Upps...jetzt ist meine Preview ja aus Kapitel 3 bereits. Ich wusste gar nicht, dass ich das zweite Kapitel noch nicht hochgeladen hatte. Das kommt also davon, wenn man so lange Pausen einlegt. Aber so ist das jetzt leider...dann habt ihr noch mehr zu lesen. :-D

Kapitel Zwei

-Zurück zum Alltag-

Chelsea, New York

Als das Taxi vor ihrer Wohnung hielt, hatte das Taxameter die fünfzig Dollar längst erreicht. Da Sara damit gerechnet hatte, hatte sie sich rechtzeitig mit genügend Geld versorgt und zahlte somit schweigend den verlangten Preis. Der Fahrer wirkte beinah verwirrt, dass ausgerechnet er an einen der wenigen Kunden geraten war, die nicht versuchten um den Preis zu feilschen. Oder ihm eine Pistole an den Kopf hielt. Sara hätte beides machen können, aber als Gesetzeshüterin war ihr beides nicht besonders Recht.

Wobei sie auch von Leuten wusste, aus ihrer Abteilung, dass es der ein oder andere schon mal versucht hatte.

Home Sweet Home…

Dieser Spruch kam ihr im Augenblick mehr als fehl am Platz vor. Was war ein zu Hause überhaupt? Hatte Sara ihres verloren? Hatte sie jemals eines gehabt?

„Schönen Abend noch!", verabschiedete der Taxifahrer sich mit einem asiatischen Akzent und erst jetzt erkannte Sara, dass er gar kein Amerikaner war. Verwundert war sie deshalb allerdings nicht. In New York waren sicher mehr als die Hälfte aller Taxifahrer nicht aus diesem Land.

„Gleichfalls.", erwiderte die Polizistin und begann damit die Stufen ihrer Wohnung zu erklimmen.

Es fühlt sich wirklich komisch an. Wann ging ich diese Stufen das letzte Mal?

Es war sicher schon eine ganze Ewigkeit her. Mehrere Monate auf jeden Fall. Sie war nur froh, dass ihr Vermieter ein alter, seniler Mann war, der sich gar nicht daran erinnerte wer oder was, wann seine Miete gezahlt hat oder eben nicht.

Als sie die Tür zum Gemeinschaftsflur aufschloss, war es im Inneren still. Fast schon irgendwie unangenehm. Sara war das allein sein gar nicht mehr gewohnt.

Nicht allein…

Die Witchblade sprach wieder mit ihr. War es ein gutes, oder ein schlechtes Zeichen?

Das kommt davon, wenn man keine Freunde hat…jedenfalls keine vernünftigen, oder in Amerika lebenden, dachte Sara so für sich.

Äußerlich hatte sich an der Wohnung und an der Straße nichts verändert, aber Sara merkte, dass sie sich selbst verändert hatte. Etwas in der Art hatte sie noch nie gefühlt. Es war beinah vergleichbar mit einer Art Leere. Nicht mal während ihrer Zeit im Koma hatte sie eine solche Einsamkeit gefühlt.

„Ich bin nur froh, dass ich mir nie eine Katze angeschafft habe.", murmelte sie leise zu sich selbst und schritt die Stufen zu ihrer Wohnung hinauf. Im vierten Stock angekommen, schloss sie die Tür auf und musste erleichtert feststellen, dass noch niemand neues hier eingezogen war. Es hatte wirklich Vorteile, wenn man einen alten Mann als Vermieter hatte.

Ihrem Gedanken mit der Katze folgend, kamen ihr weitere Bilder in den Sinn, die sich in dem Moment bestätigten, als sie das Licht einschaltete. Staub hatte sich überall breitgemacht und die große, grüne Zimmerpflanze neben der Eingangstür hatte nichts mehr Grünes an sich.

„Dabei hat Julie doch behauptet, dass man diese Pflanze fast gar nicht gießen muss.", irgendwie hatte sie es sich seit ihrer Zeit mit Lara angewöhnt, ebenfalls mit sich selbst zu reden, wenn sie allein war. Vielleicht weil sie sonst befürchtete, dass die Witchblade sich angesprochen fühlen mochte, wenn sie nur dachte.

„Alles beim Alten.", wie sie feststellen musste, als sie das wenige Gepäck welches sie dabei hatte, auf der Couch im Wohnzimmer fallen ließ. Erst nach wenigen Minuten fiel ihr die Veränderung auf, die ihr sonst immer gezeigt hatte, wie einsam sie doch war. Der Anrufbeantworter blinkte ausnahmsweise, oder –wenn man es genauer wollte- die kleinen, roten LED-Lämpchen, die ebenfalls die Anzahl der Nachrichten jedem präsentierten, der einen Blick darauf warf.

