Gedankenverloren betrachtete Scully ihre Reflektion im Badezimmerspiegel.
Dieser war noch leicht benebelt vom Dampf der heißen Dusche und in ihren Gedanken war genau das eine gute Beschreibung ihrer Gemütsverfassung.

Noch immer spürte sie ein angenehmes Ziehen in ihren Muskeln. Ihre Beine waren schwächer als wäre sie einen Marathon gelaufen.
Ihre Gedanken schwirrten durch den Kopf wie ein Schwarm wildgewordener Bienen.
Am meisten jedoch faszinierte sie, dass von all dem nichts in ihrem Spiegelbild zu erkennen war.

Sie fühlte sich anders als sonst.

Glücklicher?

Wieder schweiften ihre Gedanken zu den Ereignissen der letzten Nacht.

Bilder blitzen vor ihrem inneren Auge auf.

Mulder wie er heiße Küsse auf ihrem Körper verteilt als er quälend langsam ihre Bluse öffnet.

Ihre eigene Hand wie sie sich in seinen vollen, dunklen Haaren festkrallt um ihn genau dahin zu leiten wo sie es am meisten braucht.

Sein heißer Atem der ihren Hals streichelt als er sich an sie presst.

Ihre Beine die eng seine Hüfte umschlingen um ihn noch näher zu spüren.

Der raue Ton seiner erregten Stimme in ihrem Ohr wie er immer wieder ihren Namen ruft.

Ihre eigene Stimme, belegt von Lust, die seinen Ruf erwidert.

Seine starken Muskeln unter ihren Fingern wie sie vor Anspannung zucken.

Sie war kein spontaner Mensch. Sie mochte Ordnung und Struktur. Deshalb hatte es ihr die Medizin wohl so sehr angetan.

Mulder hatte eine gehörige Portion Chaos in ihr Leben gebracht. Immer wieder schaffte er es sie aus der Reserve zu locken und sie aus ihren gewohnten Mustern zu bringen.

So sehr sie auch immer wieder versuchte sich einzureden, dass es sie nervte so musste sie sich inzwischen eingestehen, dass ihr Leben um einiges aufregender und vielleicht auch lebenswerter geworden war seit dem sie ihn kannte.

Auch hatte sie gelernt, dass er ein Mensch war auf den sie sich bedingungslos verlassen konnte. Er hatte immer zu ihr gestanden ohne zu hinterfragen.

Womit sie sein Vertrauen verdient hatte konnte sie sich noch nicht vollständig erklären.

Es fiel ihr nicht leicht ihre professionelle Maske fallen zu lassen, zu sehr war sie Teil ihres Lebens geworden.

Manchmal war sie sich nicht mehr sicher wer sie wirklich war.

Doch die letzte Nacht war anders gewesen. Er hatte sie durchschaut, hatte genau gewusst was er tat. Sie hatte sich komplett fallen lassen in seinen Armen. Diese Erfahrung war befreiend und beängstigend zugleich gewesen.

Doch er hatte jeden Anflug von Angst verscheucht. Sie fühlte sie geborgen, geliebt und vor allem begehrt in seinen Armen.

Gestern hatte er es ein weiteres Mal geschafft, dass sie von sich selbst überrascht wurde.

Ein One Night Stand.

Mit Ihrem Partner.

Im Büro

Ihre Freundin würde ihr niemals glauben, und auch sie selbst war nicht hundert Prozent überzeugt, dass das nicht alles ein wundervoller Traum gewesen war.

Sie lachte leise bei diesem Gedanken und schüttelte den Kopf.

"Ich hoffe du lachst nicht über mich."

klang seine verschlafene Stimme hinter ihr.

Er stand in der Badezimmertür und lächelte verschmitzt

Ihre Blicke trafen sich kurz im Spiegel, dann senkte sie den Kopf als sie spürte wie ihr das Rot in die Wangen stieg.

