Edge und vor allem Christian waren jedes Mal froh, wenn ihr Vater mal auf Dienstreise war, das war für sie immer die schönste Zeit, sie konnten so richtig Toben und mussten keine Angst haben. Gangrel kam in den zwei Wochen jeden Abend, sobald die Sonne untergegangen war. Am Freitag und Samstag durften die beiden dann immer etwas länger aufbleiben und sich einen Film anschauen. Während die beiden Kinder den Film schauten, plante ihre Mutter zusammen mit Gangrel den Umzug. Da sie genau wusste, dass ihr Mann in fünf Wochen wieder eine Dienstreise unternehmen würde, planten sie den Umzug genau für diese drei Tage. Sie konnte es kaum noch erwarten, dass die Zeit endlich rum wäre.
Endlich waren die Wochen um. Edge ging wie jeden Morgen zur Schule und Christian wurde von seiner Mom in die Vorschule gebracht. Als sie das Haus verließen, kamen gerade die Umzugswagen. Edge sagte noch zu seiner Mutter:
„Irgendwer zieht aus unsere Straße weg."Seine Mutter schaute ihn nur an und sagte dann:
„Wir ziehen um. Ich verlassen euren Dad. Ich ertrage seine Wutausbrüche nicht länger."
„Und er kann Chrissy nicht mehr hauen."Ein Lächeln flog über Edges wie auch über Christians Gesicht.
Nach der Schule wartete ihre Mutter schon auf sie. Und schon im Auto waren beide so aufgeregt ihre neuen Zimmer zu sehen. Doch den Zahn musste ihnen ihre Mutter gleich ziehen. Da sie ja nun alleine für die Miete aufkommen musste, reichte es nur für eine Zweizimmerwohnung. Doch das störte die beiden nicht, da sie in letzter Zeit ja eh immer in einem Zimmer waren. Worüber sich Christian aber am meisten freute, war dass Gangrel sie jetzt jeden Tag besuchen kam. Edge gefiel es zwar auch, aber er war etwas eifersüchtig, weil sich Gangrel immer etwas mehr um Christian kümmerte. Es gab Momente, in denen er diese Eifersucht seinen kleinen Bruder spüren ließ. Aber die meiste Zeit verstanden sie sich bestens.
Seit ihrem Auszug aus dem alten Haus sind mittlerweile zehn Monate vergangen und Christians Einschulung stand kurz bevor. Seine Mutter traf sämtliche Vorbereitungen zusammen mit ihrer Mutter und Edge. Christian fragte immer wieder, ob Gangrel denn auch zur Einschulung kommen würde. Aber dies konnte man ihm nicht versprechen, denn keiner wusste, wo Gangrel zu dieser Zeit steckte.
Dann endlich kam der Tag der Einschulung, Christian war tierisch aufgeregt und verdammt stolz nun endlich auch ein Schulkind zu sein. Abends auf der Feier hoffte er die ganze Zeit, dass Gangrel noch kommen würde. Plötzlich klingelte es an der Tür und Christian rannte zur Tür um diese zu öffnen. Aber es war nicht Gangrel der, kam, nein es war sein Vater. Dieser nahm ihn sofort auf den Arm und gratulierte ihm dazu, jetzt ein Schulkind zu sein. Seine Mutter blieb wir angewurzelt stehen, als sie ihn sah. Wie um alles in der Welt hatte er die Adresse herausbekommen. In diesem Moment waren aber auch alle erleichtert, dass Gangrel nicht da war. Edge kam auch gerade aus dem Wohnzimmer gelaufen, als Christian nach ihm rufen wollte. Er blieb stehen und schaute seinen Vater fragend an:
„Dad?"
„Ja ich bin es. Hallo mein Großer. Na was macht die Schule?"
„Geht so, könnte lustiger sein."In diesem Moment zog Christian seinem Vater an der Jacke:
„Ey ich bin heute wichtig, ich komme zur Schule."Alle Anwesenden mussten anfangen zu lachen.
„So, so, mein Krümel ist heute also wichtig. Sag mal, wenn du jetzt zur Schule gehst, hast du doch bestimmt auch einen tollen Schulranzen. Zeigst du den mir mal?" Aber Christian schüttelte nur den Kopf:
„Wieso?"
„Weil Mama nicht so viel Geld hatte und ich jetzt den alten von Edge nehmen muss und den kennst du ja bestimmt schon."
„Hm, grübel, ich glaube, dann musst du mal mit mir zu meinem Auto kommen"Er fasste seinen Sohn an der Hand und ging mit ihm zum Auto. Als Christian dort dann den Kofferraum aufmachte, flogen etliche Luftballons los und als diese weggeflogen waren, kam ein Schulranzen zum Vorschein und noch eine riesige Zuckertüte, neben der noch eine etwas kleinere lag.
„Boah, ist der für mich?" Christian kam aus dem staunen gar nicht raus. Ausgerechnet eine blaue Schultasche, wo doch blau seine Lieblings Farbe ist.
