Alternatives Ende
Mit einem erschrockenen Aufkeuchen sitze ich von einer Minute zur nächsten kerzengerade und verschwitzt im Bett. Ich spüre mein Herz, unter der auf der linken Brust liegenden Hand, rasen. Was um alles in der Welt war das? Ich bin doch tot, oder? Und Sasuke hat doch? Hektisch sehe ich mich um, um mich zu vergewissern, dass ich alleine in meinem Zimmer bei Akatsuki bin. Doch was ich sehe lässt mir das Blut in den Adern gefrieren. Erst fällt mein Blick auf die Flagge mit dem Familienwappen und dann auch ihn. Ja ihn, mein kleiner Bruder Sasuke. Er liegt leicht zusammengerollt da, schläft tief und fest. Meine Augen weiten sich erschrocken und ich weiche nahezu panisch zurück. Ich verstehe nicht was hier los ist. Warum liegt Sasuke neben mir (wäre doch anders rum...ôo~)? Abrupt unterbreche ich meine Gedanken, da ich das Rascheln von Stoff vernehme. Sofort fixiert mein Blick wieder ganz und gar Sasuke, der anscheinend grade aufwacht. Mir stellen sich wieder so viele Fragen in so kurzer Zeit, dass ich nicht weiss, mit welcher ich beginnen soll. Doch statt weiter darüber nachzudenken, beobachte ich jede einzelne von Sasukes Bewegungen. Erst murrt er nur leise und murmelt etwas, von wegen Traum, vor sich hin. Ich glaube mich verhört zu haben, was ja kein Wunder wäre. Traum? Soll das heissen, mein Tod war nur ein Traum? Dieser Gedanke löst ein unbeschreiblich komisches Gefühl in mir aus. Und gleich schiesst mir der nächste Gedanke durch den Kopf.
War denn die Vergewaltigung auch nur irreal?
Aber was wäre, wenn nur mein Tod nicht echt war? Andererseits, was wäre, wenn alles nur ein Genjutsu und eine grausame Art von Rache war? Aber diese Möglichkeit ist doch völlig ausgeschlossen, oder? Mein Kopf fängt an zu dröhnen, immer mehr Fragen stellen sich mir und immer mehr Theorien fallen mir ein. Ich bin total in meinem Gedankengewirr versunken, so, dass ich meine Umgebung vollends vergesse. Daher erschreckt es mich umso schlimmer, als ich an den Schultern gepackt und erst mal ordentlich durchgeschüttelt werde. Verstört hebe ich den Kopf an und starre Sasuke gleich in die Augen. Besorgnis und Verwirrung liegen in seinem Blick. Es erstaunt mich das zu sehen. Im ersten Augenblick, weiss ich nicht was ich sagen oder wie ich reagieren soll. Ich öffne meinen Mund aber bringe kein Wort hervor. Sasuke sieht mich geduldig wartend an. Langsam finde ich jedoch meine Stimme wieder. „Sasuke? Was...?",
Einen richtigen Satz schaffe ich trotzdem nicht. Ich bin noch immer schrecklich durch den Wind. Mein kleiner Bruder sieht mich erst nur verwirrt an. „Hast du schlecht geträumt?", fragt er schliesslich. Diese Frage wirft mich nur noch mehr aus der Bahn. Gestern waren wir noch Feinde, vielleicht noch mehr, und nun fragt er mich so was?
Ich sehe ihn an und antworte wie von selbst, „Ja.".
Sasuke antwortet mir nicht, sondern sieht mich nur nachdenklich, mit verschränkten Armen an. Auch ich sage nichts, versuche nur mich innerlich zur Ruhe zu zwingen. Der Schock sitzt noch immer ziemlich tief.
