02 Erwachen

„Elinor!"
Ich schlug die Augen auf. Pelin stand über mich gebeugt. Sie sah mich freudig an. „Alles Gute zum Geburtstag!"
Ich wusste wieder, wo ich war. In der harten Realität. Ich schlief zusammen mit Pelin in einer der Gesindekammern im Schloss der Couslands in Highever. Heute war mein neunzehnter Geburtstag, an den die gute Pelin mich, dem Erbauer sei Dank, erinnert hatte. Wer interessierte sich schon für den Geburtstag eines kleinen, dürren Elfenmädchens, das bei adligen Familien das Geschirr spülte.
„Danke", sagte ich brav und ließ mich von ihr umarmen. „Wir sollten uns besser auf zur Küche machen, bevor man nach uns sucht und wir Ärger kriegen."
Genau das taten wir dann auch. Die Köchin, eine sehr anstrengende Frau schickte uns die ganze Zeit durch die Gegend, wahrscheinlich in der Hoffnung, dass wir nicht so viel miteinander sprachen. Doch Pelin hatte mir, ihrem Gesichtsausdruck nach, viel zu erzählen. Nachdem wir Holz geholt, im Ofen Feuer entfacht und Wasser geholt hatten, erfuhr ich von ihr, dass der Teyrn zusammen mit seinem ältesten Sohn nach Ostagar reiten wollte. Dort versammelten sich Soldaten des Königs, des Teyrns von Gwaren, des Arls von Redcliffe, Magier und die Grauen Wächter, um gegen die Dunkle Brut in den Krieg zu ziehen. Ein Grauer Wächter namens Duncan sei gekommen, um den Sohn des Teyrns, Fergus, und Ser Gilmore zu rekrutieren.
Das war unfair. Ich war bestimmt geschickter mit dem Schwert, als dieser Ser Gilmore und niemand kam, um aus mir einen Grauen Wächter zu machen. Ärgerlich ließ ich die Eimer mit dem Wasser zu Boden knallen. Nachdem das Frühstück zubereitet worden war, liefen Pelin und ich nach draußen auf den Hof. Eine gewisse Lady Landra und ihr Sohn waren zu Besuch gekommen. Außerdem der Arl von Amaranthine. Wir belauschten das Gespräch zwischen der Teyrna und Lady Landra.
„Ihr Sohn sieht nett aus, findest du nicht?", flüsterte Pelin mir zu.

„Naja, ich weiß nicht."
Sie stupste mich mit ihrem Ellenbogen in die Seite. „Ich weiß ja, dass du in Devan verknallt bist."
Ich boxte sie auf die Schulter. „Interessant, dass du so was weißt, obwohl ich es noch nicht einmal wusste."
Ich warf mein dunkelbraunes, glattes Haar über die Schulter und spähte noch einmal um die Ecke.
„Hab ich euch!"
Jemand packte mein Ohr und riss mich daran herum. Ich schrie vor Schmerz auf. Pelin ging es kaum anders.
„Einfach so aus der Küche zu laufen und mich mit der Arbeit ganz allein lassen, klingenohrige Gören!", rief die Köchin erbost.
„Es tut uns Leid", flehte ich, doch sie ließ uns nicht los, sondern zog uns so zurück zur Küche.
Wir wischten den Küchenfußboden und räumten die Speisekammer auf. Danach durften wir trockenes Brot und Hafersuppe essen. Das Essen ließ gerade mal das gröbste Magenknurren verstummen und befriedigte nicht. Seit sieben Jahren Unterernährung muss man wahrscheinlich genauso aussehen wie Pelin und ich. Klein, dünn und nicht unbedingt mit weiblichen Kurven ausgestattet, wie viele propere menschliche Adlige.
