Absolute Hacker
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Kapitel 1 - Idylle
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Windstraße, Konoha, Sonntag, 12. Oktober 2014 um 21:12
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Filmgeräusche erfüllten den Raum und von einem blonden Jugendlichen wurden immer wieder Kommentare zwischen die Szenen geworfen. Zu fast jeder Szene fiel ein Wort. Egal ob es ein Kommentar zur Handlung, ein anerkennendes Wort gegenüber Schauspieler oder ein wütender Ausruf über einen Charakter war.
Sasuke hatte sich in all den Jahren schon daran gewöhnt, dass Naruto eine Person war die nie still sitzen konnte, immer in Bewegunge war und nur selten Ruhe fand. Naruto hatte indes gelernt damit zu leben eher Monologe zu führen, als Gespräche. Dennoch wusste der Blondschopf, dass sein bester Freund genau mithörte. Denn wenn man genau aufpasste, konnte man ein leichtes Lächeln oder ein leises Brummen wahrnehmen, dass von dem stoischen Schwarzhaarigem Ab und An kam. Und der Chaot hatte mittlerweile
gelernt, diese Dinge zu lesen.
Die Zwei hatten es sich auf dem Bett gemütlich gemacht. Narutos Schuhe lagen
irgendwo verstreut auf dem Boden, da er sich diese in seinem kindlichen Eifer
ausgezogen hatte. Sasuke war einfach nur froh, dass sein bester Freund keine
Käsefüße besaß. Er konnte mit dem Chaoten zwar viel aushalten, aber Käsefüße? Das wäre dann doch etwas zu viel gewesen.
Die zwei Jugendlichen saßen auf dem Bett, es war bereits Abend und der
Film „Pulp Fiction" war schon längst zu Ende. Mittlerweile waren sie bei einem ganz
anderen Film angekommen: Scarface.
Es kam gerade die Szene als Tony den Freund seiner Schwester Gina tötete, als unten
Stimmen ertönten. Naruto verstummte und Sasuke pausierte den Film.
„Sasuke?", ertönte eine Frauenstimme fragend nach oben. Eben genannter stand auf
und öffnete die Tür seines Zimmers. Er warf Naruto einen Blick zu, der ihm mitteilte, ihm zu folgen. Naruto seufzte nur und erhob sich träge.
Die beiden gingen die Treppen des zweistöckigen Gebäudes hinunter und Sasukes
Mutter, eine hübsche schwarzhaarige Frau in den späten Dreißigern, erwartete die
beiden Jugendlichen schon.
„Oh, Sasuke. Ich dachte du bist nicht da.", sie lächelte sanft und mütterlich, „Und dann habe ich Naruto gehört, es ist sonst so still."
Naruto kratzte sich am Hinterkopf und lachte etwas verlegen: „Hehe… bin ich wirklich so laut?" Sasukes Mutter lachte und sagte scherzhaft: „Ach, wusstest du das nicht? Du bist so laut, es wundert mich, dass es noch keine Beschwerden gab!" Wenn sie aber ehrlich war hatte es tatsächlich das ein oder andere Mal die eine oder andere Beschwerde gegeben, aber das musste sie ja nicht erzählen. Sasuke verkniff sich ein wissendes Lächeln. Naruto warf ihm einen bösen Blick zu und streckte ihm die Zunge aus. Sasuke lächelte weiterhin nur leicht und zeigte sein Amüsement offen.
Mikoto Uchiha war längst wieder in der Küche verschwunden und hatte nichts von der stummen Unterhalten der Beiden mitbekommen. Sasuke folgte seiner Mutter schließlich und Naruto tat es ihm nach.
Die Küche war groß, blitzblank sauber und hatte einen kleinen weißen Esstisch. An diesem Tisch saß Sasukes Vater, Fugaku Uchiha. Seine Ehefrau bereitete gerade etwas Tee und Kaffee zu. Für das Familienoberhaupt Kaffee, schwarz und zwei Teelöffel Zucker und für sich importierten Darjeeling-Tee. Fertig zubereitete stellte sie die zwei Tassen auf bereits vorbereitete Untertassen.