„Du bist gekommen...", stellt er plötzlich fest. „Ich habe nicht wirklich daran geglaubt.", ich verstehe nicht was er damit meint. Ich weiss ja nicht mal, wie er jetzt auf mich zu sprechen ist. „Wie meinst du das?", frage ich verunsichert. „Wie ich es gesagt habe; Du bist gekommen. Ich habe nicht wirklich daran geglaubt. Aber du bist da. Naruto hatte Recht.", sagt er völlig unbeirrt. Aber ich verstehe noch immer nicht. Womit hatte dieser Naruto Recht? Und warum sieht er mich so komisch an? Ich kann seinen Blick nicht deuten, und fühle mich deswegen gerade wie in einem Déjà-voux gefangen. Langsam frage ich ihn:
„Wie? Warum hätte ich nach deinem Wissen hier her kommen sollen? Und womit hatte dieser Naruto recht?",
Es ist ein merkwürdiges Gefühl, so mit Sasuke zu reden. Erst sieht er mich verwirrt an, doch dann seufzt er resignierend. „Du bist gekommen, weil du hörtest, ich habe meine Rache an dir aufgegeben?",
Als er das sagt, mustert er mich aus seinen neugierigen, schwarzen Augen. Ich gebe ein leicht nervöses Geräusch von mir. Was soll ich ihm darauf antworten? Denn so wie er es sagt, war es wohl wirklich nur ein Gerücht. ich weiss mir in meinem Chaos der Gefühle nicht zu helfen und murmle leise: „Ja... ich dachte nur...", Ja, was dachte ich? Dachte ich wirklich, er würde mir zuhören, glauben, verzeihen? Ich hätte doch wissen müssen, dass es eine Falle ist. Eine Falle für jemanden wie mich. Eine Falle, welche für einen schrecklichen Zweck gedacht ist. „Itachi, Itachi!", erschrocken sehe ich zu Sasuke auf, welcher meinen Namen rief. „Sag mal, hörst du mir eigentlich auch mal zu? Ich habe dich doch was gefragt...", er beschwert sich dabei wie das kleine, trotzige Kind, welches er einmal war. „Ich... tut mir Leid... was sagtest du?", frage ich ihn verpeilt. Ich weiss mit der Situation nicht umzugehen. „Ich habe dich gefragt, was du dir dabei gedacht hast..." wiederholt er und sieht mich erwartungsvoll an.
Dieser Blick macht mich total nervös. Was will er von mir hören, was erwartet er von mir? „Ich weiss es nicht.", gestehe ich leise. „Ich dachte nur, so könnte ich vielleicht mit dir reden... vernünftig...",
Ich bin gespannt, was jetzt passiert. Noch immer ist es mir nicht begreiflich, was in der Nacht vorgefallen ist. Schon allein der Gedanke daran, löst bei mir Gefühle der Angst, Verletzlichkeit, Trauer und Hilflosigkeit aus.
Sasuke lehnt sich ein Stück zu mir vor und stützt sich mit den Händen etwas ab. Er sieht mich durchdringend an. „Vernünftig reden? Worüber?", fragt er mit ungeahntem Eifer. Er wirkt so hektisch, als halte er das Warten auf die Antwort kam aus. Ich seufze leise. Jetzt hat s eh keinen Sinn mehr es zu leugnen. Da muss ich jetzt wohl -noch mal- durch.
„Ich wollte einfach mit dir reden. Über alles was passiert ist. Und... über alles jetzt... ", versuche ich möglichst normal zu erklären. Ich habe ihm kaum fertig geantwortet, da stellt er mir schon die nächste Frage.
„Warum wolltest du das machen", fiept er. Ich muss unwillkürlich lächeln.
Ja, „warum" war schon immer seine Lieblingsfrage. Er wollte auch immer verstehen, warum Dinge sind, wie sie sind. Damit fällt es mir jetzt deutlich leichter mit ihm zu reden. „Einfach weil ich nie wollte, dass es so kommt. Und weil ich dich da nie mit rein ziehen oder dir schaden wollte.", sage ich jetzt ganz ruhig. Sasuke sieht mich erst nur schweigend an.
Unerwartet und ohne die Zeit zum reagieren zu haben, werde ich in die Matratze gedrückt. Meine erste Reaktion ist Schock, weil es so schnell geht. Aber dann fängt sowohl mein Körper als auch mein Verstand an, das ganze zu realisieren. Mein Bruder ist mir im wahrsten Sinne des Wortes um den Hals gefallen. Was ist den nun wieder los? Ich setze gerade dazu an ihn zu fragen, als er schon etwas sagt. „Er hatte Recht! Er hatte Recht! Es ist wahr...! Alles...", murmelt er leise. Noch ziemlich verdattert lege ich sanft die Arme um ihn. Irgendwie bin ich mit der Situation hoffnungslos überfordert. Erst zögere ich, aber dann streiche ich ihm leicht über den Rücken. Es ist verwirrend aber doch so angenehm. "Scht... kannst du mir nicht einfach sagen, was das alles heisst?", frage ich ihn ruhig.
