Disclaimer: Alle Figuren sind geistiges Eigentum von Joanne K. Rowling. Die Idee und die Story gehören mir. Ich verdiene kein Geld mit dieser Fanfiktion.
Autor: hillie
Titel: Die Lichtung im Wald
Fandom: Harry Potter
Pairing: SS/RL
Genre: Romanze
Rating: P16 Slash, sicherheitshalber
Kapitel: 2/2
Warnung: AU, Fluff, ein bisschen OOC
Inhalt: Als Remus einen Waldspaziergang macht, um sich von seiner unglücklichen Liebe abzulenken, findet er eine versteckte Lichtung und trifft auf Severus. Doch dieser verhält sich sehr seltsam. Was hat das alles zu bedeuten? Was für eine Rolle spielt der Vielsafttrank? Und was hat Narzissa Malfoy damit zu tun?
A/N: So, hier ist auch der zweite Teil meiner FF… und ich möchte mich erstmal für eure Reviews bedanken! Ich hab mich so über die lieben Kommentare gefreut! :)
Jetzt aber viel Spaß beim zweiten Teil!
Die Lichtung im Wald
eine HP-FanFiktion von hillie
Kapitel 2
Ohne zu antworten und mit ausdruckslosem Gesicht lief die Hexe auf ihn zu und blieb erst dicht vor ihm stehen. Sie waren ungefähr gleich groß.
„Mrs. Malfoy?", fragte er noch einmal. Leise, zögernd.
Sie starrte ihn nur an. Forschend glitt ihr eisblauer Blick über ihn, registrierte seine gesamte Erscheinung, fuhr seine Gesichtszüge nach und brannte sich dann unbarmherzig und kalt in seine Augen. Remus hatte das Gefühl, dass alle seine Empfindungen offenlagen. Sie schien jede Regung in seinem Gesicht aufzusaugen, jede Emotion zu erkennen.
Remus, der ohnehin nicht gerade Meister darin war, seine Gefühle zu verstecken, kam sich gerade nach dieser seelischen Erschütterung durch Severus vor wir ein offenes Buch. Er konnte es nicht verhindern, dass ihm seine Empfindungen wie ins Gesicht geschrieben standen.
Plötzlich glitt ein Lächeln über Narzissas Gesicht. Der eisige Ausdruck schien sich wie eine Maske zu verschieben und abzubröckeln und eine ernste, traurige Herzlichkeit strahlte darunter hervor.
Wie aus einem Reflex heraus erwiderte Remus das Lächeln. Er wusste nicht, was er von diesen ganzen Geschehnissen zu halten hatte. Erst Severus, jetzt diese Mrs. Malfoy… das alles konnte nicht wahr sein, es war wie ein skurriler Traum. Doch gleichzeitig wusste Remus, dass es Wirklichkeit war.
„Remus", erklang Narzissas Stimme jetzt sanft. „Nun schau doch nicht so! Wir setzen uns jetzt ersteinmal dort hinüber, dann reden wir darüber."
„Ich wusste gar nicht, dass wir schon auf Vornamenbasis sind und uns duzen!", sagte Remus automatisch, während er sich widerstandslos von der Hexe zurück zu der Wurzelbank ziehen und darauf niederdrücken ließ. Ihre Antwort war nur ein leises Lachen.
Als sie beide saßen, schwieg Narzissa erst eine Weile, als suche sie nach Worten, dann wandte sie sich dem Gryffindor zu.
„Deinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, hast du nicht so recht begriffen, was soeben alles passiert ist." Sie klang ruhig und gefasst.
In Remus' Kopf wirbelten die Gedanken durcheinander.
„Ich habe… Severus, er…", er brach ab und sah die Hexe unsicher an. Narzissa lächelte bedrückt. „Sie wissen schon, was für ein Trank dort in der Hütte ist?"
Remus sah sie nur hilflos an. „Er… also er war golden… und dickflüssig…", stotterte er.
Narzissa verdrehte leicht die Augen. „Es war Vielsafttrank!", sagte sie. „Severus hat ihn für mich gemacht."
Das jähe Verstehen schien sich überdeutlich (wie könnte es anders sein) auf seinem Gesicht abzuzeichnen, denn Remus sah, wie Narzissas Augen sich leicht verengten, als sie ihn abwartend musterte.
Er konnte nicht denken. Er konnte keine logische Schlussfolgerung fassen. Er konnte die Lösung, die ihm so deutlich vor Augen stand, nicht in klaren Gedanken formulieren.
