Kapitel 2 - Die Reise
Es war mittlerweile Abend geworden und die Sonne ging langsam unter als wir am Pier ankamen. Es dauerte nicht lange, bis Rainbow Dash das Schiff der Träume sah. R.M.S. Titanic. Sie betrachtete das Schiff mit großen Augen und Ehrfurcht.
„Das ist ja mal ein riesiges Boot!"
Ich musste schmunzeln.
„Rainbow, das ist ein Schiff! Die sind immer so riesig!" lachte ich, weil ich diese Szene aus dem Titanic-Film kannte.
„Hey was ist eigentlich so lustig darüber?"
„Ach, nichts. Das hat was mit der Erde zu tun. Ach ja, vorhin hast du mich Papa genannt, Rainbow. Warum?"
„Weil du zu mir gesprochen hast, wie er es damals getan hat. Das waren die ersten Worte, die mein Papa zu mir sagte. Und um genau zu sein, siehst du ihm ein bisschen ähnlich." kicherte sie.
Dass ihr Vater fast so aussieht wie ich machte ihn sympathisch. Wahrscheinlich würden wir uns gut verstehen. Zuerst musste Rainbow allerdings wieder zurück. Ich versuchte, das Thema zu wechseln, um keine Trauer in ihr hervor zu rufen.
„Das ist süß, Rainbow. Ganz nebenbei. Magst du es zu singen?"
„Ich habe nie wirklich gesungen. Manchmal pfeife ich ein bisschen.", gab sie zu.
„Ich glaube, da fällt mir gerade ein schönes Lied ein, was ich zufällig aufgeschnappt habe."
„Kann ich es hören?"
„Sicher.
Ein wahrer Freund hält sich stets bereit
Und hilft bei jeder Gelegenheit
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Denn sein Vertrauen schenkt dir ein wahrer Freund
„Hey. Das klingt echt schön. Kann ich es mit dir singen?" fragte ich.
„Natürlich. Leg los."
Dann fing sie an zu singen.
Ein wahrer Freund hält sich stets bereit
Und hilft bei jeder Gelegenheit
Ein wahrer Freund hält sich stets bereit
Denn sein Vertrauen schenkt dir ein wahrer Freund
„Beeindruckend, Rainbow. Du hast eine wundervolle Stimme."
„Du hast es wirklich gemocht? Dankeschön."
„Gern geschehen."
Sie hatte wirklich eine wunderschöne Stimme. Wir verbrachten noch den restlichen Abend uns die Ohren voll zu singen und uns Witze zu erzählen. Darin war sie nämlich auch sehr gut. Leider musste ich irgendwann wieder aufwachen und so verabschiedete ich mich, um am nächsten Abend wieder zurück zu kehren.
Es war 5.30 Uhr, meine Trainingszeit. Mein Wecker hatte mich mal wieder aus meinen Träumen herausgerissen. Ich sollte eigentlich jetzt meinen Frühsport beginnen, aber ich konnte nicht aufhören, an diesen Traum zu denken. Ist das wirklich passiert oder habe ich das nur geträumt? Langsam machte ich mir Sorgen ob ich vergessen würde was real ist und was fiktiv. Die Tatsache dass ich mittlerweile bei meinen Eltern ausgezogen bin und allein wohne, half da nicht besonders.
Ich musste einfach wissen, wer Rainbow Dash war. Ich versuchte mein Glück auf den bekanntesten Suchmaschinen im Internet und ich wurde fündig.
Meine Suche brachte mich auf die Serie „My Little Pony - Freundschaft ist Magie", Das war eine Kinderserie für Mädchen und Rainbow Dash war eines der Ponys die darin vorkamen. Es war seltsam ihre Bilder im Internet zu sehen. Scheinbar kannte sie die ganze Welt. Aber ich fand nicht nur die Bilder aus der Serie, es gab auch viele Bilder die die Leute selbst gezeichnet haben und viele sahen richtig gut aus. Allerdings kam kein Bild an das Original ran, was mir gestern über den Weg gelaufen bzw. geflogen war.
Doch auch wenn ich sie nun gefunden hatte, konnte ich auf den schnellen Blick nichts erkennen was uns bei ihrem Problem weiterhelfen könnte. Hatte ich vielleicht noch andere Anhaltspunkte als nur ihren Namen? Diese seltsamen Stimmen, eine davon war von ihr. Ich versuchte mich daran zu erinnern, was sie schrie bevor sie in meiner Welt auftauchte.
