So! Hier ist nun endlich der zweite Teil. Tut mir Leid, dass ich mir so viel Zeit lasse, ich hab momentan einiges zu tun und schreibe noch dazu an 3 FF's gleichzeitig... ^^; Naja, genug gebrabbelt. Viel Spaß. ^^
Ich besitze keinerlei Rechte an den Charakteren (zumindest Haruka und Michiru ^^) - diese sind Naoko Takeuchi vorbehalten.
Am nächsten Morgen wurde Haruka viel zu früh von der jungen Krankenschwester geweckt, die wie jeden Morgen kam, um ihre Verbände zu wechseln. „Guten Morgen, Tenoh-san. Zeit fürs Frühstück!", flötete die Krankenschwester gut gelaunt. Haruka blinzelte gegen das Licht der Sonne, als die Vorhänge zurück gezogen wurden und gab ein missmutiges Geräusch von sich.
Dann rappelte sie sich auf und ließ die Beine über den Bettrand gleiten.
„Laut dem Oberarzt dürfen Sie schon morgen nach Hause.", verriet ihr die Krankenschwester und zwinkerte ihr aufmunternd zu. Sie entfernte den Verband um Haruka's Kopf und bedachte sie mit einem prüfenden Blick. „Den Verband brauchen Sie nun auch nicht mehr. Die Wunde ist gut verheilt."
Haruka lächelte dankbar und nickte zuversichtlich. „Das sind ja mal gute Neuigkeiten.", dann setzte sie ein charmantes Grinsen auf. „Nur schade, dass ich dann nicht mehr in den Genuss Ihrer Behandlungen komme. Ich hatte mich schon beinahe daran gewöhnt."
Die junge Frau errötete leicht und sah ihre Patientin ein wenig perplex an. Dann räusperte sie sich. „Das fasse ich als Kompliment auf.", antwortete sie leise.
Haruka lachte auf. „Genau so war es auch gemeint."
Die Krankenschwester lächelte kurz und brachte dann das Frühstück ins Zimmer.
An diesem Tag schlug Haruka auffällig oft den Weg zum Kaffee-Automaten ein, in der Hoffnung, ihr noch einmal über den Weg zu laufen. Vergebens.
Inzwischen fragte sie sich, ob die „Unterhaltung" der vergangenen Nacht nicht bloß ein Traum gewesen war.
Mit einer dampfenden Tasse in der Hand marschierte sie geradewegs zu dem Fenster, an dem das Mädchen in der vergangenen Nacht gestanden hatte und sah nach draußen. Auf der gegenüberliegenden Seite befanden sich die Fenster des parallelen Ganges des großen Krankenhauses. Dazwischen erstreckte sich ein großes Stück Wiese mit Laubbäumen, einigen Bänken und breiten Gehwegen, die weiter in die überraschend große Anlage hinein führten. Haruka hatte bisher nie diese Seite des Gebäudes betrachtet. Von ihrem Zimmer aus konnte sie nur die breite, viel befahrene Hauptstraße sehen. Hier hinten sah es beinahe aus, wie in einem normalen Park. Bis auf die Tatsache, dass viele Menschen mit Krücken oder Rollstuhl unterwegs waren. Die meisten von ihnen wirkten erstaunlich entspannt und glücklich.
Ein Lächeln huschte über Haruka's Gesicht, als ihr ein Gedanke in den Kopf schoss.
Sie hastete zurück in ihr Zimmer, entledigte sich dem Krankenhaus-Nachthemd und streifte sich mit etwas Mühe eine Jeans, ein schwarzes T-Shirt und ihre dünne schwarze Lederjacke über. Wenige Sekunden später war sie auf dem Weg nach unten in den Hof. Als die ersten Sonnenstrahlen ihr Gesicht berührten, schirmte sie die Augen mit ihrer gesunden Hand ab und sog tief die frische Luft ein. Sie war seit Tagen nicht mehr draußen gewesen. Am liebsten wäre sie los gelaufen und nie wieder hier her zurück gekehrt.
Sie ließ ihren Blick über den weitläufigen Platz gleiten, wobei ihre Augen forschend von einer Person zur nächsten huschten. Langsam schlenderte sie los und begann mit ihrer Suche nach der schönen Unbekannten.