„Ah!", sie war kurz davor gewesen sich an den Tisch zu setzten, als ihr anscheinend
etwas eingefallen war. Ihr Mann beachtete sie nicht weiter und blätterte weiterhin
seelenruhig in einer Zeitung. Anscheinend abwesend, wanderte seine Hand zu der
heißen Tasse, und als seine Fingerspitzen in Berührung mit ihr kamen, zuckte er leicht
zusammen. Dennoch ließ er sich nicht davon abhalten, das Gefäß an seine
Lippen zu nehmen, und einige Schlucke von dem bittersüßen Getränk zu trinken.
Er war kein Freund großer Worte und er war froh eine Frau wie Mikoto an seiner Seite zu haben. Sie war stets sein Fels in der Brandung und verstand ihn ohne große Worte. Mikoto sagte ihm außerdem immer wieder, dass Sasuke ihm ähnlich war und er beteuerte wiederum immer, dass Itachi eindeutig nach seiner Mutter kam. Das Narutos in Sasukes Leben, in ihr aller Leben getreten war – dafür war die Uchiha- Familie stets dankbar.
Narutos Blick wanderte neugierig zu der Mutter seines besten Freundes und
beobachtete sie. Mikoto hatte einen großen zugedeckten Teller aus dem großen
Kühlschrank hervorgeholt, am Tresen abgestellt und nahm nun zwei Teller aus einem
der weißen Küchenschränke.
„Ich konnte etwas Kuchen mitnehmen und da Naruto ja jetzt sowieso da ist, könnt ihr
ihn jetzt gerne essen. Möchtet ihr vielleicht etwas dazu trinken?", ertönte ihre Stimme
und riss den Blonden somit aus seinen Gedanken. Sie lächelte immer noch und sah auf
die zwei jüngsten Anwesenden. Wenn ihr Narutos geistige Abwesenheit aufgefallen
war, so erwähnte sie nichts. Dem Blondschopf wurde dabei ganz warm ums Herz,
immerhin hatte er über die Hälfte seines Lebens ohne eine Mutter leben müssen. Er
stellte sich vor, dass es wahrscheinlich so wäre, wenn sie, seine eigene Mutter, sein Vater, noch leben würden. Oder nicht verschwunden wären. Immerhin wurden ihre Leichen nie
gefunden…
Naruto warf den Gedanken ab und lächelte strahlend. „Wow! Kuchen! Ich liebe
Kuchen! Ich kann niemals nein zu Kuchen sagen!", er brabbelte ein wenig, aber das war
egal. Es ging hier immerhin um Kuchen, Mann!
Sasuke verdrehte bei der Euphorie seines Freundes nur die Augen, dennoch umspielte ein Lächeln seine Mundwinkel. Es war immerhin nur Kuchen.
„Wirklich? Es ist immerhin nur Kuchen."
„Ach, halt die Klappe, Bastard."
„Es ist nur Kuchen, Idiot."
„Eben deshalb ist es ja so toll! Es geht hier um Kuchen!"
„Idiot."
„Bastard."
Die beiden funkelten sich an.
Mikoto kicherte. Und Fugaku amüsierte sich prächtig.
Plötzlich ertönten Schritte im Flur und eine Tür wurde geschlossen. Anscheinend
hatte niemand mitbekommen, dass die Haustür geöffnet wurde.
Itachi, Sasukes älterer Bruder, betrat die Küche. Etwas verwundert sah er zu Naruto
und infolgedessen lächelte auch er wissend.
„Hey Naruto.", begrüßte er den Blonden, „Ich habe dich ja auch schon eine Weile nicht mehr gesehen." Grüßend sah er anschließend zu seinen Eltern.
„Mutter, Vater, guten Abend.", er wandte sich an Sasuke, „Na, kleiner Bruder? Wie
geht's?" „Yo, Itachi!", Naruto grinste sein berühmtes Grinsen, „Das liegt daran, dass du viel zu viel unterwegs bist oder wenn du zu Hause bist, dich in deinem Zimmer verschanzt."
„Da hast du Recht.", Itachi lachte ergeben. Sasuke antwortet Itachi nun auch,
dabei zuckte er mit den Schultern: „Ganz gut, und Naruto hat wirklich Recht."