„Remus?", fragte die Hexe leise und sah ihn forschend an. Remus hob den Kopf, sah sie an und atmete tief durch.
„Vielsafttrank, der Sie in mich verwandelt…", murmelte er. „Und Severus hat mich für Sie gehalten…"
Narzissa nickte nur.
Langsam sprach Remus weiter. „All das, was er gesagt hat, und gemacht hat… er meinte mich, dachte aber ich wäre nur eine Illusion… und als Sie kamen, hat er es sofort bemerkt."
Narzissa seufzte. Remus sah sie an. „Er liebt mich.", sagte er leise.
„Ja. Das tut er." Wieder seufzte die blonde Hexe. „Und wenn ich ihr Verhalten eben richtig gedeutet habe, lieben Sie ihn auch. Andernfalls wird mich Severus jetzt wohl umbringen!" Sie lachte unsicher und verlegen, als sie ihn fragend ansah.
Endlich konnte er es sagen! Er liebte Severus. Und Severus liebte ihn. Etwas, das er für so unwahrscheinlich wie nur möglich gehalten hatte. Jetzt war es Wirklichkeit. Vor kurzem noch waren ihm Severus' Nähe, seine Worte und Berührungen wie ein wunderschöner Traum vorgekommen. Wunderschön, aber nicht real. Doch erst jetzt begann er langsam zu begreifen, dass sein Traum wahr geworden war.
Remus lächelte und sah Narzissa strahlend an. „Ja, natürlich liebe ich ihn. Schon lange."
xxx
Sie blieben noch lange auf der versteckten Lichtung und unterhielten sich. Hauptsächlich über Severus. Und über die merkwürdige Vielsafttrankvereinbarung.
„Warum hast du dich dazu bereit erklärt, dich in mich zu verwandeln? Das verstehe ich nicht. Und weiß dein Mann davon?", wollte Remus wissen.
„Wir sind seine Freunde, Lucius und ich.", erwiderte Narzissa ernst. „Wir haben schon vor langer Zeit bemerkt, dass ihn etwas quält. Und viel später erst deutete er uns gegenüber an, das er schon so lange diese unglückliche Liebe hegt. Irgendwann machte Lucius scherzhaft den Vorschlag mit dem Vielsafttrank. Obwohl er es zuerst gar nicht ernst meinte, war Severus von der Idee fasziniert. Und seitdem machen wir es… das heißt, meistens ich…"
„Du machst das schon länger?" Remus war verblüfft. „Und Lucius auch?"
„Natürlich, warum denn nicht. Es ist kein großes Opfer, alle paar Wochen einmal in einen anderen Körper zu schlüpfen und ein wenig mit Severus zu kuscheln…", lächelte Narzissa.
Remus schwieg nachdenklich. „Und was macht er sonst noch? Heute hat er sich zuerst für alle möglichen Beleidigungen entschuldigt, mit denen er mich in der letzten Zeit beschimpft hat."
„Ja, das macht er meistens… es ist nicht einfach für ihn, dir Tag für Tag in der Schule zu begegnen und seine Gefühle nicht preisgeben zu können. Er zwingt sich zu derartigen Äußerungen, um dich und alle anderen zu täuschen. Doch ich weiß, dass es ihm innerlich wehtut, so mit dir zu sprechen…"
Remus brummte nur zustimmend, während er sich zurücklehnte und seinen Kopf gegen das weiche Gras bettete. Stille trat ein, nur von vereinzeltem Vogelgezwitscher und dem leisem Summen von Insekten unterbrochen. Leise raschelten die Blätter der Weiden im sanften Wind.
Erst nach einer Weile regte sich der Werwolf wieder. „Ich kann es noch gar nicht richtig glauben.", murmelte er. „So lange habe ich davon geträumt, dass Severus mich liebt. Und ich habe mir gleichzeitig immer meine Hoffnungen ausgeredet, weil ich sie für aussichtslos hielt. Und jetzt…"
Narzissa lächelte ihn an. „Es freut mich. Auch für dich, aber besonders für Severus. Ich habe immer gewollt, das er glücklich wird…"
Doch weiter kam sie nicht. Remus packte sie heftig am Arm, sodass sie erschrocken herumfuhr und in sein erstarrtes, blasses Gesicht blickte.
„Severus!", flüsterte Remus.
