Kapitel 2: Du hattest deine Chance!

Nick schnappte sich das Fass und ging in den Garten, wo sie heute Abend grillen und Spaß haben wollten.

Ihm war immer noch nicht wohl dabei, doch er konnte sich doch nicht immer verstecken, nur weil er Sally heiraten würde. Seine Gefühle waren die ganze Zeit über ein totales durcheinander gewesen, doch irgendwann musste er sich schließlich mal entscheiden.

Er hatte sich für Sally entschieden und er war glücklich! Er atmete tief durch und trat durch den Torbogen.

Tess saß in der Hängematte und hatte ihr Gesicht der Sonne entgegengeregt und ihre Augen waren genießerisch geschlossen.

Nick versuchte alle aufkommenden Gedanken an diese Frau vor ihm zu verdrängen und schüttelte den Kopf. Langsam ging er weiter und ließ das Fass geräuschvoll auf dem Tisch nieder.

„Was ist … Nick!" stieß Tess überrascht und geradezu geschockt aus.

Hatte sie nicht deutlich gesagt, dass sie Nick nicht mehr sehen wollte? Entweder sie oder er, hatte sie zu Claire gesagt.

Also was wollte er hier?

„Hi Tess! Spielen wir nachher zusammen gegen Alex und Claire?" fragte er. Am besten einen auf neutral machen. Ist immer noch das Beste.

Doch Nick ließ das Gefühl nicht los, dass Tess weder erfreut noch informiert über sein Auftauchen war. Irgendetwas stimmte nicht!

Klar er wusste das Tess nicht glücklich über seine Entscheidung war, doch sie hatte doch auch selber Schuld. Er hatte gesagt, ganz oder gar nicht, doch sie hatte sich damals für gar nichts entschieden und jetzt war sie unglücklich.

Es war ihre eigene Schuld!

Tess sah ihn an. Jeglicher Ausdruck war aus ihren Augen verschwunden. Was bildete sich dieser Kerl bloß ein? Brach ihr Herz in tausend Teile und hatte den Nerv mit ihr zu sprechen, als seien sie die besten Freunde, aber das war einmal!

„Nein ich möchte heute nicht spielen! Ich … ich muss mal eben in die Küche! Entschuldige mich!" sagte sie und versuchte stark zu klingen, doch ihre Stimme war zittrig und schwach.

Eilig sprang sie aus der Hängematte und rannte fast schon ins Haus.

„Na dann nicht," murmelte Nick und schüttelte den Kopf.

„Was glaubt der eigentlich wer er ist, hä? Plaudert mit mir, als wäre nie etwas passiert! So ein Idiot!"

Wütend stapfte sie in der Küche hin und her und hatte noch gar nicht mit bekommen wie Meg eintrat.

„Dieser Trottel…Mistkerl… dieser…dieser…argh dieser Idiot!" schrie sie schon fast.

„Wer ist ein Idiot und all das was du gerade aufgezählt hast?"

Tess wirbelte erschrocken herum und sah Meg grinsend hinter sich stehen.

„Gott Meg erschreck mich doch nicht so!" stieß sie aus und atmete schon wieder leichter.

Meg grinste immer noch, ging um sie herum und fing seelenruhig an den Salat klein zu schneiden.

„Also wer ist es?" fragte sie wieder.

Tess seufzte und setzte sich zu ihr an den Tisch. Ihren Kopf in die Hände gestützt sah sie ihrer Freundin bei der Arbeit zu.

„Na wen wohl! Mister –ich- bin- ein- Kerl- und- kann- mir- alles- erlauben-, den der meint er könnte mit allen umgehen, wie es ihm am besten passt!" sagte sie.

Meg sah sie verwirrt an.

„Wieso bist du denn sauer auf Alex? Er ist doch ganz ruhig seit er und Claire endlich zusammen sind," fragte sie.

Nun schaute auch Tess verwirrt. Was meinte sie denn jetzt damit.

„Ähm nein ich meinte Nick, Meg! Nicht Alex!" erklärte sie und schnappte sich ein Stück Gurke.

Meg zuckte lässig mit den Schultern und schnitt weiter.

„Ist auch ein Ryan, da tun sich beide nichts!" sagte sie und gab Tess einen liebevollen Klaps auf die Hand, als diese sich kichernd noch ein Stück klauen wollte.