Alle blickten verwundert zu Sasuke.
„Wow, Sasuke… ich wusste ja gar nicht wie sehr du mich liebst.", sagte Naruto. Sasuke blinzelte. In den Augen des Chaoten schimmerte es gefährlich. Sasuke schluckte und
trat einen Schritt zurück, als Naruto anfing dramatische Schluchzer von sich zu geben
und so tat, als würde er sich Freudentränen wegwischen: „Ja! Ja, natürlich möchte ich
dich heiraten!"
Sasuke dachte angestrengt nach. Verdammt! Welche Fluchtmöglichkeit wäre die
effektivste? Ihm blieben nicht viele Möglichkeiten…
Naruto war in der Lage Sasuke zu lesen wie ein offenes Buch, etwas, dass anscheinend nur er beherrschte. Doch das sollte erst zu späterer Zeit noch zu einem unglaublich großem Vorteil werden. Er wusste genau was im Kopf des schwarzhaarigen
Jugendlichen vorging. Naruto sprang. Sasuke wich aus… und scheiterte kläglich.
„Verdammt! Du Vollidiot, lass mich sofort los!", Sasuke versuchte verzweifelt sich von
der Umklammerung seines besten Freundes zu lösen, doch dessen Würgegriff war
schlimmer als die einer Würgeschlange!
„A-aber…", schluchzte Naruto, „Du gibst mir sonst nie Recht! Das war praktisch ein
Heiratsantrag!"
Plötzlich erklang lautes Gelächter in der Küche der Uchihas. Der Einzige der nicht
lachte war der jüngste Sohn, dieser altehrwürdigen Familie. Irrte Mikoto sich oder
wurde ihr Jüngster sogar etwas Rot um die Nasenspitze herum? Sie sollte eine
Kamera herholen und diesen Moment festhalten, doch leider war sie verhindert, da
sie im Moment mehr damit beschäftigt war, nicht vor lauter Lachen zu ersticken.
Selbst der sonst so strenge Fugaku lachte schallend.
Endlich konnte Sasuke sich von Naruto befreien, doch dieser wollte ihn wieder
anspringen. Der schwarzhaarige Jugendliche lief nun aus der Küche und war nun auf
der Flucht vor seinem besten Freu- … Feind.
Feind. Feind war im Augenblick genau das richtige Wort.
Naruto folge ihm, doch rannte sekundenspäter zurück in die Küche, grinste Mikoto
charmant an, schnappte sich den für ihn und für Sasuke vorbestimmten Kuchen und
lief wieder aus der Küche.
Das Lachen war inzwischen wieder verebbt.
„Sasuke! Warte, du hast deinen Verlobungskuchen vergessen!"
„Ich bin nicht schwul, du Vollidiot!"
Wieder verfielen die drei verbleibenden Familienmitglieder in der Küche in grollendes Lachen.
Mikoto musste sich sogar Lachtränen wegwischen. Sie war wirklich froh, dass ihr
wortkarger und kaltherzig wirkender Sohn so einen guten Freund finden konnte. Die
Uchihas waren immerhin eine strenge Sitte. Sie selbst hatte kämpfen müssen um die
Liebe ihres Lebens doch noch heiraten zu dürfen. Und siehe da, all dieses Drama, die
Streitigkeiten, die hasserfüllten Blicke, waren es wert gewesen. Denn nun hatte
Mikoto einen wundervollen – manchmal etwas wortkargen – Ehemann und zwei
wundervolle Söhne. Sie konnte nicht genau sagen, wen sie am meisten liebte. Sie
würde nirgendwo lieber sein als hier, in der Küche, bei ihrer Familie.
Irgendwann verebbte das Lachen und die drei Uchihas saßen am Küchentisch. Immer
noch haftete ein amüsiertes Lächeln auf ihren Gesichtern, doch schließlich
verschwand das belustigte Lächeln aus Itachis Gesicht und Mikoto blickte ihn besorgt über den Kaffee hinweg an. Der Sohn sah seinen Vater ernst an und machte ihn auf
sich aufmerksam: „Vater…"
Fugaku sah von der Zeitung auf, nahm seinen Sohn in sein Blickfeld und wartete ab.