Sara tat es und wäre beinah vor Erstaunen aus den Latschen gekippt.

Die Ziffer 49 blinkte dort herausfordernd und all die angestauten Nachrichten wollten abgehört werden.

Gut das heute nichts vernünftiges im Fernsehen kommt, ging es Sara durch den Kopf, während sie den kleinen, roten Knopf neben der Anzeige drückte, der dazu diente die gespeicherten Nachrichten abzuspielen.

Eine mechanische Frauenstimme begann ihre Standardansage: „Sie haben neunundvierzig neue Nachrichten, die Restspeicherzeit beträgt null Minuten…", dann folgte die kurze Pause: „…Nachricht eins."

Die mechanische Computerstimme wich einer ihr, sehr vertrauten Stimme, die sie vor wenigen Tagen noch aus England angerufen hatte. Es war ihre Schwester Julie: „Hey Sara, wie geht es dir? Ich bin mal wieder in der Stadt! Melde dich mal!"

Nachricht zwei."

Wieder war es Julie: „Ich noch mal. Schade, dass ich nichts von dir gehört hab, bist sicher schwer beschäftigt, so wie Dad damals. Na man sieht sich, ich werde bald wieder mal nach New York kommen."

Nachricht drei."

Eine unbekannte Stimme: „Wir sind vom Verein gläubiger Christen und haben vor kurzem von dem Tod ihres letzten Partners erhalten. Sollten Sie sich entschließen, über Ihre Trauer mit uns reden zu wollen, rufen Sie uns gerne an.", es folgte eine Pause, in der Sara die Stirn runzelte: „Gott segne Sie.", dabei war Jack, ihr früherer Partner, gar nicht gestorben. Er lag nur in einem Koma. Komisch das immer alle im Koma liegen, dachte sie, als sie sich zurück erinnerte. Der Kampf gegen einen Dämon, der sich als „Gott" ausgab, hervorgerufen durch eine Gruppe von Priestern, war hart gewesen und hatte Jack stark mitgenommen. Aber er lebte noch, in der einen oder anderen Hinsicht. Ob er jemals wieder gesund wurde, war eine andere Frage.

Nachricht vier."

Wieder eine bekannte Stimme: „Gleason hier! Der Boss sucht dich bereits, Pez! Du solltest ihn nicht warten lassen!" Pez, so nannte sie eigentlich jeder in New York. Gleason war der Nachname ihres neuen Partners, der –für Saras Geschmack- bereits zu viel über sie und die Witchblade wusste. Jack hatte ebenfalls über Saras Doppelleben als Polizistin und Witchbladeträgerin Bescheid gewusst, dass hatte ihn fast das Leben gekostet.

Die restlichen Nachrichten waren alle entweder von Gleason, Sirey –ihrem Chef und dem Mörder ihres Vater (wobei das eine kompliziertere Geschichte ist, bei der es darum ging Sara Pezzinis Leben als Kind zu schützen)- Julie und eine von Jacks Schwester, die behauptete der Zustand ihres Bruder sei unverändert.

Vor allem Gleasons, Patrick Gleason so der volle Name, Stimme, wurde mit jeder Nachricht immer besorgter. Er machte sich offenbar Sorgen um Sara und in einer Nachricht sprach er sogar davon sie gleich zu Hause besuchen zu kommen. Der einzige Mensch, der gewusst hatte, wo Sara sich befunden hatte, war Sirey und mittlerweile schien auch er sich über den Verbleib seiner Untergebenen zu sorgen.

Nachricht einunddreißig."

Es klopfte an der Tür. Sara war für einen Augenblick irritiert. Wer könnte das sein? Wer würde wissen, dass Sara Pezzini in diesem Moment nach Hause gekommen war? Da sie wusste, dass diese Fragerei sie nicht weiterbringen würde, ging sie zur Tür und warf einen Blick durch den Türspion. Es war die Frau, die in der Wohnung unter ihr wohnte.

Seit wann kommt sie hoch?

Nur zögerlich öffnete Sara die Tür einen Spalt breit und blickte in das lächelnde Gesicht einer Frau Mitte vierzig mit leicht angegrautem Haar und einem Goldzahn in der rechten, oberen Ecke.

„Hallo!", sie hatte einen deutlichen, mexikanischen Akzent. Wobei in dieser Gegend jede Menge Menschen aus den verschiedensten Kulturkreisen wohnten. Bisher hatte Sara es immer sehr genossen. Es war beinah wie eine Weltreise, nur dass man dafür nicht so viel Geld ausgeben musste.

