Kapitel 1 - Ankunft

Violettas Sicht

Der Weg von Seattels Flughafen nach Forks erschien mir ewig lang.
Zum Einem, weil meine Sitznachbarin, ein kleines, rothaariges Mädchen namens Alysa, mich die ganze Fahrt über mit irgendwelchen Dingen vollquatschte, sodass ich kaum etwas sagen musste, was mir mehr als recht war.
Und zum anderen, weil ich es kaum erwarten konnte, an den Ort anzukommen, an dem ich die nächsten drei Jahre meines Lebens verbringen würde.

Irgendwie konnte ich es noch immer nicht so recht glauben, dass ich einen Platz in dem Internat bekommen hatte.
Bei der Anmeldung hatte ich mich schon auf eine Ablehnung gefasst gemacht, deswegen war ich umso überraschter und glücklicher gewesen, als ich den Brief mit der Zusage bekommen hatte.

Wir freuen uns darauf, Sie am dem 1. September 2012 im Forkswood - Internat begrüßen zu dürfen.

Dieser eine Satz, den ich mir innerlich vor Augen führte, war der Beweis dafür, dass mein Notendurchschnitt gut genug gewesen war, um das Internat zu besuchen und keine Schulgebühr zahlen zu müssen.
Ich hoffte inständig, dass es noch andere wie mich in dem Internat geben würde.
Solche, die nicht Mammys und Daddys überquellende Geldbeutel gebraucht hatten, um ins Forkswood gehen zu dürfen.

„Wow, ist das groß!", riss Alysa mich aus meinen Gedanken.

Anscheinend hatte sie nicht einmal bemerkt, dass ich ihren Erzählungen nicht wirklich zugehört hatte.
Ich folgte ihrem Blick aus dem Fenster und beugte mich etwas vor, um genauer das Bild, welches sich uns bot, erkennen zu können.

Hinter einem großen Tor, erstreckte sich ein großer. hauptsächlich grüner, Hof, dann ein Schloss – das Internat – und dahinter erstreckte sich wieder eine grüne Landschaft, die zum Großteil aus einem Wald bestand.

„Oh ja", stimmte ich leise zu und stellte mir schon vor wie ich mich dort verlaufen würde.
Mein Orientierungssinn war nämlich gleich null. Eines der Dinge, über die ich mich selbst jedes Mal ärgerte.

Nun ging auch in den anderen Sitzreihen das Gemurmel los.
Die Spannung war kaum zu überhören.
Der Bus bog schließlich um eine Kurve und kam vor dem riesigem Tor zum Stehen.
Der zweite auch.

„Das Internat Forkswood. Ich hoffe ihr hattet eine angenehme Fahrt und bitte euch den Müll in die dafür vorhergesehenen Mülleimer neben den Sitzen zu tun, solltet ihr das noch nicht gemacht haben", kam es laut und monoton von vorne vom Busfahrer und die Türen wurden geöffnet.

Ich stand auf, schulterte meine Tasche, wartete bis Alysa es auch tat und verließ mit ihr gemeinsam als eine der Ersten den Bus.
Die anderen räumten nämlich noch ihren Müll weg.

Das Tor sah, wenn man direkt davor stand, noch gigantischer aus.
In der Mitte davon war eine Art Wappen eingearbeitet.
Dieses zeigte eine Hand, darunter einen Löwen und wiederum unter diesem drei Kleeblätter.
Das Schulwappen.

Inzwischen war der Busfahrer auch ausgestiegen und half den Schülern ihre Koffer aus dem Kofferraum des Busses zu holen.
Meine Güte!
War das chaotisch!
Jeder wollte als erstes seinen Koffer, weswegen der Busfahrer eindeutig mit der Situation überfordert war.
Nach einer Weile hatte ich dann endlich meinen Koffer in der Hand und lief mit diesem die lange Allee zum Schloss entlang, nachdem das Tor von alleine aufging.
Jemand musste es wohl aus der Ferne gesteuert haben, vielleicht funktionierte es aber auch mit Bewegungssensoren.
Rechts und links von mir liefen die anderen her. Alysa hatte ich aus den Augen verloren.

„Freust du dich auf die Schule?", fragte mich ein blondes Mädchen, dessen Namen ich nicht kannte, während sie über das ganze Gesicht strahlte.
„Ja", war meine knappe Antwort.
Dann fügte ich noch hinzu, da ich nicht unhöflich sein wollte: "Es ist mal was Neues. Und du?"
„Ich bin etwas nervös", sagte sie.
Also wenn das stimmte, dann konnte sie das super überspielen.
„Das sind hier doch alle", meinte ich lächelnd und blieb stehen, als die vor uns stehen blieben.

Vor den zwei großen, hölzernen Flügeltüren des Schlosses stand eine Frau.
Ihre Haare waren von einem Karamelbraun und fielen ihr in Wellen über die Schultern.
Sie musste so gegen Ende dreißig sein.

„Glaubst du das ist die Direktorin?", fragte mich die Blonde leise – ich kannte ihren Namen ja noch immer nicht – und ich schüttelte den Kopf.
„Das Internat hat einen männlichen Direktor", sagte ich genauso leise.
Vor meiner Abreise hatte ich mich noch etwas informiert.
Über die Schule und über die Städte, die in der Umgebung lagen.
„Achso."

Nachdem alle stehen geblieben waren, ergriff die Frau, auf dessen Lippen ein fröhliches Lächeln lag, das Wort.

„Es freut mich, sie alle im Forkswood – Internat begrüßen zu dürfen. Mein Name ist Mrs. Esme Cullen. Ihre zukünftige Englischlehrerin. Wenn ich sie bitten dürfte, folgen sie mir."

Die zwei Flügeltüren wurden geöffnet und einer nach dem anderen trat, im Schlepptau seinen Koffer, in das Innere des Schlosses.
Im Inneren war es um einiges wärmer und vor allem unglaublich schön.
Ich kam gar nicht mehr aus dem Bewundern heraus.
Und hier würde ich ab heute leben!
Lieber Gott … danke für meine Intelligenz!
Wir wurden aus der großen Empfangshalle in eine andere Halle geführt.
In dieser befand sich ein Podest mit einem Mikrofon darauf.
Davor waren viele Stühle in mehreren Reihen aufgestellt.

„Es wird eine kurze Rede seitens des Direktors geben, dann dürfen Sie ihre Zimmer beziehen. Ihre Koffer können sie solange dort abstellen", kam es von Miss Cullen laut und deutete dabei in eine Ecke der Halle.

Gesagt, getan.
Kurz darauf saß ich ohne Koffer auf einem der Stühle in der mittleren Reihe.
Das blonde Mädchen von vorhin setzte sich neben mich und ich entschied mich, sie nach dem Namen zu fragen.

„Wie heißt du eigentlich?"
„Caroline, aber nenn mich bitte Caro. Und du?"
„Violetta."
„Du kommst nicht von hier, stimmts?", fragte sie, wobei es schon eher wie eine Feststellung klang.
„Ja, ...", bevor ich weiter reden konnte, unterbrach sie mich.
„Oh … sieh mal. Das muss aber jetzt der Direktor sein."

Ihr Blick wanderte zu dem Podest, auf dem jetzt ein blonder Mann um die 40 stand.
Sogar von hier konnte ich erkennen, dass er blaue Augen hatte.
Er trat an das Mikrofon heran und bat um Ruhe.
Einen Augenblick später war es tatsächlich muksmäuschenstill.
Das hätte ich jetzt nicht gedacht.

Mir ruhiger und angenehmer Stimme fing er mit seiner Rede an.

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Und? Wie hat es DIR gefallen?
LG Istorija :)