Einen wunderschönen ersten Adventsmorgen wünsche ich euch.
Hey, wo guckt ihr denn hin? Ich bin doch mit euch auf Augenhöhe, bin ja nicht das Mini-Meeri *grinst*
Heute kommen wir mal recht schnell zum Beitrag, die Vorstellungsrunde hatten wir schließlich gestern schon. Wir haben nicht nur Harry-Potter-Beiträge bekommen, sondern auch ein paar Geschichten, die freie Arbeiten sind. Ihr werdet schon feststellen, dass wir diese nach einem bestimmten System in die HP-Dominanz einbrechen lassen. Der heutige Beitrag ist eine dieser freien Arbeiten, und zwar hat unsere Polarwölfin sich für euch eine eigene Welt erdacht.
Wer mehr von ihr lesen möchte, kann sich hier mal umgucken: www. fanfiktion. de/u/Polarwoelfin
(Nehmt bitte die Leerzeichen nach www. und nach fanfiction. raus)
Viel Lesevergnügen wünsche ich euch.
Der SeelenwächtervonPolarwölfin
A/N: Ein großes Dankeschön an Reek, die meine freie Arbeit beta gelesen hat.
„Die dich verlieren, werden den Schmerz für immer spüren
Wenn du gehst – du verstehst:
Es gibt kein Zurück."
Farin Urlaub – Kein Zurück
Eine letzte schmerzhafte Wehe überrollte sie, ehe nach einer endlos langen Zeit das ersehnte Babygeschrei ertönte. Die Hebamme hielt das Kind in den Armen und ließ den jungen Vater die Nabelschnur durchschneiden.
Dann sagte sie fröhlich: „Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Christkind! Es ist ein Junge."
Sowohl der Vater als auch die Mutter des Kindes strahlten vor Glück. Die sichtlich erschöpfte Mutter fragte: „Darf ich es mal halten?"
„Ich muss erst die Vitalfunktionen überprüfen. Das wird einen Moment dauern. Danach können Sie Ihr Kind halten." Sie wandte sich um und untersuchte den kleinen Säugling. Gleichzeitig fragte sie interessiert: „Wie soll ihr kleiner Schatz denn heißen?"
„Er ... soll ..." Die Stimme der Mutter brach abrupt ab.
„Liebling, was ist los? Bleib wach!", hörte die Hebamme den Mann plötzlich hysterisch schreien. Als sie sich umdrehte, sah sie den schwarzhaarigen Mann, wie er panisch seine Frau an den Schultern packte und sie unsanft schüttelte. Der Kopf der Frau war auf das Kissen gesunken. Ihre Augen waren geschlossen.
„Schwester Mira, Sie übernehmen den Jungen!", befahl sie energisch und eilte zu der ohnmächtigen Mutter. Mit einem Blick stellte sie fest: „Sie verliert immer noch eine Menge Blut. Wir bringen sie zur ITS! Schwester Lisa, rufen Sie dort an und sagen Sie denen, dass sie eine Bluttransfusion vorbereiten sollen!"
„Lukasz?"
Der angesprochene Mann mit den blonden, kurzen Haaren sah fragend von seinen Unterlagen auf dem Schreibtisch auf. „Ja? Was gibt es denn, Stella?"
Die zierliche Frau antwortete mit Bedacht: „Ich weiß, es gehört normalerweise nicht in deinen Bereich, aber könntest du jemanden aus dem Schicksalsbereich übernehmen, die selbst entscheiden kann, ob sie weitergeht oder nicht?"
Sein Gesicht verschloss sich und er schüttelte sofort ablehnend den Kopf. „Nein, das kann ich nicht tun. Du weiß, ich übernehme keine Fälle, in denen einer selbst entscheiden kann. Ich bereite die Seelen nur für den Übergang vor. Und das auch nur bei den Menschen, deren Zeit eh abgelaufen ist", sagte er in einem entschiedenen Tonfall.
„Aber sie kennt dich! Sie redet nur von dir!", warf Stella leise ein.
Sein Blick wurde hart. „Dann übernehme ich den Fall erst recht nicht. Du weißt, es ist uns nicht erlaubt, uns um die Seelen derer, die wir kennen, zu kümmern!"
„Aber sie will nur wegen dir weitergehen. Damit sie endlich wieder mit dir zusammen ist. Und das bis zur Unendlichkeit."
Er blieb stumm.
„Verdammte Scheiße, Lukasz! Sie will nur wegen dir ihr Neugeborenes und ihren Verlobten im
Stich lassen!" Mit wütenden Augen funkelte sie ihn an. „Das kann nicht in deinem Sinne sein!", wurde sie laut, „Also scheiß auf die Regel und sieh zu, dass sie dahin zurückkehrt, wo sie auch hingehört! Ich werde sie jetzt zu dir schicken, ob du es nun willst oder nicht!"
