Ungeduldig trat Jack von einem Fuß auf den anderen, legte seine Stirn in Falten und murmelte vor sich hin, in der Hoffnung, dass das Warten bald ein Ende hatte. Wie er es hasste zu warten. Was Daniel wohl so lange machte? Wozu brauchte man zehn Minuten, um einen Bericht abzugeben? Das war doch eigentlich kein großer Akt. Klopfen. Eintreten. Bericht hinlegen. Und raus. Alles in allem ganz einfach und vor allem schnell. Ohne jegliches Geplänkel drum herum. Jack hielt plötzlich inne, als er Daniel erblickte.

"Sag mal, wo warst du denn so lange? Können wir endlich los?" fragte Jack leicht gereizt.

"Ja, aber ohne mich!" antwortete Daniel und erntete sogleich fragende Blicke seiner Freunde.

"Was heißt hier 'Ohne mich!', Daniel?" kam es irritiert und halb geschrieen von Jack.

"General Hammond...er...na ja..." druckste Daniel.

"Ja! Was denn nun?" unterbrach Jack Daniels Stottern.

"General Hammond schickt mich mit SG-4 auf eine Mission, weil deren Archäologe wegen Grippe ausgefallen ist."

"Und da schickt Hammond ausgerechnet dich, obwohl er doch ganz genau weiß, was wir geplant haben. Na toll!" regte sich Jack wütend auf.

"Es tut mir Leid, Jack! Ich weiß doch wie viel dir an dem Ganzen liegt. Ich verspreche, dass ich bis zum Abendessen am 24. da sein werde, okay?"

"Gut, kann man wohl nichts machen. Aber wage es nicht zu spät zu kommen, verstanden?" gab Jack mit einem ironischen Unterton in der Stimme zurück, grinste leicht in sich hinein und Daniel verstand.

"Versprochen!"

Daniel hätte Jack jetzt am liebsten küssen wollen, aber das ging nicht. Nicht hier. Jack fühlte nicht anders, auch er wollte Daniels Lippen zum Abschied berühren. Der Colonel wandte sich zum Fahrstuhl um, wo Sam und Teal'c bereits warteten und betrat die Kabine. Bevor sich die Fahrstuhltüren allerdings schlossen, warf Jack Daniel noch einen wehmütigen Blick zu und Daniel nickte verstehend. Der Archäologe blieb noch einen Moment in seiner typischen Haltung – die Hände in den Hosentaschen – stehen, obwohl sich die Türen bereits endgültig geschlossen hatten und marschierte dann auch zurück, um sich für die Mission fertig zu machen.

***

In Jacks Wagen verließen sie gemeinsam den Mountain. Eine weiße Landschaft mit einer meterhohen Schneedecke erstreckte sich vor ihnen. Es war ein schöner Tag, die Sonne schien und es schneite nicht. Sie hatten freie Sicht und konnten sich gemütlich auf den Weg zum Einkaufszentrum machen, bevor sie die Fahrt nach Minnesota aufnahmen. Richtig freuen konnte sich Jack nicht. Die Vorstellung, Daniel trieb sich allein - ohne ihn - auf irgendeinem Planeten rum, brachte Jack innerlich um. Jack hatte es sich so toll vorgestellt, sie alle - zusammen - in der Hütte beim Vorbereiten des Festes mit allem drum und dran. Doch dann machte ihnen ausgerechnet General Hammond einen Strich durch die Rechnung. Frustriert bog der Colonel auf den Highway ab, der weitestgehend frei war. Sam schaltete das Radio ein, aus dem Weihnachtslieder dudelten. Sie bemerkte Jacks Wut und versuchte sich selbst nicht anmerken zu lassen, dass es ihr ähnlich erging. Sicher wäre es schöner, wenn sie vier zusammen waren, aber wenn General Hammond es als wichtig ansah, dass Daniel unbedingt auf die Mission mitgehen sollte, musste es halt sein. Daniel ist und bleibt nun mal der Beste auf dem Gebiet und wen, wenn nicht ihn, konnte man sonst fragen.

***

Zur selben Zeit betrat Daniel mit SG-4 den Zielplaneten, auf dem sich, laut Aussage des Majors, eine riesige Tempelanlage befand. Dort gab es einige Schrifttafeln an den Wänden, die sehr interessant schienen - einer groben Übersetzung nach zumindest. Daniel durchschritt den Tempeleingang ehrfurchtsvoll, wegen der Größe des Bauwerkes. Es war faszinierend, überwältigend und gigantisch. So etwas hatte er schon lange nicht mehr gesehen. Alles war sehr gut erhalten. Überall an den Wänden hingen weiße Tafeln mit schwarzer, und schwarze Tafeln mit weißer Schrift. Meterhohe Statuen säumten den Weg ins Tempelinnere. Eine riesige schwere Tür wies den weiteren Weg. Allen Anzeichen nach lebten hier einst sehr fortschrittliche Wesen, die - aus welchen Gründen auch immer - verschwunden waren. Und diesen Gründen sollte Daniel auf den Zahn fühlen. Die Begeisterung über diesen Ort ließ Daniel fast die Tatsachen vergessen, dass er sich eigentlich mit Jack und den anderen auf dem Weg in die Weihnachtsfeiertage befinden sollte.