„Gut, dass ihr fertig seid", sagte die übellaunige Köchin, als wir uns gerade erheben wollten. Man erwartet euch in der Waschküche. Pelin und ich warfen uns einen gequälten Blick zu. Dann trotteten wir in die Waschküche. Zuerst durften wir natürlich wieder Wasser holen gehen. Diesmal war der Brunnen viel weiter weg und wir mussten öfter gehen. Schon nach dieser Anstrengung waren wir schweißgebadet.
Anschließend wuschen wir die Wäsche aller Bewohner des Anwesens und hingen sie auf einem der Innenhöfe zum Trocknen auf. Mittagessen gab es natürlich nicht. Mit der Arbeit waren wir erst am Nachmittag fertig. Erschöpft setzten wir uns in den Schatten eines Baumes und aßen Äpfel. Wenn alles gut lief, hatten wir abgesehen von dem Abendessen nichts mehr zu machen. Pelin flocht Blumen in mein Haar, so wie ich es im Traum bei meiner Tochter getan hatte. Der Wind kitzelte unsere verschwitzte Haut und ließ mich wieder in meine Traumwelt gleiten.
Wie mein Ehemann, wohl ausgesehen hätte? Sicher wäre er groß und muskulös gewesen. Ich brauche jemanden, der auf mich aufpasst. Devan kannte ich genauso lange wie Pelin. Er war ebenso wie sie schon bei den Couslands gewesen, als ich dazu kam. Er war vier Jahre älter als ich und ein Mensch. Er war Soldat des Teyrns, aber eigentlich gehörte er eher zur Schlosswache.
Pelin zog mich seit einer ganzen Weile damit auf, dass wir ineinander verliebt wären. Aber da war ich mir nicht so sicher. Ich mochte ihn natürlich sehr, aber er war so anders als ich und das versuchte er mir natürlich auch die ganze Zeit vorzuhalten. Außerdem prahlte er ständig damit rum, wie viele Mädchen er schon hatte. Er ärgerte mich viel zu oft, als dass ich glauben könnte, dass er tiefere Gefühle für mich hegte. Mein Stolz ließ wahrscheinlich nicht zu, dass ich anders für ihn als für einen Freund empfinden konnte. Aber natürlich sah Devan gut aus. Viel besser sogar, als Lady Landras Sohn.
Als ob Pelin meine Gedanken hören konnte, sagte sie: „Wollen wir nicht mal nachsehen, was der gute Devan so macht?"
Warum eigentlich nicht. Bei so wenig Freizeit, die uns blieb, musste man jede Sekunde gut nutzen und nicht nur sinnlos die Zeit vertrödeln und sich in nicht erfüllbaren Zukunftsträumen verlieren. Ein Mensch würde ich sowieso niemals werden. Wir liefen also durch die Innenhöfe, zu den Quartieren der Schlosswachen und den Trainingsplätzen.
Devan stand zusammen mit einem älteren Jungen an einem der Schießstände. Er hatte sich auf seinen Bogen gestützt und unterhielt sich mit der anderen Wache. Sein schwarzes Haar war leicht verwuschelt und anscheinend ließ er sich seit Kurzem einen Bart stehen. Ich musste neidvoll zugeben, dass er ausgesprochen attraktiv war. Wahrscheinlich ganz im Gegensatz zu mir. Ich versuchte mir nichts anmerken zu lassen und schritt selbstbewusst auf ihn zu. Als er uns sah, verwandelte sich sein erst so ernstes Gesicht in ein breites Lächeln.
„Hallo Devan!", sagte ich. Pelin winkte ihm zu.

„Ah das ist wohl Eure klingenohrige Freundin, Dev. Ich lasse euch wohl besser allein", sagte der andere Junge grinsend und ging. Ich sah ihm verwirrt hinterher. Hatte er gerade Freundin in der Einzahl verwendet? Meinte er mich oder Pelin? Und was meinte er mit Freundin? Egal…
„Na, übst du gerade und stellst fest, dass es nicht besser wird?", zog ich ihn auf. Ich nahm ihm den Bogen aus der Hand und schnappte mir einen Pfeil aus seinem Köcher.
