Meine Tasche mit den Schulsachen lehnte an meinem Bettpfosten. Ich nahm noch einige Bücher, die ich zum Lernen brauchen würde und stopfte diese, zusammen mit meiner grau-lila karierten Lieblingsdecke hinein. Ich hörte, wie die große Standuhr im Gemeinschaftsraum zwölf Uhr schlug und machte mich auf den Weg zum See. Der Tag war für Anfang Frühling recht sonnig und warm und so waren die Gänge im inneren des Schlosses wie leergefegt. Alle hielten sich draußen auf, nur ein paar vereinzelte Schülergruppen saßen in irgendwelchen Ecken und spielten Zauberschach oder Snape explodiert. Sobald ich hinaus in den Verwandlungshof trat, bereute ich, dass ich meine Sonnenbrille oben gelassen hatte. So bahnte ich mir einen Weg durch die sich tummelnden Schülerscharen über den Hof, hinaus aufs Außengelände und damit zum See. Sobald ich näher kam, erkannte ich, dass Harry, Ron und Hermine sich schon am See befanden, allerdings in Gesellschaft einiger anderer Schüler. Ich konnte nicht ganz ausmachen, um wen es sich handelte und dachte, dass es vielleicht Neville oder andere Gryffindors waren, die mit uns lernen wollten. Doch beim Näherkommen sah ich, dass das nicht der Fall war. Während Ron und Hermine im Schatten des Baumes standen, befand sich Harry etwas weiter vorne, bereit gleich auf Malfoy, der vor ihm stand loszugehen. Hinter diesem stand ganz lässig grinsend Blaise Zabini.

Es war offensichtlich, dass Harry und Malfoy sich mal wieder in den Haaren lagen und langsam hatte ich das ganze wirklich satt. Ich war nun bei der Gruppe angekommen, warf meine Tasche in Richtung Hermine und quetschte mich zwischen meinen Bruder und diesen Widerling.

" Was ist denn hier los?", warf ich die verärgert klingende Frage in den Raum und warf den beiden Streithähnen jeweils einen scharfen Blick zu.

Harry ging einen Schritt auf mich zu und zog mich am Arm näher zu sich heran.

" Malfoy hatte grad nur wieder einen seiner Minderwertigkeitskomplexe und meinte sich uns gegenüber ausdrücken zu müssen." meinte Harry und behielt Draco fixiert im Blick.

Ich blickte zu Malfoy" Na wenn du dann jetzt fertig bist, kannst du ja gehen und dich woanders wie der letzte Idiot aufführen, oder?"

„Für einen Idioten hältst du mich also." murmelte Draco so leise dass ich es nicht verstehen konnte und wandte kurzzeitig sein Gesicht ab bevor er mir in die Augen sah.

" Weißt du Malfoy, es würde unglaublich helfen, wenn du dich etwas deutlicher ausdrücken würdest" erwiderte ich mit einem Grinsen in den Mundwinkeln.

Dieser wurde rot, vermutlich vor Wut und zischte „Ich sagte, dass ich mir von dreckigen Halbblütern, wie du und dein Bruder es seid, doch nichts sagen lasse."

Harry wollte gerade vorpreschen und Draco eine runterhauen, doch ich hielt ihn zurück, denn ich hatte etwas Seltsames in Malfoy´s Blick gesehen. Ich weiß es ist merkwürdig, doch ich hätte schwören können, dass es Reue war.

Hinter Draco ertönte nun auch die Stimme von Blaise „Los, komm Draco. Gehen wir bevor sich Potter noch zum Affen macht."

Damit machten sich die beiden davon und ich folgte ihnen noch mit meinen Augen, bis sie nur noch kleine Punkte in der Landschaft darstellten.

„ Cammy, kommst du nun endlich?" Hermine sah mich fragend an und zeigte auf den leeren Platz neben sich auf meiner Decke, die sie schon ausgebreitet hatte.

Ich schüttelte noch einmal benommen den Kopf und setzte mich zu den dreien.

„ Fangen wir mit Zauberkunst an?" ich hielt den fünften Band von Miranda Habicht´s Lehrbuch der Zaubersprüche in die Höhe. Allgemeines Seufzen ging durch die Runde und ich musste ein Lachen unterdrücken.

„ Wir können allerdings auch in dem super lehrreichen Buch der Theorie von Verteidigung etwas machen."

„ Oh bloß nicht!" erwiderte Ron mit einem Ausdruck des Ekels.

