nicht mit solchen Idioten wie Yamato&Co ab", schnaubte er und verschränkte die Arme vor der Brust.

„Das ganze ist echt … verrückt", meinte Kari, ohne auf ihren Bruder zu achten. „Als, ich muss ehrlich sagen, das Ganze kommt mir überhaupt nicht bekannt vor." Sie schüttelte immer wieder den Kopf. „Bist du dir sicher, dass du das alles nicht geträumt hast?", fragte sie zaghaft. Ich schüttelte energisch den Kopf. Ich war mir sicher, dass all das wirklich passiert war. Nur warum erinnerte sich keiner mehr daran?

Wenigstens hatte ich herausgefunden, warum die beiden mich trotz der fehlenden Erinnerungen kannten. Genauer gesagt, ist es mir wieder eingefallen, denn vor der Digiwelt waren ich und Tai auch schon beste Freunde, wir haben immer viel miteinander unternommen.

„Ach Tai, und was Matt angeht, ihr beiden seid beste Freunde."

Tai starrte mich an, als ob ich ein Geist wäre. „Bitte was?! Ich soll mit diesem Schwachkopf befreundet sein? Der hat doch nur seine dumme Musik und seine Freundin im Kopf!" Beleidigt drehte sich Tai weg, während seine Schwester genervt die Augen verdrehte.

Plötzlich fiel mit etwas ein, was meine Sache beweisen würde. „Das ist es!", rief ich freudestrahlend. „Mit den Digivices können wir in die Digiwelt reisen, wenn ihr die wirklich habt, dann beweist das meine Geschichte!" Aufgeregt stand ich auf und ging in das Zimmer der Geschwister. Wortlos folgten die Beiden mir.

Drinnen stellte ich sofort das Zimmer auf den Kopf. Ich öffnete alle Schubladen, warf alles im hohen Bogen heraus und schmiss einige der herumstehenden Kartons um. Schließlich hatte ich gefunden, was ich gesucht hatte. Triumphierend hob ich die zwei kleinen Gegenstände in die Höhe.

„Was ist das?", fragte Tai und musterte sie genau, während Kari bereits mit aufzuräumen beschäftigt war. Eigentlich sollte ich ihr helfen, da diese Unordnung ja meine Schuld war, aber ich hatte momentan Wichtigeres zu tun.

„Das sind eure Digivices", erklärte ich. „Das beweist meine Geschichte." Ich drückte Tai sein Digivice in die Hand. Sofort begann es zu leuchten. Tai starrte fasziniert auf das Gerät in seiner Hand und auch Kari hatte aufgehört und staunte nicht schlecht. Als das Licht von Tais Digivice erloschen war, löste Kari sich aus ihrer Starre und schnappte sich ihres.

„Ich fass es nicht", sagte Kari immer wieder. „Das kann doch nicht möglich sein!"

Enttäuscht ließ ich den Kopf hängen. Warum glaubten sie mir immer noch nicht? War das etwa nicht Beweis genug?

Tai bemerkte, wie niedergeschlagen ich war und legte seinen Arm um meine Schulter. „Kopf hoch", lächelte er. „Wir werden das schon irgendwie klären." Er dachte kurz nach, dann schnippte er mit den Fingern. „Ich hab's! Wir trommeln alle ‚Digiritter', oder wie auch immer du uns nennst, zusammen, und dann sehen wir weiter."

Begeistert nickte ich. „Klasse Idee, vielleicht erinnert sich doch noch jemand an unsere gemeinsame Zeit und vielleicht schaffen wir es ja auch, das Tor zu öffnen." Voller Eifer marschierte ich in Richtung Tür, aber da hielt mich Kari am Kragen zurück.

„Nichts da, erst hilfst du uns aufräumen!"

Tai Izzy Joe

Mimi Sora

Kari TK Matt

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