„WIE LANGE HAST DU DAVON GEWUSST?"
Es machte mich nervös, mich wieder an diesen Moment zu erinnern. Es klang nach einer ziemlich unangenehmen Situation. Doch Ich hatte keine Wahl. Hoffnungsvoll tippte ich den, die ich gehört habe, mit ihrem Namen in die Internet-Suchmaschine ein. Als die Suchmaschine mir 1 Ergebnis lieferte, stockte mir der Atem. Ich konnte es nicht glauben, etwas gefunden zu haben. Aber wahrscheinlich freute ich mich zu früh und es war irgendetwas Belangloses. Als ich auf den Link klickte, kam ich auf eine unvollständige Geschichte mit dem Titel „My Little Dashie" von einem Autor namens ROBCakeran53.
Ich versuchte mein Glück und überflog das Dokument bis ich fündig wurde. Diese Zeilen wurde heute erst geschrieben. Mich überkam ein Gefühl von Erleichterung aber auch Gänsehaut, als ich die Stelle las. Es war genauso geschrieben, wie ich es hörte. Sie war es tatsächlich die geschrien hatte. Natürlich wusste ich nicht, in welchem Zusammenhang das Ganze geschrieben wurde. Also begann ich, die Geschichte von Anfang an zu lesen…Zeile für Zeile…Satz für Satz. Die Geschichte war so packend, dass ich nicht einmal bemerkte, wie die ersten Stunden meines Urlaubstages langsam vergingen...
Am Abend hatte ich die Geschichte so gut wie durch. Es war wohl eine der ergreifendsten Geschichten, die ich jemals gelesen hatte. Tränen flossen über mein Gesicht, als ich zum Punkt kam, an dem die Geschichte eine traurige Wendung nahm. Bis dahin war es eine wunderbare Geschichte über das kleine Pegasus Fohlen namens Rainbow Dash aus „My Little Pony – Freundschaft ist Magie", das von einem unbekannten Mann, der die schlimmste Zeit seines Lebens hinter sich hatte, aufgenommen und aufgezogen wurde. Doch die beiden kamen in Streit, als Rainbow Dash herausfand, dass sie ein fiktiver Charakter aus der Kinder-TV-Show war. Danach flog sie weg. Und hier hörte die Geschichte plötzlich auf. Das war nicht das, was ich erwartet hatte.
Anstatt Antworten auf meine Fragen zu finden, haben sich jetzt mehr Fragen aufgetan. War es das? Bin ich in einer Sackgasse gelandet? Habe ich die ganze Zeit nach Antworten gesucht, nur um jetzt in Verwirrung zu enden? Die Geschichte musste weitergehen. Dennoch versuchte ich, dass bereits gelesene zu sortieren. Erst hatte ich den Zusammenhang nicht erkannt, zu dem was gestern in meinem Traum passierte. Dann schoss mir nur noch ein Gedanke durch den Kopf. Nun war alles so klar, es gab keinen Zweifel. Und auch wenn es unmöglich war, ist es dennoch passiert. Rainbow Dash ist in meiner Traumwelt gelandet, weil ich es mir gewünscht hatte.
Nach diesem ereignisreichen Tag kehrte ich in meine Traumwelt zurück und war zurück im Central Park. Ich konnte keinen der Pinguine sehen, Kowalski war scheinbar immer noch nicht fertig mit seiner Erfindung, um das Problem von Rainbow Dash zu lösen. Also beschloss ich dieses Mal Rainbow Dash in meinem Auto die Stadt zeigen. Sie war wahrscheinlich vorher noch nie mit ihrem Papa Auto gefahren. Ich denke es würde ihr Spaß machen, das Adrenalin zu erleben, was man bekommt, wenn man bei diesen alten Autos das Gaspedal komplett durchtritt. Doch soweit sollte es nicht kommen. Kowalski rannte auf mich zu und war überwältigt, dass er die Maschine fertiggestellt hatte. Mein einziger Gedanke war jetzt, dass sie zurück zu ihrem Vater gehen könnte. Ich hätte die Zeit noch heraus zögern können, aber ich wollte es nicht. Ich musste es ihr einfach sagen, so schwer es mir fiel. Ich sah sie gerade, als sie mit Marlene Ballprellen spielte.