„Stimmt!" kicherte sie weiter.

„Also worüber regst du dich jetzt auf?"

Tess verging das Lächeln so schnell wie es gekommen war und ein trauriger Glanz legte sich über ihre Züge.

„Er weiß ganz genau wie ich zu ihm stehe und er heiratet Sally. Ihm scheint es ganz egal zu sein, wie es mir geht," sprach sie leise.

Meg blickte zu ihr und schüttelte ihren blonden Schopf.

„Hast du ihm denn wirklich gesagt was du fühlst? Hast du ihm direkt ins Gesicht gesagt: Nick ich liebe dich?" fragte sie.

„Nein hab ich nicht, aber er sollte es allmählich mal wissen!" ereiferte Tess sich und stand abrupt auf.

„Tess … Nick ist ein Mann und Männer merken so etwas nicht! Du musst es schon mit einem Mikro in der Hand heraus schreien, damit er es begreift!" erklärte Meg eindringlich und hoffte, dass Tess es auch verinnerlichen würde.

Sie nickte langsam, doch wie sollte sie es bloß machen? Wie ein Häufchen Elend ließ sie sich wieder auf ihren Stuhl sinken und legte betrübt ihren Kopf auf die Tisch platte sinken.

„Und am besten du tust es letzt sofort!" sagte Meg, als hätte sie Tess Gedanken gelesen.

Sie hob ihren Kopf wieder sah Meg nachdenklich an.

„Meinst du wirklich Meg? Ich mein…," fing sie an, wurde aber schnell von Meg unterbrochen. Sie zog Tess aus ihrem Stuhl hoch und schob sie aus der Küche.

„Jetzt mach schon! Und ich will nicht mehr sehen, ehe du es ihm nicht gesagt! Und jetzt raus hier!"

Damit hatte sie Tess einen kleinen Stoß Richtung Veranda gegeben und machte sich mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen wieder ans kochen.

Tess selbst blieb unschlüssig auf dem Flur stehen.

Sollte sie, sollte sie nicht?

Verdammt war das kompliziert!

Aber irgendwie auch wieder nicht!

Es waren doch nur vier einfache Worte: Nick, ich liebe dich!

Tess straffte die Schultern und ihr Gesicht zeigte zum ersten Mal seit Tagen wieder Entschlossenheit.

Entweder jetzt oder nie, da hatte Meg vollkommen recht.

Und eine bessere Gelegenheit würde sie sowieso nicht bekommne, immerhin war Sally heute ausnahmsweise mal nicht an seiner Seite.

Entschlossen schritt sie zurück auf die Veranda, vorbei an Claire und Alex und hielt auf Nick zu, der sich gerade angeregt mit Jodie unterhielt.

Die zwei hatten immer viel zu bereden, seit Jodie sich mit vollem Eifer bei der Feuerwehr dabei war.

Als Nick Tess auf sich zukommen sah hob er überrascht die Augenbrauen. Alex hatte ihm erst vor fünf Minuten leise gesteckt, dass Tess ihn wirklich nicht in seiner Nähe haben wollte, doch Claire hielt das wohl für vollkommen überzogen.

Doch nun kam sie geradewegs auf ihn zu und lächelte auch noch.

Schüchtern und verunsichert, aber sie lächelte!

„Nick… kann ich dich mal kurz sprechen? ...Alleine?" fragte sie leise und sah ihm tapfer in seine wunderschönen braunen Augen.

„Äh…ja klar Tess!" gab er verunsichert von sich und beide sahen Jodie bittend an.

Tess verdrehte ihre Augen und grinste.

„Hauptsache ihr bekommt es endlich mal auf die Reihe, denn das hält ja keiner mehr aus!" erwiderte sie auf ihre offene und manchmal schon brutale Art. Sie grinste beide noch kurz frech an und ging auch schon auf Stevie zu, die sich bereits am Bier bedient hatte.

„Also was gibt's Tess?" fragte Nick leise und schaute auf seine Schuhe.

Tess atmete tief durch. Jodies Kommentar hatte sie doch ein wenig verunsichert.

Was hatte sie damit gemeint?

„Nick…ich… ich wollte dir sagen… dir sagen, dass ich…ich…," stotterte sie verlegen und ihre Finger waren auf einmal so schrecklich interessant.