„Haha, sehr witzig!", erwiderte er trocken. Bevor er mir den Bogen wieder wegnehmen konnte, zog ich ihn aus und ließ den Pfeil direkt ins Kill der Strohpuppe fliegen.
„Angeberin", meckerte er leise.
„Tja, echtes Können kann man nicht erlernen", scherzte ich. Er nahm mir den Bogen wieder ab.
„Ich bleibe übrigens hier." Ich sah ihn fragend an.
„Was meinst du?" Er wirkte unangenehm berührt.
„Naja, es war eigentlich geplant, dass ich mit Fergus und dem Arl nach Ostagar reite, aber ich bleibe hier bei der Wache." Ich hob die Schultern.
„Sei doch froh, so wirst du wenigstens nicht von der Dunklen Brut abgemetzelt", sagte ich. Ich meinte es vollkommen ernst. Ich war tatsächlich froh, dass er hier blieb.
„Vance und ich haben zwei Flaschen Wein geklaut. Den können wir heute Abend trinken", sagte Devan. Ich sah Pelin beunruhigt an.
„Mal sehen, ob wir uns wegschleichen können." Ich sah wieder zu Devan. Er lächelte mich seltsam an. So, als würde er etwas vorhaben, von dem ich lieber nichts wissen wollte.
„Pelin! Elinor!", schrie jemand entnervt.
„Äh, wir müssen weg", sagte Pelin schnell und zog mich am Arm. Die Köchin stand wutschnaubend vor uns, als wir in die Küche kamen. Wir fingen uns beide eine Ohrfeige ein, weil wir einfach in einen anderen Hof gelaufen waren.
„Dass ihr euch auch immer davonstehlen müsst, Elfenpack", schimpfte sie. Das mit dem Wasserholen ging von vorne los. Bis zum späten Abend waren wir beschäftigt. Als wir dem Teyrn und seinen Gästen das Essen brachten, konnten wir mithören, dass der älteste Sohn Fergus ohne seinen Vater und die Männer des Teyrns aufgebrochen war. Der Graue Wächter war allerdings immer noch da. Vermutlich verhandelte er noch wegen Ser Gilmore. Allerdings drängte sich Lady Landras Sohn ihm ganz schön auf. Pelin schmolz bei seinem Anblick jedes Mal fast dahin. Ich konnte nur die Augen verdrehen. Wir wuschen das Geschirr ab und putzten ein letztes Mal die Küche. Schließlich entließ uns die Köchin. Es war bereits dunkel und die Gänge und Innenhöfe wurden mit Fackeln erleuchtet.
Unbemerkt schlichen Pelin und ich uns zu den Quartieren der Schlosswache. Devan und der Junge von heute Nachmittag, der anscheinend Vance hieß, kamen uns entgegen.
„Kommt mit", flüsterte er uns zu. „Wir halten heute Nacht vor der Schatzkammer Wache." Wir folgten ihnen. Pelin war ganz nervös und fing dauernd an hysterisch zu kichern. Naja, sie war ja auch erst sechzehn und fand es sicher aufregend, was mit Jungs zusammen zu unternehmen.
„Hier rein", sagte Devan schließlich. Er öffnete mit seinem Schlüssel eine Tür, die zu dem Raum vor der Schatzkammer führte. Dort drin standen Tische und Bänke. Man konnte es sich hier bestimmt ganz bequem machen. Wir setzten uns und Vance stellte die beiden Weinflaschen vor uns auf den Tisch.
„Dieser Graue Wächter, wisst ihr, was der hier zu suchen hat?", fragte er, während er sich einen Schluck aus der Flasche gönnte.
„Er sucht neue Rekruten, nehme ich an", erwiderte ich und ließ mir von ihm die Flasche reichen. Ich verzog angeekelt mein Gesicht. Wein ist eine von den Dingen, die man einmal ausprobiert und dann nie wieder tut. Bäh, war das Zeug eklig! Ich reichte die Flasche an Pelin weiter, die begeistert drei große Züge nahm.