„Rainbow? Die Maschine ist fertig. Du kannst wieder nach Hause gehen."
Ihre Pupillen wurden sehr groß. Sie zeigte eine große Begeisterung und ließ den Ball fallen.
„Wirklich? Worauf warten wir dann noch? Lass' uns gehen!" rief sie und flog so schnell sie konnte zu Kowalskis Labor.
Ihr schien es leichter zu fallen wie mir. Sie musste ihren Vater wirklich lieben. Aber das war okay, schließlich war ich nicht ihr Papa. Vielleicht würde sie sich daran erinnern, dass ich ihr geholfen habe. Oder sie wir mich nach einiger Zeit mit ihrem Papa einfach vergessen. So würde es wahrscheinlich sein, aber ich wollte daran nichts ändern. Sie gehört zu ihrem Papa, nicht hierher zu mir. Ein paar Augenblicke später standen wir dann vor der Maschine die Kowalski entwickelt hatte.
Diese Maschine sah seltsam aus. Sie hatte zwei gläserne Kapseln mit jeweils einem Bett innen. Jedoch war hinter diesen Kammern eine seltsame Apparatur, die wie ein weißes dreieckiges Kreuz leuchtete. Auf dem Kasten, der das Objekt umschloss, konnte ich nur die Warnhinweise erkennen: „DISCONNECT CAPACITOR DRIVE BEFORE OPENING; SHIELD EYES FROM LIGHT".
Typisch, Kowalski hatte immer so eine Schwäche für möglichst viele Warnhinweise. Neulich baute er an das Pinguin-Einsatzfahrzeug Spiegel mit der Inschrift „OBJEKTE IM SPIEGEL SIND NUR REFLEKTIONEN"
„Also, wenn meine Berechnungen korrekt sind, landet Rainbow Dash dank meiner Maschine auf der Erde mit einer Abweichung von 5 Metern zu deiner Position um 5:30 am präzise." sagte er.
Ich wusste nicht wie das funktionieren sollte, aber Rainbow Dash war anscheinend vollständig davon überzeugt, dass es funktionieren würde. Sie stellte sich vor die Maschine und setzte einen entschlossenen Blick auf.
„Ich bin bereit." sagte sie.
„Ich auch." stimmte ich zu.
Wir legten uns beide jeweils in eine Kammer und Kowalski schloss den Deckel. Jetzt gab es kein Zurück mehr. Entweder die Maschine hat Erfolg oder…Rainbow Dash wird ihren Vater nicht mehr wiedersehen.
„Okay, und los geht's!" sagte Kowalski und legte einen Hebel um, der die Maschine in Gang brachte.
Als ich durch die Glasscheibe nur noch ein weißes Licht sah, hörte ich Kowalski rufen:
„Jetzt ist der Moment gekommen dir was zu wünschen! Wünsche dir, dass Rainbow Dash mit dir auf die Erde reisen kann!"
Ich schloss meine Augen und sprach den Wunsch in meinen Gedanken aus:
Ich wünschte dass Rainbow Dash mit mir auf die Erde reisen kann!
Dann wurde es still. Ich machte meine Augen auf und sah verschwommen die Umrisse meines Zimmers. Die Uhr neben meinem Bett zeigte 5:30 und ich war wach.
„Hat es funktioniert?" fragte ich mich.
Ich sah mich in meinem Zimmer um…
Nichts…
Wo war sie? Sie war doch gerade noch neben mir. Es lief doch alles so gut. Marlene und Kowalski haben mir versprochen, dass es funktioniert. Also, wieso war sie nicht hier?
Dann realisierte ich wieder die Situation. Es war nur ein Traum. Wie hätte ich ahnen können, dass sowas funktioniert? Es ist nur in meinem Kopf geschehen, natürlich hatte das keinen Einfluss auf die Realität. Doch dann hörte ich ein Klopfen vom Balkonfenster.
Ich schaute sofort nach, woher das Geräusch kam. Ich öffnete den Vorhang zum Balkonfenster und…sah sie dort sitzen. Sie sah mich mit großen Augen an.
