Die ganze Nacht machte Oliver kein Auge zu. Die Erinnerung stieg wieder hoch. Der Tag an dem Sandra ihm gesagt hatte das sie schwanger sei. Die Schuldgefühle die er gegenüber Laurel hatte. Das Gefühl das er nicht bereit sei um Vater zu werden. Damals... vor der Insel hatte es etwas beruhigendes als sie ihm sagte das sie eine Fehlgeburt hatte. Doch heute war er ein anderer Mensch. Es frustrierte es ihn. Nachdem er die Anderen weggeschickt hatte ging er sofort in sein Zimmer wo er sich für Stunden in seinem Bett herumwälzte.
Als am nächsten Morgen die Anderen zurück zur Villa kamen, beobachteten sie Oliver wie er im Bademantel im Garten umher lief. Um eine Statue herum und immer im Kreis. Alle drei konnten deutlich den plattgedrückten Rasen sehen der in einem perfekten Kreis um die Statue herumführte.
„Wie lange dauert es wohl bis er eine Grube gelatscht hat?" fragte sich Roy.
„Ich frage mich eher wie lange er schon da draußen rumläuft." sagte Felicity und lief die Treppe hinunter um zu Oliver zu gehen.
„Felicity!" rief Diggle. „Vielleicht sollten wir ihm noch ein bisschen Zeit geben?"
Felicity sah die beiden Männer an und seufzte. Diggle hatte recht. Auf diese Weise zu erfahren das man ein Kind hat, setzt einem bestimmt zu. Die nächsten Stunden verbrachten sie damit Akten durchzusehen die Oliver bei Gericht benötigen würde um die Firma zurückzuerlangen als dieser plötzlich durch die Tür trat und vor Ihnen stand. Oliver war müde, unrasiert und hatte Ringe unter den Augen. Seine Team-Kameraden sahen ihn besorgt an.
„Wisst ihr..." begann Oliver „... bei all dem was sich meine Mutter erlaubt hat... ist das die wohl mit Abstand größte..."
Oliver brach mitten im Satz ab und setzte sich neben die anderen.
„Oliver... Wie geht es Ihnen?" fragte Diggle.
„Jetzt haben wir eine Sache gemeinsam, Dig. Nur hätte ich gedacht das sie lange vor mir dran sind." sagte Oliver und seufzte. „Was glaubt ihr was es geworden ist? Junge oder Mädchen?"
„Was hätten Sie den gerne?" fragte Felicity.
„Ich weiß es nicht! Es ist mir auch egal. Solange es gesund ist... Es ihm gut geht!"
„Das ist aber süß!" sagte Felicity und nahm Oliver an der Hand. „Wenn Sie ihr Kind suchen möchten... Wir stehen voll und ganz hinter Ihnen!"
Oliver sah sie an und war gerührt. „Danke, Felicity! Das weiß ich sehr zu schätzen."
„Wie ist den das passiert? Ich meine... sie wissen schon, Oliver?" fragte Diggle.
Oliver lehnte sich in dem unbequemen Campingstuhl zurück und atmete tief durch. „Ich habe sie in einem Club kennen gelernt. Ich war mit Tommy dort. Es war kurz nachdem Laurel mich gefragt hatte ob wir zusammenziehen. Und wie sie alle wissen war ich damals... alles andere als ein anständiger Junge! Wir tranken und wir nahmen irgendetwas ein... keine Ahnung was das für Zeug war. Das nächste was ich weiß ist das wir beide hinten in der Garage aufgewacht sind. Wir lagen zwischen den Gartengeräten wo wir von den Gärtnern gefunden wurden. Wir erinnerten uns an gar nichts."
„Ziemlich unanständig!" sagte Felicity.
„Besser als Tommy! Der lag nackt vor dem Zimmer meiner Eltern und hatte den Teppich vollgekotzt..." sagte Oliver verlegen. „Jedenfalls... kam sie ein paar Wochen später auf mich zu und erzählte mir das sie schwanger sei. Was mache ich..."
„Kann ich mir vorstellen!" sagte Diggle.
„Ich erzählte es meiner Mutter!" erzählte Oliver. „Außer mir und Sandra war sie die einzige die noch darüber Bescheid wusste. Weder mein Vater, noch Thea hatten eine Ahnung. Sie hatte es auch niemandem erzählt. Ein paar Tage später rief sie an und sagte das sie eine Fehlgeburt hatte. Ich war erleichtert. Aber zeitgleich... hatte ich das Gefühl selbst etwas verloren zu haben. Was glaubt ihr? Wie viel hat meine Mutter gezahlt?"
„Gezahlt?" fragte Felicity.
„Ich habe den Brief mindestens 200 mal durchgelesen. Meine Mutter hat ihr etwas gezahlt! Im nach hinein denke ich, werde ich diese Frau niemals verstehen." sagte Oliver betrübt.
„Die Queen-Frauen kann man nicht verstehen." sagte Roy noch mehr deprimiert und dachte erneut an Thea. „Tja... Oliver, du kannst ihn oder sie ja besuchen. Keine Ahnung was das für ein Pakt war den die Mutter deines Kindes mit deiner Mutter eingegangen ist... aber... es heißt nicht das du sie nicht kontaktieren darfst." sagte Roy. „In dem Brief stand, das sie es nicht darf. Du aber schon..."
„Du hasst recht!" sagte Oliver. „Slade ist weg! Die Rochev ist weg! Blood ist weg! Gerade jetzt ist die beste Zeit ihn kennenzulernen. Und glaubt mir... niemand kann mir das nehmen."