Wie hatte er so dumm, so selbstsüchtig sein können? Die ganze Zeit über hatte er sich an der Erfüllung seiner Träume erfreut, sich seine herrliche Zukunft mit Severus ausgemalt. Und doch hatte er gleichzeitig nicht wirklich an den anderen gedacht. Wie ein Blitz hatte ihn jetzt die Erkenntnis getroffen, hatte sich wie mit eisigen Dornen in sein Herz gebohrt und hielt ihn gefangen.
Wo war Severus jetzt? Er wusste nichts über Remus' Gefühle. Wie verzweifelt musste er sein, dass seine sorgsam versteckten Empfindungen auf diese Weise ans Licht gebracht wurden?
Remus erinnerte sich an den Anblick des dunklen Tränkemeisters, wie er in der Tür der Hütte gestanden hatte, an seinen Gesichtsausdruck und an das erschreckende, schluchzende Geräusch, als er im Wald verschwunden war.
Er erschauerte.
„Wo kann er sein?", flüsterte er mit erstickter Stimme.
Auf Narzissas Gesicht breitete sich langsam des Verstehen aus, jähes Entsetzen und Verzweiflung. „Verdammt!", zischte sie.
„Er wird sich doch nichts antun?" Remus' Stimme klang viel zu hoch.
Narzissa runzelte die Stirn. Um Fassung bemüht versuchte sie, eine neutrale Miene zu finden. Sie scheiterte. „Nein, das ist nicht Severus' Art. Er gibt nicht einfach so auf. Aber… ich denke, er wird irgendwohin flüchten, wo ihn niemand findet, wo er allein ist". Sie seufzte. „Er kann so selbstzerstörerisch sein."
Remus vergrub das Gesicht in seinen Händen. „Das ist alles meine Schuld! Warum bin ich ihm nur nicht sofort nachgerannt?", stöhnte er.
Ungehalten stieß Narzissa ihn an. „Hör auf damit! Dich trifft keine Schuld. Wenn du dich hättest sehen können… glaub mir, du warst in einem ähnlichen Zustand wie Severus."
Remus blickte sie unsicher an. „Meinst du wirklich?" Seine Stimme zitterte noch ein wenig. „Was soll ich jetzt machen?"
Die blonde Hexe stand mit einem Seufzer auf. „Wir werden erst einmal schauen, ob wir Severus hier noch irgendwo finden. Vielleicht schließt er sich in seinen Räumen ein oder so ähnlich…"
xxx
Severus war nicht in seinen Räumen. Er war nirgendwo im Kerker. Er war auch nicht auf dem Astronomieturm, in den verlassenen Gewächshäusern, der Heulenden Hütte oder sonst an irgendeinem Ort, an dem Remus ihn gesucht hatte. Offensichtlich war er geflohen. Vor Remus, vor seinen eigenen Gefühlen, vor Remus' Reaktion.
Remus seufzte. Er konnte sich nur zu gut vorstellen, welche Horrorszenarien sich Severus gerade ausmalte, hatte er doch immer die gleichen Reaktionen gefürchtet, sollte der Slytherin von seinen Gefühlen erfahren.
Entsetzen. Abscheu. Hohn. Ekel. Hass. Die Liste konnte man endlos weiterführen.
Es schmerzte ihn, wenn er sich vorstellte, welche Dämonen Severus jetzt gerade quälten. Und er hoffte so sehr darauf, dass er sie für ihn vertreiben konnte.
Mit einem letzten wehmütigen Blick auf die verschlossene, dunkle Kerkertür wandte er sich um, um sich auf den Weg zu seinen Gemächern zu machen.
Ihm blieb schließlich nichts anderes übrig, als zu warten und zu hoffen.
xxx
Die folgende Woche war für Remus eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Zum einen war er voll überschäumender Freude und Glück, da sein geheimster Traum wahr geworden war. Dann wieder quälte ihn die Sehnsucht nach dem anderen, die Furcht, dass Severus nicht zurückkommen würde. Oder wie er auf Remus reagieren würde. Im nächsten Augenblick aber war er wieder voller Vorfreude und malte sich Severus' Rückkehr in den leuchtendsten Farben aus.
