Kapitel 1 : Erwachen

Als ich aufwachte lag ich in einem Bett… Es war eines der Stationszimmer und eine Person saß auf einem Stuhl neben mir…Es war Alice.

„Bella!", sie sprach in normaler Lautstärke, aber irgendwie hörte ich besser als sonst und ihre Stimme kam mir unglaublich laut vor…

„Alice…", ich konnte kaum sprechen „Was ist passiert?"

„Du bist umgekippt und warst eine ganze Zeit bewusstlos. Carlisle hat Charlie heimgeschickt…", berichtete Alice leise.

„Wie lange bin ich schon hier?", wollte ich wissen.

„Zwei Tage…"

Ich zog meine Augenbrauen hoch…Charlie würde bereits sterben vor Sorge…

„Kann ich ihn anrufen…?"

Alice nickte. „Aber Ich denke, es ist besser, wenn ich erst einmal mit ihm rede…" mit diesen Worten nahm sie das Telefon des Zimmers und wählte die Nummer. Sie hatte den Lautsprecher eingeschaltet und so konnte ich mithören.

„Charlie Swan?", ich hörte schon an seiner Stimme, dass er komplett am Ende war…Er hatte sicherlich seit 2 Tagen nicht mehr geschlafen und vielleicht auch nicht wirklich gegessen…Seine Stimme klang trüb und müde und er krächzte fast schlimmer als ich…

„Hier ist Alice Cullen.", fing Alice an. „Ich bin gerade bei ihrer Tochter und sie ist aufgewacht."

Charlie seufzte erleichtert. „Geht's ihr gut?"

„Ja, einigermaßen, Dad.", meinte ich.

„Sie kann Sie hören…", erklärte Alice.

„Ich komme dich heute Mittag besuchen…", versprach er. „Ich muss auf die Wache….Ein Einbruch in der Nähe von hier…"

„Mach dir keine Gedanken, mir geht's gut, Dad.", murmelte ich bevor die Leitung tot war.

„Habt ihr schon von Edward gehört?", fragte ich leise.

Alice schüttelte den Kopf. „Aber ich habe gesehen, dass er in zwei Wochen zurück ist."

Ich lächelte, was mit dem dünnen Schlauch in meiner Nase doch recht seltsam war.

Ich hatte bemerkt, dass in meinem Handrücken eine Infusion lag, aber ich versuchte krampfhaft, sie zu ignorieren…

„Er wird da sein, Bella, das verspreche ich dir.", meinte Alice leise.

„Warum geht sein Telefon nicht?"

„Ich weiß es nicht….", murmelte Alice.

In diesem Moment klopfte es an der Tür und wenige Sekunden später betrat Carlisle das Zimmer.

Er lächelte leicht, als er sah dass ich wach war. „Ich hoffe, dir geht es etwas besser, Bella."

Ich nickte, immer noch etwas behindert von dem Schlauch in meiner Nase.

„Du bleibst erst einmal hier…Das ist die Station, für die ich zuständig bin…", meinte er. „Außerdem ist das Einzelzimmer relativ praktisch…", er lächelte abermals.

Ich versuchte es zu erwidern, gab aber irgendwann auf.

Die nächsten Tage war ständig jemand an meiner Seite…Entweder Charlie oder einer der Cullens und ich war unglaublich froh über die Gewissheit, dass ich nicht allein zu sein. Besonders Esme kümmerte sich rührend um mich und Carlisle verließ das Krankenhaus nur noch zum Jagen….Ich war unendlich dankbar dafür….

Die Schmerzen, die ich seit meiner Ohnmacht immer wieder gespürt hatte, hielten an und verschlimmerten sich nach einiger Zeit…Ich versuchte, so gut es ging, ohne Schmerzmittel auszukommen, aber manchmal war das schlicht unmöglich…Ich wünschte mir sehnlich, dass er endlich zurückkehren würde….ich brauchte ihn…Carlisle hatte es abgelehnt, mich ohne Edwards Wissen zu beißen, aber ich wusste, dass er mich nicht sterben lassen würde, auch wenn er möglicherweise über den Kopf seines Sohnes entscheiden würde müssen….Aber ich war noch nicht tot…Der Gedanke daran, dass ich nur noch einige Wochen auf dieser Welt leben würde (und damit meinte ich tatsächlich am Leben sein) machte mir Angst und doch….Es war das, was ich mir gewünscht hatte, seitdem ich Edward getroffen hatte….ich wollte sterben…