Nach einer Weile erfolglosen Suchens ließ sie sich enttäuscht auf eine der Bänke fallen und legte den Kopf in den Nacken. Ihr Optimismus sank von Minute zu Minute. Dann wanderte ihr Blick hoffnungsvoll nach oben zu den Fenstern in der Nähe ihres Zimmers. Doch auch hier war keine Spur von ihr.
Sie seufzte resigniert. Wahrscheinlich würde sie sie nie wieder sehen und vielleicht war es auch besser so.
Haruka lehnte sich zurück und schloss die Augen. Die warmen Sonnenstrahlen taten ihr gut und schon bald heiterte sich ihr Gemüt wieder ein wenig auf. Morgen durfte sie endlich wieder nach Hause. Und bald hoffentlich auch wieder Rennen fahren.
Dann erinnerte sie sich an ein Gespräch mit ihren Eltern, als diese ihr mitgeteilt hatten, dass sie sie auf einer anderen Schule angemeldet hatten. Endlich konnte sie diesen nichtsnutzigen Haufen voller Idioten hinter sich lassen.
Doch was erwartete sie auf der neuen Schule? Konnte es noch schlimmer werden, als es auf der letzten war?
Sie drängte diese entmutigenden Gedanken beiseite. Ihr Vorsatz für einen diesmal besseren Start sollte nicht scheitern.
Mit einem entschlossenem Blick erhob sie sich und spazierte noch eine ganze Weile durch die Anlage, bevor sie sich auf den Weg zurück zu ihrem Zimmer machte.
Als sie dort ankam, brachte die junge Krankenschwester gerade das Mittagessen. Die junge Frau betrachtete Haruka aufmerksam von oben bis unten. „Sie scheinen sich wirklich schon viel besser zu fühlen.", bemerkte sie lächelnd und stellte das Tablett auf dem Tisch ab. Haruka nickte zustimmend, streifte ihre Jacke ab und hängte sie in den schmalen Schrank zurück. „Es geht mir blendend!", antwortete die Blondine gut gelaunt und gesellte sich zu ihrem Mittagessen. „Bis auf diesen dämlichen Gips.", sie grinste die Krankenschwester schief an. Diese lachte leise auf und hob tadelnd den Zeigefinger: „Wenn Sie sich noch eine Weile schonen, sind Sie den Gips bald los. Also übertreiben Sie es nicht, auch wenn Sie morgen entlassen werden!"
„Ja, ja, ich hab es kapiert.", antwortete Haruka mit einem belustigten Unterton und begann langsam zu essen. Als die junge Frau das Zimmer verlassen wollte, sah Haruka von ihrem Teller auf. „Sagen Sie... Kann ich Sie etwas fragen?"
Die Krankenschwester hielt mit der Hand auf der Türklinke inne und wandte sich wieder ihrer Patientin zu. „Gestern wurde ein Mädchen eingeliefert... Langes welliges Haar, zierlich, ziemlich hübsch und... etwa in meinem Alter..."
Die Mundwinkel der Krankenschwester zuckten verräterisch: „Was denn? Gefällt sie Ihnen?", sie grinste kurz. Haruka, überrascht, dass die junge Frau so offen und ohne negativen Unterton auf ihre Sexualität anspielte, hob abwehrend die Hände. „Nein! Ich meine... Sie sah nicht besonders fit aus und ich wollte wissen..."
„Es tut mir Leid.", unterbrach ihr Gegenüber sie entschuldigend. „Ich darf leider niemandem Auskunft über unsere Patienten geben, außer direkten Verwandten."
Haruka zwang sich ein verständnisvolles Lächeln auf: „Ich verstehe. Trotzdem danke."
Die junge Frau nickte ihr lächelnd zu und verschwand dann aus dem Zimmer.
Als Haruka aufgegessen hatte, streckte sie sich kurz. Dann stand sie auf und trat an das große Fenster. Die Straße war so befahren, wie immer um diese Zeit.
Beim Anblick der vielen Autos wanderten ihre Gedanken auf die ihr so vertraute Rennstrecke. Die Vorfreude darauf, endlich wieder auf ihr Motorrad zu steigen, war schon beinahe quälend. Sie schloss die Augen und kicherte vergnügt in sich hinein, während sie sich vorstellte, auf ihrem Motorrad zu sitzen und den Wind in ihrem Haar zu fühlen.