***

Nach knapp einem halben Tag erreichten Jack und die anderen ihr Ziel, die Hütte. Die Temperaturen lagen mittlerweile bei -10°C und der See trug eine dicke Eisdecke. Jack und Teal'c entluden den Wagen und Sam half ihnen die Sachen ins Haus zu schaffen. Im Inneren angekommen, stellte sie die Tüten mit den Einkäufen in die Küche und die Taschen mit den Klamotten ließen sie im Eingangsbereich fallen. Auf der Garderobe entdeckte Jack einen Zettel vom Lieferanten, der ihnen ein frohes Fest wünschte. Im Wohnzimmer standen annähernd zehn große Kartons, die voll gestopft waren mit Dekoration. Jack musste einiges vorhaben, wenn er sämtliche Materialien brauchte, dachte Sam. Sie wurde das Gefühl nicht los, dass da mehr dahinter steckte. Die Tatsache, dass sie vier zusammen Weihnachten feierten, fand sie nicht mehr so seltsam, wie zuvor. Was war es dann, weshalb sich Sam fast verzettelte beim Grübeln? Wollte Jack ihnen allen etwas mitteilen, bevor es die anderen im SGC erfuhren? Womöglich wollte er sogar über seine bevorstehende Kündigung sprechen? Aber gab es dafür einen Grund? Eigentlich nicht! Der Major verwarf den Gedanken daran ganz schnell wieder. Sie dachte noch eine Weile darüber nach, fand aber keinen plausiblen Grund, der vermuten ließ, dass etwas im Argen lag.

***

Teal'c betrachtete sich das seltsame Zeug in den Kartons, die sich im Wohnzimmer stapelten und wunderte sich mal wieder, wozu man all die Schleifen, Girlanden, Strohfiguren, Kugeln und Lichterketten brauchte, wobei das noch nicht alles war. In einer anderen Kiste entdeckte er ein paar Figuren von geflügelten Wesen, deren Existenz weder bewiesen noch ausgeschlossen war. Der Jaffa würde sich alles genau ansehen und hoffte so noch mehr von den Tau'ri zu lernen, denn so richtig verstand er sie immer noch nicht, da sie das Talent besaßen mit immer abstruseren Dingen aufzuwarten. Aber ihn warf nichts so leicht aus der Bahn, war er doch die Ruhe selbst. Und so beschloss Teal'c alles auf sich zukommen zu lassen.

***

Jack sah die Arbeit, die noch auf sie zukam. Eineinhalb Tage waren es noch bis Daniel hier auftauchen würde und bis dahin musste alles fertig sein. Was Daniel jetzt wohl gerade tat? Sicher saß er jetzt über einem Artefakt und schaute es sich genau an, um heraus zu finden, als was es wohl diente. Jack wusste, dass sie morgen mit dem Großteil fertig werden mussten. Es musste das Haus geschmückt, der Baum geholt und das Essen gekocht werden. Die Nacht war längst herein gebrochen, sodass Jack und die anderen ins Bett gingen, schließlich wollten sie sehr früh aufstehen. Der Colonel träumte von Daniel, wie er neben ihm lag und sie sich zart und sanft berührten. Spürte regelrecht die Wärme des anderen und den Atem an seinem Ohr. Zärtlich fuhren schmale Finger über weiche Haut und Lippen hinterließen dünne Spuren darauf. Ein Geräusch ließ den Colonel aufschrecken und in die Realität zurückkehren, Kälte schlug ihm entgegen.

***

Daniel fiel erschöpft in sein Nachtlager. Die Arbeit hatte ihn völlig ausgelaugt. Im Tempel gab es jede Menge zu finden, fast schon unheimlich. Das meiste waren kleine Artefakte zur Ausübung von Ritualen und Zeremonien, aber das wirklich wichtige waren die Tafeln und die Schriften. All das musste morgen fertig werden, wenn er Weihnachten mit seinen Freunden und Jack verbringen wollte. Was Jack jetzt wohl gerade tat? Sicher war er dabei die Hütte festlicher zu gestalten oder scheuchte Sam und Teal'c durch die Gegend. Oder aber er lag schon im Bett und schlief. Daniel dachte daran, welchen Spaß er verpasste, weil er nicht dort sein konnte. Lange musste er aber nicht auf ein Wiedersehen warten.

***

Am Morgen des 23. Dezember, genossen die drei Freunde ein ausreichend großes Frühstück, bevor es an die Arbeit ging. Es gab einiges zu tun. Jack verteilte die Aufgaben, denn Logistik war alles. Weil Daniel nicht da war, übernahm er mit Sam das Kochen und am nächsten Morgen in der Früh würde er den Baum holen, den sie am Nachmittag schmücken wollten. Ehe sie aber mit dem Kochen anfingen, hieß es das Haus zu dekorieren. Jack hielt seit dem Tod seines Sohnes nicht viel von Weihnachten, da es mit unzähligen schmerzhaften Erinnerungen behaftet war. Doch seit er Daniel kannte, der ihm einmal erzählt hatte, dass er nie ein richtiges Weihnachtsfest gehabt hatte, war alles anders - seltsamerweise. Und seit sie beide ein Paar waren, beherrschte Jack nur ein einziger Wunsch - Daniel ein schönes Fest zu ermöglichen - ganz anders als in den Jahren zuvor, in denen sie Weihnachten meist zusammen verbracht hatten.

Nach dem Frühstück lag der Inhalt der Kartons überall im Wohnzimmer - gut sichtbar - ausgebreitet auf dem Fußboden, dem Tisch und der Couch. Und dann ging es auch schon los. Jack dirigierte Sam und Teal'c an die Stellen, wo er sie haben wollte. Sie halfen beim Halten der Girlanden oder gaben Tipps, dass auch alles gerade hing und nicht lieblos schief. Zwischendurch ähnelte Teal'c einem riesigen lebendig gewordenen Weihnachtsbaum, weil er statt einer gleich drei oder vier Girlanden, einige Schleifen und fünf Lichterketten trug. Da fragte man sich, wie man das alles überhaupt auf einmal tragen konnte. Über Stunden hinweg hörte man es hämmern, klirren, fluchen, poltern und Weihnachtslieder trällern, bis das ganze Haus ausgeschmückt war. Beleuchtete Girlanden hingen an jedem Fenster- und Türrahmen, im Eingangsbereich hing ein Lichternetz von der Decke herab, wo ein paar einzelne Strenge gen Boden fielen und ein großer Weihnachtsmann aus Holz stand neben der Garderobe. Auf jedem Tisch, jeder Anrichte standen kleine geschmückte Weihnachtsbäumchen, daneben meist ein Räuchermännchen, Kerzen oder andere Figuren, wie Engel, Schneemänner oder Weihnachtsmänner. Am Kamin hingen sogar die großen Strümpfe, welche Teal'c mit fragenden Blicken bedachte. Welchem Zweck dienten den Tau'ri wohl Socken am Ort der Feuerstelle? Selbst der Außenbereich war vollständig dekoriert. An der Eingangstür waren ein Kranz und eine Lichterkette befestigt. Und auch die Bäume und der Garten selbst waren beleuchtet. All das ergab das perfekte Bild einer typischen amerikanischen Weihnacht. Die drei gönnten sich erst einmal eine Pause und genossen die anheimelnde Atmosphäre und den fruchtig duftenden heißen Glühwein.

