Während sie so da saß und einfach nur nachdachte, wie sie sich endlich ihre Flügel verdienen konnte, hörte sie das Klicken einer Türe von weit unten.
Zora beugte sich ein Stückchen nach vorne um besser sehen zu können. Unten auf der Slytherinterrasse war eine Tür aufgegangen und jemand stand dort. Das interessierte sie jetzt doch irgendwie. Ein wenig umständlich kletterte sie von dem Balkon herunter und schaute noch einmal nach unten. Ganz klar, da war jemand. Vielleicht konnte Der oder Diejenige auch nicht schlafen?
Neugierig flitzte sie in ihren Schlafsaal und kramte nach ihren Besen, so lautstark, dass sie ihr gesamtes Zimmer aufweckte und mindestens fünf Mädchen dort drinnen Rache schworen. Kurz nachdem sie ihn gefunden hatte, stand sie auch schon wieder auf dem Balkon und stieß sich von der Erde ab.
Langsam ließ sie sich nach unten gleiten und hätte beinahe ein Paar Pflanzen an einem Fenster mitgenommen. Fliegen war noch nie ihr bestes Fach gewesen. Ein wenig schwer schlug sie auf dem Boden auf und schaute sich um, doch was sie sah ließ ihr den Atem stocken.
Vor ihr stand, nur mit einer schwarzen Shorts bekleidet und bloßem Oberkörper: Draco Malfoy.
Ungläubig starrte Zora zunächst auf Malfoys Brust und dann auf seine Shorts. Nein, nein, das kann doch nicht wahr sein, dachte Zora. Da stand der Kerl, den sie am meisten hasste, der sie tagtäglich demütigte, einfach nur in Boxershorts da und starrte sie an.
„Wo kommst den du her?" Malfoy konnte seiner Überraschung besser verbergen als sie.
Zora wies mit dem Finger gen Himmel. „Von da oben." War ja nicht einmal gelogen... Sie grinste schüchtern und fragte noch im gleichen Atemzug: „Was zum Teufel machst du denn hier draußen? Wir haben." sie schaute auf ihr Handgelenk, fand jedoch keine Uhr. „Keine Ahnung, wie spät und du stehst hier draußen herum."
„Ich bitte dich, das könnte ich dich genau so fragen. Aber wo du dann auch schon einmal wach bist. setzt dich doch."
Langsam ließ sich Zora auf die Bank sinken, während Malfoy sie jetzt durchdringend musterte. Zora merkte, dass sie langsam rot wurde und schaute zu Boden.
„Jetzt sitzt du hier uns sagst keinen Ton. Ich erwarte wenigstens, dass du dich mit mir streitest." Bei den Worten lächelte er jedoch und Zora sah ihn wieder an. Dieses Mal lächelte auch sie, zwar nur schwach, aber es war ein Lächeln.
„Es ist mir zu früh am Morgen um mich mit jemandem wie dir zu streiten. Dafür müsste ich etwas fitter sein. Oder noch etwas müder, damit ich deine dummen Kommentare vor lauter Müdigkeit ignorieren kann."
„Reizend wie eh und je, Dolarhyde." er machte eine spöttische Verbeugung
„Sicher, ich bin charmant."
„Ja so charmant wie ein Sack Reis."
„Auch ein Sack kann sehr charmant sein." sie lachte leise.
„Und albern. Was spreche ich hier überhaupt mit dir?" Draco schüttelte den Kopf.
„Wenn du meine Gesellschaft nicht gut genug ist für den feinen Herrn Malfoy, bitte sehr, du kannst gerne alleine hier unten sitzen bleiben."
„Schon gut, schon gut..." Gespielt hilflos hob er die Hände. „Du kannst furchtbar anstrengend sein, weißt du das?"
„Wieso musst du mich in jedem zweiten deiner Sätze beleidigen?" schnauzte Zora ihn an.
„Genau deswegen! Du regst dich nämlich herrlich darüber auf. Mir gefällt das." Draco stemmte die Arme in die Hüften und lachte leise.
