Kapitel 1
Sirius hatte in einer Tour vor sich hin gemurmelt und gegrummelt, böse Worte für James gefunden und angefangen, das Büro in Kleinholz zu verwandeln. Stöhnend öffnete sie die Wohnungstür, in der Hoffnung, dass er dort sein würde. Sie zückte ihren Zauberstab und räusperte sich. „Hallo?", die Badezimmertür wurde geöffnet und er sah vorsichtig um die Ecke. Sie schloss die Wohnungstür und verriegelte sie schnell. „Du bist hier."
„J – ja.", machte er. „Ich war nur schnell duschen.", seine Hände zitterten und sein Atem ging ganz schwer. Sie legte ihre Tasche zur Seite, ihren Zauberstab hielt sie weiterhin fest. „Hast du irgendwem gesagt, dass ich hier bin?"
„Nein."
„Stehen sie alle draußen und streiten, wer mir zuerst alle Knochen brechen darf?"
„Nein.", wiederholte sie.
„U – und... Und du glaubst mir?", flüsterte er nur noch unsicher, woraufhin sie stöhnte und nickte.
„Ja, James, bitte hör auf.", bat sie. „Komm schon, du musst mir auch vertrauen, wenn ich dir vertraue!", maulte sie dann. Er nickte nun ebenfalls, wirkte aber dabei reichlich niedergeschlagen.
„Uhm... Danke.", murmelte er.
„Wann hast du das letzte Mal etwas richtiges gegessen?", fragte sie ihn besorgt.
„Uh...", machte er. „Keine Ahnung, weiß nicht mehr.", sie seufzte leise, dann steckte sie den Zauberstab endlich weg. „Ich kann nicht hier bleiben.", meinte er.
„Was hast du also vor?", fragte sie ihn unsicher.
„Weiß nicht.", sagte er wieder. „Keine Ahnung. Ich... Ich weiß nicht. Ich muss irgendwie beweisen, dass ich unschuldig bin.", er setzte sich an den Küchentisch und fuhr durch seine Haare. „Wie, weiß ich nicht...", murmelte er.
„Okay.", murmelte sie unsicher zurück. „Also – also, dann – ich weiß nicht, James, du machst den Plan normalerweise.", erinnerte sie ihn. Er zuckte mit seinen Schultern und stöhnte wieder leise, unfähig dazu, zu sprechen. „Komm schon, du musst dich konzentrieren, okay? Wir können wir deine Unschuld beweisen?", er seufzte.
„Keine Ahnung, dafür müsste ich eine Falle stellen und warten, bis sie sich outen.", meinte er nachdenklich.
„Du kannst unmöglich alleine-", flüsterte sie erschrocken. „James, du bist nur 'ein' Mann!", er verdrehte seine Augen über das, sodass sie sich direkt neben ihn setzte und seine Hand ergriff. „Ich weiß, dass du kein normaler Mann bist, aber trotzdem nur einer! Um so eine Falle zu stellen bräuchte man – ein – ein ganzes Team James Potters, okay! Das ist schrecklich gefährlich, dir kann wer weiß was passieren, wenn du es völlig alleine mit denen aufnimmst!", er betrachtete ihre ineinander verschlungenen Hände einen Moment bitter, dann zog er seine zurück.
„Nun, das Team meiner Wahl versucht gerade, mich umzubringen.", erwiderte er niedergeschlagen. Sie hatte keine Ahnung, wie James sich ohne Sirius fühlen musste. „Sirius ist – er ist geblendet von seinem Zorn, er denkt, ich hätte ihn verraten und wenn er mich sieht, wird er mich ohne ein Wort umbringen.", fügte er irgendwann hinzu.
„Ich könnte dir helfen.", warf sie ein.
„Dann werden sie dich auch jagen.", erwiderte er. „Das – das kann ich nicht zulassen.", sie stöhnte. „Ich weiß, du bist Auror, Lily, aber meine Ausbildung ging erst richtig los-", es klopfte ein paar Mal heftig gegen die Tür.
„Evans!", rief Sirius. „Evans, ich weiß, dass du da bist!", James sah auf und erstarrte mitten im Satz.
„Geh in mein Schlafzimmer!", verlangte sie leise.
„Ich-", stöhnte James. „Er wird mich töten!"