Immerhin gab es einen Grund zur Hoffnung: Offensichtlich hatte Severus dem Schulleiter eine Nachricht zukommen lassen, denn Dumbledore erklärte die Abwesenheit des Tränkemeisters mit irgendeiner Fortbildung, einem Kongress, zu dem Severus gegangen war. Dabei sagte er noch, dass er in absehbarer Zeit zurückkommen und wieder seinen Unterricht anstelle des (in Remus' Augen völlig inkompetenten) Vertretungslehrers aufnehmen würde. Remus hatte unendlich erleichtert zur Kenntnis genommen, dass Seberus offenbar nicht vorhatte, komplett aus seinem Leben zu verschwinden.
Trotzdem hielt seine wechselnde Stimmung und Launenhaftigkeit an. Severus erschien jetzt noch häufiger in seinen Träumen als zuvor. Manchmal wachte Remus morgens selig lächelnd aus einem wunderbaren Traum von Severus und ihm als glückliches Paar auf. Dann wieder suchten ihn Alpträume heim, in denen Severus ans andere Ende der Welt zog und ihn zurückließ, oder wo er zurückkehrte und sich alles als grausamer Scherz herausstellte. Auch die Vorstellung, Severus könnte sich in der Zwischenzeit jemand anderen zum Trösten gesucht haben, machte ihn fertig. Alles in alles war Remus nach Ablauf einer Woche ein seelisches Wrack.
Natürlich blieb seinen Freunden und Kollegen sein beunruhigender Zustand nicht verborgen. Manche, die mit einer guten Beobachtungsgabe und ein wenig Verstand gesegnet waren, erkannten auch den Zusammenhang zu dem Verschwinden von Severus. Doch keine der Vermutungen der anderen traf ins Schwarze, und ihre hilflosen Versuche, Remus zu trösten, schlugen fehl. Einzig und allein Albus drang nicht auf ihn ein und dachte sich seinen Teil.
Als schließlich eines Abends Minerva ihm gutmeinend vorschlug, sich einmal etwas abzulenken und sich mit der einen oder anderen netten Hexe zu treffen, die ihn seit Kriegsende als Helden verehrten, platzte ihm der Kragen. Er sprang von seinem Stuhl in der Großen Halle auf und rannte aus dem Schloss.
Zuerst lief Remus ziellos durch den dämmerigen Wald. Doch sein Unterbewusstsein schien ihm eine bestimmte Richtung vorzugeben. Er bemerkte es erst, als er vor der großen Trauerweide stand und neben seinem eigenen heftigen Atem das leise Plätschern des Baches hörte.
Vorsichtig strich Remus den Blättervorhang beiseite und betrat die im Licht des halbvollen Mondes geheimnisvoll anmutende Lichtung.
Erst als er die Lichtung verlassen vor sich liegen sah, ohne die dunkle Silhouette des Tränkemeisters, und er eine unerklärliche Enttäuschung verspürte, wurde ihm bewusst, dass er gehofft hatte, den Slytherin hier anzutreffen. Er stieß langsam den angehaltenen Atem aus und überquerte die Wiese, um sich auf die Wurzel an der Böschung des Baches zu setzen.
Es war seltsam, wieder an diesem Platz zu sein, wo er vor unendlich langer Zeit – war es wirklich nur eine Woche her? – diese seltsamen Dinge erlebt hatte. Wo er von Severus' Liebe zu ihm erfahren hatte. Jetzt erwies sich die stille Lichtung als der einzige Ort, wo Remus zu Ruhe kommen konnte. Er lehnte sich zurück, überließ sich den Gedanken an Severus und entspannte sich. Endlich.
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In der folgenden Woche suchte Remus jeden Abend die Lichtung im Wald auf. Obwohl er es sich selbst nie richtig eingestand, um nicht allzu sehr enttäuscht zu werden, hoffte Remus doch jedes Mal darauf, Severus auf der Lichtung zu begegnen. Doch Nacht für Nacht saß er alleine dort und wartete vergebens.
Als er dann eines Abends – es war noch nicht ganz dunkel, denn Remus hatte sich direkt nach dem Abendessen auf den Weg gemacht – durch den Blättervorhang trat, war er erschrocken, eine dunkle, zusammengekauerte Gestalt am Bach hocken zu sehen. Nach einer langen Schrecksekunde, in der er befürchtete, jemand habe ihr Versteck gefunden, wurde ihm klar, dass es Severus war. Dass es nur Severus sein konnte.
Er saß auf der gleichen Stelle wie bei ihrem letzten Treffen.
Remus atmete tief durch.
Er musste vorsichtig sein. Severus' gekrümmte Haltung, seine starre Regungslosigkeit sprachen eine zu deutliche Sprache.