Er ließ einige Sekunden verstreichen bevor er von hinten an sie herantrat und einen Arm um ihre Hüfte legte.

"Wir geben ein tolles Paar ab findest du nicht?"

Sie schmiegte sich an seinen starken Körper und genoss die Wärme die von ihm ausging. Schon viel zu lange hatte sie sich nicht mehr so gut gefühlt um diesen Moment nicht auszukosten.

"Ein Paar also?" fragte sie vorsichtig.

"Naja..." er küsste sie Federleicht auf den Kopf "Wir beide. Zusammen."

"Mulder, ich bin mir bewusst was "Paar" bedeutet."

Sie drehte sich in seinen Armen so, dass sie ihm in die Augen blicken konnte.

"Mulder, normalerweise..."

"Sh sh...nein! Du brauchst dich nicht zu erklären!" er strich ihr eine Strähne des roten Haares aus dem Gesicht.

Sie schüttelte den Kopf und lächelte unsicher.
"Die letzte Nacht war ungewöhnlich. Etwas Besonderes. Für uns beide...hoffe ich. Ich würde nichts daran ändern wollen!" sagte sie leise. In ihrer Stimme schwang die unbestimmte Angst, dass er doch anders darüber dachte. Sie wusste nicht ob sie es aushalten könnte wenn es für ihn doch nur eine günstige Gelegenheit für ein bisschen Spaß gewesen wäre.

Ihr Herz pochte, sie war sich fast sicher, dass er es hören konnte.

"Ich weiß nicht ob ich die letzte Nacht nochmal so wiederholen würde." sagte er mit ausdrucklosem Gesicht.

Plötzlich schlug ihr das Herz bis in den Hals.

Sollte es tatsächlich wahr sein?

War sie nur...eine von vielen für ihn?

"Der Bleistifthalter in meinem Rücken war doch sehr unbequem." fügte er grinsend hinzu.

Ungläubig sah sie ihn an, dann gab sie ihm einen Klapps auf den Oberarm.

"Mulder" sie wusste sie nicht was sie sagen sollte. Erleichterung strömte durch ihren Körper.

Er hatte sie schon wieder erwischt.

"Ich weiß nicht ob ich das lustig finden soll!" sagte sie trotzig.

"Ich finde das auch nicht lustig. Ich bin sicher ich habe einen blauen Fleck" er grinste schelmisch und küsste ihre Wange bevor er ihr ins Ohr flüsterte

"Vielleicht könntest du mal einen genaueren Blick drauf werfen Dr. Scully"

Ohne eine Antwort abzuwarten zog er sie an sich und küsste sie leidenschaftlich. Sie erwiderte seinen Kuss und vergrub die Hände in seinen Haaren bevor sie begann mit ihrer Zunge die seine zu massieren.

Langsam aber bestimmt dirigierte er sie mit seinem Körper ein paar Schritte zurück bis sie gegen die Ablage des Waschtisches stieß. Er hob sie hoch und setzte sie auf die erhöhte Fläche so, dass sie auf Augenhöhe waren bevor er begann langsam den Gürtel ihres Bademantels zu lösen.

"Oh Mulder..." seufzte sie und ließ den Kopf in den Nacken fallen. „Bitte hör nicht auf."

Anstatt einer Antwort begann Mulder sanfte Küsse entlang ihres Schlüsselbeins zu verteilen was heiße Wellen der Lust durch ihren Körper jagte.

Kurz blitze in ihr der Gedanke an ihr Spiegelbild auf.
Sie kicherte leise. Wie es wohl in diesem Moment aussehen musste?!

Lange konnte sie diesen Gedanken jedoch nicht festhalten, Mulders Hände die langsam unter ihren Bademantel schlüpften blendeten alles andere um sie herum aus und sie gab sich vollkommen dem Gefühl der Erregung hin das sich schnell in ihr aufstieg und ihren Puls rasen ließ.