Mit Sicherheit am Schlimmsten, war zu sehen wie Charlie litt…Ich hasste mich selbst dafür ihm das anzutun, aber ich konnte nichts machen…Renée hatte sich für Montag in einer Woche angekündigt, genau zwei Wochen nachdem ich die Nachricht erhalten hatte die mein Leben veränderte…Meines und das vieler Anderer…

Mein kompletter Englischkurs war im Krankenhaus aufgetaucht, um sich von mir zu verabschieden und fast alle hatten geweint. Jessica waren stumme Tränen über die Wangen gelaufen und vor allem Angelas Anblick hatte mir das Herz zerrissen…Sie kümmerten sich alle…sie wussten alle, dass sie mich verlieren würden und die Tatsache, dass sie alle da waren um sich zu verabschieden rührte mich zu tiefst.

Das letzte, was sie von mir zu sehen bekamen war ein Lächeln, bevor ich unter Einfluss der starken Schmerzmittel, die Carlisle mir gegeben hatte einschlief.

Alice und Rosalie holten meine Mutter vom Flughafen ab, während Esme wieder einmal an meinem Bett saß, meine Hand in ihrer und mir mit ihrem kühlen Daumen sanft über die Handfläche strich…eine Bewegung, die mich mehr als alles andere an Edward erinnerte. Wir hatten immer noch keine Antwort von ihm, aber Alice hatte gesehen dass er in den nächsten paar Tagen noch auftauchen würde…

Esme stand auf als Renée eintrat. Sie schüttelte ihr die Hand und sprach leise mit ihr, dann verließ sie, zusammen mit ihren Töchtern das Zimmer.

Renée ging langsam auf mich zu und setzte sich auf den Stuhl, der nun frei war.

„Hallo, mein Schatz…", murmelte sie und drückte mir einen Kuss auf die Stirn. Ich lächelte stumm.

„Hat man sich gut um dich gekümmert?"

Nochmals nickte ich…Es fiel mir schwer, zu sprechen…

Eine einzelne Träne rann über ihre Wangen.

„Es…tut mir Leid.", krächzte ich…ich war es nicht mehr gewohnt, zu sprechen…Die Cullens verstanden mich auch ohne Worte und Charlie saß meistens stumm an meinem Bett und ließ mich schlafen.

Sie schüttelte den Kopf. „Das muss es nicht, Bella."

Ich hob meine Hand langsam an und strich über ihre Wange. Es war mehrere Wochen her, dass ich das letzte Mal in den Spiegel gesehen hatte und ich musste mich sehr verändert haben.

Renée beruhigte sich langsam wieder, dann fing sie an zu sprechen. „Das ist seine Familie, oder?"

Ich nickte. „Ja…Sie kümmern sich um mich…"

„Du liebst ihn sehr, oder?"

Die Frage schnürte mir den Hals zusammen…Mit Tränen in den Augen nickte ich…

„Wo…wo ist er?"

Ich seufzte. „Keine Ahnung…Er wollte zu einer Tante gehen, die seine Hilfe braucht und seitdem geht er nicht ans Telefon…Ich glaube, er kommt in ein paar Tagen wieder."

„Er weiß es noch nicht?"

Ich schüttelte den Kopf.

„Mom…?"

„Ja, Bella?"

„Ich will, dass du mir etwas versprichst…"

„Alles, mein Schatz."

„Ich will dass du weiterlebst…Ich kann nicht gehen ohne das zu wissen…Ich will nicht, dass du so wirst wie ich, als Edward weg war…Bitte versprich mir dass du weitermachst…"

Sie schluchzte erstickt und nickte. „Ich versprech's dir…Ich muss dir auch noch etwas sagen…"

Aufmerksam zuhörend sah ich sie an

„Ich…bin schwanger, Bella…Du bekommst ein Geschwisterchen."

Ich lächelte leicht. Es würde einfacher für sie werden meinen Tod zu verarbeiten, wenn sie jemanden hatte, der sie auffing…

„Du….du hast nichts dagegen?", fragte sie etwas verblüfft.

„Nein Mom…Ich freue mich…"

Sie lächelte, als wäre ihr ein großer Stein vom Herzen gefallen und öffnete ihre Handtasche, um einen Bilderrahmen herauszuholen.

Er beinhaltete eine Ultraschallaufzeichnung eines Babys. „Das ist deine Schwester."