„Nein, James, geh in mein Schlafzimmer und bleib dort, ich werde ihn los.", versprach sie. „Geh schon, geh schon!", er stand auf und stolperte ein wenig hilflos in das Schlafzimmer. Sie sprang ebenfalls auf, allerdings öffnete sie die Tür nur einen Spalt „Was willst du, Sirius?", fragte sie. Er stieß die Tür weiter auf, sodass sie zurück stolperte.
„Wo ist er?", fragte er aufgebracht.
„Wer?", hinter ihm kam Daniel in die Wohnung gestürmt. „Was wollt ihr hier?"
„Potter, die hässliche kleine Made, er ist nicht in unsere Wohnung gekommen, ich wette, er war hier!", ärgerte er sich.
„Er war nicht-", begann sie zu lügen, in diesem Moment stürzte James aus dem Schlafzimmer und warf Daniel um. Sie hatte doch deutlich gesagt, dass sie ihn los werden wollte, wieso machte er das? „James!"
„Verräter!", ehe sie reagieren konnte, hatte Sirius seinen Zauberstab gezogen. „Evans, wie konntest du!?", ehe er James angreifen konnte, schlug sie mit ihrer Faust gegen Sirius Kinn. Er erstarrte, dann verzog er sein Gesicht. Als nächstes prügelte sie sich mit Sirius Black, obwohl sie so lächerlich unterlegen war. Innerhalb einer halben Sekunde war sie in seiner Gewalt, aber da hörte sie aus James' Richtung ein hässliches Geräusch, sie wusste, er hatte gerade Daniels Genick gebrochen. Sirius und sie sahen beide zu ihm, da traf seine Faust Sirius' Nase so heftig, dass der seine Augen nach innen drehte und zusammen sackte.
„James!", rief sie aus, stürzte aber nur zu Daniel und stöhnte. „Nein, nein, nein! Du hast ihn umgebracht!", schimpfte sie. Er fuhr durch seine Haare, dann fühlte er Sirius' Puls am Hals.
„Der ist nur kurz ausgeschaltet, wir müssen gehen.", drängte er sie. „Wenn – Lily?"
„Du hast ihn umgebracht!", heulte sie auf. Er stöhnte wieder. „D – du – du hast-", er griff an ihre Schultern.
„Lily, ich weiß, du bist Auror, aber meine Ausbildung hat erst richtig angefangen, als deine fertig war, okay! Alles, was ich tue, alles was ich weiß, habe ich vom Ministerium gelernt!", erklärte er ihr ungeduldig.
„Glaubst du, das hat deine Situation jetzt besser gemacht?", fuhr sie ihn aufgebracht an.
„Ich weiß, dass es das nicht besser gemacht hat!", maulte er. „Sieh mal, du magst vielleicht Auror sein, aber ich bin 'Special Agent Potter', okay, das war nicht der erste Mann, den ich umgebracht habe und auch nicht der erste unserer Männer!", sie fuhr über ihr Gesicht und schluchzte auf.
„Was?", rief sie aus. „D – das soll mich jetzt beruhigen?", heulte sie.
„Er war der erste, der unschuldig war.", gab er zu. „Okay, okay, Lily, es tut mir Leid! Wenn wir nicht noch mehr Ärger haben wollen, dann müssen wir jetzt los! Jetzt!", sie nickte benommen, ihre Zähne klapperten ein bisschen. „H – hast du irgendwelche Wertsachen hier? Irgendetwas? Wir haben keine Chance, in Gringotts einzubrechen oder so!", sie rappelte sich auf, stürzte in das Badezimmer und leerte einfach ihre Schmuckschatulle aus, um die teuersten Stücke in ihre Hosentaschen zu stopfen. „Jetzt, Lily!"
Er griff an ihre Hand und zog sie aus ihrer Wohnung. „Mein Zauberstab!", rief sie aus.
„Hast du sonst alles, komm schon!", sie griff in letzter Sekunde nach ihrer Handtasche und folgte ihm.
Sie saßen frierend unter einer Brücke. „Wieso tust du das?", fragte sie zittrig. Er schnitt mit einem großen Messer in seinem Handgelenk herum.