Michiru lag in ihrem Zimmer und starrte zur Decke. Ihr Blick war leer und ihr Atem ruhig und gleichmäßig. Das einzige Geräusch in dem kargen Zimmer war das regelmäßige Piepen des Geräts, das ihren Puls überwachte.
Sie reagierte nicht, als die Tür geöffnet wurde und eine Krankenschwester mittleren Alters mit einem Tablett den Raum betrat. Ihr kurzes schwarzes Haar war mit Spangen zurück gesteckt, sie hatte dunkle Augen und trug eine rahmenlose Brille. Sie trat an das Bett des Mädchens und sah sie eine Weile lang besorgt an.
Dann unterbrach sie leise und einfühlsam die Stille: „Möchten Sie etwas essen?"
Ihre Patientin zeigte keinerlei Reaktion. Ihre Augen blieben reglos zur Decke gerichtet.
„Kaioh-san.", setzte die Krankenschwester erneut an. „Sie haben seit gestern keinen Bissen Nahrung zu sich genommen. Sie müssen etwas essen. Wenigstens eine Kleinigkeit."
Michiru wandte ihr Gesicht ab und sah zum Fenster. „Ich habe keinen Hunger.", ihre Antwort war nicht viel mehr als ein Flüstern, sodass ihre Pflegerin ihre Worte nur erahnen konnte.
Sie seufzte leise und stellte das Tablett, welches sie die ganze Zeit über in den Händen gehalten hatte, auf dem Beistelltisch ab.
„Ich lasse es trotzdem hier. Rufen Sie mich einfach, wenn Sie etwas brauchen."
Wieder keine Reaktion.
Leise verließ die Krankenschwester das Zimmer und ließ Michiru wieder alleine.
Der Blick des Mädchens wanderte langsam zu dem Tablett, auf dem ein Stück Toastbrot, ein Päckchen Marmelade, ein Stück Butter und ein in durchsichtiges Plastik eingepackter Keks bereit lagen.
Sie streckte ihre Hand nach dem Keks aus und betrachtete ihn eine Weile. „Was soll's...", murmelte sie leise, entfernte die Verpackung und ließ den Keks langsam in ihrem Mund verschwinden.
Gedankenverloren kaute sie darauf herum, während sie mit der Verpackung zwischen ihren Fingern herum spielte.
Der Arzt hatte ihr mitgeteilt, dass sie in drei oder vier Tagen wieder nach Hause durfte, wenn sich ihr Zustand besserte. Doch dort wollte sie überhaupt nicht mehr hin.
Zurück an diesen Ort voller Inakzeptanz und Hass, der die letzten Tage über geschürt wurde, war das letzte was sie wollte.
Sie dachte über die letzte Unterhaltung nach, die sie mit ihren Eltern geführt hatte, bevor sie im Krankenhaus wieder aufgewacht war. Es war innerhalb der letzten 3 Tage nur eine von vielen gewesen.
Ihre Mutter, eine hübsche zierliche Frau, von der Michiru einen Großteil Ihres Aussehens geerbt hatte, saß am Küchentisch. Sie hatte ihre Stirn auf ihre ineinander verschränkten Hände gestützt und wirkte deutlich erschöpft. „Nun sei dir doch endlich darüber bewusst, was du da sagst, Kind.", ihre Stimme klang kraftlos. Sie hatte keine Energie und Geduld mehr, dieses Thema weiter zu besprechen.
Ihr Mann saß auf dem Stuhl neben ihr und sah seine Tochter, die den beiden gegenüber saß, streng an. Enttäuschung und Ärger waren in seinen dunkelblauen Augen aufgeflackert. „Ich dulde es nicht, dass du unserer Familie eine derartige Schande bereitest!", er schlug mit der flachen Hand so fest auf den Tisch, dass das Wasserglas neben ihm überschwappte und beinahe umkippte. Michiru zuckte bei dem lauten Knall zusammen. Ihre Augen hatten sich mit Tränen gefüllt und ihre Finger krallten sich unter dem Tisch in den grün-blau karierten Rock ihrer Schuluniform.