Ich strich leicht über das Glas, direkt da, wo ein winziger Kopf zu sehen war…Jetzt wurde mir klar warum Renée einen sehr weiten Pullover trug….

„Sie ist wunderbar Mom…", flüsterte ich. „Erzähl ihr von mir wenn sie groß wird…Sag ihr, dass ich oben im Himmel bin und sie beschütze….ein familiärer Schutzengel sozusagen…"

Renée versuchte zu lachen, schluchzte aber nur noch einmal.

„Sie wird dich niemals ersetzen, Bella…Niemals…"

„Das soll sie auch nicht…Aber du wirst sie genau so lieben wie mich…"

Sie nickte. „Das werde ich…"

„Wo ist Phil?", wollte ich wissen.

„Er bringt noch das Gepäck zu deinem Vater ins Haus und kommt dann nach.", antwortete sie.

„Du bist glücklich mit ihm…", stellte ich fest.

Sie nickte und trotz der Tränen in ihren Augen konnte ich dort ein Funkeln sehen, das gleiche Funkeln, das in meine Augen trat, wenn ich an Edward dachte.

„Dann kann er nicht der Falsche sein….", ich lächelte und in diesem Moment klopfte es und Phil trat ein.

Er hatte dunkle, wellige Haare und eine sonnengebräunte Haut, außerdem war er etwas größer als Charlie und seine Figur machte es offensichtlich, dass er ein Sportler war.

Seine dunklen Augen lagen auf mir.

„Hallo Bella."

„Hallo…", antwortete ich. „Danke vielmals, dass du gekommen bist…Das mit deiner Mutter tut mir sehr Leid…" Seine Mutter war vor kurzem gestorben…

Er schüttelte den Kopf. „Es tut mir Leid, Bella."

„Setz dich doch…", bot ich an und deutete auf einen der freien Stühle. Er folgte der Aufforderung.

Sie blieben noch einige Zeit und redeten mit mir.

Phil erzählte, dass er nun in der ersten Liga spielte und ich beglückwünschte ihn dazu.

Nach einer Stunde kam Carlisle herein um mich zu fragen ob alles in Ordnung sei. Ich nickte. Er begrüßte Renée und Phil je mit einem Händedruck und einem Nicken, dann stellte er sich direkt an das Kopfende meines Bettes um die Infusion und das EKG-Gerät, das seit einem Tag neben meinem Bett stand, zu überprüfen. Er sah mich lange an und murmelte: „Du bist sicher, dass du nicht noch ein Schmerzmittel brauchst?"

Ich schüttelte den Kopf. „Nein, ich will keins…Wenn meine Mutter weg ist vielleicht."

Er nickte und drehte sich um. „Ich habe von Edward gehört."

In diesem Moment schlug die Nadel des EKGs relativ heftig aus und Carlisle lächelte.

„Ich sollte ihn nicht noch mal erwähnen, ohne dir ein Beruhigungsmittel zu geben…Er kommt morgen Abend an…Ich habe ihm noch nichts gesagt…"

Ich nickte und murmelte: „Und gedacht?"

Carlisle schüttelte fast unmerklich mit dem Kopf. „Er weiß nichts…Ich werde ihn darauf vorbereiten, bevor er hier rein kommt."

Mit diesen Worten und einem leichten Lächeln ging er wieder.

Renée war relativ begeistert von ihm, Phil gefiel das nicht wirklich, aber er hielt sich zurück.

Eine halbe Stunde später gingen die Beiden und Esme kam zu mir, gefolgt von ihrem Mann, der mich abermals fragte, ob ich ein Schmerzmittel brauchte.

Die Schmerzen waren schlimmer geworden, aber noch nicht unerträglich.

„Nein…", murmelte ich leise und schloss die Augen.

Was würde Edward sagen? Wie würde er reagieren?

„Er wird dich verwandeln, Bella…", flüsterte Esme.

„Und wenn nicht?", fragte ich leise.

„Dann werde ich es tun.", sagte Carlisle und seine honigfarbenen Augen, denen von Edward so ähnlich, trafen meine.

„Danke." Ich musste husten. Meine Luftröhre war trocken von dem vielen Reden und meine Lunge brannte.

In den letzten zwei Wochen hatte ich stetig weniger Luft bekommen, der Krebs drückte auf meine Lunge und die Luftröhre und machte mir stellenweise das Atmen fast unmöglich.

Carlisle sah mich sehr besorgt an und bot mir einen Schluck Wasser an. Obwohl das Schlucken wehtat fühlte ich mich danach besser.