„Uh – man hat mir einen kleinen... Sirius und ich haben es erfunden, weißt du, es sind kleine Stäbchen, wir haben sie verzaubert und in das Handgelenk des anderen gepflanzt.", er verzog sein Gesicht ein bisschen. „Damit wir wissen, wo der andere ist.", tatsächlich holte er ein kleines, grünes Stäbchen hervor, biss auf seine Unterlippe und zerbrach es dann einfach. Die einzelnen Stücke rauchten kurz, dann brannten sie zu Asche nieder. Er seufzte. „Hier können wir eine Weile bleiben, er wird nicht her kommen, wenn ich das Ding hier zerbreche. Er weiß, dass ich fort bin.", stöhnend lehnte James sich zurück und fuhr über sein Gesicht.
Mitleid überkam sie wieder. „Lass mich das mal sehen...", flüsterte sie letztendlich und griff nach seinem nun verwundeten Arm. Er reagierte kaum, als sie ein Taschentuch zog und seinen Arm abtupfte. „Denkst du-"
„Ich will gerade nicht denken.", flüsterte er bitter.
„Aber-"
„Gib mir einfach eine kurze Pause, Lily!", verlangte er wütend. „Ich habe gerade mein ganzes Leben und alles, was mir wichtig ist und alle meine Freunde verloren, okay? Gib mir einfach eine Sekunde!", sie ließ sein Handgelenk augenblicklich los und lehnte sich ebenfalls zurück. Sie schwiegen eine ganze Weile, bis sie sich wieder wagte, zu ihm zu sehen. Er atmete schwer und da waren lauter Tränen die über seine Wangen liefen.
„Hey, komm schon... Wir finden eine Lösung.", murmelte sie tröstend.
„Nein, es ist – es ist vorbei.", stöhnte er trostlos. „Es ist vorbei. Er wird mich finden, dieser Mann kennt mich besser als jeder andere auf dieser Welt, er kennt mich besser, als ich mich selber kenne!", sie tätschelte seinen Oberarm ein wenig.
„Dann ist es klüger, wenn ich den Plan mache.", schlug sie vor. „Du weißt schon, mich kennt er nicht so gut.", erinnerte sie ihn dann, woraufhin er schniefte und über sein Gesicht. „Komm schon, James, ich lasse mir etwas einfallen, okay? Versprochen...", er seufzte schwer.
„Sirius wird... Er wird mich finden und mit bloßen Händen erwürgen...", mehr Tränen rannen über seine Wangen.
„Er wird uns vorerst nicht finden, okay?", versprach sie.
„Und – uhm...Wie ist dein Plan?", fragte er letztendlich unsicher.
„Lass mich überlegen.", flüsterte sie nachdenklich. „Uhm... Weißt du noch irgendetwas?", er zuckte mit seinen Schultern. „Hast du vielleicht irgendwen erkannt, bevor die Erinnerung aufhört?", er stöhnte verzweifelt.
„Die trugen alle Masken, Lily..."
„Versuch, dich zu erinnern.", verlangte sie. „Irgendetwas, was sie verraten könnte?", er runzelte seine Stirn, während er nachdachte, sodass sie stöhnte. „Mach schon, James, irgendetwas!", verlangte sie.
„Uh – der eine hat zwei kleine, aneinander gekettete Schlagstöcke benutzt.", sie stöhnte.
„McNair.", er hob seine Augenbrauen, da griff sie ihre Haare zusammen, um ihm ihren Nacken zu zeigen. „Vor zwei Wochen habe ich mit mich mit ihm gerauft, da hat er sie raus geholt.", er fuhr mit seinen Fingern den Bluterguss nach, den sie hatte. „Offenbar sind das seine neuen Spielzeuge, es war spannend, er trainiert noch, das hier war ein Glückstreffer, ich bin bewusstlos geworden, aber-", sie räusperte sich verlegen.
„Aber?"
„Aber Jeff hat mich gerettet.", flüsterte sie betreten. „Glaubst du – uh – glaubst du, Jeff war ein Verräter?", fragte sie. Er schnalzte mit seiner Zunge.
„Ich hoffe nicht.", meinte er.
„Und – nein, das wäre unsinnig. Wieso würde er mich retten, wenn er einer der Bösen war?", fragte sie höher, als beabsichtigt.
„Uh – er stand auf dich.", sagte er da einfach so, als wäre das eine offensichtliche Tatsache. „Jeder wusste das, er hat dich im Pausenraum manchmal beobachtet, wenn du geschlafen hast.", sie fühlte, wie ihr Gesicht heiß wurde.
„Was?", fragte sie schrill. „Was – machst – machst du Witze mit mir?", fragte sie aufgebracht.