Ohne Lukasz noch einen Blick zu zuwerfen, verließ sie den Raum und knallte lautstark die Tür hinter sich zu.
Er seufzte ungehalten und schloss für einen Moment die Augen. Er wollte ein solches Gespräch nicht führen. Vor allem nicht mit IHR, seiner großen Liebe. Seine einzige Liebe, die er auf der Erde je gehabt hatte.
Draußen vor der Tür hörte er, wie Stella sagte: „Mein Kollege wird sich weiter um deinen Fall kümmern, Linnea. Ich hoffe, du wirst die richtige Entscheidung treffen. Geh einfach rein. Er erwartet dich schon."
Lukasz verstand nicht, was die melodische Stimme antwortete. Zu sehr überkamen ihn die Erinnerungen an ihre kurze gemeinsame Vergangenheit. Viel Zeit um sich zu sammeln blieb ihm nicht, denn die Tür wurde schon geöffnet.
Bei dem Anblick der Frau erstarrte er. Sie zu sehen, traf ihn völlig unvorbereitet. Es war nicht richtig. Sie sollte nicht hier sein.
Auch die junge schwarzhaarige Frau erstarrte vor Schreck. „Lukasz?", fragte sie verwirrt, „Bist du das wirklich? Was machst du hier?"
Er schluckte schwer, dann erwiderte er heiser: „Ja, ich bin es wirklich, Lia. Was ich hier mache ... ist etwas komplizierter." Er verfolgte ihren Gesichtsausdruck aufmerksam. Verwirrtheit ging in Unglauben über und wechselte dann zur grenzenlosen Freude.
Nach einem kurzen Moment des Verstehens stürmte sie auf ihn zu und wollte ihn umarmen. Höchstwahrscheinlich auch in einen tiefen Kuss versinken.
Doch er hielt sie mit seiner distanzierten Körperhaltung davon ab. „Lia, nicht! Ich darf ... muss deine Seele objektiv betreuen. Es ist nicht angebracht, dass wir uns so nahe kommen wie früher."
Tiefe Enttäuschung zeichnete sich in ihren Augen ab und sie wich ein paar Schritte zurück.
„Setzt dich bitte.", bat er. Als sie nicht sofort gehorchte, durchdrang er sie mit einem unerbittlichen Blick. Die Hand hielt er dabei auf den Stuhl gerichtet.
Mit gesenktem Kopf setzte sie sich. „Und nun?", wollte sie mit verdächtigt leiser Stimme wissen.
„Werden wir reden.", war seine lapidare Antwort.
„Über was?"
„Über uns. Über dich. Über deine Zeit nach meinen Tod. Über deinen jetzigen Verlobten. Über dein Neugeborenes. Kurzum über alles, was dich dazu bringt, die richtige Entscheidung zu treffen. Und in meinen Augen gibt es nur einen Weg, den du einschlagen kannst. Und ich werde keine Ruhe geben, bis du bereit bist, diesen Weg einzuschlagen. Alles andere ist keine Option", erklärte er mit seiner ruhigen, tiefen Stimme.
Linnea sah hoffnungsvoll auf. „Also willst du, dass ich bei dir bleibe?"
„Nein. Das ist das letzte, was ich will ...", antwortete er.
„Aber ... aber ... heißt das ... du liebst mich nicht mehr?"
Lukasz verfluchte sie in seinen Gedanken. Musste sie den Finger denn so in die offene Wunde legen? Natürlich liebte er sie noch. Über alles. Aber was er fühlte, durfte hier um keinen Preis eine Rolle spielen.
„Darum geht es nicht, Lia." Er stockte kurz, dann lenkte er vom Thema ab: „Ich nehme an, dass Stella dir bereits einige Dinge erklärt hat?"
„Ja, das hat sie ... Sie meinte, ich dürfte ... dürfte selber entscheiden, ob ich sterbe oder nicht. Und sie hat mich ... nach meinen Überlegungen gefragt ..." Sein Gegenüber hatte wieder hoffnungslos den Kopf gesenkt. „Aber offensichtlich waren das Überlegungen, die sie nicht hören wollte. Dann hat sie mich zu dir geschickt."
Er öffnete den Mund. Und schloss ihn wieder. Er wusste nicht, was er sagen sollte. Was richtig und was falsch war. Sollte er weiter auf das Gespräch mit Stella eingehen? Er entschied sich dagegen und startete einen Frontalangriff: „Wie fühlst du dich jetzt?"
Linnea überlegte einen Moment, dann antwortetet sie zögernd: „Ich weiß nicht. Das kam alles so plötzlich. Verwirrt. Verwundert. So, als ob ich nicht mehr alle Tassen im Schrank hätte. Aus dem Leben gerissen ... aber auch glücklich, dich wiederzusehen. Das Glücksgefühl überstrahlt irgendwie alles ..." Ihre Stimme wurde leiser.