Langsam löst er sich aus meiner Umarmung und setzt sich auf. Ich tue es ihm gleich, wobei ich ihn aufmerksam mustere. Er wischt sich mit dem Handrücken übers Gesicht und ich frage mich, ob er gerade stumm geweint hat. Er sieht mich an und lächelt ehrlich. „Das ist eine lange Geschichte, Itachi...", sagt er. Ich habe gar nicht bemerkt, wie sehr ich die Sache mit der Vergewaltigung vergessen, oder eher in die hinterste Ecke meines Verstandes gedrängt habe. „Das macht nichts, du erzählst ja gerne...!", Ich sage das mit einem brüderlich-neckischen Unterton. Sasuke blinzelt kurz, ehe er die Arme verschränkt und mich beleidigt anguckt.
Nimmt er das echt so ernst, oder tut er nur so? Alles wirkt viel zu leicht. „Stimmt gar nicht!", beschwert er sich dann. Irgendwie ist seine Art ansteckend.
„Doch tut es. Aber lenk jetzt nicht vom Thema ab...!", daraufhin sieht er mich nur komisch an. Anscheinend findet er nun mein Verhalten fragwürdig. Ich lege nur den Kopf schief und frage: „Also?". Noch einen Moment schweigt Sasuke. „Na ja, dir ist doch sicher aufgefallen, dass es sehr einfach war an den Wachen vorbei zu kommen... oder?", fragt er mich dann doch. Ich nicke, auch wenn ich noch nicht genau weiss, worauf er hinaus will. Er scheint mir ziemlich nervös. Sein Blick schweift unaufhörlich durch den Raum. „Nun... das alles war... geplant...", murmelt er leise, wobei er mich nicht ansieht, sondern zur Seite schielt. Die Aussage versetzt mir einen Schlag. Was sagt er da? Alles war geplant? Das darf nicht wahr sein, nein, bitte nicht. Ich starre ihn an, ohne ein Wort sagen zu können. Warum hat er das getan? Warum? War das doch alles real? War das alles nur für seine Rache? In meinem halb geschockten Zustand begreife ich nichts mehr wirklich. Mit brüchiger Stimme frage ich ihn: „Wieso...?",
Augenblicklich reisst Sasuke den Kopf in die Höhe und starrt mich erschrocken an. Auch er scheint kein Wort hervorzubringen.
„Ich... Also... das ist... Warum siehst du mich so an...?",
Seine Stimme hört sich plötzlich so verzweifelt an und sein Blick ist ängstlich geworden. Was ist nun los? Was hat er denn? Ich verstehe nur noch Bahnhof. Ich antworte Sasuke nicht gleich. Die Zeit im Raum scheint eingefroren, stillgestanden. Langsam erhebt sich mein jüngerer Bruder vom Bett und geht unruhig auf und ab, während ich regungslos sitzen bleibe. Keiner von uns wagt es die Stille zu durchbrechen. Langsam fange ich mich aber wieder. „Sasuke... Warum war das so geplant? Sag mir, was sollte das?", frage ich ihn. Ich muss es einfach wissen. Doch Sasuke antwortet nicht, sondern klettert wieder aufs Bett. Fragend sehe ich ihn an. „Warum? Sag es mir... Bitte...", wiederhole ich und beobachte, wie er nervös auf seiner Unterlippe rumkaut.
„Naja, es ist so...", beginnt er leise, „Das alles war geplant weil... ich weiss schon fast ein halbes Jahr was damals wirklich geschah...",
Er spricht ziemlich unsicher, aber es reicht um mich wieder zu schocken. Er wusste es? Und auch schon so lange? Aber woher bloss? Mit viel Mühe nicke ich nur, anstatt weiter zu fragen, damit Sasuke fortfahren kann. Er fasst die Geste wie erwartet als Zeichen auf, weiter zu reden. Dabei senkt er den Kopf.