"Und wie gefällt es euch?" wollte Jack neugierig wissen.

"Sehr schön und gemütlich." entgegnete Sam und Teal'c nickte nur.

"Gut, dann fehlen nur noch der Baum und Daniel!"

"Nicht ganz. Der Punsch, die Plätzchen und das Essen sind auch noch nicht fertig." warf Sam scherzend ein.

"Um die Plätzchen und den Punsch werden Sie sich kümmern." stellte Jack klar.

"Einverstanden und Teal'c wird mir dabei helfen."

Kurz darauf schleifte Sam Teal'c in die Küche, während Jack die Überreste der Umgestaltungsaktion wegräumte. Unterdessen erklärte Sam dem Hünen, wie er den Teig zusammenstellte. Also warf er das Mehl, die Eier, die Butter, den Zucker und eine kleine Brise Salz in die Schüssel und knetete munter darauf los. Sam arbeitete nebenbei an ihrem Rezept. Bald darauf lag die Hälfte von Teal'cs Teig auf der Arbeitsplatte oder klebte in seinem Gesicht. Sam musste unweigerlich anfangen zu lachen, weil der Jaffa einfach nur zum Schießen aussah, wie ein kleiner ungeschickter Junge. Teal'c verstand die Reaktion des Majors überhaupt nicht, hob nur seine Augenbraue. Sam war der Meinung, Jack müsse sich das Szenario mit eigenen Augen ansehen und war auf dem Weg ins Wohnzimmer, dort wo sie ihn vermutete. Sie fand ihn nicht, doch bemerkte sie die kürzlich geöffnete Terrassentür. Draußen entdeckte sie Jack, dieser telefonierte gerade mit irgendjemand und machte dabei ein sehr wehmütiges Gesicht, wie sie fand. Mit wem er wohl sprach? So ging sie zurück in die Küche und half Teal'c dabei den Teig los zu werden.

***

Karton für Karton und Papierfetzen für Papierfetzen sammelte Jack zusammen. Nebenher summte er fröhlich ein paar Lieder. Das Papier wanderte sogleich in eine große Mülltüte und die Kartons machte er auseinander um sie schmal zu falten. Die Mülltüte stellte er vor die Eingangstür, damit er sie später in die Tonne werfen konnte. Er war gerade wieder auf dem Weg ins Wohnzimmer, um die Kartons in die Abstellkammer zu bringen, als das schnurlose Telefon klingelte. Ein Blick auf das Display verriet ihm den Anrufer, sodass er sich Richtung Terrassentür bewegte, sie aufmachte und heraus trat. Das Telefon klingelte noch einmal, dann ging Jack ran.

"Hi, Daniel! Schön deine Stimme zu hören!" begrüßte ihn Jack.

"Finde ich auch, Jack! Wie läuft es bei euch?" fragte Daniel neugierig.

"Alles bestens. Wir haben hier ne Menge Spaß, aber schöner wäre es, wenn du auch hier wärst." gestand Jack.

"Ich weiß, es tut mir ja leid. Ich wollte dir eigentlich nur Bescheid geben, dass wir wieder da sind."

"Das hab ich mitbekommen. Alles noch dran bei dir?"

"Ja, Jack, mir geht's gut. Alles noch dran und unversehrt."

"Das freut mich. Und wie lange musst du noch machen?"

"Da wartet noch eine kleine Übersetzung auf mich, die ich fertig machen soll. Aber ich fahre morgen im Laufe des Tages los, damit ich es rechtzeitig bis zum Abendessen schaffe."

"Dann will ich dich nicht länger aufhalten, sonst bist du nie bis 18:30 Uhr hier. Also bis morgen dann, Daniel!"

"Ja, bis morgen. Ach und Jack?"

"Ja?"

"Ich liebe dich!"

"Ich dich auch!"

Dann legten beide fast gleichzeitig auf. Daniel machte sich wieder an die Arbeit und Jack marschierte zurück in die Hütte.

***

Sam schob das letzte Blech in den Ofen. Überall duftete es bereits nach leckeren Plätzchen. Teal'c wurde kurzerhand zum garnieren des Gebäckes verdonnert, da Sam der Ansicht war, dass man da nicht viel falsch machen konnte. Jack saß nun auch in der Küche - trank ein Bier - und erzählte den anderen, dass Daniel angerufen und Bescheid gegeben hatte, dass er wohlbehalten zurückkehrt war und wann er morgen hier ankommen würde. Bessere Nachrichten konnte es eigentlich gar nicht geben. Sam beobachtete Jacks leuchtenden Augen, die so anders waren, als in dem Moment vorhin, als er auf der Terrasse stand. Sie waren nicht mehr traurig und wehmütig, sondern glücklich und lebendig. Irgendwas ging hier vor sich und Jack und Daniel waren darin verwickelt. Ganz sicher. Denn seit wann benahm sich der Colonel so widersprüchlich? Es störte nicht, dass er so war, es war nur seltsam. Sonst war er immer ernst, sarkastisch und manchmal auch ziemlich verletzend. Und nun lachte er viel mehr, war offener, achtete mehr auf das, was andere zu sagen hatten oder schenkte einem sogar mehr Vertrauen, wenn man es am wenigsten erwartete. Dieser neue Jack gefiel ihr besser als der alte. Wem auch immer man es zu verdanken hatte, sie war dieser Person dankbar. Diese Leichtigkeit, die ihr Vorgesetzter seither ausstrahlte, übertrug sich auch auf das Umfeld und machte so manches einfacher.