Obwohl Remus sich Worte und Formulierungen für den Fall von Severus' Rückkehr zurechtgelegt hatte, konnte er sich an sie jetzt nicht mehr erinnern. Sein Verstand schien wie weggeblasen, nachdem er die Silhouette des Slytherin gesehen hatte. Er wollte nichts lieber, als zu Severus zu rennen, ihn zu umarmen und an sich zu ziehen, und ihm endlich zu sagen, was er fühlte. Doch er zwang sich dazu, vernünftig zu denken.
Severus war kein einfacher Mann. Er war sehr ungerecht, und am meisten zu sich selbst. Remus ahnte, dass er eine viel zu geringe Meinung von sich selbst hatte. Er musste vorsichtig und bedacht vorgehen, wenn er Severus nicht verlieren wollte.
Zögernd überquerte der Werwolf die Wiese und näherte sich dem Slytherin. Ihm war nicht klar, ob der andere ihn gehört hatte, doch als er direkt hinter ihm war, vernahm er leise Severus' Stimme.
„Ich habe gewusst, dass du mich hier finden würdest, Lupin!" Sein Tonfall war bitter und seine Stimme klang heiser. Remus, der bei den ersten Worten vor Schreck zusammengezuckt war, fühlte, wie sich in ihm aus Mitgefühl alles verkrampfte. Langsam überwand er den letzten Abstand zu Severus und ließ sich neben ihm nieder.
Er konnte den anderen unauffällig aus den Augenwinkeln beobachten. Severus hatte die Beine angezogen und die Arme fest darumgeschlungen. Mit unbewegtem Gesicht starrte er auf die im schwachen Mondlicht glitzernde Strömung des Baches.
Remus wusste nicht, wie er anfangen sollte. Nach ein paar Minuten des Schweigens entschloss er sich, Severus zuerst nach seinem Verbleib in den letzten zwei Wochen zu fragen, doch der Slytherin kam ihm zuvor.
„Warum hast du es noch niemandem erzählt?", fragte er tonlos. Remus hörte deutlich, wie er sich bemühte, jegliche Emotionen aus seiner Stimme herauszuhalten. „Ich hatte eigentlich erwartet, bei meiner Rückkehr die ganze Sache in allen möglichen Zeitungen breitgetreten zu finden. Ich hatte erwartet, dass du versuchst jedem zu erzählen, was mit dem gemeinen, schmierigen Snape los ist!"
Warum war alles so kompliziert, fragte sich Remus verzweifelt. Wenn er jetzt die Wahrheit sagte, Severus seine Liebe gestand und ihm um den Hals fiel, würde der andere ihm nicht glauben, sondern es nur wieder für einen grausamen Streich halten. Er wusste nicht, wie er das Gespräch in andere Bahnen lenken konnte.
Severus ließ ihm auch erst gar keine Chance zum antworten.
„Willst du mich erpressen mit… deinem neugewonnenen Wissen? Hast du deshalb abgewartet, damit du mir jetzt damit drohen kannst? Gefällt es dir, endlich einen solchen Trumpf gegen mich in der Hand zu halten?" Er bemühte sich sehr darum, verächtlich zu klingen, doch so ganz wollte es dem Slytherin nicht gelingen.
„Nein!", erwiderte Remus entsetzt. Er hatte nicht im Traum daran gedacht, dass Severus auf solche Gedanken kommen würde. „Natürlich nicht! Ich will dich nicht erpressen!"
„Ja, du hast eigentlich Recht", zischte der Slytherin höhnisch. „Eine gemeine Erpressung passt ja auch so gar nicht zu den ach so tollen und gerechten Gryffindors! Das hatte ich ja ganz vergessen. Mit soetwas würdest du dir ja gar nicht die Finger schmutzig machen!"
„Nein, Severus… ich", stotterte Remus verzweifelt. Er musste Severus von diesen Gedanken abbringen!
Doch der andere ließ sich von ihm nicht unterbrechen und fuhr mit seinen Anschuldigungen fort.
„Dann willst du mich einfach nur ein bisschen damit quälen, nicht wahr? Ja, Lupin, du hast jetzt alle Trümpfe in der Hand und kannst mir alles heimzahlen, was ich dir jemals angetan habe. Alle Beleidigungen und Erniedrigungen, du kannst sie jetzt hundertfach zurückzahlen." Auf Remus' verzweifelte Versuche, ihn zu unterbrechen, reagierte Severus gar nicht. Der Gryffindor fragte sich, warum er sich das antat. Warum wühlte Severus nur noch weiter in der Wunde, anstatt kurz auf ihn zu hören? Alles in ihm zog sich zusammen, als er Severus' verletzte Stimme hörte.