Er sog alles, was sie sagte, auf wie ein Schwamm das Wasser und gab nichts zurück. Stattdessen stellte er eine weitere Frage: „Was fühlst du, wenn du an deinen Verlobten denkst?"
Es fiel ihm schwer, das Wort „Verlobter" in den Mund zu nehmen. Es schmerzte ihn. Seine Stimme und sein Gesichtsausdruck blieben mit Mühe neutral und unleserlich.
„Tiefe Liebe. Aber nicht so stark wie zu dir." Offen sah sie ihn an.
Mit scheinbar entspannter Stimme fragte er: „Was hast du gefühlt, als ich so unmittelbar gestorben bin?"
„Schmerz. Unbändigen Schmerz. Ich wäre dir am liebsten gefolgt. Ich hab's ja auch versucht, aber war ja offensichtlich zu dumm dafür." Sie lachte sarkastisch auf.
„Ich glaube nicht, dass das Dummheit war. Deine Zeit war noch nicht abgelaufen. Es war Schicksal, dass dein jetziger Verlobter dich gerade noch rechtzeitig gefunden hat. Und es war auch vorgesehen, dass ihr zusammen findet." Er suchte Augenkontakt.
Sie sah ihn offen an. „Aber es fühlt sich nicht richtig an. Es ist, als ob ein Teil von mir fehlt." Ihre Stimme hörte sich verzweifelt an. „Ich bin nicht mehr vollständig. Außerdem hast du gerade selber gesagt, dass meine Zeit noch nicht abgelaufen war. Noch nicht war. Also heißt es, dass meine Zeit genau jetzt abgelaufen ist!", fuhr sie in trotzigem Ton fort. „Ich will nicht mehr zurück!"
„Schlägt die Transfusion an?", fragte die Hebamme angespannt. Mit sorgenvollem Gesicht betrachtete sie die blasse Frau im Krankenbett.
Die dazu gerufene Gynäkologin antwortete: „Sie ist immer noch instabil. Wir sind aber optimistisch, dass sich der Zustand innerhalb der nächsten halben Stunde stabilisieren wird. Meinen Sie der junge Vater ist bereit, jetzt zu seinem Sohn zu gehen? Der Säugling bräuchte dringend die Zuwendung eines Elternteils. "
Gespannt sah sie die Hebamme an.
„Nein, ich denke nicht. Ich habe eben kurz mit ihm gesprochen. Er will jetzt nicht zu seinem Sohn. Er kann es nicht. Nicht solange er nicht weiß, dass seine Verlobte durchkommen wird", sagte sie bitter.
Bevor die Gynäkologin darauf etwas erwidern konnte, hörten sie ein ungleichmäßiges Piepen.
Sie war sofort alarmiert: „Schwester Anna, bereiten Sie den Defibrillator vor!"
„Was ist los?", unterbrach die Hebamme mit einem panischen Unterton.
„Ihre Werte verschlechtern sich", sagte sie kurz angebunden und bereitete gleichzeitig die Reanimationsmaßnahmen vor.
Er konnte sie nicht verstehen. Er hätte damals alles dafür gegeben, wieder zurück zu gehen. Aber ihm war diese Entscheidung nicht gegeben worden. Für ihn war seine Zeit wirklich unwiderruflich abgelaufen, als das Auto ihn traf. Er war sofort tot gewesen.
„Was denkst du, wie dein Verlobter auf deinen Tod reagieren würde? Was würde er fühlen? Würde er nicht seinem Sohn indirekt die Schuld geben und es ihn vielleicht auch nur unbewusst spüren lassen? Und wie würde sich dein Sohn später fühlen? Könntest du es mit dir vereinbaren, sein Leben von Geburt an unter einem schlechten Stern stehen zu lassen?", warf er ihr ein paar rhetorische Fragen an den Kopf.
Als sie ansetzte, ihm zu antworten, warf er ein: „Nein, ich will nicht hören, was du denkst! Du sollst dir nur überlegen, ob du dann mit deiner Entscheidung zu sterben immer noch glücklich wärst."
Für einen Moment war es still, dann erwiderte sie leise und etwas beschämt: „Glücklich direkt nicht. Leben könnte ich mit der Entscheidung aber, wenn ich dafür für immer mit dir zusammen sein kann."
Das Gespräch war jetzt an einem Punkt angelangt, an dem Lukasz sein letztes und wie er hoffte bestes Argument bringen musste: „Deine Entscheidung weiterzugehen ist aber keine Garantie dafür, dass wir zusammen sein können."
Überraschung zeichnete sich auf ihrem Gesicht ab. „Nicht ... aber wieso?", fragte sie enttäuscht.