„Hi!", erwiderte Sara knapp, immer noch etwas verwirrt.

„Ich wollte nur mal nach dem Rechten sehen.", erklärte die Nachbarin: „Ich hab sie ja schon lange nicht mehr hier gesehen."

Das stimmte wohl. Wahrscheinlich war es der Nachbarin aufgefallen, weil sie sich sonst gelegentlich im Treppenhaus trafen, wenn Sara mal wieder vergessen hatte, dass es eigentlich ihre Aufgabe war das Treppenhaus zu reinigen.

„Ich hab eine längere Reise gemacht.", log Sara, wobei die Lüge nicht so besonders groß war. Sie hatte ja tatsächlich eine längere Reise unternommen: „Und dann sind ja die Grenzen geschlossen worden und deshalb steckte ich dann in einem fremden Land fest."

„Ach so.", dann begann die Dame zu erzählen, von ihren Erfahrungen mit der Krise und dann, wie der Neffe, eines Onkels, dessen Schwester die Mutter der Nachbarin ihrer Großmutter war, von der Krise getroffen worden war. Er lebe ja vom Export und ach nein wie schlimm, innerhalb von sechs Tagen hätte er wirklich aaaaaalles verloren, was man verlieren könnte. Als Sara Pezzinis Telefon klingelte, war sie sehr froh, dass sie einen Grund hatte das Gespräch zu beenden. Sie entschuldigte sich bei der Frau und schloss dann die Tür, nur um sich zu wundern, wer es jetzt noch versuchen sollte sie anzurufen, nachdem sie so lange Zeit nicht ans Telefon gegangen war.

„Hier Pezzini!", meldete sich die Polizistin und war erstaunt, eine bekannte Stimme am anderen Ende zu hören: „Pez, endlich!", es war Sirey: „Wo zum Teufel hast du gesteckt?!"

„Das ist eine lange Geschichte.", versuchte Sara sich herauszureden. Sie wollte nicht wirklich über die Geschehnisse der letzten Monate reden. Dafür war zu viel passiert und zu vieles davon würde keiner ihrer Bekannten verstehen.

„Schade dass ich im Moment wenig Zeit habe, ich muss gleich los.", gestand Sirey: „Schön deine Stimme zu hören."

Seit Sara die Wahrheit über Sirey kannte, hatte sie ein merkwürdiges Verhältnis zu ihm. Er hatte sie zwar immer wie ein Vater behandelt, aber jetzt war alles anders. Fast genauso, wie es im Moment um die Welt stand.

Du solltest echt aufhören diese Philosophiebücher in deiner Freizeit zu lesen…denken schadet der Gesundheit.

„Gibt es was zu tun?", wollte Sara wissen. Sie kannte den Ton in Sireys Stimme. So klang er eigentlich immer nur dann, wenn er auf dem Sprung zu einem Tatort war.

„Was?", Sirey schien nervös zu sein: „Nein, nur ein einfacher Mord, nichts Ungewöhnliches."

Sara war auf der Wache dafür bekannt, dass sie sich gern der Fälle annahm, die irgendwas Verrücktes oder Unnatürliches an sich hatten. Deshalb genoss sie nicht unbedingt den besten Ruf auf dem Revier.

„Das wäre genau das Richtige im Moment. Ich könnte etwas Seichtes gebrauchen.", gestand sie und hoffte inständig, dass Sirey sie wieder einsetzen würde, denn das würde sie vor ihren Gedanken beschützen können.

„Du möchtest ernsthaft diesen Fall haben?", der Polizeichef schien etwas verwirrt zu sein: „Willst du dich nicht erst Mal erholen, etwas zur Ruhe kommen und den Alltag wieder langsam in dein Leben lassen?"

„Glaub mir, ich hab genug geruht die letzten Monate. Ich bräuchte etwas Ablenkung.", Sara merkte, dass sie kurz davor war wie ein kleines Kind um etwas zu betteln. Vielleicht tat sie es gerade, weil sie zu Sirey immer so ein väterliches Verhältnis gehabt hatte.

„Okay, wenn du wirklich Interesse daran hast.", dann nannte er ihr die Adresse des Tatorts, ein paar Hintergrundinformationen und beteuerte schließlich noch mal, wie glücklich er darüber war, dass sie wieder zu Hause war.

„Ich hoffe du wirst es mir irgendwann erzählen, was dir passiert ist.", sagte er noch zum Abschied und legte dann auf. Sara hoffte es ebenfalls, denn sie wusste, wie wichtig es sein konnte, wenn man jemanden zum Reden hatte.