„Geh mir aus den Augen! Ich will den Rest des Tages... besser noch den Rest meines Lebens nichts mehr von diesem Thema hören!", die Stimme ihres Vaters polterte in ihren Ohren. Ihr wurde schwindelig, als sie krampfhaft versuchte, die heißen Tränen zurück zu halten, die in ihren Augen brannten. Sie wollte nur noch weg von hier. Sie konnte die wütenden Gesichter ihrer Eltern nicht mehr ertragen. Und sie wollte ihnen nicht noch ein weiteres mal erklären, dass sie alt genug war, um zu wissen was sie wollte. Dass sie alt genug war, Entscheidungen zu treffen.
Sie stand so ruckartig auf, dass ihr Stuhl nach hinten umkippte und mit einem lauten Knall auf dem Boden aufprallte. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, wirbelte sie herum und ließ ihre Eltern in der Küche zurück. Nach allem was sie bisher geleistet hatte... Nach all den Jahren harter Arbeit für gute Schulnoten... Nachdem sie für die Träume ihrer Eltern einen Großteil ihrer Kindheit aufgegeben hatte, um tagtäglich stundenlang das Geige spielen zu üben... War ein wenig Verständnis und Unterstützung nun wirklich zu viel verlangt?
Als sie endlich ihr Zimmer erreichte, waren ihre Wangen bereits mit Tränen benetzt. Sie konnte es nicht länger zurück halten. Zu groß waren die Wut und die Enttäuschung, die in den vergangenen Tagen in ihr hoch gekocht waren.
Gerade als sie die Tür geräuschvoll hinter sich zuschlagen wollte, taumelte sie. Sie verfehlte den Türrahmen, an dem sie sich festhalten wollte, als ihre Beine unter ihr nachgaben und stürzte mit einem dumpfen Knall zu Boden. Der Schlafmangel und die Erschöpfung nach den stundenlangen Diskussionen mit ihren Eltern forderten ihren Tribut. Um sie herum verschwamm alles. Vor ihrem inneren Auge flackerten die Gesichter ihrer Mitschüler auf, die hämisch grinsten und ihren Triumph in vollen Zügen genossen.
Als Haruka endlich die Erlaubnis hatte, nach Hause zu gehen, dauerte es nicht lange, bis sie durch den Haupteingang nach draußen trat und sich von den warmen Sonnenstrahlen begrüßen ließ. Sie konnte beinahe die ganze Welt umarmen. Am meisten freute sie sich darüber, diesen lästigen Gips endlich los zu sein – musste jedoch noch ein paar weitere Tage mit einem Verband vorlieb nehmen. Sie streckte sich ausgiebig, als gerade ihr Vater auf sie zukam, um sie abzuholen.
„Hoffentlich war dir das eine Lehre.", scherzte er und sah sie über den Rand seiner Brillengläser hinweg an. Sein Schnurrbart zuckte ein wenig, als er sich ein Grinsen verkniff. Sein dichtes blondes Haar war ordentlich zurück gekämmt und anhand seines Anzugs und der Krawatte war es für Haruka offensichtlich, dass er direkt aus der Arbeit hier her gekommen war.
Sie grinste schief und zuckte die Achseln. „Das kommt ganz darauf an, wie man sich mir gegenüber verhält.", antwortete sie auf dem Weg zu seinem silbernen Auto.
Ihr Vater seufzte resigniert und öffnete die Beifahrertür für seine Tochter. Er wusste, dass sie sich nicht so schnell ändern ließ – wenn dies überhaupt jemals geschehen würde. Sie war schon immer ein Dickkopf gewesen. Und er musste zugeben, dass sie diese Eigenschaft durchaus von ihm geerbt hatte.
Als sie beide eingestiegen waren, startete er den Motor und warf Haruka einen Seitenblick zu. „Hast du Hunger? Ich lade dich ein."
Seine Tochter nickte begeistert. „Und wie! Nach dem ganzen Krankenhausfraß würde ich alles dafür geben, jetzt einen Burger zu essen."
Sie lachten beide kurz auf und nur wenige Minuten später parkte der Wagen vor Haruka's Lieblings-Imbiss.
Guuut. Das war es vorerst wieder von meiner Seite. Ich hoffe es hat euch gefallen.
Wenn ihr wissen wollt, wie es weiter geht und was hinter Michiru's Streit mit ihren Eltern steckt.. Behaltet die Story einfach im Auge. ^^
Ich werde mich bemühen, diesmal etwas schneller den nächsten Part hochzuladen.