„Uh-", begann er, dabei wurde er selber ein wenig rot. „Ich hatte natürlich ein paar – nun, ich habe mit ihm geredet, ihn abgemahnt, aber er war so verliebt in dich, ich glaube nicht, dass ich ihn immer erwischt habe.", er zuckte mit seinen Schultern. „Ich habe es natürlich versucht..."
„Er hat – er hat mich – was meinst du damit?", hakte sie noch einmal nach.
„Ich meine damit, er hat dich beobachtet, wenn du geschlafen hast, es – ich schwöre, ich hätte es gemeldet, wenn es nicht harmlos gewesen wäre, okay? Ich meine, er hat dich nie angefasst!", beteuerte er.
„Wie beruhigend, danke.", maulte sie.
„Du weißt doch, dass ich nicht zulassen würde, dass dir jemand weh tut, oder?", fragte er. „Ich meine, du vertraust mir doch, oder? Wir sind hier unter dieser Brücke und du hast dich gerade schuldig gemacht, Sirius ausgeknockt und mir geholfen, was denkst du, was wir hier machen, wenn du mir gar nicht vertraust?", sie verdrehte ihre Augen ein bisschen über ihn.
„Uh-", machte sie. „Doch. Doch, sicher...", flüsterte sie letztendlich. „Doch, ich weiß, dass ich dir trauen kann.", er seufzte tief als eine Antwort auf diese unsichere Aussage. „Niemand weiß besser, dass ich dir trauen kann...", sagte sie ernster.
„Okay.", murmelte sie. Einen Moment sahen sie sich einfach nur an, aber dann räusperte sie sich beherzt. „Also – also wir versuchen es über McNair?", er nickte sofort und sah wieder von ihr weg, woraufhin sie ebenfalls nickte.
„Okay, was ist der Plan?", hakte er nach.
„Nun, zu unseren Leuten kannst du nicht, dann wirst du zu den anderen gehen.", er starrte sie ungläubig an. „Was? Du musst! Tue so, als wärst du wirklich ein Überläufer, unsere Leute haben dich verraten, demnach verrätst du sie nun ebenfalls. Du hast Informationen und demnach ein gutes Druckmittel. Wir stellen ihnen eine Falle und – und stellen deinen guten Namen wieder her.", war ihr Plan. Er stöhnte.
„Das ist dein Plan?", fragte er.
„Uh – tja, er ist noch ein bisschen unausgereift-", begann sie unsicher, aber er schüttelte nur seinen Kopf.
„Evans, lass uns einfach – gib mir einfach... Lass mich ein bisschen schlafen, okay? Ich bin seit über dreiundvierzig Stunden wach, wenn ich mich nicht ein bisschen ausruhe, werde ich durchdrehen.", warnte er sie. Sie seufzte tief, nickte aber langsam, dann tätschelte sie seine Schulter.
„Okay, dann... Du ruhst dich aus und ich stehe Wache, okay?", er nickte und küsste ihre Haare einfach so, völlig unvorhergesehen. Verlegen räusperte sie sich. „Wofür war das?"
„Du bist alles, was ich gerade habe.", flüsterte er bitter. Mit einem Mal lagen seine Arme um ihre Schultern und er drückte sie fest an sich. „Okay? Du bist – du bist gerade die einzige Seele auf dieser Welt, die noch an mich glaubt. Ich will – keine Ahnung, ich will nur, dass du sicher bist...", stöhnte er in ihr Ohr. „Ich hätte niemals zugelassen, dass er dir irgendetwas tut...", versprach er noch leise.
Plötzlich durchströmte sie ein warmes Prickeln. „Ja, weiß ich.", murmelte sie lächelnd, dabei griff sie nach seiner Hand und drückte sie ein wenig. „Schlaf ein wenig, Jamie, ich bleibe wach.", versprach sie.
„Sirius hat mir den Rücken gekehrt. Jeff ist tot. Alles, was ich noch habe, ist das Mädchen, das mich hasst und es hasst, mit mir arbeiten zu müssen.", flüsterte er, aber dabei lehnte er seinen Kopf gegen ihren. „Das muss schrecklich für dich sein. Ich meine, der Gedanke an sich... Ausgerechnet mit mir auf der Flucht zu sein, ich habe dich in schreckliche Schwierigkeiten gebracht. Ausgerechnet Potter..."