***

Langsam dämmerte es, Ruhe zog ein und die drei saßen im gemütlichen Wohnzimmer. Genüsslich knabberten sie ein paar Plätzchen, die wirklich vorzüglich schmeckten. Im Hindergrund ertönten Weihnachtslieder und man unterhielt sich über die verschiedensten Dinge, erzählte sich Witze oder einen Schwank aus der Jugend. Lange blieben sie nicht mehr wach. Jack lag kaum eine Stunde später hellwach in seinem Bett, nervös, voller Erwartungen und Vorfreude. Daniels Anruf hatte sein Herz höher schlagen lassen, seine missmutige Stimmung verzog sich daraufhin augenblicklich und er fühlte sich einfach nur happy. Wie ein verliebter Schuljunge, dachte er. So langsam schlief er ein.

In dieser Nacht träumte Jack von Charlie. Es war Weihnachten, das ganze Haus war liebevoll hergerichtet. Überall leuchtete und funkelte es. Kerzenduft vermischt mit dem Geruch von leckeren Backwaren schwebte durch jeden einzelnen Raum. Im Wohnzimmer stand der riesige Weihnachtsbaum mit unzähligen Lichtern, Kugeln, Strohfiguren und Zuckerstangen behangen. Im Kamin loderte das Feuer und hüllte das Zimmer in wohlige Wärme. Vor dem Baum saß Charlie, packte erwartungsvoll die Geschenke aus, und seine Augen funkelten vor Freude. Jack - im Sessel sitzend - lächelte, spürte eine Hand auf seiner Schulter ruhen und griff nach ihr. Dann sah er vom Sessel auf und klare blaue Augen blickten ihn an, strahlten mit dem Baum um die Wette. Jacks Blick fiel kurz auf den Jungen, der eben aufgestanden war. Charlie lächelte freundlich, nickte ihm zu, so als gäbe er seinen Segen für das Hier und Jetzt, und dann verblasste die Gestalt, bis sie ganz verschwunden war und machte nun dem einen Menschen Platz. Daniel. Der Jack noch immer fest ansah und lächelte. Liebevoll wuschelte der Jüngere durch Jacks graues Haar und die Lippen des Archäologen formten ein 'Ich liebe dich'. Der Ältere erwiderte die Geste und Zufriedenheit machte sich in ihm breit. Es gab ihm ein beruhigendes Gefühl, dass Charlie mit der Beziehung zu Daniel einverstanden war. Sein Sohn blieb für immer in seinem Herzen, er würde ihn stets in Erinnerung behalten und nie vergessen, denn er war ein Teil seines Lebens. Nun würde Jack neue Erinnerungen schaffen - Erinnerungen an Daniel - und deshalb bedeutete ihm dieses Einverständnis sehr viel.

***

Mit einem Gefühl von Wehmut erwachte der Colonel am nächsten Morgen. Der Wecker zeigte 7:00 Uhr an. Etwas früh und da er schon mal wach war, konnte er auch aufstehen. Mit schmunzelndem Gesicht erinnerte er sich an den Traum, der für ihn ein Zeichen war. Alle Lichter standen somit auf Grün. Nun schlüpfte er in seine Freizeitklamotten und trottete in die Küche. Dort rangierte er herum und schon bald zog der Duft von frisch gekochtem Kaffee durch sämtliche Räumlichkeiten. Es gab Brot, Obst, Eier mit Speck und sogar Pfannkuchen mit Sirup. Kaum fünf Minuten später, nachdem der Tisch gedeckt war, erschienen Sam und Teal'c und zwei 'Guten Morgen' Begrüßungen ertönten. Jack schaltete das Radio ein.

"Guten Morgen Minnesota. Es ist 7:45 Uhr an diesem herrlich verschneiten 24. Dezember. Die Temperaturen betragen überwiegend 15 Grad Minus. Als nächstes hören wir 'White Christmas' von Bing Crosby!"

Weit nach dem Frühstück gegen 10:00 Uhr, so war es beschlossene Sache, gingen Jack, Sam und Teal'c zusammen den Baum besorgen. Es schneite leicht. Es dauerte ja nicht lange bis sie einen geeigneten Baum finden würden und ein Spaziergang am Morgen sollte ja auch gesund sein. So marschierten sie hinaus in die weite Winterlandschaft.