„Tess jetzt sag schon, was du von mir möchtest, denn…," setzte Nick an, doch Tess hatte ihren Kopf gehoben und in ihren Augen blitzte es entschlossen.

„Lass mich bitte Nick! Das ist nicht ganz so einfach! Also ich wollte dir sagen, dass…dass ich dich … liebe! So jetzt ist es endlich raus! Ich liebe dich Nick Ryan!" stieß sie aus und atmete erleichtert ein und aus.

Nick wusste nicht was er sagen sollte. Ja klar er hatte sich gedacht, dass Tess etwas für ihn empfand, nicht umsonst versuchte sie mit aller Kraft ihm seit seiner Verlobung aus dem Weg zu gehen, aber er hatte nicht gedacht das sie ihn wirklich würde.

Als er aufsah, blickte er in zwei bittende und zugleich hoffende blaue Augen.

Sie wünschte sich sosehr, dass er genauso empfinden würde, doch zuerst sollte er erst einmal etwas sagen.

„Nick bitte sag doch etwas," lächelte sie schüchtern und trat verlegen von einem Fuß auf den anderen.

Nick tat es ihr gleich. Was sollte er dazu schon sagen? Er war verlobt und es waren nur noch zwei Wochen bis zu seiner Hochzeit. Er konnte nicht einfach so Sally verlassen, nur weil Tess jetzt ankam und ihm endlich sagte, dass sie mehr für ihn empfand als nur Freundschaft.

„Nick!"

„Tess ich kann nicht! Ich meine ich heirate in zwei Wochen! Tess ich heirate Sally! Du kannst mir doch nicht jetzt sagen, dass du mich liebst. Ich habe dich damals vor die Wahl gestellt, erinnerst du dich? Du meintest du könntest nicht zu mir ziehen, aus welchen Gründen auch immer. Sally konnte es und sie tat es auch. Sie zog zu mir und jetzt heiraten wir!" redete er sich in Rage.

Diese Frau hatte echt Nerven!

Tess spürte wie ihr die Tränen heiß ihre Wange herunter liefen. Wie konnte er so was sagen. Ja sie hatte sich damals für Drovers und ihre Schwester entschieden und sie war sich damals wegen ihm noch nicht sicher, aber dafür war sie es jetzt umso mehr.

„Liebst du mich wirklich nicht?" fragte sie heiser.

Ihre Tränen flossen wie zwei Wasserfälle, als sie dabei zusah, wie der Mann den sie so sehr liebte den Kopf schüttelte.

„Nicht mehr Tess!" setzte er betrübt hinzu. Er konnte nichts mehr sagen, als sie laut schluchzend davon lief.

Er hatte es nicht gewollt, doch es war das einzig Richtige. Er würde Sally heiraten!

Tess war froh, dass scheinbar niemand es mitbekommen hatte, wie sie von Drovers verschwunden war. Sie hatte noch nie, seit sie auf Drovers lebte Oskar so schnell gesattelt.

Sie wollte jetzt niemanden sehen, auch Claire nicht!

Wie konnte sie bloß denken, dass Nick auf sie warten würde. Dass er Sally einfach verlassen und seine Hochzeit abblasen würde, nur für sie.

„Verdammt, so eine verfluchter Mist!" schrie sie aus und trieb ihren Schimmel zum Jagdgalopp an. Als wäre der Teufel hinter ihr her, fegte sie über Drovers Weiden.

Erst nach fast einer Stunde machte sie an einem einsamen Baum halt und stieg ab.

Sie ließ Oskar frei laufen, er würde schon nicht verschwinden und selbst wenn, war es ihr auch egal. In diesem Moment war ihr alles egal!

Mit dem Rücken an den Baum gelehnt, rutschte Tess am Stamm herunter.

„Wieso? Wieso liebt er mich denn nicht?" rief sie zum Himmel hinaus, als erhoffte sie sich, dass Gott sie erhören und ihr eine Antwort auf ihre Fragen geben würde.

Ihre Tränen hatten wieder angefangen zu fließen, ihre Kehle war wie zugeschnürt und sie zitterte.

Sie hatte nicht nur eine Liebe verloren, sondern auch einen Freund!

Wie sollte es denn jetzt weitergehen?

TBC!

Ich danke euch für eure Reviews und hoffe euch gefällt auch dieses Chap.

Liebe Euch!