„James, du redest wirr, wir sind Partner, wir stellen das alles richtig und... Bitte, schlaf ein bisschen, okay?", er nickte ein bisschen benommen, danach wusste sie, dass er einschlief.
Als sie aufwachte, fühlte sie als erstes die beißende Kälte und ihren zitternden, kalten Körper. Da waren Hände um ihren Körper geschlungen und jemand drückte sie fest an sich. „Mh-", machte sie. „Wo bin ich?", nachdem sie gesprochen hatte, kehrte ihre Erinnerung zurück. „James?"
„Alles klar?", fragte er sie besorgt. „Du zitterst wie verrückt..."
„Es tut mir Leid, ich – ich muss eingeschlafen sein, das war keine Absicht!", stöhnte sie. Er streichelte zärtlich durch ihre Haare.
„Schon gut, Liebes.", flüsterte er.
„Ich wollte wach bleiben, es tut mir so Leid! So bescheuert! Wir werden-", er drückte sie fester an sich und küsste ihre Schläfe wieder.
„Schon gut, Lily.", beteuerte er. „Ist alles okay? Geht es dir gut?", fragte er als nächstes noch einmal.
„Mir ist kalt.", gab sie das Offensichtliche zu und rückte näher zu ihm. „Wieso zitterst du nicht?", es war dunkel, als sie ihre Augen öffnete und ihr Atem ging in schwachem Rauch auf.
„Uh – ich bin etwa – uhm... Tja, ich bin etwa die doppelte Masse.", seine Umarmung wurde fester. „Ganz schön kalt, nicht wahr? Wir hätten uns einen anderen Tag aussuchen sollen, um fort zu laufen.", sie nickte schweigend. „Okay, also, willst du weiter?", einen Moment musste sie überlegen, was er meinte, aber dann nickte sie hastig.
„Ja, unbedingt!", stöhnte sie. „Wir müssen weiter, sonst werden wir erfrieren.", er nickte und küsste ihre Stirn leicht, dann zog er seine Arme zurück. Sie sprang sofort auf, ihre Knochen schmerzten verrückt, ihr Atem ging sofort schwer. „Wohin?"
„Keine Ahnung. Hotel? Oder – oder so etwas? Du musst deine Haare ändern und... Und ich vielleicht auch.", er seufzte tief.
„Was stellst du dir vor?", fragte sie.
„Irgendetwas, was Sirius nicht so einfach erkennt.", murmelte er. „Blond, vielleicht.", fügte er hinzu. „Wie viel Geld hast du dabei?", hakte er nach, während auch er auf seine Beine kam. Stöhnend rieb sie über ihre Arme, dann zückte sie ihre Geldbörse.
„Uh – zehn Pfund und ein paar Galleonen, nichts, was uns lange über Wasser halten wird.", er zog seine Jacke aus und legte sie über ihre Schultern.
„Das reicht, um dieses – uh – Muggel-Zeug für unsere Haare zu kaufen, danach sehen wir weiter...", murmelte er. „Alles okay? Deine Lippen sind blau.", informierte er sie.
„Mir ist kalt.", stöhnte sie. „Ich glaube, meine Finger sind gefroren.", er griff nach ihrer Hand und rieb ihre Finger mit seinen eigenen.
„Wir müssen gehen, Evans.", flüsterte er plötzlich. „Sirius hat mich nirgendwo gefunden – er ist gerade hier aufgetaucht.", sie drehte sich um, nur um zu sehen, wie Sirius sich von der anderen Seite der Brücke abseilte. „Halt dich fest, ich appariere!", warnte er sie.
„Du apparierst nicht, wir haben eine Sperre veranlasst.", sagte Sirius laut. Es hallte ein wenig unter der Brücke.
„Du kommst alleine?", fragte James schwer atmend nach.
„Ihr habt meinen neuen Partner umgebracht.", knurrte er zurück. „Ein Grund mehr, euch einzusperren. Evans, ich habe mehr von dir erwartet. Ich wusste schon im Büro, dass du mit ihm gesprochen hast.", sagte er kopfschüttelnd. „Mega-schlecht gelogen.", sie stöhnte.
„Sirius, hör ihn doch wenigstens an.", bat sie zittrig.
„Verräter verdienen keine zweite Chance!", sagte er wütend. „Verräter verdienen es nicht, angehört zu werden! Verräter verdienen es nicht-", er zückte seinen Zauberstab. „-zu-"
„Sirius nicht!", rief Lily aus.