***

Daniel saß über den letzten Zeilen seines Abschlussberichts über die Funde von P4X-374. Zur Hälfte war die Mission ein Reinfall, denn wirklich nützlich waren die Schriften und Tafeln nicht. Komischerweise war Daniel diese Tatsache ausnahmsweise nahezu egal. Seine Gedanken drehten sich sowie so nur um eine Sache, auf die er sich wie ein kleines Kind freute, nämlich Weihnachten zusammen mit Jack - natürlich auch mit Sam und Teal'c. Noch nie hatte er ein richtiges Weihnachtsfest gehabt. War immer allein gewesen und niemand dachte an ihn. Früher beneidete Daniel die Menschen, die ein gemütliches Zuhause hatten, mit einer Familie, die für einen da war, einen auffing und Mut machte. All das kannte er nicht. Immer war er auf sich allein gestellt und musste um Anerkennung kämpfen, wo es andere scheinbar einfacher hatten. Im Grunde wurde aus Daniel, gerade wegen dieser Schwierigkeiten und Anfeindungen, das, was er heute war. Ein Mensch mit starkem Willen, Überzeugungskraft und Durchsetzungsvermögen. Fand sogar Menschen, denen er wichtig war und die ihm wichtig waren. Freunde - eine Familie - auf die er zählen konnte. Menschen, die ihm das Gefühl gaben ernst genommen zu werden, bei denen er Ruhe fand und seinen Emotionen freien Lauf lassen konnte. Menschen, die ihn liebten und die er liebte. Besonders einer - Jack! Zwar war dieser Daniel nicht von Anfang an wohl gesonnen, doch im Laufe der Zeit, war Jack stets derjenige, auf den Daniel zu gehen konnte. Auch wenn Jack sich des Öfteren wie die Axt im Wald benahm und nicht darauf achtete, dass er andere mit seinem Sarkasmus oder seiner distanzierten Art verletzte. Stets wirkte der Colonel unnahbar, stur und ignorant, doch eigentlich war das nur ein Schutzmechanismus, eine Mauer, die er sich über all die Jahre aufgebaut hatte. Und das es ein Dr. Jackson wagte diese Mauer einzureißen, kam für Jack bestimmt unerwartet. Umso glücklicher war Daniel, dass eben dieser zuweilen doch sehr verschlossene Colonel, ihm sein Herz öffnete. Ein paar Tränen stahlen sich in Daniels Augen. Tränen, die glücklich sein bedeuteten.

***

Noch eine letzte Unterschrift und der Bericht war zur Abgabe bereit. Fertig! Endlich! Und jetzt nichts wie weg von hier, dachte Daniel! Der Bericht landete zehn Minuten später auf dem Tisch des Generals. Gemütlich schlenderte der Archäologe durch die leer gefegten Gänge des SGC Richtung Fahrstuhl. Ein einzelner Soldat, der wohl auf einem Rundgang war, kam ihm im Halbdunklen entgegen. Daniel wünschte diesem ein frohes Fest, war der Meinung, dass er zu bemitleiden war, da er zu Weihnachten Dienst schieben musste. Der Soldat erwiderte die Geste und Daniel marschierte weiter in Richtung Aufzug. Dort angekommen drückte er den Knopf für die oberste Ebene und mit einem leichten surren setzte sich die Kabine in Bewegung. Kurze Zeit später öffneten sich die Türen wieder und Daniel trat heraus und lief zu seinem Wagen, der neben zwei drei anderen einsam auf der Parkebene stand und warf seine Reisetasche auf den Beifahrersitz. Bevor er losfuhr, führte er noch ein Telefonat. Dann verließ er den Mountain, steuerte noch mal sein Apartment an, um die Tasche mit den Geschenken, die er schon vor einem halben Jahr besorgt hatte, zu holen und machte sich schließlich auf den Weg.

***

Eine Stunde später kehrten die drei Waldläufer zurück, in ihrem Gepäck hatten sie einen schönen großen Nadelbaum. Ein Prachtexemplar, wie sie alle fanden. Zu zweit hievten Jack und Teal'c den Baum ins Wohnzimmer neben den Kamin in die freie Ecke. Mit einem Ruck stellten sie ihn auf, stabil in die dafür vorgesehene Halterung. Nun entledigte man sich erst einmal der nassen Sachen und wärmte sich mit einem schönen heißen Glühwein auf. Jacks Blick fiel plötzlich auf das rote blinkende Lämpchen des Anrufbeantworters, blieb förmlich hängen, und drückte im selben Moment auf das Knöpfchen.

"Hier ist der Anschluss von Jack O'Neill, sprechen sie nach dem Piepton! PIEP!"

"Hi, ich bin's Daniel, fahre jetzt los und werde auf jeden Fall zum Abendessen da sein. Freue mich schon, grüsse Sam und Teal'c von mir! Und lasst mir noch ein paar Plätzchen übrig, ja? Bis dann! PIEP!"

Gut, Daniel war auf dem Weg hier her. Jetzt wussten sie wenigstens, wie viel Zeit ihnen noch blieb. Schließlich wollte der Baum noch geschmückt und das Essen gekocht werden. So fingen Jack und Sam an die Gans auszunehmen um sie anschließend wieder zu füllen, bevor sie dann mehrere Stunden im Ofen schmorte. Dazu gab es Kartoffeln, Gemüse, leckere Bratensoße und Kroketten, wer wollte bekam auch etwas Süßes. Am Nachmittag war es soweit. Das Objekt der Begierde sollte in Angriff genommen werden, die Zeit drängte. Im Laufe der letzten Stunden nahm der Schneefall immer weiter zu, dicke schwere Flocken fielen gen Boden. Man versammelte sich im Wohnzimmer, Jack drückte Teal'c eine Schachtel mit Baumschmuck in die Hand und erklärte ihm, dass er den Inhalt einfach auf dem Baum verteilen musste. Das war doch eigentlich ganz leicht. Oder? Teal'c schien echt Talent zu haben, denn er stellte sich gar nicht mal so dumm, wenn man bedachte, dass das der erste Baum in seinem Leben war, den er schmückte. Einige Zeit später stand der Baum in voller Pracht mit vielen Lichtern vor ihnen.

"Schön, nicht wahr!" sprach Jack.

"Ja wunderschön. Da haben wir uns wirklich selbst übertroffen, denn so einen Baum habe ich schon lange nicht mehr gesehen." entgegnete Carter.

"Und Teal'c, was sagst du?"

"In der Tat, ein effektvoller Anblick, O'Neill!"

"Schade, dass Daniel noch nicht hier ist." stellte Sam fest, er hätte diesen Moment bestimmt mit ihnen teilen wollen.

"Ja, wirklich schade. Entschuldigt mich einen Moment." verließ Jack den Raum, war ihm doch gerade wieder dieser Traum, mit seinem lächelnden Sohn, in den Sinn gekommen.

Verständnisvoll nickten beide.