Stolz und mit einem breiten lächeln im Gesicht stand Oliver auf und verließ den Raum. Die anderen sahen ihm hinterher und waren verlegen. Es war ruhig. In der Stadt lief noch das große Aufräumen. Viele zogen weg. Sogar die Kriminellen schienen weniger zu werden. Es war eigentlich die perfekte Zeit um für ein paar Tage wegzufahren. Im Wohnzimmer sahen die anderen Oliver hinterher.
„Oliver Queen ist Papa!" sagte Diggle. „Auf das Kind bin ich gespannt."
„Vielleicht sieht es ja aus wie Thea!" sagte Roy verträumt.
Die anderen beiden sahen ihn verwirrt an.
„Roy, wir reden gerade nicht über Thea!" sagte Diggle.
„Wisst ihr... Wir wollten sogar zusammen die Stadt verlassen." sagte Roy.
Die beiden Zuhörer waren verwirrt. Der Liebeskranke Roy war mit seinem Herzschmerz kaum zu ertragen. Felicity ergriff die Initiative.
„Roy... hasst du schon mal eine Trennungstherapie gemacht?" fragte Felicity
„Trennungstherapie?" fragte Roy verwirrt.
„Ja!" sagte Felicity und stand auf wobei sie Roy aus dem Haus begleitete. „Du gehst jetzt in den Laden und holst dir Schokoladeneis. Das wirst du ganz aufessen. Auf dem Weg dorthin drehst du das Autoradio laut auf und singst verzweifelt mit. Dann setzt du dich vor den Fernseher und siehst dir die ganze Nacht Teleshopping an. Aber ohne was zu kaufen. Und morgen trinkst du eine ganze Kanne Kaffee bevor du eine eiskalte Dusche nimmst. Und dann ist die Welt wieder in Ordnung!"
„Und das hilft?" fragte Roy verwirrt als er nach draußen trat.
„Mir hat es geholfen als Oliver die Sache mit Sara angefangen hat!" sagte Felicity genervt und knallte die Tür zu bevor sie rot anlief.
In diesem Moment kam Oliver die Treppe hinunter. „Haben Sie etwas gesagt Felicity?"
„Nein!" sagte Felicity mit einem breiten unschuldigen Grinsen im Gesicht und lächelte Oliver an.
„Felicity... würden Sie mir helfen nach... sie wissen schon wem zu suchen?" fragte Oliver. „Es mag vielleicht komisch klingen aber... auch wenn ich den Jungen oder das Mädchen nicht kenne fühle ich mich jetzt wo ich weiß das es sie oder ihn gibt so... Ich weiß nicht! Dieses Gefühl. Vor der Insel hätte ich nicht gedacht das sich so etwas so schön anfühlt."
Felicity war gerührt. Oliver kannte das Kind nicht einmal und war schon jetzt ein besserer Vater als ihrer es war. Sie nickte also nur und lächelte wobei sie sich nicht verkneifen konnte ein paar Tränen zu lassen. Oliver war so dankbar das er sie umarmte. Felicity, zunächst völlig irritiert, legte aber anschließend auch die Arme um ihn und erwiderte die Umarmung. In diesem Moment fühlte sich Felicity geborgen wie noch nie. Auch Oliver fühlte sich nun viel besser. Zusammen gingen Sie zurück ins Wohnzimmer wo sich Felicity an ihren Tablet setzte und anfing zu suchen. Zeitgleich räumten Oliver und Diggle die Dokumente zusammen bevor Felicity, überraschend schnell, etwas fand.
„Ich habe was." sagte sie.
Oliver war kurz verwirrt. „Wie lange war das... 20 Sekunden? Was haben Sie?"
Oliver setzte sich neben sie. Auch Diggle kam näher. Auch ihn interessierte es sehr. Felicity machte ein paar Wischbewegungen auf dem Tablet und präsentierte Oliver das Foto einer Frau.
„Das ist sie!" sagte Oliver.
„Also..." begann Felicity. „Miss Sandra Hawke,... geboren 1986, ist gemeldet in Central City. Genauer gesagt im Vorort Meadowood. Etwas außerhalb der Stadt... Sie ist alleinstehend. Sekretärin in der Verwaltung einer Bank. Und hat einen Sohn Namens Connor!"
„Connor!" sagte Oliver verträumt. „Schöner Name! Was lässt sich noch über ihn herausfinden."
„Hier ist noch etwas! Connor besucht ab September die zweite Klasse der Grundschule, ist bei den Pfadfindern wo er kürzlich sein Anfänger Abzeichen im Bogenschießen gemacht hat..." sagte Felicity und alle mussten lächeln. „So und, was ist das denn... Offenbar hat Sandra Hawke in den letzten drei Monaten viermal Anzeige gegen unbekannt erstattet!"
„Was soll das heißen?" fragte Oliver, dessen Stimmung sich schlagartig geändert hatte.
„Ich hab mich in die Lokalen Polizeiakten gehackt. Vor drei Monaten zeigte sie eine Unbekannte Person an die um ihr Haus herumschlich. Zwei Wochen später meldete sie einen versuchten Einbruch. Jemand hat versucht mit einer Brechstange ihr Küchenfenster aufzuhebeln. Vor einem Monat hat jemand ihren Briefkasten angezündet und erst vor drei Tagen..."
Felicity hielt geschockt inne.
„Was? Was geschah vor drei Tagen?" fragte Oliver.
„V... Vor drei Tagen... meldete sie einen Unfall mit Fahrerflucht. Jemand hat versucht... Connor zu überfahren..."
Ende Kapitel 2
Bitte um Review.