„Nicht, dass ich es nicht gewohnt bin, Lupin. Deine Rumtreiber-Clique war damals schon schlimm genug. Leider hast du es früher nur nicht geschafft, auch so richtig mitzumachen. Das kannst du jetzt so richtig nachholen, Black und Potter würden stolz auf dich sein!" Seine Stimme triefte vor Sarkasmus. Remus fand die ironische Ader des Slytherin sonst sehr anziehend, doch jetzt schauderte ihn, als er Severus' bittere Worte vernahm.
„Severus, hör doch auf! Ich habe nicht vor, dich zu quälen oder dir wehzutun." Remus versuchte, seine Stimme so ruhig klingen zu lassen wie möglich.
„Ah ja. Aber dann willst du mich öffentlich bloßstellen, oder? Deshalb hast du auch gewartet und es noch keinem erzählt. Du willst dann zuschlagen, wenn ich dabei bin, damit ihr mich alle zusammen auslachen könnt! Ist es nicht so?" Severus hatte sich immer noch nicht von der Stelle gerührt. Zusammengekauert saß er da, den Kopf halb abgewandt und starrte in die immer schwärzer werdende Dunkelheit außerhalb der Lichtung.
„Nein, Severus, so ist es nicht. Ich will dir doch nicht schaden… in keiner Hinsicht!", entgegnete Remus sanft und legte vorsichtig seine Hand auf den Arm des anderen. Severus zuckte zurück, fuhr zu Remus herum und starrte ihn zornig an.
„Was soll das heißen?", zischte er unbeherrscht. Sein glühender Blick fixierte Remus und ließ ihn nicht los.
Kurz war der Gryffindor abgelenkt, als er sich in den tiefschwarz leuchtenden Augen seines Gegenübers verlor, dann riss er sich zusammen.
„Severus, ich hatte niemals vor, das, was vor zwei Wochen hier passiert ist, gegen dich zu verwenden. Ich will dich weder erpressen, noch bloßstellen oder sonst irgendwie wehtun. Ich… es tut mir Leid, Severus, dass…"
Der Slytherin ließ ihn jedoch wieder nicht zuende sprechen. Sein Blick bekam einen gequälten Audruck, dann wandte er sich wieder ab und starrte in die Dunkelheit.
„Das hätte sich mir denken können. Du perfekter Gryffindor bist sogar zu gut dafür, mich für das Geschehene zu hassen!", sagte Severus bitter. „Das ist fast noch schlimmer, als wenn du nun hättest Rache üben wollen, Lupin. Du bist so sehr Gryffindor, dass du sogar Berührungen und Küsse von mir ertragen hast, von jemandem, den du doch so sehr hasst." Er schüttelte sich. „Und jetzt, Lupin… verdammt, ich will dein Mitleid nicht!"
„Es ist auch nicht Mitleid, was ich für dich empfinde, Severus.", sagte Remus leise. Gleich, dachte er, gleich war der Augenblick gekommen.
Langsam wandte sich der andere zu ihm um. „Was dann?" fragte Severus tonlos. „Warum hast du nichts getan, als ich… du weißt schon. Warum hast du dich nicht gewehrt, wenn nicht aus Rachedurst oder Mitleid? Warum hast du das über dich ergehen lassen?"
Remus sah ihn an.
„Weil es das ist, wovon ich schon so lange geträumt habe."
Severus starrte ihn an. Seine schwarzen Augen schimmerten hell im fahlen Mondlicht. Er schüttelte leicht den Kopf. „Ich verstehe nicht."
„Ich habe mich in dich verliebt, Severus."
Wieder schüttelte Severus den Kopf. „Was redest du da, Lupin. Das kann nicht sein.", erwiderte er leise.
Remus' Mundwinkel bewegten sich nach oben. Er konnte nicht anders, als Severus sanft anzulächeln. „Doch, natürlich kann das sein, Severus. Warum denn nicht?"
Severus schnaubte leise. „Als ob du das nicht selber wüsstest.", sagte er bitter.
„Mir fällt kein Grund ein, Severus."
„Mir dagegen schon!", entgegnete der Sytherin heftig."Du hasst mich! Alle tun das. Ich bin der gemeine, schmierige Snape, schon vergessen? Niemand mag mich, wieso solltest du da eine Ausnahme bilden? Du hasst mich!"