„Oh, bitte." Zora versuchte sich an einer arrogante Geste, was aber mehr so aussah, als ob sie nervöse Zuckungen hatte. „Sag mir nicht, so was macht dich an?"
„Eines Tages..." grollte Malfoy, beendete seinen Satz jedoch nicht.
Zora begann jedoch nur zu kichern und setzte sich auf den Boden der Terrasse. Draco musterte sie abermals; von den nackten Füßen, bis hin zur knallroten Satinboxershorts und ihrem schwarzen Schlabbershirt und den langen blonden Haaren, die ihr jetzt strubbelig in das schmale Gesicht fielen. Ihre Augen glitzerten selbst in der Nacht noch blau und ihr Gesicht war über und über bedeckt mit Sommersprossen. Die Haut war milchig weiß und leuchtete wie Schnee. Zora merkte, dass etwas nicht stimmte und schaute zu ihm hin.
„Was ist?" sie richtete sich wieder auf.
„Nichts." Draco schüttelte den Kopf.
„Wie spät mag es jetzt sein?" fragte Zora und schaute gen Himmel.
„Spät genug." sagte Malfoy. "Ich werde mich besser noch mal schlafen legen, ansonsten werde ich morgen in der ersten Stunde von der alten Mc Gonagall umgebracht."
Zora lachte leise und griff nach ihrem Besen. „Ich gehe dann auch besser mal. Ich habe nämlich ... was habe ich eigentlich in der ersten Stunde? Egal. Keine Ahnung."
Sie grinste unbeholfen und schwang sich auf ihren Besen. Ein kleines Stück über dem Boden der Terrasse schwebte sie.
„Dolarhyde, dir ist wirklich nicht zu helfen. Du bist und bleibst ein Trottel."
Eigentlich hätten Zora diese Wörter aufregen müssen, aber Draco hatte sie dabei freundlich angelächelt, sie konnte ihm noch nicht einmal wirklich böse sein.
Während sie langsam mit ihrem Besen zu steigen begann, rief sie ihm noch zu: „Hey, Malfoy, wenn du das nächste Mal nicht schlafen kannst, sag mir vorher Bescheid, vielleicht kann ich dann ja auch gerade nicht schlafen."
..::~::..
Es war noch ziemlich früh am nächsten Morgen, als Zora wieder erwachte. Mit einem lauten Seufzer fiel sie wie ein Sack Mehl vom Bett und blieb liegen. Dabei stellte sie fest, dass sie viel zu müde war… natürlich Dracos Schuld. Der hätte sie ja nicht so lange belästigen müssen. Aber sie hatte noch so viele Hausaufgaben zu erledigen, also wagte sie es nicht, länger zu schlafen.
„Hermine?" fragte sie in die Stille.
Ein verschlafenes „Ja?" ertönte von Hermines Seite des Zimmer aus.
„Gehst du mit mir Frühstücken?"
„Ne, lass mich um diese Uhrzeit..." dabei sah man eine Hand die in Richtung Wecker griff. „…bloß schlafen! Bist du des Wahnsinns? Es sind fünf Uhr und wir haben Freitag, da können wir länger schlafen. Geh und belästige andere Leute, aber nicht mich!"
Zora zuckte mit den Schultern. Wieso fragte sie auch Hermine, wo sie doch genau wusste, dass diese sie auf den Tod nicht ausstehen konnte. Gut, wenn sie ehrlich war, hatte sie darauf spekuliert, abschreiben zu dürfen.
Ein wenig hölzern begann Zora damit sich in ihre Schlabberjeans zu zwängen und dabei nach einem Kamm zu suchen, da ihre Haarpracht über Nacht ziemlich gelitten hatte.
Als sie endlich fertig war, schlurfte sie aus dem Zimmer und spähte in den Gemeinschaftsraum. Es war niemand darin, was Zora auch gut fand, weil sie sich selbst sehr lächerlich dabei fühlte, wenn sie umständlich durch das Portraitloch kletterte. Jedes Mal versuchte sie dabei nicht gesehen zu werden, denn entweder sie verfing sich irgendwo mit ihrem Umhang, oder sie war zu langsam und das Portrait schlug schon wieder zu, während sie noch halb in der Türe hing.