„Was sind die Grauen Wächter überhaupt? Ein Zweig der andrastischen Kirche?", fragte Vance wieder.
„Nein, du Null", entgegnete Devan ärgerlich. „Das sind Krieger, die gegen die Dunkle Brut kämpfen. Es ranken sich unglaubliche Legenden darum, dass sie auf Griffons geritten sind und so was. Ich glaube sie kommen ursprünglich aus Anderfels. Sie sollen auch wirklich jeden aufnehmen. Mensch, Elf, Zwerg, Krieger oder Magier. Hauptsache man hat was drauf."
„Ehrlich?", fragte ich neugierig. Dann hatte ich vielleicht doch noch eine Chance hier raus zu kommen. Denn ich hatte was drauf. Ich konnte Bogenschießen und wie man mit einem Schwert umgeht, hatte Devan mir gezeigt. Wenn ich diesen Grauen Wächter nur davon überzeugen konnte, mich mit nach Ostagar zu nehmen. Allerdings musste ich dann gegen die Dunkle Brut kämpfen. Aber was sollte es, immerhin besser als den ganzen Tag für adlige Menschen die Wäsche zu waschen und die spitzen Ohren noch länger gezogen zu bekommen, als sie eigentlich schon waren.
„Wieso fragst du? Glaubst du, die würden dich aufnehmen?", fragte Vance. „Du bist doch nur ein kleines Elfenmädchen." Er lachte.
„Hey", sagte Devan. „Pass auf, was du sagst, sonst schlägt dieses kleine Elfenmädchen dir noch den Schädel ein. Sie hat es nämlich faustdick hinter ihren spitzen, wenn auch sehr hübschen Ohren." Ich lächelte ihn dankbar an. Er lächelte auf eine Art zurück, die mir das Blut ins Gesicht schießen ließ. Pelin hatte während unserer Unterhaltung die halbe Flasche Wein ausgetrunken und blinzelte Vance nun glückselig an.
„Oh nein", seufzte ich. Ich schob die Flasche von Pelin weg. „Das war jetzt aber genug, in Ordnung?"
„Nein", lallte sie protestierend. „Immer versuchst du mir was vorzuschreiben. Du und du, denn dich gibt's zweimal."
Pelins Blick huschte von meinem einen Auge zum anderen. Sie schien sich nicht lange auf einen bestimmten Punkt konzentrieren zu können. „Ist schon gut", sagte Vance. „Ich geh mit ihr kurz raus, damit sie wieder nüchtern wird."
„Lass sie Wasser trinken", schlug ich vor. Ich half ihm, Pelin nach draußen zu bugsieren, was sich als schwierige Angelegenheit entpuppte, da sie ihr ganzes Körpergewicht ständig verlagerte und ihre Beine nicht mehr ganz zu kontrollieren schien. Ich schloss die Tür hinter ihnen und wollte mich gerade wieder umdrehen, als ich merkte, dass Devan hinter mir stand.
„Ich find's gut, dass wir mal alleine sind", sagte er leise. Er griff an mir vorbei und drehte den Schlüssel im Schloss um.

Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Ich wusste nicht, was Devan vorhatte und gleichzeitig konnte ich es mir doch denken. Allerdings wusste ich nicht so recht, ob ich das überhaupt wollte. Er legte eine Hand in meinen Nacken. Obwohl seine Hand warm war, zuckte ich zusammen. Ich war es nicht gewohnt, dass mich jemand anfasste und mir dabei nicht wehtun wollte. Ich drehte mich zu ihm um und sah ihm fest in die Augen.
„Devan, ich weiß nicht, ob das so gut ist", fing ich an, doch er gab mir zu verstehen, dass ich schweigen sollte.
„Hör mir zu, Elinor. Ich muss dir etwas sagen. Seitdem ich dich das erste Mal gesehen habe, konnte ich gar nicht mehr aufhören, an dich zu denken."
