Auf die Minute genau kommt mein kleiner Schatz die Tür hinein. Zumindest wünschte er sich bestimmt aus tiefstem Herzen, dass ich ihn so nenne. Wie unbeholfen er wieder wirkt und immer versucht es zu überspielen, damit ich es nicht merke! Vergiss es… Nach wenigen Wochen habe ich es schon geahnt, wie du mich angesehen hast, wie du mich behandelst. Du wartest förmlich auf den Moment, in dem ich dich aus freien Stücken berühre, dir sogar meine Liebe gestehe?! Hahaha… niemals! Wie konntest du so blöd sein und dieses Gefühl in dir zulassen?
Ich werde dich zappeln lassen, dich quälen, wie du es einst mit mir getan hast, und mir irgendwann das nehmen, was ich schon immer will!
Hach, wie schön, dass ich ihn so nervös mache. Mir gefällt es, wie er versucht meinem Blick auszuweichen, doch ich habe dich schon lange durchschaut, Lawliet!
Der Jüngere schenkte ihm ein überaus freundliches Grinsen und lehnte sich entspannt zurück in den Stuhl, an dem er fixiert war. Für L war es jedes Mal eine Qual, aber auch gleichzeitig ein wunderschöner Moment in seine Nähe zu sein. Er kannte dieses Gefühl "Liebe" nicht. Hatte es erfolgreich all die Jahre ignoriert und verschlossen. Wollte nie so etwas zulassen, da es als Detektiv hinderlich schien. Doch in einem unachtsamen Moment, als er ihn beobachtete, wie er damals in seiner Zelle lag, mit einem gequälten fast traurigen Gesichtsausdruck, die Brandwunden über seinem Gesicht noch frisch und gerötet, hatte es ihn erwischt. Er wollte ihm so etwas nicht antun und beschloss an diesem Tag, ihn zu verlegen, wo es ihm wenigstens etwas besser ging.
Nun stand der Schwarzäugige direkt vor Beyond, ratlos, was er jetzt tun sollte. Als der Blick des Irren auf die Papiertüte in L's Hand fiel, öffnete er sie fahrig und holte ein großes Marmeladenglas hervor.
Oh! Das nenne ich doch mal eine Überraschung. Immerhin wusste er, dass ich Erdbeermarmelade liebe! Wie aufmerksam von ihm… kihihi… Dann nehmen wir mal das Glas dankend an, wie es sich für jemanden mit Manieren gehört, und schenken ihm eine kleine, natürlich unbeabsichtigte Berührung, mit den Fingern. Hahaha, wie er plötzlich zittert…
Die Berührung der zwei Männern, die so gleich und doch so verschieden waren, erschrak den Detektiven und er zog die Hand schnell weg. Ihm wurde plötzlich extrem warm und die Hand fing an zu kribbeln. Mit aufgerissenen Augen starrte L den Rotäugigen an, wie er das Glas kurz streichelte, dann flink öffnete und direkt zwei Finger darin versenkte. In diesem Moment konnte man die pure Freude in seinem Gesicht sehen. Sie war ehrlich und nicht gestellt! Beyond schob sich die zwei Finger in den Mund und leckte sie genüsslich ab. L fragte sich, ob die Pfleger, die Heizung hier zu hoch gestellt hatten, wischte sich kurz über die Stirn und musterte Beyond weiter, wie er gierig die Marmelade leerte. Plötzlich trafen sich ihre Blicke und anstatt, wie jedes Mal, diesem Blick auszuweichen, wurde L in den Bann gezogen, fesselte ihn und schenkte dem Anderen seine volle Aufmerksamkeit.
Wie er mich wieder ansieht, kihihi… Ach L mein Kleiner, dass wird noch richtig spaßig zwischen uns zwei Hübschen. Ich denke ich ärgere ihn noch ein wenig… Ein bisschen Marmelade auf die Finger und nun richtig schön anzüglich die klebrige Köstlichkeit herunterlecken. Na L, wird dir warm?