„ Ich bin froh, wenn ich mal nicht über diesen Wahnsinn in Pink nachdenken muss."

So entschieden wir uns also für Verwandlung und verbrachten die folgenden Minuten damit, Grashalme in Blumen zu verwandeln. Zwar beherrschte ich den Zauber, doch weil meine Gedanken aus unerfindlichen Gründen immer wieder zu Draco und seinen eigenartigen Verhaltensweisen zurückkehrten, verwandelte sich mein Grashalm in einen Lolly statt in eine Blume.

Frustriert lehnte ich mich ins Gras zurück und verschränkte die Arme hinter meinem Kopf. Die Berührungen der Sonnenstrahlen auf meinem Gesicht, glich einer sanften Liebkosung. Ich spürte, wie meine Haut die Wärme tief in sich aufnahm und speicherte. Meine Lider wurden schwer und schlossen sich wie ganz von selbst. Es gab nur die Wärme und mich, mein Körper fühlte sich schwerelos an. In meine Gedanken schob sich das Bild des Jungen, der mich unbewusst schon seit dem Frühstück beschäftigte. Sein Gesicht war etwas spitz, hatte aber durchaus recht weiche Züge an sich. Die rauchgrauen Augen blickten mich im einen Moment eiskalt an, im anderen jedoch reuevoll, fast schon beschämt. Es gehörte zweifelslos zu Draco und ich ertappte mich, wie ich in Gedanken seine Gesichtszüge nachfuhr und mich fragte, wie er wohl mit geröteten Wangen aussehen mochte. Wie es wäre, wenn er auch mal lächeln würde, wie ein ganz normaler Mensch es tut? Schlecht sah er nicht aus, das musste ich zugeben, doch…

" Cammy, wach gefälligst auf . Es gibt gleich Mittagessen." Hermines Stimme riss mich abrupt aus meinem Dämmerschlaf. Bei der Erinnerung an meine Gedankengänge die soeben unterbrochen wurden fing mein Herz an zu rasen und meine Wangen glühten wohl, denn Harry sah mich nur besorgt an

„Ist mit dir alles in Ordnung?" Naja in Anbetracht meiner momentanen geistigen Verfassung, vermutlich nicht, dachte ich und lächelte Harry an.

„ Aber natürlich, ich war heute nur bestimmt viel zu früh wach." Wir sammelten schnell noch alle Sachen ein und machten uns auf den Weg in die große Halle.

Nach dem Essen zog ich mich in den Schlafsaal zurück und schrieb einen etwas längeren Brief an Sirius, in dem ich mich über die Prüfungen, Umbridge und das Verhalten von Dumbledore gegenüber Harry ausließ. Als ich fertig war, wollte ich ihn auch gleich abschicken und ging zur Eulerei.

Mein kleiner Waldkauz saß mit dem Kopf im Gefieder in einer dunkeln Ecke auf der Stange und schien zu schlafen. Ich überlegte wieder umzudrehen, doch entschied mich dann dagegen. Harlow hob auch schon den Kopf sobald ich näher herantrat, erhob sich in die Luft und setzte sich auf meine Schulter. Ich streichelte sie mit einem Finger am Hals, was diese mit einem Schuhuen quittierte.

" Hallo meine hübsche. Bist du bereit einen Brief für mich auszufliegen?"

Als sie mir bestätigend am Kinn knabberte musste ich kichern. Es war kaum zu glauben, dass sie auch ganze Pakete fliegen konnte. Sie war so groß wie meine zwei Hände und ihr Gefieder hatte die Farbe von reinem Grau. Ihre Augen sahen aus wie flüssiges Gold und man hatte das Gefühl, sie wären unendlich. Ich ließ sie noch einige Augenblicke meine Streicheleinheiten genießen bevor ich ihr einen Eulenkeks und anschließend den Brief für Sirius gab. Da flog sie auch schon los und war schneller verschwunden als ich gucken konnte. In meiner Hand hielt ich eine winzige Feder, die locker in ihrem Gefieder gesessen hatte. Ich betrachtete sie eingehender und der erste Gedanke, den ich bei dem Anblick fasste, waren die unglaublich grauen Augen von Draco Malfoy. Ich verpasste mir innerlich eine Ohrfeige. Ging das schon wieder los? Was stimmte nur nicht mit mir? Wenn das weiter so gehen würde, beschloss ich, müsste ich mich wohl einmal bei Madam Pomfrey durchchecken lassen.