„Vor etwa einem Jahren kam ich nach Konoha zurück. Es waren drei Jahre vergangen, seid ich gegangen war und Orochimaru seinen Körper gewechselt hat. Ich war mir sicher, dass ich stark genug geworden bin. Also bin ich wieder gegangen. Ich hatte schon von Anfang an entschieden, niemals Orochimarus Gefäss zu werden. Aber ich hatte mich verrechnet. Karin, eine von Orochimarus besten Helferinnen hat mich verraten. Unvernünftiger Weise ignorierte ich die geschickten Truppen erst. Orochimaru hat mich damit in eine Falle gelockt. Schliesslich habe ich gegen ihn und Manda gekämpft. Und, man sagt doch, ein Schüler besiegt nie seinen Meister, oder (der Meister lässt sich höchstens besiegen, gell, Sakona? ^.~)?
Jedenfalls hat Orochimaru mit Hilfe des Juin mein Chakra unterdrückt. Langsam aber sicher wurde der Kampf etwas gefährlich für mich. Ich... Weiss nicht wie oder woher... aber plötzlich tauchten Naruto und Co. Auf.
Weiter erinnere ich mich kaum noch an etwas. Ich weiss nur noch, dass ich in Krankenhaus aufgewacht bin und dort einige Zeit verbracht habe. Ich hatte schliesslich keine andere Wahl als in Konoha zu bleiben. Und das war auch gut so. Nach einiger Zeit hatte ich mich auch wieder eingelebt. Auch die Leute nahmen mich gut wieder auf. Naruto hat mich damals allesmögliche gefragt. Ich habe ihm auch viel erzählt, Dinge, die ich nie jemandem gesagt hätte. Ich habe auch wieder mit meinem alten Team trainiert. Irgendeinmal, ich weiss nicht mehr wann genau, war ich schon viel zu früh auf dem Trainingsplatz.
Ich wollte etwas für mich trainieren. Aber kaum hatte ich begonnen,schon Naruto angerannt. Er hat etwas gerufen und war noch aufgedrehter als sonst. Ich hatte keinen Schimmer, was er hatte. Als er bei mir ankam, sagte er mir erst nur, er habe etwas gefunden, das ich sehen müsse.", er macht eine kurze Pause und wagt es nun doch, mir kurz in die Augen zu sehen. Jedoch wendet er den Blick gleich wieder ab. Wir beide wissen, dass wir nicht weiter kämen, wenn ich ihn jetzt mit Fragen löchern würde. Also halte ich mich schwerfällig zurück und lasse ihn weiterreden. Sasuke beisst sich leicht auf die Unterlippe und fährt, noch etwas nervöser als zuvor fort. „Er hat mich am Arm mitgezerrt und mir erzählt, was passiert war, wenn man so sagen will... Er sagte, er habe sich am Abend zuvor noch so gelangweilt, dass er noch etwas zu Sakura wollte. Aber weil sie noch Tsunade helfen musste, habe sie ihn nach hause geschickt. Dann sagte er das, was für mich eigentlich wichtig war.
Die Tür zu dem Raum in dem der 3. Hokage oft beobachtete, was in Konoha so vor sich ging, stand offen. Ich hab mir gleich gedacht, dass es Naruto in seiner Neugier nicht lassen konnte sich dort umzusehen. Als er die Glaskugel sah, wollte er auch gleich herausfinden, wie das daraufgelegte Jutsu zu aktivieren ist. 'Schwachkopf', habe ich gedacht. Naruto hätte doch keine Chance das heraus zu finden. Er sagte: 'Pferd-Tiger-Hase-Fuchs! Das ist die Kombination!'. Das ganze war einfach zu lächerlich. Aber als wir dann da waren und er die In (Fingerzeichen) schloss, funktionierte es tatsächlich. Erst erschien ein silberner Nebel und dann sahen wir eine ehemalige Mitschülerin, die mit hochrotem Kopf wohl Frühstück machte. Ich ignorierte sie und wollte von Naruto wissen, was mich das zu interessieren habe. Er grinste mich an, schloss die Augen und dann kam wieder erst dieser Nabel und dann eine neue Szene. Dieses mal... Naja... Etwas aus unserer Schulzeit...",
Erneut macht mein Bruder eine Pause.