„Lauf!", brüllte James in diesem Moment. Sie konnte kaum reagieren im ersten Moment, so laut war er geworden, Sirius selber drehte sich um, weil James hinter ihn geschrien hatte, als hätte dort jemand gestanden, aber er griff nur nach ihrer Hand und zog sie mit sich.
„Nein!", schrie Sirius. Als sie sich nach ihm umdrehte, hatte er sich in den großen, schwarzen Hund verwandelt und hechtete ihnen hinterher.
„Lauf, Lily, bleib bloß nicht stehen!", rief James ihr im laufen zu. Sie beschleunigte ein bisschen, ihr Atem wurde schneller. Nun, als Auror war man in guter Kondition, aber wenn sie sich damit geschmeichelt hatte, schämte sie sich in Grund und Boden neben 'Special Agent Potter', der im wahrsten Sinne des Wortes um sein Leben rannte. Hätte er sie nicht an der Hand gehalten, dann hätte sie auch niemals mit ihm mithalten können, dieser Mann war eine Maschine, ehrlich!
„Wir – können-", rief sie außer Atem. „Nicht – ewig – James!", er hatte sie los gelassen.
„Luft holen!", wies er sie an, dann sprang er einfach so in die Themse. Lily verzog ihr Gesicht, so toll war es nicht in der Themse, trotzdem gehorchte sie ihm und sprang ihm hinterher. Das kalte Wasser brachte sie fast um, aber ihr Körper war bereits herunter gekühlt und die Luft außerhalb des Wassers war mittlerweile kälter, als das Wasser selber, sodass sie sich gerade so zusammen reißen konnte. Glücklich, dass er unter Wasser ihre Hand griff und sie leitete, kniff sie ihre Augen einfach zusammen und ließ sich von ihm ziehen, bis er hoch kam. Beide schnappten nach Luft. „Da!", tatsächlich war Sirius ihnen nicht ins Wasser gefolgt.
„Woher wusstest du, dass er nicht springen wird?", fragte sie prustend.
„Er kann nicht schwimmen.", erwiderte James nur. Ein trauriger Blick zu seinem besten Freund folgte, sodass sie sofort wieder Mitleid für ihn empfand, dann drehte er sich um und begann zu schwimmen, Lily folgte ihm.
„Was ist jetzt der Plan?", fragte sie laut.
„Keine Ahnung, wir schwimmen eine Weile.", erwiderte er.
„Das Wasser ist viel zu kalt!", gab sie zurück.
„Schwimmen macht aber meinen Kopf frei, wir haben keine andere Lösung und werden vermutlich immer noch irgendwie verfolgt, okay? Wir schwimmen so lange, bis mir etwas einfällt.", knurrte er.
Zu Lilys Bedauern fiel ihm eine ganze Weile nichts ein und sie war völlig unterkühlt, als er ihr letztendlich bedeutete, ans Ufer zu schwimmen. „W – was?", fragte sie zähneklappernd. „Hier?"
„Ich kenne mich hier ein bisschen aus.", gab er zurück, während sie an Land kletterten. „Du hast gesagt, du vertraust mir, richtig?", sie konnte kaum noch nicken, aber ihr Zittern schien ihn zu beruhigen. Vielleicht missinterpretierte er ihr Zittern auch als Nicken, da war sie sich nicht so sicher. „Hast du deinen Zauberstab und deine Handtasche?", sie schnaubte. „Uh – nein, keine Handtasche. Hast du deine Geldbörse?", darauf nickte sie. „Okay, also nur noch ein Zauberstab, keine Wertsachen mehr, nur die Geldbörse.", er stöhnte. „Wo ist deine Handtasche? Wieso hast du deine Handtasche nicht mehr?", rief er aus.
„Du bist in den Fluss gesprungen!", schoss sie zurück.
„Aber doch nur um – so ein Scheißdreck!", fluchte James darauf nur und fuhr durch seine nassen, wirren Haare. „Okay, okay, also... Also gut, wir gehen!", er griff wieder nach ihrer Hand und zog sie mit.
„James, ich brauche eine Pause!", stöhnte sie. „Mist, es tut mir Leid, ich kann nicht mehr, gib mir nur einen Moment!", er hielt inne, um sich zu ihr umzudrehen.