„Ich war heute in der Universität und anschließend im Präsidium. Ich bekam mit, dass
es wieder einen Fall gab, in dem es um Cracking ging. Es war anscheinend dieser
Kitsune.", Itachi hatte ruhig und sachlich gesprochen.
Mikoto besah sich die Szene etwas besorgt und meldete sich zu Wort: „Itachi, musst
du das jetzt mit deinem Vater besprechen? Ich weiß dass dein Kriminologie Studium
wichtig ist und dass du mittlerweile auch in solche Fälle miteinbezogen wirst, aber
kannst du dass nicht später mit deinem Vater besprechen?" Es stimmte. Manchmal
wurde Itachi mit in einen Fall einbezogen obwohl er noch Student war. Grund ist, dass
er im Besitz eines ausgesprochen scharfsinnigen Verstandes war. Etwas, dass Itachi
schon oft ein großer Vorteil gewesen war. Ein Verstand kann stumpfer als ein
Baumstumpf sein und schärfer als die schärfste Klinge dieser Welt.
Fugaku, Polizeipräsident und stolzer Vater, hätte geantwortet, wäre ihm seine Ehefrau ihm nicht zuvor gekommen. Der Ehemann wusste, dass sie es nicht mochte, wenn man in ihrer Gesellschaft über Polizeiarbeit sprach.
Fugaku seufzte sanft und lächelte milde: „Deine Mutter hat Recht. Und außerdem
solltest du darüber eigentlich nichts wissen. Diese Informationen sind höchst
vertraulich." Der Vater hatte schon so eine Ahnung wie sein Sohn an diese
Informationen herangekommen war. Ein charmantes Lächeln da, ein verführerisches
Zwinkern hier und schon lagen ihm die weiblichen Beamten zu Füßen.
Itachi nickte seinem Vater zu und lächelte seine Mutter entschuldigend an:
„Entschuldige Mutter. Ich bin nur etwas neugierig da dieser Name – Kitsune - im
Moment die Runde macht."
Mikoto verstand, dennoch hatte sie es lieber, wenn ihre Männer so etwas im Büro
besprachen und nicht am Küchentisch.
Schweratmend lagen die zwei jungen Männer auf dem Boden im Zimmer des
Schwarzhaarigen. Sasuke war die ganze Zeit über geflüchtet. Erfolglos. Naruto hatte
es geschafft ihn irgendwann einzuholen. Doch das war nicht alles gewesen. Oh, nein.
Der Blondschopf war auf die wahnsinnige Idee gewesen den Uchiha zu füttern.
Füttern! Das… das ging doch nicht! Sasuke Uchiha wurde NICHT gefüttert. Und vor
allem nicht von seinem besten Freund!
Der Schwarzhaarige hatte sich strikt geweigert, was zu einer Rangelei geführt hatte.
Natürlich hatte Naruto den Kuchen davor noch in Sicherheit gebracht. Seinen Teil
zumindest. Es ging immerhin um Kuchen!
Der blonde Chaot hob nach einer Weile den Kopf und grinste seinen besten Freund
an. Sasuke sah sein Grinsen und würgte etwas durch das Luftholen hervor, dass mehr
einem Röcheln glich: „Ich… hasse… dich…"
Narutos Grinsen wurde nur breiter: „Aww… Sa-Su-Ke… gib's doch zu… du… liebst…
mich…" Auch der Blonde musste seine Atmung erst wieder unter Kontrolle bringen.
„Irgendwann… irgendwann werde ich ihn umbringen…", dachte sich der Uchiha-
Spross. Natürlich war das ein leeres Versprechen. Er könnte Naruto niemals etwas
Ernsthaftes antun können. Dies würde sich leider zu einem späteren Zeitpunkt
ändern, doch im jetzigen Augenblick, wussten die zwei Jugendlichen nicht, was ihnen
noch bevorstehen würde und genossen ihr idyllisches Leben. Denn im Moment war ihr
Leben genau das. Eine Idylle.