Sein Blick fixiert derweil ein Stück Matratze zwischen uns. Es dauert eine Weile, bis ich die Informationen verarbeitet habe. Viele Dinge sagt er nur, damit alles einen sinnvollen Zusammenhang hat. Es fällt mir ungewohnt schwer die wichtigen Sachen da rauszufiltern. Mein Kopf ist jetzt schon - oder noch - so voll. Dennoch dämmert´s mir.
Der Fuchs-Junge ist auf die glorreiche Idee gekommen, dass er so auch sehen kann, was ich einige Zeit vor meiner Tat getan habe. Der Gedanke daran lässt mir einen kalten Schauer über den Rücken gehen und Übelkeit in mir aufsteigen. Ich habe ihm zwar die Wahrheit über den Clan und dessen Ermordung gesagt, doch dass Vater mich so angefasst hat, hatte ich ihm verschwiegen. Jetzt verstehe ich auch, warum er keine Fragen stellte, sondern ruhig zuhörte. Aber es erklärt auch warum er gezögert hat mich...
Ich unterbreche meine Gedanken selbst und weite meine Augen entsetzt. Was ich bis eben so sehr zur Seite geschoben und verdrängt habe, fällt mir nun um so klarer wieder ein. Die Erinnerungen an die vergangene Nacht holen mich ein, überrollen mich regelrecht. Angst steigt in mir auf, schliesslich ist mir immer noch nicht ganz klar, wie weit alles Wirklichkeit ist. Mich überkommt der seltsame Drang, einfach aufzustehen und wegzulaufen.
Bevor ich weiter über diese Option nachdenken kann, werde ich an den Schultern gepackt und grob geschüttelt. Verwirrt und erschrocken sehe ich auf. Ich blicke geradewegs in Sasukes schwarze Augen, die mich ernst ansehen. „Beruhig dich doch wieder, Itachi.", sagt er ruhig. Ich erwidere nur einen verwirrten Blick. War ich nach aussen hin so panisch? Ich atme einmal tief durch und sehe ihn dann wieder einigermassen ruhig an. Erst jetzt nimmt er seine Hände wieder von meinen Schultern. Seine bis eben sichere Haltung verändert sich schlagartig. Er weicht leicht zurück, blickt kurz auf die Matratze und sieht mich danach fast schon schüchtern an.
Was ist denn jetzt los?
Anscheinend verunsichert ihn mein Verhalten noch mehr. Schliesslich wiegt er den Kopf zur Seite und fragt leicht besorgt und mit gedämpfter Stimme:
„Woran dachtest du?". Zu meiner eigenen Überraschung verwundert mich diese Frage gar nicht. Aber ich kann ihm doch keine Antwort geben. Daher schweige ich weiter und beobachte ihn dabei. Er wird nervöser, bis er schliesslich wieder das Wort ergreift: „Du musst nicht antworten, wenn du nicht willst...!", sagt er eilig. Nun bin ich mir sicher. Er und sein Freund haben alles gesehen. Diesmal unterdrücke ich den aufkommenden Ekel. Ich bin doch so dumm. Warum konnte ich nicht ruhig bleiben und eine Minute nachdenken? Dieses Ereignis der letzten Nacht war ein Traum, ein schrecklich dummer Traum. Der 16-jährige Junge der hier vor mir kniet und sich sichtlich Sorgen macht, würde so etwas niemals tun. Sasuke ist nicht so. Wirklich nicht. Und genau das hätte ich wissen sollen.
In meinen Gedanken habe ich fast vergessen, Sasuke zu antworten.
Leicht schüttle ich den Kopf. „Ich denke nicht an das, was du wohl glaubst.", sage ich und es ist wahr. Wahrscheinlich denkt er, dass ich mich an Vaters Taten erinnere. Doch dem ist ja nicht so. Ich denke jetzt nicht an diesen alten Sack. „Mh... Ach so...", antwortet er nur.
Anscheinend weiss er, wie ich, nichts zu sagen. „Ehm...Schon eine komische Situation hier, nicht?". Seine Stimme klingt unsicher. Er versucht das Gespräch auf eine normale Ebene zu setzen. Aber er und ich, wir wissen beide, dass sein Versuch ziemlich daneben war. Allerdings muss ich zugeben, dass mir derzeitig auch nichts wirklich besseres einfällt.