„Nein, das tue ich nicht.", erwiderte Remus sanft. „Ich liebe dich, Severus!"
Der Slytherin starrte ihn an. „Warum tust du das?", stöhnte er dann schmerzerfüllt und wandte sich ab.
Remus schüttelte den Kopf. Warum ging das nicht in Severus' Kopf hinein? Hatte der andere wirklich eine so geringe Meinung von sich selbst? „Ich habe dir gerade gesagt, warum!"
Immer noch reagierte Severus nicht. Er schüttelte nur wieder leicht den Kopf, während er an Remus vorbei unverwandt zwischen die dunklen Bäume sah. Remus betrachtete sein Profil, die schmerzlich zusammengezogenen Brauen, die Haarsträhne, die durch die Bewegung immer wieder über Severus' Hals strich, die zusammengepressten Lippen. Es war, als platzte in ihm ein Knoten. Er konnte nicht anders, er musste Severus küssen. Jetzt.
In einer fließenden Bewegung legte Remus seine Hand auf Severus' Wange, drehte dessen Kopf zu ihm und drückte seine Lippen auf den zusammengepressten Mund. Severus' Augen weiteten sich entsetzt, dann klappten sie zu, als Remus begann, seine Lippen sanft zu bewegen.
Remus hatte nicht gewusst, dass es so aufregend sein würde, Severus zu küssen. Er schmiegte seine weichen Lippen an Severus' schmalen Mund, schmeckte die rauen Lippen des anderen und zitterte. Berauscht öffnete er seinen Mund und fuhr mit seiner Zunge leicht die markante Kontur von Severus' Lippen nach.
Severus riss seinen Kopf zurück und starrte Remus heftig atmend an. Der Gryffindor öffnete benommen die Augen. Wann hatte er sie überhaupt geschlossen? Und wann hatte er sich so an Severus gedrückt, dass er beinahe auf seinem Schoß saß, und die Arme um Severus' Nacken geschlungen? Doch es fühlte sich so gut an. So… richtig.
Remus lehnte sich noch etwas weiter gegen Severus, der steif dasaß und ihn noch immer fassungslos anstarrte, und lächelte ihn sehnsüchtig an. Er wollte mehr, viel mehr!
„Severus", flüsterte er.
Der Slytherin sah stumm zu ihm hinab. Wieder ertrank Remus in den schimmernden Tiefen von Severus' Augen, als er sich an ihn schmiegte. Dann öffnete Severus langsam den Mund.
„Du hast das eben wirklich ernst gemeint?" Es klang mehr nach einer ungläubigen Frage als nach einer Feststellung. Seine Stimme klang rau.
Remus lächelte, dann hob er die Hand und strich Severus langsam eine dunkle Haarsträhne hinters Ohr. Fasziniert folgte sein Blick der Bewegung. Er fuhr mit einem Finger leicht über Severus' Wange, über seine Lippen, die er gerade eben noch gespürt hatte. Und es kam ihm vor, als würde er erst jetzt begreifen, was wirklich geschah. Er und Severus. Er und Severus! Es war wahr, es war wirklich, es war das pure Glück!
„Ich liebe dich!", sagte Remus laut und deutlich. Er war sich sicher, ein unglaublich dämliches, verliebtes Grinsen zur Schau zu stellen, aber nichts hätte ihm im Moment gleichgültiger sein können. Er und Severus!
Wieder näherte er sich dem Gesicht des anderen und drückte Severus einen kurzen Kuss auf die Lippen. Er musste es jetzt auch hören!
„Severus, sagst du es mir auch nochmal?", bettelte er leise. War da ein mutwilliges Funkeln in Severus' Augen?
Der Slytherin zog seine linke Augenbraue nach oben.
„Nun, später vielleicht… schließlich weißt du es schon zwei Wochen länger als ich. Es wäre nur gerecht.", sagte er leichthin. „Erst einmal werde ich…" Er packte Remus plötzlich bei den Schultern und zog ihn so dicht zu sich heran, dass sich ihre Nasen fast berührten.
Remus hielt den Atem an. Severus' dunkle Augen schwebten über ihm, erfüllten sein ganzes Blickfeld. Eine Haarsträhne streifte seine Wange. „Oh Merlin… ich hatte nie gedacht… nie zu hoffen gewagt…", hörte er entfernt die heisere Stimme des anderen.