„Lily, gleich hier um die Ecke ist eine kleine Wohnung von der Sirius nichts weiß, okay, wir gehen dort hin, dann kannst du heiß duschen und etwas essen und vielleicht noch ein bisschen schlafen, wir überlegen dann weiter.", versprach er. „Jetzt müssen wir in Bewegung bleiben, sonst erfrieren wir, ehe wir dort angekommen sind.", sie ließ zu, dass er sie wieder weiter zog.
Sie kam aus dem Badezimmer, da hatte er sich gerade in das kleine Bett gelegt. „Uh – wo sind wir?", fragte sie unsicher, während sie näher kam. Er seufzte tief mit geschlossenen Augen.
„Wir sind in einer Wohnung des Ministeriums. Hier habe ich während meines Trainings gewohnt. Niemand außer mir kennt diese Adresse, sodass Sirius uns nicht finden würde, wenn er direkt davor stünde.", erklärte er tonlos. „Hier sind wir sicher, zumindest für jetzt.", sie setzte sich auf das Bett. „Ist dir wieder wärmer?"
„Meine Finger sind noch recht kühl, aber... Aber ansonsten geht es wieder.", murmelte sie.
„Gut.", hörte sie darauf nur zurück. Endlich öffnete er seine Augen, um sie anzusehen. Sie trug ein weites, graues Shirt, das sie im Schrank gefunden hatte, ihr Höschen hatte sie nur rasch ausgewaschen und mit seinem Zauberstab getrocknet. „Gut, also – also was ist jetzt der Plan?", fragte sie.
„Weiß nicht.", machte er. „Ich habe noch keinen Plan.", sie nickte verstehend. „Willst du dich nicht hinlegen?"
„Ich – ich dachte, vielleicht soll ich es noch einmal mit 'Wache stehen' versuchen...", flüsterte sie verlegen. Er schnalzte mit seiner Zunge, schüttelte aber den Kopf.
„Nein, wir sind sicher, keiner muss wach bleiben.", meinte er recht einfach. „Komm, leg dich ein bisschen hin und ruhe dich aus.", forderte er sie auf. Unsicher legte sie ihren Kopf neben seinen auf das Kopfkissen und sah in der Dunkelheit gegen die Decke. Er stöhnte ungeduldig, dann zog er die Bettdecke unter ihrem Körper hervor und legte sie über ihren Körper. „Ich werde dich schon nicht anfallen, okay?", maulte er.
„Ich weiß, ich – ich schlafe nur normalerweise allein.", flüsterte sie verlegen.
„Was, du hast seit Gideon niemanden mehr in deinem Bett gehabt?", fragte er ungläubig.
„Das geht dich wirklich nichts an.", murmelte sie.
„Ich habe nie verstanden, warum es nicht funktioniert hat. Ich meine, was hatte er nicht, was du gebraucht hättest?", fragte er. Sie zuckte mit ihren Schultern. „Komm schon, dahinter steckt doch irgendetwas. Sag schon...", wies er sie an. „Ihr wart doch so verliebt..."
„Ja, das schon, aber es ist wie du gesagt hast: Als die Verliebtheit verflog, da fehlte ihm etwas, was für mich unentbehrlich ist.", gab sie zurück.
„Und das war?", bohrte er.
„Ich weiß es nicht.", antwortete sie. „Aber egal was es war, er hatte es nicht.", er schnaubte darauf nur ungläubig und drehte ihr den Rücken zu. Eine Weile sprachen sie nicht, aber letztendlich holte sie tief Luft. „Ich hasse dich übrigens nicht."
„Nicht?", fragte er beinahe belanglos nach.
„Nein.", bestätigte sie. „Und ich hasse es auch nicht, mit dir zu arbeiten, ganz im Gegenteil, du bist ein sehr angenehmer Team-Partner. Keine sexuellen Übergriffe und du hast mich nie versucht zu töten, so wie Sirius zum Beispiel.", er schnaubte halb amüsiert.
„Sehr schmeichelhaft, ich muss schon sagen.", gab er trocken zurück.
„Wieso hat mir nie jemand gesagt, dass Jeff mich beobachtet?", fragte sie nachdenklich.
„Uh-", machte er wie immer. „Ich für meinen Teil habe das erstens nicht für nötig gehalten, weil er nie dabei erwischt wurde, wie er dich angefasst hat und zweitens wollte ich dich nicht beunruhigen. ...immerhin bist du mit ihm zusammen in meinem Team gewesen und...", er zuckte mit seinen Schultern. „Und ich nahm an, du würdest das nicht so locker sehen."
