Und hier kommt schon die Fortsetzung:
Urû'baen
Arya erwachte durch einen plötzlichen Ruck, der durch ihren Körper fuhr. Unter sich spürte sie etwas Hartes, Steine. War sie gerade auf den Boden gefallen? Wo war sie? Ihr Kopf dröhnte, alles drehte sich und orientierungslos versuchte sie ihre Hand zu heben und sich aufzurichten. Ihre Hände bewegten sich nicht. Einen Augenblick später bemerkte sie, dass ihre Arme hinter ihrem Rücken gefesselt waren.
Erschrocken sah sie sich um und erstarrte. Durza.
Dieser lächelte eisig. „Willkommen in Urû'baen, Elfe."
Was war geschehen? Arya konnte sich nur noch daran erinnern, dass Shantír gestiegen war und dann war da dieser Blitz gewesen. Es war ein Hinterhalt gewesen, sie hatte nichts bemerkt und ausgerechnet Durza, der Schatten des Königs… Galbatorix, dachte sie panisch, ich bin in Urû'baen.
Der Schatten zerrte sie hoch und stieß sie vorwärts, eine Hand an ihren gefesselten Händen, die andere in ihr Haar gekrallt. Sie versuchte nach ihm zu treten und seine Hände loszuwerden, doch es war zwecklos. Er stieß sie durch mehrere Innenhöfe, die allesamt menschenleer waren, bis auf ein paar Diener, die allerdings sofort verschwanden, als sie den Schatten erblickten.
Arya versuchte unterdessen sich selbst zu beruhigen und zu disziplinieren; sie durfte keine Schwäche zeigen, nichts verraten über ihr Volk, die Lage der Städte, ihre eigene Herkunft, die Varden… Und wenn der König sich die Informationen einfach gegen ihren Willen holte? Ich kann nicht einmal Magie wirken! dachte sie verzweifelt. Es geht zu schnell, keine Zeit mich vorzubereiten!
Sie blickte nach vorne. Vor ihr erhob sich ein großes dunkles Gebäude. Einst, in Ellesméra hatte sie ein Bild davon gesehen, früher war es einmal ein heller Marmorbau gewesen, der Versammlungsort der Drachenreiter, heute befand sich darin der Thronsaal…
Soldaten öffneten eiligst die Torflügel und Durza stieß Arya hinein. Das Innere des Thronsaals bestand aus einem einzigen runden Raum, in dessen Mitte sich ein Podest erhob. Darauf befanden sich die verschiedensten Möbelstücke, Truhen, Regalen mit fremdartigen Instrumenten und anderen Materialien, Stühlen und mehrere Tische, auf einem war noch reichlich Essen, auf den anderen stapelten sich Papiere. In einem thronähnlichen Sessel saß der König mit einem Weinglas in der einen und einem alt aussehenden Schriftstück in der anderen Hand.
Galbatorix beobachte äußerlich nahezu unbewegt wie der Schatten und seine Gefangene sich ihm näherten. In Durzas Gesichtszügen las er Triumph und gleichzeitig Furcht, die Elfe hielt ihre Emotionen besser unter Kontrolle, sie zeigte in keiner Weise was sie dachte. Innerlich triumphierend sah er zu, wie sie, trotz Gegenwehr, vor seinen Thron gezerrt wurde. Gefesselt, von einem Schatten überwältigt, ihrer Magie beraubt, ihm selbst hilflos ausgeliefert; wie demütigend musste das für eine dieser stolzen Elfen sein! Seit der letzten Drachenreiter von seiner Hand gestorben war, hatte er nie wieder einen Elfen erblickt.
Galbatorix erhob sich. Er verbeugte sich spöttisch, führte dann, zur großen Verwunderung der Elfe, die Fingerspitzen zu den Lippen und sagte: „Atra Esterní ono thelduin". Sie hörte auf, gegen Durzas Griff anzukämpfen, so verblüfft war sie ausgerechnet hier und ausgerechnet von ihm diese Begrüßung zu hören. Sie gab keine Antwort.
„Mir scheint, die Höflichkeit der Elfen hat nachgelassen", meinte er amüsiert.
Sie hisste nur knapp: „Zu Verrätern ist man nicht höflich", woraufhin der Schatten ihr einen Stoß in die Rippen versetzte, der sie aufkeuchen ließ.
Galbatorix schüttelte den Kopf, „Na, na, Elfe. Ich denke in nicht allzu langer Zeit wirst du selbst einiges verraten haben."
Der Stolz gebot ihr ein „Niemals" zu zischen, doch er sah, dass sie selbst nicht wirklich daran glaubte.
Ein Elf eilt durch Ellesméra zur Tialdarí-Halle. Er hatte keinen Blick für die fröhlichen Elfen oder die prachtvolle Natur um ihn herum. Mit dem Hinweis auf eine äußerst wichtige Nachricht bat er um ein Gespräch mit der Königin. Nachdem sie die Begrüßungsformeln ausgetauscht hatten, versuchte er seiner Befürchtung Gestalt zu geben.
„Meine Königin, ich fürchte, dass eine Katastrophe geschehen ist." Auf einen auffordernden Blick Islanzadis berichtete er besorgt weiter. „Wie Ihr sicher wisst ist unsere Botschafterin - Arya - vor einer Woche in Osilon angekommen, danach wollte sie hierher, nach Ellesméra, weiterreisen. Sie…", er zögerte, „sie hätte eigentlich schon gestern früh hier ankommen sollen. Ich dachte zuerst, dass sie vielleicht etwas aufgehalten hat, oder dass sie später aufgebrochen ist… aber man versicherte mir, dass sie Osilon plangemäß verlassen hat. Nun befürchte ich… sie muss in einen Hinterhalt geraten sein… Ich habe einen Boten losgeschickt, er soll die Strecke überprüfen und nach Hinweisen jeder Art Ausschau halten, aber er wird frühestens in zwei Tagen wieder hier sein"
Islanzadi sackte auf einem Stuhl zusammen. „Konntet du sie irgendwie orten? Das Yawë oder…"
„Ich bin nicht sicher, das funktioniert nur ganz ungefähr… aber von der Richtung und Intensität würde ich sagen…", er zögerte und blickte unsicher auf seine Königin, „…Urû'baen."