„Aber was war mit all den Mädchen, von denen du mir erzählt hast?", fragte ich mit zitternder Stimme.
„Was denn für Mädchen? Denk doch mal nach. Wo soll ich denn irgendwelche Mädchen herhaben?" Ich zuckte mit den Schultern. Ich wusste auch nicht so recht. Er strich mir eine Haarsträhne aus der Stirn, dabei vergaß ich fast zu atmen.
„Ich… ich glaube, ich liebe dich."
Ich sah ihn an, wie das Kaninchen die Schlange. Meine Hände und Füße wurden kalt. Wahrscheinlich floss das Blut im Moment aus meinen Gliedmaßen geradewegs in meinen Kopf.
Sollte ich irgendwas darauf antworten? Was sagte man in so einer Situation? Dasselbe? Aber wenn ich doch gar nicht so empfand? Wie empfand ich denn? Ich wusste es nicht.
Mein Mund öffnete sich automatisch, doch kein Laut kam heraus. Ich versuchte es noch einmal: „A-aber wieso sagst du mir das jetzt?" Das war das Einzige, was ich sagen konnte. Er sah mich an. Die Situation war ihm anscheinend keineswegs so unangenehm wie mir.
„Weil ich mich vorher einfach nicht getraut habe", gab er sofort zu. „Ich hab gedacht, du interessierst dich nicht für mich. Aber ich musste es dir einfach irgendwann sagen. Und vorhin hab ich spontan entschieden, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist." Er machte eine kurze Pause und atmete tief ein.
„Als ich dir das vorhin mit dem Grauen Wächtern erzählt habe, hatte ich den Eindruck, dass du sofort zu ihm rennst und darum bettelst aufgenommen zu werden."
Ich musste lächeln. Ja, das hatte ich tatsächlich fast in Erwägung gezogen.
„Und ich dachte, bevor du gehst, sage ich dir, was ich fühle. Ich wollte mir einfach nicht mein Leben lang vorhalten, dass ich es nie versucht hätte."
Ich nickte, immer noch unfähig irgendetwas Konstruktives zu sagen.
Devan schien plötzlich verlegen zu sein. „Ich will etwas ausprobieren."
„Was meinst du?", fragte ich verwirrt.
Bevor ich auch nur ansatzweise begreifen konnte, was er meinte, nahm er mein Gesicht in seine Hände, beugte sich zu mir herunter und legte seine Lippen auf meine. Es war ein komisches Gefühl. So fremd, aber so richtig. Meine Wangen brannten und mein Herz schien sich zu überschlagen.
Ich schlang meine Arme um seinen Hals und drängte mich an ihn. Der Kuss, der so vorsichtig begonnen hatte, verwandelte sich in eine leidenschaftliche Umschlingung. Ich griff in sein Haar und lehnte mich mit meinem ganzen Körpergewicht an ihn. Seine Hände fassten hart in mein Kreuz, trieben unsere Körper dichter zusammen.
Mir schossen in diesem Moment seltsame Gedanken durch meinen Kopf. Ich war froh, dass Devan nicht seine Rüstung trug, sondern nur Beinschienen und ein einfaches Leinenhemd. Erst fragte ich mich noch, inwiefern das wichtig wäre, doch dann fanden meine Hände seine Hemdknöpfe, die in Sekundenschnelle geöffnet wurden. Ach deswegen, dachte ich völlig beschwipst vor Liebesglück. Ich zerrte ihm das Hemd von seinen Schultern. Die Haut auf seiner Brust fühlte sich schön an. Warm, weich und fest gleichzeitig.