„Ja die ist für dich und die große Schultüte auch. Und die kleine nehmen wir Edge mit hoch ja."In diesem Augenblick wurden die beiden zum Abendessen gerufen. Ganz stolz ging Christian mit der Mappe auf dem Rücken und der Schultüte in der Hand wieder hoch und präsentierte sie allen. Nach dem Essen packten die beiden die Schultüten aus. Später am Abend verabschiedeten sich die Gäste nach einander, so dass ihr Vater der letzte war. Er bat die beiden in ihr Zimmer zu gehen, da er etwas dringendes mit ihrer Mutter zu besprechen hätte. Er entschuldigte sich bei ihr und brachte einige Tage später sogar einen Blumenstrauß mit, was er früher nie getan hätte. Auch gegenüber Christian hatte sich sein Verhalten stark verändert, so dass beschlossen wurde, dass sie wieder zusammenziehen. Irgendwie waren Edge und auch Christian froh, wieder jeder sein eigenes Zimmer zu haben. Edge nahm sich jeden Abend, vor dem Schlafen gehen, noch etwas Zeit, um mit Christian zu lesen, so wie seine Mutter es mit ihm in der ersten Klasse getan hatte.
Ein paar Monate lang lief auch alles gut, bis Christian eines Tages mit einem blauen Auge aus der Schule kam. Seine Mutter legte ihm sofort einen Eisbeutel darauf. Als sein Vater Abends nach Hause kam und das Auge sah, fragte er ihn, wie das passiert ist. Christian erzählt ihm, dass ein etwas größerer Jung aus seiner Klasse ihn gegen eine Tür geschuppst hatte.
„Und was hast du gemacht?"wurde Christian gefragt.
„Nichts, ich bin doch keine Petze."
„Und warum hast du ihm nicht auch eine verpasst. Du kannst dich doch nicht von jedem einfach so rumschuppsen lassen."Tränen stiegen in Christians Augen. Daraufhin zerrte ihn sein Vater etwas heftiger am Arm.
„Fang jetzt bloß nicht an zu flennen."Faucht er ihn an oder es setzt gleich noch eine. Seine Mutter dachte sich nur, dass alles wieder von vorne anfinge. In diesem Augenblick überlegte sie, warum sie überhaupt zu ihm zurückgegangen war. Christian, der sich ein Schluchzen nicht verkneifen konnte wurde in sein Zimmer geschickt. Sein Vater stieß ihn regelrecht in sein Zimmer, schloss die Tür hinter ihm und sperrte sie ab. Edge wagte nicht einen Mucks zu sagen. Ihre Mutter jedoch wollte den Schlüssel haben und fing sich dafür einen Schlag ins Gesicht ein.
„Kein Wunder, dass dieser Bastard immer heult, so wie du ihn verhätschelst."Das war zu viel für Edge:
„Chrissy ist kein Bastard, er ist mein kleiner Bruder. Und ich will, dass du seine Tür wieder aufmachst."
„Hast du hier auch schon was zu sagen? Du ziehst die jetzt gefälligst eine Jacke und deine Schuhe an. Es wird Zeit, dass du zu einem ordentlichen Vampirjäger erzogen wirst. Du kommst jetzt mit mir mit."
„Ich will aber nicht. Ich will bei Chrissy bleiben."
„Das interessiert mich nicht. Zieh dich an."Seine Mutter gab ihm seine Jacke und bat ihn seinem Vater nicht zu wiedersprechen. Ohne es zu merken, heftete sie ihm einen Anhänger an die Jacke, durch den Gangrel, wenn er in der Stadt war, sehen konnte, dass sie Hilfe brauchte. Als Edge am Zimmer seines Bruders vorbeiging, hörte er ihn nur noch weinen und nach seine Mutter flehen. Bevor er auch nur noch ein Wort sagen konnte, zog sein Vater ihn aus dem Haus.
Seit zwei Stunden liefen sie nun schon quer durch die Stadt. Immer wieder fluchte Edges Vater, weil kein Vampir zu sehen war. Er spürte ganz genau, dass sogar ein recht mächtiger Vampir in der Stadt sein musste, aber erkonnte ihn nirgends ausmachen. Nach drei Stunden kehrten sie wieder nach Hause. Edge lief sofort zum Zimmer seines Bruders und konnte nichts hören. Deshalb ging er zu seinem Vater und bat ihn die Tür aufzuschließen. Wütend warf dieser ihm den Schlüssel vor die Füße und verließ das Haus um in die Kneipe an der Ecke zu gehen. So schnell wir möglich schloss er die Tür auf. Als er in das Zimmer schaute, stellte er zur Erleichterung fest, dass Christian sich seinen Schlafanzug angezogen hatte und ins Bett gegangen war. Er legt ihm noch den Teddy in den Arm und ging dann wieder zu seiner Mutter. Diese hatte ihm in der Zwischenzeit einen schönen, heißen Kakao gemacht.
„Und dann geht es ab ins Bett."