***

Die Sicht betrug kaum mehr als fünfzig Meter. Dichter Schneefall behinderte das Sichtfeld. Im Radio meldete der Wetterdienst einen heftigen Schneesturm, der über Minnesota hinwegfegte. Mehrere Meter Neuschnee waren gefallen. Die Fahrt dauerte nicht mal mehr fünfundvierzig Minuten, dann würde er an seinem Ziel sein. Wohltuende Wärme, leckeres Essen, seine Familie und viel Spaß. All das war zum Greifen nahe. Am meisten freute er sich auf seinen Geliebten, auf dessen Umarmung und einen leidenschaftlichen Kuss. Ein lautes Krachen riss Daniel aus seinen Gedanken. Ein Baum war unter der Schneelast zusammen gebrochen, war direkt auf die Fahrbahn gefallen und lag nun quer über der Straße. Daniel fuhr direkt darauf zu, versuchte zu bremsen. Er riss das Lenkrad nach links, seine Räder blockierten und er verlor die Kontrolle über das Fahrzeug, kam ins Schleudern. Er fuhr eine kleine Böschung hinunter und knallte frontal gegen einen Baum. Sein Kopf schlug kurz auf dem Lenkrad auf, bevor sich der Airbag öffnete. Daniel zitterte, nicht nur vor Kälte, sondern auch, weil er nicht wusste, ob man ihn hier finden würde. Schmerzen durchfuhren ihn, sein rechtes Bein war eingeklemmt, Blut rann sein Gesicht entlang und tropfte auf den Pulloverkragen. Jack, war sein einziger Gedanke, der in ihm vorherrschte, ehe er in die Bewusstlosigkeit verfiel.

***

Es war bereits viertel sieben am Abend. Der Tisch war eingedeckt. Eine weiße Tischdecke mit weihnachtlichem Muster und darauf ein roter Läufer drapiert. In der Mitte des Tisches standen vier rote Leuchterkerzen, dazwischen etwas Tannengrün, weißes Geschirr mit einem schmalen zarten Goldrand auf jedem Platz, Besteck links und rechts und Weingläser. Alle drei trugen Festtagskleidung. Nervös fielen die Blicke ständig auf die Uhr, es war nun schon fünf vor halb. Wo blieb Daniel bloß? Sam tischte inzwischen schon die Speisen auf, während Jack weiterhin nervös auf und ab lief. Machte sich und die anderen mit dieser Rennerei verrückt. Fünf Minuten hatte er noch und wenn Daniel dann immer noch nicht da war, würde er ihn noch einmal versuchen anzurufen.

"Daniel wird schon kommen. Vielleicht ist er wegen dem Wetter etwas später dran, schließlich schneit es ziemlich heftig." sprach Sam in einem ruhigen Tonfall um die Situation aufzuhellen.

"Na hoffentlich!" gab Jack resignierend zurück.

Ganz wohl war Jack bei der Warterei nicht. Und wenn ihm nun etwas passiert war? Der Sturm war schließlich nicht ganz ohne. Die unmöglichsten Szenarien fluteten seinen Kopf. Wollte er doch daran glauben, dass sich Daniel einfach nur verspätete. Mittlerweile war es kurz nach halb Sieben, Jack wählte Daniels Nummer und wieder ging nur die Mailbox ran. - Der von Ihnen gewünschte Gesprächspartner, ist vorübergehend leider nicht zu erreichen! The person you've called... - Vielleicht war auch der Akku leer? Oder der Empfang war schlecht, weil er in einem Funkloch saß? Oder, aber... Nein, daran mochte er nicht denken, schließlich waren sie beide kurz davor, den anderen etwas zu sagen. Da konnte es nicht schon wieder vorbei sein. Nach so kurzer Zeit. Nicht an Weihnachten. Niemals. Er würde es sich nicht verzeihen. Weitere neunzig Minuten verstrichen, zogen sich wie Gummi in die Länge, als das Telefon klingelte. Jack sprang auf und stürzte sofort an den Hörer.

"Daniel, wo bleibst du denn? Das Essen wird kalt." rief er aufgebracht, versuchte seinen sorgenvollen Ton in der Stimme zu überspielen.

"Nein, hier ist Fraiser." kam es leicht erschrocken.

"Ach sie sind es, Janet! Was gibt's?" Enttäuschung schwebte in Jacks Worten, weil es 'nur' Doc Fraiser war.

"Ich rufe nur an, um ihnen und den anderen ein schönes gemütliches Weihnachtsfest zu wünschen, da ich bisher noch keine Möglichkeit hatte, mich zu melden. Ist irgendetwas passiert? Was ist mit Daniel?" wollte Janet wissen, da sie Jacks Sorgen heraushören konnte.

"Er ist überfällig, sollte um halb sieben hier sein. Na ja, liegt wohl am Schneesturm, dass er sich verspätet!" klärte er die anfängliche Verwechslung auf und versuchte sich selbst gut zuzureden.

"Verstehe. Sicher wird er noch kommen! Dann mach ich erstmal Schluss, womöglich versucht er sie gerade zu erreichen. Sagen sie Sam und Teal'c einen schönen Gruß von mir und machen sie sich keine Sorgen Jack!"

"Mach ich! Ihnen auch ein schönes Fest, Janet. Grüssen Sie Cassie von uns!"

"Ja."

Beide legten auf.

Die Sorgen waren längst der Angst gewichen. Angst davor, was kommen konnte. Irgendwie entwickelte sich der Traum von Weihnachten in einen Alptraum. Die Ungewissheit trieb einen in den Wahnsinn. Gäbe es doch nur ein winziges Lebenszeichen von Daniel. Irgendjemand hatte wohl etwas dagegen, dass alles glatt lief. So kam es Jack vor, denn jedes Mal, wenn er glaubte es geschafft zu haben oder glücklich zu sein, dann machte man ihm einen Strich durch die Rechnung. Immer kurz vor dem Ziel, stellte ihm jemand ein Bein, sodass er fiel. In ein Loch ohne Boden oder in die nächste Katastrophe. Manchmal fühlte er sich, wie eins dieser Versuchskaninchen, die man wahllos pieken konnte. Und Daniel traf es nicht minder schwer. Und gerade deshalb, wollte Jack, dass es diesmal klappte. Aber nein. Vergebliche Liebesmüh. Ahnte er doch, dass etwas nicht stimmte. Erneutes Telefonklingeln ließ ihn hochschrecken. Schnell nahm er den Hörer ab.