„Ziemlich ungeschickter Anfang für ein Gespräch, findest du nicht, Kleiner?", antworte ich, darüber im Klaren, dass er es wohl als neckischen Kommentar auffassen wird. Wie erwartet verzieht er das Gesicht mit folgendem Kommentar: „Mach dich nicht darüber lustig. Ich meine das hier verdammt ernst!",
Er sagt dies in einem Ton, der zu seinen Worten passt. Auch sein Gesichtsausdruck hat sich beim sprechen verändert. Er blickt irgendwie abwesend an mir vorbei zur Tür. Ein leises Seufzen entweicht mir. Gut, damit hab ich nicht gerechnet. Aber ich habe es auch nicht so gemeint, wie Sasuke das wohl aufgefasst hat. „So habe ich das auch nicht gemeint.", gebe ich zurück.
„Weiss ich ja auch...", murmelt er. „Trotzdem... Es ist halt... Ach, ich weiss doch auch nicht...", er schüttelt den Kopf und fasst sich an die Stirn. „Es ist halt so verwirrend, auch, wenn ich mich sozusagen moralisch darauf vorbereiten konnte.",seufzt mein Bruder. Ich muss darüber nur lächeln. „Na, was glaubst du wie es mir geht? Ausserdem weiss ich ja nicht ob hier irgendwo Anbus sind, die uns beobachten.", kommentiere ich das ganze ruhig. Es erstaunt mich selbst noch, wie sehr meine Aufruhe von eben verblasst ist. Obwohl die Situation nicht unbedingt einfacher ist. Erst sieht Sasuke mich erstaunt an, dann schüttelt er den Kopf. „Sie beobachten nur regelmässig mein Chakra.", erklärt er mir.
Das die Anbu nicht all zu weit ist, wenn sie wussten, dass ich komme, war klar. „Warum beobachten sie nur dein Chakra?", Ich denke zwar, dass sie das tun, um nicht von mir bemerkt zu werden, aber um sicher zu gehen, frage ich nach. „Naja, das gehört alles zu den Vorbereitungen, die wir getroffen haben. Naruto und die andern wollten mich unter keinen Umständen unbeobachtet lassen.", murrt er leicht. Er scheint nicht begeistert zu sein. Oder eher begeistert gewesen zu sein. Und ich bin es gerade auch nicht.
Warum wollten sie, dass ich bei Sasuke auftauche, wenn sie doch damit rechneten, dass ich ihn angreifen würde ? „Wieso? Das macht doch keinen Sinn.",
Ich sage ganz ehrlich meine Meinung dazu und erhoffe mir eine klärende Antwort. Sasuke aber rollt nur leicht mit den Augen. „Wenn ich das wüsste. Selbst wenn noch andere Akatsuki aufgetaucht wären, oder du mich wirklich angegriffen hättest, dann könnte ich mich immer noch bestens selbst zur Wehr setzen.", murrt er eingeschnappt. Oh Mann, dass war ja klar. Sowohl Konohas als auch Sasukes Verhalten. Die Anbu und wohl auch Tsunade und der Rest wollten kein Risiko eingehen. Aber Sasuke? Na, ich denke, er wollte nur alleine mit mir reden. Gedanklich muss ich leicht darüber grinsen. Das Wort 'Gefahr' scheint er nicht zu kennen. „Ach ja?", gebe ich leicht belustigt von mir. Er ist immer noch der gleiche Dickkopf, der sich beweisen will. Irgendwie schön zu wissen, dass er sich nicht so sehr verändert hat, wie ich anfangs geglaubt habe.
„Ja!", beschwert er sich auch gleich. „Glaubst du mir denn nicht? Ich kann es dir sonst gerne beweisen!", droht er und einen Moment lang weiss ich nicht, wie ernst ich das nehmen soll.