Aber Sirey schien ihr doch die etwas unpassende Wahl zu sein.

Als sie auflegten, hing Sara noch einen Augenblick ihren Gedanken nach, ehe sie sich ihre Jacke vom Kleiderständer schnappte, die Wagenschlüssel, die sie schon seit Monaten nicht mehr angefasst hatte, in die Hosentasche schob und die Wohnung nur eine halbe Stunde nachdem sie diese betreten hatte, wieder verließ.

Manhattan, New York

Maxwell Frys erreichte das Penthouse seines Vaters.

Jetzt ist es wohl deines.

Dieser Gedanke machte ihn nicht wirklich glücklich. Er bezahlte den Taxifahrer und stieg aus. Das Penthouse war in der obersten Etage eines Bürogebäudes, das als Tarnfirma für die illegalen Geschäfte seines Vaters gedient hatte.

Vielleicht ist das die Idee, dachte er, vielleicht könnte man aus der Tarnfirma ja eine richtige Firma machen.

Vor der Glastür standen zwei Gestalten in schwarzen Anzügen. Sie wirkten wie normale Türsteher, waren aber Teil der Mafiagruppe, die sein Vater im Laufe der Zeit großgezogen hatte. So vieles war jetzt anders, bemerkte Max.

Die beiden Gestalten nickten kurz in Maxwells Richtung, als er die Tür passierte und an dem Empfang vorbei auf den Aufzug zuging. Was er jetzt wirklich brauchte, war ein heißes Bad und vielleicht würde er nachher Chase kontaktieren und sich ebenfalls voll laufen lassen, wie er es so schön ausgedrückt hatte.

An der Rezeption saß ein junges Mädchen, etwa zwanzig Jahre alt, die ihm ein freundliches Lächeln zu warf. Da sich Max nie sonderlich mit den Geschäften seines Vaters beschäftigt hatte, war er sich nicht darüber im Klaren, wer in dieser Firma wirklich für die Firma arbeitete und wer die geheimen Pläne hinter dem ganzen Konzept kannte.

„Hatten Sie eine angenehme Reise, Mister Frys?!", wollte die junge Dame wissen. Die blonden Zöpfe ließen sie jünger aussehen, als sie war. Wenn jemand von draußen hereinblickte, würde er sicher glauben diese Firma würde Kinderarbeit betreiben.

„Es geht. Gab einige Turbulenzen.", erwiderte Max und drückte den Knopf, der den Aufzug rief.

Es war irgendwie komisch. Niemand verlor ein Wort über den Tod seines Vaters. Er war sich nicht mal sicher, ob überhaupt jemand wusste, dass Corban Frys nicht mehr unter ihnen weilte.

Immerhin starb er am Grund des Meeres durch die Hand einer Irren, die jetzt unter den Trümmern einer Villa in den Schweizer Alpen begraben ist.

Es war gut möglich, dass noch niemand genau wusste, dass Frys nicht mehr war. Wobei die Tatsache, dass der Broker nicht mehr unter ihnen weilte, sicher bemerkt worden war. Der Broker hatte seine Finger in mehreren Geschäften gehabt, hatte einige Dinge auch mit seinem Vater gedreht, wie es im Fachjargon immer hieß.

Der Broker…Lara aus der Zukunft hatte schon immer Interesse an antiken Dingen gezeigt, und jetzt wussten sie sogar wieso: Erst Mal war der Broker Lara gewesen, jedenfalls das zukünftige, gemeine Ich von Lara. Das setzte ja ein allgemeines Interesse voraus, aber sicher hatten dieser Quill und Lara die Chancen zu erhöhen versucht, dass ihre Pläne vollendet werden könnten.

Sie waren sicher auf der Suche nach einem Plan B und jetzt war alles gescheitert. Irgendwie fühlte sich ein Teil von ihm sogar…wirklich berührt von diesem Schicksal. Ihre Liebe hatte nie eine Chance gehabt, weil sie es verhindert hatten. Aber andererseits wurde der Ekel wieder größer, ihm klar wurde, dass es Lara gewesen war.

Als sich die Türen des Aufzuges wieder schlossen, hatte Max immer noch keine Idee was jetzt aus seinem Leben werden würde, aber er wusste eins: Es musste irgendwie weiter gehen. Wie, dass war allerdings die Frage.

Fortsetzung folgt:

Ja, Max und Chase werden ebenfalls gewisse Rollen in der Geschichte spielen. Max sogar eine richtig große, denn dann erfahren wir auch, was mit ihm nach der Macht der Elemente geschehen ist. Hoffe es hat euch gefallen, was ihr hier so gelesen habt.

Bis demnächst.