„Du für deinen Teil?", fragte sie.
„Uh – uhm, ja, Gideon und ich waren da unterschiedlicher Meinungen.", gab er zu.
„Schockierend.", machte sie trocken.
„Er und Jeff hatten öfters Auseinandersetzungen darüber und er ist auch ein paar Mal handgreiflich geworden.", das erklärte die kühle Stimmung zwischen Gideon und Jeff.
„Du hättest mich in ein anderes Team stecken können.", schlug sie vor. „Andere Arbeitszeiten, sodass er keine Möglichkeit mehr hat, mich anzugucken, wenn ich schlafe.", darauf zuckte er mit seinen Schultern.
„Das war keine Option."
„Wieso nicht?", hakte sie neugierig nach.
„Weil ich dich in meinem Team haben wollte. Du bist cool und wir beide waren schon immer ein gutes Team, auch wenn das hauptsächlich daran liegt, dass du der Meinung bist, niemand außer dir selber darf mir körperliche Schmerzen zufügen.", sie kicherte urplötzlich gegen ihren Willen. Neben sich hörte sie ihn leise glucksen. „Weißt du, dieses Geräusch vermisse ich am meisten.", gab er zu.
„Wieso?", fragte sie.
„Weil es einfach nicht mehr so viel zu lachen gibt. Ich meine, klar, wir waren nie Freunde, aber in Hogwarts konnte ich dich trotz allem immer irgendwie zum Lachen bringen. ...ich vermisse es, für dich den Clown zu spielen, weil ich das Geräusch vermisse, wenn du lachst.", erwiderte er einfach. Sie lächelte leise.
„Ach ja?"
„Sicher.", bestätigte er. „Das und dein ungeduldiges und genervtes 'Potter'!", er machte sie nach, als er seinen Nachnamen sagte, sodass sie umso mehr kichern musste.
„Nein, so klang das nicht!", verteidigte sie sich. „Es war – es war eher 'ermahnend'.", er lachte leicht. „Potter!", machte sie sich jetzt selber nach.
„Nein, nein, das war jetzt nicht so, wie das früher war, du schummelst.", grinste er in die Dunkelheit. „'Potter!'", machte er sie jetzt ein bisschen schriller nach, ganz offensichtlich übertrieben.
„Nein, so war das nicht.", beharrte sie. „Und du musst auch gar nicht so tun, als wärst du irgendwie besser gewesen, mit deinem frechen, schiefen Grinsen, als wäre ich leichte Beute, okay...", er gluckste wieder.
„Ja, ja, wir wissen alle, dass du dein Herz hoffnungslos an mich verloren hattest.", ärgerte er sie.
„Eher mein Zwerchfell, du Clown.", antwortete sie prompt. Irgendwann waren sie beide wieder still, da seufzte sie tief. „Aber ich wusste das immer zu schätzen, auch wenn das nicht immer so bei dir angekommen ist. Es braucht einiges, um mich auf zu muntern, wenn es mir schlecht geht.", gab sie zu.
„Ich weiß.", meinte er leichtfertig.
„Du bist da ganz anders. Wenn dir irgendetwas blödes passiert, dann bist du schnell wieder oben auf, der Himmel scheint nie bewölkt zu sein...", flüsterte sie nachdenklich.
„Ich verspreche dir, hiervon erhole ich mich nicht so schnell.", meinte er schulterzuckend. „Du weißt schon, mein bester Freund denkt, ich hätte das ganze Ministerium verraten und versucht jetzt, mich umzubringen...", erinnerte er sie.
„Nun, noch ist nicht alle Hoffnung verloren.", meinte sie tröstend. „Wir überlegen uns morgen einen Plan, okay?", er nickte nachdenklich in die Dunkelheit herein. „Er wird dich nicht umbringen, nicht einmal, wenn er die Chance hat. Ich weiß, er wirkt so, aber er wird nur Antworten suchen...", versprach sie ihm.
„Ich glaube, er wird keine Sekunde zögern.", gab er zurück.
„Wieso?"
„Weil ich alles verraten haben soll, woran er glaubt. Verräter verdienen es nicht einmal, zu atmen.", flüsterte er zurück, offensichtlich bekümmert. Sie tätschelte seine Schulter ein bisschen, aber darauf reagierte er nicht mehr.
„Gute Nacht James."
„Gute Nacht."