"Daniel?" fragte Jack automatisch.

"Nein, tut mir leid. Aber spreche ich mit einem gewissen Jack O'Neill?" sprach eine weibliche Stimme am anderen Ende der Leitung.

"Ja, der bin ich. Um was geht es?" Jack' Stimme zitterte ein wenig und biss sich deshalb auf die Unterlippe.

"Dann kennen sie einen Daniel Jackson?"

"Ja, sicher! Sagen sie schon um was es geht!" ungehalten klang sein Tonfall, weil er noch immer nicht wusste, was diese Frau zu sagen hatte.

"Ich habe ihre Telefonnummer aus den persönlichen Sachen des jungen Mannes, dass man sie benachrichtigen soll, wenn etwas passiert sei...." augenblicklich schoss Jack das Blut aus dem Gesicht und war kreidebleich, bekam nasse Hände.

"Was ist los!"

"Ich wollte ihnen mitteilen, dass Daniel Jackson vor einer Stunde ins Mercy Krankenhaus eingeliefert wurde. Er hatte einen Unfall."

"Unfall?" wiederholte Jack das Wort, was er nicht hören wollte und ließ Sam und Teal'c aufhorchen.

"Ja. Es wäre schön, wenn sie vorbeikommen könnten." erklärte die Frau.

"Komme sofort!" bestätigte er kurz und legte auf.

Mit zittrigen Händen hielt Jack noch immer das Telefon in der Hand und blickte zu Sam und Teal'c. Sam war ebenfalls etwas die Farbe aus dem Gesicht gewichen. Bei Teal'c konnte man die Sorgen nur vermuten, da er seine Emotionen hinter seinem angespannten Gesicht verbarg. Wie konnte er nur so ruhig bleiben? Das war Jack von je her ein Rätsel. Sam fand als erste die Sprache wieder.

"Was soll das mit dem Unfall bedeuten? Ist irgendetwas mit Daniel?" sprach sie eindringlich.

"Genaueres hat die Frau nicht gesagt, nur dass Daniel einen Unfall hatte und vor einer Stunde eingeliefert wurden war." kam es kurz und ungläubig, ob er es auch richtig verstanden hatte, von Jack.

"Oh Gott!" war Sams Reaktion darauf, da sie sich ausmalte, was passiert sein konnte.

"Ich werde jetzt ins Krankenhaus fahren, wenn ihr euch um das alles hier kümmern könntet! Das wäre..."

"Aber sicher. Und rufen sie uns an, wenn sie etwas Neues wissen, okay?"

Jack nickte und machte sich auf den Weg in das zwanzig Minuten entfernte Krankenhaus.

***

Mit unzähligen Vorstellungen im Kopf, wie er Daniel vorfinden würde, stürmte Jack in die Notaufnahme und erkundigte sich nach Daniel. Eine Schwester deutete ihm an, sich doch zu setzen und dass sie die behandelnde Ärztin über sein Kommen informieren würde. Wieder vergingen Minuten mit unnötigem Warten und Bildern, die nicht aus seinem Geist verschwinden wollten. Jack machte sich Vorwürfe. Was wäre gewesen, wenn General Hammond auf Daniel verzichtet hätte? Er läge nicht hier. Was wäre gewesen, wenn Jack im Mountain geblieben und Sam mit Teal'c schon mal vorgefahren wäre? Daniel läge nicht hier. Warum waren sie nicht zusammen gefahren oder hätten in Colorado Springs die Weihnachtsfeiertage verbracht? Weshalb hatte er nur darauf bestanden nach Minnesota zu fahren? War er egoistisch? Es war zum verrückt werden. Immer traf es diesen außergewöhnlich starken und mutigen Menschen, der es stets schaffte sich wieder aufzuraffen, wenn er noch so oft am Boden lag. Könnte er doch nur mit ihm tauschen. In einiger Entfernung sah Jack eine Ärztin auf ihn zukommen und lief ihr die letzten Meter entgegen.

"Sie sind Mr. O'Neill?" lächelte die junge Frau, sichtlich überrascht, dass es sich bei Jack um einen etwas älteren Herrn handelte und nicht gemäß ihrer Erwartungen um einen etwa gleichaltrigen Mann, so wie der Patient es war.

"Ja. Können sie mir sagen was passiert ist und wie es um ihn steht?" fiel Jack mit der Tür ins Haus.

"Also ich bin Dr. Thompson, die behandelnde Ärztin."

"Sehr erfreut!"

"Um auf ihre erste Frage zurück zu kommen, hatte ihr Freund mit dem Auto einen frontalen Zusammenstoß mit einem Baum, nachdem er einem auf der Straße liegendem Baum ausweichen musste. Dabei hat er sich eine leichte Unterkühlung, eine Kopfwunde und einen angebrochenen Knöchel zugezogen. Abgesehen davon geht es ihm gut. Er hatte Glück im Unglück."

"Gott sei Dank. Kann ich zu ihm?" kam es erleichtert von Jack.

"Gut, ausnahmsweise. Aber nur fünf Minuten, es kann durchaus sein, dass er jetzt schläft." erklärte Dr. Thompson und brachte Jack zu Daniel.