Als ich aber sein leichtes Grinsen erkenne, weiss ich, dass es ihm kein bisschen ernst ist. Wobei ich glaube, dass er mir irgendwann, spasseshalber, schon zeigen wird, was er gelernt hat. Aber jetzt ist nicht die Zeit dazu und das weiss er. Jetzt bemerke ich, dass ich noch gar nicht darüber nachgedacht habe, was ich nun machen will. Ich denke doch sonst immer nach, bevor ich handle.
Die ganze Sache hat mich ziemlich aus dem Konzept gebracht. Sasuke ist mittlerweile wohl der Einzige, der das noch ab und an zustande bringt. Er ist aber auch derjenige, der mich aus meinen Gedanken holt. „Sag mal, würdest du gefälligst meine Fragen beantworten und mich nicht ignorieren?", fragt er,
wobei er mich ernst ansieht. Ich seufze leicht und erwidere seinen Blick.
„Tut mir ja Leid, aber ich habe über etwas nachgedacht.", sage ich ruhig.
Sasuke mustert mich mit gerunzelter Stirn. „Nh? Worüber denn genau?", will er von mir wissen. Noch einmal seufze ich leicht. Ich habe nicht wirklich eine Idee, wie ich ihm meine Gedanken erklären soll.
Nach einigen Momenten stelle ich meinem Brüderchen die simple Frage: „Was jetzt?"
Er ist sichtlich verwirrt, was schon fast wieder zum lachen ist. „Naja, hast du dir denn auch schon überlegt, wie das nun weiter geht?",
Ich erwarte eine Art von nein, lasse mir das aber nicht anmerken. Mein Bruder sieht mich überrascht an und macht nun einen verstreuten Eindruck.
„Ah... Naja...", wie es scheint ist ihm gerade aufgefallen, dass er sich wirklich noch keine Gedanken darüber gemacht hat. Ich muss darüber leicht grinsen. „Hab ich fast schon erwartet.", gestehe ich ihm. Nun verzieht er sein Gesicht zu einem Schmollmund. „Wie hätte ich mir das auch überlegen sollen?", auch wenn er schmollt, liegt ein ernster Ton in seiner Stimme. Eigentlich hat er da ja ganz recht. Trotzdem hätte ich gedacht, dass er eine Vorstellung oder ähnliches hat. „Hast ja recht. Ich dachte nur, dass du dir vielleicht Gedanken gemacht hast.", „Wie hätte ich das denn bitte anstellen sollen, hä? Ich wusste ja nicht einmal ob du überhaupt auftauchen und mit mir reden würdest! Und schon gar nicht worüber und wie! Ausserdem hätte das alles ja von dir inszeniert sein können, um mein Vertrauen zu gewinnen und mich wieder zu verletzen! Und...", Gegen Ende seiner Rechtfertigungen wird er immer lauter und aufgebrachter. 'Wer hat hier was inszeniert?', frage ich mich, spreche es aber nicht aus.
„Komm mal wieder runter, Sasuke.", Ich weiss nicht mehr was ich mit ihm machen soll. Er verwirrt mich einfach. Eine zeitlang sieht er mich einfach schweigend und trotzig an. Dann seufzt e jedoch. „Sorry, aber darüber habe ich mir eben Gedanken gemacht...!", verteidigt er sich wieder. „Schon gut, du brauchst dich nicht immer gleich zu rechtfertigen. Ausserdem, ich habe mir etwa die gleichen Gedanken gemacht.". Wieder schweigt mein Bruder nur. Doch er sieht mich nicht trotzig, sondern schuldbewusst an. „Ich weiss.", murmelt er. „Aber trotzdem...", ich seufze wieder und strecke mich. Versteh einer die Welt, also ich tu´s nicht. „Du rechtfertigst dich ja auch immer... Also darf ich auch!", motzt Sasuke, wobei er sich benimmt, wie ein kleines Kind. Es ist mir bis eben nicht aufgefallen, aber wir streiten uns wie richtige Geschwister.
„Du tust es schon wieder.", merke ich an und beobachte seine Reaktion.
„Was tue ich schon wieder?", Ich scheine ihn aus dem Konzept geworfen zu haben. „Na, dich rechtfertigen", meine ich belustigt. „Wie? Nein tue ich gar nicht!", versucht er sich rauszureden. Ich lächle leicht.