Ungünstig, dachte ich. Schlechte Position, waren die einzigen unzusammenhängenden Gedanken, die ich noch fassen konnte. Ich umschlang seinen Hals und dirigierte ihn nach unten, während ich mich ebenfalls zu Boden gleiten ließ. Ich zog ihn auf mich herauf, wollte sein ganzes Gewicht auf mir spüren. Er drückt meine Beine auseinander. Gut, also wollte er es auch. Mit einer Hand stützte er sich neben mir auf. Mit der anderen zerrte er an dem Träger meines Kleides. Er zog ihn mir über die Schulter, weiter kam er nicht. Ich musste kichern.
„Lach nicht so dümmlich", gab er leise von sich, grinste jedoch. Dann küsste er mich wieder. Seine freie Hand fand zu meinem Bein. Er strich damit über meinen Oberschenkel. Dabei wurde mein Kleid nach oben geschoben. Er umklammerte weiterhin meinen Bein, während er sein Becken gegen mich presste. Ich spürte seine harte Männlichkeit, die gegen meine Haut rieb. Mein Atem wurde hektischer. Ich wollte mehr. Ich griff an seine Hose und öffnete sie. Er half mir. Er strich meine Unterhose zu Seite, dann drang er in mich ein. Zuerst tat es weh, doch kurz darauf spürte ich ihn einfach nur noch in mir. Ich krallte mich an seinem Rücken fest, wollte ihn noch tiefer in mich drücken, noch schneller. Doch nach wenigen Minuten ließ Devan ein heftiges Stöhnen hören und entspannte sich über mir. Heftig atmend lagen wir beide einfach nur da. Er zog sich aus mir zurück und schloss seine Hose wieder.
„Tut mir Leid", sagte er und grinste mich an.
„Was meinst du?", fragte ich unsicher. Ich richtete mich auf und ordnete meine Kleider.
„Naja, dass es nur so kurz war." Ich musste erleichtert lachen.
„Ist dir das unangenehm?" Er zuckte mit den Schultern.
„Irgendwie schon. Du wolltest doch sicher noch mehr, oder?" Ich sah ihn schmunzelnd an.
„Ich kann damit leben."
Wir erhoben uns von dem Fußboden und Devan streifte sich sein Hemd wieder über. Ich setzte mich zurück auf die Bank. Ein leicht unangenehmes Brennen zwischen den Beinen hatte sich eingestellt. Devan ließ sich neben mir nieder, legte eine Hand auf meine Wange und küsste mich noch einmal.
„Ich liebe dich", sagte er.
„Ich dich auch", antwortete ich zögerlich. Es fühlte sich nicht richtig an, das zu sagen, aber wenn ich es nicht tat, würde ich ihn verletzen und das wollte ich nicht.
Plötzlich hörten wir Schreie. Irgendwo krachte es.
„Was war das?", fragte ich erschrocken.
„Gehen wir nachsehen", schlug Devan vor. Wir öffneten die Tür, verschlossen hinter uns jedoch sorgfältig. Der Hof vor uns war wie ausgestorben, von Pelin und Vance keine Spur.
Wir liefen zu den Quartieren der Schlosswache.
„Nimm den Bogen", wies er mich an. Ich schnappte mir einen Langbogen von einem der Waffenständer und einen gut gefüllten Köcher. Er selbst nahm sich ein Schwert und einen Schild. Wir liefen weiter. Plötzlich kamen uns die Köchin und ein Diener entgegen.
„Lauft weg! Lauft weg!", schrie sie wie von Sinnen. Ein Soldat folgte ihnen. An seinem Schild erkannten wir, dass es einer von Howes Männern war. Ohne Vorwarnung hieb er mit seinem Schwert nach Devan, doch er konnte den Schlag gekonnt abwehren. Blitzschnell zog ich einen Pfeil aus dem Köcher und einen Wimpernschlag später steckte er im Hals des Soldaten, der röchelnd zu Boden sank.
„Schnell weiter!", rief ich Devan zu. Ich machte mir Sorgen um Pelin. Warum griffen Howes Männer uns an? Darüber würde ich mir wohl später Sorgen machen müssen. Erst mussten wir Pelin finden. Als wir in die große Halle kamen, sahen wir das Spektakel Howes Männer kämpften gegen Couslands restliche Schlosswache.