„Weil nicht alle Menschen für die Arbeit eines Seelenwächters vorgesehen sind", ließ er die Katze aus dem Sack. „Wärst du jetzt immer noch bereit, deine Familie für etwas Ungewisses zurückzulassen und ihr so viel Schmerz zuzufügen? Vergiss nicht, ist deine Entscheidung erstmal getroffen, kannst du sie nicht mehr rückgängig machen!"
Linnea überlegte lange, was Lukasz sehr beruhigend fand. Sie war ins Zweifeln geraten. Jetzt müsste sie sich nur noch für den richtigen Weg entscheiden. Dann war alles gut. Aber natürlich musste sie auch da noch mal nachhaken. „Wisst ihr denn nicht schon vorher, welche Personen für diese ... diese Arbeit vorgesehen sind?"
Sie konnte es einfach nicht lassen. Sie hatte wirklich Talent, ihm wehzutun. Seine kühle Maske war heftig am Wanken. „Nein, wir wissen nicht, wer dafür bestimmt ist." Das war eine Lüge. Eine Lüge, die jeder Seelenwächter am Tag mehrmals aussprach. Natürlich wussten sie ganz genau, wer dafür bestimmt war. Schließlich bedurften diese Menschen eine andere Vorbereitung als die anderen. Aber die, die entscheiden durften, sollten davon nicht beeinflusst werden.
Nach einem Moment des Schweigens fuhr er fort: „Ich will dich ja nicht drängen, Lia, aber so langsam ist es an der Zeit, eine Entscheidung zu treffen. Deine Gesprächszeit ist abgelaufen."
„Wenn ich mich dazu entscheide zurückzukehren, bekomme ich dann einen allerletzten Abschiedskuss von dir?"
Er zögerte kurz, dann antwortete er: „Ja. Aber nur wenn du mir versprichst, nicht mehr in der Vergangenheit zu leben. Du musst mich loslassen!"
„Aber ich kann dich nicht vergessen!"
„Ich habe nicht gesagt, dass du mich vergessen sollst. Du sollst die kurze Zeit, die wir zusammen hatten, in guter Erinnerung behalten, aber trotzdem dem Moment leben. So wie damals auf dem Konzert an Silvester, als wir uns kennen gelernt haben."
Ihr Gesichtsausdruck wirkte daraufhin für einen Moment abwesend, ehe ein Lächeln auftauchte. Das Lächeln war keinesfalls gekünstelt, stellte er zufrieden fest. Es erreichte in vollem Maße ihre Augen und ließ diese in einem Glanz erstrahlen, der mit dem Glanz der Sterne definitiv mithalten konnte.
„Ich verstehe … und ich will noch mehr solcher Glücksmomente erleben. Mit meinem Sohn und auch meinem Verlobten. Ich glaube … ich bin jetzt bereit zurückzukehren ", meinte sie leise.
Sowohl Lukasz als auch Linnea standen auf und gingen langsam aufeinander zu, sahen sich tief in die Augen und umarmten sich. Dann näherten sich ihre Gesichter und sie küssten sich. Nicht gierig, sondern sanft und zärtlich. Atemlos trennten sich die beiden wieder.
Er flüsterte leise: „Es ist Zeit. Du musst jetzt laut sagen 'Ich kehre zurück!', Lia! Ich werde in deinem Herzen immer bei dir sein! Vergiss das nicht!"
Während sie die Worte sagte, küsste Lukasz sie noch mal auf die Stirn. Sobald die Worte ausgesprochen waren, löste Linnea sich in Luft auf. Er sagte noch: „Ich wünsche dir alles Gute und du sollst wissen, dass ich dich immer noch liebe, Lia." Die letzten Worte hörte sie schon nicht mehr.
Sie war weg.
Er verließ schlagartig den Raum und das Gebäude der Seelenwächter. Er machte es sich auf einer kleinen Wolke bequem und schaute auf die Erde hinunter. Er brauchte Zeit, das Wiedersehen und die Bitterkeit der Entscheidung zu verarbeiten.
Er hatte bisher fünf Heilige Abende hier oben verbracht. Kein Weihnachtsabend war so außergewöhnlich wie dieser gewesen.
Ein gleichmäßiges Piepen ertönte. „Aufhören!", sagte die Gynäkologin, „Sie ist wieder zurück. Na, Gott sei Dank. Was wäre es sonst für den Vater tragisch gewesen. Und für den Sohn erst." Alle Anwesenden hatten ein erleichtertes Lächeln auf dem Gesicht.
„Jetzt dürfte sie durchkommen. Was für eine ungewöhnlich komplizierte Geburt am Weihnachtsabend. Ich werde jetzt dem jungen Vater Bescheid geben. Vielleicht mag er ja jetzt seinen Sohn in den Arm nehmen."
Ende