„Du benimmst dich wie ein Kleinkind.", Sasuke sieht mich daraufhin verdattert, ja fast entgeistert an und setzt sich neu hin; mit dem Rücken zu mir.
Zu meiner Verwunderung schweigt er auch noch und lässt das auf sich sitzen.
Ich warte ab, da ich glaube, dass er nach Ausreden sucht, oder ihn bald die Geduld verlässt. Doch er bleibt weiter still.
Langsam frage ich mich, was das werden soll. „Sasuke?", frage ich, aber er antwortet wieder nicht. Langsam nervt es also. Ich lehne mich leicht vor um Sasuke, natürlich nur um ihn wieder 'zurück zu holen', einen Schlag auf den Hinterkopf zu verpassen. Ich komme aber nicht einmal zum Ausholen, da dreht sich Sasuke plötzlich wieder zu mir um und smiled mich an.
„Weisst du was, Nii-san?", Während Sasuke mich mit einem Grinsen im Gesicht ansieht, und anscheinend etwas im Schilde führt, bin ich wieder aus der Bahn geworfen. Warum nennt er mich denn aufs mal so? Es macht mich froh, aber es verwirrt mich auch. Ich ziehe eine Augenbraue hoch und sehe ihn gespielt skeptisch an. Eigentlich ist es erstaunlich, dass ich noch so rumalbern kann. „Kannst du mir erklären, was das eben sollte?", frage ich, obwohl ich es doch wüsste. Sasuke denkt deutlich gespielt nach. Nun frage ich mich aber ernsthaft, was er mir Dummes antworten wird. Er lehnt sich zu mir vor und ich warte einfach nur seine Antwort ab.
„Tut mir Leid, Itachi...", sagt er ganz ernst. „Ein andermal vielleicht!",
Damit pockt er mir auf die Stirn, springt vom Bett auf und rennt zur Tür. Ich reibe mir verdattert die Stirn und realisiere jetzt erst so richtig, was er eben gemacht hat. Ich sehe überrascht und noch immer etwas verstört zu Sasuke, der grinsend in der Tür steht und mir die Zunge rausstreckt.
Irgendwie steht gerade einiges Kopf. „Hahaha... Du guckst gerade ziemlich schräg, Itachi!", lacht mein Bruder. Er öffnet die Tür und grinst weiter.
„Lässt du das echt auf dir sitzen, he?", fragt er provozierend. Ich weiss genau, worauf er hinaus will. Es wirkt so unwirklich, macht aber doch so viel Sinn.
Mit einem wissenden Lächeln stehe ich vom Bett auf.
Während ich aber auf Sasuke zugehe, wird es zu einem fiesen Grinsen. Ein paarmal blinzelt der Kleine und merkt gar nicht, dass ich schon fast bei ihm bin. „Glaubst du?", Ich will Sasuke packen, doch er reagiert schnell genug und macht einen Schritt zurück. Ich merke wie die Verwirrtheit aus seinem Gesicht verschwindet und ehe ich mich versehe steht er schon an der Treppe.
„Fang mich, wenn du es mir wirklich zurück geben willst!", grinst er.
Ich grinse zurück und gehe darauf ein. Manchmal ist es besser, seinen Vernunft einfach mal abzuschalten. „Du solltest lieber schon mal wegrennen!",
Sasuke nimmt mich beim Wort, denn er poltert gleich darauf die Treppe runter. Ich renne ihm nach. Ich denke nicht mehr drüber nach, was ich tue.
Und ich bin unachtsam. Ich bemerke die Gestalt, gegenüber des Hauses im Dickicht, nicht. Die Gestalt lächelt vor sich hin, zufrieden mit sich und dem hier. Die Person macht eine Handbewegung und die Anbus in der Umgebung ziehen sich zurück. „Es war gut es dir durch Naruto gezeigt zu haben, Sasuke.", murmelt er und verschwindet dann lautlos.
Doch das alles nehme ich nicht wahr. Und Sasuke anscheinend auch nicht. Wir beide werden auch nie erfahren, dass es nicht der Junge war, der die Kugel aktiviert hat, sondern er, der ein anderes Jutsu darauf gelegt hat. Aber das ist nicht massgebend. Gerade gibt es keine Vergangenheit oder Zukunft.
Sondern nur das hier und jetzt.