Am Fuß der Treppe sah sie Ginny stehen.
„Hey Ginny!" sie winkte von oben. Sie mochte Ginny gerne, auch wenn sie eine Klasse unter ihr war. Ginny war eigentlich zu jedem nett und es schien sie nicht zu stören, wenn Zora sich mit manchen Dingen anstellte, wie der erste Mensch. Meistens lachte sie noch nicht einmal darüber.
Ginny strahlte sie an. „Kommst du mit Frühstücken?"
Zora nickte und legte die letzten Stufen im Laufen zurück.
„Was machst du Schnarchnase denn schon so früh hier. Normalerweise bist du doch vor zwölf Uhr nicht aus dem Bett zur kriegen, wenn ihr die ersten Stunden frei habt.."
„Keine Ahnung… sei doch froh, dann bist du wenigstens nicht die Einzige, die frühstückt."
Zora hängte sich bei Ginny ein, denn Ginny, fand sie, war die netteste Person, die sie hier kannte. Harry war ihr nämlich irgendwie… zu berühmt, auch wenn er nett zu ihr war. Vor Ron hatte sie ein wenig Angst, der war oftmals grob und unfreundlich. Deam und Seamus machten sich dauernd über sie lustig und von Hermine wollte sie erst gar nicht anfangen. Ach, die Liste war ewig lang.
Am Gryffindortisch angekommen, setzte sich Zora und Ginny verschwand um Nachschub an Brot zu holen.
Zora ließ währenddessen den Blick durch die Halle schweifen. Da hätten wir einmal zwei Hufflepuffschüler, die sich leise unterhielten und eine Ravenclaw Und einen Draco Malfoy… Zora schrak auf. Der verfolgte sie ja regelrecht. Erst konnte er um die selbe Uhrzeit wie sie nicht schlafen, jetzt frühstückte er auch noch zur selben Zeit wie sie. Das sollte er sich aber schleunigst wieder abgewöhnen, sie wollte ihn schließlich so wenig wie möglich sehen.
„Hier!" Ginny hielt ihr eine Scheibe Toastbrot unter die Nase. „Wieso stierst du Löcher in die Luft?"
„Nur so. War in Gedanken." Sie nahm das Brot und wollte gerade damit beginnen Butter darauf zu schmieren, als sie es urplötzlich fallen ließ.
„Also irgendwie… Zora, geht's dir noch gut?"
„Äh… ja… ich mag nur kein Toastbrot."
„Okay… dann gib halt her und du kriegst mein Schwarzbrot, ja?"
Zora nickte. Das war aber sehr knapp gewesen.
..::~::..
Zora hatte einen langweiligen Tag verbracht. Niemand war da gewesen, weil die meisten nach Hogsmeade gegangen waren. Zora hatte jedoch ihre Erlaubnis verlegt und durfte sich nun alleine im Gryffindor Turm langweilen. Mittlerweile war es ihr schon zur Gewohnheit geworden auf dem Balkon herum zu sitzen und den Wald zu betrachten. Oder auf Geräusche zu lauschen, zum Beispiel nach dem Klicken der Tür, sehr weit unter ihr… wie sie sich selber sagte, dass sie sich an so einem öden Tag wenigstens Streiten könnte. Aber auf ihre Flügel konnte sie so lange warten, ach wirklich, so wichtig konnten die blöden Flügel gar nicht sein. Muggel kamen ohne sie aus. Zauberer kamen ohne sie aus. Vielleicht hätte sie eine recht passable Hexe abgegeben, wenn sie es von Anfang an gelernt hatte. So sehr unterschied sich diese Magie gar nicht von dem, was man sie gelehrt hatte. Vielleicht brauchte sie nur ein wenig mehr Zeit als Andere, um sie zu lernen. Immerhin hatten alle anderen Hogwartsschüler ihre Magie auch gemeistert, da wäre es doch gelacht, wenn sie das nicht auch schaffen würde.