„Wir müssen weg von hier. In der Speisekammer gibt es einen Gesindegang, der nach draußen führt", flüsterte ich Devan zu. Ohne Aufmerksamkeit zu erregen, flüchteten wir aus der Haupthalle und liefen zurück über die Innenhöfe zur Küche. Als wir sie betraten, waren wir plötzlich umstellt. Ich zählte sieben Soldaten, die uns bereits in der Küche erwartet hatten. Ich erkannte Vance' Leiche am Boden liegend. Mir wurde übel. Wo war Pelin?
Wenige Augenblicke später lag der erste der Soldaten in einer Lache aus seinem eigenen Blut. Devan konnte einem der Soldaten sein Schwert in die Seite stoßen. Auf einen Zweiten hieb er mit der Kante seines Schildes ein, bis er eine Delle im Kopf hatte und mit verdrehten Augen zu Boden sackte.
Ich schlug mich ganz gut, bis einer der Männer mit seinem Schwert meinen Oberarm verletzte. Danach fiel mir das Schießen unglaublich schwer, doch ich konnte einen weiteren Gegner ausschalten. Devan war nun von drei Gegnern gleichzeitig umringt.
Ich schoss einen weiteren Pfeil auf einen der drei, der sich dann dem Erbauer sei Dank mir zuwandte. Devan konnte einen der beiden schwer verwunden. Gerade als ich meinen Widersacher ausgeschaltet hatte, hörte ich Devan einen kurzen Schreckenslaut ausstoßen. Ich drehte mich um und sah, wie einer der Soldaten sein Schwert bis zum Heft in Devans Leib gerammt hatte und es wieder herauszog. Devan erbrach einen Schwall Blut und sackte dann leblos zusammen.
Vor Entsetzen erstarrt, konnte ich mich nicht rühren, sondern nur auf Devans geschundenen, leblosen Körper starren, der noch vor wenigen Minuten in meinen Armen gelegen hatte. Als einer der Soldaten auf mich zukam und zum Schlag mit dem Schwert ausholte, erwachte ich aus meiner Starre.
Ich griff den Bogen fest am unteren Ende und schlug damit auf den Kerl ein, der benommen sein Schwert fallen ließ. Ich zog einen Pfeil und - ssst - er lag am Boden. Ich ergriff sein Schwert, das er ja jetzt nun nicht mehr brauchte und stellte mich meinem letzten Gegner und Devans Mörder entgegen. Ich verletzte ihn erst an beiden Beinen, danach hieb ich ihm gekonnt den Kopf ab.
Hass und Verzweiflung durchströmten mich. Endlich erlaubte ich meinem Körper aufzugeben. Ich fiel neben Devans Körper auf die Knie. Es schien so, als würde er mich ansehen. Ich fing an hysterisch zu schluchzen. Tränen strömten hemmungslos über mein Gesicht.
„Devan", schrie ich verzweifelt. „Devan!" Ich hörte hinter mir Schritte, aber sie kümmerten mich nicht. Sollte doch kommen, wer wollte und mich töten. Dann würde ich Devan wenigstens nicht mehr so sehen müssen.
„Du musst weg von hier!", sagte eine tiefe Stimme hinter mir. Es war der Graue Wächter. Erschrocken drehte ich mich um und sah ihn mit tränenüberströmtem Gesicht an. Es krachte gewaltig.
„Schnell, sie sind durch das Tor gebrochen", sagte er wieder. „Wir müssen durch den Gesindegang nach draußen fliehen." Ich sah ihn immer noch völlig ausdruckslos an. Mir war völlig egal, woher er die Sache mit dem Gesindegang wusste.
Nachdem er vier weitere Sekunden auf eine Reaktion meinerseits gewartet hatte, ergriff er einfach meinen Oberarm und zog mich durch die versteckte Tür in der Speisekammer.