„Warum hat Dad so mit Chrissy geschimpft. Der Junge der ihn geschuppst hat, ist ein Kopf größer als er. Mit dem kann sich Chrissy niemals prügeln. Zumal der Typ eh einen Dachschaden hat."
„Edge, so was sagte man nicht."
„Aber es stimmt doch. Oder warum geht er erst jetzt in die erste Klasse, wo er doch ein Jahr älter ist als alle."Seine erklärte ihm, dass dieser Junge einen Unfall hatte und deshalb erst dieses Jahr in die Schule geschickt werden konnte, da er sonst im letzten Jahr die ersten zwei Monate der Schule eh verpasst hätte. Edge stellte seine leere Tasse in die Küche und als er aus dem Bad kam sagte er noch zu seiner Mutter:
„Das ist aber kein Grund, dass er Chrissy ärgert. Vor allem, wenn der ihm nichts getan hat. Der schuppst die kleineren nämlich nur aus Spaß, egal was passiert. Und wenn Chrissy zur Lehrerin gehen würde, würde Dad ihn als Petzte abstempeln. Das wäre auch nicht anders, als wenn Chrissy nichts tut. Aber ab Morgen passe ich etwas mehr auf ihn auf. Und wenn ihn jemand ärgert, gehe ich dazwischen. Dann müssen die erst mal an mir vorbei."
„Ja, jetzt aber ab ins Bett."Als Edge endlich im Bett war, schaute sie schnell in seine Jackentasche, ob da nicht eine Nachricht von Gangrel wäre. Aber Fehlanzeige, keine Nachricht von ihm. Aber eine Nachricht von einem anderen Vampir. Dieser versprach Gangrel unverzüglich zu informieren.
Eine Woche später, wurde Edge wieder gezwungen mit auf Vampirjagd zu gehen. Gerade als sie das Haus verließen, konnte er Gangrel hinter einem anderen Haus verschwinden sehen. Sein Vater hatte die Anwesenheit natürlich gespürt:
„Wo ist dieser Bastard."
„Ich habe nichts genaues gesehen Dad. Aber ich glaube da drüben könnte ein Schatten gewesen sein."Zu seinem Glück bewegte sich dort tatsächlich gerade eine Person. Ganz leise schliche sie sich an. Es war auch ein Vampir, aber nicht der Vampir, den sie gespürt hatten. Edge wurde aufgefordert genau hinzuschauen, wie man einen Vampir erlegt.
In der Zwischenzeit hatte Gangrel sich zur Haustür vorgewagt, als er das Aufheulen des gerade getöteten Vampirs hörte. Doch darum konnte er sich jetzt nicht kümmern. Er klingelte an der Tür und als aufgemacht wurde, kam ihm Christian gleich entgegengerannt.
„Onkel Grel ist wieder da." Dieser erkundigte sich danach, ob er richtig gesehen hatte, dass Edge mit auf Jage war. Christian wurde in sein Zimmer geschickt, wo er etwas für Gangrel basteln sollte. Seine Mutter erzählte Gangrel kurz und bündig, was in letzter Zeit passiert war.
„Ich habe dich doch gewarnt. Aber du musstest ihm ja unbedingt wieder vertrauen."
„Als er auf der Einschulungsfeier auftauchte, da war er ganz anders. Und die letzten Monate hat sich sogar fast mehr um Christian gekümmert, als um Edge. Wenn ich nur wüsste, warum er jetzt wieder so ist. Das kann doch nun wirklich nicht nur an einem blauen Auge gelegen haben."
„Wie jetzt?"
„Christian kam vor einer Woche mit einem blauen Auge nach Hause, weil er von einem wesentlich größeren Jungen geschuppst war. Da ist er völlig ausgetickt und hat ihn in sein Zimmer gesperrt, weil Chrissy dem Jungen keine runter gehauen hat. Und an diesem Abend musste Edge das erst Mal mit auf die Jagd. Ich bin froh, wenn er die nächsten beiden Wochen nicht zu Hause ist."
„Okay, dann versuche Chrissy so gut wie möglich zu schützen. Ich muss gehen, er ist auf dem Rückweg. Ich komme nächste Woche erst wieder, weil ich noch etwas zu erledigen habe. Aber ich möchte, dass du mir dann genau erzählst, wie sie Edge seit heute verhalten hat. Er musste vorhin mit ansehen, wie ein Vampir erlegt wurde. Ich will nur wissen, wie viel Vampirjäger in ihm steckt."Damit verschwand Gangrel durch den Garten. Keine Minute später stand Edge ganz stolz im Wohnzimmer und erzählte seiner Mutter, dass sie einen Vampir erlegt hatten. Dann ging er zu Christian ins Zimmer und erzählte es ihm. Dieser antwortete:
„Ich werde nie einem Vampir wehtun. Ist Onkel Grel noch da?"fragte er dann ganz leise.
„Nein, ist er nicht. Hast du das Bild etwa für ihn gemalt?"Christian nickte.
„Dann schenke ich es ihm beim nächsten Mal."
„Jetzt solltest du aber schlafen." ,sagte seinen Mutter.
- Fortsetzung folgt -
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