Leise betrat der Colonel das Zimmer, indem Daniel lag, und die Ärztin ließ ihn allein. Jack näherte sich dem Bett und ein Stein fiel ihm vom Herzen, als er erkannte, dass Daniel, der schlief, nichts Schlimmeres passiert war. Ein großes Pflaster zierte Daniel' Stirn über dem linken Auge und sein rechter Fuß trug einen leichten Gips. Jacks Gesichtszüge entspannten sich sichtlich, es war alles nur halb so schlimm, ganz anders als in seiner Fantasie. Er setzte sich neben das Bett auf einen Stuhl, nahm die Hand von Daniel in die seine und streichelte sanft dessen Gesicht, dankte Gott dafür, dass er noch etwas mehr Zeit mit dem jungen Archäologen verbringen durfte. Jack versprach morgen mit den anderen wieder zu kommen und verließ, auf Geheiß der Schwester, das Zimmer und informierte Sam und Teal'c noch im Hinausgehen über Daniels Zustand.

***

Am darauf folgenden Morgen erwachte Daniel und stellte fest, dass er in einem weichen Bett lag. Langsam öffnete er die Augen, musste allerdings blinzeln, weil das Neonlicht ihn fürchterlich blendete. Allmählich gewöhnte er sich an die Helligkeit, die keinen Augenblick später einer angenehmeren Lichtstärke wich, da das Licht gelöscht wurde. Plötzlich roch Daniel einen köstlichen Duft, der bis eben noch nicht da gewesen war. So setzte er sich auf und schaute sich um, dabei entdeckte er einen Tisch in der Ecke. Darauf stand ein beleuchteter cirka ein Meter hoher Weihnachtsbaum, daneben ein Teller voller Plätzchen, ein Teller mit anderen Leckereien und auch Dinge, die zu einem ausgiebigen Frühstück gehörten, erkannte er. Im ganzen Raum waren auch noch Kerzen aufgestellt, welche die Räumlichkeit in eine angenehme Atmosphäre tauchten. Sein Blick schweifte weiter durch das Zimmer, bis er an der Tür inne hielt. Jack stand im Türrahmen und beobachtete Daniels Reaktion auf diese Überraschung. Er selbst musste sich bei den Schwestern ganz schön ins Zeug legen und seinen ganzen Charme spielen lassen, dass sie diesbezüglich mal eine Ausnahme machten. Aber ein Lächeln seines Archäologen war das alle mal wert. Dennoch sah er in dessen Augen eine gewisse Traurigkeit. Jack näherte sich Daniel und nahm auf der Bettkante platz. Lächelnd.

"Du hast uns einen ganz schönen Schrecken eingejagt, weißt du das?" sprach Jack sanft und bestimmt.

"Daran ist nur dieser blöde Baum schuld. Es tut mir leid, Jack, dass ich euch Weihnachten verdorben habe!" entgegnete Daniel schuldbewusst traurig.

"Hast du nicht, Daniel. Wichtig ist nur, dass es dir gut geht. Glaubst du etwa, ein Weihnachten ohne dich würde mir gefallen?" sah er den Jüngeren liebevoll an.

"Wirklich nicht?" flüsterte Daniel.

"Ganz sicher. Du bist mir wichtiger als Weihnachten und weißt du warum? Weil ich dich liebe und ich dich nicht mehr verlieren möchte, dass täte ich nicht verkraften!" sprach Jack, sah Daniel dabei fest in die blauen Augen, strich ihm sacht über die Wange und legte schließlich seine Lippen sanft auf die von Daniel, verharrten in einem zarten innigen Kuss. Vergaßen völlig die Umwelt. Die Zeit stand buchstäblich still. Drehten sich in ihrer Welt voller Verständnis, Zuneigung, Vertrauen und Liebe. Den Moment mit jeder Faser ihrer beider Körper auskostend, nicht loslassend und verinnerlichend. Leidenschaft und die Nähe des anderen spürend. Berührungen genießend.

Dieser Moment blieb nicht ungesehen, als die beiden anderen das Zimmer betraten. Ihnen bot sich ein unerwartetes Bild, was nur allzu verständlich war. Aber dennoch dachten die beiden nicht, dass es falsch sei. Sam verstand nun auch die ganzen Szenarien und Situationen, die sie nicht einzuordnen fähig war. Jacks spontane Gefühlswandlungen, Daniels ruhiges Auftreten, wenn Jack mal wieder stresste oder auch die Wutausbrüche auf der letzten Mission - auch auf denen davor - oder im SGC vor drei Tagen. Das alles machte erst jetzt, nachdem sie mit eigenen Augen gesehen hatte, wem sie Jacks Veränderung verdankten, einen Sinn, obwohl sie gelegentlich so eine gewisse Ahnung verspürte. Auch die Tatsache, dass die beiden vehement darauf bestanden, dass sie und Teal'c Weihnachten mit ihnen zusammen feiern sollten, passte ins Schema. Sie gönnte Jack und Daniel ihr Glück und dass die beiden ihnen so sehr vertrauten, machte Sam stolz. Teal'c zeigte seine Zustimmung mit seinem typischen Nicken und der hochgezogenen Augenbraue.

Ein zaghaftes Räuspern beendete die innige Zweisamkeit und Jack und Daniel blickten in die Gesichter ihrer Freunde, die Verständnis und Zustimmung ausdrückten. So mussten sie kein weiteres Wort darüber verlieren, was sich zwischen ihnen entwickelt hatte, obwohl ein anderer Ort zum Offenbaren besser gewesen wäre. Die Angst, Teal'c und Sam würden auf ihrer beider Geständnis mit Ablehnung reagieren, löste sich in Rauch auf. Beide konnten sich auf ihre Verschwiegenheit verlassen, das Geheimnis war bei ihren Kameraden, ihren Freunden, ihrer Familie 1000%ig sicher aufgehoben. Das Versteckspiel hatte endlich ein Ende! Ungeniert zog Jack Daniel nochmals in einen leidenschaftlichen Kuss voller Hingabe.

"Frohe Weihnachten, Daniel!"

"Frohe Weihnachten, Jack!"

ENDE

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