Und dann küsste Severus ihn.
Seine Hände umklammerten Remus' Schultern, fuhren über seinen Rücken und krallten sich in seine Taille. Severus' Kuss war hart und drängend und schmerzhaft und wunderbar real. Um nichts in der Welt hätte Remus es sich anders gewünscht. Benommen presste er sich an Severus, wühlte in seinen Haaren, klammerte sich an ihn. Er fühlte Severus' Zähne und seine Zunge und seine Lippen, und er hatte noch nie so gefühlt!
Severus löste sich langsam von ihm und Remus bemerkte, dass sie unerklärlich verschlungen auf der Wiese lagen, Severus auf ihm, ihn mit seinem festen, schmalen Körper ins Gras drückend. Er blickte auf ihn hinunter, staunend, und seine Lippen waren rot von ihrem Kuss.
„Ich liebe dich, Remus."
Die Worte und sein Name flossen wie Schokolade, wie Honig und Seide, über Severus' Zunge und Severus sah so fremd und gleichzeitig so vertraut aus, wie er sich da über Remus beugte, und seine Haare fielen über sein Gesicht und kitzelten Remus' Wange, sodass er einfach daran ziehen und Severus wieder küssen musste, und wieder, und am besten nie mehr aufhören wollte…
Und dann waren da der schwere Stoff der schwarzen Robe, und die vielen kleine Knöpfe, und weiße, weiche Haut, die er auch küsste… weiße Haut und schwarze, glühende Augen… und schmale, lange, weiße Finger auf seiner Haut, die viel dunkler war und voller Narben, aber das machte nichts, denn auch Severus hatte Narben, solche, die man sah und solche, die man nicht sah… und überhaupt war alles jetzt egal, denn sie hatten jetzt ja sich.
Severus war sein, und er gehörte Severus.
Severus, der ihn liebte. Der ihn jetzt und hier liebte, in der Wirklichkeit und nicht nur in seinen Träumen. Der machte, dass die Welt um sie verschwamm, dass es nichts gab außer ihnen. Außer ihnen und ihrer Liebe, ihrem Glück, ihrer Leidenschaft… sein Severus…
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Später dann lagen sie matt und glücklich, ineinander verschlungen auf der Lichtung. Remus bettete seinen Kopf auf Severus' Schulter, malte unsichtbare Muster auf Severus' Brust, während der Slytherin sanft durch seine Haare fuhr. Remus seufzte glücklich.
„Es ist schrecklich romantisch, findest du nicht", fragte er verträumt und sah auf zu dem halbvollen Mond.
„Ja, wirklich schrecklich, das finde ich auch.", sagte Severus amüsiert. „Wird dir nicht langsam kalt? Dann könnten wir reingehen, und du müsstest mich nicht mehr als Kissen missbrauchen."
Für eine so unromantische Bemerkung musste er Severus kneifen, und Severus zog an seinen Haaren, und dann küssten sie sich wieder, auf der Wiese liegend wie zwei Teenager.
Irgendwann setzte Remus sich auf und begann, seine Sachen einzusammeln. „Ja, lass uns wirklich reingehen", sagte er. „Zu mir oder zu dir?"
Er konnte nicht anders als zu kichern über diese klischeehafte, so unpassend normale Frage, denn normal war nichts, was mit Severus zu tun hatte.
Als sie über die Wiese liefen, nahm Severus wie selbstverständlich seine Hand, und Remus war überrascht, dass sich sein Glücksgefühl noch steigern konnte, als er die schlanken Finger spürte.
Unter der Weide blickten beide zurück, sahen auf die vom Mondlicht silbern schimmernde Lichtung. Ihre Lichtung. „Wie hast du die Lichtung damals eigentlich gefunden?", fragte Severus unvermittelt. Remus erzählte von dem plätschernden Geräusch des Baches, das der Illusionszauber nicht verborgen hatte, und Severus holte schnell seinen Zauberstab hervor und ergänzte den Zauber.
„Jetzt wird wohl niemand sonst unsere Lichtung finden.", sage er ungewohnt sanft.
Und dann zog er Remus weiter, hin zu dem friedlichen Schloss, das ihr Zuhause war… durch den dunklen Wald, der ihnen jetzt so hell erschien.
~Ende~
So, das wars… danke fürs Lesen!
Und, was sagt ihr? Ist meine erste Fanfiktion gelungen oder nicht? Ich bin gespannt ^^
Lg hillie =)