Ich konnte es nicht glauben. Rainbow Dash ist mir in die reale Welt gefolgt. Ich sah sie direkt vor mir. Ihr blaues Fell, die Regenbogenmähne und die rosaroten Augen. Sie sah so bezaubernd aus, dass ich fast vergessen hatte, die Tür für sie zu öffnen.
„Hi nochmal, ähm…Würde es dir was ausmachen mich reinzulassen?" rief sie durch das Fenster.
Ich öffnete die Tür für sie und sie betrat meine Wohnung. Sicher, es war nicht die größte Wohnung, aber es war genug für mich. Was war das für ein Erlebnis für mich. Rainbow Dash war nun wirklich in der Realität und lief durch meine Wohnung. Doch dann machte ich mir Gedanken. Von diesem Moment an hatte ich ein seltsames Gefühl der Verantwortung für sie. Ich musste sicherstellen, dass ihr nichts passiert, bis sie zu ihrem Vater kam. Vorsichtig ging ich mit ihr aus meiner Wohnung auf die Straße. Ich stellte sicher, dass uns niemand sah. Als wir unter dem freiem Himmel standen, war es für mich klar.
„Bist du sicher, dass du von hier aus den Weg kennst?" fragte ich sie.
„Ich muss in den Süden fliegen. Dort kann ich mich dann an den großen Bergen orientieren. Es gibt einen riesigen Wald in der Nähe des Hauses meines Daddys. Ich sehe es oft von oben, also bin ich sicher, dass ich ihn finden werde.
Sie war bereit für ihre Reise, daran bestand kein Zweifel. Sicher, ich wollte nicht gehen lassen, aber mein Herz sagte mir, das ist die richtige Entscheidung.
„Also, ich denke, es ist Zeit sich zu verabschieden. Es war ein Vergnügen dich zu treffen Rainbow Dash. Ich bin sicher, du wirst eine glückliche Zeit mit deinem Vater zusammen haben."
Plötzlich umarmte sie mich.
„Danke. Ich werde nie vergessen, was du für mich getan hast. Mach´s gut."
Ein paar Tränen liefen über unsere Gesichter. Wir haben uns erst drei Tage zuvor getroffen.
„Oh, keine große Sache." antwortete ich verlegen.
Dann schaute sie zum Himmel und ich wusste, sie würde jeden Moment weg fliegen.
„Komm schon, du möchtest doch bestimmt nicht, dass dich jemand weinen sieht, Rainbow.", kicherte ich.
Sie grinste mich an, als sie ihre starken Flügel ausbreitete.
Dann flog sie in den Himmel, so schnell sie konnte. Es dauerte nur ein paar Sekunden, bis sie am Horizont verschwand. Das einzige, was ich noch sah, war dieser mächtige Regenbogen, der ihr folgte. Ich hoffte, dass niemand sonst ihn bemerkt hatte. Es war früh am Morgen, also waren nicht viele Menschen auf der Straße.
Ich sah den Regenbogen an, bis es langsam verblasste. Dann begann ich meinen Tag. Ich brauchte etwas zu tun. Etwas, um auf andere Gedanken zu bekommen. Also nahm ich mein Fahrrad und verbrachte den Tag an der frischen Luft.
Als ich von meiner Tour wieder nach Hause kam, warf ich einen Blick auf meinem Computer, und sah dass es passiert ist. „My Little Dashie" wurde fortgesetzt.
Ich öffnete meine Augen von dem plötzlichen Klang, und ich schaute nach links. Ich war geschockt über das, was ich vor mir sah, auch mit Tränen in den Augen. Dashie, meine kleine Dashie, ihre Mähne und ihr Schweif bedeckt mit Rosen und Baumharz, steht ein paar Meter von mir entfernt. Sie ist durchnässt, sowohl mit Regen als auch mit Tränen. Ich hatte sie nicht mal gehört, wie sie sich angeschlichen hat. Sie war sehr leise und leichthufig, wie es ein Pegasus-Pony nun mal ist.
Ich war so glücklich, dass sie es geschafft hat. Nun konnte ich mich wieder meinem Leben widmen, und ich habe jetzt noch viele neue Sachen in meiner Traumwelt vor. Ich konnte es kaum erwarten, um ehrlich zu sein. Das würde jetzt die schönste Zeit meines Lebens werden.
